Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 21. November 2024

Paradoxon in sich hinein hinaus

„Du bist der, der du warst. Bist das und bist es nicht. Lebendes Paradoxon. Vergangenheit und Gegenwart überlappen sich. Warst oft unglücklich und wirst es wohl sein. Bist bestraft damit. Wieso? Die Antwort hat dich ein Leben lang beschäftigt, bist nie dahinter gekommen. Vielleicht würde ein professioneller Psychologe viele Stunden dazu brauchen, um auch nur eine klischeemäßige Antwort zu geben. Auf Misserfolg programmiert. „Du musst dich ändern“, sagt Rilke und meint dein Unbewusstes. Nur wie? Es kommt der Tod auf dich zu, unweigerlich. Zuerst sterben deine Eltern, dann du... Was wird gewesen sein? Wo wird man Spuren hinterlassen haben? Ein völlig belangloses Ego für die Welt. Selbstmitleid ist nicht erlaubt, sagen die „großen“ Geister. Haben womöglich damit recht. Sind damit ja auch groß geworden. Aus Zufall hinein getappt, sagen die Stars über sich selbst. Du sitzt ungläubig dabei. Wie ging das? Warum du nicht? Karma? Andere sinnieren auch darüber nach. Du hattest lange Zeit, die „großen“ Geister zu lesen. Sie schreiben, du schreibst auch, - und kriegst doch nichts zustande. Hast nie etwas zustande gebracht. Andere klingeln mit Worten. Du findest es widerwärtig. Faselst in dich hinein aus dir heraus. Unbemerkt.“

Mittwoch, 24. März 2021

Vererbtes Verhalten

Eigentlich fällt mir das schon länger auf: Dass man die Namen von bestimmten Akteuren der Entscheider- und Führungsklasse kennt. Aber sie haben plötzlich andere Vornamen, stammen offenbar aus der Familie der Mächtigen, der Pioniere und Vorangeher. Sie scheinen viele entscheidende Positionen zu belegen, ja, sie scheinen von diesen Positionen regelrecht angezogen zu sein. Ob sie da in eine Lebenswelt hineingeboren wurden und nun weitgehend wie selbstverständlich darin agieren. In einem Staat des Nepotismus (Vetternwirtschaft) scheint dies okay zu sein, Positionen werden „vererbt“, was ja in manchen Gesellschaften sehr offensichtlich so praktiziert wird. Dazu kommt, dass so etwas ein klassischer Fall von "Beziehungen" ist. Wer diese „Führungspersonen“ anspricht, erntet oberflächliches Unverständnis, man sei ganz „normal“ aufgewachsen, zur Führungsfigur geboren zu sein wird weit von sich gewiesen. Dabei scheint es ja so: Den Erfolg kann man offenbar lernen, indem man ihn quasi „mit der Muttermilch ein saugt“. Vorwärts zu kommen und andere zu verdrängen scheint ein Verhaltensmuster und soziales Gebaren, das auf allerlei Tätigkeitsbereiche übertragen werden kann. Die sachlichen und fachlichen Kenntnisse, die im heutigen Managment-Wesen ohnehin nicht mehr so wichtig sind, werden dabei „mitgeliefert“: Sie sind Inhalte des täglichen „So seins“, nicht nur der Tischgespräche. Per Sozialisation werden solche Junioren in bestimmte Lebenswelten eingeführt und verhalten sich anschließend entsprechend. Der „vertikalen Durchlässigkeit“ einer Gesellschaft, also ihren Aufstiegschancen durch Entfaltung ihrer Kräfte, ist das nicht zuträglich.

