Reise durch Wirklichkeiten

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Dienstag, 23. Juni 2026

Ironie und Mitmenschen

Okay, zu viel der Ironie! Da muss aufgepasst werden, dass man nicht allzu zynisch daherkommt. Ein bisschen Übertreibung hier, eine versteckte Pointe dort: So was ist nicht jedermanns Sache. Das habe ich unter anderem auch bei meinen Kritiken für eine größere Tageszeitung gespürt. Es wurde sehr empfindlich reagiert und teilweise falsch verstanden, was man extra gedrechselt ausgedrückt hatte, auch, um den eigenen Geschmack nicht absolut zu setzen und ihn als kennzeichnendes Signal auszuweisen. Teilweise richtig persönlich wurde man da angegangen, meist mit der Unterstellung, man habe ja keine Ahnung und sei überhaupt nicht bei der Veranstaltung gewesen, sonst hätte einem ja auffallen müssen, dass…..usw. Beliebt war auch die Drohung, ein Abonnement sofort abzubestellen, was wohl um die Ecke herum Druck auf mich ausüben sollte. Ja klar, wer austeilt, muss auch einstecken. Doch die Art, wie man angegangen wurde, diese simple und peinliche Identifikation mit den „Stars“, diese tumbe Art, gegen jede Kritik kräftig auszuteilen und sich immun gegen jede Art von Zweifel zu machen, diese peinliche Identifikation mit denen, die daraus ihr Geschäft machen wollen, das hat mir dann doch gestunken. Hatte man nicht gehört, dass da der weltbeste Gitarrist zugange war? Ich nahm wohl zu direkt und einfach eine bestimmte Art von Niveau an, und wohl auch der Bereitschaft, sich mit etwas auseinander zu setzen, einer Meinung, einer Einschätzung, einer bestimmten Perspektive von jemandem ganz bestimmtem. Was gefordert wurde, war mehr von dem, was man selbst als Objektivität definierte angesichts eines Sujets, das doch relativ subjektiv besetzt ist. Objektivität bedeutete meist, unbekümmert einer bestimmten Meinung zu sein. Alles gut. Alles klasse! Nun denn….

Dienstag, 7. Oktober 2025

Der Schaurige

Er war einer, der für mich das Schaurige mit einbezog, war ich doch allein schon durch mein Studium mit dem Expressionismus befasst, in den er trefflich zu passen schien: Tom Waits. Da war das Ungerade, Umgeschlachte, aber auch das Aufgeblähte, der Vaudeville, viel durchlöcherter, verlumpter Jazz, Musical, Jahrmarkt- und Kirmesmusik, Ironie, Humor, Unfassbares. Er warf Fragmentiertes in den Raum, blendete auch das Hässliche stark auf, das Leiden, das Röchelnde, er beschrie das Düstere, beschwor es, wobei er für seine Szene ungewöhnliche Instrumente einsetzte, Marimbas, Oboen, Fagott, Klarinette… etc. Damit schien er allzuoft auf dem Friedhof zu landen, aber auch auf der Abfallhalde. Er brachte Falsches in Anschlag, zelebrierte Sentimentalitäten, das Richtige im Falschen - nur, um es im nächsten Song an scharfkantigen Realitäten zerschellen zu lassen. Er schien oft aus einer Gosse zu tönen und dem Sensenmann auf der Spur zu sein. Da war kein Schöngesang, eher ein grölendes Herausstoßen von Versen, Lauten Klängen, oft durch ein verzerrendes Sprachrohr des übel Unverdauten gestoßen, des Beschimpften, Versoffenen Tremolo, da war ein Keuchen, das in Brecht/Weill-ähnliche Landschaften führte, da war ein durch Abwasserschächte hindurch aufgenommenes Taumeln und Stolpern, ein Plärren und Geröchel, das mich manchmal ins Erschrecken führte, weg von den Plastikwelten. Jetzt sind da für mich die Vinylscheiben, aber auch die CDs.

