Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 1. August 2025

Arbeitsmoral

Arbeit. Scheint zunächst etwas Abstraktes, Trockenes. Dabei betrifft das sehr viele Leute ziemlich direkt. Es geht jetzt in schland vielleicht auch darum, welche Rolle man der Arbeit in seinem Dasein einzuräumen bereit ist. Was es damit auf sich hat, dass derzeit ziemlich direkt gegen so etwas wie „Work Life Balance“ polemisiert wird. Dass dies einer jungen Generation zugeschrieben wird, die eines Tges für den Unterhalt der Älteren sorgen soll. Gibt es ein Bedürfnis, sich nicht ausbeuten zu lassen? Ob das legitim ist? Ob die Selbstausbeutung zugunsten von anderen okay ist in dieser Gesellschaft? Wo da der connex zu Selbständigkeit ist, zu freier Initiative, zu ungeschützter Betätigung. Könnte Arbeit auch erfüllend sein, befriedigend und der kreativen Selbstaneignung dienen? Gibt es eine faire Entlohnung oder sollte das relativ unübersichtlichen Kommisionen der Tarifparteien überlassen bleiben? In schland, welche Rolle spielt da der Begriff „Wohlstand“? Wem kommt der in erster Linie zugute? Ob da die Tickle-down-Theorie gilt, die bedeutet, dass es erst den „Reichen“ richtig gut gehen müsse, ehe das in die ärmeren Bevölkerungsschichten langsam als „Wohlstand“ einsickern könne? Geht es in Wirklichkeit vielleicht auch darum, Zeit zu haben? Ob Zeit das höchste menschliche Gut ist? Wer ist dazu gezwungen, seine Zeit zu verkaufen? Geht es angesichts von KI (AI) auch um Sätze wie „Die Maschine ist alles, der Mensch ist nichts?“. Setzt dies voraus, dass „der Mensch“ in Zukunft beliebig replizierbar ist. Welches Zutrauen in die Digitaltechnologie setzt das voraus? Was ist der Mensch dann überhaupt? Gibt es „den Menschen“ oder gibt es durchaus unterschiedliche Klassen von Menschen? Ob der Wert der Selbstverwirklichung unter solchen Bedingungen überhaupt noch existiert? Lohnarbeit, was könnte daraus werden? Ein Beispiel: gibt es dann noch „Care“-Arbeit und welchen Stellenwert könnte sie dann haben?

Mittwoch, 16. April 2025

Folklorismen?

Mir scheint, es war mal wieder ein Fest der Lüge und Heuchelei. Alleine schon, das religiöse Pathos, der unendliche Reichtum, darunter – wie jeder weiß - die Ebene der erbarmungslosen Obdachlosigkeit, der bitteren Armut und gewalttätigen Drogensucht. Ob das Folklore ist, die halt dazu gehört? Diese „Verklärung“?. Oder ob das Zurücksetzen zu einer Tradition des neunzehnten Jahrhunderts Programm ist? Regression? Ob man da gerade hier in Deutschland seine Erfahrungen hat, mit Figuren des harten Führens, die sich alles, einschließlich des Rechtssystems, gefügig machen und damit sogar einem Bedürfnis der Leute nach einer „starken Hand“ entgegen zu kommen scheinen? Rücksichtslosigkeit als Programm, Gewalt als Methode. Nun, das war schon mal da. Hier. Mögen Teile heutiger auf Konsum und Geld ausgerichteter Gesellschaften ihren Beifall darüber ausgießen, es scheint mir das dann doch einseitig und ein bisschen zu dick aufgetragen, ein bisschen zu sehr „kitschy“ und pathetisch. Clownerien des Showgeschäfts als Politik. Versprechen von Größe, Stolz und Wohlstand gehen einem hierzulande nicht so leicht ein. Einer Masse von Menschen aber gefällt das, geht das ein und ergreift sie emotional. Das Durchsetzen von Interessen mit Gewalt, das Versprechen von Stärke und „Wohlstand“, Recht und Ordnung….: da stehen sie auf und klatschen Beifall.

Samstag, 8. März 2025

Randy

Randy Newman singt auf seinem 2017 erschienenen Album "Dark Matter" seinen Song "Putin". Es geht so los: "Putin puttin' his pants on, one leg a time, You mean just like a regular fellow. huh?, he ain't nothing like a regular fellow....." am Ende dieses Songs heißt es "I don't know, Lenin couldn't do it, I don't know Stalin couldn't do it, they couldn't do it, why do you think I can? You're gonna lead our people to the promised land. you're right, Goddamn. I'm the Putin man...." Dazwischen treten die "Putin Girls" auf. Sie trällern "Putin if you put it when you, put it where you put it....etc."

