Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Sonntag, 12. April 2026
Das Eine im Vielen (mit Jacob Böhme)
"Und das Eine freute sich in den Vielen. Und die Vielen waren zugleich das Eine. Und in jedem lebte alles. Und jedes fand sich in jedem wieder. Und die Freude der einen Liebe, die in allem lebte, sprach sich in jedem Geschöpf aus." (Jacob Böhme)
Samstag, 17. Juni 2023
Literaten
Wer heute Literatur (Bildungsgüter als „Bewusstseinswaren“) produziert, blickt oftmals relativ beruhigt und satt in die Kameras der verhätschenden Medien aus der Kulturblase. Materiell meist üppig versorgt schauen uns diese Aushängeschilder der künstlerischen Textproduktion so unschuldig und befreit an, als würden sie die Problemchen ihrer Seelchen uns so bald und so farbig wie möglich ausbreiten wollen. Natürlich geht’s um die Liebe und vielleicht noch ein bisschen um Achtsamkeit, Einsamkeit, Selbstoptimierung, Egoproblemchen. Sie strahlen dabei jenes Wohlbehütetsein aus, das man früher dem Bildungsbürgertum zuordnete. Ja klar, nicht alle gehören dieser Schicht an! Aber diejenigen, die gut sichtbar sind, die sehr wohl….
Samstag, 24. Dezember 2022
Liebe
Liebe, die sich keinem Interesse unterordnet. Liebe zum „Sosein“, einfach Dasein, zu etwas mit meinen Mitteln Erkanntem, um das ich mich auch mühe, für das ich selbstverständlich Geduld aufbringe, - das könnte es sein. Ein sich Hinwenden zum Anderen und sich solidarisieren mit ihm. Lächelnd auf ihn zugehen. Ohne Hintergedanken. Mit ihm eins sein. Ihm Zuneigung entgegen bringen. Hilfe. Das, was ich geben kann. Geben!, - nicht nehmen.
Samstag, 9. November 2019
Sex und Liebe als Ware
Cybersex,
One Night Stands, Liebesroboter, Seitensprünge usw. sind begünstigt
durch den Kapitalismus. Nach den 60er und 70er Jahren wurde die
Sexualität freier. Dadurch wurden Männer und Frauen etwas
gleichberechtigter. Frauen konnten ihre Sexualität mehr genießen
als zuvor. Doch besonders die bildorientierte Medienindustrie, also
Werbung, Kino und Fernsehen begannen sofort, den sexualisierten Körper für
ihre Zwecke einzusetzen und zu verwerten. Kaufen und verkaufen hieß die Devise. Die Zahl der Sexszenen in
den Medien stieg nun massiv. Heute sind alle Medien von der
„Pornification“ durchdrungen, derer sich besonders gerne die
Werbung bedient, weil das Publikum davon angezogen ist ("Sex sells"). So wurde
Sexualität zu einer neuen Ware, die vom Kapitalismus massiv
ausgebeutet wird. Es entstand daraus auch eine Art
Übersexualisierung, die viele Auswirkungen auf die Möglichkeiten
hat, emotionale Bindungen einzugehen.
In einer Gesellschaft, in der die Einzelnen außerhalb von Gemeinschaften und deren traditionsbeladenen Gesetze leben, sind Beziehungen (insbesondere „Liebesbeziehungen“) brüchig geworden und Gefühlswelten weitgehend von Marktbeziehungen geregelt. Es wird die Romantik dabei zu einem Gut, einer Ware, die in allen Widersprüchlichkeiten konsumiert wird und zuletzt auch in diversen TV-Sendungen glorifiziert wird. Die Liebe wird zu einem Thema, das individuell und universell zugleich zu sein scheint. Dabei ist sie vor allem von kollektiven Veränderungen und vom Kapitalismus geprägt, in dem Sinne, dass das Kapital (oder: das Geld) alle Lebensbereiche regelt (totalitärer Zug). Menschliche Beziehungen scheinen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu gehorchen, Bedürfnisbefriedigung scheint oberstes Gesetz, wobei dies Bedürfnis nie befriedigt werden kann und auch nicht soll. Liebe oder Zuwendung soll man, so wird uns weis gemacht, kaufen können. Die Welt der Gefühle beugt sich insofern ganz offenbar der Welt der Wirtschaft und merkt dies nicht einmal. Doch Männer und Frauen sind bei der Partnerwahl womöglich schon immer finanziellen Überlegungen nachgehangen, was wohl bis heute anhält. Geld, Status und Bildung sind wichtige Faktoren, wenn wir uns verlieben und wir dem Menschen begegnen, mit dem wir leben möchten. Was passiert unter solchen Bedingungen mit den romantischen Gefühlen? Die Liebe wird zu einer mit Emotionen aufgeladenen Ware.
