Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 19. Juni 2026

Wettbewerb

Competition Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das „Sich messen“, die Marktwirtschaft in den Köpfen, sie bestimmen (competition) offenbar die Wirklichkeit, nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, die Empathie, das Gefühl für das Ganze (wäre auch kein bisschen neoliberal), sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen….. „Top Dogs“ rasen in ihren fetten und Platz wegnehmenden SUV-Kisten an einem vorbei, sie streben alle ehrgeizig ein Scheinziel an (das ihnen von den noch Mächtigeren vorgegeben ist), das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… zurück ins Getriebe. Sie treiben ihre Allrads mit gelangweiltem Gesicht („was ist denn das für ein Loser!“) an dir vorbei, mit denen sie überall zeigen, dass sie nicht nur mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können, sondern auch per Fernreise zu fernen Zielen. Sie wollen sich zu den Besseren zählen (noch dürfen sie das völlig ungeniert... manche von ihnen sind sehr stolz drauf, andere nehmen es als Selbstverständlichkeit), aufgemotzt, aber dezent, Überlegenheit dauernd zu zeigen ist (k)ein schweres Geschäft…. Für Competition-Mitläufer, für Bewerber, für tüchtige Tüchtige, für Durchsetzer, für die, die alles richtig gemacht haben.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Neoliberalismus

Neoliberalismus Was überhaupt könnte Neoliberalismus sein, von dem viele reden (geredet haben) und das sie neuerdings mit den beiden Buchstaben K und I versehen? Die Politikwissenschaft behauptet hier ein „postheroisches Zeitalter“ in das wir hinein geworfen sein würden. Nun ja. Wir sind mannigfach hinein geworfen! „Flexibilisierung der Arbeitswelt“ könnte da ein Stichwort sein, das den Neoliberalismus stark geprägt hat. Also die Loslösung von Menschen aus kollektiven Bindungen, etwa Tarifverträgen, und die Überantwortung solcher Bindungen an einen Markt, der schon alles irgendwie regeln möge.Voraussetzung dazu wäre eine Selbstoptimierung, also die Voraussetzung, dass jeder als Einzelner die Voraussetzung zu seinem Glück schaffen könne. Der „Wettbewerb“ scheint solch ein Begriff zu sein, der vom Neoliberalismus heilig gsprochen ist. Ebenso der Begriff der „Leistung“, der möglichst von allen kollektiven Bindungen befreit und entfesselt sein müsse. Der Leistungssport scheint hier eine wichtige Schrittmacherrolle zu spielen. Prinzip: „The Winner takes it all“. Das heißt: Derjenige, der sich durchsetzt gegen alle andern, bekommt die ganze Aufmerksamkeit und das ganze Geld (Der Wert im Leben). Gewinner sind oft auch jene, die so glänzend dargestellt werden, weil sie ihre „Mitbewerber“ haben schlecht aussehen lassen. Neoliberalismus könnte aber auch, besonders und zuletzt nach den Einlagen eines scheinbar Supermächtigen, etwas zu tun haben mit der Aushölung der Souveränität einzelner Staaten zugunsten einer Globalisierung des Turbokapitalismus, der alle soziale Bindungen aushölt, alles mit Geld regelt und jene Globalisierungsgewinner schafft, die uns in den Medien präsentiert werden. Neoliberalismus könnte auch etwas zu tun haben mit dem Ideal des flexiblen Menschen, der sich allen vorgegebenen Strukturen möglichst optimal anpasst. Ob das etwas mit Konformitätsdruck zu tun hat? Dem folgen, was gerade opportun ist, ob das ein Ideal sein kann? Ob dem gegenüber Sinnstrukturen stehen, die nicht dem „Markt“ oder dem „Geld“ verpflichtet sind? Die über die Heiligsprechung des Einzelnen und die Nutzenorientierung des Marktes hinaus weist?

Mittwoch, 18. Februar 2026

Mitbewerber

Meine Beobachtung ist, dass in unserer Gesellschaft eine massive Tendenz zur Vereinzelung herrscht, was ein Gefühl der Verlassenheit hervorbringt. Auf der politischen Ebene sind die Parteien längst nicht mehr fähig, dies Volk zu integrieren. Vertreter der High-Brow-Kultur (Hochkultur) konstatieren das und geben geschmäcklerisch die (noch) Unbeteiligten, für deren wirtschaftliche Existenz „gesorgt ist“. Sie sind wohlerzogen und gut gekleidet. Ihr Verhalten gründet in einer Nicht-Auseinandersetzung, bzw. einem feindlich competiver Umgang mit „Mitbewerbern“. Leuten wie mir hingegen ging und geht es darum, die Wirklichkeit abseits der Wahrnehmungsbubbles anzuerkennen und sie besser zu verstehen. Ein zielführender Begriff diesbezüglich scheint mir diesbezüglich „Empathie“ zu sein. Dem gegenüber steht das „Geschäfte machen“ also der Übervorteilung des Anderen, das „Deal-making was leicht dem „Wachstum“ zugeordnet wird. Es geht um Anpassung an Strukturen, die ich persönlich für mich viel zu wenig ernst nahm. Verpönt ist das humanistisch Moralische. Dagegen wird Pragmatismus und Interessenpolitik gestellt.