Dienstag, 9. Juni 2020

Alltagsrassismus in Deutschland

Alltagsrassismus in Deutschland, ja, den gibt es! Ich kann sie nicht mehr sehen und hören, diese Leute, die jetzt mit dem Zeigefinger auf die USA zeigen! Die meinen, von so etwas in Deutschland frei zu sein! Hierzulande lässt man oft genug abblitzen, gibt sich smart verständnisvoll, wird barsch, ertränkt alles in Gleichgültigkeit, erklärt sich für nicht zuständig, lässt die Dinge laufen, einfach so, immer weiter, wird unverschämt gegen eine Person, die einen, wie man glaubt, fremden Namen trägt, die nicht so aussieht, wie man es erwartet, man setzt unter Druck und drückt, mahnt ab. Auch bei bestimmten Behörden geschehen wohl solche Dinge. Es scheint eine Art geheimes Einverständnis derer zu geben, die das scheinbar Fremde ablehnen, bis tief hinein in die Institutionen dieses ach so toleranten Staates. Zugeben würde man das nie.
Die Presse? Sekundiert meist in aller unverbindlichen Freundlichkeit, indem sie das verarbeitet, was sie glaubt, an Zuständen und Zuständigkeiten verstanden zu haben. Dabei kaut sie oft nur das eigene Weltbild wieder, gestylt und designt, scheininformiert in wohlgeformten Sätzen und Sentenzen, wobei sie sich in ausladenden Konferenzen gegenseitiges Lob ausspricht. Rechtsstaatlichkeit? Pressefreiheit? Ja, wenn es wenigstens etwas Spektakuläres hätte! Wenn man etwas Strukturelles und Typisches darin erkennen könnte! Einen „Aufhänger“. Könnte ja jeder kommen. Rassismus als solches zu erkennen, zu qualifizieren und zu benennen ist manchmal vielleicht nicht ganz einfach. Es warten zahlreiche rechtliche Fußangeln, es warten sozial vermittelte Lebenswelten und Verhaltensweisen, die einen hindern könnten, die Dinge zu benennen. Lieber Raushalten!

Sonntag, 15. Dezember 2019

Selbst

Selbstbespiegelung. Ist heute akzeptiert. „Selfies“ sind eine kulturelle Errungenschaft geworden, Aufnahmen des Ego. Visuelle Wiedererkennbarkeit. Kurze Reize. Anmutung. Autenthischer Selbstausdruck. Ego. Sich in andere Rollen hinein begeben durch Verkleidung. Oder ob dies nur die Sehnsucht danach ausdrückt? Ein Bedauern darüber, dass man derselbe bleibt, egal, welche Verkleidung man wählt? Selfie, eine gesuchte Möglichkeit der Selbstsuche? Masken aufsetzen. Digitale Masken. Sich verstellen. Sich dahinter verstecken. Virtual und augmented Reality? Ob das gangbare Praktiken sind? Andere Codierungen anstreben? Auffallen? Dadurch möglichst viele „Likes“ erhalten? Auf dem Markt der Kommunikation dadurch etwas wert sein? Nicht das wahre Ich an sich anstreben, sondern es in die Welt hinein brüllen. Sich kommunizieren. Den Verlust anderer Kommunikationsmöglichkeiten als Verlust auch ausleben. Typische Situationen, Klischees des Verhaltens. Zusammenhänge in sich hinein lassen und ihnen dann Ausdruck geben. Das Ego dadurch erforschen. Schauspielern. Stars nacheifern. Alles zur Banalität machen. In der Gleichschaltung leben. Visueller Terror. Vorgegeben Modellen nachhecheln. Role models ausfüllen.

