Reise durch Wirklichkeiten

Donnerstag, 31. August 2017

Wirtschaft und Politik

„Man muss eine Rampensau sein“ rät Altkanzler Schröder seinem SPD-Nachfolger Schulz für den Wahlkampf. Dazu hampelt er in möglichst volkstümlich-populistischen Posen umher, wie wir sie von Trump kennen. Ob das heißt, dass man bereit sein solle, dem Wahlvolk ein X für ein U vorzumachen? Ob er seinem Schulz damit einen Bärendienst erwiesen hat? Schröder himself will jetzt offenbar dem Verwaltungsrat der russischen Olfirma Rozneft gegen gutes Honorar vorstehen. So etwas hat Tradition in der SPD: Clement (RWE), sowie der bisher letzte Kanzlerkandidat, Peer Steinbrück (ING-Berater) scheinen in dieser Richtung schon mal „voRWEg“ gegangen zu sein. Dabei hat sich doch in letzter Zeit klar erwiesen, was eine allzu große Nähe zwischen Wirtschaft und Politik ergibt. Der Dieselskandal und all die Begleitskandale mögen da Beleg genug sein. Beispiele aus der Automobilindustrie? Eckart von Klaeden (CDU) war Staatsminister im Kanzleramt und ging 2013 als als Cheflobbyist zu Daimler, Thomas Steg war Vize-Regierungssprecher und im Jahr 2009 Wahlkampfberater der SPD, ehe er 2012 als Cheflobbyist zu Volkswagen wechselte, Martin Jäger von der CDU war 2004 bis 2005 Referatsleiter im Kanzleramt und 2005 bis 2008 Sprecher des Auswärtigen Amtes, ehe er zu Daimler wechselte, um dort den Cheflobbyisten von 2008 bis 2013 zu geben. Seit 2016 ist er nun Staatssekretär im Innenministerium Baden-Württemberg. Wem das wohl genützt hat? Den Konzernen? Ob sie dadurch bei der Elektrifizierung des Autos vorangekommen sind? 

Mittwoch, 30. August 2017

Wahlkampf im Fernsehen

Aufschlußreich war die Fernsehsendung „Anne Will“ vom vergangenen Sonntag, die 4 Wochen vor dem Wahltag wohl noch einmal Aufmerksamkeiten mobilisieren wollte. Es fand dabei der Kanzlerin Einlassung „Für ein Deutschland in dem wir alle gut und gerne leben“ Erwähnung und wurde auf einem Wahlplakat der CDU gezeigt. Auch wurde erwähnt, dass Deutschland mit einer Arbeitslosenquote von 5,6 % Rekordtief habe. Die Steuereinnahmen sprudelten. Dann kam die Phrase vom „Schlechtreden“, die inzwischen viele CDU/CSU-Politiker in den Mund genommen haben. „Wenn man den Anspruch erhebt, Kanzler zu werden, darf man das Land nicht in der Art und Weise schlecht reden, wie es Schulz tut“ wurde Wolfgang Schäuble aus der Süddeutschen Zeitung vom 12.2.2017 zitiert. Nachgeschoben wurde die Behauptung „Wir haben im Moment so viele Arbeitsplätze, wie in der Geschichte der Bundesrepublik noch selten da war". Olaf Scholz von der SPD, der in der Art des Neuen Deutschland auch nach den schlimmsten Desastern  nach dem Treffen der der G 20 in Hamburg als OB nicht zurücktreten wollte, gab zu Protokoll: „Im übrigen glaubt Martin Schulz wie die ganze SPD, dass wir einen Beitrag dazu geleistet haben“. Oft werden dann der Mindestlohn und die Rente mit 63 Jahren genannt. „Gleichzeitig sei es so“, so der Scholz-Olaf, „dass es nicht aus der Perspektive jedes Bürgers gerecht zugeht“. Denn wenn es dem ganzen Land gut gehe, „heißt das noch lange nicht, dass das für jeden Einzelnen gilt“. Wie wahr. Eine Entdeckung eines Hochwohlgeborenen der SPD-Hierarchie. „Wenn also 40 % derjenigen, die im unteren Lohnbereich sind, eher sinkende Einkommen hatten", wenn beispielsweise die Mieten explodieren, wenn manch einer entgeistert auf seinen Rentenbescheid kuckt, wenn die KITA-Gebühren manche Familien sehr belasten, wenn ein junger Mensch keinen Ausbildungsplatz findet, dann sind das Fragen, bei denen man an den Bürgern vorbei redet, wenn man behauptet „es läuft doch gut“. CDU-Laschet, der neue NRW-Landesvater, behauptet dagegen, dass „Schulz derzeit nicht die Themen trifft, die die Menschen bewegen“. 

Dienstag, 29. August 2017

Rente und Altersarmut

Alles scheint ruhig. Das deutsche Wahlvolk wählt unter Umständen sogar – drastisch ausgedrückt - seine Schlachter (anders als in England oder Frankreich, wo Wut öffentlich zum Ausdruck gebracht wird). Doch es ist dies auch die Folge einer lange anhaltenden Erziehung, die auf Individualisierung und Vereinzelung zielt - und dabei den Neoliberalismus im Sinn hat, dessen Vertreter dazu neigen, alle Macht dem Markt übergeben zu wollen und von ihm das Heil der Welt zu erwarten. Am Markt sollen immer Individuen teilnehmen. Unsinn!, so höre ich schon "Experten" murmeln. 
Zum Beispiel Arbeitslosigkeit: heute ist das eine Art persönlicher Makel und nicht die Folge der Politik von Konzernen. Die herrschende Politik versucht, die Armen gegen diejenigen, die noch weniger haben, auszuspielen. Die Altersarmut droht aber überall (die Anzeichen sind eindeutig und sind eine Folge von gewissen Beschäftigungsverhältnissen!), ja sie ist oft sogar schon da (fragt sich nur, ab welcher statistischen Grenze das als solches wahrgenommen wird), - und alle bleiben ruhig. Denn es soll sich lohnen und es soll Spass machen, hier zu leben, wie eine Herrschende vollmundig verkündet. Ist es wirklich so toll, auf etwas wie Altersarmut zuzugehen? Folgendes Zahlenspiel: Ein Standardrentner ist jemand, der 45 Jahre lang ohne Unterbrechung mit dem durchschnittlichen Arbeitseinkommen gearbeitet hat (das liegt z. Zeit bei 3022 Euro pro Monat/Brutto). Dies würde eine Rente von 1300 Euro brutto mit sich bringen, nach Abzügen netto etwa 1100 Euro). Womöglich gibt es auch jetzt schon viele Menschen, die mit ihrer Rente darunter liegen. Ob wir dadurch auf eine große Altersarmut zulaufen? Ob das dem sogenannten „Leistungsgedanken“ förderlich ist? Ob die Schere zwischen Arm und Reich (wohlbestallte Renten oder im Falle von Beamten sind das fette Pensionen) auseinander geht? Ob die daran abzulesende zunehmende Ungleichheit noch zu leugnen ist? Ob sie bei den Wahlen Konsequenzen haben wird?  

Montag, 28. August 2017

Agenda-Politik und politische Eliten

Die Arbeitslosigkeit hat sich durch die deutschen Hartz-Reformen halbiert, so behauptet das politische Spitzenpersonal und die selbsternannte Elite dieser Gesellschaft immer wieder, - gerade jetzt im Wahlkampf. Es scheint regelrecht zu einer „überall“ akzeptierten Phrase geworden zu sein, die sogar anderen Nationen zur Nachahmung empfohlen wird. Die Arbeitslosigkeit sei halbiert, so heißt es gerne. Toller Erfolg also. Aber stimmt das überhaupt? In Wirklichkeit scheint das Ergebnis immerhin umstritten zu sein. Es setze nämlich die Wahl der falschen Vergleichsjahre voraus, so hat jüngst ein TV-Beitrag (in "Monitor")  zusammen mit einem „Wirtschaftsweisen“ (Bofinger) argumentiert. Statt 2005 wäre 2001 das richtige Vergleichsjahr. Es werde allzu gerne ein Rezessionsjahr wie 2005 mit einem Boomjahr wie 2016 verglichen (Man könnte auch die Boomjahr-Parameter heranziehen: Westdeutschland Arbeitslosigkeit 2001: 2,0 Mio, 2016: 2,0 Mio., Ostdeutschland Arbeitslosigkeit 2001: 1,5 Mio, 2016: 0,7 Mio). Das günstige Ergebnis für Ostdeutschland habe weniger mit den „Agenda“-Reformen zu tun, als vielmehr damit, dass die negativen Folgen des „Anschlusses“ allmählich ausgelaufen sind (der sogenannte „Solidaritätszuschlag" besteht ja immer noch und wird vom Staat unter Zustimmung und sogar dem heftigen Betreiben der an der Regierung beteiligten SPD gerne eingesackt!!!). Zudem seien die Menschen, so der Beitrag weiter, die als Folge der „Wiedervereinigung“ arbeitslos geworden sind, langsam aber sicher aus dem Erwerbsleben ausgeschieden.
Die gesellschaftlichen Schäden der Hartz-Reformen hingegen seien enorm: die prekäre Beschäftigung wächst, die Altersarmut steigt. Immer mehr Menschen geraten trotz Arbeit ins gesellschaftliche Abseits. Nicht nur das mit der Altersarmut kann ich am eigenen Beispiel ermessen: trotz akademischem Abschluss droht mir (Klartext) der Strick durch Selbstmord, weil ich mich diesem „Schwitzkasten“ (ca. 610 Euro Rente ab Lebensjahr 67!) nicht aussetzen will. Bilanz: Gewissen Leuten geht es immer besser (es sind diejenigen, die in den Medien auftreten oder wissenschaftlich fragwürdige Begründungen vorführen), anderen geht es immer schlechter (womöglich bis zu 1/3 der Bevölkerung). Sie hangeln sich von Möglichkeiten zu Möglichkeiten, die aber meist befristet und zudem sehr schlecht bezahlt sind. Auf diesem Lohndumping scheint auch der Motor des wirtschaftlichen Booms zu basieren. Insbesondere ältere Menschen fallen oft aus allen Sicherungssystem heraus oder müssen „aufstocken“ (was eine andere Form der Umverteilung ist). Die 2/3-Gesellschaft scheint zu diktieren und alle Macht zu halten. Dass möglicherweise 1/3 der Gesellschaft unter solchen Verhältnissen immer mehr absäuft, scheint von den auch öffentlich wahrnehmbaren "Eliten" in Kauf genommen und sogar als Erfolg verkauft zu werden (kein Wunder, denn diese "Klasse" selbst profitiert am meisten von solchen Entwicklungen...). 

Sonntag, 27. August 2017

Wahlen und Demokratie

Wahlen stehen an. Mannigfache Stimmen bezeichnen das sozusagen als eine Art „Hochamt der Demokratie“, als heilige Pflicht, für die die Gewerkschaften und die bürgerliche Gesellschaft lange gekämpft hätten. Doch wir könnten uns auch folgende Gedanken durch den Kopf gehen lassen: Ist es wirklich so, dass eine einzelne Stimme (ausgerechnet meine) den Ausgang von Wahlen mitbestimmen könnte? Wenn ja, ist das dann nicht ein winziger Teil des Ganzen, das allenfalls in der Summe eine Rolle spielen könnte (gutmütig wohlmeinend ausgelegt als der Teil einer Art von „Schwarmintelligenz“). Setzt die Demokratie nicht den mündigen und informierten Bürger voraus, der sich für nachhaltige Perspektiven mit seiner Stimme einsetzt? Ist das in unserem System gewährleistet, oder gibt es nicht eine große uninformierte Masse der Leute, die sich allenfalls im letzten Moment für eine emotional bedingte „Bauchentscheidung“ entscheidet? Ob das eine Reaktion auf bestimmte Verhältnisse ist? Eine Masse von Leuten, die sich einen Dreck für Politik interessiert und darunter nur das Ränkespiel von ein paar prominenten Köpfen versteht? Werden wir nicht andauernd darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine solche Unentschiedenheit im Wahlverhalten bei der anstehenden Wahl in Deutschland ganz besonders der Fall sei? War der Brexit etwas, was UK nützt oder schadet? Wer soll da zur Wahl gegangen sein und wer nicht? Ob das einen Einfluss auf das Endergebnis hatte?