In einer Gesellschaft, in der die Einzelnen außerhalb von Gemeinschaften und deren traditionsbeladenen Gesetze leben, sind Beziehungen (insbesondere „Liebesbeziehungen“) brüchig geworden und Gefühlswelten weitgehend von Marktbeziehungen geregelt. Es wird die Romantik dabei zu einem Gut, einer Ware, die in allen Widersprüchlichkeiten konsumiert wird und zuletzt auch in diversen TV-Sendungen glorifiziert wird. Die Liebe wird zu einem Thema, das individuell und universell zugleich zu sein scheint. Dabei ist sie vor allem von kollektiven Veränderungen und vom Kapitalismus geprägt, in dem Sinne, dass das Kapital (oder: das Geld) alle Lebensbereiche regelt (totalitärer Zug). Menschliche Beziehungen scheinen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu gehorchen, Bedürfnisbefriedigung scheint oberstes Gesetz, wobei dies Bedürfnis nie befriedigt werden kann und auch nicht soll. Liebe oder Zuwendung soll man, so wird uns weis gemacht, kaufen können. Die Welt der Gefühle beugt sich insofern ganz offenbar der Welt der Wirtschaft und merkt dies nicht einmal. Doch Männer und Frauen sind bei der Partnerwahl womöglich schon immer finanziellen Überlegungen nachgehangen, was wohl bis heute anhält. Geld, Status und Bildung sind wichtige Faktoren, wenn wir uns verlieben und wir dem Menschen begegnen, mit dem wir leben möchten. Was passiert unter solchen Bedingungen mit den romantischen Gefühlen? Die Liebe wird zu einer mit Emotionen aufgeladenen Ware.
Donnerstag, 21. Februar 2019
Engel am Himmel
Gestern noch einmal
anlässlich Brunos Tod den Film „Der Himmel über Berlin“
angeschaut. Ich mochte immer den Klang seiner Stimme. Sie war stets
bei mir. Mit ihr sagt da etwas über die Begegnung zweier Menschen:
„Etwas ist geschehen. Es geschieht immer noch. Es ist verbindlich.
Es war in der Nacht und es ist jetzt am Tag. Jetzt erst recht.“ Und
dann fallen die Sätze, dass „ein gemeinsames Bild“ gezeugt
worden sei. Dass er in dieser Nacht das Staunen gelernt habe. „Sie
hat mich heim geholt“ und er habe heim gefunden. Es war einmal und
also wird es sein. Das Bild das wir gezeugt haben, wird das
Begleitbild meines Sterbens sein. Ich werde darin gelebt haben. Das
Staunen über uns zwei, das Staunen über uns zwei, (…) hat mich
zum Menschen gemacht. Ich weiss jetzt, was kein Engel weiss“. Er schien aus der Seele zu sprechen. Er schien ein Träumer zu sein von der Art, wie uns das beeinflusste. Und
dann, etwas später, gegen Ende des Films steht da: “Wir sind eingeschifft“.
