Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 28. Oktober 2024

Rentenpolitik

Wir werden immer älter? Rentenpolitik? Mal weiter vorne in der Aufmerksamkeit, mal weiter hinten. Jetzt gerade scheint das Thema weniger angesagt. Auch hier soll mit demografischen Daten Politik gemacht werden. Die Sozialausgaben seien angeblich ohnehin zu hoch, heißt es. Zum Beispiel: dass die Gesundheitskosten explodieren, weil wir immer älter werden. Ob das nicht ein bisschen mit dem Trend kollidiert, dass viele Menschen sehr viel gesünder älter geworden sind? Der körperliche Zustand scheint im Alter deutlich besser geworden zu sein. Die amtlichen Experten vom statistischen Bundesamt rechnen sehr weit voraus: bis ins Jahr 2060. Dann sind wir weniger, älter und haben zu wenige Kinder, so die Statistik. Dass sie dabei aber nur gegenwärtige Trends in die Zukunft fortschreibt, die sich vielleicht gar nicht so leicht „verlängern“ lassen, wird von interessierter Seite gerne unterschlagen. Und die Steigerung der Produktivität? Derzeit ist „in der Wirtschaft“ ja Untergangsstimmung angesagt. Dass sich bis zum sehr viel späteren Zeitpunkt im Jahrhundert sehr viel verändert haben könnte, kann die Studie gar nicht berücksichtigen. Eine halbwegs aussagekräftige Prognose ist da schwierig. Trotzdem prasseln von den Medien immer wieder Schlagzeilen wie etwa „Deutschland stirbt aus“ hernieder und die Politik lässt den Quatsch bei einschlägigenTalkrunden immer wieder wiederholen. Arbeitsnotstand, Ärztemangel, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). So geht Wissenschaft. Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben.

Montag, 9. Januar 2023

Sozialstatistiken

Erstaunt war ich immer wieder, wie wenig über soziale Realitäten in Deutschland bekannt ist und was ich kennen gelernt habe. Beispiel: Dass ein Leih- oder schlecht bezahlter Arbeiter (ja, solche gibt es immer noch, sind offiziell besser gestellt, aber inoffiziell.....?) nach eigenen Einschätzungen kein Geld hat, um sich als monatlich zahlendes Mitglied bei jener Gewerkschaft eintragen zu lassen, die vorgibt, sich für seine Interessen einzusetzen. Dass er oft auch mit einer Familie der Inflation mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert ist. Dass er, wie er mir erzählt, seine Interessen also nirgendwo und durch niemand vertreten wird und sich nicht nur dadurch eine Dreiteilung dieser Gesellschaft ergibt: Arbeitgeber, "klassische" Arbeitsplatzinhaber und Minijobber/Arbeitslose/Prekäre. Das letzte und immer umfangreicher werdende Drittel hat nahezu keine Chance, seine Belange zu vertreten, gschweige denn überhaupt öffentlich sichtbar zu sein. Die Medien aller Kanäle geben dafür offenbar kein Plateau ab. Oft genug wird dieses "letzte Drittel" der Gesellschaft nach allen Regeln der Kunst des Profitmachens ausgenommen und beispielsweise Arbeitsplatzschutzbestimmungen sind bei ihm (leider oft genug mit Zustimmung der "klassischen" Arbeitnehmerschaft) auf eine krasse Weise ohnehin nur Makulatur. Ach - alles falsch? Nun sollen sogar gewisse Asylanten und Flüchtlinge, die offenbar eine klassische "Reservearmee" abgeben sollen, gegen diese ständig sich vergrößernde Bevölkerungsschicht der Armen ausgespielt werden, indem der unlängst neu festgesetzte Mindestlohn planmäßig unterlaufen wird, was ja jetzt schon viel zu häufige Praxis zu sein scheint. Dass Manager und gewisse Medienleute oft mit einem astronomischen Gehalt entlohnt werden, das weit jenseits der Vorstellungskraft eines einfachen Arbeitnehmers ist, flammt immer wieder auf, scheint aber inzwischen zur Normalität zu gehören. Es wird sich einfach nicht dafür interessiert und die allgemein ausgegebenen Formeln von Verantwortung oder Leistung unter dem Motto „So ist’s halt…“ wiedergekäut. Diejenigen, die diese Menschen offiziell vertreten sollten, sind oft genug ein gut bestallter Teil dieses Systems. Weit verbreitet ist oft Resignation angesichts solcher Zustände. Man könne daran ja ohnehin nichts ändern, so heißt es. Es war schon immer so und wird immer so sein. Dabei beruht auch der wirtschaftliche Nachkriegserfolg Deutschlands auf einer Sozialpartnerschaft ("soziale Marktwirtschaft"), die jetzt immer noch zugunsten eines hemmungslosen Turbokapitalismus, - gerne als mittlerweile gerade in Krisen nicht nur Segen bringende "Globalisierung" verkauft, - aufgekündigt erscheint. Verbreitet werden oft Zahlen, die die soziale Realität kaum beschreiben. Einfaches Beispiel: wenn jemand 100 000 Euro verdient und der andere 10 Euro, dann ist der rechnerische Durchschnitt 5005 Euro (was natürlich in der Realität niemand verdient). Tatsache ist auch, dass immer mehr Menschen von ihren sozialabgabepflichtigen Einkommen längst nicht mehr leben können. Aufgestockt wird vom Arbeitsamt, so wird gerne verbreitet. Doch wer ist „das Arbeitsamt“? Der Staat. Das Gesamte. Die Allgemeinheit. Sie hat für solkche persönliche Bereicherung in der Krise die Kosten zu tragen. Ein beliebter Sport ist besonders bei den Medien, die verschiedenen „Töpfe“ dieser Allgemeinheit gegenseitig auszuspielen (Bund, Land, Gemeinden, Sonderzuschüsse, EU...). Jetzt aber erst mal über die Energiekrise hinweg kommen!