Donnerstag, 24. August 2017

Wahlkampfplakate

Wahlkampfplakate? Setzt einen Kampf voraus. Der scheint sich aber nicht so recht einzustellen. Es herrscht in Deutschland anscheinend die Alternativlosigkeit. Einer hat da keine Chance, versucht sie aber zu nutzen. Stolpert angelegentlich über einen alten Parteigranden, der sich anscheinend unter die Obhut von Putin begeben will und dort satt grinsend sein stattlich honoriertes Gnadenbrot frisst. Dabei ist doch offiziell das Motto und die Parole, ja der Glaubenssatz „Gerechtigkeit“ ausgegeben. Ob sich die Firma Gazprom oder Roznjeft immer an den Codex hält? Ach, es ist ein Graus......diese ganzen glattgebügelten, nichtssagenden und selbst für Werbungsverhältnisse schrottig-peinlichen Plakate, die mit einem Photoshop-Lächeln und manchmal noch mit einer formelhaft gestanzten "Weisheit" auf eine fiktive Mitte zielen, sie dürfen in Masse überall dort aufgehängt werden, wo es ansonsten tausend Genehmigungen vonnöten sind. Diese Plakate, bei denen ihren jeweiligen Erzeugern nichts Neues mehr eingefallen zu sein scheint, - außer bei der FDP. So manchem mag das nicht gefallen und gewisse Nachteiligkeiten liegen auf der Hand, aber die Farbgebung und der Lindner in finsterer Entschlossenheit oder Unterwäsche gewappnet, die wollen mit ihrem aufgehübschten Selbstbewusstsein jemanden ansprechen. Klar, die FDP scheint ja auch nach wie vor eine klare Zielgruppe zu haben. Auch Die Linke hat angeschärfte Plakate: gewisse Aussagen sind ihnen als etwas fragwürdige Kernparolen zu entnehmen, „soziale Gerechtigkeit“ scheint hier zumindest nicht nur eine Phrase zu sein. Die AfD will halt mit ihren Mitteln Wählerstimmen abfischen, - nun ja. Aber die CDU/CSU und die SPD scheinen die allerflachsten Klischees hervor zu kramen, um mit denen zum Erfolg zu kommen. Geistig scheinen sie gewisse Veränderungen in der Umwelt noch nicht so richtig kapiert zu haben. Internet? Social Media? Transparenzbestrebungen? Alle Konturen sind hier weich retouchiert: ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt. 

Mittwoch, 23. August 2017

Intellektuellendiskurs

Jaja, Intellektuelle weisen einen Blick auf das Allgemeine und das Ganze weit von sich! Das habe ich erst kürzlich wieder einem Interview entnommen. Welcher Unterschied zu den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in denen das Pendel leider etwas zu sehr in die andere Richtung ausschlug! Intellektuelle, wer auch immer das sei, fühlen sich nun nicht mehr als öffentliche Personen, obwohl sie von der Öffentlichkeit teilweise fürstlich für ihre Dienste bezahlt werden. Heutigen disziplinär geordneten Bereichen scheint eine solche Verantwortlichkeit zu widersprechen. Sie erklären, dass sie sich unfähig dazu fühlten, dass sie nicht über die Sprache und über das qualifizierte Einsichtsvermögen dafür verfügten. Der öffentliche und akademische Raum müsse streng getrennt werden, so heißt es da oft in wohlhonorierter Bescheidenheit. Als Bürger dürfe und könne man etwas sagen, seine Meinung kund tun. Als Professor aber keinesfalls. Dieser beanspruche aus seinen analytischen Kompetenzen heraus keinesfalls die Deutungshoheit in Krisensituationen. Er fühle sich damit überfordert, - auch darin, so etwas wie „Allgemeinbildung“ aufrecht zu erhalten. So etwas sei längst überwunden. Das sind Intellektuelle heute. 

Montag, 21. August 2017

Was wir wissen (3)

Inzwischen gibt es Wissenschaftler, die glauben (!), dass es mehr als drei Dimensionen gibt. Der Raum könnte ja noch weitere Dimensionen haben. Ob wir ihnen dann näher kommen können, oder ob – wie es scheinbar brennend interessiert – schon die „Bewohner“ einer solch multidimensionalen Welt auf uns zukommen werden? Als Aliens? Wir sollten das erst mal verschieben und uns klar werden, dass wir in unseren Erkenntnismöglichkeiten beschränkt sind, trotz des ach so wissenschaftlichen Weltbildes, dem in unseren Zeiten nahezu absolute Gültigkeit bescheinigt wird. Platon zufolge ist die Welt, so wie wir sie wahrnehmen, so wie die Wand in einer Höhle, auf der zweidimensionale Schatten tanzen. Erzeugt werden sie aber von dreidimensionalen Figuren draußen vor der Höhle, die wir leider nie zu Gesicht bekommen. Nun ja, schon die alten Griechen hatten da wohl eine Ahnung, - Platon hatte wohl mehr als das.... Ob man aus zweidimensionalen Schattenbilder einen dreidimensionalen Raum rekonstruieeren kann? Es braucht zumindest ein gewisses Maß an Offenheit dafür. Weil wir die Extradimensionen nicht kennen, wird das für uns ein Spekulationsspiel, das wahrscheinlich Ahnungen gleich kommt, Visionen. Ob das, was in der vierten Dimension existiert, eine Chance hat, zu uns durchzukommen? Gibt es wenigstens einen theoretischen Zugang? Wie könnte für uns beschränkte Wesen eine Reise in die vierte Dimension aussehen? Es würde auf jeden Fall eine verunsichernde Verzerrung unserer bisherigen Lebenswelt entstehen, so viel ist sicher. Und wir lächerliche Lebewesen würden etwas über unsere Beschränkungen erfahren. Wir würden uns vielleicht auch einer Sichtweise annähern, die etwas vollkommener ist, als die, die wir haben.  

Sonntag, 20. August 2017

Reaktionen

  Ich wundere mich, wie die Politiker als Häuptlinge jetzt wieder scharf verurteilen, wie sie Gedenkminuten einlegen lassen, irgendetwas auf Halbmast setzen lassen und stellvertretend unsere Werte verteidigen wollen. Dabei sind sie genauso machtlos wie jeder andere. Symbole? Nun ja, sind vergänglich. Inzwischen sogar schnell. Werte? Nun ja, auch hier wurde vielfach darüber nachgedacht. Beileidskundgebungen: gut und recht, aber was bringen sie uns? Ein Gefühl der Solidarität? Der Gemeinsamkeit? Es kann tragen, wenigstens eine Zeit lang. Ob dies aber geschürt und befeuert ist? Oder ob sich jemand bewusst ist, dass auch viel direkte Gewalt von dieser Gesellschaft ausgehen kann, in der wir leben? Es scheint schon Vieles eine ungute Gewohnheit geworden zu sein, auch wenn es direkt neben einem einen Menschen zerreißt. Drei Wochen später scheint alles vergessen, das Leben geht weiter, als wäre nichts. Hass. Mord. Ich denke, das alles muss man sich leisten können. Ein Gefühl der Unsicherheit wird ausgenutzt, für Ziele, die vielleicht auch mit staatlicher Repression zu tun haben. Dies ist auch in anderen Gesellschaften so. Dort wird das offenbar noch viel wilder betrieben. Es muss etwas getan werden, es muss etwas passieren: so etwa lässt sich dies grassierende Gefühl auch beschrieben. Dies kann auch zu Aktionismus führen, dazu, dass etwas getan wird, damit etwas getan wird. Dies kann auch zu Behauptungen führen, dass etwas getan werden müsse, man selbst wisse genau, was dies sein könne. Die Kröte, die geschluckt werden müsse, würde natürlich nur der Anfang sein. Danach erst würde sie sich als Wohltat herausstellen.  

Samstag, 19. August 2017

Was wir wissen (2)

Was wir wissen? Viel oder wenig? Ob wir darüber für immer im Ungewissen bleiben werden, wie Max Planck einst fand? „Die Wissenschaft kann die letzten Rätsel der Natur nicht lösen. Und das ist so, weil wir letztlich ein Teil des Rätsels sind“, sagte dieser Großphysiker. Möglicherweise werden wir dieses Rätsel, das wir uns selbst sind, nie lösen können. Ob wir's akzeptieren können? Und überhaupt: Ob es mehr Dimensionen als die uns bekannten Raum und Zeit gibt? Mit einiger Wahrscheinlichkeit. Schon die Hippies schwadronierten etwas von der Fünften Dimension. Ob aus dieser Wirklichkeit heraus die Welt eine völlig andere wäre? Und wir unvollkommene Wesen bekämen nur einen vielfach geprägten Ausschnitt der anderen Welt mit? Auch Platon spekulierte in seinem Höhelgleichnis dazu, das wir stets einen durch unsere Möglichkeiten herausgestanzten Ausschnitt einer Wirklichkeit erkennen können. Ob die Möglichkeiten unseres Hirns unser Bild von der Welt prägen? Ob es da noch andere Apparate gibt? Ob wir diese Möglichkeiten digital erweitern können, indem wir uns zu so etwas wie Cyborgs machen? Hm, ob das dann aber doch nur eine weitere Möglichkeit wäre, dem Ziel etwas näher zu kommen und keineswegs das Erreichen des Ziels bedeuten würde? Eine Art Offenbarung könnte es aber schon sein. Eine Offenbarung? Ob das etwas Religiöses hat? Das Bewusstsein davon, das unser Wissen trotz aller Gesetzmäßigkeiten etwas Relatives hat? Es wird wohl darum gehen, über diese Gesetzmäßigkeiten etwas zu wissen, so denken wir uns. 

Donnerstag, 17. August 2017

Was wir wissen

Was wissen wir? Was Materie oder dunkle Energie überhaupt ist? Sie hält doch unsere Galaxien zusammen, - oder etwa nicht? Werden uns von Physikern moderne Märchen erzählt? Die Menschen und ihre Physiker verstehen's noch nicht so recht, das alles. Auf jeden Fall könnte der Weltraum Anschauungsmaterial dafür bieten. „Ich möchte wissen, was da draußen ist“ soll Stephen Hawking gesagt haben, der Mann, der noch immer das Physik-Genie an sich darstellt. Wie das Universum entstanden sein könnte? Mit dem Urknall sagen etliche Astrophysiker. Aber was war davor und wie kam es zum Urknall? Gab es davor etwas anderes, das sich eventuell zu einem Punkt zusammenzog, um im Urknall zu explodieren? Oder kommt der Urknall aus dem Nichts? Einem energiegeladenen Vakuum? Neueste Forschungen zeigen wohl, dass selbst im Vakuum etwas ist. Bloß was? Und hat nicht die Quantenmechanik längst bewiesen, dass ein Teil an zwei Orten gleichzeitig sein kann? Widerspricht den physikalischen Gesetzen? Nun ja, da würde selbst ein mittelmäßiger Physiker widersprechen. „Die Quantenmechanik ist sehr achtungsgebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Gott würfelt nicht!“ sagte vor etwa 100 Jahren Albert Einstein dazu. Ja, was nun? Und überhaupt: Gott? War der Urknall nur ein einzelnes Ereignis bei der Entstehung einer wahnsinnig großen Vielfalt von Universen? Gibt es insofern Parallelwelten? Die oft beschrieenen und verfilmten? Ob an dieser Stelle etwas wie Gott ins Spiel kommt? Etwas Größeres als das, was wir kapieren können? „Was wir wissen, ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ein Ozean“ sagte einst der Großphysiker Isaac Newton. Daran mag sich nichts geändert haben. 

Mittwoch, 16. August 2017

Alt und Jung (2)

Haha, man war ja selbst einmal jung, jünger als jetzt...... Was mir auffiel an sehr jungen Menschen? Das Folgende gleicht einer Stoffsammlung, entstanden aus tausend Zetteln: Es wurden von vielen jungen Menschen oft sehr einzelne, sehr isolierte Welten hochgezogen, die als absolut gegeben betrachtet wurden. Meine Sicht dagegen ist: diese Lebenswelten kann man verändern! Zumindest prinzipiell. Das glaubten viele unter uns und warteten zu geduldig auf den schönen Sanktnimmerleinstag für alle. Währenddessen machten „zielgerichtete“ Andersgesinnte und sonstwie besser Angepasste Karriere, - auch bei den damals und heute ehemals Alternativen. Diese Gesellschaft scheint immer mehr in eine Vereinzelung abzugleiten, das, was man Neoliberalismus nennen könnte, wird aus falsch verstandenem Realismus zu schnell akzeptiert. Überhaupt, Nachfragen sind nicht mehr in Mode, es gilt der schnelle Vollzug, - egal von was. Distanz zu sich selbst ist auf dem Rückzug und Empathie wird oft nur gespielt. Unter Kopfhörern, im Smartphone-Gedaddel und auf Internet-Homepages ist jeder für sich, es gilt der individuelle Tunnelblick. Es scheint ein Bedürfnis nach Menschenführung zu herrschen: diejenigen, die sich dafür qualifizieren wollen, sollen vortreten! 
Allerlei Verkleidungen sind angesagt, was zählt, ist die Flucht aus dem eigenen Ego, das an anderer Stelle mit extremen Aktionen wieder krampfhaft gesucht wird. Industrieversprechen werden zu schnell übernommen, Werbung wird zu ernst genommen, große Linien oder gar Utopien oder Visionen (was ist denn das?) werden ohnehin nicht gepflegt. Man kann in jungen Jahren nicht erkennen, dass der Mensch durch Stadien geht, dass sein Körper verfällt und gleichzeitig sein Kapital ist, mit dem man nicht so beliebig experimentieren könnte, dass dies keine Rückwirkungen auf einen selbst haben würde, - auch wenn von anderer Stelle Erfahrung von Dingen oder einem selbst (Selbsterfahrung) angesagt wird. Die von jungen Menschen so viel gehassten Gewohnheiten und Rituale können auch etwas Positives haben. Sie schützen vor Energieverlusten, schaffen Sicherheit. Der Horizont in dieser Welt steht leider nicht jedem offen, es gelten Rahmenbedingungen und individuelle Voraussetzungen, soziale Dispositionen und andere Begrenzungen. Wir sind auf dem Teil der Welt geboren, der eindeutig bevorzugt ist. Was ist mit den anderen? 