Sonntag, 23. Dezember 2018
Liebe, positive thinking und Erkenntnis
Es scheint immer noch dieses
„Positive thinking“ verbreitet zu sein, jene Geisteshaltung, die
aus den USA kommt, und deren Auswirkungen man unter anderem in Aldous
Huxleys vor etwa 100 Jahren geschriebenem Roman „Brave New World“
bestaunen kann. Es geht bei "positive thinking" darum, die eigene Haut zu retten und die vielen „negativen“ Bedrohungen so auszublenden, dass sie
keineswegs eine politische Bedeutung gewinnen können. Freilich
könnte es so sein, dass jegliche Individuelle Haltung erst etwas
bewirkt, wenn sie auch politisch ist. Der Gegenmeinung geht es vor
allem um „positive Ausstrahlung“, was womöglich ja auch okay
ist, aber in der Realität wohl nur die Hälfte des Phänomens ist. Sich negativer Dinge bewusst zu sein, heißt nicht notwendigerweise, dass dies negativ sei. Es könnte ja auch sein, dass es einen Wert an sich bedeutet, wenn
sich jemand gewisser „negativer“ Dinge so bewusst ist, dass er
weiß wo und als wer er ist und unter welchen Bedingungen er lebt. Wer
sie verschuldet“, wer für sie verantwortlich sein könnte, ist da einfach eine weitere Dimension. Natürlich könnte gegenseitige Liebe eine
Lösung sein. Aber sie liegt noch in weiter Ferne, solange gewisse
starke gesellschaftliche Kräfte sie verhindern und die Prosperität
des radikal Einzelnen fordern, wie etwa im Neoliberalismus. Ob das
etwas Negatives ist, was man an sich heran lassen sollte, um zu
wissen, was geht….?
Freitag, 14. Dezember 2018
Weihnachten will es wieder werden
Seltsam, dieses Jahr nervt
mich das besonders! Aber das ist nichts Besonderes, das meine ich
jedes Jahr. Das wiederholt sich. Solange es sich wiederholt, mag es ein Zeichen der Beständigkeit sein. Dieses Weihnachtsgebimmel, das durchwoben ist von
kommerziellen Interessen, vom Interesse der Händler, ihre Waren los
zu werden. Die Fassade hat längst ein Eigenleben, das Klagen darüber
hat Tradition und geht in Gänsebraten, Rülpsen und seifigen
Weihnachtsliedern auf. Ja klar, jetzt zahlen viele (längst nicht
mehr alle!) deutsche Arbeitgeber ein 13., wenn nicht gar ein 14. Monatsgehalt,
mit dem man seine Weihnachtssprünge macht. Weihnachtsmärkte
schießen aus dem Boden, sie gibt es mittlerweile zahllos überall,
sie sind global. Die Weihnachtsgirlanden samt den vielen Lichtlein
waren längst aufgehängt, die Illusion von Liebe feiert breite
Urständ und vermischt sich mit dem Geschäftssinn, der jedes andere
Individuum zum Geschäftspartner machen will: Angebot und Nachfrage.
Kuscheltiere. Nordmanntanne. Lichtlein. Stall samt Maria und Josef,
den Flüchtlingen. Ganz klein, das Jesus-Kind. Warnung vor Bränden
bei offen brennenden Kerzen. All das ist Bestandteil der allgemeinen
Weihnachtseuphorie, mit deren Geschäftstüchtigkeit immer noch der
ursprünglich christliche Impuls verbunden zu sein scheint. Wenn das
einmal nicht mehr so ist, wenn das blanke Geschäftsgebaren regiert,
wird der Turbokapitalismus zu sich selbst gekommen sein. Er wird
Menschen zurück lassen, die etwas suchen, von dem sie nicht wissen,
was es ist…...
Sonntag, 23. April 2017
Narzissmus (1)
Caravaggio malte sein berühmtes Bild „Narziss“
Ende des sechzehnten Jahrhunderts und Ovid hatte lange zuvor schon
die betreffende Geschichte geschaffen (hier aus „Wikipedia“
zitiert): Narziss wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen
umworben, war aber stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und
wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese
Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber
Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich
Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um,
nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen.
Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte
Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in der unberührten
Natur bei einer Wasserquelle niederließ, verliebte er sich in sein
eigenes Spiegelbild. Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner
Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und
verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte
wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe
wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse“.