Samstag, 6. April 2024

Staat, Bürger und Wohlstand

Es kommt mir manchmal so vor, als würde der sog. „Wohlstand“ Menschen in einen Kokon aus Trägheit, Gleichgültigkeit und Ignoranz stürzen. Mitmenschlichkeit, Empathie und derartige Eigenschaften scheinen mir dabei unversehens/ schleichend verloren zu gehen. Ist es so, dass aus Mangelgesellschaften zwangsläufig Mitgefühl und Kooperation erwächst? Dies mag auch mit der Konstruktion eines „Sozialstaats“ zusammenhängen, in dem auch soziale Belange an den Staat delegiert werden, also an eine zunächst anonyme Institution. Der Trick dabei scheint mir zu sein, dass sich hinter dem Wort „Staat“ die Gesamtheit aller Bürger verbirgt/verbergen könnte. Ob da Beamte mit ihrer großzügigen Altersvorsorge in eine solche Struktur passen? Nicht die einzige Frage, die einen in diesem Zusammenhang umtreiben mag. Dass dieser Schritt zur Identität des Staats in den meisten Köpfen nicht vollzogen wurde, scheint mir auch eine Folge davon zu sein, dass doch jeder „den Staat“ so gut zu seinem Vorteil auszunutzen versucht, wie es nur möglich ist. Ganze Berufsstände haben sich mit diesem Ziel etabliert. x x It sometimes seems to me as if so-called “prosperity” plunges people into a cocoon of indolence, indifference and ignorance. Humanity, empathy and such qualities seem to be suddenly/slowly lost to me. Is it the case that compassion and cooperation inevitably arise from societies with scarcity? This may also be related to the construction of a “welfare state” in which social concerns are delegated to the state, i.e. to an initially anonymous institution. The trick here seems to me to be that the entirety of all citizens is/could be hidden behind the word “state”. Do civil servants with their generous pension provision fit into such a structure? Not the only question that may be on your mind in this context. The fact that this step towards the identity of the state has not been taken in most minds also seems to me to be a consequence of the fact that everyone tries to use “the state” to their advantage as best as possible. Entire professions have established themselves with this connection.

Montag, 5. Februar 2024

Moralismus

„Moralismus“ ist zum Standardvorwurf geworden. Dabei will wohlverstandene Moral doch nur Hinweise zum richtigen Verhalten geben, will dem Ringen darum Ausdruck geben. Oder? Ob das im „Digitalen Raum“ noch irgendeine Rolle spielt? Nach gewissen Ansprüchen leben? Man reiht sich zu leicht ein in eine Masse, übernimmt unreflektiert deren meist von „oben“ ausgegebenen Maßstäbe. So hat womöglich auch Nazi-Deutschland funktioniert. Wer moralische Gesetze bricht, wird dann auch gerne mal lobend als echt „liberal“ bezeichnet. Hm. Ist jemand, der vegan lebt, moralischer als der, der Fleisch frisst? Es gibt wohl Gewöhnung und Enthemmung auf dem Gebiet der Moral? Wieso scheint die Flugscham allüberall verflogen? Menschen wollen möglichst mit ihren Familien in den Urlaub fliegen. Wohlverdient, sagen die Medien. Wenn wir auf etwas verzichten, - welchen Einfluss hat das auf das Gesamtgeschehen? Wenn wir jetzt von Oxfam erfahren haben, das rund 1 % der Erdbevölkerung, - also die Wohlhabenden! - demnach so viel CO2 verursachen wie die ärmeren zwei Drittel zusammen. Das sind immerhin 5 Milliarden Menschen. Ob uns da Zweifel kommen angesichts der politischen Implikationen? Das persönliche Seelenheil mag es befördern, wenn wir kein Fleisch essen. Das Große und Ganze aber beeinflusst es nicht. Die Regierung hierzulande bevorzugt immer noch das Flugbenzin. Subventioniert es. Geht es um rechte Lebensführung? Ist man, wenn man darum ringt, deshalb ein „Gutmensch“? X x “Moralism” has become the standard accusation. Well-understood morality only wants to give advice on correct behavior and wants to give expression to the struggle for it. Or? Does this still play any role in the “digital space”? Live according to certain standards? It's too easy to join a crowd and unreflectively adopt the standards that are usually issued from "above". This is probably how Nazi Germany worked. Anyone who breaks moral laws is often described as truly “liberal”. Hmm. Is someone who is vegan more moral than someone who eats meat? There is probably habituation and disinhibition in the area of morality? Why does the shame of flying seem to have disappeared everywhere? People want to fly on vacation with their families if possible. Well-deserved, say the media. If we give up something, what impact does that have on the overall situation? Now that we have found out about Oxfam, around 1% of the world's population - i.e. the wealthy! - therefore cause as much CO2 as the poorer two thirds combined. That's at least 5 billion people. Do we have any doubts given the political implications? It may promote personal spiritual salvation if we don't eat meat. But it doesn't affect the big picture. The government in this country still prefers aviation fuel. Subsidize it. Is it about right living? If you struggle with this, does that make you a “do-gooder”?