Samstag, 4. Oktober 2025

Leben wie wo

Wie wollen wir leben? Wo wollen wir leben? Was bedeutet uns das? Ist da ein Hecheln, das den Siegern meistens hinterher ist. Oder wollen wir das auf der Straße mit möglichst großer Dominanz ausgleichen? Wenn wir uns selbst finden, uns herausmodellieren, oder sind wir hinter dem her, was als „Selbstoptimierung“ die Propaganda des neoliberalen Zeitgeists ist? Wollen wir Zufriedenheit anstreben, eine Sicht auf uns selbst, die eingebettet ist in ein wie auch immer geartetes Umfeld? Oder wollen wir dem hemmungslosen Egoismus frönen, der den Neoliberalismus zu seiner Idiologie hat und das Streben nach Gewinn vor allem auch auf Kosten der Allgemeinheit sucht? Was ist, was könnte Allgemeinheit überhaupt sein? Das, was Sozialisten, Kommunisten wie eine Monstranz vor sich hertragen? Der Staat? Hat der Staat nicht auch totalitäre Züge, die er uns aufzwingt, indem sich sein Apparat selbständig macht (siehe Kafka)? Ist er nicht sogar der durch Wahl scheinbar demokratisch legimierte Superkonzern, - oder ist er der Souverän? Wohlfühlen, Wellness - in dieser Welt des Klimawandels, der Ressourcenvergeudung und das massenhaften Abschlachtens von Tieren? Welche Rolle könnte da ernst genommene Ethik und Moral spielen, die gerade nicht an den Glaubenssätzen der Kirchen hängt und Tradition als einen Wert unter anderen wahrnimmt. Der es um Selbstbestimmung und Emanzipation geht? Geht es um Mäßigung, um das „richtige Maß“ oder „Maß halten“? Welche Rolle spielt da die „Sorge um sich“ (Foucault) oder sittliches Verhalten? Worin könnte dieses begründet sein? Disziplinierung und Gehorsam..... in einer neoliberal gesinnten Umwelt? In einer ausgedachten Umwelt? Wo sind wir? Wer sind wir? Sich über solche Dinge in einem lebendigen Austausch unterhalten zu wollen, Ansichten auszutauschen und sich gegenseitig dabei anzuregen, könnte eine Disziplin sein, die Zukunft hat.

Sonntag, 14. September 2025

Rollenmodelle

Im Sinne der Evolution streben Männer dem Sex nach. So rücksichtslos wie andere war ich selbst da nie. Ich war nicht in der Auswahl, in der Konkurrenz, im Wettbewerb. Auch hatte ich das nie „immanent“ gelernt. Mein Vater profilierte sich auf diesem Gebiet trotz gutem Äußerem höchstens mit hilflosem Gehampel, wenn überhaupt. Das mit dem Opfer erlegen und Trophäe erringen war nicht mein Ding. Diese vorzuzeigende „Trophäe“ erobern. Ich höre und erfahre jetzt von Typen, die offenbar 10 Frauen gleichzeitig haben. Ist natürlich nicht repräsentativ. Eine andere Welt. Frauen sind dann „verliebt“. Geben sich so. Beten eigentlich entsprechende Frauen alle die Macht an? Geld. Status. Dominanz. Wohlstand. Das Versprechen. Die eigene Projektion? Posertum? Körperlichkeit? Äußerlichkeit? Gibt es toxische Fraulichkeit? Seltsam nur, dass in der Evolution das Aufwand/Lohn-Prinzip gilt. Wenn es danach geht und wir beobachtend dabei sind: Wieso erzielen die rücksichtslosesten Typen locker den größten Erfolg? Heute, im Überblick, weiß ich: die schmierigsten Typen stauben die äußerlich attraktivsten Frauen ab (im Sinne der Evolution, die müssen nicht unbedingt die besten, interessantesten oder liebsten sein!). Wie selbstverständlich. Die Medien schrecken diesbezüglich heutzutage radikal ab. Und ich? Vermarktung war nie mein Ding. Weder von Sachen. Noch von mir selbst. Durch Beobachtung und Gespräch habe ich da viel Information aus erster Hand erreicht.

Samstag, 14. Juni 2025

Gedankengebäude

Ich vertraue immer weniger den großen Sehern und Theorien. Sie mögen faszinierend sein und uns zu sich herüber ziehen. Sie hatten auch mich in ihren Bann gezogen, ich wollte verstehen: allein es fehlt mir der Glaube. Ich stelle Zwischenfragen, oft ungehörig, aus meinem persönlichen Dunstkreis heraus, aus dem heraus, was ich bin. Verderbe damit alles. Ich gehe von Ambivalenzen aus, ja geradezu von Widersprüchen, auch von inneren Widersprüchen, was manche Menschen als „paradox“ bezeichnen. Klar ist, dass das herrschende „wissenschaftliche Weltbild“ so etwas auszuschließen versucht. Doch alleine schon angesichts der Quantentheorie und ihren Auswirkungen stellen sich existenzielle Fragen. Diese scheinbare „Wissenschaftlichkeit“ sollte man angesichts dessen nicht zu hoch hängen. Sie hat offenbar ihre Grenzen. Ich frage oft, was „hinten dabei raus kommt“, d.h. ich versuche, manches pragmatisch zu deuten und der Empirie ihre Bedeutung zu geben. Ich versuche, die Bedingungen von Bedingungen in meine Betrachtung mit einzubeziehen. Jawohl, ich bin für die Entwicklung und Entfaltung des Menschlichen. Und nicht des Technischen. Aber dabei geht es zunächst auch darum, zu entdecken, was in uns schlummern könnte, was da zu entdecken wäre. In einem zweiten Schritt sind wir nach neoliberaler Wachstumsdoktrin gezwungen, uns in dieser Gesellschaft aneinander zu messen, in den „Wettbewerb“ einzutreten. Das ist zu betonen: wir sind dazu gezwungen. Bei diesem „Auslese“-Prozess scheidet schon sehr viel Menschliches aus zugunsten einer Quantifizierung, zugunsten von Messzahlen, Messgrößen. Das heißt gerade jetzt in schland: Es gilt das BIP, irgendwelche Wachstumszahlen, weniger der Einzelne, der Mensch. Das, was kollektiv zustande kommt unter gewissen wirtschaftlichen Bedingungen, zu denen wir scheinbar nur wenig beitragen können. Heraus zu finden, welche Denkarten, Gewohnheiten, Ansichten dem zugrunde liegen, erscheint mir sinnvoll. Auch und gerade gesellschaftliche Mechanismen könnten diesbezüglich interessant sein. Sie zu „hinterfragen“ und auszuforschen, sie möglichst zu erkennen (um diesen altmodischen Ausdruck mal wieder zu verwenden) und sich ihnen in Vorsicht anzunähern.

