Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Freitag, 1. April 2022
Wirklichkeit per Medien
Ich staune immer wieder, welche Probleme diese immergleichen "besserverdienenden" Journalisten diskutieren, wie sie ihre neckischen Pointen einstreuen und zeigen, wie wenig sie betroffen sind. Außerdem scheinen sie von einem Idealzustand von Demokratien ausgehen, in dem sie sich in den Medien permanent gut sichtbar den Ruhmesmantel einer vierten Macht im Staate umlegen, sich gleichzeitig populistisch populär geben und zeigen, wie schwierig oder fast unmöglich für sie ist, sich in einer Sphäre der Geringverdiener und Sozialleistungen, der damit auch in diesem Staat oft verbundenen Ungerechtigkeiten und Willkürlichkeiten einzufühlen. Dies geht wohl darauf zurück, dass all zu vielen von ihnen jegliche Empathie fehlt oder dass dies ein rein professioneller Akt für sie sei. Dass sie darüber hinaus leider zu oft die „offizielle“ Statik der „Wirklichkeit“ stützen, dass sie geradezu verinnerlicht und automatisiert haben, wie die Macht des Faktischen zu stützen sei und jegliche Gegenentwürfe als Fundamentalopposition zu entlarven sei. Sie sind die meist wortreichen und auf rennomierten Akademien gebildeten Legitimierer der bestehenden Verhältnisse, sie rechtfertigen mit ihrer Eloquenz oft genug die Mächtigen und feiern die eigenen Eitelkeiten in einem meist auch örtlich stark abgehobenen Medienghetto, in dem sie gewohnt sind, mit Ihresgleichen umzugehen und spätestens dadurch eine Wahrnehmungsblase bilden. Unter anderem könnte dies im sogenannten Stadt-Land-Gegensatz und den davon ausgehenden Gefahren ein großes Problem für Deutschland, aber auch für die anderen mitteleuropäischen Staaten, werden. Eingestreut in diese Weltsicht, in dieses Narrativ ist sowieso eine Sicht der Verhältnisse, in der das Eigene als Bezugspunkt gesehen, das in einem Vergleich regelmäßig äußerst günstig abschneidet. Praktisch heißt dies: Geht doch woanders hin! Dort ist es fast überall noch schlechter! Oder wer will denn in einer Autokratie oder gar in einer Diktatur leben?
Sonntag, 13. Oktober 2019
Demokratie, Entscheidungsfindung
Es wird beraten,
formuliert und verhandelt, ehe „verabschiedet“ wird. Beschlüsse
sollen Chancen eröffnen, Perspektiven aufzeigen, zügige Abwicklung
nach sorgfältiger Prüfung herbei führen, einen Zugang eröffnen
und den natürlich finanzieren, gutes Zusammenleben ermöglichen,
Schutz und Sicherheit verschaffen, sie sollen Prinzipien folgen,
Teilhabe soll sich ergeben, es werden Signale gegeben und vieles
mehr.... Gut so!, so denke ich über die
Entscheidungsfindungsprozesse in einer modernen Demokratie. Problem
ist nur: diese ganze Vorgehensweise ist oft nicht sehr transparent,
in hinteren Besprechungs- oder Tagungszimmern werden da Entschlüsse gefasst,
die wir nicht nachvollziehen können und die oft genug das Ergebnis
eines Gebens und Nehmens (eines Schacherns) sind, die in keinerlei
Verbindung mit den inhaltlichen Problemen stehen. So geht das
Handwerk der Politik, habe ich oft dazu gehört. Es ist ein
komplizierter Prozess, der darauf gründet, dass wir die Berechtigung
dazu eine Wahlperiode lang delegiert haben. Das sollen Andere für
uns machen!, so die gängige Auffassung dahinter. Dass wir da aber
besser nicht so genau hinschauen sollen, dass wir diese Prozesse den
„Profis“ und ihrer latent absolutistischen Hinterzimmerdiplomatie überlassen sollen,
gehört auch zu diesem Aushandlungsprozess, der oft genug ziemlich
eigennützige und wenig sachorientierte Motive offenbart.
