Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 29. März 2021

Sanierung

 Ich wundere mich über ein Blatt, dessen Artikel mir früher einigermaßen empathisch und zumindest sozial mitfühlend vorgekommen waren. Jetzt lese ich dort einen Artikel, der die von mir in den letzten Jahren wahrgenommene Richtungsänderung aufs Schlimmste zu bestätigen scheint. Gerade hymnisch wird dort ein Firmensanierer als „Retter“ gepriesen, dessen Leistung es zu verdanken sei, dass das in betreff stehende Unternehmen überhaupt noch existiere. Dass er die Belegschaft dabei um die Hälfte reduziert hat, ist nur einer Nebenbemerkung zu entnehmen. Man scheint sich also an dieser Stelle ganz der Logik der neoliberalen Marktwirtschaft ergeben zu haben, die den Menschen ausschließlich als Kostenfaktor sieht, der das Fortkommen eines Unternehmens mindestens verlangsamt, wenn nicht gar unmöglich macht. Ob wenigstens ein oder mehrere relativierende Sätze da angebracht gewesen wären? Ob man hätte wenigstens andeuten können, dass hier eventuell Schicksale von Einzelnen dahinter stehen könnten? Menschen? Durch „schwierige Zeiten“ habe der Rettungsbringer die Firma auf diese Weise hindurchbringen können, so feiert der Artikel weiter. Es sei durch Krisenjahre und Umstrukturierungen hindurch in Richtung auf neue Profitabilität gegangen, dank der führenden Heilsfigur.


Donnerstag, 9. Januar 2020

Unternehmerporträts

Die großen Porträts, die die Medien auf die Massen knüppeln, - was preisen sie zu oft? Das unternehmerische Selbst. Wirtschaftsführer, die genau dem folgen, was ihnen die Wirtschaft sagt, die sich also besonders gut anpassen. Die Leitfiguren könnten auf diesem Gebiet Steve Jobs etc. sein. Ob solche Figuren ihr gesamtes Tun nicht etwa unter das Gebot der Gewinnabsicht stellen (gestellt haben)? Ob das bei ihnen im Vordergrund steht, allein schon durch die Funktion, die ihnen übertragen wird (von wem auch immer..)? Dem Gemeinwohl verpflichtet sein, über seine Gruppe hinaus denken, scheint diesbezüglich einigermaßen verboten. Ziel ist es, neben dem Ideal, als Ego möglichst viel zu verdienen, bewundert zu werden und den eigenen Status aufwerten zu können. Ob es da ein Ausweg ist, in erster Linie an sich selbst zu denken und nicht einem Leitbild zu folgen? Hm. Ob da nicht viel mehr die Richtung sein könnte, ungehorsam zu sein? Also heraus treten aus der Masse? Ob sich da ein Paradox auftut? Nietzsches Zarathustra, wollte der, dass ihm die Massen in seinem Nonkonformismus folgen? An sich selbst denken: Individualisierung oder Globalisierung?