Freitag, 10. Juni 2022

Statistik, Rente und Zukunft

Rentenpolitik? Auch hier soll offenbar mit demografischen Daten und damit verbundenen Ängsten Politik gemacht werden, so, dass Versicherungskonzerne möglichst daran verdienen können. Vielleicht. Ob das so ist? „Wir werden immer älter…..“ „Klaro!“ Zum Beispiel: dass die Gesundheitskosten explodieren, weil wir immer älter werden. Ob das nicht mit dem Trend kollidiert, dass viele Menschen sehr viel gesünder älter geworden sind? Der körperliche Zustand scheint im Alter deutlich besser geworden zu sein. Die amtlichen Experten vom statistischen Bundesamt rechnen sehr weit voraus: bis ins Jahr 2060. Dann sind wir weniger, älter und haben zu wenige Kinder, so die Statistik. Also Kinder (zukünftige Rentenzahler!) her! Dass sie dabei aber nur gegenwärtige Trends in die Zukunft fortschreibt, die sich vielleicht gar nicht so leicht „verlängern“ lassen, wird von interessierter Seite gerne unterschlagen. Dass sich bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt sehr viel verändert haben könnte, können die einschlägigen Studien gar nicht berücksichtigen. Eine halbwegs aussagekräftige Prognose ist da schwierig. Trotzdem prasselten von den Medien Schlagzeilen wie etwa „Deutschland stirbt aus“ hernieder und die Politik lässt den Quatsch bei einschlägigen Talkrunden immer wieder wiederholen. Arbeits- und Fachkräftenotstand, Ärztemangel, abgesunkene, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, dass Wissenschaftler sich gewisser Informationen bedienen und anderer nicht, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben… alles Modelle, mehr oder weniger begründete Erwartungen….