Mittwoch, 15. November 2023

Melancholische Heiterkeit

Es war ja vergangene Woche viel Loriot, auf allen Kanälen. Zu Recht! Er erschien mir zuletzt (auch ohne runden Geburtstag!) immer mehr als Exponent einer mit der alten Bundesrepublik untergegangenen Epoche, des Einzelhandels, der Etikette, des nach außen dokumentierten Status, der zur Schau getragenen Führungsaufgaben mit samt ihren Ritualen, der spießigen Miefigkeit, die damals herrschte. Aber man lebte in einer gewissen Sicherheit, die Loriot nach meinem Geschmack auf liebenswürdig distinguierte Weise antippte, präzise und – was sich später auszahlen sollte – detailverleibt. Seine Sachen (er war ja eine Universalbegabung!) konnten auf diese Weise einsickern in uns: Steinlaus, Grzimek, Bettenkauf und „Sie haben da was im Gesicht“, „Mutter, wir danken dir“, "Ich heiße Erwin Lottemann..." und Opa Hoppenstedt und Vieles andere. Ich las zuletzt von einer Heiterkeit, einer melancholischen Heiterkeit, die ihn mit einer direkten Verbindung zum schwarzen Untergrund des Lebens ausgestattet habe, die die Tragik nicht leugne und auch nicht weglache, sondern in etwas anderes wende. Nun ja, in was, das ließ das Bildungsbürgertum stets offen. Aber genau das scheint mir der Punkt: Im heutigen Zeitalter der social media-Kanäle, der schnell flüchtigen Aufmerksamkeit und der offen demonstrierten Gewalttätigkeit ist so etwas nicht mehr gefragt. Der Rest des übrig gebliebenen Bildungsbürgertums kreist um sich selbst, ergeht sich in eitler Selbstbewunderung, preist seine verlogene Weltgängigkeit oder ist ohnehin längst abgesunken in ein Prekariat, vor dem sich nur die – „Survival of the Fittest“ – „Tüchtigsten“ noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Gut abgefederte Heiterkeit muss man sich heute mehr denn je leisten können.

Mittwoch, 5. Juli 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Thomas Bernhard scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus wohl auch eitel und geil auf Anerkennungen war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Donnerstag, 22. Juni 2023

Lachen als Gelderwerb

Comedians, denen man es nie zugetraut hätte, beteiligen sich an dämlichen Gewinn- und Ratespielen, wollen uns fortwährend zum Lachen bringen und scheinen jegliche Glaubwürdigkeit auf diesem Wege zu verkaufen (es los zu werden...). Doch das ist offenbar in diesem Gewerbe egal. Eben noch hielten sie feinsinnig melancholisch und humoristisch gefärbte Reden, zweifelten oder verzweifelten - schon sind sie für ein nettes Gehalt zur schenkelklopfenden Belustigungsindustrie gewechselt, halten dauerlächelnd peinlich genau Formate ein und passen sich halbwegs offensichtlich jeglichen Erwartungen an. Dauergrinsen ist angesagt. Jeder Satz eine Pointe. Alles ein Spass.

Donnerstag, 12. Januar 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Er scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus auch eitel war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Samstag, 10. Juli 2021

Unterhaltung

Comedians, die man mal ernst nahm, raten im TV regelmäßig die Antworten, die sie auf Fragen nicht wissen. Und wir müssen das zum unterhaltsamen Lächeln des liebsamen Moderators lustig finden. Er könnte ein Schwiegersohn sein, ein Liebling, er stellt die Fragen, er ist die Person und macht unterhaltsame Miene zum miesen Spiel. Er plaudert fesch daher und trägt eins der ewig gleichen sympathischen Gesichter, die einem gerade deswegen so auf den Geist gehen können, die einen mit ihrer ewigen guten Laune nerven können. Daneben sind Schauspieler oder andere Schausteller, die von vornherein deppert sind. SchauspielerInnen? Sind auch Models, InfluencerInnen, Personen aus einer Scheinwelt. Seht her, wir sind auch Menschen, die nichts wissen!, scheint die Message dieses skurrilen aber weithin akzeptierten und sogar bewunderten TV-Geschehens zu sein. Die ersten und letzten, die besten und schlechtesten, die schönsten und die hässlichsten sowie die von der Vergangenheit geprüften Gesichter sitzen in wichtigen Stühlen und raten gut gelaunt um die Wette, lachen über ihre eigenen Witze und zeigen sich von ihrer anderen Seite, die aber in ihrer lächerlichen Gleichartigkeit mittlerweile total abgenutzt erscheint. Dazwischen wandeln ein paar abgegriffene Blondinen mit üppiger Oberweite, die sich als Moderatorinnen oder als verdiente Models gerieren. Sie machen mäßig lustige Bemerkungen, sind aber besonders bei den männlichen Zuschauern beliebt, weil sie sich unwillkürlich vorstellen, sie wollten mit diesen Frauen schlafen, sie träumen sogar davon, ihre Begierden diktieren es ihnen. Das hat die Natur so eingerichtet, scheinbar. Weil aber die Mechanismen überall die gleichen sind, kennt man gerade diese Mechanismen schon allzu gut und greift zum Parfum oder der Unterwäsche, die diese Namen unter ihrem Namen als Markenzeichen in einschlägigen „Shops“ auch anbieten. Sie stellen sich aus, machen für Geld alles, bieten sich und überhaupt alles an. So drängt sich ein Konsumtraum auf, dem man sich unwillkürlich öffnet, von dem man beherrscht wird. Man schnappt nach der Möhre, die sich aber vor einem immer weiter entfernt und nur so tut, als sei sie erreichbar. Ein lächerlicher Vorgang. Man ertappt sich dabei und findet das peinlich. Alles.