Montag, 14. August 2017

Alt und Jung (1)

Wo eigentlich sollen Alt und Jung auch nur aufeinander treffen? Geschweige denn sich austauschen? In den Familien? Da scheint die Arbeits- und Karrierepflicht, der sich junge Leute mit ihren Ohrstöpseln ausgesetzt fühlen, mitsamt allen Folgen vorzugehen und die klassische Familie, in der Alt und Jung unter einem Dach wohnen schon lange in der Auflösung begriffen....,...ja, ja, es geht nicht um ein Besserwissen „der Alten“ gegenüber der „heutigen Jugend“ - sondern darum, sich in verschiedenen Altersstufen auszutauschen. Sie leben oft in verschiedenen Lebenswelten, setzen sich mit der „heutigen“ Welt jeweils auf ihre Weise auseinander. Kann man Facebook & Co einigermaßen mit Abstand nehmen, sich mit einer gewissen Distanz nähern, die sich gewisser Gefahren bewusst wäre? Wäre so etwas auch „Medienkompetenz“? Wo soll sich Kontakt abspielen? Geht es darum, Nichtverstehen abzumildern? Um das bessere Begreifen von Verhaltensmustern? Ja klar, es gibt auch viele freundliche, hilfsbereite und nette junge Leute. Alles andere ist dummes Geschwätz. Es geht in jeder Jugendzeit oft darum, etwas auszuprobieren und etwas zu finden, eine Identität, ein Feld im Leben abseits der Arroganz des (körperlich) Stärkeren. Nur ist das alles heute viel kurzfristiger geworden. Was heute gilt, hat morgen keine Gültigkeit mehr, ist „überholt“. Dass Wissenschaft so funktioniert, ist „normal“. Dass aber alles und jedes nach diesem Prinzip funktioniert (sie aktuell: Schülerzahlen), ist nicht unbedingt in Stein gemeißelt. Wer istn zu wenig frech und nimmt alles hin? Wer fängt mit der Sphäre des Politischen (das man so oder anders deuten kann...) noch etwas an? Lasst uns einen Schritt zurück gehen.... Am Spießertum und an Gewohnheiten festhalten, um in einer scheinbaren Sicherheit zu bleiben? Das haben alle ihren jeweils Altvorderen vorgehalten. Möglicherweise wäre auch hier etwas mehr Toleranz vonnöten.

Sonntag, 13. August 2017

Parteien, Partizipation, Hartz4

Darf man von der Seitenauslinie aus kritische Einwände haben, oder muss man vielmehr dankbar dafür sein, dass man von dieser Gesellschaft per Hartz 4 alimentiert wird? Man solle sich bei Unzufriedenheit doch in die Parteien einbringen, so wird von Politikern gerne vorgebracht. Aber heißt das nicht auch, sich den Parteihierarchien zu unterwerfen und ihre vorgegeben Meinungen als die eigenen auszugeben? Zu kuschen und sich opportunistisch zu verhalten, wo es bloß geht? Als „Abgesandter“ in irgendwelchen Gremien zu sitzen und Positionen zu vertreten (und dafür „honoriert“ zu werden), die ganz und gar nicht nicht die eigenen sein müssen? Einblicke in Sauereien zu haben und sie dennoch verteidigen zu sollen? Sich auch auf Kosten Anderer zu profilieren und beim Postengeschacher heftig die Ellenbogen einzusetzen? Ob Politiker vor lauter Bäumen den Wald oft nicht mehr sehen? Ob gerade an dieser Stelle solche unbefangenen Einwände wertvoll sein könnten? Ob das auch mit Leuten zu tun hat, die man als Politiker vorgibt zu vertreten? Ob Fahrten mit der gepanzerten Dienstlimousine, samt kurzen Stopps und kurzer Kontaktaufnahme unter dem Schutz der Body Guards da ausreichen? Oder sind es die Wahlkampfveranstaltungen mit ihren von gewissen Medien gerne reportierten und von den Parteien gebrauchten Scheindiskussionen, die einem da als Politiker den Durchblick über die Folgen meines Handelns verschaffen? Ob das Betrügen über wahre Absichten und das wortreiche Verschleiern der Fakten mit Hilfe von PR-Agenturen zum "Geschäft" gehört?

Samstag, 12. August 2017

Postheroismus und marktkonforme Demokratie

Ein Begriff, der ein bisschen in den Hintergrund getreten zu sein scheint, der aber nach wie vor die Politik der deutschen Bundesregierung zu prägen scheint, ist „Postheroismus“. Was „Postheroismus“ ist?: Anhänger dieser Glaubensrichtung, die vielleicht mitgeholfen hat, Kriege zu vermeiden, gehen von folgenden Prämissen aus: Man kauft allen alles ab, treibt den universalen globalen Handel, der alles mit seinen Kriterien beherrscht und gerne unter der Flagge „Globalisierung“ segelt. Man schüttet jedes Problem mit Geld zu, Haltungen und Symbole spielen kaum eine Rolle (es sei denn, man kann sie für eigene Zwecke einsetzen....). Was freilich aus den tausenden von Milliarden Euro, die beispielsweise der Irak-Krieg bis jetzt gekostet hat, geworden ist, vermag die Bundesregierung auch nicht so recht zu beantworten. Sie, ihre Vertreter und Berater werden wohl in den Raum stellen, dass diese Milliarden zu einem Terrorismus geführt haben, der jetzt unbedingt durch eine möglichst repressive Gesetzgebung bekämpft werden sollte. Dass freilich im Rahmen eines so vehement geforderten „Handels“ sich einige Figuren massiv bereichert haben, wird in diesem Zusammenhang gerne unterschlagen. „Helden“ sind im Weltbild des „Postheroismus“ nicht mehr nötig, - bei gleichzeitiger immer größer werdenden Gier breiter Massen danach: Sie wollen Helden des Showgeschäfts, des Sports, Helden der Politik (Populisten, Führergestalten, Diktatoren, die sich im Besitz der einzig gültigen Wahrheit wähnen). „Handel“ (dem gerade „Wir“ „unseren“ Wohlstand verdanken) ist auf der Prioritätenliste ganz weit vorne angesiedelt. Sein Zweck heiligt alle Mittel (was das für Spezialdemokraten heißen kann, wurde vielfältig sichtbar und wird von ihnen gerne mit dem Argument der Arbeit oder des Arbeitsplatzes legitimiert). Alexander Dibelius, der frühere Deutschland-Chef der Bank Goldmann Sachs, geht noch Anfang des gerade laufenden Jahrzehnts öffentlich davon aus und posaunte das als Parole seines Instituts, dass Banken keinerlei Verpflichtung fürs Allgemeinwohl hätten. Er scheint auch davon auszugehen, dass es keine Grenzen für Gehälter und Bonuszahlungen bei Managern seines Schlags geben solle. Kein Held, aber ein Händler! Das so verdiente Geld flotiert ja flott auf der ganzen Welt umher, um sich ständig aus sich selbst heraus zu vermehren und eine Klasse von superreichen Besitzenden zu schaffen, deren Kohle Großbanken gerne verwalten würden. 

Freitag, 11. August 2017

Infrastrukturrätsel

Massenhaft zerfallende Brücken und Schulen, Straßen, die nur noch aus Schlaglöchern bestehen und Krankenhäuser, in denen am Notwendigsten gespart wird: das ist Deutschland 2017! Elbphilharmonie und Berliner Flughafen, auch "Stuttgart 21" zeigen doch: Geld kann da sein! Wenn der "politische Wille" auch da ist. Der Verdacht liegt nahe, dass hier einige Politiker ihren Job nicht gut gemacht haben, dass Tarnen und Täuschen ihr Handwerk war und ist. Nun ist das im Vergleich zu gewissen Mechanismen im Ausland noch im Rahmen, doch es erhebt sich die Frage: wie wäre es ohne dies? Oder mit weniger von solchen Fehlfunktionen? Es wird besonders in den Medien davon abgelenkt, indem der Streit ständig darum zu gehen scheint, aus welchen Förderungstöpfen gewisse Ausgaben getätigt werden solle, welche Verwaltungsebene und wer für was verantwortlich sei. Die Strategie ist klar: vor lauter Bäumen soll der Wald nicht mehr gesehen werden. 
Ob es sich einigermaßen herumgesprochen hat, dass so ziemlich alle Fördertöpfe der öffentlichen Hand aus den Steuersäckeln bestritten wird? Im Falle der EU aus den Säckeln einzelner Nationen. Im Falle Deutschlands aus dem aus Steuern gespeisten Säckel dieses Staates. Wieso eigentlich werden diese „Nationen“ im Rahmen der EU immer noch hingebungsvoll aufrecht erhalten? Müsste es nicht längst um Europa gehen? Und zwar nicht nur um den Euro? Nein, Deutschland will nicht für die Schulden aller anderer aufkommen und Deutschland weiß ja sowieso, wo es für das Ganze lang gehen soll, das scheint hierzulande Common Sense zu sein.
Wieso eigentlich werden solche Tendenzen dauernd bestärkt? „Deutschland geht es gut?“. Stimmt das? Auf wen und was trifft das zu? Und ist das angesichts einer zerfallenden Infrastruktur, den maroden Schulen und den anstehenden massiven Problemen mit der aus dem vernachlässigten Rentensystem resultierenden Altersarmut überhaupt aufrecht zu erhalten? Wollen wir eigentlich all diese Phrasen der Politiker noch hören? Das Geschwätz von er ach so wertgeschätzten Bildung etwa? Ja wenn dem so wäre, warum gibt es keine massive Förderung für zerfallende Schulen? Stattdessen werden gigantische Bahnhöfe oder nie fertig werdende Flughäfen gebaut, wofür das Geld mit Leichtigkeit da zu sein scheint...... Ja ja ja, es geht auch noch schlechter. Ein Blick ins Ausland genügt und wir sind teilweise ja sogar schockiert. Ob dies aber die Rechtfertigung dafür sein kann, die im nationalen Rahmen darnieder liegende Infrastruktur weiter verfallen zu lassen? 

Donnerstag, 10. August 2017

Transferwahnsinn

Es ist schon seltsam, wie der Transferwahnsinn ständig neue Blüten treibt und neue Niveaus erklimmt! Da wird eben noch von „ewiger Liebe“ getönt, um im nächsten Moment für eine stattliche Ablösesumme woanders einen Vertrag zu unterschreiben. Das Tolle: alle finden das auch noch toll, machen es nicht nur mit und finden es legitim, nein, sie finden es geradezu toll! Erst wird ein bisschen Entzetzen geheuchelt und danach geht alles seinen Gang. Astronomische Summen werden heraus getan für kleine Idioten, die besser nach dem Ball treten können als andere. Sie werden stilisiert als etwas ganz Besonderes, wobei sie nur etwas ganz Bestimmtes und eng Definiertes gut können. Mich haben in diesem Zusammenhang die Ausführungen des Freiburger Trainers Christian Streich beeindruckt. Er sagt (sinngemäß), dass der Gott des Mammons alles verschlingen wird. Dass zudem Dopingvorwürfe in aller Munde sind, dass der Gesamtsport damit ein großes Problem hat, macht die Sache nicht übersichtlicher. Tatsache scheint zu sein, dass das Prinzip der Marktwirtschaft hier offenbar nicht nur Einzug gehalten hat, sondern zur absoluten Leitlinie wurde. Firmen oder Vereine sind völlig egal, es kommt darauf an, wer am meisten zahlt. Gewechselt wird dann schnell. Ist Formsache. Wer sich mit einer Firma oder einem Verein identifiziert, ist selbst schuld und kein richtiger „Profi“. Jeder ist in diesem System extrem austauschbar, der Einzelne spielt keine Rolle, Geld reguliert alles, alles ist eine Frage des Preises. Fußball ist wohl in der Spitze Showgeschäft geworden, wo der schöne Schein, die Verpackung und das Salär die einzig bestimmende Rolle spielen und die Verbände das Spiel mitspielen, so gut sie es halt können, um sich selbst eine Scheibe abzuschneiden. Fairplay? Naja. Alte Ideale. „Was soll man machen“? Wenigstens erkennen, wo und unter welchen Umständen man lebt, wäre schon mal nicht schlecht.    

