Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Mittwoch, 8. Juli 2026
Worte
WORTE
Alle Worte sind Geräusch gewesen und sind wieder dazu geworden
Missbrauch und Verlogenheit, im weißen Rauschen untergegangen
dessen, was jeder sagt, jeder hat eine Meinung
Worte sind missbraucht und zu Werbung geworden
für Produkte und eitle Egos
Wetten auf Macht und kitschiges Glück
Wichtig wollen sie einen einbringen
arrangiert, manipuliert, geschönt
auf Wirkung bedacht, etwas einbringen
du kannst stammeln, stottern, lallen
Phrasen sind geprägt, an denen das gemessen wird
Der Zeitgeist streicht jetzt streichelnd über den Screen
auf dem die Icons und Klicks leuchten
wohl das Richtige und nicht das Falsche, das Falsche im falschen Leben
mir ist schon schlecht vor lauter Wiederholungen
ich will den Tag und die Sonne genießen
weggehen und träumend mich verdrücken
ans Meer und in kalte Berge
immer weiter tanzen hinaus
sie tanzen um das goldne Kalb
selbstverständlich Fan ihrer selbst
das Gefühl, wenn der nasse Lappen auf das Gesicht, auf die Haut kommt
die können sich nicht mehr riechen
wieso machen so viele Menschen so seltsame Sachen?
Um sich selbst zu spülen, sich selbst zu verwirklichen?
Das ist die neue, heilig anstrengende Pflicht
Mittwoch, 8. April 2026
Stimmig
Stimme als Mittel der Manipulation: gerade als Journalist lernt man, Worte als Instrumente einzusetzen. Sie an der richtigen Stelle zu gebrauchen, sie missbrauchen, auf Tränen- und andere Drüsen im rechten Moment zu drücken, sie zu gebrauchen, auch in der Werbesprache, subcutan und anders, für Reaktionen zu sorgen, Aufmerksamkeit abzusaugen, in die Kommunikation allgemein einzubringen. Mir blieb in meiner Musik zu einem bestimmten Moment aber nur noch die Dekonstruktion, der Versuch, etwas Individuelles und nicht so leicht zu Entzifferndes zu erschaffen, was auf die scheinbare Ablehnung des Wortes im gängigen Sinne zielte und Ironie mit einbezog. Gerade heute im KI-Zeitalter, erscheint diese Einstellung nicht gar zu übertrieben. Es wird uns suggeriert, dass nahezu alles über die KI funktionieren müsse, dass sie die Voraussetzung für rettendes Wirtschaftswachstum sei. Ich versuchte, mich im Vorhof anderer Bedeutungen herum zu treiben, ich versuchte elementare Laute (Sport, Kopulation, Husten usw. Alltagsgeräusche) mit in meine Musik ein zu beziehen. Ich fasste diese Musik meist als akustischen Ereignisraum oder als Hörspiel auf und weniger als Musik im konventionellen Sinne. Dabei ließ ich durchaus meine eigene Vergangenheit als Rockmusiker zu, benutzte auch triviale Formen, füllte mit dem Meinen auf, gab jenen verschiedenen Einflüssen Raum, denen ich durch mein Spiel in Bands und mit anderen Musikern ausgesetzt war und in die ich oft mein Eigenes, meinen Ausdruck einzubringen versuchte. Der Trend zum Gebrauch des Wortes hat sich in der Öffentlichkeit verstärkt. kurzum: ich wollte Text/Wort anders einsetzen. Ich verfremdete, schnitt in Fetzen, kehrte um, ließ Worte sich den Lauten annähern. Habe allerdings Worte auch „konventionell“ eingesetzt in Texten, bei denen man die Distanz zum Pop-Mainstream stark empfand. Dieser Konsumoptimismus ist da raus, ich erwähne meist Existentielles, auch den
Montag, 2. März 2026
Was bleibt?
Ich will hier unter anderem auch einen Abdruck meiner Person hinterlassen, in Text, Musik und Fotografie. So zögerlich und ambivalent wie ich beschaffen bin, - und inzwischen ziehe ich mannigfache Bilanz! - bringe ich dazu auch Fotos und selbstgeschaffene Musik in Anschlag, in eine „unterirdische“ Beziehung. Dass dies ein multimedialer Ansatz sein könnte, der Body, Heart and Mind vereinen will, ist von Anfang an nicht ins Blickfeld der Leute gedrungen: Mein Blog, meine Posts, mein öffentliches Tagebuch ist nicht gerade ein Burner in der Internet-Welt. Es ist etwas, mit dem ich manchmal auch erst nach längeren inneren Kämpfen übereinstimme: Es ist ein Zeugnis meines Ich. Völlig sinnlos!, so höre ich manche Stimmen sagen. Doch was hat diesen Sinn in dieser Welt? Wir schaffen ihn uns, mal positiv gedeutet. Alles ist sowieso sinnlos, würden Andere sagen. Etwas abschaben vom Baum des Lebens, etwas Sinn abringen, etwas, das mir und dem gehört was ich mir unter „Mir“ vorstelle, das könnte etwas sein. Mein Ich. Ich muss mich da im Dunklen vortasten, ich muss darum kämpfen und mich anstrengen, ich muss es auszudrücken und mitzuteilen versuchen. Ich muss erstaunt den Blick heben. Irritiert. Jederzeit zur Orientierung bereit. Auch wenn das nicht in den aktuell grassierenden Wohlstandshedonismus passt, wo alles erlaubt ist, was „Spass macht“. Wo Menschen zu diesem "Zweck" beliebig ausgetauscht und ersetzt werden.
