Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 1. April 2022

Wirklichkeit per Medien

Ich staune immer wieder, welche Probleme diese immergleichen "besserverdienenden" Journalisten diskutieren, wie sie ihre neckischen Pointen einstreuen und zeigen, wie wenig sie betroffen sind. Außerdem scheinen sie von einem Idealzustand von Demokratien ausgehen, in dem sie sich in den Medien permanent gut sichtbar den Ruhmesmantel einer vierten Macht im Staate umlegen, sich gleichzeitig populistisch populär geben und zeigen, wie schwierig oder fast unmöglich für sie ist, sich in einer Sphäre der Geringverdiener und Sozialleistungen, der damit auch in diesem Staat oft verbundenen Ungerechtigkeiten und Willkürlichkeiten einzufühlen. Dies geht wohl darauf zurück, dass all zu vielen von ihnen jegliche Empathie fehlt oder dass dies ein rein professioneller Akt für sie sei. Dass sie darüber hinaus leider zu oft die „offizielle“ Statik der „Wirklichkeit“ stützen, dass sie geradezu verinnerlicht und automatisiert haben, wie die Macht des Faktischen zu stützen sei und jegliche Gegenentwürfe als Fundamentalopposition zu entlarven sei. Sie sind die meist wortreichen und auf rennomierten Akademien gebildeten Legitimierer der bestehenden Verhältnisse, sie rechtfertigen mit ihrer Eloquenz oft genug die Mächtigen und feiern die eigenen Eitelkeiten in einem meist auch örtlich stark abgehobenen Medienghetto, in dem sie gewohnt sind, mit Ihresgleichen umzugehen und spätestens dadurch eine Wahrnehmungsblase bilden. Unter anderem könnte dies im sogenannten Stadt-Land-Gegensatz und den davon ausgehenden Gefahren ein großes Problem für Deutschland, aber auch für die anderen mitteleuropäischen Staaten, werden. Eingestreut in diese Weltsicht, in dieses Narrativ ist sowieso eine Sicht der Verhältnisse, in der das Eigene als Bezugspunkt gesehen, das in einem Vergleich regelmäßig äußerst günstig abschneidet. Praktisch heißt dies: Geht doch woanders hin! Dort ist es fast überall noch schlechter! Oder wer will denn in einer Autokratie oder gar in einer Diktatur leben?

Sonntag, 13. Oktober 2019

Demokratie, Entscheidungsfindung

Es wird beraten, formuliert und verhandelt, ehe „verabschiedet“ wird. Beschlüsse sollen Chancen eröffnen, Perspektiven aufzeigen, zügige Abwicklung nach sorgfältiger Prüfung herbei führen, einen Zugang eröffnen und den natürlich finanzieren, gutes Zusammenleben ermöglichen, Schutz und Sicherheit verschaffen, sie sollen Prinzipien folgen, Teilhabe soll sich ergeben, es werden Signale gegeben und vieles mehr.... Gut so!, so denke ich über die Entscheidungsfindungsprozesse in einer modernen Demokratie. Problem ist nur: diese ganze Vorgehensweise ist oft nicht sehr transparent, in hinteren Besprechungs- oder Tagungszimmern werden da Entschlüsse gefasst, die wir nicht nachvollziehen können und die oft genug das Ergebnis eines Gebens und Nehmens (eines Schacherns) sind, die in keinerlei Verbindung mit den inhaltlichen Problemen stehen. So geht das Handwerk der Politik, habe ich oft dazu gehört. Es ist ein komplizierter Prozess, der darauf gründet, dass wir die Berechtigung dazu eine Wahlperiode lang delegiert haben. Das sollen Andere für uns machen!, so die gängige Auffassung dahinter. Dass wir da aber besser nicht so genau hinschauen sollen, dass wir diese Prozesse den „Profis“ und ihrer latent absolutistischen Hinterzimmerdiplomatie überlassen sollen, gehört auch zu diesem Aushandlungsprozess, der oft genug ziemlich eigennützige und wenig sachorientierte Motive offenbart.