Samstag, 7. Oktober 2023

Karriere und Erfolg

Wenn ich zurück blicke, dann war das Wohlstands- und Erfolgsversprechen dieser Gesellschaft schon früh gebrochen. Es lautete ja immer: wenn du genügend in die Bildung investierst, dann wirst du voran kommen und dann wird es dir gut gehen. Hinzu kam ein typisch amerikanisches Versprechen, das da lautet: wenn du etwas nur stark willst, dann kannst du es auch erreichen. Doch plötzlich war das Modell eines öffentlich vorgeführten Vorankommens das eines Erfolgs, der aber nicht nachvollziehbar ist und nichts mit Leistung zu tun hat. Diese Zwangsläufigkeit, dieser Zusammenhang war eines Tages nicht mehr garantiert. Gleichzeitig war das Leistungsversprechen sozial gesehen noch sehr sehr wirkmächtig. „Wenn du nur genügend tust, dann schaffst du es auch“ war und ist ja das überall vorgetragene Mantra, das gerade in amerikanisch geprägten Gesellschaften ständig vorgetragen wird. In unserer Gesellschaft heißt das real: Leistung und Erfolg sind nicht mehr aneinander gebunden, aber das prägende Mantra ist noch intakt. Viele Menschen haben davon einen biografischen Bruch davon getragen. Sie haben gerade in diesem Aufstiegs- und Erfolgsversprechen eine schwere Kränkung erfahren, indem sie gemerkt haben: Dies Versprechen gilt vielleicht für manche, aber für mich hat es nicht gegolten. Ich bin davon enttäuscht worden. Dies trifft besonders auch auf Menschen zu, die auf normative Grundvorstellungen geeicht sind, wie Hedonismus, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung. Das können Leute aus der gehobenen sozialen Schicht sein, aber auch unteren sozialen Schichten. Was sie einte, war die Grundorientierung an einem selbst gestalteten Leben, an dem daran hängenden Wert. Biografisch kann das inzwischen in Frage gestellt sein, zb. durch Arbeitsplatzverlust, Invalidität, was oft genug eine ökonomische Prekarität zur Folge hat. Das alles stellt das Selbstbild massiv in Frage. x When I look back, this society's promise of prosperity and success was broken early on. It was always: if you invest enough in education, then you will make progress and then you will be fine. There was also a typically American promise that said: if you really want something, you can achieve it. But suddenly the model of a publicly demonstrated progress was that of a success that is incomprehensible and has nothing to do with performance. One day this inevitability, this connection was no longer guaranteed. At the same time, the value proposition was still very powerful from a social point of view. "If you only do enough, then you can do it too" was and is the mantra that is constantly being recited, especially in American-style societies. In our society, this means that performance and success are no longer linked, but the formative mantra is still intact. Many people suffered a biographical break from it. They suffered a serious insult in this promise of advancement and success when they realized: This promise may apply to some, but it didn't apply to me. I've been disappointed in that. This applies in particular to people who are calibrated to basic normative ideas such as hedonism, self-determination, self-realization. These can be people from the upper social class, but also from lower social classes. What they had in common was the basic orientation towards a self-designed life, towards the value attached to it. Biographically, this can now be questioned, e.g. through job loss, invalidity, which often results in economic precariousness. All of this puts the self-image in question.

Montag, 3. Juli 2023

Obsoleszent?

Ich wundere mich und es geht mir die ganze Zeit im Kopf herum, dass jetzt so eben mal 10 Milliarden Euro an die Firma Intel gegeben werden und das Ganze dann „Industriepolitik“ genannt wird. So langsam verschwindet das wieder im Rückspiegel der Medien, doch ich frage mich, welche Rückschlüsse so etwas wohl hinterlässt. Der Wirtschafts- und Klimaminister soll gesagt haben, nachdem zunächst „nur“ 7 Milliarden Euro Subventionen vorgesehen waren: „An drei Milliarden soll es nicht scheitern“. So kann meiner Meinung nach nur der satte Mittelstand und jene Abgeordneten argumentieren, denen hinten und vorne die Kohle reingeschoben wird. 3 Milliarden, was ist das schon! Lindner dieser manchmal sehr fixierte „Freie Marktwirtschaftler“ scheint daran auch nichts Hörbares auszusetzen zu haben, obwohl die Summe ganz schön reinhaut in sein Kontor, bzw. Haushalt. Der BDI scheint auch Beifall zu klatschen. Ob das alles etwas mit dem Erstarken einer gewissen rechtsextremen Partei zu tun hat, die sich auch als Partei der Unzufriedenen gebärdet. Ob uns da gerade das vergangene Wochenende zu denken geben müsste? Protestpartei, was soll das in Deutschland sein? Die CDU? Oh je! Die Grünen? Nun ja. Wagenknecht-Partei? Schon eher. Bleibt nur die Partei am rechten Rand, die auf die Arroganz und Unfähigkeit gewisser Leute in der Regierung zu reagieren scheint. Zurück zu den 10 Milliarden, die eben mal so raus getan werden. Im ZDF hat ein „Experte“ dieses Unternehmen als „Verliererfirma“ tituliert. Sie soll uns also helfen, wenn nach Corona und beim Ukrainekrieg wieder mal „Lieferengpässe“ drücken und keine Autos wegen Chipmangels produziert werden können? Ob diese Firma genau die benötigten Chips produzieren wird? Zweifel erscheinen nach gewissen Informationen erlaubt. Sind wir (wer ist das?) dann weniger erpressbar? Geht es darum, den „Wohlstand“ (Wohlstand für wen?) zu fördern? Soll die Klimawende beschleunigt werden (Würde gut in ein idiologisches Konzept passen)?