Mittwoch, 9. August 2017

Tod und Zukunft

Ob der Tod in Zukunft nur noch ein eher technisches Problem sein wird, das seine Bedeutung verloren haben wird? In nicht allzu ferner Zukunft, so gewisse Wissenschaftler in Diensten einer Google-Tochterfirma, werden wir einen „Reset“-Knopf drücken können, der uns eine neue und jüngere biologische Leistungsfähigkeit verschafft. Auf diese Weise werden wir immer älter werden können. Wir haben ja ohnehin schon seit längerem ein neues Konzept des Todes entwickelt, das ihn zu einem technischen Problem werden lässt, anstatt ihm eine metaphysische oder heilige Qualität zuzusprechen. Viele Lyrik und Philoophie sah in dem Tod einen wesentlichen Teil des Lebens, der er ihm erst Bedeutung verlieh. Das fing schon bei den alten Ägyptern und seinen Pyramiden an, die eine Art kosmische Auffahrrampe ins Jenseits waren. Es geht über das Christentum und den Islam weiter. Die großen Weltreligionen kennzeichnen dieses Stadium. Sie beziehen ihre Bedeutung aus dem Tod und den Antworten, die sie zu diesem Thema geben. Ohne Leben nach dem Tod, ohne Himmel und Hölle gibt es beispielsweise kein Christentum. Der Tod ist grundlegend.
Doch in den letzten Jahrhunderten haben viele Weltsichten und Idiologien die Bedeutung des Todes vermindert, indem sie ihn einfach aus ihrer Betrachtung mit dem Argument „Wir wissen nichts darüber“ ausgeschlossen haben. Dahinter steht das technisch geprägte Bild, das besagt, dass Menschen nicht sterben, weil es einen diesbezüglichen „göttlichen“ Plan gibt, sondern dass sie an einem Schlaganfall sterben, der wiederum mit einem anderen technischen Problem zusammenhängt. Damit aber in Zukunft bei einer Quasi-Unsterblichkeit die ewige Wiederkehr Desselben (wie bei Nietzsche) keine Langeweile erzeugt, werden die Kreativität, unser Wissen und unsere Fähigkeiten eine größere Rolle spielen, dank Computern und technisch erweiterten Fertigkeiten. Wir werden virtuelle Umgebungen direkt erfahren können (dahingehend mögen die „Virtual-Reality-Brillen“ schon jetzt einen ersten Vorgeschmack geben). Wir werden ganz allgemein unsere emotionalen Fähigkeiten erweitern und andere Dinge erschließen, die das Leben lebenswert machen können. Das freilich wird zunächst nur den Reichen möglich sein, was neue Konflikte unter den Menschen herbeiführen wird. War in der Vergangenheit der Tod nämlich der große Gleichmacher, der Arm und Reich vereint, so wird sich dies womöglich ändern. Wer freilich einen Autounfall hat, oder in einem abstürzenden Flugzeug sitzt, wird wohl auch in Zukunft seine physische Vernichtung erleiden. Sich davor zu schützen, wird eine neue Angst und die darauf bauende Vorsorgeindustrie erzeugen.  

Dienstag, 8. August 2017

Gottgegebener Markt?

Ja muss denn die gesellschaftliche Spreizung so groß sein, dass Spitzenmanager Gehälter im solide zweistelligen Bereich beziehen und dass gewählte Volksverteter da offenbar gerne mithalten würden (wg. "Verantwortung"), während die untere Einkommensschicht nicht weiß, wie sie den finanziellen Alltag bewältigen soll? Ob etwa 2 % der Bevölkerung etwa 50 % des verfügbaren Einkommens besitzen müssen? Das diktiert der Markt, so lautet oft die Argumentation. Ist aber „der Markt“ etwas ungestaltbar Gottgegebenes oder wäre er bei entsprechendem politischem Willen beeinflussbar? Ja gewiss, ist die „Verantwortung“ ein Kriterium, nach dem sich der Lohn bemessen könnte. Aber rechtfertigt das solche Gehälter, erst recht nachdem bei einschlägigem Misserfolg auch heftige Abfindungssummen bezahlt werden? Ob das alles „der Markt“ diktiert, das Angebot und die Nachfrage? Ob es solche Individuen dermaßen wenige gibt, so dass sie ihren Preis mehr oder weniger selbst bestimmen können? Was ist das „gewisse Etwas“, was diesen Preis bestimmt? Ist es Gerissenheit, die in so etwas wie „Durchsetzungsfähigkeit“ mündet? Gehört Egoismus und Narzissmus dazu? Klar ist, dass Märkte innerhalb von Regeln stattfinden, die gestalt- und veränderbar sind. Auch durch Gesetze und steuerliche Regulierungen. Zu behaupten, dass ein Markt gut funktioniere, scheint nur innerhalb eines gewissen Rahmens möglich zu sein. Der „freie Markt“ solle es richten, so das offizielle Credo. Doch dieser „freie Markt“ ist ja auch schon das Resultat gewisser Überlegungen. Ob die gegenwärtigen gigantischen Ungleichheiten und Verzerrungen angesichts dessen zwangsläufig sind? Ob sich der Kreis der Topmanager vor allem aus bestimmten gesellschaftlichen Kreisen rekrutiert. Wem werden solche Jobs angeboten? Ob bei so etwas wie Chancengleichheit herrscht?

Montag, 7. August 2017

Geldmeister

Anlässlich dieser „Leichtathletik-Weltmeisterschaften“ habe ich mich oft gefragt, wer sich diesen Quatsch noch ansieht. Ein paar Leute sollen ja auch noch an den „sauberen Sport“ glauben. Nun ja, in einer Woche, in der der Transferwahnsinn im Fußball nochmal andere Dimensionen angenommen hat, fällt das, -gelinde gesagt, - schwer. Denn es werden wohl astronomische Summen bewegt in diesem Sportgeschäft. Manager, Vermittler und Berater scheinen dabei recht aktiv abzukassieren. Die Beispiele sind alle öffentlich gemacht, auch dank solch hervorragender Journalisten wie Hajo Seppelt, der ohne Angst an seinem Thema dran bleibt. Dabei scheint es bei solchen Summen durchaus ein Risiko zu bedeuten, einen solchen Job zu machen. Und dann verliert auch noch Usain Bolt seinen Lauf gegen einen wiederholt überführten Doping-Sünder, der sich mit allerlei juristischen Tricks wieder einen Zugang zu solchen „Rennen“ verschafft zu haben scheint! Währenddessen balgen sich im Fußball Superprofis im Supercup um Superpokal-Ehren! Wow, offensichtlicher geht es ja wohl nicht! Aber wenn alle Leute dermaßen konsequent und durch die Idiologie des Neoliberalismus gestützt den Mammon anbeten in dieser Gesellschaft, ist es vielleicht ein bisschen zu viel verlangt, clean und hintendran zu bleiben. Besonders, wenn es die großen Konzerne wie kleine Krämer vormachen.......

Samstag, 5. August 2017

Taschengeld

Dass Abgeordnete des Reichstag Millionensummen „nebenher“ kassieren, für Vorworte, Vorträge, Kommentare, „Beratungstätigkeiten“ und andere „Gefälligkeiten“, wurde jetzt wieder einmal bekannt: Viele Mitbürger haben sich daran gewöhnt, merken aber doch auf, wenn zum Beispiel die Grünen protestieren, als eine „ihrer“ Abgeordneten zur CDU überlaufen will, ein Spezialdemokrat dies als "unanständig" bezeichnet und die offenbar unzufriedene Abgeordnete damit eine ganze Regierung zum Einsturz bringen könnte und kann. In diesem Moment ist die Partei das Wichtigste, sie verfügt über die Mandate, sie gibt den Ton an, - Beispiele von Seiten der CDU gibt es zuhauf. Mix aus Personen- und Mehrheitswahlrecht: was gerade passt, such ich mir raus.....! 
Ihre Unsummen von seiten der Lobbyisten jedoch kassieren die Abgeordneten unter anderem mit Hinweis auf ihre Eigenständigkeit und mit verschärftem Beharren auf ihrer „Gewissensfreiheit“ (also unabhängig von Parteien...). Wie Abgeordnetenwatch.de meldet, hat „insgesamt jeder vierte Bundestagsabgeordnete – 178 von 655 – im Laufe der 18. Wahlperiode etwas hinzuverdient, unter dem Strich 26,5 Mio. Euro bis 48,7 Mio. Euro. Genauere Angaben sind nicht möglich, da die Offenlegungsregeln wenig transparent sind: Was ein Abgeordneter nebenher kassiert, muss er nicht in Euro und Cent genau offenlegen, sondern in einer von zehn Einkunftsstufen. Oftmals sind die Geldgeber anonym – Millionensummen bleiben so vollkommen im Dunkeln.“. Spiegel Online scheint ebenfalls Bezug auf diese Meldung zu nehmen und geht auf Abgeordnetenwatch folgendermaßen ein, indem erwähnt wird, dass einige Ex-Minister „viel Geld für wenig Arbeit nebenbei verdienten“. Es wird da der Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer von der CSU als Beispiel erwähnt: Er erhält vom Lobbyverein der arabischen Industrie- und Handelskammern monatlich zwischen 3500 und 7000 Euro. Seit er im Jahr 2014 zum Präsidenten der "Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry" gewählt wurde, „summieren sich Ramsauers Einkünfte auf mindestens 129.500 Euro“, so SpiegelOnline.
Der frühere Forschungsminister Heinz Riesenhuber von der CDU soll auch ganz gut dabei sein. Er soll seit 2014 von der Schweizer Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare Investments AG mindestens 350.000 Euro kassiert haben. Einen Streit hat Ramsauer angesichts dieser Meldungen darüber vom Zaun gebrochen, ob diese Summen brutto oder netto zu verstehen wären, ob „Einkünfte“ die richtige Bezeichnung für solches Honorar sei. Nun ja. Bekannt ist zu diesem Thema neben verschiedenen Typen von der CSU auch der SPD-Grande Peer Steinbrück geworden, der ebenso dickes Salär kassierte, bis er 2016 aus dem Bundestag ausschied, um zunächst den Vorstand der ING-Diba zu beraten. 

Freitag, 4. August 2017

Reisen

Reisen? Wir sollten es genießen, die Freiheit dazu zu haben. Anderswo hingehen, hinfahren, hinfliegen und eine andere Umwelt auf uns einwirken lassen. Auch unter Bedrohung. Etwas von der Welt erfahren, von ihrer unglaublichen Schönheit. Etwas auch davon, dass andere Menschen unter anderen Verhältnissen leben oder leben müssen. Sich bewusst werden, welch unglaubliches Glück man hat, wenn man auf dieser Erde einigermaßen sein Auskommen hat und in einer dieser „Komfortzonen“ lebt.Verstehen, wie sehr bestimmte Gesellschaften auf Kosten anderer leben. Sich an anderen Kulturen, an anderen Möglichkeiten des Lebens freuen, sie zu verstehen suchen, sich bewusst werden, dass so etwas relativ ist. Sich vom „Anderen“ inspirieren lassen, sich an der Variation erfreuen und sich dadurch unserer Gleichförmigkeiten bewusst werden. Im Denken und im Leben. Die Angst vor dem scheinbar "Fremden" verlieren. Es kennen lernen. Staunen lernen. Über die Natur, in der so viel aufgehoben ist, dem wir näher kommen können. Wir sollten uns nicht abdrängen lassen in das, was uns ohnehin vertraut ist. Sondern wir sollten Grenzen überschreiten, erfahren, dass da mehr ist. Das tut unserem Bewusstsein gut. Wir sollten den Ort kennen lernen, wo wir leben. Das freilich sollte nicht nur einer Klasse von Vermögenden möglich sein, einer Klasse der Berufsreisenden und global Lebenden, der aufgeklärten Gutmenschen und moralischen Besserwisser. Diese Möglichkeit sollte sich allen eröffnen. Allen. Respekt für das Andere entwickeln und niemals jener Gleichmacherei das Wort reden, die sich in den fernsten Ländern schon bald auf arroganteste Weise präsentiert, wenn sich die bekannten Edelmarken in ihren Boutiquen den örtlichen Reichen zum Kauf anbieten.

Donnerstag, 3. August 2017

Gipfel der Peinlichkeit

Es war der Gipfel der Peinlichkeit: erst wurde überraschend vom Verkehrs- ins Innenministerium verlegt, um den Protest abzuschütteln. Danach wurde die Abschlusspressekonferenz im Viertelstundentakt von 15 Uhr auf 17 Uhr verschoben. Alleine schon das ist bemerkenswert. Und dann kreiste der Berg, um eine Maus zu gebären. Zum Dieselgipfel wurde schon viel geschrieben und gelabert. Die Ergebnisse sprechen für sich. Frau Bundeskanzlerin war ja sowieso nicht dabei.Toll war dafür aber die Show der Autobosse, die keinerlei Unrechtsbewusstsein an den Tag legten und nach Gutsherrenart etwas gewährten, was schon am Tag zuvor schriftlich veröffentlicht worden war. Alle Seiten, einschließlich eines Ministerpräsidenten, der im Aufsichtsrat eines dieser „Unternehmen“ hockt, haben sich heftig demaskiert, was so kurz vor der Wahl nun auch nichts mehr ausmacht. Wähler sind ja auch Verbraucher, - und umgekehrt. Spezialdemokraten scheint es um Arbeitsplätze zu gehen. Die Leute, die gegen das E-Auto argumentieren, indem sie auf Braunkohlekraftwerke verweisen, die dreckigen Strom produzieren, haben dank ihnen recht. Irgendetwas Zukunftsweisendes scheint angesichts der Gesamtlage nicht möglich. Da ist so vieles sichtbar geworden, was man erst mal verarbeiten oder negieren muss. 