Montag, 13. November 2017

Steuerparadiese, Wutbürger

Ein beliebtes Spiel der Rechtfertigung von gewissen Steuermissständen ist es, das Gebaren von Reichen und Armen gegenseitig aufzurechnen. Es gäbe ja so viele Arme, die den Staat auch gerne mal betrügen würden, etwa bei der Anmeldung von Reinigungskräften, die als Geschäftsessen deklarierte Geburtstagsparty oder falsche Angaben bei der Pendlerpauschale. Das soll also genauso oder sogar (wegen der Gesamtsumme) noch verwerflicher sein, als das Gebaren von Steuersündern, die Steuervermeidungsstrategien mittels geschickter Anwälte und findiger Steuerberater durch die Flucht in „Steueroasen“ auszunutzen versuchen. Dahinter steht wohl auch die neoliberale Ansicht, dass in einem Staat alles erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten sei. Gerne wird sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtsstaat berufen, der in diesem Zusammenhang und „im Namen des Volkes“ ohnehin gerne herbei zitiert wird. Alles legal. Leute, dass die Politik diese Gesetze gemacht hat und all dies erlaubt, gehört zum Skandal! Das Argument, dass gewisse Dinge auch „legitim“ sein können, wird mit dem Hinweis auf die in den achtziger Jahren so beliebten „Sachbeschädigungen“ abgeschmettert. Es wird vor einer „abschüssigen“ bahn gewarnt, wenn das „Legitime“ eine größere Rolle spielen sollte. Auch soll die sogenannte „Hausbesetzerszene“, die unter anderem bei dem G 20-Gipfel in Hamburg so unangenehm sichtbar wurde, dadurch nicht nachträglich gerechtfertigt werden, dass die Legitimität ihrer Aktionen behauptet werde, so das hinterhergeschobene Argument. Dass ganze Staaten von ihren geringen Steuersätzen leben, dass es geradezu ihr Geschäftsmodell innerhalb der EU ist, wird in diesem Zusammenhang als Ärgerlichkeit wahrgeommen. Letztlich soll es aber an der EU und dem dahinter stehenden politischen Willen liegen, dass solcher Steuerwettbewerb nicht unterbunden wird. Dass Deutschland dabei offenbar großartige Erklärungen gegen Steuersünder abgibt, in Brüssel aber alle gesetztlichen Vorschriften blockiert, macht die Sachlage auch nicht besser. Moral nutze da weniger, es müssten Vorschriften oder Gesetze her. Dass Minister dagegen sofort protestieren und dabei ins Felde führen, dass sich die EU bei einer entsprechenden Gesetzgebung ja selbst anklagen würde, macht die Sache nicht (Ob das einschlägige Lobbyisten und Kumpels zu vermeiden wissen?) übersichtlicher. Jedenfalls scheinen solche Verhältnisse in der EU möglich zu sein. „Black List“? Ja. Aber nicht mit Ländern aus der EU. Und überhaupt, gegen moralisierende Argumentationen verwahrt man sich sowieso. Moral? Igitt! Dass Reiche von vornherein ganz andere Möglichkeiten der Steuervermeidung haben als der sogenannte Kleine Mann und dadurch eine sozusagen programmierte Ungerechtigkeit entsteht, bleibt da ganz außen vor. Dass derjenigen Gemeinschaft, in der Gewinne erzielt werden, ein gewisses Recht auf Steuereinnahmen zusteht, - nun ja, wer wollte das bestreiten? Wer das Recht hat, diesem Gemeinwesen die ihm zustehende Steuer (Streitpunkt, wieviel....aber nicht, dass....) einzutreiben? Hm, zumindest einschlägige Anwälte und ihre Kumpels in der Politik. Wo da der Wutbürger bleibt? Von ihm war nichts zu hören. 1000 Milliarden pro Jahr werden einstweilen vermisst.  

Freitag, 11. März 2016

Reisebilder

Ich versuche mich hier in die Vertreter anderer Strukturen hineinzuversetzen und ein- ums andere Mal auch eine vertikale Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten zu unternehmen. Durch andere Augen blicken, an die Strukturen heran gehen, die sie prägen, sie bezeichnen, benennen, sie ansatzweise analysieren und entlarven, das könnte eine Folge einer solchen „Reise“ sein. Strukturen erkennen, durch die wir geprägt werden, durch die andere geprägt und gestanzt werden, das könnte ein Ziel sein. Normalitäten und Selbstverständlichkeiten, die damit einher gehen, auch mal in Frage stellen. Gelegentlich auch auf eher grundsätzliche Weise, - auch das könnte eine Richtung angeben. Solches auch bei sich selbst anreißen, es stimulieren, ein Gefühl dafür schaffen, das viele Dinge im Fluss sind, dass sie veränderbar wären, ohne dies riesige Legitimationspaket, was uns tagtäglich geschnürt wird. Stimmen wir eigentlich im Zeitalter des Internets und des technokratisch möglichen Wissensflows noch damit überein? Wo wird das wacklig? Wo erfordert es Antworten auf Fragen? Wer kann sie wie geben?