Montag, 5. Juni 2023

Katastrophen

Schon wieder sowas! Jetzt warnt alle Welt vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz (KI/AI)! Allen voran der Führer jener Firma, die Chatgbt hervor gebracht hat! Dabei ist doch die Klimakatastrophe unsere größte Sorge! Oder etwa nicht? Nun ja, einzelne Gruppierungen scheinen sich angesichts eines breiten und selbstzufriedenen Establishments in Panik zu flüchten und wollen das Räderwerk der Gesellschaft durch gezielte Aktionen stören. Ob das etwas bringt? Selbstermächtigung? So etwas kennt man von Sekten. Man selbst ist im Besitz der einzig gültigen Wahrheit, alle anderen sind willfährige Idioten. Die demokratische Gesellschaft wehrt sich, indem sie solche Gruppierungen ins kriminelle Abseits zu stellen versucht. Es gibt demgegenüber aber auch den selbstgefälligen Untergangsglauben, in dem manche Menschen sogar Sicherheit finden. Besonders die Privilegierten sind auf dieser Seite zu finden. „Normale Leute“ haben gar nicht die Zeit, tiefer darüber nachzudenken. Sie sind eingebunden ins Räderwerk der scheinbar unabänderlichen Abläufe, jenes Räderwerk, das den „Wohlstand“ sichert. Damit sichern sie bewusst oder unbewusst allzu oft den Profit derjenigen, die von diesem Wirtschaftsmodell profitieren.

Freitag, 19. Mai 2023

Die Macht des Faktischen

Wo bleibt das Positive? Es ist und bleibt dies das beliebteste Totschlagargument, die Frage, die fast alles ruhig stellen kann: Auch das Aufbegehren, das Nichteinverstandensein mit allem, ja gerade das soll versiegen. Punktuelle Rebellion kann ja das Ganze voran bringen, indem ein ganz bestimmter Missstand in das Blickfeld der Macher rückt. Es geht hier möglicherweise um die Auflösung im Alternativlosen, diesem dumpfen Begriff. Alles scheint alternativlos, faktisch, ist gerechtfertigt allein schon durch sein Hiersein. Besonders, wenn das "Alternativlose" sich selbst dazu erklärt. Man soll sich nichts anderes vorstellen, als gute Miene machen, unverbindliche Freundlichkeiten pflegen, lachen und lächeln, - so lange es (noch) geht. Uns geht es ja sooooo gut, so das Mantra der Politiker und der Wirtschaftsbosse, das aber in der Krise leiser geworden ist. Nachgeschobene Statistikzahlen scheinen das zu untermauern. Einstweilen. Also seien wir zufrieden, denn wir sind ja statistikgläubig. Ist die Frage noch erlaubt, wer mit dem „Wir“ gemeint ist? „Wir schaffen das“. Was? Damit verhält es sich ebenso.Wer ist wir? Die Deutschen? Alle oder Teile der Deutschen? Was bedeutet "der Staat"? Eine uns zusammenfügende Klammer? Was ist das, "die Deutschen"? Angesichts einer schwappenden Migrationswelle. Wer gehört dazu und wer nicht? Zu welchem Zeitpunkt? Aus historischen, geografischen oder genetischen Gründen? Sind diese Fragen zu negativ? Sind sie zu beantworten? Oder soll das "der Markt" beantworten? Soll er überhaupt alles regeln und jede Frage beantworten? Erwarten wir von der Politik zu viel? Nun, vor allem, wir dürfen erwarten, dass sie nicht korrupt ist, diese Politik. Auch nicht im sublimen Sinne. Wir wollen als Staat doch voran gehen. Oder etwa nicht? Wir waren doch Exportweltmeister. Also exportieren wir möglichst auch die richtige Gesinnung. Hm, wir haben halt spezielle historische Erfahrungen. Schlimme Menschen, die Mozart und Goethe mochten, haben schlimme Dinge getan. Aber auch ein besinnungsloses Umsetzen des Alternativlosen würde wohl überhaupt nicht mitteleuropäischer Tradition, Identität und Aufklärung entsprechen. Aufklärung hat wohl immer hinterfragt, angekratzt, kritisiert, gezweifelt - und hat versucht, sich in einem ständigen Prozess dadurch voran zu bringen. Ob das alles jetzt zu negativ formuliert ist? Für den Zeitgeist der unbedingten Bejahung? Für ein Land des Lächelns. Des Genusses und unendlichen Spasses? Unbedingte Bejahung muss man sich schon leisten können, das steht fest. Es hat seine Basis im Faktischen. Und das ist......