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Heutzutage gilt aber auch und dürfte sich auf narzisstische Impulse stützen: die gernzenlose Entblößung in den Medien, insbesondere in den sozialen Medien samt die Vorführung aufgeblasener Wichtigkeit in den Talksshows und vieler anderer Phänomene: Das „Ich“ und seine Optimierung scheint eine „Herausforderung“ der Zeit. Die Stufe der schmerzhaften Bewusstwerdung und der langen Suche wird dabei gerne mal übersprungen. Es gilt Egozentrismus, Eigensucht, fehlende Empathie, Überheblichkeit und die Entwertung anderer. Sie scheinen im Trend eines gnadenlosen Neoliberalismus zu liegen, der auf allen Ebenen unsere Gesellschaft schon seit langem zu prägen scheint. Doch Finanzkrise und Schuldenfallen der Staaten haben längst zur Verunsicherung beigetragen. Narzissmus galt zwar einst als Sünde oder als Privileg der Mächtigen, hat offensichtlich aber von seiner Strahlkraft verloren. Nichtsdestrotz trat in der Politik ein neuer Typ eines Despoten immer mehr zu Tage, der mit seinem eingebildeten oder realen Charisma die Realität zu prägen scheint. Da werden Leute zu Präsidenten oder wollen sich zu solchen machen. (Später mehr)
Freitag, 17. März 2017
Liebe zur Erde
Wir
versuchen, uns in die Rolle von Weltbürgern einzufühlen. Wir halten
die Rennaissance von Nationalstaaten für Quatsch, Unsinn, überholtes
Zeugs und Abfall aus dem 19. und 20. Jahrhundert, als das noch eine
andere Rolle gespielt hat. Mit den heutigen Kommunikationsmitteln
können wir überall sein, haben auch ein Empfinden dafür, können
besser kapieren, dass wir auf der ganzen Welt zuhause sind. Was ist
das Artensterben, die Klimakatastrophe, atomare Verseuchung und
Vernichtung, macht so etwas an Grenzen halt? Wir sind in Lissabon,
Florenz und Rom, wir lernen Europa kennen und lieben. Unsere
Identität ist an großartige Schöpfungen gekoppelt, nahe dran, aber
auch weit weg. Wir waren in den USA und lernten das Land lieben. Was
kann es für die Administration um es herum? Es ist. Es ist neutral.
Es hat damit nichts zu tun und war ausgeliefert. Open Skies. Wir
lernten es etwas besser kennen, auch darin, dass es uns heute sehr
endlich und schutzbedürftig erscheint, während es Menschen früherer
Generationen als unendlicher Raum vorkam. Wir staunen über die
Schönheit, die sich hier auftut. Wir müssen nur die Augen dafür
öffnen. Die Weite ergreift uns, zieht uns hinein, verschlingt uns,
Wir können die Pioniere besser verstehen, die einst vor europäischen
Verengungen geflohen waren, die sich eine neue Existenz beackerten.
Die es versuchten. Die nah am Risiko waren. Die das Lebensrisiko
spürten. Viele von ihnen sind gestorben. Wir sind einen Moment davon
erschüttert. Wir spüren den Grand Canyon. Dann geht auch dies auf
in einem Flow, dem wir eines Tages angehören werden, in dem wir
untergehen werden.
Dienstag, 14. Februar 2017
Liebe in unserer Welt
Die Liebe ist heutzutage
bedroht. Es besteht durch sie das Risiko, dass es einen überwältigt,
dass man die Welt plötzlich anders sieht und manchmal sogar in
seinem Selbstbild erschüttert wird. Man wird aus der Bahn geworfen.
Sie ist eine Erfahrung, die das Leben erweitern und intensivieren
kann, auf eine Weise, die man sich hätte vorstellen können. Als
Mann und Frau können wir so die Erfüllung unserer Existenz erleben.
Man fühlt sich befähigt zu Dingen, die man sich nie zugetraut
hätte. Man muss sich auf Unsicheres einlassen. Sie ist in keinerlei
Hinsicht kalkulierbar. Sie stellt zudem
möglicherweise einen gewissen Anspruch auf Durchhaltevermögen, die
im besten Fall eine Intensivierung zur Folge hat.
Es ist keine Kleinigkeit,
zu akzeptieren, dass eine andere Person in ihrer Ganzheit ins eigene
Leben eintritt. In der Liebe gilt es, den anderen voll und ganz zu
akzeptieren. In unseren Gesellschaften gehen viele Menschen davon
aus, dass eine gewisse Einigkeit die beste Voraussetzung dafür
bieten würde. In der Realität stolpert man dann oft über etwas,
das man so nicht vorher gesehen hat. Heutzutage wählt oft der
Algoritmus die Person aus, die vermeintlich optimal zu einem passt,
zugespielt mit einem Profil. Die Liebe wird auf die Frage reduziert,
ob man sich gut versteht, ob man dieselben Interessen hat, wie man
sich im ökonomischen Sinne möglichst optimal ergänzt und ob man
sich möglichst schon im Voraus sicher sein kann, dass es
funktionieren wird. Dass man profitieren wird. Lustprinzip
befriedigt. Den Anderen dazu „gebraucht“.
