Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 16. April 2026

Nachdenken über Wachstum

Vereinfachung, Übersichtlichkeit, Befreiung vom Überfluss, Entschleunigung, mehr Gesundheit, Stabilität und Orientierung: was könnte dazu führen? Zuerst wäre da wohl eine Befreiung vom Mythos „Wachstum“ zu nennen. Weniger Entfremdung durch weniger Wachstum wäre vonnöten. Oder etwa nicht? Steht das im Gegensatz zum Zeitgeist? Stellen das die Oberen in Frage? Wer repräsentiert diese Klasse der Menschen? Ein Ober-Mufti des Regierungssystems, der „mehr Arbeit“ einfordert und sein Wahlvolk der Faulheit bezichtigt? Es fehlt uns an Bewegung, unsere Ernährung ist nicht gesund, es herrscht die überall gegenwärtige Reizüberflutung, auch wegen einer hohen Ereignisdichte. Nichts funktioniert. Wir haben keine Erfolgserlebnisse mehr, wir sind ein Rädchen in einem digitalen Getriebe. Sollen aber KI endlich in unser Leben lassen. Namenlos, anonym. Ob es bei solchen Prozessen Grenzen gibt? Grenzen des Wachstums? Daran knüpft sich die Frage: Wie können eigentlich mündige Menschen so leben, dass ihre nachfolgenden Generationen keinerlei Chancen mehr haben? Die Substanzen, die das Wachstum befördern, scheinen langsam und immer schneller knapp zu werden. Wachstum tut darüber hinaus dem Menschen nicht notwendigerweise gut. Oder tut dem Menschen alles gut, was der Wirtschaft gut tut? Läuft die Logik soooo.....? Tatsache ist, dass sich in einem Jahrzehnt die Anzahl der verschriebenen Anti-Depressiva mehr als verdoppelt hat. Dass das Burn-Out-Syndrom etwas ist, was jeder inzwischen zu kennen glaubt. Und Vieles mehr... Ungefähr in derselben Zeit haben sich die Dinge etabliert, die unser Dasein immer bequemer machen sollen. Gleichzeitig breiten sich wohl die Aufmerksamkeitsdefizite aller Art aus. Ob es möglich ist, ökologisch wirksame Systeme zu entwickeln? Energie- und Mineralienverbrauch so umzugestalten, dass kein Akt des Produzierens und Konsumierens einen ökologischen Schaden verursacht. Dass Abfälle kein „Abfallprodukt“ sind, sondern Nahrung für sinnvolle Produktionskreisläufe?

Dienstag, 3. März 2026

Weise?

Weil sie im ökonomischen Sinne nicht mehr mitstricken am Bruttosozialprodukt und der Wachstumsrate, weil sie in einer Gesellschaft der vermeintlich Starken zu den eher Schwachen gehören, fühlen sich viele ältere Menschen ausgegrenzt. Dabei könnten sie phantastische Lehrer sein, - bei einer durchaus aufgeklärten Distanz zur eigenen Position kombiniert mit einem gesunden Skeptizismus. Ja, auch das hat man im Alter gelernt: Die eigene Position ist nicht immer die einzig richtige. Und so gibt es viele Erkenntnisse, die im Alter gewachsen sein könnten und in einer Kombination aus Erfahrung mit Wissen weitergegeben werden könnten. Viele Bauchlandungen der verschiedensten Art könnten auf diese Weise verhindert werden. Klar, dass Egoismen auch präsent sind! Da ist nicht „Friede, Freude, Eierkuchen!“. Jaja, die Anpassungsfähigkeit den Neuen Medien und überhaupt dem Neuen gegenüber! Schwachpunkt? Vielleicht könnte hier aber auch eine gewisse Distanz helfen! Nicht das blinde Nachrennen gewissen Entwicklungen gegenüber wäre gefragt, sondern ein abwartendes, langsames und eher kritische Fragen stellendes Nachfolgen. Das bewährte Wissen in Kombination mit dem Neuen kann zu Ergebnissen führen! Erlebte Geschichten wollen in ihrer Bedeutung für den aktuellen Tag erkannt und gedeutet werden! Gelassenheit und Unaufgeregtheit können zu dem Schatz dessen gehören, was auch dem aktuellen Tag samt seiner Hektik sehr nützen kann. Da schlummert ein Reservoir, das mit zunehmender Dynamik der Demographie und einer freundlich abnehmenden Vorurteilsfähigkeit gehoben werden könnte. Auch im Angesicht der jetzt dauernd unterstellten Faulheit und mangelnden Leistungsbereitschaft. Oh ja, das mag sich auch auf gewisse körperliche Anfälligkeiten beziehen: Wir werden nicht alle so stark bleiben, wie wir uns heute fühlen! Damit umgehen zu können, es einzubeziehen ins tägliche Dasein, könnte auch etwas von dem ausmachen, was wir von reiferen Menschen profitieren könnten.

Samstag, 6. September 2025

Frei unfrei

Es tat weh: Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen und großen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Das kannst du dir nicht leisten, denn es wird dir von keiner Seite etwas bezahlt, es sei denn, du gehst teure Zusatzversicherungen ein. Auch: Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Von deinen „Kollegen“ dorthin beordert. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Derjenige, der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Ob der Begriff instrumentalisiert wird? Schon oft instrumentalisiert wurde? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter und in bestimmter Autorschaft berühmt gewordener Spruch unter Politikern, an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade jetzt, im Rahmen einer rigide steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode? Man spricht jetzt viel über „Lieferketten“)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr „der Betrieb“. Bist ein unfähiger Einzelner. „Der Betrieb“ ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. „Der Betrieb“, dass sind doch die Kaufleute, die Manager, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und wird Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein “Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können treibt viele aus dem „Wir“. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Wurdest locker abgeschoben. Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Donnerstag, 14. August 2025

Vorwärts kommen

Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hineindressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter Spruch unter Politikern an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade im Rahmen an einer steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müsssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein !“Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Montag, 14. Oktober 2024