Sonntag, 8. September 2019

Erfolgsfiguren

Ich lese und sehe immer wieder Interviews mit Personen, die uns als „erfolgreich“ vorgestellt werden. Dabei handelt es sich meist um Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Marke stark nach vorne gebracht haben sollen und schon in jungen Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben sollen. Was mir auffällt: diese Personen wurden meist durch ihr Elternhaus „programmiert“, waren früh an ein Dasein als Unternehmer gewöhnt. Man gibt an, schreibt vor, bestimmt, lenkt und - entlässt meist (die Begründungen hat man ja schon früh gelernt: Einsparungen, Kostensenkungen etc. ---betriebswirtschaftliche Kategoerien, die man als universell gültig "verkauft"). D.h., diese Personen waren schon früh optimal an die Verhältnisse dieser Gesellschaft angepasst. Sie hingen keinen unnötigen Idealen nach, sondern waren eindeutig auf die Größe „Profit“ fixiert. Eigeninitiative dabei zu entwickeln und Netzwerke für sich und ihr „Anliegen“ rücksichtslos konsequent zu nutzen, sogen sie quasi mit der Muttermilch auf. Kritisch mit sich zu sein (als eine ständige Validierung) gehört da selbstverständlich dazu, das hat man meist auch im Studium der Betriebswirtschaft gelernt, das einem vom Elternhaus ermöglicht wurde.  Der Gegenentwurf scheint mir die Selfmademillionärin oder der Selfmademillionär zu sein. Sich durchschlagen um jeden Preis“ scheint hier die Devise zu sein. „Sich durchsetzen“ mit allen Mitteln. (Nach der Logik der Kapitalgesellschaften) Geld einsammeln von anderen Personen und dabei Sicherheit vorspielen, auch wenn man total unsicher ist.
Auf ein Ziel fixiert zu sein und kurzfristige Trieberfüllung dafür verschieben zu können, das ist es, - immer gewesen. Die bessere Idee haben, hart arbeiten, permanenter Wettbewerb, Rücksichtslosigkeit. Die harte Haltung der Umwelt gegenüber internalisiert haben, sie zur eigenen Persönlichkeit werden lassen und damit spielend auf andere Personen so zugehen, dass ich diese eigenen Wesenszüge gewinnbringend einsetze, dass ich möglichst smart und soft erscheine. Einen gewissen Lebensstil als Selbstverständlichkeit pflegen, weil einem dieser nach eigener Einschätzung „zusteht“. Die Fähigkeit, rechtzeitig umsteigen zu können - also eine Firma (mit all ihren Beschäftigen, die ja etwas zu dem „Erfolg“ beigetragen haben könnten) - zu verkaufen - scheint auch etwas zu sein, was solche Menschen auszeichnet. Mitmenschen scheinen für solche Unternehmerfiguren nur eine austauschbare Größe zu sein, die einem selbst nützen. Den Weg dazu eben oft auch neue Technologien, deren Eignung als Kapitalvervielfältigungsmaschine diese Leute früher als andere Personen erkennen und für sich zu nutzen versuchen. Die nötigen Phrasen, um dies als große Egostory zu „verkaufen“ haben ihnen meist einschlägige Think Tanks (Gedankenfabriken) oder ihre Verbände (als „notwendiges Übel“) nahe gelegt. Sie sind meist gestanzt und klingen etwas phrasenhaft. Tiefer darüber nachzudenken bleibt meist keine Zeit oder bringt keinen Profit. Delegieren an fähige(ere) Personen ist auch etwas, was man als solche Figur gelernt hat (auch wenn es noch genug Unternehmerfiguren "alter Prägung" gibt, die vorgeben, alles besser zu wissen). 

Samstag, 3. Juni 2017

Menschen(ver)führung (3)

Welche Charaktereigenschaften sollten fähige Manager haben? Sollten sie auf gewisse Weise „verrückt“ sein? Es sollte ihnen beispielsweise nichts ausmachen, Kinder in Indien arbeiten lassen, um den Gewinn zu steigern. Sie sollten im Kopf schnell sein, ausgesprochen egoistisch, charming und bezaubernd, ohne Moral und gute Redner. Sie sollten bei aggressiven zwischenmenschlichen Begegnungen überlegen wirken, sich und ihr Pläne gut verkaufen können und sie sollten - sehr überzeugende Lügner sein. Sie sind oft Leute, denen man sich und wichtige Entscheidungen anvertraut, gleichzeitig sollten sie Skrupellosigkeit ausstrahlen.
Da ist zum Beispiel Richard Fuld, Spitzname „Gorilla Fool“, der einstige Bankenchef von Lehmann Brothers. Er galt als ein Mensch, wie wir ihn mit seinen Merkmalen oft bei Mitgliedern der dunklen Triade finden. Dazu gehören die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Das Modell wurde von den kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M Williams im Jahr 2002 entwickelt. Diese Menschen zeichnet oft ein gefühllos-manipulativer Stil aus. Besonders Führungskräfte scheinen sich eines solchen Stils oft zu befleißigen. Dieser ist offiziell in unserer Gesellschaft nicht erwünscht, gleichzeitig scheint er aber zu großem Berfufserfolg zu führen. Richard Fuld predigte die grenzenlose Gier und
hatte einen ausgestopften Silberrücken in seinem Büro in voller Größe. Das machte den Leuten, die mit ihm zu tun hatten, Angst - und strahlte Bedrohung aus. Sein Gebaren entsprach dieser Anmutung voll und ganz. Seine Wutausbrüche waren legendär. Nicht nur dies ließ viele Menschen, die mit ihm zu tun hatten, zu dem Schluss kommen: „Der ist verrückt“. 