Donnerstag, 9. März 2023

Ein reiches Land

Die dauernd gehörte Phrase, ja, das Dauer-Narrativ lautet "Ein reiches Land wie Deutschland". Doch es erhebt sich schnell die Frage „wer hier ist denn reich?“ Unter Umständen sind es wenige Menschen, die in den letzten zehn Jahren von dieser Behauptung eines Reichtums profitiert haben und die diesen Reichtum (in manchen Medien auch mit dem Begriff „Wohlstand“ zusammengebracht) an sich gerafft haben. Ob es da eine neue „Geldelite“ gibt? Es entstand der Eindruck, dass vor allem für diese „Geldelite“ der Rechtsstaat gilt und von einer willfährigen Regierung dafür Gesetze gezimmert werden… immer im Bestreben, bereits erreichten Reichtum nicht anzugreifen oder nur zum Schein anzugreifen. Es war in den Medien nahezu nichts dazu zu vernehmen, dass es in Frankreich derzeit scharfe Auseinandersetzungen darüber gibt, ob das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 hochgesetzt werden solle. Sind die Franzosen eigentlich alle falsch drauf? Oder haben die von den demografischen Verschiebungen noch nichts gehört? Man wünschte sich mehr Aufklärung über solche Themen und deren Zusammenhänge. Angesichts des „Sondervermögens“ (was ein anderes Wort für „Schulden“ ist) erhebt sich auch die Frage, ob die Bundesregierung und die Herrschenden für etwas Geld aufbringen, von dem es lange hieß, es gäbe kein Geld dafür, man sei im Sparzwang und man müsse nach Einschätzung der Lage handeln. Ob aber in so manchen Punkten die Einschätzungen falsch waren, ob u.a. in der Politik die Finanzierung grundsätzlich eine Frage der Prioritäten ist, die ein „Entscheider“-Personal setzt. Ja ja, wir sind ja dankbar, in einer Demokratie zu leben. Doch das enthebt einen bei weitem nicht, die Verhältnisse weiter verbessern zu wollen, auch in ökonomischer Hinsicht.

Mittwoch, 18. Januar 2023

Hinterher hetzen

Das Internet und allerlei smart moderne Technologien vernetzen den Menschen immer mehr, machen alles schneller und leistungsfähiger (wobei auch die "Künstliche Intelligenz" (KI) eine Rolle spielt). Wie lange und wie weit können wir das noch mitmachen? Wie weit geht das? Gibt es Grenzen? Wer ist wir angesichts all der willfährigen Geister? Wir müssen wohl auch in der Krise wachsen, so lange wir die gegenwärtige Wirtschaftsform pflegen. Wachstum ist im Kapitalismus Pflicht. So geraten wir immer noch ein bisschen mehr unter Druck. Die Erwartungen, nicht zuletzt durch uns selbst, steigen. Wir sollten, wir müssten.... Dadurch hinken wir ständig unseren Ansprüchen hinterher, genügen nie, geraten im schlimmsten Fall in Umstände wie Burnout, Depression, vollkommener Stillstand usw. Alles wird stumm und starr, es bewegt sich nichts mehr, auch in uns selbst. Das alles scheint ein Zwang. Doch wo kommt er her? Wer redet denn hier von „System“ oder „Kapitalismus“? Große Häuptlinge haben das ohnehin verinnerlichte Motto „Wachstum über alles“ längst vorgegeben, sie lassen es bimsen und immer wieder neu lernen. Sie drücken es in die Köpfe. Wollen wir dabei bleiben beim Mainstream, bei der gesellschaftlichen Erfahrung, müssen wir da scheinbar mitmachen. Der Zwang, der Druck, der Drang zum Ökonomischen durchdringt inzwischen alle Lebensbereiche. Arbeit, Bildung, Familie, Liebe, Natur: Die Steigerung, Optimierung, Beschleunigung bildet die Erwartung. In uns. An uns. Wohin geht das? Was ist da gut für uns? Wo geht das hin?

Mittwoch, 30. November 2022

Fußballerauskenner

„Brot und Spiele – Wohlstand und Fußball“. Und alleine schon die Sprache! „Wir (!) spielen heute mit 2 Spitzen“, „Wenn wir (!) heute….“ Das „Wir“ ist das wichtige! Wir feiern auf vielerlei Arten die Orgie des Nationalismus: es werden Fahnen gehisst und Hymnen gesungen. In den Medien umwirbeln sie uns ohnehin pausenlos mit der großen Fußball-Wahrnehmungsblase: ModeratorInnen, ReportInnen, ExpertInnen, - die Gegenoffensive des großen Verdängens und Dampfablassens ist längst gestartet, was kümmern uns da die paar Toten auf den Baustellen oder sowas Abstraktes wie die Menschenrechte, den Spass wenigstens wird man uns ja noch gönnen in all dieser freudlosen Zeit! Verständigung findet hauptsächlich im Fußball-Slang statt, der Spezialsprache der „Auskenner“. Wir sitzen hier in Mitteleuropa bis jetzt in der Blase der Selbstzufriedenheit…. wir tauschen Tipps, Spezialwissen und Experten-Meinungen aus…...