Reichtum

Wir lesen davon, dass Jeff Bezos nach Schätzungen etwa 195 Milliarden Dollar haben soll. Wir leisten uns noch den Luxus, darüber erstaunt zu sein, über diesen unfassbaren Reichtum. Allgemein soll solches unziemlich staunendes Gebaren von anderen und mir "Sozialneid" genannt werden, heißt es. Die Gesellschaft rechtfertigt dies Raffen offenbar aus sich heraus, insbesondere die US-amerikanische. Ob der Versandmann noch etwas davon hat jenseits dessen, dass er seinen Reichtum gelegentlich feist grinsend bei öffentlichen Empfängen vorführt und operational als Versandhändler ausgestiegen ist? Wer ihm wohl diesen Reichtum erarbeitet hat? Der Mann hat sich diesem „Enrichissez-vous“, diesem Gebot der Bereicherung wohl optimal angepasst. Dafür sollte er durchaus etwas verdienen. Aber so viel? Zudem werden einem in den Medien täglich reiche InfluencerInnen vorgeführt, die offenbar alles richtig gemacht haben und nun in Saus und Braus leben. In Dubai. Und in anderen Luxusbleiben. Unter ähnlichen Verhältnissen. Luxus. Sportwagen. Schlitten. Villen. Aber die Masse der Leute scheint deren Person und den damit verbundenen „Produktempfehlungen“ nachzuhängen. Wie geht das? Ob das „Neoliberalismus“ ist? Abhängig von Konsum? Jeder seines Glückes Schmied? Egal wie. Auch wenn das alle Grenzen überschreitet? Wachstum rules? Wir sehen Menschen, die gar nichts haben und wundern uns, sind erstaunt. Wie geht das zu in dieser Welt? Soll das ein Preis für den „Fortschritt“ sein? „Trickle-down“-Theorie? Sie behauptet, wenn`s den Reichen gut gehe, hebe das auch das Niveau der Armen. So viele „Reiche“ berufen sich darauf. Von unten gesehen sind daran Zweifel erlaubt. Eine Differenzierung gerade angesichts gegenwärtiger wirtschaftlicher Entwicklungen in schland erscheint angesagt.

Samstag, 8. Juni 2024

Butzi

Die stolze Katze Butzi hat sich nach dem Umzug relativ schnell an den neuen Ort angepasst. Das brachte sie auch im hohen Alter noch. Ich konnte das damals nicht absehen, welche Folgen das haben konnte. Was Alter überhaupt bedeuten konnte. Sie war kratzig bis zum Schluss, meine Arme waren eitrig geschlitzt, mit Wunden übersät. Entsetzen schlug mir deshalb entgegen. Ihr schnurrendes Wohlwollen konnte man sich trotzdem verdienen. Aber nur manchmal. In gewissem Sinne war sie unberechenbar. Sie aber konnte trotz allen Stolzes das Wasser zunehmend nicht mehr halten, war immer schlechter zu Fuß. Mein Vater musste damals den Kadaver vergraben, was heute gar nicht mehr zulässig wäre.

Donnerstag, 23. Mai 2024

Voran kommen

Die Überangepassten waren uns suspekt. Diejenigen, die in der Schule und „im Leben“ überall Einser hatten. Die Musterschüler. Die Stipendienerhalter. Als „Primus“ bewährt. Die „Durchsetzungsfähigen“. Die „Karrierebewussten“. Die überall vorne dran waren. Die unbedingt Medizin studieren wollten. Die als „große Begabungen“ galten. Die „Schlauen“. Dahinter vermuteten wir die falschen Gründe. Wohl auch zu recht. Die schienen dem System allzu willfährig zu sein. Aus unserer Perspektive. Wir wollten da nicht mithalten. Denn wir glaubten uns im Recht. Pointe: Später schnitten sie uns eine lange Nase, die Karrieristen. Sie hatten alles richtig gemacht. Wir nicht. Sie hatten ihre Karriere gemacht. Wir hatten unseren Niedergang zelebrieren müssen. Sie waren beispielsweise auf dem Ticket einer Partei voran gekommen. Wir hatten uns mit nichts identifizieren wollen, uns waren Vereinigungen Parteien usw. suspekt. Wir beobachteten, versuchten, zu analysieren, zu verstehen. Dass das ein Luxus war, erkannten wir zu spät. Der Ehrgeiz fehlte uns. Den Preis hatten wir später zu bezahlen. Das „Gestalten wollen“ (was eine andere Formulierung für „Macht ausüben“ ist) übte auf uns keine Anziehungskraft aus. Also sackten wir ab. Schnell, intelligent und offen zu sein lehnten wir als Vorzeigeeigenschaften ab. Das war man auf eine eher selbstverständliche Art. Die Gesellschaft hat sich so entwickelt, dass sie das nicht honoriert, sondern negativ sanktioniert, dass sie das abstraft. Es scheint nämlich darauf anzukommen, etwas zu zeigen, vorzutäuschen, was nicht unbedingt da sein muss. Es gilt die Verkaufe, nie der Inhalt. Blender werden belohnt. Überzeugungen zu haben, ist nicht sehr beliebt. Es gilt vielmehr, „die richtigen“ Überzeugungen zu haben. x x We were suspicious of the over-adapted. The ones who got A’s everywhere in school and “in life.” The model students. The scholarship recipients. Proven as a “primus”. The “assertive ones”. The “career conscious”. Who were at the forefront everywhere. Who really wanted to study medicine. Who were considered “great talents”. The “smart ones”. We suspected the wrong reasons behind this. Probably rightly so. They seemed to be too compliant with the system. From our perspective. We didn't want to keep up with that. Because we believed we were right. Punchline: Later they cut us a long nose, the careerists. They had done everything right. We are not. They had made their careers. We had to celebrate our downfall. For example, you had advanced on a party's ticket. We didn't want to identify with anything, we were suspicious of associations, parties, etc. We observed, tried to analyze, to understand. We realized too late that this was a luxury. We lacked ambition. We had to pay the price later. “Wanting to create” (which is another way of saying “exercising power”) had no attraction for us. So we collapsed. We rejected being fast, intelligent and open as model characteristics. That's what you did in a rather natural way. Society has developed in such a way that it doesn't reward it, but instead sanctions it negatively, that it punishes it. The point seems to be to show something, to pretend, that doesn't necessarily have to be there. It's the sale that counts, never the content. Blenders are rewarded. Having beliefs is not very popular. Rather, it is important to have “the right” beliefs.