Mittwoch, 26. März 2025

Sportwerbe

Dass jetzt gnadenlos über sehr lange Zeitstrecken Sportarten wie americal football (NFL), Basketball (NBL) oder US-Eishockey (NHL) im privaten Fernsehen promoted werden, ergibt in mir keinen Sinn. Ob da viel Geld im Spiel ist? Oder ob da einfach das in Deutschland so beliebte zeitverzögerte Kopieren amerikanischer Gegebenheiten die entscheidende Rolle spielt? Ob da etwas „in den Markt gedrückt werden“ soll? Vom SUV bis zum verlogenen american cheese-Lächeln scheint ja nahezu alles kopiert werden zu müssen, was aus den USA kommt (hoffentlich nicht auch noch eine Figur wie Trump). Ich (und womöglich nicht nur ich) finde dies im Falle TV etwas penetrant. Der Werbeeffekt wird meiner Meinung nach zu stark und anhaltend gesucht, er geht mir auf die Nerven.

Dienstag, 19. März 2024

Wandel Anpassung

Ich lese mal wieder einen Artikel, in dem wieder zum tausendsten Mal das hohe Lied des Wandels gesungen wird. Ständige Veränderung sei vonnöten, um im technologischen Wandel „wettbewerbsfähiger“ zu werden, um in der „globalen Wirtschaft“ bestehen zu können. Dies möge sich schnell und immer schneller abspielen. Wandel und Beschleunigung als alltäglich akzeptiertes Element im „Digitalzeitalter“. Nun mag das ja eine Ansicht sein, die nicht ganz daneben liegt. Aber meiner Meinung nach unterschätzt dies das Bedürfnis einer Gesellschaft oder eines Individuums nach Stabilität. Auch scheint sich das menschliche Individuum nicht in beliebiger Weise anpassen zu können. Es scheint mir dies sogar eine der bestimmenden Kräfte einer Gesellschaft und eines Menschen zu sein. Gerade nicht die dauernde Neuorientierung, sondern das Leben in Strukturen scheint mir da das Entscheidende, wonach eine Gesellschaft strebt! Diese ganzen rückwärtsgewandten Kräfte in Europa, die ja derzeit immer stärker werden und teilweise auch Regierungsverantwortung tragen, scheinen mir da ein Beleg zu sein. Sie versprechen die Rückkehr zu festen Strukturen, die Halt in unsicheren Zeiten und – besonders! -gegenüber Fremden und Andersdenkenden vermitteln sollen. Verunsicherung hatten wir genug, so der Befund auf dieser politischen Seite. Es möge bitteschön rückwärtsgewandte Stabilität einkehren! x x I'm reading another article in which the song of change is sung for the thousandth time. Constant change is necessary in order to become more “competitive” in technological change in order to be able to survive in the “global economy”. Let this happen quickly and ever faster. Change and acceleration as an everyday accepted element in the “digital age”. Now that may be a view that is not entirely wrong. But in my opinion this underestimates a society or an individual's need for stability. The human individual also does not seem to be able to adapt in any way. It seems to me that this is one of the determining forces of a society and a person. It seems to me that what a society strives for is not constant reorientation, but rather living within structures! All of these backward-looking forces in Europe, which are currently becoming stronger and sometimes also have government responsibility, seem to me to be evidence of this. They promise a return to solid structures that provide support in uncertain times and - especially! -to communicate with strangers and people who think differently. We had enough uncertainty, according to the political side. Please allow backwards-looking stability to return!

Samstag, 9. März 2024

Wie es hier zugeht

Ob dies ganze, von mir in vielen Einlassungen skizzierte Szenario etwas mit dem Zulauf zu „Protestparteien“ zu tun hat? Was soll man wählen, wenn man nicht einverstanden ist mit dem Filz der Parteien, die alles zu kontrollieren scheinen, was mit der Öffentlichkeit in dieser parlamentarischen Demokratie zu tun hat? Mit der Trägheit von Regierungen, die sich alle vier Jahre durch ein Kreuzchen an der richtigen Stelle in ihrem Demokratieverständnis bestätigt sehen? Muss deshalb eine Sympathie für irgendwelche Dumpfbacken vorhanden sein, die sich als eine Art Schwamm dieses Protests gerieren und sein Potential in sich aufsaugen? Die mit rein emotionalen Gegebenheiten agieren? Also keineswegs „Body and Mind“? (was man wohl jetzt "postfaktisch" nennt!) Die die Wirklichkeit nach ihrem Belieben deuten und sich so an den überall grassierenden Postfaktizismus anhängen? Diese Frage stellt sich leider global. Was wohl die Gründe dafür sind? Ob sich allmählich eine verkrustete und sehr auf Machterhalt bedachte gesellschaftliche und sich ständig aus sich selbst reproduzierende Klasse in dieser Gesellschaft als „Elite“ aufspielt und dafür die formalen Voraussetzungen unter anderem (!)per Bürokratie geschaffen hat? Die soziologisch so bezeichnete „vertikale Durchlässigkeit“ der Gesellschaft hat vielen Untersuchungen gemäß und auch vom Gefühl her gerade in Deutschland stark nachgelassen. Es ist gerade nicht (!!) so, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur will. Ob es eine Herrschaft der Unfähigen und Abzocker gibt? Wie wohl das globale Großkapital mit solchen Gegebenheiten umgeht? Ob hier Lebenswelten entstehen, die sich auf nichts anderes als auf Beziehungen, Abhängigkeiten, Macht und Geld gründen? Mit eigenen Bezüglichkeiten, mit Werthaltungen, mit einem speziell gezüchtetem Bewusstsein und einem Selbstverständnis, das von denen, die oft und bestenfalls zu puren Serviceleistern herabgewürdigt werden, viel zu oft mitgetragen wird. Ob dabei der alte amerikanische Traum eine Rolle spielt, man könne alles schaffen, wenn man es nur wolle? Wie wohl der oft missbrauchte Begriff „Leistung“ seine Rolle spielt? Ob auch dies eine gewisse Form und Phase des Neoliberalismus charakterisiert? Wer wohl etwas davon hat? Ja klar ist das in anderen Nationen noch viel viel schlimmer! Aber wollten wir ohnehin nicht etwas weiter sein? Etwas besser. Vorbild für die ganze Welt, mindestens. Fühlen wir uns nicht geradezu als Hort eines demokratischen Versprechens? In einer (noch) wohlbestallten Gesellschaft, die sich dauernd einredet, im "globalen Wettbewerb" besser oder kreativer als andere zu sein?