Dienstag, 8. März 2016

Gipfel der Macht

Die Damen in ihren schlecht sitzenden Hosenanzügen und die Herren in ihren dunklen Anzügen haben mal wieder gegipfelt und das Nichts zustande gebracht. Dies gilt es nun als großen Erfolg zu verkaufen, aus übernächtigten Gesichtern heraus. Die Demokratie und die Diplomatie ist ein schwieriges Geschäft der kleinen Schritte, gewiss. Aber im PR-Sprech besabbern lässt man sich dann doch nicht so gerne. Das ist öde und langweilt. Nach der nichtserklärenden Erklärung wird in der Luxuslimousine im Kreise von schlecht bezahltem Sicherheitspersonal Platz genommen und man lässt sich zum Flughafen fahren. Der Premier oder Ministerpräsident mit dem eingebauten Lächeln lächelt ständig dazu. Bis auf bald ein Neues! Oder so....!  Solche Scheinveranstaltungen schaden jedem demokratischen Grundgedanken, erheben die Klüngelei zur Staatsform, projezieren einen Führungsgedanken auf eine Blase von in ihrer eigenen Welt lebenden repräsentativen Alpha-Tieren. Sie propagieren und symbolisieren die Abgetrenntheit von Herrschaft und Macht einer gewissen Blase von Leuten. Eine der Damen will gerne UN-Generalsekretärin werden. Das scheint heute, am Tag der Frau, ein netter Gedanke. Doch wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Ihr Gutmenschentum scheint irgendwie verstellt und opportunistisch abgefedert. Es richtet sich nach Stimmungen, will nicht "populistisch" genannt werden, sondern lässt es "demokratisch" nennen. Sie selbst bezeichnet das gerne „alternativlos“. Sie vertritt ein „Wachstum um jeden Preis“, das der Welt dann gefährlich werden könnte, wenn es keinen Weg zurück mehr gibt. Aber auch das werden sie vertagen. Sie, die sich als Clique der Häuptlinge fühlen. 

Sonntag, 3. Januar 2016

Lebenswelt und Rolle

Ich wundere mich, dass ich mich immer mehr hineinziehen lasse in eine Betrachtung von verschiedenen Lebenswelten und ihren Mechanismen um mich herum. Aber es geht um die Verschiedenheit von Verhältnissen, die wiederum in den Menschen unterschiedliche Sichten auf die Wirklichkeit erzeugt. Es geht um permanente Vorteilsnahmen, die gewissen Menschen in unserer Gesellschaft „zuzustehen“ scheinen, ohne dass sie dafür legitimiert wären. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit nehmen sie diese Rechte dann auch wahr. Es entsteht auf diese Weise etwas wie „Normalität“, die aber so festgelegt gar nicht ist, sondern besonders im historischen Gang der Dinge etwas sich Entwickelndes. Menschen passen sich dabei auf manchmal drollige Weise an ihre Rolle an, identifizieren sich regelrecht mit ihr, die doch gerade im Falle des Politikers von Natur aus „auf Zeit“ verliehen sein müsste. Doch der europäische Parteienstaat samt seinen wirtschaftlichen Mechanismen zementiert solche Verhältnisse und lässt sie im extremen Fall sogar als „gottgegeben“ erscheinen. Es bilden sich auf diese völlig verschiedene Lebenswelten und Bezüglichkeiten heraus, obwohl die Menschen am Ende doch alle in den Sarg fallen und ein paar Leute ein paar Tränchen deswegen vergießen,- manchmal auch nur aus einer seltsamen Hörigkeit einer Rolle gegenüber (oder auch nur stark davon geprägt, was natürlich nie zugegeben würde...sich und anderen). 