Dienstag, 19. März 2024

Wandel Anpassung

Ich lese mal wieder einen Artikel, in dem wieder zum tausendsten Mal das hohe Lied des Wandels gesungen wird. Ständige Veränderung sei vonnöten, um im technologischen Wandel „wettbewerbsfähiger“ zu werden, um in der „globalen Wirtschaft“ bestehen zu können. Dies möge sich schnell und immer schneller abspielen. Wandel und Beschleunigung als alltäglich akzeptiertes Element im „Digitalzeitalter“. Nun mag das ja eine Ansicht sein, die nicht ganz daneben liegt. Aber meiner Meinung nach unterschätzt dies das Bedürfnis einer Gesellschaft oder eines Individuums nach Stabilität. Auch scheint sich das menschliche Individuum nicht in beliebiger Weise anpassen zu können. Es scheint mir dies sogar eine der bestimmenden Kräfte einer Gesellschaft und eines Menschen zu sein. Gerade nicht die dauernde Neuorientierung, sondern das Leben in Strukturen scheint mir da das Entscheidende, wonach eine Gesellschaft strebt! Diese ganzen rückwärtsgewandten Kräfte in Europa, die ja derzeit immer stärker werden und teilweise auch Regierungsverantwortung tragen, scheinen mir da ein Beleg zu sein. Sie versprechen die Rückkehr zu festen Strukturen, die Halt in unsicheren Zeiten und – besonders! -gegenüber Fremden und Andersdenkenden vermitteln sollen. Verunsicherung hatten wir genug, so der Befund auf dieser politischen Seite. Es möge bitteschön rückwärtsgewandte Stabilität einkehren! x x I'm reading another article in which the song of change is sung for the thousandth time. Constant change is necessary in order to become more “competitive” in technological change in order to be able to survive in the “global economy”. Let this happen quickly and ever faster. Change and acceleration as an everyday accepted element in the “digital age”. Now that may be a view that is not entirely wrong. But in my opinion this underestimates a society or an individual's need for stability. The human individual also does not seem to be able to adapt in any way. It seems to me that this is one of the determining forces of a society and a person. It seems to me that what a society strives for is not constant reorientation, but rather living within structures! All of these backward-looking forces in Europe, which are currently becoming stronger and sometimes also have government responsibility, seem to me to be evidence of this. They promise a return to solid structures that provide support in uncertain times and - especially! -to communicate with strangers and people who think differently. We had enough uncertainty, according to the political side. Please allow backwards-looking stability to return!

Dienstag, 3. Oktober 2023

Treibsatz

Vom Tellerwäscher zum Millionär: Von solchen Sprüchen werden und wurden ganze Gesellschaften getrieben. Man kann etwas erreichen, wenn man es nur will, so ein weiterer Glaubenssatz dieser Gesellschaften: „Ohne Fleiß kein Preis“, „you can make it, if you try it“ . Wenn ich Bilanz ziehe, dann muss ich sagen, dass ich solche Sprüche nicht besonders ernst nahm in meinem Leben. Etwas „aus sich machen“? Kam mir nicht ernsthaft genug in den Sinn. Ich folgte meinem eigenen Kompass und vertraute darauf, dass er mich richtig führen würde. Man hatte einiges an dieser „Leistungsgesellschaft“ damals auszusetzen, was ich schließlich für mich als in der Luft liegendes Gefühl vielleicht zu ernst nahm. Was wohl in diesem Zusammenhang „Zeitgeist“ bedeutet? Ein unzuverlässig’ Ding. Es war für mich aber immer schon klar, dass hinter jedem „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch das Glück und der Zufall seine Rolle spielte. Dieses Glück scheint mir selbst eine Weile durchaus gewogen gewesen zu sein (irgendwie nahm ich noch jede Kurve, kam über jedes Hindernis hinweg, das sich mir in den Weg stellte und „lernte“ daraus), schließlich aber überhaupt nicht mehr. Wieso? Man sollte lieben, was man sich zu tun vorgenommen hat, man sollte das als seinen Weg erkennen und darauf vertrauen, dass er der richtige ist, so die lautere Meinung. Man sollte versuchen, seine ureigenen Talente zu entwickeln, um auf diese Weise einen Beitrag (zum Gemeinwohl?) leisten zu können. Man sollte in jedem Falle dem nachgehen, was man als seine ureigene Berufung erkannt hat (erkennen? Zweifeln? Woher kommen solche „Erkenntnisse“?). Mir kommen solche Glaubenssätze inzwischen als ein bisschen zu blauäugig vor. Ob diese 30%, die in unserer Gesellschaft von der Hand in den Mund leben müssen und die für die Mächtigen und „Erfolgreichen“ eine Art Steigbügelhalter abgeben müssen, um das tägliche Leben zu bestreiten, ob diese Leute also ihre Talente nicht entwickelt haben, ob sie überhaupt je die Möglichkeit dazu hatten und von was diese „Talententwicklung“ nun wiederum abhängig sein könnte? Gerechtigkeit. Was ist das? Persönliche Stärke. Konsequenz. Der eine packt's, der andere nicht. Wenn ich von meinen subjektiven Erfahrungen und denen meiner unmittelbaren Umgebung ausgehe, so muss ich bemerken, dass der „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch von einer gewissen Anpassungsbereitschaft abhängt, von einer Bereitschaft auch, sich informieren zu lassen, sich von den „richtigen“ Informationen angesprochen zu fühlen. Man wurde vielleicht davor gewarnt, einen bestimmten Weg zu gehen - und sei es jener, zu dem man sich berufen fühlte!! - aber man war sich im Rückblick dann doch zu sicher, glaubte, in dieser Gesellschaft bestimmte Dinge tun zu müssen und zu können, bestimmten Zielen nachgehen zu sollen. Warum gelingt das den einen, den anderen aber nicht? Kann man unversehens in so etwas wie Verwerfungen hinein kommen, Umstände mit denen man nicht gerechnet hat und die einem alles verderben können? So, dass ein Plan nicht „aufging“? Wer schielt da auf die, die es „zu etwas gebracht haben“ und die sich deswegen überheblich großspurig geben? Die sich in der Sonne ihrer „Leistungen“ sonnen? Woraus besteht diese Leistung? Wohl nicht immer und zuverlässig aus einem Beitrag zum Gemeinwohl, sondern eher in einer gewissen Bauernschläue, in einer Skrupellosigkeit und der Bereitschaft „sich durchzusetzen“, die Anderen um einen herum auszunutzen, unbewusst, gelernt, mit dem 500fachen Lohn eines Facharbeiters, mit Hilfe von Techniken wie dem „Networking“ und anderen Fertigkeiten des gegenseitigen menschlichen Gebrauchs. x From rags to riches: Whole societies are and were driven by such sayings. You can achieve something if you really want it, according to another belief in these societies: "No pain, no gain", "You can make it, if you try it". When I take stock, I have to say that I didn't take such sayings very seriously in my life. "Make something of yourself"? Didn't think of it seriously enough. I followed my own compass and trusted it to guide me correctly. There were a few things to criticize about this “meritocracy” at the time, which I finally took as a feeling in the air perhaps too seriously. What does "Zeitgeist" mean in this context? An unreliable thing. But it was always clear to me that behind every “success” in this society, luck and coincidence also played a role. This luck seems to have been in my favor for a while (somehow I still took every curve, got over every obstacle that stood in my way and “learned” from it), but finally not at all anymore. How come? One should love what one has set out to do, one should recognize this as one's path and trust that it is the right one, according to the fairest opinion. One should try to develop one's very own talents in order to be able to make a contribution (to the common good?) in this way. In any case, one should pursue what one has recognized as one's very own calling (recognize? Doubt? Where do such "insights" come from?). Such beliefs now seem a bit too naïve to me. Whether these 30% who have to live from hand to mouth in our society and who have to act as a kind of stirrup for the powerful and "successful" to go about their daily lives, whether these people have not developed their talents, whether they ever had the opportunity to do so and what could this "talent development" depend on? Justice. What is that? Personal strength. Consequence. One gets it, the other doesn't. If I start from my subjective experiences and those of my immediate environment, I have to say that "success" in this society also depends on a certain willingness to adapt, on a willingness to be informed, to get the "right" information to feel addressed. You may have been warned not to follow a certain path - even if it's the one you felt called to take!! - but in retrospect one was too sure, believed that one had to and could do certain things in this society, to pursue certain goals. Why does this work for some but not for others? Can you suddenly find yourself in something like upheaval, circumstances that you didn't expect and that can spoil everything for you? So that a plan didn't "work out"? Who cares about those who “have made it” and who therefore act arrogantly cocky? Basking in the sun of their "achievements"? What does this achievement consist of? Probably not always and reliably from a contribution to the common good, but rather in a certain peasant shrewdness, in an unscrupulousness and the willingness "to assert oneself", to exploit the others around one, unconsciously, learned, with 500 times the wages of a skilled worker, with the help of Techniques such as "networking" and other skills of mutual human use.