Freitag, 5. November 2021

Glaubwürdigkeiten - reloaded

 Das Wort und die Relevanz sämtlicher Äußerungen des Individuums überhaupt scheint in unserer Gesellschaft doch stark zurück gegangen zu sein. Was ist überhaupt ein Individuum? Wie könnte es sich in seiner vermuteten Identität halten? Dabei wird es nostalgisch immer noch gerne simuliert, liebevoll gepflegt, in Nischen gezüchtet, als trotziges Erbe der Aufklärung - stirbt aber aus. Was vorerst bleibt, sind vielleicht Fragmente, Fetzen, Verfremdungen (z.b. auch in meiner Musik). Erinnerungen, gespeicherte Intensitäten, vergessene Strukturen, ein nostalgisches Gefühl von Aufbruch. Anarchisch. Chaotisch. Ich mache mir hier und jetzt auch keinerlei Illusionen über Formen wie Blogs oder Soziale Netzwerke. Sie tragen wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterungen und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch scheinbar lyrische Texte industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Die Auswirkungen auf den Einzelnen sind wohlberechnet und pressen ihn in ein Schema, in dem er einer unter Vielen ist. PR-Strategen machen sich Gedanken darüber: Der Druck auf die Tränendrüse etwa ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Der Zorn wird gelenkt. Die Aufmerksamkeit wird geführt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen.

Sonntag, 18. November 2018

Grenzwerte

Fast kommt mir es wie ein Deja-Vu-Erlebnis vor, das ich glaube im medizinischen Zusammenhang schon erlebt zu haben. Bei Bedarf (und gewisse Industrien haben immer Bedarf an mehr Profit) werden Grenzwerte einfach herauf- oder herabgesetzt. So schaffe ich mir im Falle von Patienten auf einen Schlag eine neue Zielgruppe, der ich dann Probleme einreden kann, was natürlich mit Medikamenten bekämpft werden kann, die meinen Profit steigern. Ein ähnliches Spiel scheint in der abgelaufenen Woche die bundesdeutsche Kanzlerin zu spielen, wenn sie vorschlägt, die Toleranzen bei Abgaswerten so zu verändern, dass richterliche Fahrverbote in Zukunft schwerer fallen. "Wir glauben, dass in der Regel Fahrverbote nicht verhältnismäßig sind, wenn es sich um Grenzwertüberschreitungen von geringerem Umfang, also bis zu 50 Mikrogramm pro Kubikmeter handelt und wir wollen jetzt das Bundesemissionsschutzgesetz ändern...."  Einfach Grenzwerte oder Toleranzen verändern – fertig! Problem beseitigt. Flankiert werden solche Überlegungen in den Medien, wenn darüber nachgedacht wird, ob diese Grenzwerte überhaupt sinnvoll seien und ob nicht der Messstandort so verändert werden könnte, dass Messwerte weitaus günstiger ausfallen würden. Gesetz ändern: fertig! Und überhaupt: "in Paris sind die Messstandorte....usw." So die einfache und fast schon populistische Überlegung. Nahe zu ein Glück bedeutet es, dass nicht nur in diesem Falle die Europäische Union noch ein Wörtchen mitsprechen würde und der ganze Vorgang ohnehin juristisch fragwürdig erscheint. Auch im Bundesverkehrsministerium erscheinen solche Überlegungen hoffähig zu sein. Das alles darf doch nicht wahr sein! Ob es im Ganzen um Gesundheit von Bürgern geht, erscheint in diesem Zusammenhang nur noch nebensächlich. Ob so etwas die Glaubwürdigkeit von Politik stützt? Ob Taschenspielertricks Probleme lösen können?

Montag, 20. August 2018

Schwarze Schwäne


Von „schwarzen Schwänen“ ist manchmal die Rede. Wobei für die Gebildeten die Rede davon ist, ob die Wahrscheinlichkeit, das unwahrscheinliche Ereignisse eintreten, hoch oder tief ist. Klingt anspruchsvoll? Für solche Erkenntnisse hat sogar ein Typ namens Nassim Nicholas Taleb große Auszeichnungen kassiert. Nun ja, den Alltag hat es unter anderem bei der bisher letzten Explosion eines Kernreaktors berührt. Wie oft hat man uns gesagt, dass die Dinger sicher seien und die Wahrscheinlichkeiten, dass etwas passieren könne, niedrig. Und doch hat es in Tschnernobyl 1986 und in Fukushima 2011 in allerletzter Zeit gleich zwei solcher Ereignisse gegeben. Oder die Finanzkrise und der Börsencrash vor zehn Jahren: So gut wie niemand hatte das auf der Rechnung. Doch es kam über Nacht und viele Leute (natürlich nicht die, die das ausgelöst hatten!) verloren ihren Arbeitsplatz. Was uns das lehrt? „Unwahrscheinliche“ Ereignisse können häufiger eintreten, als wir denken. Das „Unnormale“ ist näher, als man meint. Wir sollten wenig für gewiss halten.