Samstag, 14. September 2019

Wie gut, dass ich bei den Guten bin (Text ca.2005)


Das folgende Fundstück muss von Anfang der 2000 stammen und ließe sich ohne Probleme in unsere Wirklichkeit der ausgehobenen Schützengräben und guten Menschen versetzen: 

Wie gut, dass ich bei den Guten bin
Am besten, ich mach' nicht viel Worte
und gehöre nicht zu denen,
die viel reden und nichts sagen
Du machst nicht viel Worte
traust ihrer Bedeutung nicht
sie haben sich zu oft gruppiert
Zu Lug, zu Trug
haben um deine Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung
um deine Aufmerksamkeit
haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt
zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping
über der unsichtbaren Hoheit
verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text
nach eigenen Worten
sie zieht dich weiter
in andere Formationen
viele Körper reden und sagen nichts
es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz
eine automatisierte Deutung
eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter
in weißen Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns
Ich ist ein Anderer
mit den anderen vernetzt sein
ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben
wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht
Ich zu sagen
ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein
in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt
wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin
und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe
der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen
könnte sich als Stärke erweisen
Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade
ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit
will verschwinden hinter Tönen
und mich einhüllen, will mich kleiden in sie
Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen
als ein Spiel
wenn der Sinn untergegangen ist
will ich dem Klang nachlauschen
der sich selbst mitteilt
die brauchen Dich nicht
die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist
was ist das Original, wenn alles eine Verfielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm
als Wolke des Geschwafels
eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?
Wie gut, dass ich bei den Guten bin
wie gut nur, wie gut......

Dienstag, 10. April 2018

Selftracking

Selbstüberwachung durch Tracker. Alles bearbeiten. Mathematische Formeln können uns berechnen. Unser Verhalten. Beinahe alles, was wir tun, wird erfasst und abgespeichert. Algoritmen errechnen Wahrscheinlichkeiten für unser Tun und legen dar, dass wir so etwas Besonderes nicht sind, für das wir uns so gerne halten. Gewohnheiten treiben uns. Festgelegte Strukturen. Drängen in etwas hinein, was wir sind und wie wir uns verhalten werden. Schon der uralte Film „Minority Report“ mit Tom Cruise zeigte uns das. Verhalten wird vorhersagbar sein. In diesem Fall geht es um abweichendes Verhalten, um Mord und Totschlag. Jetzt: Über unser Smartphone erzeugen wir dauernd Daten über uns und unsere Umwelt. Computer, Sensoren und Kameras halten fest, machen auswertbar, vorhersagbar. Die Datenmenge explodiert. Und unser ganzes Leben wird berechenbar. „Predictive Analytics“. Vorausschauende Analyse. Auch die Polizei macht sich dies zunutze. Anhand eines Algoritmischen Programms versucht sie Verbrechen zu verhindern, die noch gar nicht begangen worden sind. Verhalten vorher sagen (und danach Handeln: Ungesetzliches verhindern oder Konsum stimulieren, etwa im Falle einer ganz bestimmten Kaufentscheidung...). Regelmäßige Muster entdecken, per Computer. Auch Gesundheitspolitik ist damit möglich. Erkrankungen und Epedemien voraussagen. Früherkennung von Krankheiten. Verhaltens- und Aktivitätsmuster dafür analysieren. Verhinderbare Krankheiten verhindern. Mit Selftracking die Gesundheitsvorsorge verbessern. Sich selbst überwachen – und zwar so, dass man nicht mehr zum Arzt muss. Daten generieren, die bloß nicht in die falschen Hände geraten sollten. Bestimmte Krankenkassen hierzulande leisten noch Schwüre darauf. Noch. Das alles könnte ein gesellschaftliches Klima erzeugen, in dem man sich verdächtig macht, wenn man sich nicht genügend überwacht. Erste Tendenzen dazu machen wir gerne in China aus, - aber sie sind wohl auch hier im Anmarsch. 