Sonntag, 10. September 2023

Der neue "Chef"

Wer hat das nicht schon erlebt? Tritt irgendwo ein neuer Chef(in), ein Ober, ein Entscheider oder ein neuer TonAngeber X seinen Job an, so gehört es heutzutage zu den gängigen Mechanismen der „Menschenführung“, dass er/sie vieles (manchmal auch alles) ändern muss, was an Arbeitsabläufen anliegt. Verschiedene Erwartungen treten hier auf den Plan: er/sie sollte ja seine persönlichen Spuren hinterlassen, seine „Duftmarke“, er/sie sollte die Abläufe so prägen, dass sie jedem Beteiligten als das Werk des geschätzten X in Erinnerung gerufen werden, ja, dass es sich geradezu in ihn einmeißelt, dass dieser X es ist, der jetzt alles bestimmt (unabhängig davon, ob etwas bis jetzt funktioniert hat). Auch werden gerne lächerliche Vokabeln wie „Gestaltungswille“ oder „Durchsetzungskraft“ bei dieser Gelegenheit in die Welt gesetzt (was mit dem Bedürfnis nach Orientierung und „Geführt-werden“ der Vielen spekuliert). Tendenziell ist so etwas totalitär, macht aber in der Wirtschaft nichts aus, da dort ohnehin alles hierarchisch und weitgehend diktatorisch geordnet ist (trotz aller Demokratisierungs- und Ablenkungsversuche). Es gibt dann ganze Wochenend-Crash-Kurse, die den „Untergebenen“ klar machen sollen, dass ja alle so demokratisch sind und dass alles in Teamarbeit erledigt würde (nun ja, jüngste Ereignisse um einen Automobilfirmenkapitän), dass das Maß an Selbstbestimmung generell und überhaupt hoch sei. Dabei sind dies vor allem (Selbstüberlistungs-)Tricks, die nur ein möglichst hohes Maß an Motivation gewährleisten sollen. Im Endeffekt entscheidet aber nur der, der in der Hierarchie dazu „berechtigt“ ist. Deshalb gehen in der Wirtschaft auch alle Entscheidungsabläufe so schnell. Demokratie ist ein weitgehend mühsameres Geschäft. Hier müssen Interessen verhandelt, kommuniziert und abgeglichen werden, Kompromisse gefunden und vermittelt werden, was am Ende zu einer Entscheidung führt: ein ungleich langsamerer Prozess, der aber weitgehend die Interessen der einzelnen an der Entscheidung Beteiligten berücksichtigen soll. Natürlich gibt es mannigfache Perversionen dieses Prozesses, - unter anderem hat offenbar eine tonangebende Politikerin jahrelang das Wort von der „marktkonformen Demokratie“ in die Welt gesetzt. Kommentar überflüssig. Doch als gedachter Prozess zum Interessenausgleich und zur Entscheidungsfindung ist Demokratie allen anderen Prozessen, gemessen an dem Maß der dadurch erzeugten Zufriedenheit und Innovationsfreude, weit überlegen.