Sonntag, 22. November 2015

Parteitage

Jetzt scheint wieder die Zeit der Parteitage zu sein. Und die große Zeit der Reden von Schwätzern, die ihre Gemeinplätze unter dem Beifall ihrer Gesinnungsgenossen absondern müssen. Festplatten werden in gestanzten Phrasen geleert, die Parteien versammeln sich dahinter und treffen Beschlüsse, die man genau so von ihnen und den Strömungen in ihnen erwartet hat. Selbstvergewisserung. Identitätsrituale. Frankreich, oh je, besonders Paris, und all dies war ein Angriff auf unsere Werte und unsere Partei, jawohl.
Was soll das?, fragt man sich von außen. Hohlheiten. Verkäufer von müden Phrasen, die nichts so meinen zu scheinen, wie sie es sagen. Die jeden Kompromiss mitmachen. (Jaja, ohne Kompromisse geht’s in einer Demokratie nicht....aber jeden? Alles und jedes zermahlen in den Mühlen einer Kungelei und seltsamer Absprachen...?). Sie versammeln sich unter den grellen Sprüchen der Werbeagenturen. Vorsitzende werden mit großen Mehrheiten gewählt – oder mit kleineren. Die Kleinen bestätigen die Großen, ihre Häuptlinge und Leittiere. Mit Abstimmungsergebnissen, selbstverständlich, damit auch alles demokratisch wirkt. Und dann geht’s ins Rennen um die Macht im Staat, um die Deutungshoheit, um das souveräne Absondern in brav vom Fernsehen übertragenen Talkshows, bei denen die immer selben Nasen, ihre immer gleichen Sprüche zu den immer gleichen Fragen einer immer gleichgesichtigen Moderation ablassen. Betroffenheit, Empörung, Forderungen. Gegen wen? Gegen die Entscheidungsträger. Diese verweisen ihrerseits auf größere Zusammenhänge, können nix machen. Beifall. Mit sich im Reinen sein, hauptsächlich mit sich selbst, das ist wichtig. Selbsterschöpfende Rituale. Die Allgemeinheit tritt weit dahinter zurück, eine Kumpelei der parteibonzigen Verantwortungsträger lässt sich auf Parteitagen demokratisch legitimieren. Diese Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit, so hat das viel beschworene Grundgesetz einmal erklärt. "Wirken mit...". Inzwischen haben sich diese Parteien des Staates längst bemächtigt, sie kontrollieren ihn und klatschen auf Parteitagen sich und ihrem eigenen unterwürfigen Getue bei sinkenden Mitgliederzahlen selbst Beifall. 

Mittwoch, 4. November 2015

Momentaufnahme

Das ist auch eine Momentaufnahme: ein hoher Fußballfunktionär kommt in Erklärungsnot, weil mehr als 6 Millionen irgendwohin, sehr wahrscheinlich in Richtung FIFA geflossen sein sollen. Dort scheinen ja ohnehin nur Abzocker und Korruptionsspezialisten zu sitzen. Ein einziger Sumpf, das, - so scheint es. Bloß nichts behaupten, erst mal abwarten. Auch wenn dieser Sumpf nur auf Druck den einen oder anderen Einblick in seinen Morast zu gewähren scheint. 6,7 Millionen? Daran scheint sich jetzt niemand erinnern zu wollen. Auch nicht ein stotternder und hilflos herumdrucksender Fußballfunktionär auf einer Pressekonferenz. Kommt ja aus der Portokasse. Man kann ja nicht über jede Kleinigkeit Bescheid wissen. „Peanuts“ hat sowas ein Bankboss legendär einmal genannt. Aber „Verantwortung“!, das schon. Das darf sein. Wird auch gerne mal mit ein paar Extramillionen honoriert. In solchen Kreisen spielt das ja ohnehin keine Rolle, - lächerliche 6,7 Millionen! Das kann einem schon mal rausrutschen. Mal eben Unterschrift drunter gesetzt. Ist jetzt und war damals nicht wichtig. Ein legendärer Fußballspieler, der irgendwie irgendwo bei irgendwas beteiligt zu gewesen scheint, scheint nach der Methode „Schau mer mal“ die Sache auszusitzen. Nix sagen. Alle scheinen sich ohnehin an nichts Genaues nicht zu erinnern. Behörden sind unterwegs, brauchen aber jene Zeit, die die Aufmerksamkeitsspanne des breiten Publikums natürlich weit übersteigt. Das will nämlich weiterhin an sein "Sommermärchen“ glauben. Also verläuft sich das alles im Sand und Ausschüsse werden gegründet. Brave Spieler, das! (Auf Plätzen und in Parlamenten). Üble Funktionäre (will jetzt gerade niemand sein!). Noch immer wird das sauber geschieden. Dabei kann die Gesamt- und Verdienstlage dieser vom Turbokapitalismus begünstigten Spieler als ein einziger Skandal begriffen werden. In ganz Europa übrigens. Das arme Spanien wurde offenbar ja von der EU mit ein paar vielen Millionen (oder Milliarden? auch egal...) kräftig unterstützt, damit es unter anderem seine Starfußballclubs von der Steuer freihalten kann. Ob die EU auch ein komischer Club ist? Der seine Substanz jetzt ganz offen angesichts herbeiströmender Flüchtlinge zeigt? Aber mit Millionen und Milliarden hantieren, das geht schon! Jetzt wurden 30 Flüchtlinge an einem Flugzeug inmitten eines Spaliers von EU-Funktionären verabschiedet: aufgrund eines schon vor Wochen verabschiedeten "Programms" will die EU 160 000 auf ihre einzelnen Mitgliedsländer verteilen. Na gut, immerhin schon mal 30! Auch nicht schlecht! Der Schulz faselt dazu etwas vom Lächeln im Gesicht eines Flüchtlingskindes. Ein Herz für Kinder! Derweil weitet sich ein Abgasskandal weiter aus: Deutschlands größtes Unternehmen hat wohl auch bei Benzinabgaswerten geschummelt. Und über die hochgelobte "Plattform" (mehr platt als plat-) in andere Fabrikate verteilt. Der über die Medien nahezu dauernd kolportierte Lichtblick: Es hat diese Betrügereien selbst aufgedeckt und zugegeben. Musste nichts in den USA zugeben. Unsäglich, das alles.