Montag, 7. November 2022

Kreuzfahrer

Klingelt’s noch? „Einmal um die ganze Wält und die Daschen voller Gäld“ sang einst ein Schlagerstar und grub sich alleine schon mit der Melodie in das Bewusstsein der Massen ein. Wirkungsvoller war jedoch noch die Formulierung eines alten Traums, der mit dem Traum des Taugenichts (siehe eigener Blog "Taugenichts auf Reisen") sowie dem Mythos des reichen Touristen und forschen Weltumrunders spielte. Auch etwas vom vergangenen Kolonialismus, vom neugierigen Forscher und frohgemuten Poeten schwang da mit. Der Aufbruch in die Ferne hat seitdem nichts von seiner Anziehungskraft verloren, nur soll es heute gleich ein komplettes Auswandern in ein Traumland sein, dessen Sprache die meisten Fernsüchtigen noch nicht mal sprechen. Dabei würden nicht nur Reiseführer und schriftliche Dokumente aller Art, sondern auch das Fernsehen, Youtube und Videoblogs jeder Schattierung genug Gelegenheit bieten, sich schon mal vorab etwas zu informieren. Doch nein, gerade das völlig Unbekannte und scheinbar Unvorbelastete ist es ja, das einen hierzulande offenbar reizen kann. Und so kommen viele Wagemutige an Brasiliens Küsten, an Afrikas Wüsten und Wäldern, an Australiens Einöden gewaltig an ihre Grenzen, erleiden von ihnen selbst unerwartete Geldnöte oder lassen sich von fremden Tieren beißen oder stechen. Selbsterfahrung, gewiss, und: man kann es ja mal versuchen. Am Ende seines Lebens kann man sich das ja dann tapfer sagen. Man hat Fehler gemacht, das ja, aber man hat es wenigstens versucht.Dabei reicht auch eine sogenannte Weltreise heute nicht mehr, per Flugzeug ist jeder scheinbar entfernte Winkel der Erde erreichbar. Das Unbekannte gibt es ja in der globalen Welt nicht mehr, die Armut haust in Wellblechhütten, die auf einem mit einer schwäbischen Säge freigemachten Platz errichtet sind. Machu Picchu, Yucatan, Nordpol, Südpol und Spitzbergen: alles kein Problem für Kreuzfahrt-Globetrotter. Jeder Ort ist erreichbar und für die Neugier derer erschlossen, die sich das Reisen leisten können. Mitunter scheint ein Ort in Deutschland schwieriger und unter größerem Zeitaufwand erreichbar als es Mallorcas mehrmals pro Tag direkt angeflogene Ballermänner sind. Die Welt ist klein geworden, Information ist universell verfügbar – und dennoch scheint noch ein Rest des Unbekannten zu locken: in den Urwald, in das Unbekannte, das von Menschen freilich eigene angepasste Lebensformen einfordert, denen sich solche Selbsterfahrer oft nicht gewachsen zeigen – und schon gar nicht auf längere Frist.

Freitag, 14. Januar 2022

Inszenierung - reloaded

Immer dieselben Gesichter? Geistiger Inzest? Tatsächlich leben gewisse Entscheider in dieser mitteleuropäischen Gesellschaft in einer Wahrnehmungsblase, in der sie unter anderem damit beschäftigt sind, anderen Menschen Betroffenheit vorzuspielen und ihnen ein Gefühl der Zufriedenheit mit den von ihnen verwalteten Verhältnissen zu suggerieren. Hin und wieder verrutscht dieser Gestus, diese Maske, etwas. Die Langsamkeit und bürokratische Bräsigkeit, mit der zb. auf bevorstehende katastrophale Ereignisse hingewiesen wird, mag solch ein Fingerzeig sein. Kurzatmiges Schönreden der meist überhonorierten „Entscheider“ samt ihrer "Berater" mag da auch nicht durchweg helfen: es ist zu merken, dass der Anzug, die Maske verrutscht ist. Abgehobenheit und Abstand werden dadurch deutlich. Sie fühlen sich "Premium" (natürlich, ohne dass sie dies jemals zugeben würden!!!) Aber nur die wenigsten ihrer „Wähler“ bemerken das in "der Politik" und deuten das kritisch. 

Man muss an das Gute glauben ("Be positive") und alles andere ausblenden, so noch immer ein Glaubenssatz derer, die sich solche Verhältnisse leisten können. Es ist diese „Wirklichkeit“ komplett eine Inszenierung, an die die Vielen in „Wohlstand“ Lebenden nur zu gerne glauben. Dafür werden dann eigens dafür entwickelte Mechanismen entworfen, wie das „Lieferkettengesetz“, das meiner Meinung nach vor allem zur Beruhigung und zum Nutzen „der Wirtschaft“ entworfen wurde. Menschenrechte müsste man sich eigentlich leisten können: hierzulande scheint man das nur unzureichend zu tun. Alle Abläufe wurden jahrelang auf wirtschaftliche Effizienz und privatwirtschaftlichen Profit getrimmt. Der Nachteil für das Ganze, ob man das Gemeinschaft, Staat oder sonstwie nennt, stellt sich nicht erst jetzt heraus.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Wohlstand, Wachstum, Fortschritt