Sonntag, 6. Mai 2018

Wohlstand für wen?

Deutschland geht es gut. So gut wie fast noch nie. Wir haben die Beweise sogar per Zahlen. Statistik. Die Arbeitslosenzahlen nehmen ständig ab. Ob das aber die ganze Wahrheit ist? Was ist mit der dauernd steigenden Obdachlosigkeit, dem immer größer und fordernder werdenden Zuspruch bei „den Tafeln“? Da tun dann ahnungslose Politiker Sprüche raus, die ihnen „Profil“ verschaffen sollen und eigentlich bloß bezeugen, wie weit sie möglicherweise von dieser Realität entfernt sind. Und überhaupt: Ob der große Niedriglohnsektor nicht maßgeblich dazu beiträgt, dass die „Besserverdienenden“ (zu denen zweifellos die Politiker gehören) solche Sprüche raushauen können? Ob sich unsere Gesellschaft nicht inzwischen in mindestens drei Teile aufteilt? Die „Gutverdienenden“. Die Arbeiter und Angestellten. Und das Prekariat. Eine Dreiteilung. Ob das Prekariat öffentlich auch zu Wort kommt? „Selbst schuld“, so das unausgesprochene Verdikt. Ob das noch in die sogenannte Globalisierung passt? Klaro, es scheint konsequent neoliberal gedacht zu sein. Doch die Fragwürdigkeiten einer solchen Annahme scheinen sich herumgesprochen zu haben. Wieso eigentlich muss „Strukturwandel“ und müssen „Reformen“ immer zum Abbau von Arbeitsnehmerrechten und zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten führen? Ein neuer Ansatz täte Not. Nicht nur ein Mitschwimmen. Klaro, das kann sich niemand leisten. Es gilt, die Macht nicht den Managern großer Konzerne und den Lenkern von der Politik zu überlassen. Macron sah anfangs danach aus. Doch jetzt scheint sich alles in bekannte Richtungen zu bewegen. Eine Art nachgeholter Agenda 2010. Die Arbeitslosen striezen, schikanieren und unter Druck setzen. Ob das „Fördern und fordern“ ist?

Sonntag, 4. Februar 2018

Armut (1)

Die letzte Zeit hagelt es Aussagen, Deutschland gehe es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor und alles sei wirtschaftlich zum Besten bestellt. Dies scheint Konsens zu sein und allgemein akzeptiert. Das Irritierende daran: es stimmt und es stimmt auch wieder nicht, denn es stellt sich in dieser sich immer weiter auseinander entwickelten Gesellschaft (auch das wird von Wissenschaftlern in Frage gestellt...) immer die Frage, für wen es im sozialen Gefüge da so gut läuft. Außerdem irritiert, dass Leute, die ich selbst ernst nehme, solche Aussagen kolportieren, als seien sie die beglaubigte Wahrheit unter den Wahrheiten. Dabei scheint Fakten zu geben, die solche allgemein ausgegebenen Wohlfühlparolen zumindest etwas relativieren könnten: Die Armutsquote in Deutschland soll bei nahezu 16 % liegen. Dabei wird ständig der Begriff „Armut“ in Frage gestellt: was ist Armut? Wie definiere ich sie? „Arm“ oder „armutsgefährdet? ….Und schon ist der Sachverhalt wieder aufgetröselt, diskutabel, in Frage gestellt.....Den Betroffenen werden währenddessen Peinlichkeiten und Arbeitsverhältnisse zugemutet, die gerne so gerechtfertigt werden: „Vor einiger Zeit hatten wir die Wahl, ob „Minderqualifizierte“ in Arbeitslosigkeit leben sollten oder ob sie in Arbeit kommen sollten, indem der Staat zu ihrem Lohn noch etwas drauf gibt und „aufstockt“. Wir haben uns für die zweite Möglichkeit entschieden. Dabei stellt sich die Frage, wer in diesem Fall „wir“ ist und wer sich für was entschieden hat. Diese Frage führt im Falle Deutschlands unweigerlich auf die Agenda 2010 und solche Alphamenschen wie Gerhard Schröder zu. Übrigens: Schröder. Der inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der russischen Firma Rosnjeft ist, ist gleichzeitig Mitglied der SPD.  