Dienstag, 7. Februar 2017

Schwarmintelligenz (2)

Schwarmintelligenz hat etwas mit einer Gruppe zu tun, in der Natur fortwährend an den unterschiedlichsten Tieren zu beobachten. Wie sich Fischschwärme verhalten, Ameisen, Bienen usw. mag ein Modell liefern. Ob dies Modell auch auf den Menschen übertragen werden kann? Wie? Konkret? Es scheint ein Problem der Informationsübermittlung zu sein. Das Internet bietet dazu zum ersten Mal die Gelegenheit. Es lohnt sich womöglich darüber nachzudenken, auch wenn das Thema der zeitgeistig vorüber gehenden und gleitenden Inhalte momentan wieder fast schon verschwunden scheint. Da es in der Natur vor allem um das Fressen und Gefressen werden geht, da das Überleben und die Anpassung an spezifische Verhältnisse immer wieder für eine Auslese zu sorgen scheint, erheben sich dazu Fragen: wie wird dies in einem Schwarm von einen zum andern Individuum mitgeteilt, wird es überhaupt mitgeteilt, wieviel davon ist relativ starre Anlage, Instinkt, festgelegtes Programm und was teilt sich aus dem jeweiligen Augenblick mit? In welchem Verhältnis stehen diese Ebenen zueinander? Fest steht: Das Individuum geht unter in der Masse und kann dadurch auch etliche Vorteile ziehen. Es ist nicht leicht zu identifizieren oder anzugreifen. Es scheint in einem größeren Individuum unterzugehen. Aber wie erfolgt etwa bei Fledermäusen die Information, die bewirkt, dass es zu keinen Zusamenstößen oder sonstigen Behinderungen kommt? Gibt es ein abgestimmtes Verhalten? Ist dies zu beeinflussen? Dies etwa fragen sich die Wahlkampfmanger, die über „Filterblasen“, „Echokammern“ und ähnlich definierte Phänomene sinnieren. Gibt es Zustände und Situationen, die nur noch gewissen Informationen den Zugang zu bestimmten Individuen eröffnen? Algorithmen, die immer mehr den Alltag von Menschen bestimmen, indem sie einer Art zweitem Ich ganz bestimmte Bedürfnisse und ganz bestimmtes Verhalten zuschreiben, scheinen vor allem wirtschaftlichen und staatlich-überwachungstechnischen Interessen zu dienen. Was ist populär? Wieso? Können wir aufgrund anderer geistigen Fähigkeiten aus uns selbst heraus oder neben uns treten? Verschafft uns das unter Umständen ein gewisses Maß an Empathie? Macht es uns die „Reise in andere Wirklichkeiten“ leichter? Fragen, die in Richtungen wiesen.......

Montag, 5. Dezember 2016

Schwarmintelligenz (1)

„Bat out of Hell“ sang einst Meat Loaf, es war der Titel eines ganzen Albums, das seinen Mythos begründete. Wer? Meat Loaf? Nie gehört. Macht nichts. Wir waren in den Carlsbad Caverns in New Mexico, einem Ort mitten in der Wüste, mit einer Höhle, einem Schlund, einem Amphitheater und der Zufahrt dazu. Die Fledermäuse kamen gegen die Abendstunde, nachdem wir davor sitzend noch eine sehr anschauliche Einführung, ein Tutorial mitgemacht hatten. Zuerst ein paar Exemplare nur, dann immer mehr. Wir staunten. Und ich versuchte später, mich noch genauer zu informieren. Es war ein großartiges Beispiel für die heutzutage so viel gepriesene „Schwarmintelligenz“. Viele, ja manchmal Millionen von Fledermäusen, verlassen abends ihren Schlafplatz in der Höhle. Sie fliegen scheinbar wild umher. Der Eindruck täuscht, in Wirklichkeit sind sie wie in einem großen Organismus aufeinander bezogen und sehr wohl organisiert. Sie wissen immer, wo ihre Nachbarn sind und nach menschlichen Maßstäben unterhalten sie sich bei ihrem Ausflug über alles Mögliche. Manchmal greift ein Raubvogel den Schwarm an, auf der Suche nach einer scheinbar leichten Beute. Doch die Fledermäuse agieren dermaßen gut abgestimmt untereinander, gehen in dieser Organisation geradezu auf, so dass es sehr schwierig für einen Raubvogel wird- Lediglich die ausscherenden Fledermäuse, die Einzelgänger, die Außenseiter und nicht mit der Masse Abgestimmten, dürften ein lohnendes Ziel für sie abgeben. Plötzliche, gut abgestimmte und auf den sehr schnellen Austausch von Informationen beruhende Richtungswechsel des Schwarms verwirren die Angreifer. Die älteren, weiblichen Tiere sind Kundschafter und verlassen die Höhle zuerst. Dann folgen die Jungtiere. Die Spirale dreht sich immer in dieselbe Richtung, wobei Informationen aller Art ausgetauscht werden. Auch werden dabei Entscheidungen über die Route getroffen, basierend auf den Erfahrungen der Nacht davor. Dabei entsteht eine „Schwarmintelligenz“, die auf die einzelnen Individuen übergehen soll. Gerne wird jetzt eine Analogie zum Internet und dem dabei praktizierten Schwarmverhalten von Menschen gezogen. Schwarmverhalten soll das Verhalten der Vielen sein, die nach einfachen Regeln handeln. Auch Stichworte wie „Selbstorganisation“ dürften damit zusammen hängen. Es gilt, das kollektive Gedächtnis und die Überlegung eines Kollektivs erstehen zu lassen, die Vielen sollen sich zu einem einzigen Körper, zu dem Einen vereinen, das über den Individuen steht.  