Freitag, 8. September 2023

Emanzipation

Wir sind schon ein gutes Stück voran gekommen auf diesem Weg. Doch das berechtigt uns nicht, im Streben nach Emanzipation nachzulassen. Wir sollten existenziell zur Kenntnis nehmen, dass in ganz Mitteleuropa (inkl. Deutschland) ihre Identität durch langwierige auch persönlich gefärbte Erfahrungen aufbauen, zu denen eine vielgestaltige Entwürdigung gehört, die in extremen Fällen sogar zu Kriminalität führen kann. Nicken und Mitmachen gehört zum Instrumentarium in dieser Gesellschaft, die Anpassung und die Einordnung in gesellschaftliche Mechanismen. Nicht nur geschmeidig sein sollte da einen Wert darstellen. Doch für unsre Emanzipation hat es in der Vergangenheit große soziale Kämpfe gegeben, die noch längst nicht abgeschlossen sind. Ein selbstzufriedenes Zurücklehnen wollen uns da so manche konservative Kreise nahe legen. Wir sollen stolz auf das Erreichte sein. Wir sollen die alten Rituale pflegen. Toll, das wir sie hinter uns gelassen haben! Dass wir beispielsweise souverän mit nationalen Symbolen umgehen können, sie nicht verachten, sie aber auch nicht verherrlichen. Demut und Respekt vor dem Erbe, das uns aus der Vergangenheit erwachsen ist. Wir wollen jetzt weiter. Wir wollen behutsam darüber hinweg kommen. Wir müssen näher an die Selbstverwirklichung und die Freiheit von Zwängen möglichst vieler Menschen kommen.

Dienstag, 26. Juli 2022

Vorne dran

Manche waren stets vorne. Gaben die Leithammel, die anderen sagten, was Sache ist. Die wussten, worum es ging. Die nicht warteten, sondern etwas taten. Ein blödes Gefühl überkam uns da. Wir sahen sogar auf sie herab. Die Überangepassten waren uns suspekt. Diejenigen, die in der Schule und „im Leben“ überall Einser hatten. Die weit vorne waren. Die Musterschüler. Die Stipendienerhalter. Als „Primus“ bewährt. Die „Durchsetzungsfähigen“. Die „Karrierebewussten“. Die überall vorne dran waren. Die unbedingt Medizin studieren wollten. Die als „große Begabungen“ galten. Die „Schlauen“. Dahinter vermuteten wir die falschen Gründe. Wohl auch zu recht. Die schienen dem System allzu willfährig zu sein. Zu anpassungsfähig. Aus unserer Perspektive. Wir wollten da nicht mithalten. Denn wir glaubten uns im Recht. Pointe: Später schnitten sie uns eine lange Nase, die Karrieristen. Sie hatten alles richtig gemacht. Wir nicht. Sie hatten ihre Karriere gemacht. Wir hatten unseren Niedergang zelebrieren müssen. Sie waren beispielsweise auf dem Ticket einer Partei voran gekommen und, waren in die entscheidenden Gremien eingerückt. Wir hingegen hatten uns mit nichts identifizieren wollen und können. Wir beobachteten, versuchten, zu analysieren und hielten uns im Übrigen Optionen offen. Dass das ein Luxus war, erkannten wir zu spät. Der Ehrgeiz fehlte uns. Der Wille, voran zu kommen und "etwas aus sich zu machen". Den Preis hatten wir später zu bezahlen. Das „Gestalten wollen“ (was eine andere Formulierung für „Macht ausüben“ ist) übte auf uns keine Anziehungskraft aus. Wir machten uns keine Illusionen. Also sackten wir ab. Schnell, intelligent und offen zu sein lehnten wir als Vorzeigeeigenschaften ab. Das war man auf eine eher selbstverständliche Art. Understatement: Nicht aufdringlich sein. Die Gesellschaft hat sich freilich so weiter entwickelt, dass sie das nicht honoriert, sondern negativ sanktioniert, dass sie das abstraft. Es scheint nämlich darauf anzukommen, etwas zu zeigen, vorzutäuschen, was nicht unbedingt da sein muss. Es gilt die Verkaufe, nie der Inhalt. Blender werden belohnt. Phrasen abspulen können, das wäre es. Überzeugungen zu haben, ist dagegen nicht sehr beliebt. Es gilt vielmehr, „die richtigen“ Überzeugungen zu haben.

Samstag, 16. April 2022

Fortschritt - bloß, wohin?

Inzwischen scheint es zu einer Pose verkommen, worum in der Vergangenheit gekämpft und zuweilen auch ein bitterer Preis bezahlt wurde: Jeder ist gegen etwas, die Protestpose hat sich verselbständigt und hat jetzt ihren marktwirtschaftlichen Preis. Ja klar, gegen Krieg ist jeder. Gegen Umweltzerstörung und Klimawandel auch. Eltern hören alte Scheiben von Pink Floyd und den Rolling Stones, schwafeln von Revolution und fahren dicke Limousinen. Fortschritt und Progressivität sind zu einem Label verkommen, ehe sie untergegangen sind. Junge hören im Streamingverfahren etwas aus dem Hiphopangebot. Die einstmalige Rockmusik und ihre Protagonisten samt den Figuren der „Protestbewegung“ sind längst – sofern sie noch leben – in die Integrationsfalle gegangen. Sie sind ein Teil des Entertainmentbetriebs. Happening. Hedonismus (Vergnügungssucht). Konsum. Wachstum. Was denn sonst? („Alternativlos“) Gewisse widerständige Politiker sind eine Fußnote geworden, sind dazu gemacht worden. Es ist alles ausgenutzt. Geronnen zum Gestus. Ganze Agenturen kümmern sich darum und pflegen den „Auftritt“.

Dienstag, 5. April 2022

Weiter.....