Samstag, 21. Oktober 2017

Statistik und Rente

Rentenpolitik? Auch hier soll mit demografischen Daten Politik gemacht werden, so, dass Versicherungskonzerne möglichst daran verdienen können. Zum Beispiel: dass die Gesundheitskosten explodieren, weil wir immer älter werden. Ob das nicht mit dem Trend kollidiert, dass viele Menschen sehr viel gesünder älter geworden sind? Der körperliche Zustand scheint im Alter deutlich besser geworden zu sein. Die amtlichen Experten vom statistischen Bundesamt rechnen sehr weit voraus: bis ins Jahr 2060. Dann sind wir weniger, älter und haben zu wenige Kinder, so die Statistik. Dass sie dabei aber nur gegenwärtige Trends in die Zukunft fortschreibt, die sich vielleicht gar nicht so leicht „verlängern“ lassen, wird von interessierter Seite gerne unterschlagen. Dass sich bis dahin sehr viel verändert haben könnte, kann die Studie gar nicht berücksichtigen. Eine halbwegs aussagekräftige Prognose ist da schwierig. Trotzdem prasseln von den Medien Schlagzeilen wie etwa „Deutschland stirbt aus“ hernieder und die Politik lässt den Quatsch bei einschlägigenTalkrunden immer wieder wiederholen. 
Arbeitsnotstand, Ärztemangel, knappe Rente...., so ein Ausschnitt des Horrorszenarios, das aus diesen Daten immer wieder zu geldwerten Ängsten aufgebaut wird und durch ständige Wiederholung plausibler werden soll. Dass die Daten dabei von der Versicherungswirtschaft unter Verwendung von selbst gestalteten Erwartungen und Tafeln vorgebracht werden, wird dabei gerne unterschlagen, erscheint aber mittlerweile trotz fehlender Transparenz weithin akzeptiert. Dabei sind solche „wissenschaftliche“ Festlegungen meist nur solange gültig, bis eine bessere Untersuchung an ihre Stelle tritt. Das heißt, solche „Erkenntnisse“ sind vorläufig (e Annahmen). Laut „offizieller“ amtlicher Statistik könnte ein heute geborener Junge etwa 86 Jahre alt werden. In den Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft wird er jedoch 100, unter Umständen sogar 110 Jahre alt. Was ist, wenn die „natürliche“ Steigerung der Lebenserwartung so nicht weiter und an seine Stelle sozial sehr fragwürdige Verfahren der technisch-chemischen Steigerung von Lebenserwartung treten. Wieder so ein Faktor, den einfache Fortschreibungen von Verhältnissen nicht mit auf der Rechnung haben. 

