Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 1. Juni 2026

Erinnerungen?

Man entdeckt Reste in sich. Dessen, was man einmal war. Ob man das noch ist? Ein Gefühl umschleicht einen. Ob es Wehmut ist? Nein, früher war nicht alles besser! Aber manches war anders: Ein Beweis dafür, „dass es auch anders geht“. Man war in Scheis Notwendigkeiten eingezwängt. Man war Objekt, kaum Subjekt. Aber man hatte Zeit. Die verbrachte man oft mit Warten... Ich war ausgestoßen. Es kam mich hart an, dass ich als einziger im Schwimmunterricht aufblasbar orangenfarbene Schwimmflügelchen tragen musste, weil ich nicht schwimmen konnte. Heute kann, den letzten Statistikzahlen nach, ein viel zu großer Prozentsatz junger Menschen nicht schwimmen. Es wurde einem klar, dass man nicht konkurrenzfähig war, dass man auf einen Beobachterposten verbannt war. Man war nicht dabei, wenn es bei den Fußballmannschaften ans Wählen ging, bzw. man gehörte immer zu den letzten, die gewählt wurden. Zwei Leute gingen mit Fußlängen aufeinander zu. Wer nicht mehr in die Lücke kam, hatte verloren. Der andere durfte wählen. Man übte nachmittage lang vor dem Haus das Fußballspielen. Man war in diese Bewegung verliebt. Sie durchpulste einen. Sie motivierte einen. Sie trieb einen. Man entwickelte Sympathie für die, die ebenfalls ausgeschlossen waren. Man sah, wie die sich Mühe gaben und entdeckte Gemeinsamkeiten. Heute sind die Vielen toleranter. Alles geht unter in einer Wolke elterlicher Sympathie. Weich gepolstert. Bloß nicht zu hart sein..... Eltern haben Zeit dafür, der soziale Codex gebietet ein bestimmtes Verhalten. Ach, Selbstmitleid ist nicht erlaubt.......

Sonntag, 16. März 2025

Geruch zurück

Sonntagmorgen. Ich erinnere mich an eine andere Zeit. Sonnendurchflutete Zeit, die durch mich und den Bauernhof gegenüber floss: Die Sonne, der Geruch, eine Mischung aus Mist, frischer Luft und Gras, darin mein Erfahren, einerseits der Wiederkehr des Augenblicks, andererseits der Sensation, die darin lag. Da war meine Sehnsucht hinaus an den Horizont, ins Draußen der Möglichkeiten, die Beständigkeit und Veränderung, die darin ihre Selbstverständlichkeiten gewann und dem festen Kreislauf dessen entsprach, was man gemeinhin Natur nennt und was damals meine Selbstverständlichkeit war. Man war beschützt und behütet vor jenen Krisen und Katastrophen, die uns jetzt immer selbstverständlicher scheinen. Meine Familie nahm teil an Kreisläufen des Austauschs dessen, was man zu geben und zu nehmen hatte. Aus heutiger Sicht geschah das in großer Natürlichkeit. Das Land, der Boden, die Erde. Alles war da. Man trat hinaus und es überkam einen ein Hauch all dessen. Er umgab einen, ohne dass man darüber nachdachte. Das Muhen der Kühe, ab und zu, garstige Notwendigkeiten und überlieferte Formen: das war die Form, in die sich auch Plätze, Häuser, Ansammlungen von Menschen aller Art gossen. Sogar die Paarungen aller Art. Man war klein, am Anfang, alles war Versprechen und Möglichkeit. In einer noch unscharfen Form wurde man sich seiner selbst bewusst.