Montag, 13. November 2017
Steuerparadiese, Wutbürger
Ein beliebtes Spiel der
Rechtfertigung von gewissen Steuermissständen ist es, das Gebaren
von Reichen und Armen gegenseitig aufzurechnen. Es gäbe ja so viele
Arme, die den Staat auch gerne mal betrügen würden, etwa bei der
Anmeldung von Reinigungskräften, die als Geschäftsessen deklarierte
Geburtstagsparty oder falsche Angaben bei der Pendlerpauschale. Das
soll also genauso oder sogar (wegen der Gesamtsumme) noch
verwerflicher sein, als das Gebaren von Steuersündern, die
Steuervermeidungsstrategien mittels geschickter Anwälte und findiger
Steuerberater durch die Flucht in „Steueroasen“ auszunutzen
versuchen. Dahinter steht wohl auch die neoliberale Ansicht, dass in
einem Staat alles erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten sei.
Gerne wird sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtsstaat berufen,
der in diesem Zusammenhang und „im Namen des Volkes“ ohnehin
gerne herbei zitiert wird. Alles legal. Leute, dass die Politik diese
Gesetze gemacht hat und all dies erlaubt, gehört zum Skandal! Das
Argument, dass gewisse Dinge auch „legitim“ sein können, wird
mit dem Hinweis auf die in den achtziger Jahren so beliebten
„Sachbeschädigungen“ abgeschmettert. Es wird vor einer
„abschüssigen“ bahn gewarnt, wenn das „Legitime“ eine
größere Rolle spielen sollte. Auch soll die sogenannte
„Hausbesetzerszene“, die unter anderem bei dem G 20-Gipfel in
Hamburg so unangenehm sichtbar wurde, dadurch nicht nachträglich
gerechtfertigt werden, dass die Legitimität ihrer Aktionen behauptet
werde, so das hinterhergeschobene Argument. Dass ganze Staaten von
ihren geringen Steuersätzen leben, dass es geradezu ihr
Geschäftsmodell innerhalb der EU ist, wird in diesem Zusammenhang
als Ärgerlichkeit wahrgeommen. Letztlich soll es aber an der EU und
dem dahinter stehenden politischen Willen liegen, dass solcher
Steuerwettbewerb nicht unterbunden wird. Dass Deutschland dabei
offenbar großartige Erklärungen gegen Steuersünder abgibt, in
Brüssel aber alle gesetztlichen Vorschriften blockiert, macht die
Sachlage auch nicht besser. Moral nutze da weniger, es müssten
Vorschriften oder Gesetze her. Dass Minister dagegen sofort
protestieren und dabei ins Felde führen, dass sich die EU bei einer
entsprechenden Gesetzgebung ja selbst anklagen würde, macht die
Sache nicht (Ob das einschlägige Lobbyisten und Kumpels zu vermeiden
wissen?) übersichtlicher. Jedenfalls scheinen solche Verhältnisse
in der EU möglich zu sein. „Black List“? Ja. Aber nicht mit
Ländern aus der EU. Und überhaupt, gegen moralisierende
Argumentationen verwahrt man sich sowieso. Moral? Igitt! Dass Reiche
von vornherein ganz andere Möglichkeiten der Steuervermeidung haben
als der sogenannte Kleine Mann und dadurch eine sozusagen
programmierte Ungerechtigkeit entsteht, bleibt da ganz außen vor.
Dass derjenigen Gemeinschaft, in der Gewinne erzielt werden, ein
gewisses Recht auf Steuereinnahmen zusteht, - nun ja, wer wollte das
bestreiten? Wer das Recht hat, diesem Gemeinwesen die ihm zustehende
Steuer (Streitpunkt, wieviel....aber nicht, dass....) einzutreiben?
Hm, zumindest einschlägige Anwälte und ihre Kumpels in der Politik.