Montag, 16. Oktober 2017

Statistik, Cholesterin, Geld

Cholesterin? Die Furcht vor den Stoffen, die einen Herzinfarkt mit sich bringen: Die Ernährungsmedizin bringt hier viele Beispiele. Ein amerikanischer Arzt untersuchte in den 50er Jahren den Zusammenhang des Verzehrs von tirischen Fetten und auftretenden Herzkreislauferkrankungen. Cholesterin im Essen sei schuld am Herzinfarkt, so die einigermaßen steile These. Belegt wurde diese These mit statistischen Tricks. Der Arzt sammelte Daten aus 21 Ländern, die die These stützen sollten. Doch die Daten belegten wenig. Was nicht zu seiner Erkenntnis passte, ließ der flotte Arzt, der bezahlter Berater der amerikanischen Margarineindustrie war, einfach weg. Zusammen mit einer Interpretation, die gewisse Fakten ebenfalls wegließ, schien sich ein schlüssiges Bild zu ergeben, das viele Ärzte täuschte und die Öffentlichkeit manipulierte. Natürlich ist Cholesterin ein Stoff, der im Blut festgestellt, etwas aussagt. Aber halt nicht über die Ernährung und nicht zwingend über den Gesundheitszustand einer Person. Die einschlägige Industrie benutzt aber solche „Erkenntnisse“ immer noch gerne. Die Grenzwerte bei Cholesterin wurden nach und nach immer weiter gesenkt. Das schuf neue Kunden für die Pharmaindustrie. Medizinische Studien ließen sich dafür leicht „frisieren“. Die Tricks sind unter anderem dabei: Eine Studie wird nicht veröffentlicht, wenn das Ergebnis dem Auftraggeber nicht gefällt. Man vergleicht ein neues Medikament mit einem bisherigen, relativ wirkungslosen und erzielt glänzende Ergebnisse. Wenn ein Medikament im Laufe der Zeit unerwünschte Nebenwirkungen erzielt, wird die Studie halt vorzeitig beendet. Oder umgekehrt: wenn sich die positiven Ergebnisse nicht einstellen, wird der Studienzeitraum einfach verlängert. Krebsvorsorge. Prostatauntersuchungen, die nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Es scheint als hätte die Masse der Menschen keinen Nutzen aus solchen medizinisch unnützen Untersuchungen, ja ihr drohen vielleicht sogar Schäden. Wegen falschen Diagnosen zum Beispiel, oder Schäden wie beispielsweise Überdiagnosen. Beim sogenannten PSA-Wert zur Früherkennung von Prostatakrebs, ist dies besonders augenfällig. Hier wird offenbar von vielen Patienten ein fragwürdiger Nutzen in Kauf genommen zugunsten eines heftigen Risikos. Dass der Nutzen solcher „Leistungen“ (zu denen auch die berüchtigen „IGEL“-Leistungen gehören, die die Krankenkassen zu Recht nicht bezahlen...) auch in einem geldwerten Vorteil bestehen kann, den sich gewisse Ärzte und die Pharmaindustrie teilen, wird auch gerne verschwiegen.

Samstag, 16. September 2017

Wahlkrampf Meridian

Jetzt haben wir alle Wahlkampfargumente im deutschen Bundestagswahlkampf bis zum Erbrechen verfolgt und nichts hat uns überzeugt, besonders wenn wir das muntere Texten mit den Tatsächlichkeiten vergleichen. Die Versprechen? Alles anders und besser zu machen? Nun ja, würden wir uns auch vornehmen und laut kund tun. Leute, die aus dem Ausland kommen, beneiden uns wegen der materiellen Basis und wegen der Struktur von Deutschland. Aber könnten wir, wollten wir, müssten wir nicht schon weiter sein? Würde sich gerade uns die Möglichkeit dazu eröffnen, auch gewisse soziale Lücken zu schließen. Es scheint eine bestimmte Klasse von Leuten zu dominieren, die von diesem „Ein Land, in dem wir gut und gerne leben“ profitiert. Nennen wir sie „Mitte“. Weisen aber nicht nahezu alle Untersuchungen darauf hin, dass diese Mitte kleiner wird? Muss ein Wahlkasmpf im Kampf um die Mitte ein Wohlfühlkrampf im Schlafwagen sein? Muss sich deshalb auch ein Wahlkampf an einer vermuteten Mitte orientieren? Traditionell ist sie in Deutschland groß, diese Mitte. Aber wird sie das auch noch in Zukunft sein? Wohin geht die Entwicklung? Muss Mitte auch mittelmäßig sein? Geht die soziale Schere auseinander? Wo stehen wir? Standortbestimmung ist angesagt. Um sich schauen. Anschauen, nicht verdrängen. Sich verorten, gesellschaftlich. Wissen, wer man ist und wo man ist und warum. Es wenigstens versuchen. Sich nicht nur von „Experten“ mit scheinbarem Spezialwissen überschwallen lassen. Und dann erkennen, dass es anderen Personen vielleicht ähnlich ergeht. Dass man in einem Zusammenhang steht, in Strukturen. Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Wer ist „Wir“? Sind damit Politiker gemeint? Politische Parteien? Genau darüber könnte abgestimmt werden, demnächst.