Mittwoch, 2. August 2017

Polit-Posterboys

Gestern gab es die Präsentation neuer deutscher Wahlkampfkampagnenplakate für die „heiße“ Phase. Die SPD natürlich hatte Plakate mit ihren Sprüchen und daneben stehenden, stark retouschierten Heile-Welt-Bildern. Alles wie gehabt. Der Heil-Hubi kam dann zur Präsentation verspätet: Stau. Kann passieren. Die FDP hingegen plant ihren Neuauftritt mit einem Lindner, der in der Art eines Models auf den Plakaten posiert und der nie zu spät kommt. Ganz Werbung. Ganz Marktwirtschaft. Ein Versprechen... bloß von was? Körper. Bodykult. Deospray. Klinisch clean Diesel. Daneben ein paar Sprüche, Parolen, Slogans. Agenturgehabe und gemache. Mit ein paar Oberflächlichkeiten ansprechen. Egal, wen. Unkonventionell, aber nicht zu sehr. Zielgruppenorientiert konzentriert. „Fokussiert“. Mal was anderes, wenn's geht. Ein entschlossen drein blickender und optisch ansprechender Kümmerer, der mit seinem Durchsetzungsvermögen Mut zu neuen Wegen beweisen will. Der Mann muss in den Bundestag. Damit ist schon viel gezeigt. Was in unserer Gesellschaft effektiv ist. Bart Schulz indessen lässt die alten und neuen Sprüche klopfen. Deutet Inhalte an. Wenigstens. Ein bisschen altmodisch, Oma SPD.   

Dienstag, 1. August 2017

Industrie und Politik

Diese Tage sind ja so, dass es keinerlei weitere Belege mehr für die Nähe der Industrie zur Politik braucht. Das dann doch Überraschende: Gesundheit und Unversehrtheit der Verbraucher scheinen dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen. Welche politischen Parteien an diesem Spiel beteiligt sind, darüber möge sich der Verbraucher ein eigenes Bild machen. Die Fakten liegen offen auf dem Tisch und belegen auch so manche überraschende Parteinahme. Das Argument Arbeitsplatz scheint alles andere zu überlagern, unabhängig davon, an was denn gearbeitet wird: an Pfusch und Betrug, an Täuschung und offener Vorteilsnahme. Es müsste an den derzeit im Raum stehenden Beispielen glasklar werden, das es auch um qualitative Arbeit, d.h. qualitatives Wachstum geht. Es besteht ein Unterschied, an was gearbeitet wird. Dabei nutzt es gar nichts, dass jetzt behauptet wird, all das und noch viel mehr seinen Einlassungen der „Empörungsindustrie“, wie das von Teilen der Politik jetzt genannt wird. Die Nähe von Politik und Industrie scheint hier peinlich klar zu sein. Sie bekommen in diesen Kreisen unglaublich hohe Gehälter für die hohe Verantwortung, die mit diesen Positionen scheinbar einhergehen. Die sie aber im Zweifel nicht tragen müssen. Die trägt nämlich der Steuerzahler, Bürger und Wähler. Auch das müsste jetzt endgültig klar sein. 

Montag, 31. Juli 2017

Werte, Kritik und Unterhaltung

Das Geschäft der Geschmäcklereien, die früher einer Kritik und der Reflektionen von bestimmten, mit Autorität ausgestatteten Personen nahe standen, hat sich in Nischen, in Blogs, auf Facebook und Spezialseiten verlagert. In die Beliebigkeit der Unübersichtlichkeit. Sie ist ein Artikel (unter vielen), dessen man sich bedient, hauptsächlich, um in solchen „Echokammern“, den eigenen Geschmack, die eigene Identität und die damit zusammenhängenden Konsumgewohnheiten bestätigt zu sehen. Man weiß alles und man weiß alles besser, unabhängig davon, was man weiß. Selbstvergewisserung heißt die Devise. Dabei geht immer noch der „Scoop“ über alles, also die Aktualität um jeden Preis. Es gilt darüber hinaus, mit allen Mitteln ein „Lebensgefühl“ zu erzeugen und es sodann mit Konsumartikeln zu „füttern“, es zu bestätigen. Die Musik, die einst so wichtig war, ist dabei in digitaler Anonymität untergegangen, was gilt, ist das Kuriose, der Kick, der Klick, das Rührende und das „Erfolgreiche“. Aber auch sonstige kulturelle Erzeugnisse, die längst zu „Bewusstseinswaren“ geworden sind, haben sich überlebt, sind versandet, verebbt, irrelevant geworden, haben sich selbst pulverisiert. Deshalb sind wohl jene „meist intellektuelle, sich um eine gewisse Attraktivität bemühende und/oder sehr seriös mediengewandt wirkende Personen, die sich mit großer Selbstverständlichkeit kapriziös ausdrückten und auf ihrem Gebiet sehr informiert, gebildet und aufgeklärt zu sein scheinen (Blog)“ sehr überflüssig geworden. Sie sind im besten Falle Unterhaltung, Showgeschäft, TV-Event.
Oder braucht gerade der einer „Unübersichtlichkeit“ ausgelieferte Konsument Orientierung? Sucht er sie händeringend, um seinen nächsten Konsumwunsch „kompetent“ befriedigen zu können? Braucht er Orientierung dabei, sich einer Gruppe zuzuordnen, einer Werthaltung, einer Einstellung? Wenn er zu „etwas Kulturellem“ greift, sich damit wohlwollend auseinander setzt, dürfte das oft genug seinem Wunsch nach Selbstbestätigung und Selbstvergewisserung entspringen. Nach Verankerung in einem Milieu. Nach Idiologie. Nach Zugehörigkeit. Nach Werthaltung. Nach Maßstäben. Nach dem Gebundensein in einer Gruppe. 

Sonntag, 30. Juli 2017

Schopi über den Tod (5)

An verschiedenen Stellen, unter anderem in seinem Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“, geht der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) auf den Tod ein: „Auf seinen eigenen Tod blickt Jeder als auf der Welt Ende, während er denn seiner Bekannten als eine ziemlich gleichgültige Sache vernimmt, wenn er nicht etwa persönlich daran beteiligt ist.
Doch läßt er vielleicht noch eine höhere Betrachtungsweise zu. Man könnte nämlich alle Todesfurcht zurückführen auf einen Mangel an derjenigen natürlichen, daher auch bloß gefühlten Metaphysik, vermöge welcher der Mensch die Gewißheit in sich trägt, daß er in allen, ja in Allem, eben wohl so existirt, wie in seiner eigenen Person, deren Tod ihm daher wenig anhaben kann.“ In Allem aufgehen, das sagt sich zu leicht. Es steckt vielleicht auch etwas von dem Wort All dahinter. Es ist wohl aber auch das Allumfassende, das im Wort „Gott“ aufgehoben ist. Mit dem Tod gehen wir also ein in dies, das alles umfasst. Darin liegt Tröstliches. Aber wir geben darin auch unser Ego auf, - also auch all das, was uns scheinbar vom Tier unterscheidet. Das, was im Begriff Individuum liegt. Dabei könnten wir jetzt schon begreifen, dass es ein Teil von uns ist, das wir ein Teil des Ganzen sind. Noch etwas von Schopi, das ich hier anfügen will:

„Der tiefe Schmerz, beim Tode jedes befreundeten Wesens, entsteht aus dem Gefühle, daß in jedem Individuum etwas Unaussprechliches, ihm allein Eigenes und daher durchaus Unwiederbringliches liegt“. 

Samstag, 29. Juli 2017

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut

Frauen, die schwerreiche und einflussreiche Männer geheiratet haben, um in Ruhe und von der Unbill des Alltags nicht abgelenkt esoterische Bücher zu schreiben, in denen sie gute Ratschläge für die Welt parat haben. Wie abgewichst ist das denn heutzutage? Offenbar gibt es noch ein breites Publikum dafür, bedingt durch die Kanäle des Einflusses des reichen Mackers, der möglicherweise mal wieder dabei mitgewirkt hat, dass Tausende von Massenmenschen aus Gründen der „Synergie“ (also des Zusammenlegens von Konzernen und den daraus entstehenden Rationalisierungseffekten...) entlassen wurden. Die Dame lächelt gütig dazu und labert etwas von „Verantwortung“ und „Führung“ (und dass sie hinter ihm stehe...). Sie weiß: PR-Agenturen und mächtige Fürsprecher stehen hinter ihr. Verlage. Pressure Groups. Sie blickt auf zu den „Promis“ und zu den Mächtigen, denen sie begegnet ist. Sie hat sich stets angestrengt. Ohne Leistung ist nichts. Doch diese Zeiten sind vorbei, es gilt jetzt, alles zu überblicken. Jetzt wächst ihr alles zu. Ihr fehlt es an nichts. Sie drückt sich bedeutend aus und lässt ihre esoterisch gefärbte Scheise über die vielen Käufer fließen.

Freitag, 28. Juli 2017

Renaissance und Neoliberalismus

Ich ging mal wieder oberflächlich (!) meinen Interessen nach, indem ich über Renaissance und deren Figuren nachlas und mich zu informieren versuchte. Auf den ersten Blick scheint es da gewisse Paralellen zwischen Renaissance und Neoliberalismus zu geben: Im Mittelpunkt beider Richtungen steht das selbstverantwortliche Indidviduum, das das Beste „aus sich machen“ sollte. Doch es besteht offenbar ein großer Gegensatz zwischen dem neoliberalen Interesse einer „ökonomischen Verwertbarkeit“ und deren Erfordernissen und dem Interesse etwa des großen Renaissance-Menschen Leonardo da Vinci. Klar, auch er war ein Egomane. Unsere heutige Zeit aber scheint der Zwang zur Selbstoptimierung zu einen, eine „Selbstoptimierung“, die nur der Flexibilität, der mühelosen Einordnung, Brauchbarkeit und ökonomischen Verwertbarkeit dient. Renaissance und das alte Griechenland jedoch hatten im Gegensatz dazu im Menschen ein Potential entdeckt, das es um seiner selbst willen zu heben gilt. Bildung wäre insofern die Neugier des Menschen auf seine Umwelt und auf sich selbst. Im Neoliberalismus nähert sich Bildung stets der Ausbildung zum Ausüben eines gewissen Berufes an. Das Gesamte zu überblicken versuchen, gar nach einem Sinn oder Zweck zu fragen, ist hier nicht angestrebt. Ein Rädchen in einem funktionierenden Getriebe zu sein reicht diesem Neoliberalismus offenbar völlig aus. Es gilt vielmehr, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen und möglichst „erfolgreich“ zu sein.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Suchanzeige

Wer hat meinen Schlüssel gesehen?
Er hat einen Bart
und ist offenbar unrasiert.....

Dienstag, 25. Juli 2017

Bewusstseinswaren zur Selbstbestätigung

Das Geschäft der Geschmäcklereien, die früher einer Kritik und der Reflektionen von bestimmten, mit Autorität ausgestatteten Personen nahe standen, hat sich in Nischen, in Blogs, auf Facebook und Spezialseiten verlagert. In die Beliebigkeit der Unübersichtlichkeit. Sie ist ein Artikel (unter vielen), dessen man sich bedient, hauptsächlich, um in solchen „Echokammern“, den eigenen Geschmack, die eigene Identität und die damit zusammenhängenden Konsumgewohnheiten bestätigt zu sehen. Man weiß alles und man weiß alles besser. Selbstvergewisserung heißt die Devise. Dabei geht immer noch der „Scoop“ über alles, also die Aktualität um jeden Preis. Es gilt darüber hinaus, mit allen Mitteln ein „Lebensgefühl“ zu erzeugen und es sodann mit Konsumartikeln zu „füttern“, es zu bestätigen. Die Musik, die einst so wichtig war, ist dabei in digitaler Anonymität untergegangen. Was gilt, ist das Kuriose, das Rührende und das „Erfolgreiche“. Aber auch sonstige kulturelle Erzeugnisse, die längst zu „Bewusstseinswaren“ geworden sind, haben sich überlebt, versandet, haben sich selbst pulverisiert. Deshalb sind wohl jene „meist intellektuelle, sich um eine gewisse Attraktivität bemühende und/oder sehr seriös mediengewandt wirkende Personen, die sich mit großer Selbstverständlichkeit kapriziös ausdrückten und auf ihrem Gebiet sehr informiert, gebildet und aufgeklärt zu sein schienen“ sehr überflüssig geworden. Sie sind im besten Falle Unterhaltung, Showgeschäft.
Oder braucht gerade der einer „Unübersichtlichkeit“ ausgelieferte Konsument Orientierung? Sucht er sie händeringend, um seinen nächsten Konsumwunsch „kompetent“ befriedigen zu können? Wenn er dafür zu „etwas Kulturellem“ greift, dürfte das oft genug seinem Wunsch nach Selbstbestätigung entspringen. Nach Verankerung in einem Milieu. Nach Idiologie.  

Montag, 24. Juli 2017

Menschenführung aus den USA

Ob der derzeitige Präsident der USA eine Musterbeispiel für Führung ist? Menschenführung? Er „führt“ ja seinen Narzissmus öffentlich auf eine schamlose Weise „vor“, entscheidet nach Gutdünken und gegenwärtiger Stimmungslage auch über Krieg und Frieden, er stellt sein geschäftstüchtiges Ego über alles, er badet in Unflätigkeiten und prahlt gerne. „America First“? Ja, das hat er erfolgreich „verkauft“. Er meint damit wahrscheinlich aber vor allem sich selbst. „Trump first“. Darüber empören sich alle hier, das ist Common Sense. Ob es aber ein Rollenmodell ist, das hierzulande auch gerne gepflegt wird, freilich ohne die schamlose Direktheit und sehr offensichtlichen Geldzentriertheit dieser US-Gesellschaft? Selbstsicherheit, Lebenstüchtigkeit und Durchsetzungsvermögen, was soll denn daran Schlechtes sein? Alles im richtigen Maß, sagt der Europäer schnell. Doch was ist das „richtige Maß“? Politische Ausgewogenheit sei da nicht gewahrt.... Doch was sind „Checks and balances“ - eine europäische Erfindung? Als ich neulich die Eröffnung einer der ersten Kabinettsitzungen der Trump-Zeit im Fernsehen sah, musste ich schmunzeln. Halbwegs ernst zunehmende Minister stellten sich dabei auf das Unterwürfigste dem Präsidenten vor und schworen so etwas wie ewige Treue..... Ich fand's einfach nur lächerlich und staunte über das duckmäuserische Anpassertum solcher Idioten. Das entspricht ja wohl so gar nicht dem Geist, den ich auch in den USA kennen gelernt habe und der daraus entstanden ist, dass einst Auswanderer vor den absolutistischen Herrschern in Europa nach Nordamerika geflohen sind. Da waren wohl ziemlich viele unangepasste Raubeine darunter, Außenseiter, selbständige Denker, Freidenker, Leute mit großer Energie, die ihr Leben gestalten wollten und sich nicht gestalten lassen wollten. Daraus erklärt sich ein bisschen auch die große Dynamik, die von den USA ausgehen kann. Aber wo sind sie heute, diese mutigen Pioniere? 