Mittwoch, 29. Juni 2016

Andere gesellschaftliche Welten

Reiche Menschen fahren gerne Tesla. Elektro-Auto, möglichst selbstfahrend, weil das in die Zukunft weist. „Wir haben ja so sehr den Anschluss verloren, dass wir dringend Tesla fahren müssen. Es gibt ja nichts anderes. Die in anderen Ländern fahren uns weg.....“, so die ausgesprochene und unausgesprochene Botschaft als Notschaft. Reiche Menschen essen entschleunigt und nur Bio, nie aus dem Supermarkt oder gar vom Discounter, sie lassen sich Wellnessmassieren und verbringen das Wochenende in der Villa am See. Der Discounter ist dann doch für den Plebs, obwohl man gelegentlich schon mal auch gerne hinfährt und ein vermeintliches Schnäppchen abgreift. Sie hingegen wissen stets, wie und wo ihr Food erzeugt wurde. Möglichst erlesen und gutschmeckend sollte es schon auch sein. Die einschlägigen Ratgeber der Starköche sind alle durchgearbeitet und gesichtet. Auf dem Rückweg vom Bergausflug im Auto die Mutter anzurufen, einen Blick auf die Börsenkurse werfen und während des Wochenendputzens einem Hörbuch mit Spanisch-Vokabeln zu lauschen: Man muss lernen, mit Möglichkeiten umzugehen, sie für sich zu nutzen. Die Freizeit- und Bespassungsindustrie bietet diesen reichen Leuten den industriell in Reihe erzeugten Fun, dessen Kosten für die Umwelt in diesem Falle vernachlässigt werden, denn ihr Ego ist ja heilig und dementsprechend hoch honoriert: Elite darf das, was andere nicht dürfen. Verstehen ist überflüssig. Machen und Tun wichtig, koste es, was es wolle. „Gestalten“. Entspannungstechniken aller Art oder Herkunft bereiten zu neuer Leistung auf. Menschenführung ist selbstverständlich, das Personal braucht das. Starpädagogen liefern im Think Tank die Motivation und die Argumentationen. Verstehen braucht man das ja nicht, nur Wiederkäuen, das darf schon sein. Von der Festplatte entladen und damit schwallen können, das ist es. Prekariat? Digitalisierung. Nun ja, muss halt sein. Ist der Preis der Vielen dafür, solange es mich als „Elite“ ja nicht betrifft. Der Preis für den Fortschritt (im Portemannaie). 