Wo da der Wutbürger bleibt? Von ihm war nichts zu hören. 1000
Milliarden pro Jahr werden einstweilen vermisst.
Freitag, 11. März 2016
Reisebilder
Ich versuche mich hier in die Vertreter anderer
Strukturen hineinzuversetzen und ein- ums andere Mal auch eine
vertikale Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten zu
unternehmen. Durch andere Augen blicken, an die Strukturen heran
gehen, die sie prägen, sie bezeichnen, benennen, sie ansatzweise
analysieren und entlarven, das könnte eine Folge einer solchen
„Reise“ sein. Strukturen erkennen, durch die wir geprägt werden,
durch die andere geprägt und gestanzt werden, das könnte ein Ziel
sein. Normalitäten und Selbstverständlichkeiten, die damit einher
gehen, auch mal in Frage stellen. Gelegentlich auch auf eher
grundsätzliche Weise, - auch das könnte eine Richtung angeben.
Solches auch bei sich selbst anreißen, es stimulieren, ein Gefühl
dafür schaffen, das viele Dinge im Fluss sind, dass sie veränderbar
wären, ohne dies riesige Legitimationspaket, was uns tagtäglich
geschnürt wird. Stimmen wir eigentlich im Zeitalter des Internets
und des technokratisch möglichen Wissensflows noch damit überein? Wo wird das wacklig? Wo
erfordert es Antworten auf Fragen? Wer kann sie wie geben?
Dienstag, 8. März 2016
Gipfel der Macht
Die Damen in ihren schlecht sitzenden Hosenanzügen
und die Herren in ihren dunklen Anzügen haben mal wieder gegipfelt
und das Nichts zustande gebracht. Dies gilt es nun als großen Erfolg
zu verkaufen, aus übernächtigten Gesichtern heraus. Die Demokratie und die Diplomatie ist ein schwieriges Geschäft der kleinen Schritte, gewiss. Aber im
PR-Sprech besabbern lässt man sich dann doch nicht so gerne. Das ist
öde und langweilt. Nach der nichtserklärenden Erklärung wird in
der Luxuslimousine im Kreise von schlecht bezahltem Sicherheitspersonal Platz genommen und man lässt sich zum Flughafen fahren. Der
Premier oder Ministerpräsident mit dem eingebauten Lächeln lächelt ständig dazu. Bis auf bald ein
Neues! Oder so....! Solche Scheinveranstaltungen schaden jedem demokratischen
Grundgedanken, erheben die Klüngelei zur Staatsform, projezieren
einen Führungsgedanken auf eine Blase von in ihrer eigenen Welt
lebenden repräsentativen Alpha-Tieren. Sie propagieren und
symbolisieren die Abgetrenntheit von Herrschaft und Macht einer
gewissen Blase von Leuten. Eine der Damen will gerne
UN-Generalsekretärin werden. Das scheint heute, am Tag der Frau, ein
netter Gedanke. Doch wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Ihr
Gutmenschentum scheint irgendwie verstellt und opportunistisch
abgefedert. Es richtet sich nach Stimmungen, will nicht "populistisch" genannt werden, sondern lässt es "demokratisch" nennen. Sie selbst bezeichnet das gerne „alternativlos“. Sie
vertritt ein „Wachstum um jeden Preis“, das der Welt dann
gefährlich werden könnte, wenn es keinen Weg zurück mehr gibt. Aber auch das werden sie vertagen. Sie, die sich als Clique der Häuptlinge fühlen.