"brrrrrrrrrrrrr!...."rattttttttttttttttttttter" Ich bin schon ein bisschen schockiert und ratlos: da preschen immer noch die dicken fetten SUVs mit ihren Dieselstinkmotoren an mir vorbei! Geben Gas und Lichthupe! beschleunigen heftig und bremsen ab, sind frech und arrogant….. Es scheint sich nichts geändert zu haben, seitdem der Spritpreis ins Astronomische gestiegen ist und die wohlmeinenden Politiker mit ihren klugen Ratschlägen in allen Medien uns raten, weniger Energie zu verbrauchen (Sie selbst sitzen naturgemäß im Warmen...). Diese Gesellschaft scheint in ihrer Breite auch relativ kurzfristig zu keiner Veränderung mehr bereit und fähig zu sein. Sie scheint es nicht zu können, sie macht weiter, so wie sie das von einer Bundeskanzlerin gelernt hat. Wir wissen auch angesichts des Klimawandels ungefähr, was zu machen wäre, tun es aber nicht. Gemischte Interessengruppen und Großverdiener tun ein Übriges. Womöglich wäre da eine Regierung gefordert, die gesetzliche Rahmen setzen könnte: wenn auch mit Zwang! Doch die Regierungen scheinen damit beschäftigt zu sein, den Herstellern eben dieser dicken Dieselstinker in den Hintern zu kriechen… Die Meere versiffen angesichts des eingetragenen Plastiks, die Spiegel steigen und man tut hier in den Industrieländern: Nichts! Es läuft einfach alles weiter…..

Dienstag, 23. November 2021

Dabei sein, Anpassung

 Da sind die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, es heißt: bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: Das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt in der "Freien Marktwirtschaft" letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Mit Übertölpelungen. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du nicht krank werden. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle (so die Drohung). Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hineindressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat?

Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ha ha. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „Er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja während der Pandemie ein bisschen ins negative Gerede gekommen...)? Dann bist du plötzlich nicht mehr der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. So weit kannst du's auch bringen, wenn du etwas aus dir machst, indem du dich anpasst. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müsssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, übder die sie dann gemeinsam lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeit zelebriert.
Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo bist du heute? Hast dich verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musst dankbar dafür sein.
Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Montag, 23. August 2021

Die "Tüchtigen" revisited

Wir fragten uns, wieso die und nicht ich? Natürlich war da immer schon ein bisschen Neid dabei. Die kassierten die Einser, waren in allem die Besten und oberfleißig. Wir dagegen hatten Mühe, die Mindestanforderungen zu schaffen und kriegten meist erst im letzten Moment die Kurve. Eigentlich verachteten wir diese Leute, der Zeitgeist schien damals auch etwas Anderes vom Menschen zu verlangen. Individualisierung war angesagt, suchen, sich vergeuden an allerlei Aktivitäten, sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der Vieles für Viele möglich sein würde. Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber da waren diese unbedingt leistungsbereiten Geister: die mussten anscheinend unbedingt sein, waren uns selbst aber mindestens unangenehm. Wir nahmen sie nicht so richtig ernst. Sie strebten, wir ließen uns treiben. Aus heutiger Sicht jedoch scheint sich vieles geändert zu haben. Talent vorzeigen, besser sein als andere, das Besondere an sich schon früh umsetzen in Richtung auf vorzeigbaren Erfolg, sich "optimieren". Eine große Zeitung schrieb über eine für jeden sichtbare Erfolgsdame: Heute sei schnell klar, dass sie damals „schnell, intelligent, verblüffend offen und unverschämt widersprüchlich“ sei. Sie sei aber schon als Baby „sozialbegabt und süß“ gewesen, mit „pumuckelhaft großen Ohren“ und großer Nase. Später dann: „Einserschülerin, immer und überall Klassenbeste, Studienstiftung des deutschen Volkes, University in England, drei Kinder und Doktor der Chemie in Göttingen, magna cum laude, CDU-Anhängerin. Gründung eines Unternehmens auf der Basis eines Patents usw. Wir erblassen...... Elite würde man so etwas heute nennen, Schwaben sagen dazu „a Käpsele“. Ich hatte nie eine positive Einstellung zu solchen Leuten, weil ich immer auch eine voll entwickelte Rücksichtslosigkeit und optimale Anpassung an die vorgegebenen Verhältnisse im fast Darwin'schen Sinne hinter ihrem Erfolg vermutete, was mir stets zuwider war und noch ist. Jedenfalls würde heute so jemand, mit dem ich damals im Wettbewerb stand, möglicherweise gut honoriert in zahlreichen Aufsichtsräten sitzen. Man hätte sich ein bisschen profiliert und nach vorne gebracht, aber nicht so, dass es die Karriere vor lauter zur Schau getragenenem Ehrgeiz verdorben hätte. Man hätte seine Schlagfertigkeit gegen Konkurrenten genutzt und wäre „wichtig“ geworden. Man hätte sich als „Marke“ eingeprägt. Man hätte ein Netz von Beziehungen geknüpft ("Networking"), die einem später, nach diversen Eskapaden zur Schärfung des eigenen Profils, sehr zustatten gekommen wären. Man hätte zuvor ja ohnehin ein rennomiertes Privatgymnasium besucht und wäre Anwalt geworden. Man wäre das geworden, was die Talkshows gerne als „Persönlichkeit“ vorzeigen und Erfolgsmodell propagieren. Suspekt waren mir diese oberangepassten und ach so tüchtigen Personen jedoch allzumal, auch heute noch kotze ich ihre oberschlauen Kommentare ab......

Donnerstag, 22. April 2021

Demokratieanschauung

Was war das denn? Wir lernen hinzu. Zu dem, was Demokratie ist. Es hat hierzulande mitten in einer tödlichen Pandemie (es wird im Ausland offenbar vor Deutschland als "Reiseland" gewarnt, es sind ja schon weit mehr als 80 000 Mitbürger an und mit dieser Corona-Pandemie gestorben) in einer Partei ein großer Hahnenkampf stattgefunden, dem ein wochenlanges Ringen zwischen zwei Rivalen voraus gegangen war, in dem es erstaunliche Parteinahmen und öffentliche Bekundungen gab. Es kam dann nach langer Auseinandersetzung schließlich zu einer Entscheidung. Und jetzt? Sollen sich qua demokratischer Grundregel alle auf die Seite des Erfolgreichen schlagen und sich ihm in all seinen Überzeugungen anpassen. Wer ist "alle"? Einfach alle Parteimitglieder und/oder die Granden? Repräsentieren sie in einer "repräsentativen Demokratie" diejenigen, die zu entscheiden haben, die Macht ausüben? Und was ist mit all den katastrophalen Fehlentscheidungen in der Pandemie? Demokratie scheint in diesem Falle jedenfalls ein institutionalisierter Anpassungsprozess zu sein: Wir schlagen uns auf die Seite der Gewinner, koste es, was es wolle. Auch die eigenen Überzeugungen. Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, so wurden noch am Abend der Entscheidung solche Wendemanöver unter dem Anschein gut verstandener Demokratie vollzogen.