Freitag, 15. April 2016

Verkehrsdistinktionen

Wie es hier ist: die Leute (in bestimmten Zeiten: vor allem alternative und bebrillt dreinschauende Edel-Hausfrauen samt billigen Damen in engen Klamotten mit prallen Titten) preschen mit riesigen Offroad-SUVs und City-Laster durch die Gassen, ohne jede Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger zu nehmen. Fußgänger hingegen wackeln auch noch im dichtesten Verkehr mit starrem Blick auf ihr Smartphone über Zebrastreifen und daddeln dabei ohne jeden Seitenblick auf ihre reale Umwelt immer weiter. Kommunikation de Luxe. Parkplätze zu finden fordert einem zu bestimmten Zeiten auch noch im hintersten Hinterkaff alles ab: die Infrastruktur kommt längst nicht mehr mit. Alle Straßen und Plätze sind ausgebaut, die Autos sind dafür längst viel zu groß geworden, behindern sich gegenseitig und bretzeln viel zu viele Abgase in die Welt.

Sonntag, 10. April 2016

Selbstoptimierung und Rollenverständnis

Es ist es doch so: Frauchen verkaufen ihr Äußeres gerne mal an einen reichen Macker (bei einem verborgenen aber trotzdem tief traditionellen Rollenverständnis, das ein bisschen auf Modern gebügelt ist..., ja, das gibt es tatsächlich massenhaft), am besten per Ehe und den sich daran knüpfenden Kindern. Irgendwann wird den Frauchen das Dahinleben mit verwöhntem Balg, in teuren Villen und Karossen zu langweilig, sie wollen sich nun selbst verwirklichen (angeregt durch die neoliberale Grundstimmung, die befiehlt: Mache etwas aus dir! Hole etwas aus dir heraus! Optimiere dich!). Also schreiben sie ein Buch, verfassen ein Theaterstück, eröffnen eine Boutique, malen farbige Werke und stellen aus. Durch die Beziehungen ihres Gatten (der inzwischen natürlich längst eine jüngere Geliebte hat...) fällt dieser Schritt an die Öffentlichkeit leicht, der Freundeskreis gibt das ja locker her: Ein namhafter Verlag ist leicht zur Hand, eine gegen Entgelt bereit stehende Theaterriege will auch Geld verdienen, Räumlichkeiten anmieten wird bezahlt, eine Bank organisiert gerne die Ausstellung, lädt mit Briefkopf die Willy-Wichtigs und „potenten“ Geldsäcke zur Vernissage ein - und überhaupt: da ist viel soziales Engagement. Dieses sollte heutzutage möglichst kostenlos für den Staat sein (was großzügige Aufwandsentschädigungen nicht unmöglich macht...) und durch ein „Sponsoring“ ermöglicht werden, d.h.: Durch den Werbeetat einer Firma, die sich durch ihre diesbezügliche Aktivität etwas für sich selbst verspricht..... last but not least: Image. Wer solche Zusammenhänge einigermaßen durchblickt und mit ihnen handelt, befindet sich meist in der Werbebranche. Geht - im weitesten Sinne - mit öffentlicher Kommunikation um, (ver-) plant Kampagnen usw. Mit solchen Aktionen meist einher gehendes Gutmenschentum zu transportieren, ist eine „besondere Herausforderung“ für ihn. Er weiß, wie so was geht, auch bei der „Presse“, erkennt ja die tonangebenden Leute dort ...... Also erstrahlt seine Ehefrau meist im Sozio-Ökoglanz, verfügt über ein weithin sichtbares Hochglanz-Ego einer frei schwebenden Kreativität, ist die stets frohsinnige Verkörperung und der Inbegriff des „Chic“...usw. 

