Reise durch Wirklichkeiten

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Sonntag, 12. April 2026

Das Eine im Vielen (mit Jacob Böhme)

"Und das Eine freute sich in den Vielen. Und die Vielen waren zugleich das Eine. Und in jedem lebte alles. Und jedes fand sich in jedem wieder. Und die Freude der einen Liebe, die in allem lebte, sprach sich in jedem Geschöpf aus." (Jacob Böhme)

Samstag, 17. Juni 2023

Literaten

Wer heute Literatur (Bildungsgüter als „Bewusstseinswaren“) produziert, blickt oftmals relativ beruhigt und satt in die Kameras der verhätschenden Medien aus der Kulturblase. Materiell meist üppig versorgt schauen uns diese Aushängeschilder der künstlerischen Textproduktion so unschuldig und befreit an, als würden sie die Problemchen ihrer Seelchen uns so bald und so farbig wie möglich ausbreiten wollen. Natürlich geht’s um die Liebe und vielleicht noch ein bisschen um Achtsamkeit, Einsamkeit, Selbstoptimierung, Egoproblemchen. Sie strahlen dabei jenes Wohlbehütetsein aus, das man früher dem Bildungsbürgertum zuordnete. Ja klar, nicht alle gehören dieser Schicht an! Aber diejenigen, die gut sichtbar sind, die sehr wohl….

Samstag, 24. Dezember 2022

Liebe

Liebe, die sich keinem Interesse unterordnet. Liebe zum „Sosein“, einfach Dasein, zu etwas mit meinen Mitteln Erkanntem, um das ich mich auch mühe, für das ich selbstverständlich Geduld aufbringe, - das könnte es sein. Ein sich Hinwenden zum Anderen und sich solidarisieren mit ihm. Lächelnd auf ihn zugehen. Ohne Hintergedanken. Mit ihm eins sein. Ihm Zuneigung entgegen bringen. Hilfe. Das, was ich geben kann. Geben!, - nicht nehmen.

Samstag, 9. November 2019

Sex und Liebe als Ware

Cybersex, One Night Stands, Liebesroboter, Seitensprünge usw. sind begünstigt durch den Kapitalismus. Nach den 60er und 70er Jahren wurde die Sexualität freier. Dadurch wurden Männer und Frauen etwas gleichberechtigter. Frauen konnten ihre Sexualität mehr genießen als zuvor. Doch besonders die bildorientierte Medienindustrie, also Werbung, Kino und Fernsehen begannen sofort, den sexualisierten Körper für ihre Zwecke einzusetzen und zu verwerten. Kaufen und verkaufen hieß die Devise. Die Zahl der Sexszenen in den Medien stieg nun massiv. Heute sind alle Medien von der „Pornification“ durchdrungen, derer sich besonders gerne die Werbung bedient, weil das Publikum davon angezogen ist ("Sex sells"). So wurde Sexualität zu einer neuen Ware, die vom Kapitalismus massiv ausgebeutet wird. Es entstand daraus auch eine Art Übersexualisierung, die viele Auswirkungen auf die Möglichkeiten hat, emotionale Bindungen einzugehen. 
In einer Gesellschaft, in der die Einzelnen außerhalb von Gemeinschaften und deren traditionsbeladenen Gesetze leben, sind Beziehungen (insbesondere „Liebesbeziehungen“) brüchig geworden und Gefühlswelten weitgehend von Marktbeziehungen geregelt. Es wird die Romantik dabei zu einem Gut, einer Ware, die in allen Widersprüchlichkeiten konsumiert wird und zuletzt auch in diversen TV-Sendungen glorifiziert wird. Die Liebe wird zu einem Thema, das individuell und universell zugleich zu sein scheint. Dabei ist sie vor allem von kollektiven Veränderungen und vom Kapitalismus geprägt, in dem Sinne, dass das Kapital (oder: das Geld) alle Lebensbereiche regelt (totalitärer Zug). Menschliche Beziehungen scheinen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu gehorchen, Bedürfnisbefriedigung scheint oberstes Gesetz, wobei dies Bedürfnis nie befriedigt werden kann und auch nicht soll. Liebe oder Zuwendung soll man, so wird uns weis gemacht, kaufen können. Die Welt der Gefühle beugt sich insofern ganz offenbar der Welt der Wirtschaft und merkt dies nicht einmal. Doch Männer und Frauen sind bei der Partnerwahl womöglich schon immer finanziellen Überlegungen nachgehangen, was wohl bis heute anhält. Geld, Status und Bildung sind wichtige Faktoren, wenn wir uns verlieben und wir dem Menschen begegnen, mit dem wir leben möchten. Was passiert unter solchen Bedingungen mit den romantischen Gefühlen? Die Liebe wird zu einer mit Emotionen aufgeladenen Ware.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Engel am Himmel