Samstag, 10. Oktober 2020

Satire, wir stehen Schmiere

Satire? Darf alles, kann alles – so das Verdikt. Mir scheint, dass es sich unter diesem Mantel recht wohl anfühlt. Es ist wohl eine Art Schutzschild. Gleichzeitig wirkt sie, diese Satire, auf mich befreiend. Ich bin froh, dass es beispielsweise so etwas wie die „Heute-Show“ im deutschen Fernsehen gibt. Es wird da oft der doppelte Boden gezeigt, auf dem sich die „offizielle“ Politik bewegt. Das, was uns vorgespielt wird, das, worin wir gezielt getäuscht werden sollen. Die menschlichen allzumenschlichen Schwächen dieser öffentlichen Akteure werden vorgeführt. Die Inszenierungen. Die Lächerlichkeiten. Es wird angedeutet, dass vieles vielleicht anders sein könnte. Dass es sich zumindest lohnt, darüber nachzudenken. Was ich nicht verstehe, ist das Geheule von Journalisten, die durch eine solche TV-Sendung die Demokratie in Gefahr sehen. Mir scheint, solche Leute nehmen den Zirkus unter der Käseglocke in Berlin zu ernst. Sie identifizieren solches Gehabe mit der Demokratie. Wenn es so wäre, wäre es sehr schlecht bestellt um die Demokratie. 
Die allzu seriös auftretende Front der Politik lächerlich zu machen und sie als Trottelbande vorzuführen, erscheint mir als verdienstvoll, als Fingerzeig darauf, dass hier auch nur Menschen mit all ihren Fehlern, mit ihren Taktierereien, mit ihren Eitelkeiten und ihrer Gier am Werke sind. Dass solche Darstellungen bzw. Entlarvungen so  etwas Politikverdrossenheit erzeuge, damit müssen diese Politikdarsteller leben. Klaro gibt es da viele mit überzeugender moralischer Einstellung. Aber es scheint auch viele Figuren zu geben, denen es vor allem um Geld, Macht und Einfluss geht. Dass dies relativ leicht zu belegen ist, weist auf den Zustand der Politik nicht nur in diesem Lande hin. Man sollte sich darüber lustig machen, man sollte es begrinsen – wenn man solche Figuren schon nicht belangen oder sie zur Verantwortung ziehen kann.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Dasein und Begegnung

Auszug aus einem ungeschriebenen Roman von mir, der nie vollendet wurde und in ausgewählten Teilen eine Begegnung beschreibt, die scheinbar nicht in Oberflächlichkeiten versackt:  

"Vielleicht bin ich in all den Jahren ein anderer geworden, so dachte er. Kann ihr nichts mehr geben. Habe meine „geistige Existenz“ vertrocknen lassen. Weil sie nichts wert war. Weil sie geradewegs in die Arbeitslosigkeit führte. Weil ich sie nicht verkaufen konnte. Weil ich keine Ahnung vom Verkaufen hatte. Nicht die geringste. Weil genau das die wahre Wirklichkeit war, diese verdammte harte Wirklichkeit, diese Sphäre der Stärke, die zählte. Auch für sie. Sie hatte die Leichtigkeit, damit umzugehen. Du bliebst in deiner bedrückenden kleinen Melancholie zurück. In deiner Untätigkeit und scheinbar reinen Betrachtung.
Du und Ich. Wie können wir „wir“ sagen? Können wir das denken? Wie kommen wir überhaupt dazu? Löst sich das im entscheidenden Moment in einer Lächerlichkeit auf? Keine Ahnung. Du hast das Fragen aufgegeben. Das hieß für dich „Erwachsen werden“."