Montag, 15. Mai 2017

Menschen(ver)führung (2)

Im Spagat sein zwischen Gewinn und Gewissen? Man wird als „Führungskraft“ wohl hoch dafür bezahlt, dass man reichlich unsoziale Sauereien durchführt. Welche Rolle bei der Jagd nach der Profitmaximierung wohl die Ethik spielt? Gibt es abseits der vielzitierten und oft als PR-Geschütz eingesetzten „Compliance“-Regeln noch einen Verhaltenscodex? Oder haben sich die betreffenden Leute komplett in ihre eigenen Bezüglichkeiten verabschiedet, aus dem heraus man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht? Welche Rolle spielt die Rolle des Chefs in der digitalen Arbeitswelt? Gibt es neue, der Zeit entsprechende Modelle dafür? Wie wird man eine „Führungskraft“? Sich durchsetzen, sich über etwas hinweg setzen, Selbstbewusstsein haben bis hin zum Narzissmus? Etwas teuer machen für gewisse Leute, etwas erschwinglich machen für andere, seinen Willen multiplizieren und ihn hinausschleudern in die Welt? Muss es jemand geben, der am Ende entscheidet? Wann ist man ein guter Entscheider? Wie bemisst sich das? Wer will das beurteilen? Organisationen sind unübersichtlich. Eine Möglichkeit, sie einfacher zu machen, ist, sie zu personifizieren. Möglichst in einem starken Individuum, das oben ist, sehr viel Geld verdient und das keine eigenen Probleme haben darf. Eine Organisation zu führen, mag Menschen mit psychopathischen Zügen nach sich ziehen. Sie in einem sozialen Zusammenhang, einem Unternehmen oder einer staatlichen Einheit zur Geltung zu bringen, mag die Aufgabenstellung charakterisieren. Machiavellismus (hierarchische Strukturen für sich benutzen) - Narzissmus (Selbstliebe) – Psychopathie, - das sind Voraussetzungen, also problematische Verhaltensweisen, die sich auch noch untereinander kombinieren. Es geht dabei weniger um Menschen, als vielmehr um Ziele, die mit allen Mitteln zu erreichen sind („instrumentelle Aggression“). Egoistisch, charmant, schnell von Begriff, egoistisch, ohne Moralvorstellungen, angstlos, gute Redner, ohne Skrupel, andere aus dem Weg zu räumen.....sich und seine Pläne gut verkaufen können, - auch durch Lügen. Das macht Leute aus, denen man sich anvertraut. 

Samstag, 13. Mai 2017

Menschen(ver)führung (1)

Welche Charaktereigenschaften wohl Wirtschaftsführer, also Manager auszeichnen? Abgefahrene Verrücktheit? Ein bisschen "far beyond"? Um an die Spitze zu kommen, braucht es das Maß an Besonderheit, das die Vielen nicht haben. Woraus diese "Besonderheit" wohl besteht? Vielleicht sind es heutzutage aber eher „spezielle Typen“, die ein Team um sich haben, das seine Fähigkeiten einbringt. „Bei einem solchen Spitzenmann, wie dem unseren, muss das so sein, dass er verrückt ist“ - so eine gängige Einstellung von „Untergebenen“. Muss er das wirklich? Muss er nicht vielmehr gewisse Dinge nüchtern einschätzen können und sich mit Situationen konstruktiv auseinandersetzen können? Man muss in jedem Falle ziemlich rücksichtslos sein, so eine weitere Einschätzung, denn man müsse als Führungskraft die Ziele einer Organisation verwirklichen. Um jeden Preis. Man müsse Menschen „führen“, was alleine schon viele unangenehme Assoziationen erwecken kann..... Doch der Mensch brauche Führung, ihm müsse gesagt werden, „wo es lang geht“. Deshalb brauchte es auch einmal einen "Führer". Widerlich. 
Dass da ein „Manager“ sei, habe etwas Beruhigendes, so eine Aussage. Denn es vermittle das Gefühl, dass eine Einzelperson für alles verantwortlich sei. Finde man für diese Position die Richtige oder den Richtigen, sei das Problem der Vorgabe, Führung und Orientierung gelöst. Ob sich nicht dahinter mehr eine Systemfrage befindet, das etwas mit „Verrücktheit“ zu tun hat? Ob es noch zeitgemäß ist, eine Organisationseinheit streng hierarchisch als eine Art Diktator zu führen? Ob dies die Kreativität eines Mitarbeiters zu befeuern vermag? Ob es ihn motiviert? Ob es bei Führung um die Figur des Guten gegen die Figur des Bösen geht? Wie etwa im Märchen? In der Sage? Da sind ja die vielen Geschichten um große Frauen (weniger...) und Männer und ihre sensationellen Taten. 