Freitag, 16. Oktober 2015

Literatur und ihre Auskenner(innen)

In Frankfurt ist Buchmesse, wozu mir folgendes einfällt: Die Literatur könnte ein sehr probates Mittel sein, um sich in andere Köpfe, andere Weltsichten, andere Gefühls- und Sinnwelten hinein zu denken. Möglicherweise ist ein solches Einüben von Empathie sogar eines ihrer Hauptanliegen. Blöd nur, dass wir uns Literatur von professionellen Kritikern und Auskennern empfehlen lassen, die jeden Bezug zur Einwirkung auf die eigene oder die Persönlichkeit anderer verloren haben. Sie sind Spezialisten wie alle anderen auch, wenden ihre einmal gewonnenen Maßstäbe auf wechselnde Objekte an und setzen ganz auf die Trennung von Kunst und Wirklichkeit. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so ihr strenges Diktum, das auch das der „gebildeten“ Bürgerlichkeit ist.
Und so kann es durchaus sein, dass auch Nazis und andere Gangster gewisse Literatur mochten, sie sogar bewunderten. In dieser Weltsicht gibt es nur ein „Gut gemacht“, „hat mich erreicht“, „berührt“, "ist langweilig" usw. Literaturkritiker sind Spezialisten, die möglichst viel in möglichst kurzer Zeit möglichst kompetent zu verarbeiten haben. Gelegentlich sind sie dann als sogenannte „Kundige“ auch in Jurys geladen und verleihen sich gegenseitig Preise, was eine zusätzliche Legitimation für sie und die von ihnen umgarnte Gesellschaft darstellt. Angesichts der schieren Masse der per Literatur „angebotenen“ Sinnwelten, verlangt der Kunde Leser nach einer Orientierung, die ihm die beruflich dazu aufgestellten Kenner liefern sollen: als eine Bewusstseinsware, die von den Checkern ja nach persönlichem Gusto abgelehnt oder in höchsten Tönen belobigt wird. Das liege in der Natur der Sache, so ihr Credo. Die Fernsehrunden legen Zeugnis davon ab, welchen Showeffekt solche Spiegelfechterei haben soll. Blöd nur, dass allzu vieles dabei nur im ungünstigen Sinne eitel wirkt. „Im ungünstigen Sinne“? Ich höre schon die Einwände: "jeder Mensch ist doch eitel!", - muss eitel sein. Selbstdarstellung ist doch eine "Herausforderung" der Zeit! Bewusstseinsaristokraten wollen dargestellt sein, ihr Diktum fällt wie ein Spruch von Zeus vom Olymp.  
Ob da auch Interessen der Bewusstseinsindustrie ihren Einfluss haben? Die Mitglieder der sogenannten „Gruppe 47“, die sich im Jahr 1947 konstituiert hat und als Literaturkritiker Reich-Ranicki oder Walter Jens gegen Schriftsteller wie Günter Grass oder Uwe Johnson aufbot, hätte so etwas weit von sich gewiesen. Und doch hat sie einer weitgehend statischen Wiederaufbaugesellschaft das kritische Feigenblatt der einer scheinbar kritischen Hinterfragung geliefert.  