Mittwoch, 26. November 2025
Abenteuerabend
Es ist ein paar Tage her. Aber ich habe es geschrieben, als ich ein Anderer und Derselbe war: Jeder hat ihn schon gehört, so gut wie keiner kennt seinen Namen. Ein typischer Studiomusiker halt. Aber einer der allerbesten. Lee Ritenour ist seit seinem 16. Lebensjahr Profigitarrist und hat seit 1974 im Studio brilliert. Jazz, Rock, Funk, Blues, Latin, - der inzwischen 53jährige Amerikaner kann alles perfekt. Für Dizzy Gillespie, Herbie Hancock und Sonny Rollins hat er gespielt, aber auch für Frank Sinatra, für Steely Dan und Pink Floyds „The Wall“. Rund 3000 Aufnahmen sind’s geworden. Zeitweise war Ritenour für bis zu 20 Sessions in der Woche engagiert. Er hat auch Soloalben eingespielt, „Captain Finger“ aus dem Jahr 1977 darf als Klassiker des Fusionjazz gelten. Aber Zeit für Tourneen blieb kaum. Doch nun steht er plötzlich doch auf der Bühne des Theaterhauses. Natürlich hat er eine Allstar-Band mitgebracht, an großen Namen soll’s nicht fehlen. Doch was jetzt?
Er liefert ein überragendes, ein grandioses Konzert ab. Ein Mittel des Ausdrucks sein stupende Technik, eine Abschussrampe der Kreativität seine Stücke: Was sich auf der Tonkonserve zuweilen seicht und gefällig angehört haben mag, erwacht an diesem Abend zu einer umwerfenden spielerischen Vitalität. Popjazz? Fusion? Solche Schubladenbegriffe scheinen Ritenour und seine Band hinter sich gelassen zu haben. Was zählt, ist der freie Fluss und Austausch der Ideen, das Spiel mit den Möglichkeiten. Mit eher jazzig gebrochenen Stücken tastet sich die Band ins Geschehen, der Gitarrist brilliert mit lockerem Oktavspiel, variiert virtuos die Anschlag- und Grifftechniken, um dann plötzlich hinreißend funky zu werden und mit einer frappierenden Spielfreude den Rhythmus zu zelebrieren. Wie so oft an diesem Abend nehmen die Musiker solche Impulse sofort auf, wandeln sie mit ihren Möglichkeiten und spielen den Ball zurück. Die Keyboarderin Patrice Rushen retourniert kühl und feurig zugleich: allein schon für sie hätte sich der Besuch des Konzerts gelohnt. Der Schlagzeuger Alex Acuna, der Bassist Brian Bromberg, der Saxofonist Ernie Watts, sie alle lassen Soli und Gruppenspiel auf eine Weise ineinander fließen, die durchweg verblüfft und den Abend zum Abenteuer werden lässt. Nie aufdringlich, aber unglaublich intensiv, gibt Ritenour Anregungen, streift humorvoll den Rock, den Blues und andere Stile, wird härter, wird weicher, setzt Spannungsbögen und tummelt sich in aberwitzig schnell gespielten Unisono-Passagen. Fusionklassiker wie „Rio Funk“ und „Captain Fingers“ sind kaum wiederzuerkennen: Der Mann ist gereift. Als Studiomusiker mag Lee Ritenour ein absolutes Ass sein, als Livemusiker ist er ein Erlebnis.
Sonntag, 4. Mai 2025
Kommunikation
Das Wort und die Relevanz sämtlicher Äußerungen des Individuums überhaupt scheint in unserer Gesellschaft doch stark zurück gegangen zu sein. Bildergeschichtlein dominieren. Infantilität. Was vorerst bleibt, sind vielleicht Fragmente, Fetzen, Verfremdungen. KI-Erschaffenes. Ob das Unsinn ist? Ich mache mir auch keinerlei Illusionen über Formen wie Blogs oder Soziale Netzwerke. Sie tragen wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei. Dieser Einzelne scheint sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Stichwort: KI. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes und Vorhersehbares. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Das Sentimentale lockt. Alles erscheint austauschbar. Die Lüge beherrscht das Feld. Es herrscht das Kollektive, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. Das technokratisch „Gekonnte“ scheint hierbei das Ideal, nicht das Erschaffene, aus dem Nichts Geschöpfte, sondern das zurecht Manipulierte. Das „Tun-so-als-ob“ beherrscht die Szenerie. Songlyrics werden heutzutage „gemacht“, zusammengesetzt aus Versatzstücken, aus synthetischen Perspektiven, die ein Publikum rühren. Es wird dadurch alles (auch die Images) immer austauschbarer, es wird zur kalten Ziffer, zur Zahl, zum manipulierten Etwas.