Sonntag, 3. Januar 2016
Lebenswelt und Rolle
Ich
wundere mich, dass ich mich immer mehr hineinziehen lasse in eine
Betrachtung von verschiedenen Lebenswelten und ihren Mechanismen um
mich herum. Aber es geht um die Verschiedenheit von Verhältnissen,
die wiederum in den Menschen unterschiedliche Sichten auf die
Wirklichkeit erzeugt. Es geht um permanente Vorteilsnahmen, die
gewissen Menschen in unserer Gesellschaft „zuzustehen“ scheinen,
ohne dass sie dafür legitimiert wären. Mit der gleichen
Selbstverständlichkeit nehmen sie diese Rechte dann auch wahr. Es
entsteht auf diese Weise etwas wie „Normalität“, die aber so
festgelegt gar nicht ist, sondern besonders im historischen Gang der
Dinge etwas sich Entwickelndes. Menschen passen sich dabei auf
manchmal drollige Weise an ihre Rolle an, identifizieren sich
regelrecht mit ihr, die doch gerade im Falle des Politikers von Natur
aus „auf Zeit“ verliehen sein müsste. Doch der europäische Parteienstaat samt seinen wirtschaftlichen Mechanismen zementiert solche Verhältnisse
und lässt sie im extremen Fall sogar als „gottgegeben“
erscheinen. Es bilden sich auf diese völlig verschiedene
Lebenswelten und Bezüglichkeiten heraus, obwohl die Menschen am Ende doch
alle in den Sarg fallen und ein paar Leute ein paar Tränchen
deswegen vergießen,- manchmal auch nur aus einer seltsamen Hörigkeit
einer Rolle gegenüber (oder auch nur stark davon geprägt, was
natürlich nie zugegeben würde...sich und anderen).
Sonntag, 22. November 2015
Parteitage
Jetzt scheint wieder
die Zeit der Parteitage zu sein. Und die große Zeit der Reden von
Schwätzern, die ihre Gemeinplätze unter dem Beifall ihrer
Gesinnungsgenossen absondern müssen. Festplatten werden in gestanzten Phrasen geleert, die Parteien versammeln sich dahinter und treffen
Beschlüsse, die man genau so von ihnen und den Strömungen in ihnen
erwartet hat. Selbstvergewisserung. Identitätsrituale. Frankreich, oh je, besonders Paris, und all dies war
ein Angriff auf unsere Werte und unsere Partei, jawohl.
Was soll das?, fragt man sich von außen. Hohlheiten. Verkäufer von müden Phrasen, die nichts so meinen zu scheinen, wie sie es sagen. Die jeden Kompromiss mitmachen. (Jaja, ohne Kompromisse geht’s in einer Demokratie nicht....aber jeden? Alles und jedes zermahlen in den Mühlen einer Kungelei und seltsamer Absprachen...?). Sie versammeln sich unter den grellen Sprüchen der Werbeagenturen. Vorsitzende werden mit großen Mehrheiten gewählt – oder mit kleineren. Die Kleinen bestätigen die Großen, ihre Häuptlinge und Leittiere. Mit Abstimmungsergebnissen, selbstverständlich, damit auch alles demokratisch wirkt. Und dann geht’s ins Rennen um die Macht im Staat, um die Deutungshoheit, um das souveräne Absondern in brav vom Fernsehen übertragenen Talkshows, bei denen die immer selben Nasen, ihre immer gleichen Sprüche zu den immer gleichen Fragen einer immer gleichgesichtigen Moderation ablassen. Betroffenheit, Empörung, Forderungen. Gegen wen? Gegen die Entscheidungsträger. Diese verweisen ihrerseits auf größere Zusammenhänge, können nix machen. Beifall. Mit sich im Reinen sein, hauptsächlich mit sich selbst, das ist wichtig. Selbsterschöpfende Rituale. Die Allgemeinheit tritt weit dahinter zurück, eine Kumpelei der parteibonzigen Verantwortungsträger lässt sich auf Parteitagen demokratisch legitimieren. Diese Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit, so hat das viel beschworene Grundgesetz einmal erklärt. "Wirken mit...". Inzwischen haben sich diese Parteien des Staates längst bemächtigt, sie kontrollieren ihn und klatschen auf Parteitagen sich und ihrem eigenen unterwürfigen Getue bei sinkenden Mitgliederzahlen selbst Beifall.