Donnerstag, 15. Februar 2024

Alles so neo hier.....

Jaja, der Staat soll möglichst wenig mitbestimmen. Die freien Kräfte des Marktes sollen möglichst alles regeln. Beamtentätigkeit erschöpft sich meist in Gängelung und Erschleichung einer fürstlichen Alterspension. Es geht darum, dass der Stärkere den Schwächeren übers Ohr haut, ihn ausschaltet. Wer die Kohle hat, der bestimmt, auch in diesem „Sozialstaat“. Funktionäre und Beamte bringen sich in Sicherheit, schaffen schon mal Kohle auf die Seite. Der Schwächere wird ausgetrickst und kann auch noch die Argumente der Gutmenschen auf seine Seite bringen. Natürlich fährt er Elektro und nutzt ein Lastenfahrrad, Kosten spielen keine Rolle. Billiger heißt im Markt besser sein als der andere. Der Preis bestimmt alles, das ganze Dasein. Sie nennen das dann „Marktwirtschaft“. Der Vorgang heißt „Wettbewerb“. Es geht um eine Strategie, den Wettbewerb, den Markt und die Preise als entscheidendes Kriterium gelten zu lassen, möglichst ohne Einflussnahme des Staates, als des Ganzen. Deregulierung und Privatisierung sind dabei also die Mittel der Wahl. Von ihnen wird alles erwartet. In unserem Sozialstaat wirkt sich das so aus, dass gewisse Abläufe im sozialen Sinne geregelt sind, einzelne Individuum aber gut darin sind, anders bestimmte Staatsgelder für sich abzuzweigen. Es entfalten Belohnungs- und Bestrafungssysteme ihre Wirksamkeit. Der Staat wird zum Erfüllungsgehilfen der Mächtigen. Eigentum ist dabei viel zu sehr ein Mittel, das die soziale Zementierung der Verhältnisse noch weiter befördert und festigt. X x Yes, the state should have as little say as possible. The free forces of the market should regulate everything if possible. Civil service activity is usually limited to manipulation and obtaining a princely pension by deception. It's about the stronger one ripping off the weaker one and eliminating him. Whoever has the money decides, even in this “welfare state”. Officials and officials get to safety and get some money on the side. The weaker one is tricked and can also get the arguments of the do-gooders on his side. Of course he drives electric and uses a cargo bike, costs are irrelevant. Cheaper means being better than the other person in the market. The price determines everything, the entire existence. They then call this a “market economy”. The process is called “competition.” It's about a strategy to allow competition, the market and prices to be the decisive criteria, if possible without the influence of the state as a whole. Deregulation and privatization are the methods of choice. Everything is expected of them. In our welfare state, this has the effect that certain processes are regulated in a social sense, but individuals are good at diverting state funds for themselves. Reward and punishment systems become effective. The state becomes the vicarious agent of the powerful. Property is far too much of a means that further promotes and consolidates the social cementing of conditions. x x

Dienstag, 21. November 2023

Junker Martin

Heute schieben Manager gerne alle Einwände und Kritik mit dem Hinweis „das ist der globale Wettbewerb“ ab und von sich weg, während ihre untergebenen Mitarbeiter (die solche mäßigen Lenkungsleistungen gegenüber „dem Kunden“ oft zu vertreten und zu verantworten haben...) einem regelmäßig den erst bedauernden und dann wütenden Bescheid stoßen „Wissen Sie, da können wir nichts ändern“. "Wir führen auch nur aus...". Junker Martin Luther war anders. Der Mythos des heutigen globalen Wettbewerbs hieß bei ihm damals „Kirche“, die alles wusste und der alles, wirklich alles überantwortet war, vom Tagesablauf, der Bildung (die natürlich dem Klerus vorbehalten war) bis zu den letzten Dingen. Er aber glaubte nicht an diese Mechanismen und hinterfragte, jawohl, er stellte in Frage, er hatte Mut und begehrte auf....er ging damit heraus aus dem Privaten und wurde darin sogar sehr öffentlich. Er beugte sich nicht der Macht, er leistete sich den Trotz des Individuums, er entlarvte gängige Phrasen, denkfaule Klischees und versuchte, die Masse der Gläubigen zur Substanz der Bibel zurück zu führen....er glaubte nicht an den Popanz sondern an die Heilige Schrift. „Hier steh ich nun und kann nicht anders...“: Stark, - das nötigt mir tiefe Bewunderung ab und kann im Verhältnis 1:1 auf das Heute übertragen werden