Dienstag, 14. März 2017

Nummer Eins

Volkswagen ist nun wieder die Nummer Eins. Auf nahezu allen Gebieten. Weltweit. Verdient wieder Milliarden. Abgasdesaster hin oder her. Vergleiche halfen, Strategien zur Abwehr traten in Kraft, es wurde gespart. Ob uns das etwas sagen kann, über den Umgang mit Unternehmen, mit Firmen, mit anderen Staaten, über den Umgang mit uns selbst? Ob dabei merkantile, also kaufmännische Interessen eine große Rolle spielen? Ein bisschen Lüge wird ja noch erlaubt sein. Werbung macht das ja auch, dauernd. Ein bisschen Schummelei gehört zum Geschäft. Grauhaarige oder glatzköpfige Herren besetzen Entscheiderstühle und hauen eben mal ein paar freche Bemerkungen raus. Sind sich keiner Schuld bewusst. Entlassen Leute, stellen und setzen frei. Bedienen sich am Pool der Leiharbeiter. Bauen ab. Rationalisieren. Lenken Firmengeschicke. Wird ja alles wieder gut. Der Staat hilft da gerne mit. Sitzt ja mit im Aufsichtsrat. Und spätestens hier führt eine Linie zum neu ausgerufenen „Postfaktizismus“ oder den „Alternative Facts“. Es geht um gefühlte Wahrheiten, denen mit Macht Nachdruck verschafft wird. Tatsachen behaupten, nur Populisten lügen? Solange es „der Wirtschaft“ nützt? Aber wem nützt „die Wirtschaft“? Und wem nützt es, wenn sich in der Öffentlichkeit ein Strukturwandel vollzieht? Fakten reihen sich ein, gehen in einem „Narrativ“ auf und nehmen je nach Weltanschauung verschiedene Farben an. Fragen an solche Erzählungen („Narrative“) zu stellen, darum ginge es. Den großen Vereinfachungsformeln nicht so einfach glauben, weil die Welt halt unübersichtlicher geworden ist. Entschädigungen? Ja, aber..... andere sind ja auch....? Überschreitungen auch nach an Technokraten delegierten Updates? Hm. Wieder getäuscht. Nichts dazu gelernt.   

Dienstag, 10. Mai 2016

Chaos und ökonomische Ordnung

Der Mensch lebt auch (!!!) aus dem Chaos, aus dem Ungeordneten heraus. Das Nichtwissen, das Staunen, könnte ein Bestandteil seiner Existenz sein. Vielleicht sogar ein wesentlicher. Das ist unter Umständen weit entfernt von der Industrie 4.0, die uns jetzt angekündigt ist und die die Wirtschaft total umkrempeln will, indem sie Arbeitsplätze abschafft und die Produktivität massiv erhöht. Die Wirtschaft umkrempeln! Mit dem Menschen ist das einstweilen noch etwas schwieriger. Da ist das Problem der Akzeptanz. Aber da sind ja jetzt schon die Armbänder, die ein Feedback geben und einem beibringen, was es bedeutet, sich gesund zu bewegen im Alltag und seine Gewohnheiten dadurch zu optimieren. Alles ist ja nur ein technologisches Problem. Und die Menschen machen ja jetzt schon vieles freiwillig: Sie messen über Armbanduhren, die sie dann gerne „Wearables“ nennen, ihren Puls und ihren Kalorienverbrauch. Ob das nur ganz bestimmte Leute sind? Wohin die Daten gehen? Und was passiert, wenn jemand, eine Institution oder ein Unternehmen, Zwang dahinter setzt und gestützt durch seine red- und schreibseligen PR-Arbeiter ein unbedingtes Muss einfordert? Wenn es erst um geldwerte Vorteile und dann um die Nachteile dessen geht, der nicht mitmacht? 