Sonntag, 26. November 2023

Katalysator

Ob man solche Katalysatoren braucht? Billigen italienischen Wein gesoffen und mich dabei leise an meine Jugend erinnert. Wir soffen das Zeug damals in diesen dicken Flaschen aus EU-Beständen. Bis zum Erbrechen. Bis zum Koma. Viel zu oft. Das war der Gesundheit nicht gerade förderlich. Aber wer schert sich darum, wenn er jung ist? Klar, wir haben ja nur das Angenehme wahrgenommen, das, was uns in schöner Sicherheit umfing. Heutzutage saufen diejenigen, die es sich leisten können, teuren Barolo aus der Toskana, „Chateau Mouton Rothschild“ aus der Gegend um Bordeaux (Wo der Klimawandel die Winzerei auch nicht mehr zum reinen Vergnügen werden lässt) oder wie das Zeug alles heißt. Sie haben was davon. Das Zeug ist ja wirklich gut. Habe mich auch davon überzeugt. Mir hingegen geht es jetzt schlecht, ich scheise schleimig und ich nehme es immer noch nicht so einfach hin, dass es so ist. Ich kenne den Geschmack, den man auch haben kann, wenn man ihn sich leisten kann. Ich habe auch die Leute dazu kennen gelernt, die so etwas wie selbstverständlich zu sich nehmen. Die sich abschotten können im Genuss. Das ist immerhin besser als alte Sportwagen sammeln, Oldtimer, Öko-Häuser oder selbst vollbrachte Heldentaten. Das alles kann auch ein Hobby sein. Vorallem Technikbegeisterung, gerade dann, wenn man selbst ein Oldtimer ist. Dann hat man die Zeit und das Geld und die Muse dazu. Ich beobachte das. X x Do you need such catalysts? Drinking cheap Italian wine and quietly remembering my youth. Back then we drank the stuff in these thick bottles from EU stocks. To the point of vomiting. To the point of coma. Far too often. That wasn't exactly good for your health. But who cares when they're young? Sure, we only noticed what was pleasant, what surrounded us in a pleasant sense of security. Nowadays, those who can afford it drink expensive Barolo from Tuscany, “Chateau Mouton Rothschild” from the Bordeaux area (where climate change is no longer making winemaking a pure pleasure) or whatever the stuff is called. You get something out of it. The stuff is really good. I convinced myself of that too. I, on the other hand, feel bad now, I shit slimy and I still can't easily accept that this is the case. I know the taste you can have if you can afford it. I also got to know people who take something like this for granted. Those who can isolate themselves and enjoy themselves. After all, that's better than collecting old sports cars, classic cars, eco-friendly houses or self-performed heroic deeds. All of this can also be a hobby. Above all, enthusiasm for technology, especially if you are a classic car yourself. Then you have the time and the money and the muse to do it. I'm watching this.

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Nostalgie (2)

Du würdest gerne einmal die Zeit anhalten, festhalten. In dich hinein holen. Deshalb bist du deshalb so oft zurück an die Orte deiner Kindheit gefahren. Genau diese Kindheit in mich herein holen, darum ging es mir. Eine ganze Persönlichkeit werden. Eine komplettere. Durch mich selbst. Ich habe stets das Disparate zusammenzudenken versucht, das, was nicht passt, die Gegensätze zusammen zu zwingen, sie zueinander zu biegen, - wie in meiner Musik und meiner Denke. Die unerwarteten Brüche anstreben. Das Uneinheitliche. Neue kreative Räume dadurch erschließen, sollten für mich dadurch aufgehen. Meine jüngste Musik aber ist auch eine Erinnerung an meine Vergangenheit, mit heutigen Mitteln realisiert. Sie hat sich dazu (rück-) entwickelt. Ich merke, wie ich schon länger dabei bin. Im Leben und in der Musik. Ich suche dazu die spontanen Ergüsse. Den Versuch, in sich zu finden, spontan auszugraben und dadurch Authentisches zu finden, - noch nicht aufgegeben. Damals, in den Achtzigern, war das ein scheinbar vorgegebenes Ziel. Es war weithin akzeptiert, wenn auch unterschwellig.
Heute mache ich das aus einem weiteren Gesichtskreis heraus. Natürlich sind andere besser darin. Klaro. Das habe ich aber vergessen. Andere sind immer besser. Das habe ich gelernt. Meine eigenen Wurzeln anzuzapfen, ist mein Ding, dem ich nachgehen will. Es kommen zu lassen, statt es bewusst herbei zu führen. Einen Ausgleich dadurch zu schaffen. Ich will versuchen, möglichst das aus mir heraus holen, was in mich hinein gegangen ist. Darüber zu staunen, dass ich das auch bin. Und dann zu spielen mit Stilmitteln, mit Verweisen, mit Anspielungen, indirekt, unaufdringlich, nicht notwendig dem Dekonstruktivismus zugewandt. Kein intellektuelles Konzept verwendend. Eher meine Biografie umsetzend. Mir selbst folgend. Mir im weiteren Sinne. Meine Brüche. Mein Zerfallen im Nichts auch. Die sanften und unsanften Nabel der Digitalisierung aufnehmend. Die kollektiven Verweise. Meine Undeutlichkeiten und mein Versuch, deutlicher, klarer, übersichtlicher, allgemeinverständlicher zu werden. Meinen Spekulationen spielend Formen geben. Auch im scheinbar Konventionellen und allzu Einfältigen. Strukturen einsetzen, aber sie nie allzu ernst nehmen. Die „grauen Anzüge“ von einst haben heute einen anderen Inhalt. Sie sind reine, unkennbare und anonyme Funktionsträger, Alpha-Tiere auch weiblichen Geschlechts, die ihr öffentlich dargebotenes Ich auftreten lassen, die es als Vorbild und Leitbild präsentieren. Künstler passen sich ihnen gerne an, ja, sie lassen sich oft allzu willfährig zur Werbung und in der Trash-Showwelt missbrauchen. Ich nicht. Ich alter Negativist......