Sonntag, 23. Juli 2017

Öffentlich-rechtliche Lebenswelten

Die öffentlich-rechtliche BBC hat jetzt in UK (Großbritannien) die Gehälter ihrer Spitzenverdiener veröffentlicht, was vielleicht gewisse Rückschlüsse auf hiesige Verhältnisse zulässt. Wenn einem also irgendwelche Gesichter geradezu vertraut geworden sind, weil sie nahezu jeden Tag per Mattscheibe im Zimmer auftauchen, so leben diese dennoch in einer völlig anderen, auf Grund von Zwangsabgaben blendend ausgestatteten und finanziell gut ausgepolsterten Welt. Die geradezu kumpelhafte Vertrautheit mit „dem Zuschauer“ ist womöglich nur gespielt, nach Art eines Showgeschäfts inszeniert, „gut gemacht“. An solche Seifenblasen scheinen ja ohnehin immer mehr Leute zu glauben. Sportmoderatoren verdienten bei der BBC solide im Millionenbereich (was damit begründet wurde, dass sie auch sehr beliebt seinen..., nur als Seiteneinschub: Auch der BBC-Skandalmoderator Jimmy Saville war sehr beliebt, vielleicht sogar der beliebteste überhaupt, und wurde dann doch als Kinderschänder entlarvt, der darüber hinaus für allerlei Ungeheuerlichkeiten verantwortlich gewesen zu sein scheint... ).
So erhielt nach Darlegung der BBC der Fußballheld vergangener Tage, Gary Lineker, offenbar zwischen 1,75 und 1,8 Millionen Pfund pro Jahr (etwa 2 Millionen Euro) für seine Moderationen. Der Moderator Chris Evans, der hierzulande in der von Privatsendern gerne ausgestrahlten Sendung „Top Gear“ eine Staffel lang auftauchte, erhält mutmaßlich zwischen 2,2 und 2,25 Millionen Pfund. Bis jetzt ist es in Deutschland noch nicht eingeführt, dass öffentlich-rechtliche Sender ihre Saläre offenlegen. Doch hat es in der jüngeren Vergangenheit schon so manche Diskussion und Spekulation über die vermeintlichen „Gehälter“ von Indendanten und Co-Moderatoren im Sport gegeben. Es geht hier weniger darum, „Sozialneid“ zu schüren, sondern offen zu legen, dass sich hier wohl völlig andere und per Gebühreneinzug ausgestattete Lebenswelten, Meinungsmachermaschinen und Echokammern mit dem quotengeprüften „Jedermann“ gemein machen und vertraulich tun. 

Samstag, 22. Juli 2017

Machtinszenierung

Abgeordnete, die sich selbst Diäten erhöhen, in Landtagen, im Bundestag, auch schon mal mit fragwürdigen Begründungen. Abgeordnete, die fette Feste mit Vertretern der Industrie feiern, von denen sie gerne mal die eine oder andere Zahlung annehmen....verdeckt natürlich, - wer wird denn da völlig fälschlicherweise an Korruption denken? Es herrscht die "Gewissensfreiheit" und "wir sind in einer repräsentativen Demokratie". Behörden wie Finanzverwaltungen lassen sich ihre Bleibe (wie jetzt bekannt wurde) schon mal mit "Kunst am Bau" (die niemand versteht, weil sie auch nicht erklärt wird...) ausstatten, die mit rund 100 000 Euro zu Buche schlägt. Da spricht ein Kandidat aus Würselen von der “Arroganz der Macht“. Ob er nicht auch dazu gehört zu einer Machtinszenierung? Und ob das ganze Theater nicht zu einer gewaltigen Politik- und Politikerverdrossenheit führt, die sich irgendwann einmal Bahn bricht? Gerade im ach so erfolgreichen Deutschland? Natürlich wird das Ganze so lange stabil bleiben, wie der „wirtschaftliche Erfolg“ da ist (den anderen geht es ja viel dreckiger). Was aber, wenn jener einmal nicht da sein würde? Wie steht es überhaupt um innere Begründungen dieses Systems, um bewusstseins- und wertemäßige Verankerungen? Ob die Kohle wirklich alles ist, um das es sich hier dreht? Mir scheint, dass sich auf internationalem Niveau (also auch und gerade in anderen Ländern!) die Regierenden nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind, als ob die internetbedingte Transparenz sie überholt hätte und auf diese Weise etwas bloßgestellt hätte. Natürlich wird sich unentwegt hinter formalrechtlichen Begründungen verschanzt und dabei noch einmal kräftig auf den Rechtsstaat gepocht. Der Rechtsstaat, ja, der Rechtsstaat! Eine äußerst wichtige Errungenschaft. Ob so etwas aber seiner ständigen Erneuerung und Anpassung an die Entwicklungen der Zeit ausgesetzt ist? Ob das Internet neben der viel beschworenen Gefährdung der inneren Sicherheit und den neuerdings gesetzlich bekämpften „Hasskommentaren“ nicht auch die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Transparenz birgt? Ob der Wegfall von Kontrollinstanzen der öffentlichen Meinung nicht auch eine Chance der direkteren Meinungsäußerung mit sich führt, die den Herrschenden/Mächtigen/“Eliten“ auf allen Gebieten mehr abverlangt als in der Vergangenheit? Ob das „Durchregieren“ wie zu Zeiten Kohls oder Schröders nicht doch ein bisschen schwieriger geworden ist? Eine bestimmte, staatstragende Partei hat schon mal kund getan, dass sie Volksabstimmungen ablehnt. Es ist Wahlkampf, das Volk hat die Wahl. Das reicht.      

Freitag, 21. Juli 2017

Tricky Werbung

Die deutschen „Verbraucher“ werden betrogen und lassen sich offenbar gerne betrügen: Die Dieseltricks sprechen ja wohl für sich. Das Industrieinteresse scheint hier klar den Vorrang vor der Gesundheit der Bürger zu haben. Der kommende Gipfel zwischen Politik und Industrie wird das wieder beweisen. Dabei ist damit nicht zu spaßen, es geht um Leben und Tod: Viele sterben einfach weg, ich als Lungenkranker leide heftig darunter. Die EU prüft, ob sie Autos mit Dieselmotoren stilllegen lässt und ob sich die deutschen Autoproduzenten ohnehin lange Zeit untereinander abgesprochen haben. Sie prüft. Sie prüft auch, ob sich Polen vom Status des Rechtsstaats und einer Demokratie entfernt. Ob das Konsequenzen hat, erscheint einem Unbedarften eher fraglich. Währenddessen werden von der Industrie kostenlose Software-Updates durchgeführt, freilich mit fraglichem Erfolg, wie Abgas-Messungen nach einer solchen Updateaktualisierung nahe legen. 
Mit Bio- und zweifelhaften Gesundheitsversprechen lassen sie sich allerlei Lebensmittel andrehen, vom mittlerweile arg überstrapazierten Quinoa, über allerlei „Vollkornprodukte“ bis hin zu der arg mystifizierten Quia-Beere, die über lange Wege importiert werden muss, ehe sie von ökologisch bewussten Geistern verzehrt werden kann. Natürlich zum völlig überdrehten Preis, denn es gilt ja auch, seine Zugehörigkeit zur Gesundheitskaste zu demonstrieren, die jeden Preis wie selbstverständlich zahlen kann. Dabei enthalten viele heimische Pflanzen dieselben Nahr- und Wirkstoffe. Doch das ist offenbar nicht sexy genug.
Nach der „Health Claims Verordnung“ der EU darf der Hersteller nur noch auf die Verpackung schreiben, was wissenschaftlich bewiesen ist. Die Industrie hat reagiert: Mit allerlei schwammigen Formulierungen, die rechtlich geschickt zwischen den Regeln und hart an den Grenzen pendeln, wird für Gesundheitsversprechen geworben. Dabei halten sich manche Hersteller noch nicht mal an diese „Health Care Verordnung“ und werben offenbar mit regelrecht falschen Aussagen. Wenn Lebensmittel damit werben, was nicht in ihrem Produkt enthalten sei, spricht man von „clean Labels“. Es gibt dann spezielle Etiketten, die das Produkt oft mit ohnehin in Gesetzen hinterlegten Beschränkungen und Selbstverständlichkeiten hochwertiger erscheinen lassen sollen. Oft sind das Sprüche und Schlupflöcher, Täuschungen und Mogelpackungen. Dabei sind solche Lebensmittel trotz ihrer Vitalitäts- und Gesundheitsversprechen oft genug nicht besser als die Produkte ohne eine solche Bewerbung. 

Montag, 17. Juli 2017

Die Wirklichkeit des Grafen Stössel zu Stösselsfelde

Ich gehe davon aus, dass es auf dieser Welt sehr verschiedene Lebenswelten gibt. Teilweise in sie zu blicken, sie zu bereisen, sie ein Stück weit sogar sich anzueignen und wieder loslassen zu können, mag dabei für jeden sehr aufschlussreich sein. Wir können uns dabei gewahr werden, wie sehr wir geprägt sind, wie sehr wir und unsere Erkenntnis in verschiedenartig geprägte Rollen hinein usw. beeinflusst ist. Ich will hierzu erst mal einen Charakter aus der deutschen „Wirklichkeit“ heraus greifen, wie ich ihn vielfach erlebt und beobachtet habe, obwohl gerade diese hier geschilderten Leute sehr viel Wert auf ihre Einmaligkeit legen. Es handelt sich hierbei um den Grafen Stössel zu Stösselsfelde, aufgewachsen in einem Eliteinternat Trudpert in Sankt Trudpert und per Erbe ausgestattet mit zahlreichen Ländereien, etwa 200 Firmen, mit Chauffeur, Vermögensberater und einer großen Entourage, die Herr Graf „Personal“ zu betiteln pflegt. Studienaufenthalte führten ihn in die USA und nach England, die er deswegen „gut zu kennen“ glaubt. Er sitzt im Verwaltungsrat und in dem Aufsichtsrat sehr vieler Firmen, wobei ihm besonders die Gestaltung der Zukunft und ihre ständige technische Wandlungsfähigkeit im Rahmen einer global ausgerichteten Wirtschaft wichtig ist. Selbstverständlich steht seinem Chauffeur und damit ihm selbst ein riesiger Fuhrpark zur Verfügung, wobei der nette fette Tesla mit seinem E-Motor und seinen anderen fortschrittlichen Features in letzter Zeit bevorzugt wurde. Man will ja schließlich politisch korrekt sein, denn man ist ja erst 45 Jahre alt und will noch eine Weile leben. Er fühlt sich als eine Art „Auserwählter“, wobei ihm das, wie er sagt, durchaus bewusst ist. Als Alphatier freilich glaubt er durch Bildung und Ausbildung trotzdem den vielen anderen, für die er eine Art Verantwortung spürt, die Richtung vorgeben zu können und zu müssen. Selbstverwirklichung ist ihm als Wert sehr wichtig und er glaubt an die Innovation als eine bestimmende Kraft des Menschen.
Ob so jemand in einer anderen Welt lebt als wir? Wieso, aufgrund welcher Legitimation? Schleppen wir nicht alle ein Skelett durch diese Welt, das sich nicht gar so entscheidend von anderen unterscheidet? Ob so jemand durch das Erben eine andere Startposition hatte als andere? Ob in so jemand das Selbstverständnis eines souveränen Überblickers entstanden ist, im Gegensatz zu uns, die wir eher die Unübersichtlichkeit der Wirklichkeit wahrnehmen und nicht mit ihr zurecht kommen? Ob so jemand täglich Prospekte wälzt, auf der Suche nach dem günstigsten Sonderangebot und ob ihn die Strompreise zwicken? Was hält er wohl vom Thema „Altersversorgung“? Ob es ihm wichtig ist, seine Meinung in jedem Gremium „durchzusetzen“, eben weil sie von ihm selbst stammt? Das tut ihm gut. Wenn ihn irgendwelche Probleme bedrängen, so hat er jederzeit jede Hilfe zur Seite, - dafür sorgt nicht zuletzt sein persönlicher Assistent.