Montag, 1. Juli 2024
Melancholische Vergnügtheit
Melancholische Vergnügtheit
Es ist doch nur ein Phantom, das ich jage
bin doch immer wieder alleine,
kurz davor
alles ist ein Kommen und Gehen
nichts bleibt
Du kannst nichts auf Dauer haben
nicht mal ein bisschen
das du jetzt zwischen den Fingern hast
Es heißt, Abschied zu nehmen
du bist alleine
und willst es manchmal nicht wahr haben
Freitag, 17. Mai 2024
Fraktur (Text)
FRAKTUR
Digitale Frakturen
Repeat
Sinn oder Unsinn
Worte Sentenzen
versteckt
In a hidden Place
Donnerstag, 18. April 2024
Ratlose Verlierer (Text)
Ratlose Verlierer
Er streichelt über die Tasten
entwickelt ein Thema, ein Motiv, eine Andeutung
über langen Spannungsbögen
er lässt es fließen
wird neugierig
lässt es gehen
es werden bald samtene Balladen
bald feurige Rhythmusstöße
nicht allzu einfach
nicht zu gefällig
in sich hinein
ziehen lassen
in andere Zusammenhänge
die vielleicht entspannend konzentrieren
die ein Fenster des Gefühles öffnen
und kaum abgleiten in Selbstgefälligkeiten
Er kann das nicht
imponieren mit schalen Effekten
er lauscht vielmehr dem Ton
er lässt ihn kommen
er lauscht ihm nach
Sonntag, 24. März 2024
Between Reality and Nothing (Text)
She's got Body and Beauty
Heart and High Heels
beautiful Belly and long leg
feet and eyes
she's proud
and she's got power
she's a real woman
and we're making the world go round
we use our magic
open up the window to our times
and ourselves
Dienstag, 28. November 2023
Textereien
Haha, nicht zuletzt die vielbeschworene KI zeigt es: Wörter,Texte, auch in künstlerischen" Bereichen wie Lyrik und Roman, sind missbrauchtes Material, sie lügen in ihrer Beliebigkeit, - genauso wie inzwischen die tausendfach bearbeiteten Bilder/Fotos. Verlogene Gesten herrschen vor, Posen, Verkaufe, die Form beherrscht den Inhalt - die Hohlheit, die Sinnlosigkeit in der Unterhaltung, sie feiert fröhliche Urständ‘, der Austausch von Floskeln und Phrasen …… Das Fröhliche, das Positive ist dabei sehr wichtig: es bedeutet Betäubung, Überbrückung, Vergessen, Verdrängen, alles um uns herum, wer wir sind, wer wir sein könnten, - aber: es ist auch machbar. …….. Der Flow ist dabei wichtig, der Rhythmus, der scheinbar alles mit sich fortreißt……der Fluss, dem wir uns, wie etwas in uns behauptet, anvertrauen könnten…… Alles ist schön nach den vorgegebenen Maßstäben....(zumindest für die, die es sich leisten können....)
Sonntag, 29. Oktober 2023
Valerie (60)
Besteht vielleicht sogar ein Zwang, etwas zu spielen, eine Rolle darzustellen? Man hatte normalerweise darauf immer dieselben Antworten parat, das wusste er wohl….. Diese Antworten waren wohl natürlich und berechtigt, waren Schutzmechanismus derer, die Angst davor hatten, sich selbst preis zu geben und die es verdrängten, dem Wesensgrund unserer Existenz auf den Grund zu gehen. Für sich selbst sah er da keine plausiblen Wege. Da bot die Wissenschaft mit ihren abstrakten Modellen schon eher eine Möglichkeit, einen Annäherungswert an sich selbst. Am meisten aber, so schien es ihm, konnte man lernen, indem man jeden Tag versuchte, die Dinge zu erfahren. Vielleicht konnte man sogar versuchen, sie immer wieder neu zu erfahren.
Der Tee schmeckte leicht bitter und er nahm erstmal einen einzigen Schluck, er wollte ja vorsichtg sein. Valerie setzte sich gegenüber und fixierte ihn mit den Augen, was ihn nervös machte. Glaubst du, dass du dich verändert hast, seitdem du fest eingestiegen bist in diese Karriere?“ Sie schien sich kurz zu besinnen.
Freitag, 27. Oktober 2023
Etwas fehlt mir (Text von 2014)
ETWAS FEHLT MIR
Etwas fehlt mir. Was fehlt mir?. Du fehlst mir.
Einkaufen gehen. Tagesromane schrauben an deinen Daumen.
Es fehlt mir die Wolke, auf der ich fliegen kann: hinaus in Sequenzen.
Lichtpartikel. Köpfe entleeren ihre Inhalte: kabelgesteuert, ferngesteuert.
Gewalt schleicht um abgetakelte Wundertüten. Was ist ein Du?.
Ein Anderes: Körper, Wasser (zu mindestens 75%), Sprechblasen.