Sonntag, 10. Mai 2020

Sonntagmorgen


Sonntagmorgen. Ich erinnere mich an eine andere Zeit. Sonnendurchflutete Zeit, die durch mich und den Bauernhof gegenüber floss: Die Sonne, der Geruch, eine Mischung aus Mist, frischer Luft und Gras, darin mein Erfahren, einerseits der Wiederkehr des Augenblicks, andererseits der Sensation, die darin lag. Da war meine Sehnsucht hinaus an den Horizont, ins Draußen der Möglichkeiten, die Beständigkeit und Veränderung, die darin ihre Selbstverständlichkeiten gewann und dem festen Kreislauf dessen entsprach, was man gemeinhin Natur nennt und was damals meine Selbstverständlichkeit war. Man war beschützt und behütet vor jenen Krisen und Katastrophen, die uns jetzt immer selbstverständlicher scheinen. Meine Familie nahm teil an Kreisläufen des Austauschs dessen, was man zu geben und zu nehmen hatte. Aus heutiger Sicht geschah das in großer Natürlichkeit. Das Land, der Boden, die Erde. Alles war da. Man trat hinaus und es überkam einen ein Hauch all dessen. Er umgab einen, ohne dass man darüber nachdachte. Das Muhen der Kühe, ab und zu, garstige Notwendigkeiten und überlieferte Formen: das war die Form, in die sich auch Plätze, Häuser, Ansammlungen von Menschen aller Art gossen. Sogar die Paarungen aller Art. Man war klein, am Anfang, alles war Versprechen und Möglichkeit. In einer noch unscharfen Form wurde man sich seiner selbst bewusst.

Sonntag, 14. Juli 2019

Erinnerungen? - sind in einem.....

Man entdeckt Reste in sich. Dessen, der man einmal war. Ob man der noch ist? Ein Gefühl umschleicht einen. Ob es Wehmut ist? Nein, früher war nicht alles besser! Aber manches war anders: Ein Beweis dafür, „dass es auch anders geht“. Man war in Scheis-Notwendigkeiten eingezwängt. Man war Objekt, kaum Subjekt. Aber man hatte Zeit. Die verbrachte man oft mit Warten... Ich war ausgestoßen. Es kam mich hart an, dass ich als einziger im Schwimmunterricht aufblasbar orangenfarbene Schwimmflügelchen tragen musste, weil ich nicht schwimmen konnte. Heute kann, den letzten Statistikzahlen nach, ein viel zu großer Prozentsatz junger Menschen nicht schwimmen. Es wurde einem klar, dass man nicht konkurrenzfähig war, dass man auf einen Beobachterposten verbannt war. Man war nicht dabei, wenn es bei den Fußballmannschaften ans Wählen ging, bzw. man gehörte immer zu den letzten, die gewählt wurden. Zwei Leute gingen mit Fußlängen aufeinander zu. Wer nicht mehr in die Lücke kam, hatte verloren. Der andere durfte wählen. Man übte nachmittage lang vor dem Haus das Fußballspielen. Man war in diese Bewegung verliebt. Sie durchpulste einen. Sie motivierte einen. Sie trieb einen. Man entwickelte Sympathie für die, die ebenfalls ausgeschlossen waren. Man sah, wie die sich Mühe gaben und entdeckte Gemeinsamkeiten. Heute sind die Vielen toleranter. Alles geht unter in einer Wolke elterlicher Sympathie. Weich gepolstert. Bloß nicht zu hart sein..... Eltern haben Zeit dafür, der soziale Codex gebietet ein bestimmtes Verhalten. Ach, Selbstmitleid ist nicht erlaubt.......