Sonntag, 9. Juli 2023

Tour de France

Jetzt rasen sie wieder durch Frankreich. Mit dem Rad. Fernsehdirektübertragung. Eine große Sportshow. Genau nach den Gesetzmäßigkeiten des Showgeschäfts scheint das Spektakel auch abzulaufen. Nicht zu lang, nicht zu kurz, immer unterhaltsam Helden aufbauend. Projektionsfiguren, wie man jetzt wieder auf deutschen Straßen sieht, wenn sie in mit Industriefirmenlogos bedruckten Papagaientrikots herum fahren. Wir sind auf dem Sofa vor dem Fernsehgerät wie verwurzelt. Wer, wie, wo? Wir sehen ein bisschen von Frankreichs Schönheit. Wunderbare Schlösser. Ort- und Landschaften, wie es sie bei uns nicht gibt. Gelegentlich hören wir etwas über die Vergangenheit. Weniger über Dopingsünder wie Lance Armstrong, sondern vielmehr über die alten Helden: Jacques Anquetil und Raymond Poulidor, Eddy Merx natürlich, Luis Ocana, Miguel Indurain, Felice Gimondi, Alberto Contador (gerne mal positiv gestestet), Pascal Simon, der 1983 im Gelben Trikot mit gebrochenem Schlüsselbein den Puy de Dome hinauffuhr und am nächsten Tag aufgeben musste, Fausto Coppi, der nach 9 Stunden und 40 Minuten das Etappenziel erreicht haben soll, - wie wir jetzt von kundigen Sportjournalisten erfahren. Und dann „die Deutschen“: Rudi Altig, Didi Thurau, Erik Zabel, der Jan Ullrich, der auch schon mal ein Mittelchen eingenommen haben soll, frühere Fahrer aus grauer Vorzeit, die beim örtlichen Schmid ihr Fahrrad in Ordnung brachten und dann weiter fuhren. Deutsche Rennställe, - jetzt einer in mattgrün. Jetzt gibt es taktische Überlegungen: Welche Mannschaft mit welcher Strategie welches Ziel erreichen will. Den richtigen Moment erwischen, um dann dran zu sein, - gelegentlich sieht man vor lauter Werbeflächen auf den Trikots das „Peleton“ nicht mehr. Alles okay, alles Geldgeber. Nur zwei haben sich mal wieder heraus geschält, denen man den Gesamtsieg zutraut. Aber was ist schon der Gesamtsieg? Es gibt auch den Punktbesten, die Bergwertung, den besten Nachwuchsfahrer usw. , - wer ist der Führende?

Samstag, 3. Juni 2023

Rennen

In einer Zeit geschrieben, als ich viel auf der Autobahn unterwegs war und die heutige Gegenwart in ihrer noch verpuppten Form, immer wieder aufschien. Aus heutiger Sicht würde ich meinen, dass ich viel zu sensibel darauf reagierte: „Welche Verachtung liegt denn da dahinter? Ich war nahezu jeden Tag auf der Autobahn unterwegs und allzu oft ballten sie hinter und neben mir die Faust, überholten mich demonstrativ rechts, fletschten die Zähne und machten wild fuchtelnd Fotos mit dem Handy, wobei manche Verkehrsteilnehmer über solchen Übungen die Kontrolle über ihr Fahrzeug komplett zu verlieren drohten. Dabei glaube ich, ein vergleichsweise empathischer und gelassener Fahrer zu sein, der den Flow nicht gerade verzögert. Jaja, die schlauen Psychologen erklären einem, dass sich die Leute im Straßenverkehr eine Art Tarnkappe der Anonymität überziehen und unter deren Schutz glauben, „mal richtig die Sau rauslassen“ zu können. Mir kam es aber oft so vor, als würden die Leute ganz bewusst in ihrem Streitwagen sitzen, und ihren Pferdestärken die Sporen geben, nach dem Motto „Höher, schneller, weiter“. Der andere ist da nur noch Gegner und die Gesamtveranstaltung könnte „Krieg mit anderen Mitteln“ heißen. Nicht nur die „political correctness“, sondern allerlei moralisch-ethische Maßstäbe schieben einem solchen Verhalten zumindest in Europa den Riegel vor. Aber die zivilisatorische Decke scheint recht dünn zu sein. Es geht darum, den anderen fertig zu machen, ihn zu übertrumpfen, ihn zu „versägen“, ihn zu erledigen: Als ein Ventil des Alltags, zu dem man den von Jahr zu Jahr immer neu mit Pferdestärken und Kilowattstunden aufgerüsteten Streitwagen an den Start bringt. Man hat den sogenannten Wettbewerb verinnerlicht, man scheint ganz unwillkürlich und scheinbar selbstverständlich zu glauben, dass das ganze Spiel des Gewinners und Verlierers einen legitimiere, den anderen vernichten zu dürfen. Empathie und Rücksichtnahme sind da nur Schwächen. Jawohl, der Wettbewerb erlaubt alles. Es gilt der allüberall so verherrlichte „Wettbewerb“. Da wird bis kurz vor der Messstelle, mit der der Staat als Raubritter der gebührenpflichtigen Verwarungen an der Veranstaltung auch gerne teilnimmt, munter Gas gegeben. Unmittelbar davor kommt die große Bremsaktion und der Wagen wird brutal bis zur geforderten Geschwindigkeit herabgebremst, kurz danach wieder herb beschleunigt. Auch sehr ökologisch, das! Die Checker, die Bescheidwisser und cleveren Überholer sind halt unterwegs. Sie bringen unter anderem auch diese Art der staatlichen Abkassiererei hervor. Es könnte ja auch darum gehen, Feinstaub oder Lärm zu vermeiden. Es könnte darum gehen, Gefahren zu vermeiden, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Könnte ja eine Überlegung wert sein und könnte ja auch mal Sinn haben. Es gilt das Recht des scheinbar Stärkeren. Es ist dies im journalistischen Sinne auch das Gängige, was jeder weiß. Wirklich? Wieso verhält er sich dann aber auf der Autobahn wie eine Sau? Wider besseres Wissen? Ist vielleicht das Wissen und der Verstand gar nicht das Entscheidende? Werden wir von rudimentären Trieben zu unserem Verhalten gebracht? Von losgelösten Emotionen? Mehr als wir denken?“