Was soll das?, fragt man sich von außen. Hohlheiten. Verkäufer von müden Phrasen, die nichts so meinen zu scheinen, wie sie es sagen. Die jeden Kompromiss mitmachen. (Jaja, ohne Kompromisse geht’s in einer Demokratie nicht....aber jeden? Alles und jedes zermahlen in den Mühlen einer Kungelei und seltsamer Absprachen...?). Sie versammeln sich unter den grellen Sprüchen der Werbeagenturen. Vorsitzende werden mit großen Mehrheiten gewählt – oder mit kleineren. Die Kleinen bestätigen die Großen, ihre Häuptlinge und Leittiere. Mit Abstimmungsergebnissen, selbstverständlich, damit auch alles demokratisch wirkt. Und dann geht’s ins Rennen um die Macht im Staat, um die Deutungshoheit, um das souveräne Absondern in brav vom Fernsehen übertragenen Talkshows, bei denen die immer selben Nasen, ihre immer gleichen Sprüche zu den immer gleichen Fragen einer immer gleichgesichtigen Moderation ablassen. Betroffenheit, Empörung, Forderungen. Gegen wen? Gegen die Entscheidungsträger. Diese verweisen ihrerseits auf größere Zusammenhänge, können nix machen. Beifall. Mit sich im Reinen sein, hauptsächlich mit sich selbst, das ist wichtig. Selbsterschöpfende Rituale. Die Allgemeinheit tritt weit dahinter zurück, eine Kumpelei der parteibonzigen Verantwortungsträger lässt sich auf Parteitagen demokratisch legitimieren. Diese Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit, so hat das viel beschworene Grundgesetz einmal erklärt. "Wirken mit...". Inzwischen haben sich diese Parteien des Staates längst bemächtigt, sie kontrollieren ihn und klatschen auf Parteitagen sich und ihrem eigenen unterwürfigen Getue bei sinkenden Mitgliederzahlen selbst Beifall.
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Mittwoch, 4. November 2015
Momentaufnahme
Das ist auch eine Momentaufnahme: ein hoher
Fußballfunktionär kommt in Erklärungsnot, weil mehr als 6
Millionen irgendwohin, sehr wahrscheinlich in Richtung FIFA geflossen
sein sollen. Dort scheinen ja ohnehin nur Abzocker und
Korruptionsspezialisten zu sitzen. Ein einziger Sumpf, das, - so
scheint es. Bloß nichts behaupten, erst mal abwarten. Auch wenn dieser Sumpf nur auf Druck den einen oder anderen
Einblick in seinen Morast zu gewähren scheint. 6,7 Millionen? Daran
scheint sich jetzt niemand erinnern zu wollen. Auch nicht ein
stotternder und hilflos herumdrucksender Fußballfunktionär auf
einer Pressekonferenz. Kommt ja aus der Portokasse. Man kann ja nicht
über jede Kleinigkeit Bescheid wissen. „Peanuts“ hat sowas ein
Bankboss legendär einmal genannt. Aber „Verantwortung“!, das
schon. Das darf sein. Wird auch gerne mal mit ein paar Extramillionen honoriert. In
solchen Kreisen spielt das ja ohnehin keine Rolle, - lächerliche 6,7
Millionen! Das kann einem schon mal rausrutschen. Mal eben
Unterschrift drunter gesetzt. Ist jetzt und war damals nicht
wichtig. Ein legendärer Fußballspieler, der irgendwie irgendwo bei
irgendwas beteiligt zu gewesen scheint, scheint nach der Methode
„Schau mer mal“ die Sache auszusitzen. Nix sagen. Alle scheinen
sich ohnehin an nichts Genaues nicht zu erinnern. Behörden sind
unterwegs, brauchen aber jene Zeit, die die Aufmerksamkeitsspanne des
breiten Publikums natürlich weit übersteigt. Das will nämlich weiterhin
an sein "Sommermärchen“ glauben. Also verläuft sich das alles im
Sand und Ausschüsse werden gegründet. Brave Spieler, das! (Auf
Plätzen und in Parlamenten). Üble Funktionäre (will jetzt gerade niemand sein!). Noch immer wird das
sauber geschieden. Dabei kann die Gesamt- und Verdienstlage dieser