Sonntag, 8. September 2019

Erfolgsfiguren

Ich lese und sehe immer wieder Interviews mit Personen, die uns als „erfolgreich“ vorgestellt werden. Dabei handelt es sich meist um Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Marke stark nach vorne gebracht haben sollen und schon in jungen Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben sollen. Was mir auffällt: diese Personen wurden meist durch ihr Elternhaus „programmiert“, waren früh an ein Dasein als Unternehmer gewöhnt. Man gibt an, schreibt vor, bestimmt, lenkt und - entlässt meist (die Begründungen hat man ja schon früh gelernt: Einsparungen, Kostensenkungen etc. ---betriebswirtschaftliche Kategoerien, die man als universell gültig "verkauft"). D.h., diese Personen waren schon früh optimal an die Verhältnisse dieser Gesellschaft angepasst. Sie hingen keinen unnötigen Idealen nach, sondern waren eindeutig auf die Größe „Profit“ fixiert. Eigeninitiative dabei zu entwickeln und Netzwerke für sich und ihr „Anliegen“ rücksichtslos konsequent zu nutzen, sogen sie quasi mit der Muttermilch auf. Kritisch mit sich zu sein (als eine ständige Validierung) gehört da selbstverständlich dazu, das hat man meist auch im Studium der Betriebswirtschaft gelernt, das einem vom Elternhaus ermöglicht wurde.  Der Gegenentwurf scheint mir die Selfmademillionärin oder der Selfmademillionär zu sein. Sich durchschlagen um jeden Preis“ scheint hier die Devise zu sein. „Sich durchsetzen“ mit allen Mitteln. (Nach der Logik der Kapitalgesellschaften) Geld einsammeln von anderen Personen und dabei Sicherheit vorspielen, auch wenn man total unsicher ist.
Auf ein Ziel fixiert zu sein und kurzfristige Trieberfüllung dafür verschieben zu können, das ist es, - immer gewesen. Die bessere Idee haben, hart arbeiten, permanenter Wettbewerb, Rücksichtslosigkeit. Die harte Haltung der Umwelt gegenüber internalisiert haben, sie zur eigenen Persönlichkeit werden lassen und damit spielend auf andere Personen so zugehen, dass ich diese eigenen Wesenszüge gewinnbringend einsetze, dass ich möglichst smart und soft erscheine. Einen gewissen Lebensstil als Selbstverständlichkeit pflegen, weil einem dieser nach eigener Einschätzung „zusteht“. Die Fähigkeit, rechtzeitig umsteigen zu können - also eine Firma (mit all ihren Beschäftigen, die ja etwas zu dem „Erfolg“ beigetragen haben könnten) - zu verkaufen - scheint auch etwas zu sein, was solche Menschen auszeichnet. Mitmenschen scheinen für solche Unternehmerfiguren nur eine austauschbare Größe zu sein, die einem selbst nützen. Den Weg dazu eben oft auch neue Technologien, deren Eignung als Kapitalvervielfältigungsmaschine diese Leute früher als andere Personen erkennen und für sich zu nutzen versuchen. Die nötigen Phrasen, um dies als große Egostory zu „verkaufen“ haben ihnen meist einschlägige Think Tanks (Gedankenfabriken) oder ihre Verbände (als „notwendiges Übel“) nahe gelegt. Sie sind meist gestanzt und klingen etwas phrasenhaft. Tiefer darüber nachzudenken bleibt meist keine Zeit oder bringt keinen Profit. Delegieren an fähige(ere) Personen ist auch etwas, was man als solche Figur gelernt hat (auch wenn es noch genug Unternehmerfiguren "alter Prägung" gibt, die vorgeben, alles besser zu wissen). 

Freitag, 14. Juni 2019

Ihr Kinderlein, kommet......

Unter anderem im Blog von 30.4. habe ich es gestreift, in meinem Blog „Integrationsfalle“ auf ubpage.de habe ich den Sachverhalt im Bereich der Musik anhand von Rock und Punk überdacht: „Fridays for Future“ scheint nun ein Paradebeispiel dafür zu sein. Das „Eingemeinden“, das „Integrieren“ bestimmter Bewegungen, die schnell etabliert, zu einem Teil des Systems zu werden scheinen. Deutsche Politiker haben es mit der „Umarmungsstrategie“ und einer onkelhaften Anbiederung versucht, d.h. sie haben „die jungen Leute“ für ihr Engagement gelobt, während gleichzeitig noch ein paar Nachzügler („werdet ihr bloß älter und verdient mal ein eigenes Geld...“ oder „überlasst das lieber mal den Profis“) sich in einer Weise daran abgearbeitet haben, die man von Altvorderen erwartete. Zudem wurden einzelne „Stars“ herausgepickt, die man als „Leitfiguren“ und „Führer“ identifizierte. Diese wurden dann in sämtliche Talkshows eingeladen und sollten dort ihr Anliegen erklären. Der Hauptstrom der Politiker lobte sodann und tat nichts Inhaltliches in Bezug auf Klimaschutz. Die alte Strategie. Doch das Thema ist ernster. Wer in 50 Jahren in diesem Land noch leben will, kann mit solchen halbgaren Beschwichtigungsversuchen nicht zufrieden sein. Es könnte z.b. diese unselige Wachstumsidiologie neu überdacht werden. Man könnte zumindest damit anfangen und ein paar Voraussetzungen überdenken, z.b. dass diese Erde nicht über unendliche Ressourcen verfügt........
Natürlich steht hier auch ein Kommunikationsstil zur Debatte. Es wird über Formen gelabert, wobei die Inhalte in den Hintergrund gespielt werden. Beispielsweise dass die drohende Altersarmut durchaus etwas mit der Klimakatastrophe zu tun haben könnte, dass sich Arm und Reich in dieser Gesellschaft auf ungünstige Weise auseinander entwickeln, wird sich erst in den Debatten der kommenden Zeit ergeben. Doch wir haben diese Zeit nicht. Es wäre Zeit zum Handeln. Ökologie und Ökonomie müssen nicht diese ehernen Gegensätze sein, als die sie gespielt werden. Ein gesundes Misstrauen dem Staat und seinen steuerlichen Möglichkeiten gegenüber könnte durchaus angezeigt sein.