Ist das anziehend? Auf wen? Auf den, der als Ich diesem Ich entgegenhechelt, davonläuft?.
(Spiegel-)bilder sind seltener geworden, seit du nicht mehr
ausgehst. Es gibt keine Häuser mehr, in denen sie wohnen könnten,
sondern nur noch Gebilde aus Material, ohne Namen, nicht benennbar,
sich dir permanent entziehend. Die Menschen verdingen sich, so gut es ihnen erlaubt ist.
Wer erlaubt?. Kontrollgehirne, deren Windungen kontrolliert werden,
Algoritmen, die mal programmiert wurden?
Von wem? Es fehlt Einsicht.
Du fehlst mir?. Wer bist du?. Ein Was?.
Als ich gestern am Schreibtisch saß, wusste ich genau 5 Sekunden
lang, wie es sein könnte. Und dann wieder dumpfer, platter Druck:
Kadaver. Du müsstest das immer bei dir haben, diesen glitzernden
Tau ungeträumter Träume. Und: eines Tages müsste man einen länger
anhaltenden Zustand daraus machen können, bevor wir und die Erde
zerstört sind. Aber ich weiß: das ist (wird) millionenfach geträumt.
Es fehlt mir: psychoanalytische Taschenspielertricks lösen
Rätsel, die so nicht gestellt sind. Geduldig zum Schlachthof
traben, das Prinzip Hoffnung immer im Kopf und Magen, mit Freud
im Gehirn und Sonne im Herzen. Vereinzelung ist angesagt:
sozialer Countdown des Subjekts: 4 - 3 - 2 - 1 ...und was dann?.
Altklug/Neuklug. Was spuckt das Analysehirn (dazu) aus?:
Output - Input, Hardware - Software, Transformation. Trance.
Mode: mitlaufen, mitkommen, flexibel sein,
dynamisch...Inflation in allen Bereichen führt zu Depression.
Aber selbst um dieses festzustellen braucht es Sachverständige.
Kompetente. Man schläft nicht mehr ein. Brechen. Übelkeit. Sehr
langsames Siechtum. Man merkt fast nichts, schläft aus Gewohnheit
(nicht mehr), oder weil man muss.
Etwas fehlt mir?. Aber was?. Typisch: für wen, für was?.
Ratlosigkeit allerorten. Prosperierende Spitzen/Eliten. Ansonsten
Sprachlosigkeit und Computerspiele, Sachzwänge und Schlagworte.
Jawohl, die Ironie holt jeden ein, in dieser Gegenwart.
Alles schon mal gebraucht: abgegriffen, Klischee, selbst das Persönlichste.
Selbst dein Naseputzen ist typisch für deine soziale Schicht,
operationalisierbar, messbar. Aus deinem Rotz
liest jemand deine Lebenserwartung. Zahlen und zahlen. Zeit ist
Geld. Zeit für mich meßbar machen statt dem abgehetzten Blick auf
die Uhr: wie geht das?. Alternativen? Meßkategorie: wieviel
Aufkleber auf welchem Auto?. Häufigkeit bestimmter Schlagworte pro
Satz, korreliert mit Alter der Testperson. Auswechselbare
Meßgrößen. Rollenspiele. Was bewegt sich eigentlich?. Was ändert
sich?. Alles oder nichts. Ich oder die Anderen?. Die graue Masse.
Die graue Masse in deinem Kopf: Black Box?.
Frustration, das abgegriffene Wort, ein Begriff, so glatt,
konturenlos, neutral, so leer, daß man sagen könnte: jeder lebt
mit Frustrationen. Uneingelste Süchte. Damit sind die Denkzwänge
und die sich daran anschließenden Gehirnwindungsgänge
programmiert. Ein Phänomen. Ein Symptom. Ein soziales Symptom.
Wichtige Köpfe haben sich damit befaßt, natürlich besser Bescheid
wissend als du. Geschult. Verschult. Schaffen Modelle, die
jedermann mit der Realität verwechseln soll. Modemodelle. Man
erklärt dir alles, weiß Antworten. Man begreift die Natur und man
vergreift sich an der Natur. Die Unterschiede werden verschwiegen
von den Wenigen, die darum wissen, aus Gründen, die von Ihnen
plausibel gemacht werden mit Wortschwällen, Fluten von Strategien,
Strategien der Überzeugung, Taktik, Raffinement, Täuschung,
ehrlichem Betrug, bewußter Lüge, Verwirrung...
Es scheint nur alles so, selten ist etwas so. Nur irgendetwas sagt mir:
Dir fehlt etwas!. Es ist eine Spannung, ein Uneingelöstsein....
Draußenstehen/dabeisein, integriert/desintegriert. Sehnsucht nach
dem Sein, nach Möglichkeiten, immer geahnt, nie gelebt. Vielfach
gebrochen, beschðdigt, wiederaufgebaut, schillernd,
glitzernd........ es geht vor dir her, das du nicht einholen
kannst. Du weißt aber: es geht!. Wenn..., ja wenn...ist das
die Distanz zwischen dem, was mir fehlt und mir?. Und die
peinliche oft gestellte Frage: warum?. Natürlich, das geht zu
weit, laß dir 'nen Kaugummi aus dem Automaten und du hast mehr
davon. Das ist Mehrwert. Der Verdrängungsmehrwert.