vom Turbokapitalismus begünstigten Spieler als ein einziger Skandal
begriffen werden. In ganz Europa übrigens. Das arme Spanien wurde offenbar ja
von der EU mit ein paar vielen Millionen (oder Milliarden? auch egal...) kräftig unterstützt, damit
es unter anderem seine Starfußballclubs von der Steuer freihalten
kann. Ob die EU auch ein komischer Club ist? Der seine Substanz jetzt
ganz offen angesichts herbeiströmender Flüchtlinge zeigt? Aber mit
Millionen und Milliarden hantieren, das geht schon! Jetzt wurden 30
Flüchtlinge an einem Flugzeug inmitten eines Spaliers von EU-Funktionären verabschiedet: aufgrund eines schon
vor Wochen verabschiedeten "Programms" will die EU 160 000 auf ihre
einzelnen Mitgliedsländer verteilen. Na gut, immerhin schon mal 30! Auch nicht schlecht! Der Schulz faselt dazu etwas vom Lächeln im Gesicht eines Flüchtlingskindes. Ein Herz für Kinder! Derweil weitet sich ein Abgasskandal weiter aus:
Deutschlands größtes Unternehmen hat wohl auch bei
Benzinabgaswerten geschummelt. Und über die hochgelobte "Plattform" (mehr platt als plat-) in andere Fabrikate verteilt. Der über die Medien nahezu dauernd
kolportierte Lichtblick: Es hat diese Betrügereien selbst
aufgedeckt und zugegeben. Musste nichts in den USA zugeben. Unsäglich, das alles.
Freitag, 16. Oktober 2015
Literatur und ihre Auskenner(innen)
In Frankfurt ist Buchmesse, wozu mir folgendes
einfällt: Die Literatur könnte ein sehr probates Mittel sein, um
sich in andere Köpfe, andere Weltsichten, andere Gefühls- und
Sinnwelten hinein zu denken. Möglicherweise ist ein solches Einüben
von Empathie sogar eines ihrer Hauptanliegen. Blöd nur, dass wir uns
Literatur von professionellen Kritikern und Auskennern empfehlen
lassen, die jeden Bezug zur Einwirkung auf die eigene oder die
Persönlichkeit anderer verloren haben. Sie sind Spezialisten wie
alle anderen auch, wenden ihre einmal gewonnenen Maßstäbe auf
wechselnde Objekte an und setzen ganz auf die Trennung von Kunst und
Wirklichkeit. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so ihr
strenges Diktum, das auch das der „gebildeten“ Bürgerlichkeit
ist.
Und so kann es durchaus sein, dass auch Nazis und andere Gangster gewisse Literatur mochten, sie sogar bewunderten. In dieser Weltsicht gibt es nur ein „Gut gemacht“, „hat mich erreicht“, „berührt“, "ist langweilig" usw. Literaturkritiker sind Spezialisten, die möglichst viel in möglichst kurzer Zeit möglichst kompetent zu verarbeiten haben. Gelegentlich sind sie dann als sogenannte „Kundige“ auch in Jurys geladen und verleihen sich gegenseitig Preise, was eine zusätzliche Legitimation für sie und die von ihnen umgarnte Gesellschaft darstellt. Angesichts der schieren Masse der per Literatur „angebotenen“ Sinnwelten, verlangt der Kunde Leser nach einer Orientierung, die ihm die beruflich dazu aufgestellten Kenner liefern sollen: als eine Bewusstseinsware, die von den Checkern ja nach persönlichem Gusto abgelehnt oder in höchsten Tönen belobigt wird. Das liege in der Natur der Sache, so ihr Credo. Die Fernsehrunden legen Zeugnis davon ab, welchen Showeffekt solche Spiegelfechterei haben soll. Blöd nur, dass allzu vieles dabei nur im ungünstigen Sinne eitel wirkt. „Im ungünstigen Sinne“? Ich höre schon die Einwände: "jeder Mensch ist doch eitel!", - muss eitel sein. Selbstdarstellung ist doch eine "Herausforderung" der Zeit! Bewusstseinsaristokraten wollen dargestellt sein, ihr Diktum fällt wie ein Spruch von Zeus vom Olymp.