Freitag, 28. April 2023

Innovationen

Es wird uns der Begriff „Innovation“ als etwas Unabänderliches verkauft, das im Zeichen des technischen Fortschritts unweigerlich über uns kommen wird. So etwas macht mich misstrauisch. Es scheint nur noch darauf anzukommen, bei der „Innovation“ irgendwie mitmachen zu können, die Mittel dazu zu haben. Klar, die Wirtschaft braucht es. Cleverer als andere sein, heißt da wohl die Devise. Im „Wettbewerb“ besser sein. Diejenigen Länder, in denen ich bisher war, haben das übrigens alle von sich selbst behauptet: dass sie besser seien, „innovativer“, als alle anderen. Aber was ist „innovativ“? Inwiefern steuern wir da mit? Ist unsere Urteilskraft noch gefragt? Was würden die Vertreter einer Aufklärung dazu sagen? Vom Individuum scheint jegliche Verantwortung durch die „digitale Revolution“ auf die Algorhytmen abgewälzt. Die technische Zauberformel wird da noch gesucht, - aber im übrigen: Es wird alles gut! Die Technik wird’s richten. Ursache und Wirkung? Anstelle dessen kann eine Wahrscheinlichkeitsbeziehung treten: Wenn bestimmte Phänomene auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass andere Phänomene auftreten. Haha. Die Zahl der auftretenden Geburten scheint gemeinsam mit der Zahl der auftretenden Störche hochzugehen. Was wohl das eine mit dem anderen zu tun hat?

Sonntag, 19. Februar 2023

Werbung? Wohlstand? Lifestyle?

Wer redet denn noch so tumb traditionell von „Werbung“? Im Zeitalter der sogenannten Globalisierung ist das oft „Branding“, also das Aufladen eines Produkts oder eines Begriffs mit emotionalen Inhalten und Botschaften. Kulturelle Stereotypen scheinen sich dazu besonders gut zu eignen: alle Amerikaner sind oberflächlich, alle Franzosen träumen von der Liebe, die die Italiener recht feurig machen, alle Schwedinnen sind blond... usw. Für was wohl inzwischen „Made in Germay“ steht? Für Ehrlichkeit, tüftlerischen Fortschritt und Pünktlichkeit? Das war einmal. Das hat sich „germany“ gründlich selbst versaut. Nun ja, von den in Deutschland gebauten Automobilen wurde in den fossilen Zeiten der Verbrenner ja oft behauptet, sie seien die besten überhaupt. Ob sie das noch sind? Ob das zukunftsträchtig ist? Der Kunde kann sich nicht irren. Der Markt ist heilig. Exporterfolge und Kohle sprachen einst für sich. Aber jetzt? Wohin es führen kann, wenn Firmen mehr auf Image und Ruf setzen, auf mediengestylte Werte und Emotionen, als auf Qualität, das wird schnell ersichtlich. Doch gewisse Personen, Firmen, Staaten und Produkte gehen flott weiter voran, wenn es darum geht, sich von anderen zu unterscheiden, den „Wohlstand“ und einen Lifestyle zu produzieren samt den damit verknüpften Insignien. Was gilt? Bloß immer auf der Höhe des Zeitgeists sein! Prestige, Lebensgefühl und „Konkurrenzfähigkeit“ (was ein anderes Wort dafür ist, andere Mitbewerber fertig zu machen, was nicht heißt, sie unbedingt in der Qualität zu überholen... alle Tricks und Betrugsmechanismen scheinen da ja erlaubt...) Gebote der Globalisierung. Lieferketten sind da ins Gerede gekommen. Ein einprägsames Logo und eine zeitgemäße Farbgebung scheinen auch dazuzugehören, was dahinter im Alltag des Produzierens passiert, ist dabei egal. Nur das Erscheinungsbild am Markt scheint da zu zählen. Es zählt, was am billigsten ist. Umsatz. Strategie. Penetration. Was eigentlich wäre angesichts dessen der Begriff „günstig“. Fließt da unter anderem auch so etwas wie „Verfügbarkeit“ ein? Wieso muss es immer „billig“ sein? Vom Image her gedacht, wäre nicht nur das ziemlich lächerlich. Teure Phrasen und dämliche Wortspiele, alles passt und wird gut. So würde man hierzulande gerne glauben.

Mittwoch, 11. Januar 2023

Tour d' horizon

Ich schaue hinaus und herum und bin entgeistert: Eine Gesellschaft, für die der soziale Zusammenhalt und Solidarität mal Werte waren, hat sich - ohne es selbst zu bemerken (ein Effekt, über den die Soziologie Aufklärung leisten kann...) - vollkommen entsolidarisiert. Alleinige Werte sind in dieser Gesellschaft „Competition“ und Geld/Profit. Ein Kanzler hantiert großzügig mit Begriffen aus der Welt der Comics und verwendet gerne mal Parolen aus der Fußball-Welt, Schulden werden als „Sondervermögen“ ausgegeben und im Halbdunkel (in dem man ja so gut wie nichts nachweisen kann, was im „Rechtsstaat ja soooo wichtig ist) werden anscheinend Geldkoffer übergeben. Ehemalige Parteivorsitzende oder Kanzler-Kandidaten beraten Schlächter und Großbanken, um sodann mit großer Impertinenz in Talkshows aufzutreten. Sie alle verweisen darauf, dass es das Volk und dessen Wirtschaft nicht anders gewollt hätten, sie fühlen und geben sich rundum legitimiert. Intendanten fahren in achtzylindrigen und hochpreisigen Limousinen mit Massage-Sesseln durch die Landschaft, werden offenbar unter dem Verdacht der Korruption (bloß, was ist das unter solchen Verhältnissen?) festgesetzt und durch Vertretungen ersetzt, die dieselben Gepflogenheiten pflegen. Die Mitglieder der Parlamente werden immer mehr, ihre „Teilnehmerzahl“ quillt über. Viele Leute wissen nicht, wie sie mit ihrer Rente leben oder noch essen können, während andere es im Überfluss haben und auf große Kreuzfahrt gehen. Währenddessen redetet eine wohlbestallte „Expertin“ davon, dass das Renteneintrittsalter dringend herauf gesetzt (zu empfehlen wäre ein Blick auf die europäischen Nachbarn…) werden müsse. Die Regierung verteilt indessen Wohltaten: jeder bekommt dieselbe Energiepreispauschale, obwohl versprochen wird, dass nur die unterstützt werden sollen, „die es auch dringend brauchen“.