Vielleicht geht es dir schlecht. Das ist vollkommen uninteressant.
Hauptsache, du funkionierst. Hauptsache, du machst etwas daraus.
Etwas produzieren, etwas "arbeiten"......., und dann wieder wegwerfen.
Einen Beitrag leisten. Zu was, das ist egal. Zur Müllhalde. Zur Kloake, die uns stinkt.
Etwas fehlt mir. Was fehlt mir?. (2014)
x
x
I MISS SOMETHING
I'm missing something. What am I missing?. I miss you.
Go shopping. Daily novels screw on your thumb.
I lack the cloud on which I can fly: out in sequences.
light particles. Heads empty their contents: cable-controlled, remote-controlled.
Violence creeps around worn-out grab bags. What is a you?.
Another: body, water (at least 75%), speech bubbles.
Is that attractive? On whom? On the one who, as I, pants towards this I, runs away?.
(Mirror) images have become rarer since you are gone
go out There are no more houses to live in
but only structures made of material, without names, not nameable,
permanently withdrawing from you. People hire themselves out as best they can.
Who Allowed?. control brains whose convolutions are controlled,
Algorithms that were once programmed?
By whom? There is a lack of insight.
I miss you?. Who are you?. A what?.
Sitting at my desk yesterday, I knew exactly 5 seconds
long as it could be. And then again dull, flat pressure:
Cadaver. You should always have this with you, this glittery one
dew of undreamed dreams. And: one day you would have to have a longer one
lasting state can make of it before we and the earth
are destroyed. But I know: that is (is) dreamed of a million times.
I miss: solving psychoanalytic sleight of hand
Riddles that aren't actually asked. Patient to the slaughterhouse
trot, the principle of hope always in mind and stomach, with Freud
in the brain and sun in the heart. Separation is announced:
subject's social countdown: 4 - 3 - 2 - 1 ...and then what?.
Precocious/Newly wise. What does the analysis brain spit out?:
Output - input, hardware - software, transformation. Trance.
Fashion: run along, come along, be flexible,
dynamic...inflation in all areas leads to depression.
But even to determine this, experts are needed.
competent. You don't fall asleep anymore. Break. Nausea. Very
slow decline. You hardly notice anything, sleep out of habit
(not anymore), or because you have to.
Am I missing something?. But what?. Typical: for whom, for what?.
Helplessness everywhere. Prosperous tops/elites. Otherwise
Speechlessness and computer games, practical constraints and buzzwords.
Yes, irony catches up with everyone in this present.
Everything has been used before: worn out, cliche, even the most personal.
Even your nose blowing is typical of your social class,
operationalizable, measurable. From your snot
does someone read your life expectancy. Pay and count. time is
Money. Make time measurable for me instead of the rushed look at
the clock: how does it work?. alternatives? Measurement category: how much
Sticker on which car?. Frequency of certain keywords per
Rate correlated with subject's age. Interchangeable
measurands. role playing. What actually moves? what changes
itself?. All or nothing. Me or the others? The gray mass.
The gray mass in your head: Black Box?.
Frustration, the well-worn word, a term so smooth
shapeless, neutral, so empty that one could say: everyone is alive
with frustrations. Unresolved addictions. With that are the compulsions to think
and the adjoining cerebral convolutions
programmed. a phenomenon. a symptom. A social symptom.
Important minds have dealt with it, of course better informed
knowing than you. Educated. guilty. Create models that
to confuse everyone with reality. fashion models. Man
explains everything to you, knows answers. You understand nature and you
tamper with nature. The differences are concealed
by the few who know, for reasons shared by you
be made plausible with torrents of words, floods of strategies,
Strategies of persuasion, tactics, subtlety, deception,
honest deception, conscious lying, confusion...
Everything just seems that way, rarely is anything like that. Just something tells me:
You are missing something!. It is a tension, an unredeemed state....
Standing outside/being there, integrated/disintegrated. desire for
of being, looking for possibilities, always suspected, never lived. multiple
broken, damaged, rebuilt, dazzling,
sparkling........ it goes ahead of you that you cannot catch up with
can. But you know: it works! If... yes if... is that
the distance between what I lack and me?. And the
embarrassing frequently asked question: why?. Of course, that's okay
far, let you 'nen chewing gum from the machine and you have more
of that. That's added value. The displacement added value.
Maybe you are bad. That's completely uninteresting.
The important thing is that you function. The important thing is that you make something out of it.
Produce something, "work" something......, and then throw it away again.
Contribute. To what, it doesn't matter. To the dump. To the sewer that stinks to us.
I'm missing something. What am I missing?. (2014)
Mittwoch, 10. Mai 2023
Wille und Vorstellung
"So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!"