 Seltsam, jetzt wird wieder unverdrossen für die „Werte“ dieser Gesellschaft getrommelt, die ich ja offenbar auch nach der Dynamik des Weltmarkts richten muss. „Wohlstand, Wachstum und Fortschritt“ sind dabei Begriffe, die ich alle drei nicht teile, ja deren Gebrauch ich in jetzigen Zeiten geradezu für reaktionär halte. Was ist Wohlstand eigentlich? Dass sich jeder einen SUV leisten können muss? Der weit überwiegende Teil dieser Gesellschaft kann nicht einmal entfernt daran denken, weil er sein Geld fürs schiere Überleben braucht. Ach! Der Sozialstaat verhindert das für alle? Für alle? Die derzeitige Sozialgesetzgebung scheint mir solches mehr zu verhindern, als dass sie es fördert. „Wachstum“? Ist ja sowieso diskreditiert, weil die Ressourcen auf diesem unserem Planeten endlich sind und die Regierungen viel zu lange geschlafen haben, sich darauf einzustellen, - und zwar abseits der großartigen und wunderbaren Ingenieure, über die Deutschland verfügen soll und andere Staaten nicht. Ha ha. Das Märchen vom ständig weitergehenden Wachstum ist ausgeträumt! „Fortschritt“ ist eine Kategorie, die schon vor 100 Jahren abgewirtschaftet hatte. Mittlerweile sind die Nachteile des gemeinten Fortschritts mehr als offensichtlich, der Begriff muss völlig neu gedeutet werden.


Donnerstag, 7. Oktober 2021

"Wohlstand" - für wen?

 Ja klar bin ich froh, dass ich in Deutschland lebe! Dieser Umstand ist es auch, der von politisch Verantwortlichen leider viel zu oft für Propagandazwecke eingesetzt wird („immer noch besser als anderswo in der Welt….“). Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht besser sein könnte mit der Aufteilung des „Wohlstands“ in diesem „reichen“ Land. Die einen wissen kaum, wohin damit (Anlagenotstand). Die andern haben nichts und leben von der Hand in den Mund. Man nimmt das hin und soll stolz sein auf dieses Land. Ja klar, ist es schön! Aber leider nur für ein paar Privilegierte. Der Rest muss darum bangen, morgen etwas zu fressen zu haben. Ich halte solche Verhältnisse für eine Schande! Hemmungsloser Neoliberalismus!

Montag, 11. Januar 2021

Deutschland AG

Wie in der Deutschland AG Entscheidungsprozesse ablaufen und welche Geldsummen dabei zum Einsatz kommen, davon hat uns nicht zuletzt die Süddeutsche Zeitung mit ihrer Berichterstattung über die Beschaffung und Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2006 wohl einen Eindruck verschafft. Es eröffnet dies den Blick in einen Sumpf, der zuletzt ja wohl auch zum Fall der Wirecard hat führen können. Zusammenhänge zu sehen, scheint mir da unerwünscht: die Tanten und Onkels der Nachrichtenkanäle sind bemüht, einen in der Ruhe der Normalität zu wiegen und die schöne Unverbindlichkeit zu pflegen, - Corona hin oder her…..Ob wir da nicht die eine oder andere Überlegung anstellen sollten, anstatt mit der bedauernden Bemerkung „So ist es halt“ zu reagieren und im Übrigen den „Wohlstand“ zu preisen? Die Flucht in ein Märchen, das von Wohlstand und Wachstum handelt, ob sie uns von Schuld entbinden kann? Wie sieht es eigentlich in Afrika aus, wo der Boden von Hand durchbuddelt wird, um das Material für scheinbar umweltschonende Autos zu beschaffen? Wie geht es dort unter Corona-Bedingungen zu? Ich befürchte, dass das so genau niemand wissen will.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Natur

Wildnis? Natur? Bedroht, Schutzbedürfnis. Arten? Straßen, Schienen, Siedlungsaktivitäten. Wo ist die Natur? Unbearbeitung. Wohin kann das führen? Natur statt Kultur. Geht schon auf Aristoteles zurück. Manch einer, meist bäuerischer Herkunft, redet mit leuchtenden Augen von „daraus könnte man etwas machen...“. Bloß gut, dass man daraus bisher noch nichts „gemacht“ hat, durchzuckt es da einen. Nicht nur fein gemahlene Schottersteine in den Gärten, Mauersteinkorbgeflecht, Beton überall und der Geruch von Diesel können einem wie mir dies Gefühl verderben. Hierzulande, in Baden-Württemberg, scheint mir schon viel zu viel daraus „gemacht“ worden zu sein. Kein Stückchen Land ist da, das nicht vom Menschen, bearbeitet, bewirtschaftet und für Zwecke genutzt wurde. Das Größte: Die Leute sind auch noch stolz darauf! Es herrscht ein Gefühl von Entfremdung von der Natur, das ganz besonders Bevölkerungen wie die der USA geprägt hat: Naturbeherrschung in jeder Dimension war dort das Thema. Flüsse begradigen und sie in riesige Staubecken einführen, mitten in der Wüste den Rasen sprengen, Straßen selbst in unwegsamste Gegenden ziehen, mit dem Planwagen durch den Westen ziehen, in Richtung auf ein Stück land, das einem dort geschenkt sei..... und vieles andere. Der Mensch arbeitet sich an der Natur ab. 
Heute ist das oft genug nur noch die Illusion von Natur. Das, was sich Menschen unter „Natur“ vorstellen. Etwas unbelassen zu lassen? Ist dem mitteleuropäischen Menschen leider oft genug zu fremd gewesen. Es trieb ihn der Gedanke um, wie man etwas ausbeuten könnte, wie man etwas „daraus machen“ könne, wie man etwas daraus ziehen könne. In vergangenen Zeiten war dieser Wunsch auch oft vom Trieb nach Überleben geprägt. Land und seine Bearbeitung waren Garanten dafür, überleben zu können, keinen Hunger zu leiden. Dies Bedürfnis ist nicht weg, sondern es hat sich in andere Regionen dieser Erde verlagert. Der böse geldgierige Brasilianer holzt den Regenwald ab, den wir ja alle für unsere Existenz so dringend brauche. Nur, was machen wir? Was haben wir gemacht? Monokulturen, gleichmäßiges Gelb, das aus Rapsfeldern kommt. Und das alles unter dem Vorwand, den Hunger von immer mehr Menschen stillen zu wollen.....