Gestern noch einmal anlässlich Brunos Tod den Film „Der Himmel über Berlin“ angeschaut. Ich mochte immer den Klang seiner Stimme. Sie war stets bei mir. Mit ihr sagt da etwas über die Begegnung zweier Menschen: „Etwas ist geschehen. Es geschieht immer noch. Es ist verbindlich. Es war in der Nacht und es ist jetzt am Tag. Jetzt erst recht.“ Und dann fallen die Sätze, dass „ein gemeinsames Bild“ gezeugt worden sei. Dass er in dieser Nacht das Staunen gelernt habe. „Sie hat mich heim geholt“ und er habe heim gefunden. Es war einmal und also wird es sein. Das Bild das wir gezeugt haben, wird das Begleitbild meines Sterbens sein. Ich werde darin gelebt haben. Das Staunen über uns zwei, das Staunen über uns zwei, (…) hat mich zum Menschen gemacht. Ich weiss jetzt, was kein Engel weiss“. Er schien aus der Seele zu sprechen. Er schien ein Träumer zu sein von der Art, wie uns das beeinflusste.  Und dann, etwas später, gegen Ende des Films steht da: “Wir sind eingeschifft“.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Liebe, positive thinking und Erkenntnis

Es scheint immer noch dieses „Positive thinking“ verbreitet zu sein, jene Geisteshaltung, die aus den USA kommt, und deren Auswirkungen man unter anderem in Aldous Huxleys vor etwa 100 Jahren geschriebenem Roman „Brave New World“ bestaunen kann. Es geht bei "positive thinking" darum, die eigene Haut zu retten und die vielen „negativen“ Bedrohungen so auszublenden, dass sie keineswegs eine politische Bedeutung gewinnen können. Freilich könnte es so sein, dass jegliche Individuelle Haltung erst etwas bewirkt, wenn sie auch politisch ist. Der Gegenmeinung geht es vor allem um „positive Ausstrahlung“, was womöglich ja auch okay ist, aber in der Realität wohl nur die Hälfte des Phänomens ist. Sich negativer Dinge bewusst zu sein, heißt nicht notwendigerweise, dass dies negativ sei. Es könnte ja auch sein, dass es einen Wert an sich bedeutet, wenn sich jemand gewisser „negativer“ Dinge so bewusst ist, dass er weiß wo und als wer er ist und unter welchen Bedingungen er lebt. Wer sie verschuldet“, wer für sie verantwortlich sein könnte, ist da einfach eine weitere Dimension. Natürlich könnte gegenseitige Liebe eine Lösung sein. Aber sie liegt noch in weiter Ferne, solange gewisse starke gesellschaftliche Kräfte sie verhindern und die Prosperität des radikal Einzelnen fordern, wie etwa im Neoliberalismus. Ob das etwas Negatives ist, was man an sich heran lassen sollte, um zu wissen, was geht….?

