Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 25. September 2025

Gesellschaftsspiele

Arbeit? Was ist das? Es lassen sich in letzter Zeit manche „Geister“ auf dieses Thema ein. Im öffentlichen Raum, selbstredend. Im Sinne des Wachstums. Des Vorwärtskommens. Da kommen die Trump`schen Zölle gerade recht. So richtig motivierend. Tatsache ist: niemand mehr wird durch Arbeit reich. Es reicht möglicherweise gerade eben so. Allenfalls. Wir nähern uns darin trotz aller sozialer Fortschritte Verhältnissen wie in frühkapitalistischen Zeiten an. Auch so etwas wie Sinnsuche im Job, Selbstverwirklichung, Befriedigung, Erfüllung etc. ist passée oder gilt für manche Upstarts (Gründer) mit einer tollen Geschäftsidee. Entfremdung ist ein altmodisches Wort. Man „macht seinen Job“. Basta. Ob da jemand auf die Idee kommen kann, nur so viel zu arbeiten, wie der Vertrag vorsieht? Business as usual. Dienst nach Vorschrift. Wir sollten gefälligst mehr arbeiten, sagt eine Wirtschaftsministerin. Das wisse man doch schon längst, eilen öffentliche Kommentatoren beflissen zur Hilfe und unterstützen die Ministerin in ihrem Luxus nach Kräften. Aufstieg durch Arbeit? Das war einmal. Auch sämtliche Aufstiegsversprechen sind vergangen, sind passée. Ob sie mal ein Motor des Wachstums waren? Meine Kinder sollen es besser haben als ich? Was angesagt ist: Selbstfürsorge statt Selbstausbeutung (etwa in manchen „freien“ selbständigen Berufen.). „Work life balance, vielgescholten. Begüterte Leute haben das im Sinne der Selbstverwirklichung für sich, identifizieren sich mit dem, was sie machen. Jemand am Fließband hat es damit schwerer. Ausweg? Inneres Wachstum ist angesagt, statt äußerliche Karriere. Sich tot arbeiten, wie die Nachkriegsgeneration? Ob das ein verlockendes Ideal ist? Ausbeutung der Natur? Ruinierung des Planeten. Reiche, die sich selbst „erwählt“ haben, wie etwa Musk, verlassen dann diesen Planeten, werden unter sich sein und mittels der Segnungen ihrer Technokratie eine neue interstellare Menschheit als „Elite“ aufbauen, sofern es sie (die Menschheit als Gesamtes) mitten im KI-Getümmel dann noch gibt.

Montag, 31. Oktober 2022

De Maddin

Was wohl Martin Luther zum Zustand unserer heutigen Gesellschaft gesagt hätte? Klar, der Mann hat im sechzehnten Jahrhundert gelebt. Trotzdem durchweht seine Ansichten ein Geist von Nächstenliebe (ja, auch trotz seines zeitgebundenen Antisemitismus), der so gar nicht zum heute herrschenden Klima der gegenseitigen Ausbeutung passt. Die Maxime, dass Unternehmen und Verbraucher ihren Gewinn und Nutzen maximieren sollen, hätte ihm wohl nicht so recht gefallen, ja, er hätte das wohl angegriffen. Auch das System von Zins und Zinseszins hätte er wohl kaum als gottgegeben akzeptiert, wie es heutige Ökonomen zu tun scheinen. Immer wieder wandte er sich entschieden gegen alle Arten, die Mitmenschen zu übervorteilen, gegen Habsucht, Profitgier und Wucher. Mit der Kapitalwirtschaft hat er damals nichts anfangen können (die Fugger standen geifernd am Horizont). Was er wohl von der heutigen Bankenlandschaft und ihren Handelnden halten würde? Oder von den beispielslosen Betrugsversuchen einer großen Automobil-Firma mit ihrem "globalen" Abgasskandal? Firmen, die sich ihren „Erfolg“ durch schönrednende und lügende (Fake Facts) Werbeagenturen flankieren lassen? Wie er wohl die Doktrin gefunden hätte, dass diejenigen Produkte die besten sein sollen, die dem rücksichtslosesten Konzern am meisten Gewinn versprechen? Welche Rolle wohl bei ihm der sogenannte „Kundennutzen“ gespielt hätte? Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von sakralen Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Oder Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Natur