Sonntag, 5. Februar 2017
Seele und Unsterblichkeit
Auf den ersten Blick scheint es dem Geist der
modernen Wissenschaft nicht zu entsprechen: das Weiterleben nach dem
Tod. Aber es gibt diesbezügliche Erfahrungen. Unerklärbar und
geheimnisvoll. Stets wiederkehrende Elemente von solchen
Nahtoderfahrungen sind ein Gefühl tiefen inneren Friedens und
Wohlbefindens. Ein Licht, das Wärme und bedingungslose Liebe
ausstrahlt. Begegnungen mit Gott oder einem allmächtigen Wesen. Ein
Verlassen des Körpers, um ihn von oben oder aus einer anderen
Perspektive zu betrachten. Die Wissenschaft auf ihrem heutigen Stand
tut so etwas gerne als Halluzination ab, die ein gestresstes Gehirn
entwickelt, weil seine Nervenzellen zu wenig Sauerstoff erhalten.
Aber das Gehirn in einem solchen Zustand ist dazu eigentlich nicht
fähig. Doch was ist eigentlich Bewusstsein? Wo kommt es her und wo
geht es hin, wenn wir sterben? Diese Fragen scheinen damit verknüpft.
Zum Beispiel Narkose. Wer es schon einmal erlebt hat, kennt den
Effekt: Man ist oder war völlig weg, hat keinerlei Vorstellung
davon, wie lange dieses Blackout gedauert hat: Minuten, Stunden? Das
Gefühl für diese Zeit ist weg. Doch jetzt ist man wieder voll da.
Das Gehirn auch. Es scheint die ganze Zeit über weiterexistiert zu
haben. Hirntätigkeit und Bewusstsein sind Dimensionen, die
auseinander gehen können. Theorien: In ihrem Zentrum stehen die
Nitrotubuli. Diese wachsen in den Zellen wie ein Wald und bestimmen
die Struktur dieser Zellen. Es gibt die These, dass sie molekulare
Informationen verarbeiten können. Dies wiederum würde zur Folge
haben, dass etwa das Gehirn wie ein Quantencomputer funktioniert,
nicht hier nicht dort, sondern mal hier, mal dort : zusammengefasst
würde das bedeuten, dass alles mit allem zusammen hängt. Und zwar
auf eine Weise, die sich uns nicht immer erschließt. Eine
Veränderung der Nitrotubuli könnte also auch eine Veränderung
anderer Zellen anregen. Der Clou: diese Zellen könnten auch
außerhalb unseres Systems liegen. In der Quantentheorie ist jeder
Punkt im Raum ein Informationsträger, selbst der Raum in einem
Vakuum. Im Feingewebe des Alls existieren Informationen, die
möglicherweise mit uns verbunden sind. Ein Ereignis dort kann sich
auch hier auswirken. Die Nitrotubuli könnten also nach
quantentheoretischer Betrachtung auch mit denen des Alls und des
ganzen Universums verknüpft sein. Informationen sind nicht mit dem
Tod verschwunden. Die Bewusstseinsinformationen könnten - im
Gegenteil! - auf quantentheoretische Weise mit denen des Universums
verschränkt sein. Unsere Seelen könnten aus einem grundlegenderen
Stoff als Nervenzellen gemacht sein, denn ihre Informationen
existieren fort. Vielleicht für immer. Sie könnten schlichtweg ein
Teil des Ganzen sein, sie könnten dem nahe sein, was viele Menschen
als Gott bezeichnen. Wir bestehen insofern aus demselben Material,
wie das Universum selbst. Bewusstsein oder die Vorstufe davon gibt es
im Weltall vielleicht schon seit dem Urknall. Durch den Tod könnten
solche Informationen nur auf eine neue Weise über das Universum
verteilt werden. Buddhistische und hinduistische Lehren vom
kosmischen Bewusstsein umkreisten das schon lange, - von einem
anderen Standpunkt aus. Am Ende ist das Bewusstsein vielleicht die
Materie selbst? Bewusstsein als Quantenprozess? Es könnte sein.....
es ist eine Hypothese, die auch schon ganze Religionen ausgefüllt
hat.