Freitag, 14. Dezember 2018

Weihnachten will es wieder werden

Seltsam, dieses Jahr nervt mich das besonders! Aber das ist nichts Besonderes, das meine ich jedes Jahr. Das wiederholt sich. Solange es sich wiederholt, mag es ein Zeichen der Beständigkeit sein. Dieses Weihnachtsgebimmel, das durchwoben ist von kommerziellen Interessen, vom Interesse der Händler, ihre Waren los zu werden. Die Fassade hat längst ein Eigenleben, das Klagen darüber hat Tradition und geht in Gänsebraten, Rülpsen und seifigen Weihnachtsliedern auf. Ja klar, jetzt zahlen viele (längst nicht mehr alle!) deutsche Arbeitgeber ein 13., wenn nicht gar ein 14. Monatsgehalt, mit dem man seine Weihnachtssprünge macht. Weihnachtsmärkte schießen aus dem Boden, sie gibt es mittlerweile zahllos überall, sie sind global. Die Weihnachtsgirlanden samt den vielen Lichtlein waren längst aufgehängt, die Illusion von Liebe feiert breite Urständ und vermischt sich mit dem Geschäftssinn, der jedes andere Individuum zum Geschäftspartner machen will: Angebot und Nachfrage. Kuscheltiere. Nordmanntanne. Lichtlein. Stall samt Maria und Josef, den Flüchtlingen. Ganz klein, das Jesus-Kind. Warnung vor Bränden bei offen brennenden Kerzen. All das ist Bestandteil der allgemeinen Weihnachtseuphorie, mit deren Geschäftstüchtigkeit immer noch der ursprünglich christliche Impuls verbunden zu sein scheint. Wenn das einmal nicht mehr so ist, wenn das blanke Geschäftsgebaren regiert, wird der Turbokapitalismus zu sich selbst gekommen sein. Er wird Menschen zurück lassen, die etwas suchen, von dem sie nicht wissen, was es ist…...

Sonntag, 23. April 2017

Narzissmus (1)

Caravaggio malte sein berühmtes Bild „Narziss“ Ende des sechzehnten Jahrhunderts und Ovid hatte lange zuvor schon die betreffende Geschichte geschaffen (hier aus „Wikipedia“ zitiert): Narziss wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen umworben, war aber stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um, nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen. Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild. Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse“.
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)

Freitag, 17. März 2017

Liebe zur Erde

Wir versuchen, uns in die Rolle von Weltbürgern einzufühlen. Wir halten die Rennaissance von Nationalstaaten für Quatsch, Unsinn, überholtes Zeugs und Abfall aus dem 19. und 20. Jahrhundert, als das noch eine andere Rolle gespielt hat. Mit den heutigen Kommunikationsmitteln können wir überall sein, haben auch ein Empfinden dafür, können besser kapieren, dass wir auf der ganzen Welt zuhause sind. Was ist das Artensterben, die Klimakatastrophe, atomare Verseuchung und Vernichtung, macht so etwas an Grenzen halt? Wir sind in Lissabon, Florenz und Rom, wir lernen Europa kennen und lieben. Unsere Identität ist an großartige Schöpfungen gekoppelt, nahe dran, aber auch weit weg. Wir waren in den USA und lernten das Land lieben. Was kann es für die Administration um es herum? Es ist. Es ist neutral. Es hat damit nichts zu tun und war ausgeliefert. Open Skies. Wir lernten es etwas besser kennen, auch darin, dass es uns heute sehr endlich und schutzbedürftig erscheint, während es Menschen früherer Generationen als unendlicher Raum vorkam. Wir staunen über die Schönheit, die sich hier auftut. Wir müssen nur die Augen dafür öffnen. Die Weite ergreift uns, zieht uns hinein, verschlingt uns, Wir können die Pioniere besser verstehen, die einst vor europäischen Verengungen geflohen waren, die sich eine neue Existenz beackerten. Die es versuchten. Die nah am Risiko waren. Die das Lebensrisiko spürten. Viele von ihnen sind gestorben. Wir sind einen Moment davon erschüttert. Wir spüren den Grand Canyon. Dann geht auch dies auf in einem Flow, dem wir eines Tages angehören werden, in dem wir untergehen werden. 

Dienstag, 14. Februar 2017

Liebe in unserer Welt

Die Liebe ist heutzutage bedroht. Es besteht durch sie das Risiko, dass es einen überwältigt, dass man die Welt plötzlich anders sieht und manchmal sogar in seinem Selbstbild erschüttert wird. Man wird aus der Bahn geworfen. Sie ist eine Erfahrung, die das Leben erweitern und intensivieren kann, auf eine Weise, die man sich hätte vorstellen können. Als Mann und Frau können wir so die Erfüllung unserer Existenz erleben. Man fühlt sich befähigt zu Dingen, die man sich nie zugetraut hätte. Man muss sich auf Unsicheres einlassen. Sie ist in keinerlei Hinsicht kalkulierbar. Sie stellt zudem möglicherweise einen gewissen Anspruch auf Durchhaltevermögen, die im besten Fall eine Intensivierung zur Folge hat.