Trotzdem ist dies hier in Dokument der Resignation...

Donnerstag, 14. Februar 2019

Wirklichkeiten aus Perspektiven


Ich erfahre zunehmend, dass ich „Unwesentliches“ äußere, auf das es nicht lohnt, einzugehen. Eigentlich wollte ich auch genau dieses „Unwesentliche“ aufsuchen, was zwischendurch fällt, was niemand als wesentlich (oder auch oft so bezeichnet: „relevant“) wahrnimmt, das Dreckige unter den Fingernägeln, was niemand beachtet und doch Gesamtsituationen auf verschiedene Weise beeinflusst, ja sogar prägt. Es wäre eine Ehrenbezeichnung für mich, wenn es so wäre, dass ich Unwesentliches zur Sprache bringen würde. Doch jetzt befinde ich mich in einem Konflikt, denn wegen der genannten Gründe will sich auch so gut wie niemand damit auseinander setzen, was ich zu äußern habe. Es gelingt mir immerhin, das mit Humor zu sehen, mich selbst in diesem kleinen Stück nicht gar so ernst zu nehmen - die anderen allerdings auch nicht. Vieles scheint mir eine Frage der Perspektive zu sein, etwas, mit dem sich besonders der Journalismus etwas mehr auseinander setzen sollte.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Für TB

Demnächst wird Thomas Bernhard 30 Jahre gestorben sein! Im Februar. Der Übertreibungskünstler, der immer so gerne mit Superlativen gespielt hat. Der Grantler und Humorist. Der Skandalist. Der Melancholiker, Pessimist und Ironiker. Wäre heute total out. Dieser zynische Lächler, der ja so wunderbare Texte geschaffen hat. Der Lachphilososoph, der ganz konkret mit einer Krankheit zum Tode leben musste. Der noch in einem Zeitalter lebte, in dem man an die Macht des Wortes glaubte. Der seinen Texten so viel Musikalisches gab, unter anderem auch, indem er Musiker als Künstler auf seine eigene Art beschrieb. Die Musik in seiner Sprache, die Sequenzen, die typische Ausdrucksweise, die Wiederholungen, die allmählich eine eigene, distanzierte Ausdrucksweise ergaben. Wie er zur Uraufführung seines Stücks „Heldenplatz“ vom Balkon des Wiener Burgheaters herabwinkte und dazu fein lächelte. Der eben abgeebbte und nun wieder aufkommende Faschismus, den er geißelte. Er, der „Geistesmensch“, die Anderen, die „Lebensmenschen“. Jener, der konnte, sollte musste, und endlich, in seinem Ohrensessel sitzend, Worte an sich herab gleiten ließ. Der nichts auf sich gab und doch eitel war. Der Preise verabscheute und doch genoss. Der Mann, der um seine Todesgewissheit kreiste, der von Vergeblichkeit wusste, - auch der Kunst, deren Künstler er oft in Lächerlichkeit versinken ließ. Sein Humor: Nichts und niemanden ernst nehmen. Sein Bauernhof, in den er von Wien aus umzog und der total kahl nur aus weiß getünchten Zimmern zu bestehen schien. Das alles imponierte uns.