Freitag, 8. Mai 2015

Neues Altes vom Onkel

Gibt den leutselig onkelhaft grinsenden Fahrensmann in Sachen Europa, schwadroniert mal über dies und dann über das und macht böse Sachen vergessen, die man nicht vergessen sollte. Onkel Juncker von der EU hatte vor genau einem Jahr schwer zu kämpfen. Und zwar nicht gegen seinen Kumpel, Scheinrivalen und Mitbewerber um das Amt des Kommisionspräsidenten Martin Schulz von den EU-Sozis, sondern gegen die europakritischen Kräfte von Rechts. So geht halt Europawahlkampf: der Feind steht rechts, auch wenn ich ihn nicht verstehe. Überall schienen sie stärker zu werden, die Bösen. Auch die, die gegen die Superbürokratie waren und sind. Was jetzt ist, ist völlig egal. Denn sie haben ja gewonnen und das Fell des Bären zwischen sich zerlegt. Die Kohle wird abgegriffen. Nach bestem Einvernehmen. Da ist kein Wundern mehr über vermeintliche Europamüdigkeit. Nein, die Entourage hat gut gearbeitet und die Verhältnisse abgesichert. Die Journalisten haben ihren Job gemacht und das Ganze wortreich abgesegnet, - und sei es noch so absurd. Ohne Europa geht es nicht. Das mag wohl sein und spricht einem glühenden Europäer wie mir aus der Seele. Nur: muss es deshalb Juncker oder Schulz sein? Die scheinbar vernünftiges Zeug von sich geben, in Wirklichkeit aber das Gegenteil davon machen können? Darin sind sie sich einig, die beiden. Europa und das Flüchtlingsproblem. Gibt es da eine Richtung, eine Bemühung, sich auf irgendein Konzept zu einigen? 
Das Abholzen der Palmen in Indonesien für den europäischen Biosprit, das Abfischen der Küsten von Afrika? Lösung? Ob das zu den Aufgaben eines Kommissionspräsidenten gehören würde? Nein, natürlich nicht! Sie wissen alle institutionell begründeten Begründungen für ihr seltsames Nichtstun. Ausschüsse werden gegründet, Sonderkomissionen einberufen. Höchstens. Europa als Wertegemeinschaft, die von den Lobbyisten ausgestattet und zusammengehalten wird.
Was ist denn dieses Europa für eine Veranstaltung? Hat es nicht im vergangenen Herbst nicht schon „Luxleaks“ gegeben, wobei von investigativen Journalisten aufgedeckt wurde, wie der Juncker über viele Jahre hinweg die Großkonzerne zu sich nach Luxemburg eingeladen hat, um mit ihnen zu besprechen, wie man auf Kosten der Miteuropäer und zum Vorteil Luxemburgs möglichst viel Steuern sparen kann? Darüber konnte man reden. Ablenkungsmanöver stehen heute jederzeit bereit: auch Irland oder Holland standen dafür gerne zur Verfügung und waren gerne dabei, wenn es darum ging, die anderen Europäer steuermäßig auszutricksen. Nicht nur die armen Luxemburger! Diese Armen! Die Konzerne zahlten auf Anraten ihrer Unternehmensberater und in Absprache mit den Luxemburger Herrschenden offenbar schon mal lächerliche Steuersätze. Wow! Kein Wunder, dass die Multis da gerne kamen und kommen. 
Aber danach und darauf kam Griechenland mit seinem arroganten Spieltheoretiker gerade recht, um davon abzulenken und alles wegzukehren unter falsche Teppiche. Mal hier eine Pose und dort eine Umarmung: Die es mit den Steuern nicht ganz so genau nehmen und solche dämlichen Belastungen nur gewissen Kreisen zumuten, die verstehen sich doch gut in diesem Europa! Die einen lassen Großkonzerne profitieren, die anderen wollen den sozialen GAU abwenden. Sind eigentlich auch Unterschiede. Aber die Gemeinsamkeiten haben überwogen. Kumpels unter sich. Wir wenden uns ab mit Grauen. Und wollen an ein Europa ohne solche Menschen glauben. Der Onkel lächelt maliziös dazu.

Montag, 4. Mai 2015

Umsetzer

Umsetzer werden für Sauereien bezahlt, für die strategische Umsetzungen der Ideen ihrer Vorgesetzten. Umsetzer sind Unteroffiziere oder Abteilungsleiter im Krieg der Unternehmen. Sie drücken Lösungen durch, die ihnen aufgedrückt worden sind. Wer das Vorliegende nicht technisch kompetent  umsetzt (ihre eigene Meinung mag da ganz anders sein, sie sich zu verbeisen, dafür werden sie bezahlt, die „Macher“), gefährdet seine „Karriere“ ernsthaft, wird abberufen. Es sind die Poliers, die Schleifer, die mehr umsetzen als führen sollen, Natürlich sollen sie von Menschenführung eine Ahnung haben und Maßnahmen durchdrücken oder realisieren können. Sie sollen sich Gedanken über die technische Umsetzbarkeit dessen machen, was ihnen als Lösung vorgesetzt wird. Arme Schweine sind die Stellvertreter der Umsetzer. Sie müssen die Lösungen, die ihren Vorgesetzten vorgesetzt worden sind, gegenüber den tatsächlichen Machern umsetzen.