Samstag, 17. Juni 2017

Politiker, Machtmenschen und ihr Tod

Herb gestaunt habe ich gestern abend ob dieser unerträglichen Verherrlichung eines rücksichtslosen Machtmenschen. Eine solche haltlose Verherrlichung und Anbetung hat wohl auch mit der gesellschaftlichen Unfähigkeit zu tun, mit dem Tod als Teil des Lebens umzugehen. Diese Gesellschaft liebt den Kitsch und die gezielte Verdrängung als peinliche Selbstüberhöhung. Realistisches „Gedenken“ scheint ihr unmöglich und fehl am Platze, besonders angesichts von Politikern, die sich als Vollzugsorgane der Geschichte gerieren.
Als einer, der sich vom „Herrn K.“ auf diese oder jene Art hat prägen lassen müssen, muss ich zu bedenken geben, dass ich vieles ganz anders als in diesen Sendungen dargestellt erfahren habe. Ich habe es anders erlebt. Dies beschert mir jetzt eine Enttäuschung angesichts dieser Unterwürfigkeitsorgie, die als Porträt oder Nachruf daherkommt. Der Herr K. war ein Machtmensch durch und durch, der all seine potentiellen Widersacher aus dem Weg geräumt hat und uns einen Stillstand in jeder Hinsicht beschert hat. Er war sogar der Verwalter des Stillstands. Dies festzustellen geziemt sich natürlich nicht jetzt, in diesem Moment, in dem das feierliche „Gedenken“ regiert. Wow, die Lügen der Politik und des Politikbetriebs zu analysieren, ihre Techniken und Mechaniken zu studieren, wann gibt es einen besseren Zeitpunkt dafür als dann, wenn ein allgemeines Interesse noch einmal kurz aufflammt? Wenn nicht jetzt, ja wann denn dann? In den früher oder später abgehaltenen Seminaren irgendwelcher Hochschulen? In den Hinterstuben der Politik? In den Kreisen jener „Eliten“, die sich ja ohnehin immer in ihrer politischen Korrektheit einig sind? Der Herr K. war doch beispielhaft einer derer, die sich immer und überall durchgesetzt haben. Er war der personifizierte „Wille zur Macht“, der sich letztenendes in seinem Größenwahnsinn sogar über dem Grundgesetz stehend empfand. Einer, der seine Macht wie selbstverständlich für sich in Anspruch nahm, ein Mann des letzten Jahrhunderts, der die Chancen, die sich ihm boten, im Einklang mit dem Zeitgeist und als Opportunist weidlich für sich ausnutzte. Der „große Europäer“? Nun ja, trotz aller Orden und Ehrentitel: Nicht nur seine „späten Jahre“ dürften hier einiges relativiert haben...
„Jetzt ist nicht der Moment, sich mit dieser - allenfalls - „Fußnote der Geschichte“ zu befassen, so erfahre ich über die Rechtsverletzung, mit der er sein „Außerhalb des Gesetzes stehen“ bräsig und trotzig vertrat. Er war ja nach seinem Selbstverständnis schließlich „ein Beweger der Geschichte“, ein „ganz Großer“, dem das zustand, was er sich selbst zustand.... Dass er offenbar überall „Loyalität“ verlangte und abforderte, dass er die "Einheit" mitzunehmen und geschickt umzusetzen verstand, wird ihm von heute aus in diesen Sendungen als Kennzeichen großer Staatskunst gedeutet. Als „Glücksfall der Geschichte“ und der Menschenführung. Was das bedeuten konnte, wirkt womöglich bis heute nach. Dass er Vertrauensverhältnisse aufbaute, um sie schließlich politisch zu nutzen und auszunutzen, hat dem „Herrn K.“ große Verdienste gebracht, so heißt es. Auf „Augenhöhe der Geschichte“ aber schien mir der Herr K genauso ein Getriebener wie der Herr G., mit dem er sich so gut und von tausend kuscheligen PR-Bildern gestützt verstand (auch der Herr G. wird nicht unbedingt aufgrund seiner Herzensgüte im Machtapparat seiner Partei und seines Landes so weit gekommen sein..... Sie, die beiden Herren, waren wohl auf „einer Augenhöhe“, wie es heutzutage so oft heißt)  