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Montag, 17. April 2023
Valerie (58)
„Soll ich einen Tee machen? Ich habe eine spezielle Sorte da! Sehr anregend!“ „Ich hätte eigentlich nichts dagegen. Was das denn für ein Tee?“ „Den hat mir ein Bekannnter neulich geschenkt. Etwas ganz Spezielles. Wächst in Mexiko, hat ein bisschen die Wirkung von Marihuana, je nachdem, wie viel man davon nimmt. Musst du unbedingt probieren“ „okay, aber dann nicht zu viel. Ich kenne dies Zeug doch nicht!“ Er stellte sich vor, wie man irgendeinem Indio ein paar dreckige Dollars in die Hand gedrückt hatte, für eine Mischung biologisch angebauter Traumkräuter, die an gelangweilte Jet-Setter für feines Geld weiter verkauft wurde, um ihre abgestumpften Nervenende zu kitzeln und ihre Langeweile zu versüßen. Für Otto Normalverbraucher besorgten dies Geschäft ja schon seit langem die Companies, die Konzerne (auf einer ganz ähnlichen Basis: wer haut wen am besten übers Ohr und verdient sich somit etwas...? Man nennt dies Marktwirtschaft). Es war nur auf den Blick so, dass man nicht mit psychedelischen Kräutern handelte, sondern mit Bananen und anderen Dingen des alltäglich erzeugten Bedarfs. Wenn man davon erfuhr, wenn man eine Ahnung davon entwickelte, bedauerte man dies unendlich und versprach, sich dafür einzusetzen, dass sich so etwas ändere. Rasch. Und wirklich gründlich. Nur, das eigene Schäfchen, das wollte man davor noch schnell ins Trockene bringen. Und überhaupt, die Verhältnisse, die sind halt so, dabei konnte man sich ja sogar auf literarisch-moralische Instanzen berufen. Was zählt, ist das, was man daraus macht. So geht kreativer Egoismus.
Freitag, 31. März 2023
Valerie (57)
Im nächsten Moment hatte sie ihn losgelassen und schwamm davon. Er versuchte ihr zu folgen und stellte fest, dass sie schneller war. Er nahm sich also für „die nächste Zeit“ vor, wieder mehr Sport zu treiben. Sie spieleten noch tausend Spiele und er stellte dabei verwundert fest, dass sie die Spielregeln bestimmte und er jedes Mal brav so reagierte, wie sie es wollte und herbei führte. Er fühlte sich wie sein eigener Doppelgänger, erregt in Regionen, die er schon lange nicht mehr gespürt hatte, empor getragen zu Wolken, zwischen denen Valerie immer wieder wie ein Schalk hindurch blinzelte, verführerisch lächelnd.
Das Gefühl für Zeit hatte er verloren. Es setzte erst wieder ein, als sie total erschöpft wieder nebeneinander am Beckenrand hingen. Valerie holte Handtücher und sie trockneten sich gegenseitig ab. Sie schnurrte dabei wie ein Kätzchen, was er zum Lachen komisch fand. Sein Versuch, sie nachzuahmen, geriet noch komischer, was sie beide zum Lachen brachte. Danach gingen sie schweigend nebeneinander her und er genoss es, nicht fortwährend im Zwang zu stehen, labern zu müssen. Konversation um ihrer selbst zu treiben, um sich allenfalls gegenseitig zu versichern, wie gut man sich verstehe, das lag ihm nicht. Sie hatten sich von Anfang an auch auf einer anderen Ebene verstanden, ohne dass sie sich dessen fortwährend versichern mussten. Dies, obwohl sie in total unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten lebten.
Sonntag, 19. März 2023
Valerie (56)
Aber er konnte sie sich auch als Musikerin vorstellen, spielerisch am Klavier gut ausgebildet und mit einer Vorliebe für romantische Musik, Konzerte gebend, zu denen die Männer scharenweise hinströmten, mehr um sie zu sehen, weniger, um sie zu hören. Von der „Emanzipation der Frau“ war die Rede und sie hatte sich darauf eingelassen, indem ie das alles für „gut und richtig“ befand und ansonsten etwas von „Feminismus“ schwafelte. Dass es jetzt Zeit sei, dass sich die Frauen ihrer Fesseln entledigten. Wenn man sie gefragt hätte, was sie dazu beitrage, hätte sie gemurmelt, dass sie ja emanzipiert sei und diese Zwänge längst hinter sich gelassen habe. Sie würde sich als äußerst kundig auf diesem Gebiet selbst darstellen und dabei auf ihn konsequent inkonsequent wirken. Also vermied er es, sie darauf anzusprechen.