Samstag, 10. März 2018

Heute als Schau


Jüngst wollte ich wieder einmal die „Heute-Show“ im Zweiten Deutschen Fernsehen sehen, schaltete etwas zu früh ein, und war, wie immer, erstaunt darüber, dass die „offiziellen“ Nachrichtenleute so offensichtlich wohlwollend das Kommende erwarteten, ja, dass sie sich regelrecht darauf zu freuen schienen. Als seien sie froh darüber, dass einer mal das Richtige sage und behaupte, während sie selbst zu Verlautbarungen im Sinne und Interesse gewisser Kreise und/oder eines etwas bemühten "Professionalismus" gezwungen seien. Ich stutzte angesichts dessen mal wieder ob einer gewissen Schizophrenie. Die einen verbreiten „das Seriöse“, die anderen spielen die Hofnarren. Ob das die dahinter steckende Rollenteilung ist? Wobei mir das auch in der Rolle des Moderatoren zum Ausdruck zu kommen scheint. Auf der einen Seite moderiert er höchst seriös und ernst Fußballübertragungen, wobei er gerne den Fußballexperten Oliver Kahn interviewt. Auf der anderen Seite gibt er den Harlekin, der mit ironisch getönter Mine seine Späße in der "Heute-Show" macht. Als „Professionalismus“ wird auch so etwas gerne abgetan. Der kann halt alles. Ob das aber nicht überhaupt die Rolle des Kabaretts und seiner satirischen Verwandten in unserer Gesellschaft beschreibt? Das Ablassventil zu spielen, mal richtig Dampf ablassen und pointiert zu sein mit einer gewissen Wahrheit? Die kann man später ohnehin dann herunterspielen, schönreden und abtun. Es geht um Macht. Das alles tun, um auf der anderen Seite von den Mächtigen als komische Spaßmacher nicht ganz für voll genommen zu werden? Alles kann ja bloß dann eine Wirkung haben, wenn möglichst viele Personen sich damit tätig auseinander setzen. Sie wären im Anschluss daran aber leicht gebremst in ihrem Glauben an die "richtigen" Abläufe in dieser Gesellschaft. Die Gags der "Heute-Show" wirken auf mich zum Teil klasse und sogar entlarvend. Sie scheinen mir ein bisschen von der Wahrheit zu enthüllen, bedienen in diesem Moment aber nur eine bestimmte "Blase" derer, die sowieso ähnlicher Meinung sind. Und Meinungen kosten nichts. Wenn bloß diese Bremse im bisher gezeigten Sinne nicht wäre! Die Zuweisung von Rollen. Wenn bloß nicht Stäbe von Machern hinter solchen "Produktionen"  stecken würden, die unter anderem ihre Eitelkeiten untereinander und ihre vorgefertigten Einstellungen zu befriedigen suchen. 

Sonntag, 17. Dezember 2017

Das Göttliche, das Suchen (1)

Sich selbst finden. Achtsamkeit in sich entdecken, das klingt jetzt sehr modisch. Zeitgeistig halt. Wer wollte das nicht? Das Göttliche in uns finden. Wenn es schon keinen Gott mehr gibt! In der Ruhe und Entledigung all dieser Scheinvorstellungen. Sich kein Bild mehr davon machen, was größer als wir selbst ist. Das Paradies? Muss das sein? Was ist das Nichts? Nichts tun, was jemand anderes schaden könnte. Hohe Moral, aber es kann das Zusammenleben und das gemeinsame Suchen leichter machen. Vielleicht. Muss das alles sein? Regeln, Verbote? Es scheint etwas sehr Menschliches zu sein und einem Bedürfnis zu entsprechen, dass der Befolgung von außen kommender Vorschriften das Heil zuspricht. Auch das Paradies oder das ewige Leben. Gibt es eine Angst vor dem Tod, die als Motivation für Religionen wirken könnte? Nun ja, die Geschichte ist voll davon.... Ist Meditation das Loslassen der Welt als Befreiung? 
Blöd nur, das es dazu auf dieser Welt noch andere Voraussetzungen geben muss. Die Verhältnisse, die sind leider so. Weltfremdheit wurde mir bewusst, Lächerlichkeit. "Die andere Ebene" rückt für mich dadurch immer mehr in die Ferne. Sich selbst finden? Ja, im besten Falle. Aber wann tritt der beste Fall wirklich ein? Das „Göttliche“ in mir selbst finden. Ja, es ist in mir, möglicherweise. Manche haben es den "göttlichen Funken" genannt. Aber wie kann ich ihm besser näher kommen? Mit meinen bescheidenen Möglichkeiten? Mit meinem „heißen Bemühen“ nur? Hingabe? Es stark wollen, - oder gar nichts wollen? Überhaupt erscheint es mir immer fragwürdiger, sich ein Bild vom Göttlichen zu machen und sich ihm mit irdisch geprägten Vorstellungen nähern zu wollen. Das stimmt nicht mit meinen Vorstellungen darüber überein, dass es etwas Größeres ist, etwas, was über unseren Geist hinaus geht. Welche Anmaßungen, unseren Geist und seine Möglichkeiten, ja, überhaupt den Menschen absolut zu setzen! Vielleicht gibt es ja eine Ahnung davon, was darüber hinaus geht? Nur das. Der Atheismus war für mich nicht nur deswegen auch niemals eine Lösung, ein Ziel. Für mich.