Es ist keine Kleinigkeit, zu akzeptieren, dass eine andere Person in ihrer Ganzheit ins eigene Leben eintritt. In der Liebe gilt es, den anderen voll und ganz zu akzeptieren. In unseren Gesellschaften gehen viele Menschen davon aus, dass eine gewisse Einigkeit die beste Voraussetzung dafür bieten würde. In der Realität stolpert man dann oft über etwas, das man so nicht vorher gesehen hat. Heutzutage wählt oft der Algoritmus die Person aus, die vermeintlich optimal zu einem passt, zugespielt mit einem Profil. Die Liebe wird auf die Frage reduziert, ob man sich gut versteht, ob man dieselben Interessen hat, wie man sich im ökonomischen Sinne möglichst optimal ergänzt und ob man sich möglichst schon im Voraus sicher sein kann, dass es funktionieren wird. Dass man profitieren wird. Lustprinzip befriedigt. Den Anderen dazu „gebraucht“. 

Sonntag, 5. Februar 2017

Seele und Unsterblichkeit

Auf den ersten Blick scheint es dem Geist der modernen Wissenschaft nicht zu entsprechen: das Weiterleben nach dem Tod. Aber es gibt diesbezügliche Erfahrungen. Unerklärbar und geheimnisvoll. Stets wiederkehrende Elemente von solchen Nahtoderfahrungen sind ein Gefühl tiefen inneren Friedens und Wohlbefindens. Ein Licht, das Wärme und bedingungslose Liebe ausstrahlt. Begegnungen mit Gott oder einem allmächtigen Wesen. Ein Verlassen des Körpers, um ihn von oben oder aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Wissenschaft auf ihrem heutigen Stand tut so etwas gerne als Halluzination ab, die ein gestresstes Gehirn entwickelt, weil seine Nervenzellen zu wenig Sauerstoff erhalten. Aber das Gehirn in einem solchen Zustand ist dazu eigentlich nicht fähig. Doch was ist eigentlich Bewusstsein? Wo kommt es her und wo geht es hin, wenn wir sterben? Diese Fragen scheinen damit verknüpft. Zum Beispiel Narkose. Wer es schon einmal erlebt hat, kennt den Effekt: Man ist oder war völlig weg, hat keinerlei Vorstellung davon, wie lange dieses Blackout gedauert hat: Minuten, Stunden? Das Gefühl für diese Zeit ist weg. Doch jetzt ist man wieder voll da. Das Gehirn auch. Es scheint die ganze Zeit über weiterexistiert zu haben. Hirntätigkeit und Bewusstsein sind Dimensionen, die auseinander gehen können. Theorien: In ihrem Zentrum stehen die Nitrotubuli. Diese wachsen in den Zellen wie ein Wald und bestimmen die Struktur dieser Zellen. Es gibt die These, dass sie molekulare Informationen verarbeiten können. Dies wiederum würde zur Folge haben, dass etwa das Gehirn wie ein Quantencomputer funktioniert, nicht hier nicht dort, sondern mal hier, mal dort : zusammengefasst würde das bedeuten, dass alles mit allem zusammen hängt. Und zwar auf eine Weise, die sich uns nicht immer erschließt. Eine Veränderung der Nitrotubuli könnte also auch eine Veränderung anderer Zellen anregen. Der Clou: diese Zellen könnten auch außerhalb unseres Systems liegen. In der Quantentheorie ist jeder Punkt im Raum ein Informationsträger, selbst der Raum in einem Vakuum. Im Feingewebe des Alls existieren Informationen, die möglicherweise mit uns verbunden sind. Ein Ereignis dort kann sich auch hier auswirken. Die Nitrotubuli könnten also nach quantentheoretischer Betrachtung auch mit denen des Alls und des ganzen Universums verknüpft sein. Informationen sind nicht mit dem Tod verschwunden. Die Bewusstseinsinformationen könnten - im Gegenteil! - auf quantentheoretische Weise mit denen des Universums verschränkt sein. Unsere Seelen könnten aus einem grundlegenderen Stoff als Nervenzellen gemacht sein, denn ihre Informationen existieren fort. Vielleicht für immer. Sie könnten schlichtweg ein Teil des Ganzen sein, sie könnten dem nahe sein, was viele Menschen als Gott bezeichnen. Wir bestehen insofern aus demselben Material, wie das Universum selbst. Bewusstsein oder die Vorstufe davon gibt es im Weltall vielleicht schon seit dem Urknall. Durch den Tod könnten solche Informationen nur auf eine neue Weise über das Universum verteilt werden. Buddhistische und hinduistische Lehren vom kosmischen Bewusstsein umkreisten das schon lange, - von einem anderen Standpunkt aus. Am Ende ist das Bewusstsein vielleicht die Materie selbst? Bewusstsein als Quantenprozess? Es könnte sein..... es ist eine Hypothese, die auch schon ganze Religionen ausgefüllt hat. 