„Los komm, wir gehen eine Runde schwimmen!“ Ohne seine Antwort abzuwarten sprang sie auf und er hatte alle Mühe, ihr zu folgen. Im Untergeschoss lag der obligatorische Swimmingpool und strahlte ihm eine luxuriöse Kälte entgegen, die er auch in Zusammenhang mit der riesigen Menge an Wasser brachte, die in dieses Becken geflossen sein musste. Aus dessen Mittelpunkt heraus forderte sie ihn nun lachend auf, ins Wasser zu kommen. Wie im Halbschlaf, fast schon schlafwandlerisch, versuchte er, fröhliche Miene zum nassen Spiel zu machen, indem er sich zum vermeintlich eleganten Kopfsprung ins Wasser stürzte. Als er dierkt neben ihr wieder auftauchte, gab sie ihm einen Kuss, den sie wohl nicht unterbrechen mochte. Selbst als sie um sich herum nur noch Wasser spürten und ihn das seltsame Gefühl beschlich, keine Luft mehr zu bekommen. Es gab für einen Moment nur ihre Zunge, ihren Mund und überall das Wasser
Sonntag, 12. März 2023
Augenblicke
Augenblicke, wenn du außer dir und doch so ganz bei dir bist, du suchst sie bisweilen. Aber sie kommen und gehen, wann sie wollen. Du ahnst, dass du eines Tages in eine andere Welt eingehen wirst, du schaust in die Wolken und wirst plötzlich ein Teil von ihnen. Es geht für dich hinaus in den Weltraum, wo du ganz alleine bist, - alles eine Frage des Bezugspunktes, entrückt in andere Realität. Ein Lächeln, du versuchst es festzuhalten, zu sammeln, wesentlich, "eigentlich" sein, magische Momente, was heißt das?: Du bist du? Weniger als ein Staubkorn im Universum. Du wartest auf etwas Wunderbares, eine "Grenzüberschreitung", ein "Abenteuer"?, etwas Anderes, wo findet man das?: die Suche, die Ferne, das Uneingelöste, den Augenblick genießen, das Unendliche, das Nichtmitteilbare, dein Persönliches, deine Welt erweitern in Richtung auf deine Phantasie, aber nicht die trivialen Medienphantasien von der Stange sondern deine ureigenen, deine Reise, wohin bist du noch unterwegs? Dieses "in Bewegung sein" ist dir wertvoll, du willst dich noch eines Tages „verwirklichen“, mit dir selber identisch werden, dieser Drang ist dir angeboren: du hast davon geträumt, solange du denken kannst, lange hast du gedacht, das andere Leute diesen Drang, dieses persönliche Versprechen genauso mit sich herumtragen. Aber da ist nur Dumpfheit, die "normale" Dumpfheit, die allmächtige Alltäglichkeit, der Strom der Selbstverständlichkeiten, der Konventionen. Das macht dich fremd, du fällst dauernd heraus aus deren Small-talk-Welt.
Da ist der unbegreifliche "Andere", - "die Hölle, das sind die Anderen" sagte sinngemäß Jean-Paul Sartre, der beispielhafte Erfolgsgeistesmensch. So etwas kann man objektivieren, von sich selbst absehen überhaupt, ist nicht schon die Erkenntnisrichtung völlig subjektiv?, die kulturellen Wertungen bringen uns um unsere persönliche Unmittelbarkeit, (es gilt das „nicht sentimental sein“, Wichtiges aussagen, originell sein, nicht banal, der Intellektuelle ist darauf programmiert, er kennt das Bücherbewusstsein, den sprachlichen Diskurs...usw......). Du spürst: Das Leben ist anders, ästhetische Probleme sind tatsächlich sekundär, das was du bist, das Tatsächliche ist etwas, das sich damit beist.
Mittels eines Buches hast du sie schon gehabt, diese Augenblicke. Der Schriftsteller schien deine Welt zu teilen, von deinem Persönlichen zu wissen: endlich jemand, der auch davon weiß. Aber dann liest du irgendein Interview von ihm, er sagt furchtbar gescheite und dumme Sachen, aber aus dem Ganzen ist überhaupt nichts von dem zu entnehmen was du bei ihm festzustellen geglaubt hast. Der ist dir fremd. Der lebt also doch in einer ganz anderen Welt. Die Eitelkeiten, die Pfauenräder verstellen immer wieder den Blick auf das, was dich interessiert. Im Resultat bleibt ein Graben zwischen uns. Ja, dieser alte Traum, sich mit jemandem perfekt zu verstehen, eine Art absolute Gemeinsamkeit herzustellen. Auch eine der Lockungen, die du nie wirst endgültig abhaken können. So oft schon hereingefallen weißt du eigentlich genau um deren prinzipielle Unerfüllbarkeit. Du bist daneben, es gelten andere Spielregeln, du lebst tatsächlich in deiner Nebenwelt und versuchst, diese Augenblicke zu sammeln. Wieso eigentlich das Bedürfnis, das alles Mitzuteilen. Eitelkeiten? Irgendeine Wichtigkeit vermutend, der eigenen Person, oder der Mitteilung? In einer "Informationsgesellschaft", in der kaum noch jemand all diese Reize ordnen, geschweigedenn verarbeiten kann? Wo sollte das Interesse sein? Das Interesse, das Aktionen auslösend kommerziell verwertbar ist?. Du bist umsonst. Wahrlich umsonst.