Sonntag, 5. Februar 2017

Seele und Unsterblichkeit

Auf den ersten Blick scheint es dem Geist der modernen Wissenschaft nicht zu entsprechen: das Weiterleben nach dem Tod. Aber es gibt diesbezügliche Erfahrungen. Unerklärbar und geheimnisvoll. Stets wiederkehrende Elemente von solchen Nahtoderfahrungen sind ein Gefühl tiefen inneren Friedens und Wohlbefindens. Ein Licht, das Wärme und bedingungslose Liebe ausstrahlt. Begegnungen mit Gott oder einem allmächtigen Wesen. Ein Verlassen des Körpers, um ihn von oben oder aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Wissenschaft auf ihrem heutigen Stand tut so etwas gerne als Halluzination ab, die ein gestresstes Gehirn entwickelt, weil seine Nervenzellen zu wenig Sauerstoff erhalten. Aber das Gehirn in einem solchen Zustand ist dazu eigentlich nicht fähig. Doch was ist eigentlich Bewusstsein? Wo kommt es her und wo geht es hin, wenn wir sterben? Diese Fragen scheinen damit verknüpft. Zum Beispiel Narkose. Wer es schon einmal erlebt hat, kennt den Effekt: Man ist oder war völlig weg, hat keinerlei Vorstellung davon, wie lange dieses Blackout gedauert hat: Minuten, Stunden? Das Gefühl für diese Zeit ist weg. Doch jetzt ist man wieder voll da. Das Gehirn auch. Es scheint die ganze Zeit über weiterexistiert zu haben. Hirntätigkeit und Bewusstsein sind Dimensionen, die auseinander gehen können. Theorien: In ihrem Zentrum stehen die Nitrotubuli. Diese wachsen in den Zellen wie ein Wald und bestimmen die Struktur dieser Zellen. Es gibt die These, dass sie molekulare Informationen verarbeiten können. Dies wiederum würde zur Folge haben, dass etwa das Gehirn wie ein Quantencomputer funktioniert, nicht hier nicht dort, sondern mal hier, mal dort : zusammengefasst würde das bedeuten, dass alles mit allem zusammen hängt. Und zwar auf eine Weise, die sich uns nicht immer erschließt. Eine Veränderung der Nitrotubuli könnte also auch eine Veränderung anderer Zellen anregen. Der Clou: diese Zellen könnten auch außerhalb unseres Systems liegen. In der Quantentheorie ist jeder Punkt im Raum ein Informationsträger, selbst der Raum in einem Vakuum. Im Feingewebe des Alls existieren Informationen, die möglicherweise mit uns verbunden sind. Ein Ereignis dort kann sich auch hier auswirken. Die Nitrotubuli könnten also nach quantentheoretischer Betrachtung auch mit denen des Alls und des ganzen Universums verknüpft sein. Informationen sind nicht mit dem Tod verschwunden. Die Bewusstseinsinformationen könnten - im Gegenteil! - auf quantentheoretische Weise mit denen des Universums verschränkt sein. Unsere Seelen könnten aus einem grundlegenderen Stoff als Nervenzellen gemacht sein, denn ihre Informationen existieren fort. Vielleicht für immer. Sie könnten schlichtweg ein Teil des Ganzen sein, sie könnten dem nahe sein, was viele Menschen als Gott bezeichnen. Wir bestehen insofern aus demselben Material, wie das Universum selbst. Bewusstsein oder die Vorstufe davon gibt es im Weltall vielleicht schon seit dem Urknall. Durch den Tod könnten solche Informationen nur auf eine neue Weise über das Universum verteilt werden. Buddhistische und hinduistische Lehren vom kosmischen Bewusstsein umkreisten das schon lange, - von einem anderen Standpunkt aus. Am Ende ist das Bewusstsein vielleicht die Materie selbst? Bewusstsein als Quantenprozess? Es könnte sein..... es ist eine Hypothese, die auch schon ganze Religionen ausgefüllt hat. 

Freitag, 3. Februar 2017

Seele und Nahtoderfahrungen

Ist da noch etwas jenseits aller Biologie, etwas, was unsere Seele ausmacht? Die Wissenschaft hat lange einen großen Bogen um diese Frage gemacht. Doch aktuell scheint diese Frage wieder eine neue Aktualität gewonnen zu haben. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Das Geheimnis von Raum und Zeit und der Enstehung des Lebens ist dennoch nicht entdeckt. Ist der Tod das Ende und danach nur ewige Stille? Dunkelheit und sonst nichts? Oder gibt es in uns einen Funken, der über unser physisches Dasein hinaus weiterlebt? Früher oder später mag sich diese Frage jedem von uns stellen. Wie kann gestern noch jemand da sein – und heute nicht mehr? Ob damit alles zu Ende ist - oder doch nicht ganz? Christen und Muslime glauben an einen Himmel für die Guten und an eine Hölle für die Bösen. Andere Religionen sehen in dem Tod nur eine Durchgangsstation zum oder einer anderen Daseinsform oder zu einem weiteren Leben auf der Erde. Die Grundannahme ist dieselbe: der Körper ist nur eine Durchgangsform für die unsterbliche Seele. Ob die Annahme einer Seele auch wissenschaftlich haltbar ist?
Es gibt mittlerweile etliche Nahtoderfahrungen, deren Bericht uns auf eine Spur bringen könnte: Welt aus der Regenbogenperspektive, dunkle, Braun- und Rottöne ringsherum, ausgelöschtes Sprachvermögen, keine Erinnerung an das momentane „reale“ Leben, keine Wahrnehmung, dann aber Licht, drehende Lichtpunkte, nach und nach verdängt er diese Erd- und Bodenweltt und führt einen ohne jedes Körperbewusstsein in eine liebliche Auenlandschaft. Ein Etwas sein, undefiniert nichts und alles, danach ein Verlassen der Welt, des Universums in Richtung auf einen Kern. Ein Empfinden von unendlicher Größe und Dunkelheit, gleichzeitig die warme Präsenz des Göttlichen. Da ist Gott und die Liebe als treibende Kraft. 

Sonntag, 18. September 2016

Foto, Spiegel, Erinnerung, Zeit

Aus dem Buch „Lichtbilder“ über den russischen Regisseur Andrej Tarkovskij (2004): „(Als) unmittelbarer Spiegel der Erinnerung, setzt jede Fotografie eine unbewegliche Spur dessen, was war, den fixen Abdruck von etwas, das nicht mehr so ist wie zuvor, das stumme Leichentuch eines Menschen, der für immer aus unserem Gesichtskreis verschwunden ist. Und als schierer Akt des Erinnerns scheint die Photographie auf einzigartige Weise das Verschwinden und den Tod zu bezeugen – der Menschen ebenso wie der Gefühle, die uns mit ihnen verbinden, der Dinge ebenso wie der Orte, denen sie zugehören...“
So gesehen ist der Akt des Erinnerns das Registrieren einer unserem Bewusstsein durch die äußere Realität aufgenötigten Gegebenheit, entsprechend der inneren Logik der Notwendigkeit, den unentrinnbaren Gesetzen der Natur oder auch jenem euklidischen Mechanismus von Ursache und Wirkung, der die Geschichte des Menschen in der Form der Tragödie strukturiert und bestimmt. Der Künstler muss, wie Tarkovskij sagt, in der Lage sein, „über die Grenzen der linearen Logik hinaus zu gehen und das besondere Wesen der subtilen Bezüge und geheimsten Phänomene des Lebens, dessen Komplexität und Wahrheit wiederzugeben“.