Freitag, 1. April 2016

Blog ohne Zukunft

Ich bin nahe dran, hier mit dem Blog aufzuhören. Es scheint kein Publikum dafür zu geben, - für möglichst marktschreierisches Ausrufen von Produktempfehlungen und dem Abfeiern von Skurrilem aber sehr wohl. An was das wohl liegt? Okay, viel falsch gemacht. Marketing und Werbung nicht ausreichend betrieben. Eine Präsenz keinesfalls im Mainstream aller Äußerungen. Mag sein. Aber deswegen überhaupt keine Reaktionen? Radikales Scheitern? Eine Art Seelenprotokoll ein Registrieren von anderen Realitäten, von verschiedenen Wirklichkeiten, die gerade auch vertikalen Gliederung der hiesigen Gesellschaft begründet sein mögen, eine Mischung aus Texten, MP3s und Fotos, die etwas umreißen: all das ist mittlerweile zu exotisch. Auch das sagt etwas aus. Ist ein Zeichen. 

Sonntag, 10. Januar 2016

Political Correctness

Political Correctness ist ein Problem. Hierzulande. Überall. Sich freiwillig gewissen scheinbar moralischen Schranken zu unterwerfen, die man aber oft ändert und dem jeweiligen Zeitgeist flexibel unterwirft. Am „Struwelpeter“ soll in diesem Sinne herumredigiert werden, an vielen anderen Büchern auch. Sprachordnungen sollen umgestoßen werden, man darf bestimmte Dinge nicht mehr sagen."Neger" zum Beispiel.  Antiamerikanismus ist ein weiteres Beispiel. Die USA als die böse Macht. Was immer die Vereinigten Staaten tun, ist falsch, glauben Teile der Linken und Linksliberalen. In den USA selbst sind Denkverbote ebenso beliebt. Die Technik, im Fernsehen voyeuristisches Mitgefühl zu erheischen, um es als Machtmittel zu missbrauchen, ist bei den Wichtigs besonders beliebt. Es geht um in den jeweiligen Gruppen akzeptierte Lebens- und Verhaltensnormen. Es geht um die Identifikation mit denen, die man als glaubt, als besonders wertvoll, hip, alternativ oder einfach nur zeitgerecht erkannt zu haben. Dass dies aber eine soziale Konstruktion sein kann, eine zugewiesene Rolle, wird dabei in Kauf genommen. Als im Mai des Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in New York mit einem Preis geehrt wurde, hat eine ganze Reihe von prominenten Autoren (dem Vernehmen nach AutorInnen wie Joyce Carol Oates, Michael Ondaatje u.a.) gegen die Auszeichnung protestiert. Argument: man dürfe eine Zeitschrift nicht prämieren, die mit ihren Mohammed-Karikaturen religiöse Gefühle verletze. Mit einer solchen Instinktlosigkeit wiederhole man nur das imperialistische Muster und handele rassistisch. Ob es bei der Kontroverse auch etwas um Empathie ging, also jene Fähigkeit, sich in andere Menschen und andere Haltungen hineinzudenken? 

Freitag, 8. Januar 2016

Mein Ich unter anderen Bedingungen

Ich war immer schon davon ausgegangen, dass mein Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist. Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz anderes Stück meines Ichs, meines Selbst erfahren.
Zum Beispiel in den USA hat sich mein Verhältnis zur Natur komplett und umfassend geändert. Es hat mich sehr stark beeinflusst, was ich dort gesehen und erlebt habe. Es hat mir andere Dimensionen eröffnet. Wäre ich dort irgendwo aufgewachsen, vielleicht irgendwo im Westen, wäre ich ein anderer. Es hätte vielleicht die dort überall gegenwärtige Weite einen großen Einfluss gehabt, - im Gegensatz zum Hier, wo alles zugemauert und zubetoniert ist. Ich hätte womöglich eine andere Nähe zur Tierwelt entwickeln können. Vielleicht wäre ich aber auch härter und geldorientierter geworden, wäre mit dem Überleben dermaßen intensiv beschäftigt gewesen, dass ich diese Zeilen hier nie hätte schreiben können. Und: es sind deutlich krassere Beispiele denkbar...