Wildnis? Natur? Bedroht, Schutzbedürfnis. Arten? Straßen, Schienen, Siedlungsaktivitäten. Wo ist die Natur? Unbearbeitung. Wohin kann das führen? Natur statt Kultur. Geht schon auf Aristoteles zurück. Manch einer, meist bäuerischer Herkunft, redet mit leuchtenden Augen von „daraus könnte man etwas machen...“. Bloß gut, dass man daraus bisher noch nichts „gemacht“ hat, durchzuckt es da einen. Nicht nur fein gemahlene Schottersteine in den Gärten, Mauersteinkorbgeflecht, Beton überall und der Geruch von Diesel können einem wie mir dies Gefühl verderben. Hierzulande, in Baden-Württemberg, scheint mir schon viel zu viel daraus „gemacht“ worden zu sein. Kein Stückchen Land ist da, das nicht vom Menschen, bearbeitet, bewirtschaftet und für Zwecke genutzt wurde. Das Größte: Die Leute sind auch noch stolz darauf! Es herrscht ein Gefühl von Entfremdung von der Natur, das ganz besonders Bevölkerungen wie die der USA geprägt hat: Naturbeherrschung in jeder Dimension war dort das Thema. Flüsse begradigen und sie in riesige Staubecken einführen, mitten in der Wüste den Rasen sprengen, Straßen selbst in unwegsamste Gegenden ziehen, mit dem Planwagen durch den Westen ziehen, in Richtung auf ein Stück land, das einem dort geschenkt sei..... und vieles andere. Der Mensch arbeitet sich an der Natur ab. 
Heute ist das oft genug nur noch die Illusion von Natur. Das, was sich Menschen unter „Natur“ vorstellen. Etwas unbelassen zu lassen? Ist dem mitteleuropäischen Menschen leider oft genug zu fremd gewesen. Es trieb ihn der Gedanke um, wie man etwas ausbeuten könnte, wie man etwas „daraus machen“ könne, wie man etwas daraus ziehen könne. In vergangenen Zeiten war dieser Wunsch auch oft vom Trieb nach Überleben geprägt. Land und seine Bearbeitung waren Garanten dafür, überleben zu können, keinen Hunger zu leiden. Dies Bedürfnis ist nicht weg, sondern es hat sich in andere Regionen dieser Erde verlagert. Der böse geldgierige Brasilianer holzt den Regenwald ab, den wir ja alle für unsere Existenz so dringend brauche. Nur, was machen wir? Was haben wir gemacht? Monokulturen, gleichmäßiges Gelb, das aus Rapsfeldern kommt. Und das alles unter dem Vorwand, den Hunger von immer mehr Menschen stillen zu wollen.....

Mittwoch, 21. November 2018

Entwicklung und Zusammenarbeit (2)

Wie war das nochmal mit dem Kolonialismus? Noch bis heute herrscht dieses Denken vor: Einschlägige Museen zu besuchen kann hier Aufschluss verschaffen. Es galt halt n der Vergangenheit, neue Länder zu erschließen und zu expandieren. Die Entstehung der Kolonien ist von Anfang an vom Herrschaftsanspruch der Kolonialmächte bestimmt. Lange galt die angebliche Überlegenheit der weißen Rasse als naturgegeben und diente zur Legitimation. Den „kulturell zurück gebliebenen Völkern“ sollte nämlich die Zivilisation gebracht werden. Sie zwingen der jeweiligen Bevölkerung ihre eigenen Gesetze, ihre Sprache und ihren Glauben auf und unterwerfen sie damit einer für sie fremden Kultur. Den Kolonialisten geht es in erster Linie um politische, militärische und ökonomische Macht. Die einheimische Bevölkerung wird gezwungen, Abgaben an die Kolonialherren zu leisten. Viele treibt diese Steuer in den wirtschaftlichen Ruin. Wer sich aber widersetzt, wird bestraft, getötet oder zu Zwangsarbeit verdammt. Auch Menschen werden zur Ware. Der Sklavenhandel kommt von Afrika aus so richtig in Schwung und bringt den Europäern viel Profit. In Ketten werden die Afrikaner auf die Sklavenschiffe gebracht. Die Gier der Europäer wächst. Überall auf der Welt entstehen Kolonien. Ins zwanzigste Jahrhundert hinein umfasst diese Bewegung fast den gesamten Erdball. Im großen Stil beuten die Kolonialisten nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Rohstoffe aus. Für den optimalen Profit werden bestehende Grenzen missachtet und neue willkürlich gezogen. Die Produktion richten die Kolonialherren oft auf landwirtschaftliche Erzeugnisse aus. Das Nord-Süd-Gefälle, das bis heute besteht, wächst unaufhörlich. Im reichen Norden häufen die Nationen immer größere Reichtümer an und bauen dabei auf die Strukturen, die sie im Kolonialismus herausgebildet hatten. Im Süden hingegen gibt es immer mehr Armut. Das geht womöglich bis heute so, denn viele dieser formal unabhängigen Staaten sind wirtschaftlich noch von ihren ehemaligen Kolonialherren abhängig. Rücksichtslose Ausbeutung dieser Länder scheint auch im Verbund der EU noch angesagt.