Samstag, 15. Juli 2017

Bildung

Mich regt der Popanz auf, der um das Wort „Bildung“ herum veranstaltet wird. Ich habe einen akademischen Abschluss und habe keinen Job, von dem ich leben könnte. Bezeichnend dafür scheint mir der Tweet zu sein, den CDU-Generalsekretär Peter Tauber neulich laut verschiedener Pressmeldungen so absetzte: „Nur mit einer guten Ausbildung verdient man genug damit man nicht drei Mini-Jobs braucht, um über die Runden zu kommen“. Einer entgegnete in seinem Tweet darauf: “Heißt das jetzt 3 Mini-Jobs für mich?“. Tauber konterte offenbar so: „Wenn Sie etwas ordentliches gelernt haben, dann brauchen sie keine drei Mini-Jobs“. Tauber ruderte später zurück, quasselte etwas von "blöd formuliert..." und bereute seinen Spruch. er hatte aber etwas Wichtiges und dem Wachstums-Credo/bzw. der Vollbeschäftigungssprüche seiner Partei entsprechend formuliert, das vor allem auf ausgebildete Ingenieure zu setzen scheint. 
Nur, wer ins Raster dieser Herren (Frauen?) von den Parteien passt, hat eine Chance. Ob darin etwas Totalitäres liegt? Das Totalitäre des Marktes? Die Demokratien hierzulande bezeichnen sich gerne als liberal und freiheitlich, sie sind derzeit weltweit in der Defensive, - bloß: beim Geld hört auch in ihnen offenbar der Spass auf. Geld ist sakrosankt. Wie wer dazu gekommen ist, sei egal, - so sagt der Markt. Dieser Markt diktiert unbarmherzig. Immer noch besser, als ein Diktator oder eine Partei diktiert unbarmherzig, so mag da mancher kontern. Wir sind eine Demokratie und keine „sportlich frisierte Autokratie“, - wie ich das neulich gehört habe. Doch genau eine solche Demokratie könnte es auszeichnen, gemeinsam in einem demokratischen Prozess, der auch sehr verschiedene Meinungen einschließt, darüber nachzudenken, wie man Verhältnisse verbessern könnte, wie man insgesamt zu einer besseren Welt kommen könnte. Daraus könnte so etwas wie Wettbewerb entstehen, aber einer, der den anderen achtet und sich nicht im Besitz der allein selig machenden Wahrheit wähnt. Das alles hat nichts mit dem „Schlechtreden“ zu tun, wie man es jetzt von politischer Seite so oft ekelhaft unterstellend hört. 

Freitag, 14. Juli 2017

Schopi und der Tod (4)

Schopenhauer schreibt: „Daraus ist zu schließen, daß das gänzliche Aufhören des Lebensprocesses für die treibende Kraft desselben eine wundersame Erleichterung seyn muß: vielleicht hat diese Antheil an dem Ausdruck süßer Zufriedenheit auf dem Gesichte der meisten Todten. Ueberhaupt mag der Augenblick des Sterbens dem des Erwachens aus einem schweren, alpgedrückten Traum ähnlich seyn.
Bis hierher hat sich uns ergeben, daß der Tod, so sehr er auch gefürchtet wird, doch eigentlich kein Uebel seyn könne., Oft aber erscheint er sogar als ein Gut, ein Erwünschtes, als Freund Hain. Alles, was auf unüberwindliche Hindernisse seines Dasyns, oder seiner Bestrebungen gestoßen ist, was an unheilbaren Krankheiten, oder an untröstlichem Grame leidet, - hat zur letzten, meistens sich von ihm selbst öffnenden Zuflucht die Rückkehr in den Schooß der Natur, aus welchem es, wie alles Andere auch, auf eine kurze Zeit heraufgetaucht war, verlockt durch die Hoffnung auf günstigere Bedingungen des Dasyens, als ihm geworden, und von wo aus ihm der selbe Weg stets offen bleibt. Jene Rückkehr ist die cessio bonorum (die Abtretung des gesamten Vermögens) des Lebenden. Jedoch wird sie auch hier erst nach einem physischen, oder moralischen Kampfe angetreten: so sehr sträubt sich Jedes sich, dahin zurückzugehen, von wo es so leicht und bereitwillig hervorkam, zu einem Daseyn, welches so viele Leiden und so wenige Freuden zu bieten hat.“ (Parerga und Paralipomena) Wie sich damit wohl der von Silicon Valley herbei gewünschte und geforschte Sieg über den Tod verträgt?

Donnerstag, 13. Juli 2017

Wirklichkeiten in unserem Kopf

Ich würde gerne die Sichtweisen aus einem anderen Kulturkreis heraus annehmen, mit ihnen umgehen, etwa nach einer Reise, und darüber auch hier schreiben. Ich merke, wie ich neugierig bin und weiß, dass die Welt viel zu bieten hätte. Viel anderes. An verschiedener Alltagserfahrung. Aber ich neige aus guten Gründen dazu, nur meine eigenen Erfahrungen, meine persönlichen Lesefrüchte und Aufschriebe zu berücksichtigen. Sie sollen eine Art Tagebuch meines Bewusstseins der Gegenwart sein. In die anderen Menschen versuche ich mich einzufühlen. Ich erfahre etwas über sie, der Möglichkeiten sind viele, viel mehr als in der Vergangenheit. Fremde Berichte will ich nicht noch einmal wiedergeben, wiederkäuen als meine eigenen Bewusstseinsreisen. Anders sehe ich „historische Reisen“, den Blick in andere historische Welten und ihre Umgangsformen. Hierbei sind wir alle Gegenwartsmenschen auf derselben Höhe. Uns unterscheidet nur der Umgang mit Quellen, zu denen wir im Zeitalter des Internets und fortgeschrittener Informationstechnologie. Wir alle spekulieren rückwärts. So komme ich immer wieder bei den Zeugnissen der Mayas, Azteken und Inkas vorbei, versuche, mir ihr damaliges Weltbild vorzustellen, ihren von den Gegebenheiten geprägten Blick auf die Realität. Auch die Römer, die Ägypter und viele andere haben es mir angetan. Ihre Welt ist in uns aufgehoben. Sie offenbart eine Möglichkeit, die stark von unseren heutigen Gegebenheiten (die ja so viele Leute als „gottgegeben“ oder "unveränderlich" einschätzen) abweicht. Die damaligen Menschen glaubten das auch von ihrer Realität, die freilich noch viel weniger gestaltbar war, als die heutige. Gerade darin könnte eine Art Fortschritt liegen. Oder ob es so ist, dass wir heutzutage solche Veränderbarkeit mehr wahrnehmen? Ob die ständig sich beschleunigende Beschleunigung auch eine Rolle spielt? Und schon sind wir wieder auf einer der Ebenen, der ich hier im Blog nachgehen will, die mich beschäftigt. 

Mittwoch, 12. Juli 2017

Leiharbeit

Eine Lebenswelt öffnete sich mir neu, als ich durch direkte Anschauung und Miterleben erfuhr, dass selbst ein voller körperlicher Einsatz auch über einen langen Zeitraum hinweg (12 Monate und mehr...) nur für ein sehr schmales Gehalt gut zu sein schien. Man sei „Sklave“, so wurde mir beschieden (völlig ohne die gerade jetzt so gescholtenen „linken“ Absichten, von der Politik gleich welcher Richtung wurde sowieso nichts mehr erwartet.....) Leiharbeit und prekäres Arbeiten sind Teil unserer deutschen Realität, Lohndumping scheint noch immer Schmierstoff dieser Wirtschaft zu sein. Inzwischen durchgeführte Reformen scheinen zumindest in gewissen Regionen ein fragwürdiges Ergebnis zu zeitigen. Ich erfuhr, dass auch Schichteinsätze des nachts und zu unmöglichen Zeiten nichts finanziell Zählbares über das hinaus bringen sollten, als das Übliche des Tages (den Rest schöpfte wohl die Agentur ab...), dass fortwährend Entlassung drohte, dass man jederzeit abrufbar sein musste, dass keinerlei rechtliche Grenzen beachtet wurden, dass sexuelle Nötigung tägliche Praxis war und insofern ein krasses Gefühl von Ausgeliefertsein zu verkraften war....
Ich riet damals, sich mit der Gewerkschaft in Verbindung zu setzen: „Die setzen sich für Leiharbeiter ein....!“. Man berichtete mir Unglaubliches, so dass ich mich angeregt fühlte, selbst einmal anzurufen. Die zuständige Dame eröffnete mir kalt lächelnd, dass man überhaupt nichts unternehmen würde, solange man nicht Mitglied der Gewerkschaft sei. Ein Leiharbeiter hat aber selten genug Geld, um Mitgliedsbeiträge zahlen zu können. Schon gar nicht auf Verdacht. Er scheint also auch hier ausgegrenzt zu werden, Prekäre scheinen außen vor zu bleiben. Das Thema erledigte sich in diesem Fall von selbst. 

Dienstag, 11. Juli 2017

Parteiengezänk

Ich habe sie so satt, diese Parteisoldaten. Eben von der SPD gelesen: Schäfer-Gümpel findet, es sei kein Problem vom Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz..... Rücktrittsforderungen bezeichnet er als „Frechheit“. In mir drängt sich ein Eindruck auf: Es sind (Partei-)Rituale, in denen sich unsere Demokratie vollzieht. Es stellt sich dadurch ein Gefühl von Kulissenschieberei und Inszenierung ein. Von falschem Spiel. Es sind eben mal ein paar Hundert Millionen Euro für ein fragwürdiges Klassenbild ausgegeben worden und jetzt gibt es angesichts des „Wahlkampfes“ ein Parteiengezänk, in dem es darum geht, wer härter bestrafen will, wer Entschädigungen ausspuckt oder nicht und wer verantwortlich ist. Dass es darum geht, ist okay. Doch das „Wie“ kann einem Sorgen machen. Von der CDU und der FDP soll eine „falsche Liberalität“ gegenüber „solchen Milieus“ beklagt worden sein, - und wird jetzt dauernd wiederholt. Es gehe um das Problem von Gewalt (das "Linksextremen" zugeschrieben wird). Ist was dran. Deshalb treten jetzt überall "Experten" auf und erklären uns in ihrem Sinne diese Gewalt. Es müsste eigentlich ausgewogen und vorsichtig diskutiert werden, denn es gibt auch Gewalt von anderer Seite. Aber wie das hier und welchem Kontext serviert wird, ist das ziemlich eindeutig. Ob in den so freudig akzeptierten gesellschaftlichen Verhältnissen, die von G 20 ausgegangen sind und ausgehen, auch etwas von Gewalt aufgehoben ist? Natürlich nicht von der dreckigen Sorte, die für jeden in den Medien per Sondersendungen sichtbar ist. Sondern schleichend, sich aus Entwicklungen ergebend, vom jeweiligen Staat "beschützt". Und in den verschiedenen Kriegen oder Konflikten, in denen Teilnehmer von G 20 verwickelt sind, soll es auch ganz schön schäbig gewaltsam hergehen..... Herren mit wichtigen Gesichtern drehen das so richtig wahlkampfmäßig gegenseitig auf sich zu....benutzen und instrumentalisieren und kochen ein Parteiensüppchen. Bei „Anne Will“ geht derweil Bild und Ton weg, um auch nicht so schnell wieder zu kommen.... ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt.

Montag, 10. Juli 2017

Hermanns Jugend

Hermann Hesse wuchs in Calw auf, der Marktplatz und die steilen Gassen, das war die Welt seiner Kindheit. Er kannte alle und jeden. Seine Eltern standen im Dienste der evangelischen Basler Mission. Der Vater kam aus Estland und hatte als Missionar in Indien gearbeitet.Die Welt der Mission war in Hesses Kindheit dadurch allgegenwärtig. Seine Mutter war in Südwestindien aufgewachsen, Bilder und Lieder aus Indien waren ihm von klein auf vertraut. So hat der junge Hesse von Anfang an zwei Welten kennen gelernt. Es gab die schwäbische Kleinstadt mit ihrer überlieferten Ordnung und Ihren Traditionen. Und es gab die ferne indische Kultur mit ihren eigenen Lebensformen, Sprachen und Rhythmen.
Wie ein geheimnisvolles Reich kam ihm die Bibliothek des Großvaters Hermann Gundert vor, in der es nach Pfeifenrauch und alten Büchern roch. Als Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber von Missionsliteratur leitete Gundert den Calwer Verlagsverein. Er war einer der Pioniere der evangelischen Mission in Indien gewesen, ein schwäbischer Theologe, der auch ein bedeutender Indologe und Sprachgelehrter war. Er konnte seine Predigten in so manchem indischen Dialekt abhalten und übertrug indische Versepen ins Deutsche. Seine Wertschätzung anderer Kulturen faszinierte den jungen Enkel Hermann Hesse. „in anderen Schränken des Großvaters stand und lag noch viel anderes Wesen und Geräte. Ketten aus Holzperlen wie Rosenkränze, Palmblätterne Rollen, mit eingeritzter alter indischer Schrift beschrieben. Kleine Götterbilder, aus Holz,aus Glas, aus Quarz aus Ton, messingne Ceylonbecher und Schalen. Und alles kam aus Indien und Ceylon, aus Siam und aus Birma. ...Er war auch ein Magier ein Weiser und Wissender- Er konnte Pali und Sanskrit schreiben und sprechen. Er konnte unter anderem bengalische, indostanische und sineglesische Lieder singen. Er kannte die Gebetsübungen der Mohammedaner und der Buddhisten, obwohl er Christ war und an den dreieinigen Gott glaubte. Niemand wusste so wie er bescheid darum, dass unsere Stadt und unser Land nur ein sehr kleiner Teil der Erde war.