Ob da auch Interessen der Bewusstseinsindustrie ihren Einfluss haben? Die Mitglieder der sogenannten „Gruppe 47“, die sich im Jahr 1947 konstituiert hat und als Literaturkritiker Reich-Ranicki oder Walter Jens gegen Schriftsteller wie Günter Grass oder Uwe Johnson aufbot, hätte so etwas weit von sich gewiesen. Und doch hat sie einer weitgehend statischen Wiederaufbaugesellschaft das kritische Feigenblatt der einer scheinbar kritischen Hinterfragung geliefert.
Und so kann es durchaus sein, dass auch Nazis und andere Gangster gewisse Literatur mochten, sie sogar bewunderten. In dieser Weltsicht gibt es nur ein „Gut gemacht“, „hat mich erreicht“, „berührt“, "ist langweilig" usw. Literaturkritiker sind Spezialisten, die möglichst viel in möglichst kurzer Zeit möglichst kompetent zu verarbeiten haben. Gelegentlich sind sie dann als sogenannte „Kundige“ auch in Jurys geladen und verleihen sich gegenseitig Preise, was eine zusätzliche Legitimation für sie und die von ihnen umgarnte Gesellschaft darstellt. Angesichts der schieren Masse der per Literatur „angebotenen“ Sinnwelten, verlangt der Kunde Leser nach einer Orientierung, die ihm die beruflich dazu aufgestellten Kenner liefern sollen: als eine Bewusstseinsware, die von den Checkern ja nach persönlichem Gusto abgelehnt oder in höchsten Tönen belobigt wird. Das liege in der Natur der Sache, so ihr Credo. Die Fernsehrunden legen Zeugnis davon ab, welchen Showeffekt solche Spiegelfechterei haben soll. Blöd nur, dass allzu vieles dabei nur im ungünstigen Sinne eitel wirkt. „Im ungünstigen Sinne“? Ich höre schon die Einwände: "jeder Mensch ist doch eitel!", - muss eitel sein. Selbstdarstellung ist doch eine "Herausforderung" der Zeit! Bewusstseinsaristokraten wollen dargestellt sein, ihr Diktum fällt wie ein Spruch von Zeus vom Olymp.
Ob da auch Interessen der Bewusstseinsindustrie ihren Einfluss haben? Die Mitglieder der sogenannten „Gruppe 47“, die sich im Jahr 1947 konstituiert hat und als Literaturkritiker Reich-Ranicki oder Walter Jens gegen Schriftsteller wie Günter Grass oder Uwe Johnson aufbot, hätte so etwas weit von sich gewiesen. Und doch hat sie einer weitgehend statischen Wiederaufbaugesellschaft das kritische Feigenblatt der einer scheinbar kritischen Hinterfragung geliefert.
Mittwoch, 19. August 2015
Hohheit des Geldes
Schon erstaunlich, wie schnell
Abgeordnete viele Milliarden auszugeben bereit sind. Es sind dies
Milliarden, die sie in der Regel nicht selbst aufgebracht haben,
sondern für die sie als treuhänderische Verwalter gewählt wurden.
Besonders linke (so die Selbsteinschätzung derer) Abgeordnete tun sich
dabei hervor, denn der Staat ist bei ihnen dafür per Wahl
legitimiert. Ob aber die Wahlen mittlerweile noch eine demokratische
Institution bedeuten? Ob sich ignorante Sesselfurzer eines modernen
Staates dem Wahlvolk verpflichtet fühlen? Zweifel sind erlaubt.