Mittwoch, 19. August 2015

Hohheit des Geldes

Schon erstaunlich, wie schnell Abgeordnete viele Milliarden auszugeben bereit sind. Es sind dies Milliarden, die sie in der Regel nicht selbst aufgebracht haben, sondern für die sie als treuhänderische Verwalter gewählt wurden. Besonders linke (so die Selbsteinschätzung derer) Abgeordnete tun sich dabei hervor, denn der Staat ist bei ihnen dafür per Wahl legitimiert. Ob aber die Wahlen mittlerweile noch eine demokratische Institution bedeuten? Ob sich ignorante Sesselfurzer eines modernen Staates dem Wahlvolk verpflichtet fühlen? Zweifel sind erlaubt. Andererseits sind die Einrichtungen samt ihrer Funktionäre in diesem Gemeinwesen tatsächlich die einzigen gewählten Vertreter eines Volkes, dessen Wirtschaftsbosse ganz andere Qualifikation zum Ausüben ihrer Tätigkeiten brauchen. Ob sie etwas mit Rücksichtslosigkeit, Karrierebewusstsein, List, Verschlagenheit und „Durchsetzungsfähigkeit zu tun haben? Ob man solche unbequemen Wahrheiten nicht gerne ausspricht oder gar mit ihnen umgeht? Auch sie haben die Summen nicht aufzubringen, mit denen sie umgehen. Sie fühlen sich auch nicht verantwortich für menschliche Schicksale, die hinter ihren Entscheidungen auftauchen. Sie fühlen sich vielmehr durch eine Wirtschaftsordnung legitimiert, die den Profit zur obersten Maxime erhoben hat und das Wachstum um jeden Preis geheiligt hat. Dafür sind sie alles zu geben bereit. Staatsdiener hingegen sind durch ihre Funktion legitimiert und sollen dafür Qualifikationen vorlegen, die in jedoch auch auf persönliche „Beziehungen“ und eine ausgeprägte „Anpassungsfähigkeit“ beruhen können. Haben sie es dann geschafft und sind Beamte geworden, so fühlen sie sich auch zu den wunderlichsten Aktionen legitimiert. Dazu gehört auch maßloses Geldausgeben, das niemand außerhalb gewisser Verfahrensregeln und der damit verbundenen Hierarchien kontrolliert. Und so ist's auch bei politisch legitimierten Abgeordneten, die quasi durch sich selbst ins Recht gesetzt sich Diäten genehmigen können oder staatliche Ausgaben tätigen, die absurd und völlig daneben sind. Das Schwarzbuch, der Bundesrechnungshof und andere Institutionen – unter anderem auch der Wähler – dürften hier die konkret realen Fälle nennen können.  

Mittwoch, 8. April 2015

Be positive (1)

Alles positiv sehen? Nicht so kritisch! Jawohl, das Leben ist schön! Zumindest könnte es das sein, wenn wir über einiges hinwegsehen könnten, wie das manche Kreise gerne hätten. Das „positive“ Weltbild ist von ihnen gefragt, kein realistisches. Ist doch alles nicht so schlimm, was wollt ihr bloß? Das können Besitzende sagen, Angehörige von bestimmten sozialen Schichten, die aus ihrem „Erfolg“ jeden Tag noch mehr „Erfolg“ produzieren. Die begriffen haben, wie diese Gesellschaft funktioniert. Die „Entrepreneure“ sind, tüchtige Unternehmer, die etwas unternehmen. Die im Flow sind, mit der Zeit, mit den „Gegebenheiten“, mit ihrer Umwelt, mit allem und jedem. Die gelernt haben, sich anzupassen und die Verhältnisse für sich zu nutzen, - selbstverständlich von einer Position aus, die andere nicht haben. Man will sich ja entscheiden, weil man „tüchtiger“ ist. Da weht noch ein kleines Windchen von Max Webers Werk „Der Geist des Protestantismus“ um die Ecke. Der große Soziologe Weber hat das alles schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts konstatiert und analysiert. Gesellschaftliche Funktionen auch, Mechanismen, die Motorik dessen, was Gesellschaft sein könnte und was es bedeuten könnte. Theorie halt, Und solche ist heutzutage verpönt. Es hat zu viele Schwätzer und Wichtigtuer gegeben, zu viele Vernebler und Idiologen. Max Weber ist ganz sicher keiner von denen. Mit ihm konnte man durch verschiedene Sinnwelten und deren Gesellschaftsschichten reisen. Die wesentlichen Legitimationsstrategien sind seit vielen Jahren gleich geblieben. Ihm waren die Begriffe "positiv" oder "negativ" egal. Ihn interessierte, wie etwas ist.