Donnerstag, 24. September 2020

Wissen und Tun (2)

Man kann von etwas überzeugt sein und bereit, zur Lösung eines Problems beizutragen. Wir meinen das dann sehr ernst und sind ergriffen, betroffen. Zwei Stunden später geht das Leben im Alltag aber weiter und wir steigen ins Auto, um irgendwohin zu kommen, Konferenzen rufen uns, - was soll man auf die Schnelle da noch essen? Nun gut, da liegt doch dieses Fast-Food-Restaurant so günstig am Weg! Dieses eine Mal esse ich etwas, was ich eigentlich nicht essen sollte! Nur dieses Mal! Da sind Lebensumstände, in die wir uns hinein gezwungen fühlen. Doch das wird angesichts des Klimawandels und des Zustands unserer Natur nicht mehr gehen. Die Politik ist nun dringend aufgerufen, andere Bedingungen zu schaffen - im Namen der Vernunft zu überleben (nicht im Drang, sich alles bequemer, leichter, angenehmer oder schneller zu machen). Angesichts der neu aufgekommenen Despoten und autokratischen Herrscher in dieser Welt mag uns da so mancher Zweifel am Überlebenswillen der Menschheit kommen.

Mittwoch, 23. September 2020

Wissen und tun

Wir sollten etwas tun - und tun etwas anderes. Handeln und tun – ein seltsames Gegensatzpaar, das in unserem Alltag eine große Rolle zu spielen scheint. Wohlstand und die Pflicht, als Species zu überleben. Was dem Verstand widerspricht, ist uns zu oft recht als alltägliche Handlung. Das Wort, das gerade jetzt, in Pandemiezeiten, Konjunktur hat, ist „Wohlstand“. Wohlstand bedeutet auch Macht, das andere bedeutet Verzicht und zunächst auch mehr Abstand vom bequemen Genuss. Klimakatstrophe? Davon in allen Facetten zu wissen und danach zu handeln bedeuten offenbar unterschiedliche Dinge. Wir müssten das anders in uns hinein bekommen. Internalisieren. Wir als Menschen hätten nach unserem Selbstverständnis die Wahl. Trotzdem steigen wir ins Auto, fressen Fleisch oder tun andere schädliche Dinge. Auch ist da ein Systemzusammenhang, - wir sind diesem Falle in dem immer penetranter werdenden Widerspruch zwischen Stadt und Land. Klar kann ich in der Großstadt locker auf ein Auto verzichten. Fahrrad? E-Mobilität? Alles wunderbar. Auf dem Land ist das schon viel schwieriger….
Da sind diejenigen, die uns einen Fortschritt in Richtung auf das Ziel in technologischer Hinsicht versprechen. Die richtige App, das richtige System, usw. Doch das, was diese Art von technologischen Fortschritt immer getrieben hat, war die Profitmaximierung. Ob das in dieser Hinsicht weitgehend ausfällt? Ob da nicht auch ein anderer Antrieb hinzu kommen müsste? Klar, wir wären gezwungen zu verschiedenen Dingen. Ob diese aber mehr Gewinn versprechen würden?
Ob wir nicht in materielle Zusammenhänge gestellt sind, die uns gewisse Alternativen verbieten und die uns umweltschädliches Verhalten nahe legen? Gewiss, eine Art „oberer Mittelstand“ (u.a. Lehrer, Softwarespezialisten und andere Technokraten) hat die finanziellen Voraussetzungen, um sich richtig zu verhalten. Im Bio-Laden einkaufen. Vegan leben ohne großen Verzicht. „Noch schnell die Welt retten“: Solche Leute können sich das vorgaukeln. Sie verfügen auch über Ressourcen, um sich richtig zu verhalten. Doch es gibt auch die weitgehend unsichtbare Klasse der Prekären, die mehr schlecht als recht vor allem von Transfers lebt und die über keinerlei Beweglichkeit verfügt, um besser zu leben. Da bedeutet überleben, die billigen Sachen zu kaufen. Und die sind von „Discountern“ meist sehr ungünstig verpackt, so dass sie eine wahre Plastikflut auslösen. Immer noch. Daran hat sich nicht viel geändert.