Donnerstag, 14. März 2019

Pflegesystem

Politiker in Deutschland preisen das hiesige Pflegesystem immer wieder als „das Beste der Welt“. Wer konkret damit zu tun hat, dem mögen dabei so manche Zweifel kommen. Ein Alter in Würde verbringen? Schon das Rentensystem sät daran so manchen Zweifel. Missstände in Heimen verhindern? Wer einmal mitgemacht hat, welche Mühe es bedarf, überhaupt einen Pflegeplatz in irgendeinem Heim zu einer konkreten Zeit zu ergattern, dem mögen mannigfache Zweifel aufsteigen, ob es nicht überhaupt ein erster Schritt sein könnte, überhaupt einen solchen Platz zu bekommen? Ob sich nicht gerade dadurch eigene Abhängigkeiten ergeben würden, die so etwas wie „Würde“ von vornherein ausschließen? Ob es nicht eine gesellschaftliche Schere gibt zwischen den Heimen, die ihre Insassen sehr gut versorgen und denjenigen, die teilweise sogar Menschenrechtsverletzungen begehen? Ob hier große Wohlfahrtsverbände wenigstens ein gewisses Niveau signalisieren können? Hm, in den Alltag, ins Tatsächliche: Ob irgendwo Notruf-Klingeln einfach weggedrückt oder in unerreichbarer Nähe angebracht werden? Wie steht es darum, wenn es um ausreichend zu essen und trinken geht? Wie steht es um Zuwendung, Sicherheit und Schutz, den ja diejenigen, die kräftig zahlen sollen, für sich einfordern könnten?
Der zuständige Minister hatte unlängst Auftritte damit, dass er sich rühmte, 13 000 neue Stellen „geschaffen“ zu haben. Bloß, was ist, wenn der Markt so gut wie leer gefegt ist und es bei weitem eine solche Zahl an Pflegern gar nicht gibt (dass in anderen Ländern Leute einfach weggekauft werden, eine Praxis, die man auch in Zeiten der sogenannten Globalisierung als „Neokolonialismus“ brandmarken könnte?... Und die in anderen Industriebereichen ohnehin gang und gäbe zu sein scheint?) Mal völlig abgesehen davon, dass der tatsächliche Bedarf sehr viel höher zu liegen scheint. Ob man sich dafür rühmen kann, wenigstens einen Anfang gemacht zu haben? Und überhaupt, was heißt es, solche Stellen „geschaffen“ zu haben? Ob das heißt, dass solche Stellen bisher gar nicht existiert haben? Ob das möglicherweise etwas aussagt über das „beste Pflegesystem der Welt“? Übliche Erklärungen und Rechtfertigungen: das Geld reiche nicht (Für eine Erhöhung des Verteidigungshaushalts, aus dem offenbar viele Millionen an Euros in "Beraterverträge" abgeflossen sind...) . Also wäre auch nicht daran zu denken, zusätzliches Personal einzustellen. Ob aber Vorstandsvorsitzende von Pflegeheimbetreibern hohe sechsstellige Summen verdienen müssen? Welche Rolle wohl Gewinn- und Profitinteressen spielen. Tatsache ist, dass der Staat entschieden hat, den Betreibern selbst und dem sogenannten „Freien Markt“ die Fürsorge und die gute Pflege selbst zu überlassen. Klar, "der Markt" soll es richten, er ist von vornherein heilig gesprochen. Das kennen wir auch aus anderen Bereichen. Die Einführung der Pflegeversicherung schaffte einst (in den neunziger Jahren) scheinbar gute Bedingungen. Plötzlich war Geld vorhanden. Gute Bedingungen. „Wir hatten damals stationäre Pflegeeinrichtungen, Altenheime mit sehr langen Wartelisten, das Dreibettzimmer war gang und gäbe. Wenn Sie heute sehen, dass wir eine Vielzahl von Pflegeeinrichtungen mit unterschiedlichen Ausrichtungen haben, dass wir keine Wartelisten mehr haben, dass die Leute eine Wahlfreiheit haben, dann finde ich, dass die Pflegeversicherung ein Erfolgsmodell ist“„ sagt Karl-Josef Laumann, Landesminister und bei der CDU zuständig fürs Gesundheitliche, in einem Fernsehinterview.
Das Geld, das in den Pflegebereich fließt, ist in kürzester Zeit um 500 % mehr geworden. Waren es Mitte der Neunziger 4 Milliarden Euro, so sind es heute mehr als 26 Milliarden. Es ist ein riesiger Markt entstanden, in dem der Staat die Akteure dieses Marktes weitgehend frei schalten und walten lässt: Selbstverwaltung ist angesagt. Ob das eine Pflege nach sich ziehen könnte, die mehr das Wohl der Betreiber als das der Bewohner nach sich ziehen könnte? Ob das sogar beabsichtigt ist? Hinzu kommt, dass die Politik viele er daraus resultierenden Aufgaben an private Einrichtungen delegiert. Bund, Länder und Gemeinden haben sich längst daraus zurück gezogen, der Staat scheint hier schon lange auf dem Rückzug. „Wir werden das, was wir an Infrastruktur brauchen, ohne privates Kapital gar nicht bauen können“, sagt Karl-Josef Laumann von der CDU dazu. Ob das gute Aussichten sind? Für wen eigentlich? Im „besten Pflegesystem der Welt“?