Dienstag, 8. November 2022

Gefühl und Spirit

Emotion und Spirituelles: Das Wort „Emotion“ kommt vom lateinischen emovere: nach außen bewegen. Es geht darum, nicht nur erreicht zu werden, sondern auch innerlich antworten zu können, jemand wiederum erreichen. Beispiel Musik machen: da wird man nicht nur erreicht, sondern man erfährt sich auch als wirksam, man hat einen Einfluss darauf, man gibt und erhält Impulse. Einfluss bezieht sich auf Abläufe, auf Prozesse. Etwas erreicht und berührt mich. Und ich erfahre mich als selbst wirksam damit verbunden. Ich kann antworten und dem entgegen gehen, auf es reagieren. Es ist nicht nur so, dass ich mir etwas einverleibe oder es in Reichweite bringe, sondern ich „transformiere“ mich dadurch. Es verändert einen, man wird ein anderer Mensch. Oder: es hat etwas mit mir gemacht. Rückblick im Sinne von: danach war ich jemand anderes. Etwas bewegt, berührt und erreicht mich, ich antworte und werde dadurch ein anderer. Es bleibt darin aber stets etwas Unwägbares. Das heißt, man kann versuchen, eine solche Beziehung mit allen Mitteln herzustellen. Es passiert aber nichts. Es könnte sogar sein, dass bei allergrößter Bemühung nichts passiert. Dabei entspricht sinnliche Überwältigung nicht dieser Art der Beziehung. Man mag beispielsweise in einem Konzert überwältigt sein durch die Soundfülle und das Licht. Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, innerlich zu antworten und bewegt zu werden, ein anderer Mensch zu werden. Dieser Effekt kann nicht garantiert werden. Unter anderem mag es auch leibliche Hindernisse geben: Schmerz, Hunger. Psychische Voraussetzungen mögen dabei auch eine Rolle spielen: traumatisiert zu sein, oder tief verletzt. Dann verliere ich diese Fähigkeit, mich berühren zu lassen. Auch räumliche Bedingungen sind dabei wirksam: Sonnenschein und Wärme oder harter Regen mögen uns beeinflussen. Eine Betonhalle hat einen anderen Einfluss als die einer eine gewisse Wärme ausstrahlenden Umgebung. Je nachdem, wie man sitzt, wie man mit dem Anderen in Beziehung tritt, - oder auch nicht. Zeitdruck mag auch so manches umbiegen. Er „verdinglicht“ unter Umständen so manche Beziehung. Stress, Angst, Druck führt dann oft zu einer Art „Wettbewerb“. Es gilt dann Höher, besser, schneller, weiter. Das ist das Gegenteil zu „hören und antworten“. Wir haben einen Sinn dafür, was unsere Existenz begründet, was ihr Grund sein könnte, wie wir auf die letzte Wirklichkeit bezogen sind. Man kann diese letzte Wirklichkeit auch Universum nennen. Oder das Leben. Oder die Wirklichkeit. Oder die Welt, oder die Natur. Das Ganze? Aber man fühlt sich jedenfalls da hinein gestellt, ahnt, dass man ein Teil davon ist. Die Frage ist: wie sind wir darauf bezogen? Bezogen auf diese letzte Grundlegung. Ja, wir haben einen Sinn dafür. Er geht darauf zurück, dass am Grund unserer Existenz eine kollektive Antwort liegt. Vielleicht. Etwas, das für uns alle gilt, solange wir mit den selben Gattungsmerkmalen ausgestattet sind. Jemand ist da, der uns hört und sieht, versprechen etwa die Religionen. In uns und jenseits von uns. Beim Beten wird das deutlich: Man kann dabei nicht sagen, ob der Betende sich nach innen oder nach außen richtet. Beten ist eine ritualisierte Praxis, die eine Verbindung zwischen dem Innersten und dem Äußersten schafft. Es berührt mich und verflüssigt mich in meiner Verhärtung, es macht mich empfänglich. Religion beispielsweise schafft ein Bewusstsein dafür, dass wir mit dem Leben als Ganzes, mit Gott oder der Natur in einer Beziehung stehen. Mit der Kunst. Mit der Musik. Wichtig dabei ist: Man weiß nicht recht, ob man nach innen oder nach außen hört. Das alles bedeutet aber nicht Welterklärung. Nicht Weltdeutung. Es geht nicht um sinnhafte und kognitive Weltdeutung. Also nicht um das Erkennen vom Verstand her.