Samstag, 14. Januar 2023
Valerie (55)
Gleichzeitig versuchte sie ihm klar zu machen, dass ihr die Karriere nicht mehr so wichtig sei, jetzt, da sie oben sei. Er wusste nicht, was er ihr glauben sollte und was nicht. Ihm fiel auf, dass sie ihm öfters ins Wort fiel, wenn er von sich und seiner Rolle als Gelegenheitsbegleiter erzählte. Sie wirkte dabei auf ihn nicht unhöflich. Sie schien ihm nur seltsam abwesend und in ihre eigene Gedankenwelt verstrickt zu sein. Sie schien tatsächlich nicht einfach so drauflos zu reden, wie er anfangs geglaubt hatte. Sie wirkte auf ihn naiv und clever, genau berechnend. Dieser Eindruck verstärkte sich noch durch ihre Stimme, die manchmal fast kindlich klang und im rechten Moment doch etwas Reifes und Bestimmtes hatte. Sie konnte mit diesem Schlafzimmerton reden, - und im nächsten Moment reif und wie eine Businessfrau, klar und hart. Er versuchte, sich vorzustellen, welchen Beruf sie wohl ausüben würde oder was sie wäre, wenn sie nicht im Showbusiness gelandet wäre. Er glaubte, sich an diesen Typ Frau erinnern zu können, - wenn man überhaupt davon sprechen konnte. Er glaubte, diesen Typ in einer Art Alternativ- oder Freakumwelt schon einmal begegnet zu sein. Diese Hippie-prinzesinnen, von denen man nach einiger Zeit gehört hatte, dass sie einen reichen Sack geheiratet hatten, um glücklich und zufrieden in einem Schloss hinter den sieben Bergen zu leben.
Donnerstag, 29. Dezember 2022
Valerie (54)
Tja, und dann sind da noch die Rollen, in denen man versucht hat, gut zu sein, alles zu geben. Rollen, die du wirklich warst, - zumindest eine Zeit lang, mit deinen Gedanken, mit deinem Körper, mit allem, was du hast, wobei du ein Teil davon geworden bist. Da sind die Leute, die dich verfolgen, die dich durch die Augen derer sehen, die ihr eiegenes Fantasieprodukt sind. Aber ich glaube, manche der Medien haben Routinen entwickelt, mit dem allem umzugehen und das nicht so wichtig werden zu lassen.
Aber hatte bei ihrem Aufstieg dieses ungewisse Etwas, was andere nicht haben, auch diese erotische Ausstrahlung….gleichzeitig musste sie sich ihren Weg mit den verschiedensten Mitteln frei gekämpft haben. Sie erzählte ihm von der Schauspielschule, die sie in den USA besucht hatte, die ihrerseits gute Schauspieler am Fließband ausbildete. Sie erzählte, wie sie ab einem gewissen Zeitpunkt aufgebaut worden war von ihren Managern, welche Tricks dabei zur Anwendung kamen und wie man das Private mit dem Öffentlichen gewinnbringend vermischte. Wie man versucht hatte in die Schlagzeilen der einschlägigen Gazetten samt der sozialen Medien zu kommen – und wie man, nachdem dies geschafft war, darauf bedacht war, nicht daraus zu verschwindenwofür man sich dauernd neue Publicity-Gags einfallen ließ. Er wunderte sich über die Offenheit, mit der sie über solche Themen sprach. Sie hingegen schien das für völlig normal zu halten.
Donnerstag, 22. Dezember 2022
Valerie (53)
Das war aus dem Prospekt „Schlafzimmer für die gehobene Geldbörse“. Nahm Valerie so etwas eigentlich wahr oder hielt sie solche scheinbaren Oberflächlichkeiten für nebensächlich? Er gab ihr seine Eindrücke wieder und fragte sie, was sie darüber denke. „Ach weißt du, ich bin mal hier mal dort in irgendwelchen Hotelzimmern. Die sind alle auf ihre Art gleich – aber das ist ja auch nicht wichtig. Wichtig ist, wie man sich fühlt, dass man Spass hat an dem, was man macht. „Aber das ist ja doch auch abhängig davon, was man für Leute um sich hat….“ fiel er ihr ins Wort, denn ihm war, als hätte sie ihn missverstanden. „Ich meine, das prägt einen doch auch….Ein bestimmter Lebensstil gibt einem doch Möglichkeiten oder versperrt einem womöglich andere…. Oder fühlst du dich womöglich total frei in allem, was du machst? Glaubst du alles unter Kontrolle zu haben?“ Im Moment ist das noch sehr aufregend für mich, man lernt viele interessante Leute kennen, aber man weiß meistens nichts Genaues über sie, für was sie sich interessieren, ob sie sich überhaupt für etwas jenseits des eigenen Vergnügens interessieren. Für die Rollen, die ihnen zugedacht waren, für den Menschen, für den Menschen als Geschäftsobjekt, für den Körper, den man lebt….d.h. für den interessieren sich hauptsächlich gewisse Männer, ich empfinde das im Moment sehr stark...Kann sein, das wird wieder anders, wenn man durch eine gewisse Popularität ein Objekt der Öffentlichkeit geworden ist… spätestens dann werden einem neue Probleme aufgedrängt.
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