Freitag, 3. Februar 2017

Seele und Nahtoderfahrungen

Ist da noch etwas jenseits aller Biologie, etwas, was unsere Seele ausmacht? Die Wissenschaft hat lange einen großen Bogen um diese Frage gemacht. Doch aktuell scheint diese Frage wieder eine neue Aktualität gewonnen zu haben. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Das Geheimnis von Raum und Zeit und der Enstehung des Lebens ist dennoch nicht entdeckt. Ist der Tod das Ende und danach nur ewige Stille? Dunkelheit und sonst nichts? Oder gibt es in uns einen Funken, der über unser physisches Dasein hinaus weiterlebt? Früher oder später mag sich diese Frage jedem von uns stellen. Wie kann gestern noch jemand da sein – und heute nicht mehr? Ob damit alles zu Ende ist - oder doch nicht ganz? Christen und Muslime glauben an einen Himmel für die Guten und an eine Hölle für die Bösen. Andere Religionen sehen in dem Tod nur eine Durchgangsstation zum oder einer anderen Daseinsform oder zu einem weiteren Leben auf der Erde. Die Grundannahme ist dieselbe: der Körper ist nur eine Durchgangsform für die unsterbliche Seele. Ob die Annahme einer Seele auch wissenschaftlich haltbar ist?
Es gibt mittlerweile etliche Nahtoderfahrungen, deren Bericht uns auf eine Spur bringen könnte: Welt aus der Regenbogenperspektive, dunkle, Braun- und Rottöne ringsherum, ausgelöschtes Sprachvermögen, keine Erinnerung an das momentane „reale“ Leben, keine Wahrnehmung, dann aber Licht, drehende Lichtpunkte, nach und nach verdängt er diese Erd- und Bodenweltt und führt einen ohne jedes Körperbewusstsein in eine liebliche Auenlandschaft. Ein Etwas sein, undefiniert nichts und alles, danach ein Verlassen der Welt, des Universums in Richtung auf einen Kern. Ein Empfinden von unendlicher Größe und Dunkelheit, gleichzeitig die warme Präsenz des Göttlichen. Da ist Gott und die Liebe als treibende Kraft. 

Freitag, 9. September 2016

Nachgelassen

Aus den nachgelassenen Gedichten von Heinrich Heine


Das macht den Menschen glücklich,
das macht den Menschen matt
Wenn er drei sehr schöne Geliebte
Und nur zwei Beine hat

Der einen lauf' ich des Morgens
der anderen des Abends nach;
Die Dritte kommt zu mir des Mittags
wohl unter mein eigenes Dach

Lebt wohl, ihr drei Geliebten
Ich habe zwei Beine nur,
Ich will in ländlicher Stille

Genießen die schöne Natur

Mittwoch, 7. September 2016

Reisezehrung (Gedicht von J.W.v. Goethe)

Reisezehrung


Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke,
Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen.
Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen,
Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke.

Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke
Gleich fing ich an, von diesen und von jenen
Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen:
Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke.

Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen,
Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben,
Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.

So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen:
Was ich bedarf, ist überall zu haben,
Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe.

(Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)

Montag, 14. Dezember 2015

Weihnachten als Ritual

Rituale strukturieren unseren Alltag und bilden einen Teil unseres Tagesablaufs. Es gibt jedoch auch die Rituale des Nichtalltäglichen, die Höhepunkte des Jahres, der Arbeit, bei Geburt und Tod, Krankheit und Abschied, Feste und Feiern, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen bringen. Ohne Gewohnheiten und Rituale zu leben wäre sehr anstrengend und würde eine fortwährende Neuorientierung nach sich ziehen. Chaos zu bändigen, wäre möglicherweise nicht möglich ohne sie. Sie bieten auch Chancen, mit ihren Formen schöpferisch und phantasievoll umzugehen. Das Problem ist, das sich viele Menschen an Ritualen festhalten und den Sinn dahinter vergessen zu haben scheinen. Die Folge ist, dass solche Rituale zunehmend hohl werden. Ob Weihnachten auch ein solches Ritual ist? Vielfältig wird es benutzt, in einem ökonomischen Sinne, weil beispielsweise darauf spekuliert wird, dass Weihnachtsgeld „auf den Kopf gehauen“ wird. Doch ein Weihnachtsgeld sehen immer weniger Arbeitsverträge vor, außer den Privilegierten natürlich, bei denen es zu den sogenannten „Benefits“ gehört. Ein sich daran knüpfendes 13. und manchmal sogar 14. Monatsgehalt erscheint als Ergänzung dazu selbstverständlich. Natürlich schafft so etwas ein bestimmtes Selbstwertgefühl, die Anerkennung und eine dazu gehörende Sinnwelt. 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Weihnachten

Liebe, die sich keinem Interesse unterordnet. Liebe zum „Sosein“, einfach Dasein, zu etwas mit meinen Mitteln Erkanntem, um das ich mich auch mühe, für das ich selbstverständlich Geduld aufbringe, - das könnte es sein. Ein sich Hinwenden zum Anderen und sich solidarisieren mit ihm. Lächelnd auf ihn zugehen. Ohne Hintergedanken. Mit ihm eins sein. Ihm Zuneigung entgegen bringen. Hilfe. Das, was ich geben kann. Geben!, - nicht nehmen. 

Sonntag, 13. September 2015

Im Lauf der Zeit

Der Film „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders hat sich damals (1976) als „Roadmovie“ ausgerufen und hat mich damals sehr stark beeinflusst und beeindruckt. Rüdiger Vogler und Hanns Zischler als Bruno und Robert ziehen darin der damaligen Zonengrenze entlang, einer Art Niemandsland. Der eine repariert Kinoprojektoren, der andere hat eben eine Trennung hinter sich und ist selbstmordgefährdet. Beide sind relativ in sich gekehrt, sind einsam und sehnen sich nach Frauen, zu denen sie aber aus sich heraus in einer Art gezwungenem Abstand bleiben (müssen) und zu denen jegliche Verbindung problematisch ist. Sie übernachten in ihrem Möbelwagen, der durch die Dachluke wunderbare Blicke in den Nachthimmel eröffnet und so den Film in etwas Alltagsmystisches und aus dem Augenblick Kommendes hinüber ragen lassen, das schon viele Filmemacher gesucht haben und das manche Western augenblicksweise eingefangen haben: Der ruhige Blick, die gelassene Haltung, die im scheinbar Kleinen das Große sehen kann, der Welt nahe kommen in der Poesie. Es entwickelt sich eine ganz langsame Handlung, die eigentlich keine ist, sondern das Reisen, das „Sich bewegen von einem zum andern Punkt“ zum Thema macht. Heute ist Wenders ein Großwesir der Hochkultur. Er macht viel, stellt auch mit großem Erfolg seine Fotos aus und ist so etwas wie der romantische Herold des Kinos. Wie er, der ja sein Projekt damals mehr aus dem Ungefähren heraus lenkte, als er ihm klare Konturen gab, wohl auf meine Reaktionen reagiert hätte. In einem Interview zu seinem 70.-sten Geburtstag hat Wenders neulich gesagt: „Sich überhaupt auf etwas einzulassen, wird ja immer schwerer. Das gilt für das Kino, aber auch für das tägliche Leben. Denn uns allen fehlt es an Zeit, die ständig noch kostbarer wird.“ That's it: Zeit. Der Film heißt „Im Laufe der Zeit“.