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Freitag, 3. Februar 2017
Seele und Nahtoderfahrungen
Ist da noch etwas jenseits
aller Biologie, etwas, was unsere Seele ausmacht? Die Wissenschaft
hat lange einen großen Bogen um diese Frage gemacht. Doch aktuell
scheint diese Frage wieder eine neue Aktualität gewonnen zu haben.
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Das Geheimnis von Raum und Zeit und
der Enstehung des Lebens ist dennoch nicht entdeckt. Ist der Tod das
Ende und danach nur ewige Stille? Dunkelheit und sonst nichts? Oder
gibt es in uns einen Funken, der über unser physisches Dasein hinaus
weiterlebt? Früher oder später mag sich diese Frage jedem von uns
stellen. Wie kann gestern noch jemand da sein – und heute nicht
mehr? Ob damit alles zu Ende ist - oder doch nicht ganz? Christen und
Muslime glauben an einen Himmel für die Guten und an eine Hölle für
die Bösen. Andere Religionen sehen in dem Tod nur eine
Durchgangsstation zum oder einer anderen Daseinsform oder zu einem
weiteren Leben auf der Erde. Die Grundannahme ist dieselbe: der
Körper ist nur eine Durchgangsform für die unsterbliche Seele. Ob
die Annahme einer Seele auch wissenschaftlich haltbar ist?
Es gibt mittlerweile
etliche Nahtoderfahrungen, deren Bericht uns auf eine Spur bringen
könnte: Welt aus der Regenbogenperspektive, dunkle, Braun- und
Rottöne ringsherum, ausgelöschtes Sprachvermögen, keine Erinnerung
an das momentane „reale“ Leben, keine Wahrnehmung, dann aber
Licht, drehende Lichtpunkte, nach und nach verdängt er diese Erd-
und Bodenweltt und führt einen ohne jedes Körperbewusstsein in eine
liebliche Auenlandschaft. Ein Etwas sein, undefiniert nichts und
alles, danach ein Verlassen der Welt, des Universums in Richtung auf
einen Kern. Ein Empfinden von unendlicher Größe und Dunkelheit,
gleichzeitig die warme Präsenz des Göttlichen. Da ist Gott und die
Liebe als treibende Kraft.
Freitag, 9. September 2016
Nachgelassen
Aus den nachgelassenen Gedichten von Heinrich Heine
Das macht den Menschen glücklich,
das macht den Menschen matt
Wenn er drei sehr schöne Geliebte
Und nur zwei Beine hat
Der einen lauf' ich des Morgens
der anderen des Abends nach;
Die Dritte kommt zu mir des Mittags
wohl unter mein eigenes Dach
Lebt wohl, ihr drei Geliebten
Ich habe zwei Beine nur,
Ich will in ländlicher Stille
Genießen die schöne Natur
Das macht den Menschen glücklich,
das macht den Menschen matt
Wenn er drei sehr schöne Geliebte
Und nur zwei Beine hat
Der einen lauf' ich des Morgens
der anderen des Abends nach;
Die Dritte kommt zu mir des Mittags
wohl unter mein eigenes Dach
Lebt wohl, ihr drei Geliebten
Ich habe zwei Beine nur,
Ich will in ländlicher Stille
Genießen die schöne Natur
Mittwoch, 7. September 2016
Reisezehrung (Gedicht von J.W.v. Goethe)
Reisezehrung
Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke,Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen.Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen,Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke.Nun wußt' ich auch von keinem weitern GlückeGleich fing ich an, von diesen und von jenenNotwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen:Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke.Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen,Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben,Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen:Was ich bedarf, ist überall zu haben,Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe.
(Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)
Montag, 14. Dezember 2015
Weihnachten als Ritual
Rituale strukturieren unseren Alltag und bilden einen
Teil unseres Tagesablaufs. Es gibt jedoch auch die Rituale des
Nichtalltäglichen, die Höhepunkte des Jahres, der Arbeit, bei
Geburt und Tod, Krankheit und Abschied, Feste und Feiern, die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen bringen. Ohne
Gewohnheiten und Rituale zu leben wäre sehr anstrengend und würde
eine fortwährende Neuorientierung nach sich ziehen. Chaos zu
bändigen, wäre möglicherweise nicht möglich ohne sie. Sie bieten
auch Chancen, mit ihren Formen schöpferisch und phantasievoll
umzugehen. Das Problem ist, das sich viele Menschen an Ritualen
festhalten und den Sinn dahinter vergessen zu haben scheinen. Die
Folge ist, dass solche Rituale zunehmend hohl werden. Ob Weihnachten
auch ein solches Ritual ist? Vielfältig wird es benutzt, in einem
ökonomischen Sinne, weil beispielsweise darauf spekuliert wird, dass
Weihnachtsgeld „auf den Kopf gehauen“ wird. Doch ein
Weihnachtsgeld sehen immer weniger Arbeitsverträge vor, außer den
Privilegierten natürlich, bei denen es zu den sogenannten „Benefits“
gehört. Ein sich daran knüpfendes 13. und manchmal sogar 14.
Monatsgehalt erscheint als Ergänzung dazu selbstverständlich.
Natürlich schafft so etwas ein bestimmtes Selbstwertgefühl, die
Anerkennung und eine dazu gehörende Sinnwelt.
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Weihnachten
Liebe, die sich keinem Interesse unterordnet. Liebe
zum „Sosein“, einfach Dasein, zu etwas mit meinen Mitteln
Erkanntem, um das ich mich auch mühe, für das ich
selbstverständlich Geduld aufbringe, - das könnte es sein. Ein sich
Hinwenden zum Anderen und sich solidarisieren mit ihm. Lächelnd auf
ihn zugehen. Ohne Hintergedanken. Mit ihm eins sein. Ihm Zuneigung
entgegen bringen. Hilfe. Das, was ich geben kann. Geben!, - nicht
nehmen.
Sonntag, 13. September 2015
Im Lauf der Zeit
Der
Film „Im Lauf der Zeit“ von Wim Wenders hat sich damals (1976)
als „Roadmovie“ ausgerufen und hat mich damals sehr stark
beeinflusst und beeindruckt. Rüdiger Vogler und Hanns Zischler als
Bruno und Robert ziehen darin der damaligen Zonengrenze entlang,
einer Art Niemandsland. Der eine repariert Kinoprojektoren, der
andere hat eben eine Trennung hinter sich und ist
selbstmordgefährdet. Beide sind relativ in sich gekehrt, sind einsam
und sehnen sich nach Frauen, zu denen sie aber aus sich heraus in
einer Art gezwungenem Abstand bleiben (müssen) und zu denen jegliche
Verbindung problematisch ist. Sie übernachten in ihrem Möbelwagen,
der durch die Dachluke wunderbare Blicke in den Nachthimmel eröffnet
und so den Film in etwas Alltagsmystisches und aus dem Augenblick
Kommendes hinüber ragen lassen, das schon viele Filmemacher gesucht
haben und das manche Western augenblicksweise eingefangen haben: Der
ruhige Blick, die gelassene Haltung, die im scheinbar Kleinen das
Große sehen kann, der Welt nahe kommen in der Poesie. Es entwickelt
sich eine ganz langsame Handlung, die eigentlich keine ist, sondern
das Reisen, das „Sich bewegen von einem zum andern Punkt“ zum
Thema macht. Heute ist Wenders ein Großwesir der Hochkultur. Er
macht viel, stellt auch mit großem Erfolg seine Fotos aus und ist so
etwas wie der romantische Herold des Kinos. Wie er, der ja sein
Projekt damals mehr aus dem Ungefähren heraus lenkte, als er ihm
klare Konturen gab, wohl auf meine Reaktionen reagiert hätte. In
einem Interview zu seinem 70.-sten Geburtstag hat Wenders neulich gesagt:
„Sich überhaupt auf etwas einzulassen, wird ja immer schwerer. Das
gilt für das Kino, aber auch für das tägliche Leben. Denn uns
allen fehlt es an Zeit, die ständig noch kostbarer wird.“ That's it: Zeit.
Der Film heißt „Im Laufe der Zeit“.
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