Sonntag, 28. Februar 2016

Spassgesellschaft

Moderne Harlekins verkaufen sich um die Wette. Machen Scherze, spielen mit der realen Umgebung, führen etwas vor. Sie haben die lustige Zipfelmütze auf und verkaufen genau das, diese Pose, - wie einst ihre Vorfahren. Niemand nimmt sie ernst, denn sie sind ja die Harlekine. Sie halten Leuten den Spiegel vor und die, die sich darin sehen, nennen das „Freiheitliche Grundordnung“. Jeder kann lachen, so lange er will. In der „Privatheit“. Es ist dadurch noch mehr entwertet als früher. Es ist völlig bedeutungslos geworden, eine Belustigung, Teil eines herrschenden Hedonismus. „Ich will Spass“, damit sang sich schon ein Sänger vor vielen Jahren prophetisch in die Hitparaden und gab damit ein Motto aus. Es ist dies ein Teil der real existierenden und umwerfenden Gewalt. Selbst schuld, wer damit Probleme hat. Soll er ein Geschäft daraus machen und seine Verzerrungen als Narretei verkaufen. In dieser neoliberalen Gesellschaft ist alles zu kaufen und zu verkaufen, das scheint „alternativlos“. Experten gerieren sich als Spezialisten dazu. Werbespots führen eine geschönte Realität vor und erzielen ihre Wirkung. Man fragt sich, ob man träumt. Das kann doch nicht wahr sein, - ist es aber. Das gilt, nichts anderes. „Pursuit of Happiness“ möglich machen, selbst das ist ein Traum der Vergangenheit, ausgeträumt in den USA als Folge einer Flucht aus den alten Verhältnissen. Aus dem alten, beengten Europa. Was aber heute tun? Dämmernd resignierend in sich verschwinden?

Samstag, 27. Februar 2016

Komödie Comedy Life

Ich verschwinde in der Bedeutungsebene einer Comedy-Sendung, ich sehe offenbar alles mit einem humoristischen Abstand. Ich muss lachen, ich nehme wenig oder gar nichts mehr ernst. Ich löse mich von der Realität um mich herum und täusche mich mit anderen. Ich lasse mich animieren. Es erfasst mich eine Leichtigkeit. Doch die Sendung ist plötzlich aus und die raue Wirklichkeit fasst einen an. Ich habe noch Probleme, verschiedene Dinge um mich herum ernst zu nehmen. Schon den aprupt folgenden Programmhinweis, den „Trailer“, finde ich urkomisch. Ist aber gar nicht so gemeint. Ich bin in die einzige Situation hinein gerutscht, die mir als solche eine Zeit lang Probleme macht. Ich erkenne sie nicht richtig, diese Situation. Ich finde ihre Figuren lächerlich. Ich bin nicht rechtzeitig zurück gekehrt in die „wahre“ Bedeutung. Ich bin wohl kein Realist. Die humoristische Deutung hat mich gekriegt, sie hat mich offenbar ganz erobert, - für eine gewisse Zeit. Ich bleibe am Fernseher und sehe Nachrichten. Wie grotesk, das alles! Und diese Figuren! Die meinen es ernst! Letztenendes reden sie immer vom Geld, nur ich scheine diesen „Ernst des Lebens“ zu verkennen. Was ist das? Kneif mich! Ausgerechnet ich abgehoben? Von einem „Programmplatz“ angeregt? Das geht gar nicht. Absurd. Bizarr. Was ist das? 

Sonntag, 29. November 2015

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Er scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus auch eitel war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.