Sonntag, 9. Juli 2017

Sherpa

Zuerst hörte ich das Wort aus dem Munde eines Medienmenschen und musste grinsen: „Sherpa“. Nun ja, halt wieder so ein Modewort, das ein bisschen verräterisch ist, so denke ich mir. Dann hörte ich es aus dem Munde eines Politikers der höchsten Hierarchiestufe: „Sherpa“. Ob das dieses Politikergipfels G 20 angemessen ist? Die Sherpas hätten die ganze Nacht gearbeitet, damit man nun am anderen Morgen das strahlende Ergebnis verkünden könne „Sherpa“. Ich schalte in die Tour de France und kann verfolgen, wie die jeweiligen Chefdamen- und Herren ein ganzes Heer von Sherpas unter sich haben. Klar, wer das meiste Geld hat, hat die besten Sherpas/Helfer. Ich wundere mich abermals und komme mal wieder ins Grübeln, wieso der Mensch eigentlich immer solche Hierarchien zu brauchen scheint. Was ist ein Sherpa? Ein anonymer Zuträger der einheimischen Kräfte. Einer, der fürs Grobe zuständig ist. Fürs Feine sorgen dann die Hierarchiemenschen. Zunehmend und immer schamloser wird die Welt offenbar in solche Tonangeber und ihre Diener eingeteilt., Hilfskräfte, Nachtarbeiter. Das Wort kommt ja aus dem alpinen Bereich, Abteilung Mount Everest. Dort schleppen Sherpas das Material den Gipfel hoch. Die Damen und Herren von der Befehlsebene kommen tapfer mit ihren Sauerstoffgeräten nach und können dann behaupten, den höchsten Gipfel der Erde erklommen zu haben. So war's von Anfang an. Den Damen/Herren der Welt ist ein Wunsch erfüllt und die Sherpas haben einen Job. Entwicklungshilfe nannte man das früher. Oder auch noch heute.

Freitag, 7. Juli 2017

Digitale Wirklichkeiten

Es war befürchtet und beschworen worden. Nicht zuletzt George Orwell unter anderem in seinem Roman „1984“ hatte massiv vor einer Welt gewarnt, in der die Überwachung die Rolle eines sich immer totalitärer gebärdenden Staates entscheidend stützen würde. Klar war immer, dass der Terrorismus und seine Bekämpfung das Einfallstor dafür sein würden. Sie würden das Argument dafür liefern. Die „innere Sicherheit“ glaubt der Staat nur auf einem von ihm definierten Weg erreichen zu können, der nach seiner Meinung immer weiter verschärft werden muss.
Nun scheint dies erst unmerklich, dann immer unverblümter, Wirklichkeit geworden zu sein. Eine gewisse Notwendigkeit und Zwangsläufigkeit scheint nicht nur in Mitteleuropa gerade in jüngsten Zeiten zusätzliche Wege zu ebnen. Die Schlinge scheint mit guten Argumenten immer enger gezogen zu werden, die digitale Überwachung totaler. „Big Brother is watching you“ scheint von der Bedrohung zum Schutz mutiert. Jedenfalls wollen uns das Meinungsführer aus allen politischen Ecken lernen lassen. Dass dabei auch gewisse freiheitliche Grundwerte, um der Verteidigung es nicht zuletzt gehen könnte, aufgegeben werden könnten, scheint nicht im Blickfeld dieser Leute aufzutauchen. Nun dringt die Kunde zu uns, dass es in China ja besonders toll damit zugehen würde. Des Bürgers Wohlverhalten soll dort bis in möglichst alle Einzelheiten hinein digital erfasst, reguliert und bearbeitet werden, so heißt es. Es scheint, dass auf diese Weise die Begriffe „gut“ und „schlecht“ neu definiert werden sollen. Schon vor dem Hochhaus erwarten den Bürger Videokameras, die sein Verhalten in mannigfachen Parametern weitergeben an Behörden, die mit einem Punktesystem der in Daten aufbereiteten Angepasstheit aufwarten. Stromrechnung bezahlt? Impfung rechtzeitig absolviert? Steuern bezahlt? Blutspende? Geld gespendet für "guten Zweck"? Ein Kind zuviel in die Welt gesetzt? Per Gesichtserkennung identifiziert dich die staatliche App. Alles bequem und einfach. Selbstverständlich werden auch Preise für Wohlverhalten ausgelobt: Boni in öffentlichen Bibliotheken etwa. Noch scheint alles freiwillig. So fängt immer alles an. Überall. Doch schon bald stellt sich sozialer Druck ein, „es wird erwartet“, es wird obligatorisch, wer nicht mitmacht, macht sich verdächtig, der Staat kann ohnehin böse werden oder er sanktioniert das „Nicht mitmachen“ durch Druck, durch Strafen. „Erziehen“ lautet die Zauberformel. „Zivilisieren“. Marktgängigkeit erzeugen. So funktioniert das überall, nicht nur in China.  

Donnerstag, 6. Juli 2017

Globalisierungen

Mir gehen immer noch die Bilder durch den Kopf, als vor zwei Tagen einige Mächtige der deutschen Industrie Verträge mit ihren Pendants aus der Volksrepublik China unterzeichneten. Das mischte sich in meinem Kopf kurzfristig mit den Nachrichten über neue Wechselabsichten oder Vollzüge von Fußballspielern. In beiden Fällen scheint sich vieles anonymisiert zu haben. „Profis“ wechseln dorthin, wo es die meiste Kohle gibt, basta. Ein durchgehendes gesellschaftliches Prinzip. Irgendwelche Zugehörigkeiten, Identitäten usw. scheinen dabei völlig auf der Strecke geblieben zu sein. Genauso kamen mir die Namen und Firmenlogos vor, für die die unterzeichnenden Herren in ihren Anzügen standen: Schall und Rauch, der nichts mehr wert ist, außer der durch sie erzeugten Wirtschaftskraft. Menschen und Identitäten scheinen da außen vor zu sein. Es herrscht das Diktat der Wirtschaft. Es werden dabei Millionen und Milliarden bewegt, eben mal so, mit freundlich netten Gesichtern, die für Entwicklungen stehen, hinter denen sich Einzelschicksale, Altersarmut und viele viele Probleme verbergen. Hätschelkinder des Systems lassen sich indessen verkaufen und gehen freiwillig in eine Sklaverei, die - getreu dem heutigen Systemideal - vor allem diesen Hätschelfiguren wohl zu tun scheint. Gemeinsamkeit? Menschen sind Verfügungsmasse, Identifikationsflächen sind Kauf und Verkaufsgelegenheiten geworden. Die Ökonomisierung scheint alle Lebensbereiche durchdrungen zu haben, alles ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Dabei scheint mir nicht das Problem zu sein, dass das Angebot und die Nachfrage gewisse Lebensbereiche durchdringt, sondern dass dies Prinzip immer mehr alle Lebensbereiche durchdringt, und zwar auf eine raffinierte sich einschleichende, unmerklich einsickernde Weise. Alle Lebensbereiche. Es scheint total, ja nahezu totalitär geworden zu sein. Menschen verfangen sich unwillkürlich darin und kommen nicht mehr heraus, sind ins Hamsterrad und in die Kopfwaschmaschinen eingeschlossen. Ja klar, ich bin froh, dass ich in Deutschland lebe. In anderen Bereichen der Welt scheint dies alles noch viel unbarmherziger vonstatten zu gehen. Aber würde es nicht zu einer gewissen Weisheit gehören, wenn die hiesigen Verantwortlichkeiten der Politik die Gefahren solcher Entwicklungen wenigstens zur Kenntnis nehmen würden und nicht nur im showträchtigen Beisammensitzen (wie eigentlich sollen sich 19 Regierungschefs in so kurzer Zeit unterhalten oder gar „Gespräche“ führen?) ihre Macht preisen würden? Altersarmut, Arbeitswelt 4.0. und andere dramatische, aber längerfristige Entwicklungen wie Hunger oder "Klimawandel“: Ist so etwas in einer Showveranstaltung am Wochenende mal eben „abzuhandeln“?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Zukunftsmöglichkeiten

Vielleicht wird man einmal in 100 Jahren zurück blicken und denken: Was für Leute waren das denn? (Lasst uns überlegen, wie sich die Erde vor (!) 100 Jahren darstellte...) Dise Leute glaubten, ihre sozialen Gegensätze dermaßen offen gegeneinander austragen zu müssen und die gesellschaftliche Mitbestimmung, die auch gerne Partizipation genannt wird, dermaßen vernachlässigen zu können. Wir haben heute ein neues „Wir“-Gefühl, wir spüren, dass wir alle im selben Boot sitzen und uns längst nicht mehr gegenseitig ausspielen lassen. Das Wort "sozial" hat eine neue Bedeutung. Gegensätze werden leise wegmoderiert, werden entschärft, gemanagt, werden in verträgliche Bahnen geleitet. Der Wert der Arbeit ist ja sowieso übereinstimmend ein ganz anderer geworden, nachdem Roboter 4.0 diesbezügllich die Macht übernommen haben. Wir haben gelernt, dass es auch außerhalb der Arbeitssphäre Möglichkeiten gibt, sich selbst zu verwirklichen und wir haben schon auf der Schule gelernt, wie wir uns „Gewinn“bringend mit uns selbst beschäftigen können, wie wir Potentiale in uns heben können und uns entwickeln, zu uns selbst kommen. Es hat sich zwar zwischenzeitlich eine Klasse der Besitzenden und Mächtigen abzusetzen versucht, doch wir sind ihnen noch rechtzeitig auf die Schliche gekommen, haben ihr „Bewertungssystem“ der Menschen ohnehin nicht mehr akzeptiert. Die frühe „Globalisierung“ ist Geschichte, ihre negativen Auswirkungen der allgemeinen Identitätslosigkeit und Verfügbarkeit längst überwunden. Wir haben uns der Erde neu angenähert, haben verstanden, wie sehr sie ein Teil von uns ist und wir von ihr. Der bedingungslose Raubbau konnte zurück gedrängt werden und stellt sich im Rückblick als schwerer Irrtum heraus, der durch mannigfache Abstimmungsprobleme unter den Menschen verursacht worden ist. Leider waren bis zum Zeitpunkt der Umkehr schon viele Tierarten ausgestorben, so dass diese unheilvolle Entwicklung samt ihren egoistischen Impulsen nur teilweise rückgängig gemacht werden konnte.  

Montag, 3. Juli 2017

Baltisches Bad

„Jeder Mensch kommt gerne irgendwo an“, so könnte man die Motivation beschreiben, welche "die Gartenbesucher dazu bewegt, das Hohenheimer Lavendel-Labyrinth zu begehen“: So steht es jedenfalls eingangs im PR-Text zum betreffenden Labyrinth im Stuttgarter Süden. Vom Typ her ist es ein sogenanntes „Baltisches Bad“. Es besitzt zwei Öffnungen, einen Eingang und einen Ausgang. Der Weg zur Mitte kann sehr lang werden, in diesem Falle 530 Meter. Der Weg von der Mitte hingegen, der zum Ausgang führt, ist sehr kurz, - nämlich 15 Meter. Das Tolle: es kann ein sinnliches Erlebnis bedeuten.
Es gilt unter anderem, die Wärme der Erde unter nackten Fußsohlen zu spüren, Achtsamkeit zu üben. Die Insekten summen hören und den Zauber des Ortes riechen, ihn aufnehmen, sich von ihm betören lassen. Die Beete sind mit verschiedenen Lavendelsorten bepflanzt, der Boden um die Pflanzen ist mit Juraschotter bedeckt, auf den Wegen liegt Rindenschrot. Nach keltischem Glauben (auf den solche Labyrinthe zurück gehen..) liegt im Westen, wo die Sonne untergeht, die Anderwelt, das Jenseits, von wo aus man das Labyrinth nach Osten zum Sonnenaufgang hin betritt, um nach der Begegnung in der Mitte mit dem allumfassenden Göttlichen, wieder zurück zu kehren. Dazu kommt man in „Baltischen Rädern“, wie etwa hier, mit dem langen Weg rechtsdrehend im Uhrzeigersinn. Denn rechtsdrehend verheißt Glück, linksdrehend eher Unglück. Auch ist für die Wahl des Orts eines Baltischen Rads die Harmonie mit der Umgebung sehr wichtig sowie mit den unsichtbaren Energie- und Strahlenfeldern. Auf was das alles hinaus läuft: auf einen „heiligen Ort“. Und, was wichtig ist: Ein Labyrinth ist kein Irrgarten!

Was uns das alles bringt? Mal ganz praktisch? Hier eine Möglichkeit, - es gibt noch viele andere: Man kann etwa mit einem Problem, einer Frage, das Labyrinth betreten, auf dem gewundenen Weg zum Zentrum alle Aspekte überlegen, die Dinge in sich drehen und wenden, um dann im Zentrum eine neue Richtung einzuschlagen und mit der Lösung ins Freie zu treten. Oder man lässt das unlösbare Problem, unseren Fehlschlag, den Klotz am Bein im Zentrum zurück, schüttelt sich und geht unbeschwert und mit neuer Energie und frischen Plänen zum Ausgang.