Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 26. Januar 2024

Schopi, der alte Zausel

In der Tat ist die Todesfurcht von aller Erkenntniß unabhängig: denn das Thier hat sie, obwohl es den Tod nicht kennt. Alles, was geboren wird, bringt sie schon mit auf die Welt. Diese Todesfurcht a priori ist aber eben nur die Kehrseite des Willens zum Leben, welcher wir alle ja sind. Daher ist jedem Thiere, wie die Sorge für seine Erhaltung, so die Furcht vor seiner Zerstörung angeboren... diese also, und nicht das bloße Vermeiden des Schmerzes, ist es, was sich in der ängstlichen Behutsamkeit zeigt, mit der das Thier sich und noch mehr seine Brut vor jedem, der gefährlich werden könnte, sicher zu stellen versucht. Warum flieht das Thier, zittert und sucht sich zu verbergen? Weil es lauter Wille zum Leben, als solcher aber dem Tode verfallen ist und Zeit gewinnen möchte. Eben so ist, von Natur, der Mensch. Das größte der Uebel, das schlimmste, was überall gedroht werden kann, ist der Tod, die größte Angst Todesangst. (A. Schopenhauer)

Sonntag, 9. Januar 2022

Mitternachtslied (F. Nietzsche)

 

O Mensch Gib acht!


Was spricht die tiefe Mitternacht?

"Ich schlief, ich schlief-,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-

Die Welt ist tief und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh-

Lust, tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit-,

Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"



(Nietzsche, aus „Zarathustra“)


Dienstag, 25. Juni 2019

Augenblicksschmerz

Ein Stück Scheise löst sich von einem Auto, du glaubst das nicht, hast Wut, - hat die das nicht befestigt!, so etwas ist doch rücksichtslos, doch die Lage wird unausweichlich, das Ding kommt auf dich zu, es ist außer Kontrolle, die Wirklichkeit bleibt stehen, die Augenblicke dehnen sich. Das Unvermeidliche stößt mit dem Zufall zusammen und kommt auf dich zu. Du kannst nichts dafür, - wird das Auto dein Schicksal?, - ungerecht, warum eigentlich ich? Du wirst das selbstfahrende Auto nicht mehr erleben, davor wirst du selbst ausscheiden aus dem Kreis der Teilnehmer. Es wird dich jetzt zerfetzen, Blut wird fließen, dein eigenes Blut, es wird dir schlecht, nein, du spürst das Gefühl kommen, ein Idiot.... Du hast nicht mehr lange, ausweichen wird unmöglich, vielleicht hast du Glück, vielleicht ist alles nicht so schlimm, Rasiermesser, die langsam eindringen, die Welt da draußen, die läuft weiter mit ihren Auswechselspielern, gelegentlich geht jemand ab, was macht's? Ohne dich, ohne mich existiert die Welt nicht... oder doch? Aber das alles geht weiter...und immer weiter.......

Samstag, 30. Dezember 2017

Wahrnehmungsroutinen

Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt...und handelt dann wieder ganz anders...aus Gewohnheiten heraus. Aber vielleicht können wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen, können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um einen herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Frei von größeren akuten Schmerzen sein, das deutet auf ein gewisses Maß an Gesundheit hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt sah und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten. Wer das an engen Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert. Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo in uns selbst zu empfinden, mag die Wirkung verstärken. Daraus Kraft zu beziehen, auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir uns durchringen, sofern das geht.....