Andererseits sind die Einrichtungen samt ihrer Funktionäre in diesem
Gemeinwesen tatsächlich die einzigen gewählten Vertreter eines
Volkes, dessen Wirtschaftsbosse ganz andere Qualifikation zum Ausüben
ihrer Tätigkeiten brauchen. Ob sie etwas mit Rücksichtslosigkeit,
Karrierebewusstsein, List, Verschlagenheit und
„Durchsetzungsfähigkeit zu tun haben? Ob man solche unbequemen
Wahrheiten nicht gerne ausspricht oder gar mit ihnen umgeht? Auch sie
haben die Summen nicht aufzubringen, mit denen sie umgehen. Sie
fühlen sich auch nicht verantwortich für menschliche Schicksale,
die hinter ihren Entscheidungen auftauchen. Sie fühlen sich vielmehr
durch eine Wirtschaftsordnung legitimiert, die den Profit zur
obersten Maxime erhoben hat und das Wachstum um jeden Preis geheiligt
hat. Dafür sind sie alles zu geben bereit. Staatsdiener hingegen
sind durch ihre Funktion legitimiert und sollen dafür
Qualifikationen vorlegen, die in jedoch auch auf persönliche
„Beziehungen“ und eine ausgeprägte „Anpassungsfähigkeit“
beruhen können. Haben sie es dann geschafft und sind Beamte
geworden, so fühlen sie sich auch zu den wunderlichsten Aktionen
legitimiert. Dazu gehört auch maßloses Geldausgeben, das niemand
außerhalb gewisser Verfahrensregeln und der damit verbundenen
Hierarchien kontrolliert. Und so ist's auch bei politisch
legitimierten Abgeordneten, die quasi durch sich selbst ins Recht
gesetzt sich Diäten genehmigen können oder staatliche Ausgaben
tätigen, die absurd und völlig daneben sind. Das Schwarzbuch, der
Bundesrechnungshof und andere Institutionen – unter anderem auch
der Wähler – dürften hier die konkret realen Fälle nennen
können.
Mittwoch, 8. April 2015
Be positive (1)
Alles positiv sehen?
Nicht so kritisch! Jawohl, das Leben ist schön! Zumindest könnte
es das sein, wenn wir über einiges hinwegsehen könnten, wie das
manche Kreise gerne hätten. Das „positive“ Weltbild ist von
ihnen gefragt, kein realistisches. Ist doch alles nicht so schlimm,
was wollt ihr bloß? Das können Besitzende sagen, Angehörige von
bestimmten sozialen Schichten, die aus ihrem „Erfolg“ jeden Tag
noch mehr „Erfolg“ produzieren. Die begriffen haben, wie diese
Gesellschaft funktioniert. Die „Entrepreneure“ sind, tüchtige
Unternehmer, die etwas unternehmen. Die im Flow sind, mit der Zeit,
mit den „Gegebenheiten“, mit ihrer Umwelt, mit allem und jedem.
Die gelernt haben, sich anzupassen und die Verhältnisse für sich zu
nutzen, - selbstverständlich von einer Position aus, die andere
nicht haben. Man will sich ja entscheiden, weil man „tüchtiger“
ist. Da weht noch ein kleines Windchen von Max Webers Werk „Der
Geist des Protestantismus“ um die Ecke. Der große Soziologe Weber
hat das alles schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts
konstatiert und analysiert. Gesellschaftliche Funktionen auch,
Mechanismen, die Motorik dessen, was Gesellschaft sein könnte und
was es bedeuten könnte. Theorie halt, Und solche ist heutzutage
verpönt. Es hat zu viele Schwätzer und Wichtigtuer gegeben, zu viele Vernebler und Idiologen. Max
Weber ist ganz sicher keiner von denen. Mit ihm konnte man durch verschiedene Sinnwelten und deren Gesellschaftsschichten reisen. Die wesentlichen Legitimationsstrategien sind seit vielen Jahren gleich geblieben. Ihm waren die Begriffe "positiv" oder "negativ" egal. Ihn interessierte, wie etwas ist.
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