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Wettbewerb

Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das „Sich messen“, die Marktwirtschaft in den Köpfen, diese Mechanismen bestimmen (competition) offenbar die Wirklichkeit, sie treiben sie, nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, die Empathie, das Gefühl für das Ganze (wäre auch kein bisschen neoliberal im Sinne der Zeit), sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen….. „Top Dogs“ rasen in ihren fetten, Platz wegnehmenden und grün gewaschenen ("green washed") Electro-SUVs an einem vorbei, sie streben alle ehrgeizig ein Scheinziel an (das ihnen von den noch Mächtigeren vorgegeben ist), das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… zurück ins Getriebe. Sie treiben ihre ach so nachhaltigen Allrads mit gelangweiltem Gesicht („was ist denn das für ein Loser!“) an dir vorbei, den Kisten, mit denen sie überall zeigen, dass sie auch unter Inflations- und Kriegsbedingungen nicht nur mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren können, sondern auch zu fernen Zielen. Sie wollen sich locker entspannt zu den Besseren zählen (noch dürfen sie das völlig ungeniert… manche von ihnen sind sehr stolz drauf, andere nehmen es als Selbstverständlichkeit), aufgemotzt, aber dezent, Überlegenheit dauernd zu zeigen ist (k)ein schweres Geschäft…. Für Competition-Mitläufer, für Bewerber, für tüchtige Tüchtige, für Durchsetzer, für die, die alles richtig gemacht haben. Ob das eine gewisse Nähe zur gegenwärtigen (? polarisierten) USA hat?

Dienstag, 26. Juli 2022

Vorne dran

Manche waren stets vorne. Gaben die Leithammel, die anderen sagten, was Sache ist. Die wussten, worum es ging. Die nicht warteten, sondern etwas taten. Ein blödes Gefühl überkam uns da. Wir sahen sogar auf sie herab. Die Überangepassten waren uns suspekt. Diejenigen, die in der Schule und „im Leben“ überall Einser hatten. Die weit vorne waren. Die Musterschüler. Die Stipendienerhalter. Als „Primus“ bewährt. Die „Durchsetzungsfähigen“. Die „Karrierebewussten“. Die überall vorne dran waren. Die unbedingt Medizin studieren wollten. Die als „große Begabungen“ galten. Die „Schlauen“. Dahinter vermuteten wir die falschen Gründe. Wohl auch zu recht. Die schienen dem System allzu willfährig zu sein. Zu anpassungsfähig. Aus unserer Perspektive. Wir wollten da nicht mithalten. Denn wir glaubten uns im Recht. Pointe: Später schnitten sie uns eine lange Nase, die Karrieristen. Sie hatten alles richtig gemacht. Wir nicht. Sie hatten ihre Karriere gemacht. Wir hatten unseren Niedergang zelebrieren müssen. Sie waren beispielsweise auf dem Ticket einer Partei voran gekommen und, waren in die entscheidenden Gremien eingerückt. Wir hingegen hatten uns mit nichts identifizieren wollen und können. Wir beobachteten, versuchten, zu analysieren und hielten uns im Übrigen Optionen offen. Dass das ein Luxus war, erkannten wir zu spät. Der Ehrgeiz fehlte uns. Der Wille, voran zu kommen und "etwas aus sich zu machen". Den Preis hatten wir später zu bezahlen. Das „Gestalten wollen“ (was eine andere Formulierung für „Macht ausüben“ ist) übte auf uns keine Anziehungskraft aus. Wir machten uns keine Illusionen. Also sackten wir ab. Schnell, intelligent und offen zu sein lehnten wir als Vorzeigeeigenschaften ab. Das war man auf eine eher selbstverständliche Art. Understatement: Nicht aufdringlich sein. Die Gesellschaft hat sich freilich so weiter entwickelt, dass sie das nicht honoriert, sondern negativ sanktioniert, dass sie das abstraft. Es scheint nämlich darauf anzukommen, etwas zu zeigen, vorzutäuschen, was nicht unbedingt da sein muss. Es gilt die Verkaufe, nie der Inhalt. Blender werden belohnt. Phrasen abspulen können, das wäre es. Überzeugungen zu haben, ist dagegen nicht sehr beliebt. Es gilt vielmehr, „die richtigen“ Überzeugungen zu haben.

Montag, 20. April 2020

Hindurch gleiten

Man legt Metheny und sich selbst auf, man liest Camus („Die Pest“) und Zeitung, man versucht, am Tagwerk zu arbeiten (Schreiben, korrigieren, Musik machen, Essen zubereiten, Staub saugen usw.), im Fernsehen scheint viel von "Lieferketten" die Rede zu sein, nebenbei wird die Normalität als eine "Neue Normalität" definiert, man selbst versucht, sich zu sammeln, den roten Faden weiterzuspinnen, man stolpert und taumelt durch die Tage und Wochen, man telefoniert und schaut auf verschiedene Weisen nach außen, man kauft ein und hofft nachträglich, grübelt darüber, ob und wie einem das schaden könnte, wie man sich angesteckt haben könnte, man freut sich an der Sonne, weiß aber auch, welch verheerende Auswirkungen zu viel Sonne im vergangenen Jahr hatte, man freut sich über die Auszeit, die Teile der Natur jetzt haben, erinnert sich aber auch sehr genau an das Szenario der Klimakatastrophe, an die manche Kreise möglichst schnell wieder anzuschließen versuchen, man denkt daran, wie einem die kleinen Auszeiten des Lachens gut getan haben, es wird einem bewusst, wie alt man (geworden) ist und man wird genau darüber älter, man freut sich über eine bestimmte Phrasierung, eine musikalische Wendung, die das Unendliche zu berühren scheint, die Ahnung beschert und eine Verbindung schafft..., Sie verklingt, schon ist sie weg, man hat Schlimmes erlebt und wird noch viel Schlimmeres erleben, man lebt jetzt in einer Art Zwischenzeit und versucht, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen (wobei man sich mit seinen „Gesprächen“ gleichzeitig selbst sonderbar findet…), im Internet die Nachricht, dass man viele unglaubliche Preise gewonnen hat und das man sich melden soll, - der Betrug ist allzu offensichtlich.