Freitag, 10. März 2017

Wirtschaftlicher Erfolg und Kritik

Ein Gespenst begegnet mir immer wieder. Ich wolle Deutschland schlecht reden. Ich würde mich in Stänkereien oder Meckereien ergehen, würde alles zu negativ sehen. Gerade in den Medien begegnet uns immer wieder die Behauptung, Deutschland gehe es gut, so gut wie kaum zuvor. Ob ich diese Einschätzung teile oder nicht, erscheint mir relativ egal. Wichtig ist, dass diese Behauptung auf rein wirtschaftlichen Parametern beruht, deren Gültigkeit ich als soziologisch ausgebildeter Statistiker auch noch anzweifle. Hinzu kommt, dass es wohl auch noch andere Parameter gibt. Die ausgegebenen Zahlen jedenfalls scheinen eine solche Sprache des wirtschaftlichen Erfolgs zu sprechen. Ist aber jener schon ein Meckerer, der auf begrenzte Gültigkeiten, auf bestimmte Validitäten hinzuweisen traut? Wer im konkreten Falle auf Polarisierungen und ungleiche Verteilung von Risiken und Geld hinweist? Wer jener Grundlage nachzugehen versucht, die den Profiteuren solcher Verhältnisse Legitimation verleiht? Wer sind überhaupt die Profiteure? Wir alle? Wer darauf hinweist, dass ein übergroßer Erfolg im Export mit dem Misserfolg anderer und hin und wieder sogar mit der Ausbeutung anderer (-->Afrika) zu tun hat? Ist einer ein Schelm, der Ungutes und so etwas wie ein Mittel zum Zweck dahinter vermutet, wenn dauernd der angebliche Wohlstand aller behauptet wird und ungleiche Verteilungen geleugnet werden? Wer ist „wir“? Wollen bestimmte Kräfte in unserer Gesellschaft etwas zudecken, etwas schönreden? Ein „Wir“ gar, nach Art der Populisten? Leben sie gar in einer eigenen Politik-Blase, in der Mangel und Unsicherheit gar nicht mehr als Erfahrungen vorkommen? Ist ihr Abstand zu denen, die sie zu vertreten vorgeben, allzu groß geworden? Gibt es nicht allseits bekannte Schwächen, die in den Lobby- und Interessenvertretungen liegen, die sich gerne Entscheidungsträger wie etwas Parlamentarier zur „Bearbeitung“ vorknöpfen? Was könnte Demokratie bedeuten?  

Mittwoch, 18. Januar 2017

Zahlen

Ein paar Zahlen, an die doch alle so sehr glauben: 8 Personen besitzen gleich viel, wie die halbe Weltbevölkerung. Ob diese Zahl richtig ist? Ich weiß es nicht, ich habe sie nicht nachgezählt. Die Zahl steht jetzt im Raum. Manche Menschen hantieren mit ihr, manche nicht. Andere halten sie für falsch. Ich werde solange mit dieser Zahl umgehen, bis sie klar widerlegt ist. Allein 55 Staaten bezogen zwischen 2010 und 2014 Großwaffensysteme aus Deutschland. In Sambia wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 11,4 Prozent der Gesamtfläche des Landes abgeholzt. Drei Staaten produzieren pro Jahr über ein Drittel der weltweit anfallenden nuklearen Abfälle – USA, Kanada und Frankreich. Mit Trump wird sich das nicht unbedingt in eine bestimmte Richtung ändern. 6461 Tote und Verletzte von Landminen und Blindgängern wurden weltweit registriert. Die Zahl stieg somit gegenüber dem Vorjahr um 75 %. Eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen ist momentan nicht teurer als ein großer Becher Kaffee. Es gibt in Deutschland fünf verschiedene Steuersätze für Weihnachtsbäume, die streng zu beachten sind. Heute sind in Deutschland 7,3 Millionen Menschen geringfügig beschäftigt. Das Einkommen von 1,2 Millionen Arbeitnehmern muss vom Staat aufgestockt werden, damit sie auf Hartz4-Niveau kommen. 1 Million Rentner sind auf Minijobs angewiesen.
Nun, das sind nur Zahlen. Wir sind jederzeit bereit, andere für uns zu akzeptieren, wenn sie uns einleuchtend erscheinen. Sind ja nur Zahlen. 

Sonntag, 20. November 2016

Arm und Reich (2)

Ja wie? Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste die Nürnberger Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 (aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind?