Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 21. November 2024
Paradoxon in sich hinein hinaus
„Du bist der, der du warst. Bist das und bist es nicht. Lebendes Paradoxon. Vergangenheit und Gegenwart überlappen sich. Warst oft unglücklich und wirst es wohl sein. Bist bestraft damit. Wieso? Die Antwort hat dich ein Leben lang beschäftigt, bist nie dahinter gekommen. Vielleicht würde ein professioneller Psychologe viele Stunden dazu brauchen, um auch nur eine klischeemäßige Antwort zu geben. Auf Misserfolg programmiert. „Du musst dich ändern“, sagt Rilke und meint dein Unbewusstes. Nur wie? Es kommt der Tod auf dich zu, unweigerlich. Zuerst sterben deine Eltern, dann du... Was wird gewesen sein? Wo wird man Spuren hinterlassen haben? Ein völlig belangloses Ego für die Welt. Selbstmitleid ist nicht erlaubt, sagen die „großen“ Geister. Haben womöglich damit recht. Sind damit ja auch groß geworden. Aus Zufall hinein getappt, sagen die Stars über sich selbst. Du sitzt ungläubig dabei. Wie ging das? Warum du nicht? Karma? Andere sinnieren auch darüber nach. Du hattest lange Zeit, die „großen“ Geister zu lesen. Sie schreiben, du schreibst auch, - und kriegst doch nichts zustande. Hast nie etwas zustande gebracht. Andere klingeln mit Worten. Du findest es widerwärtig. Faselst in dich hinein aus dir heraus. Unbemerkt.“
Mittwoch, 24. März 2021
Vererbtes Verhalten
Eigentlich fällt mir das schon länger auf: Dass man die Namen von bestimmten Akteuren der Entscheider- und Führungsklasse kennt. Aber sie haben plötzlich andere Vornamen, stammen offenbar aus der Familie der Mächtigen, der Pioniere und Vorangeher. Sie scheinen viele entscheidende Positionen zu belegen, ja, sie scheinen von diesen Positionen regelrecht angezogen zu sein. Ob sie da in eine Lebenswelt hineingeboren wurden und nun weitgehend wie selbstverständlich darin agieren. In einem Staat des Nepotismus (Vetternwirtschaft) scheint dies okay zu sein, Positionen werden „vererbt“, was ja in manchen Gesellschaften sehr offensichtlich so praktiziert wird. Dazu kommt, dass so etwas ein klassischer Fall von "Beziehungen" ist.
Wer diese „Führungspersonen“ anspricht, erntet oberflächliches Unverständnis, man sei ganz „normal“ aufgewachsen, zur Führungsfigur geboren zu sein wird weit von sich gewiesen. Dabei scheint es ja so: Den Erfolg kann man offenbar lernen, indem man ihn quasi „mit der Muttermilch ein saugt“. Vorwärts zu kommen und andere zu verdrängen scheint ein Verhaltensmuster und soziales Gebaren, das auf allerlei Tätigkeitsbereiche übertragen werden kann. Die sachlichen und fachlichen Kenntnisse, die im heutigen Managment-Wesen ohnehin nicht mehr so wichtig sind, werden dabei „mitgeliefert“: Sie sind Inhalte des täglichen „So seins“, nicht nur der Tischgespräche. Per Sozialisation werden solche Junioren in bestimmte Lebenswelten eingeführt und verhalten sich anschließend entsprechend. Der „vertikalen Durchlässigkeit“ einer Gesellschaft, also ihren Aufstiegschancen durch Entfaltung ihrer Kräfte, ist das nicht zuträglich.
Dienstag, 9. Juni 2020
Alltagsrassismus in Deutschland
Alltagsrassismus
in Deutschland, ja, den gibt es! Ich kann sie nicht mehr sehen und
hören, diese Leute, die jetzt mit dem Zeigefinger auf die USA
zeigen! Die meinen, von so etwas in Deutschland frei zu sein! Hierzulande lässt man oft genug abblitzen, gibt sich smart
verständnisvoll, wird barsch, ertränkt alles in Gleichgültigkeit,
erklärt sich für nicht zuständig, lässt die Dinge laufen, einfach
so, immer weiter, wird unverschämt gegen eine Person, die einen, wie
man glaubt, fremden Namen trägt, die nicht so aussieht, wie man es erwartet, man setzt unter Druck und drückt, mahnt ab.
Auch bei bestimmten Behörden geschehen wohl solche Dinge. Es scheint
eine Art geheimes Einverständnis derer zu geben, die das scheinbar
Fremde ablehnen, bis tief hinein in die Institutionen dieses ach so
toleranten Staates. Zugeben würde man das nie.
Die
Presse? Sekundiert meist in aller unverbindlichen Freundlichkeit,
indem sie das verarbeitet, was sie glaubt, an Zuständen und
Zuständigkeiten verstanden zu haben. Dabei kaut sie oft nur das eigene
Weltbild wieder, gestylt und designt, scheininformiert in
wohlgeformten Sätzen und Sentenzen, wobei sie sich in ausladenden
Konferenzen gegenseitiges Lob ausspricht. Rechtsstaatlichkeit?
Pressefreiheit? Ja, wenn es wenigstens etwas Spektakuläres hätte!
Wenn man etwas Strukturelles und Typisches darin erkennen könnte!
Einen „Aufhänger“. Könnte ja jeder kommen. Rassismus als solches zu erkennen, zu
qualifizieren und zu benennen ist manchmal vielleicht nicht ganz
einfach. Es warten zahlreiche rechtliche Fußangeln, es warten sozial
vermittelte Lebenswelten und Verhaltensweisen, die einen hindern
könnten, die Dinge zu benennen. Lieber Raushalten!
Sonntag, 15. Dezember 2019
Selbst
Selbstbespiegelung. Ist heute
akzeptiert. „Selfies“ sind eine kulturelle Errungenschaft
geworden, Aufnahmen des Ego. Visuelle Wiedererkennbarkeit. Kurze
Reize. Anmutung. Autenthischer Selbstausdruck. Ego. Sich in andere
Rollen hinein begeben durch Verkleidung. Oder ob dies nur die
Sehnsucht danach ausdrückt? Ein Bedauern darüber, dass man derselbe
bleibt, egal, welche Verkleidung man wählt? Selfie, eine gesuchte Möglichkeit der Selbstsuche? Masken aufsetzen.
Digitale Masken. Sich verstellen. Sich dahinter verstecken. Virtual und augmented Reality? Ob das
gangbare Praktiken sind? Andere Codierungen anstreben? Auffallen?
Dadurch möglichst viele „Likes“ erhalten? Auf dem Markt der Kommunikation dadurch etwas wert sein? Nicht das wahre Ich an
sich anstreben, sondern es in die Welt hinein brüllen. Sich
kommunizieren. Den Verlust anderer Kommunikationsmöglichkeiten als
Verlust auch ausleben. Typische Situationen, Klischees des
Verhaltens. Zusammenhänge in sich hinein lassen und ihnen dann
Ausdruck geben. Das Ego dadurch erforschen. Schauspielern. Stars
nacheifern. Alles zur Banalität machen. In der Gleichschaltung leben.
Visueller Terror. Vorgegeben Modellen nachhecheln. Role models
ausfüllen.
Samstag, 14. September 2019
Wie gut, dass ich bei den Guten bin (Text ca.2005)
Das folgende Fundstück muss von Anfang der 2000 stammen und ließe sich ohne Probleme in unsere Wirklichkeit der ausgehobenen Schützengräben und guten Menschen versetzen:
Wie
gut, dass ich bei den Guten bin
Am
besten, ich mach' nicht viel Worte
und
gehöre nicht zu denen,
die
viel reden und nichts sagen
Du
machst nicht viel Worte
traust
ihrer Bedeutung nicht
sie
haben sich zu oft gruppiert
Zu
Lug, zu Trug
haben
um deine Kaufkraft geworben
um
Deine Wertschätzung
um
deine Aufmerksamkeit
haben
die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in
Bilder, die missbraucht und vergewaltigt
zu
fetten Gemeinplätzen wuchsen
es
ist ein nettes Hopping
über
der unsichtbaren Hoheit
verkaufter
Luftschlösser
aber
dich plagt eine Sehnsucht nach Text
nach
eigenen Worten
sie
zieht dich weiter
in
andere Formationen
viele
Körper reden und sagen nichts
es
ist genauso, wie dieser Satz,
eine
vorbereiteter Gemeinplatz
eine
automatisierte Deutung
eine
hübsch geformte Lüge
der
Sinn geht im universalen Geräusch unter
in
weißen Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und
du bist ein Pirat der Patterns
Ich
ist ein Anderer
mit
den anderen vernetzt sein
ein
Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich
in andere Positionen begeben
wagen,
sie in Frage zu stellen
das
willst Du vielleicht
Ich
zu sagen
ist
eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei
könnte alles so anders sein
in
Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt
wir
treiben knapp unter der Oberfläche dahin
und
strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe
der
Papierweg ist verstopft
Schwächen
offen zu zeigen
könnte
sich als Stärke erweisen
Lüge,
eitel Selbstinszenierung
schöne
Fassaden sind auch schön - als Fassade
ein
Paravant, flüchtig aufgestellt
rund
um bittere Erbärmlichkeit
will
verschwinden hinter Tönen
und
mich einhüllen, will mich kleiden in sie
Du
wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen
als
ein Spiel
wenn
der Sinn untergegangen ist
will
ich dem Klang nachlauschen
der
sich selbst mitteilt
die
brauchen Dich nicht
die
nehmen sich nur, was sie brauchen
die
hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist
was
ist das Original, wenn alles eine Verfielfältigung ist
unwillkürlich,
als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm
als
Wolke des Geschwafels
eine
Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind?
Wie
gut, dass ich bei den Guten bin
wie
gut nur, wie gut......
Dienstag, 10. April 2018
Selftracking
Selbstüberwachung durch
Tracker. Alles bearbeiten. Mathematische Formeln können uns
berechnen. Unser Verhalten. Beinahe alles, was wir tun, wird erfasst
und abgespeichert. Algoritmen errechnen Wahrscheinlichkeiten für
unser Tun und legen dar, dass wir so etwas Besonderes nicht sind, für
das wir uns so gerne halten. Gewohnheiten treiben uns. Festgelegte
Strukturen. Drängen in etwas hinein, was wir sind und wie wir uns
verhalten werden. Schon der uralte Film „Minority Report“ mit Tom
Cruise zeigte uns das. Verhalten wird vorhersagbar sein. In diesem
Fall geht es um abweichendes Verhalten, um Mord und Totschlag. Jetzt:
Über unser Smartphone erzeugen wir dauernd Daten über uns und
unsere Umwelt. Computer, Sensoren und Kameras halten fest, machen
auswertbar, vorhersagbar. Die Datenmenge explodiert. Und unser ganzes
Leben wird berechenbar. „Predictive Analytics“. Vorausschauende
Analyse. Auch die Polizei macht sich dies zunutze. Anhand eines
Algoritmischen Programms versucht sie Verbrechen zu verhindern, die
noch gar nicht begangen worden sind. Verhalten vorher sagen (und
danach Handeln: Ungesetzliches verhindern oder Konsum stimulieren,
etwa im Falle einer ganz bestimmten Kaufentscheidung...). Regelmäßige
Muster entdecken, per Computer. Auch Gesundheitspolitik ist damit
möglich. Erkrankungen und Epedemien voraussagen. Früherkennung von
Krankheiten. Verhaltens- und Aktivitätsmuster dafür analysieren.
Verhinderbare Krankheiten verhindern. Mit Selftracking die
Gesundheitsvorsorge verbessern. Sich selbst überwachen – und zwar
so, dass man nicht mehr zum Arzt muss. Daten generieren, die bloß
nicht in die falschen Hände geraten sollten. Bestimmte Krankenkassen
hierzulande leisten noch Schwüre darauf. Noch. Das alles könnte ein
gesellschaftliches Klima erzeugen, in dem man sich verdächtig macht,
wenn man sich nicht genügend überwacht. Erste Tendenzen dazu machen
wir gerne in China aus, - aber sie sind wohl auch hier im Anmarsch.
Dienstag, 7. Februar 2017
Schwarmintelligenz (2)
Schwarmintelligenz hat etwas mit einer Gruppe zu tun,
in der Natur fortwährend an den unterschiedlichsten Tieren zu
beobachten. Wie sich Fischschwärme verhalten, Ameisen, Bienen usw.
mag ein Modell liefern. Ob dies Modell auch auf den Menschen
übertragen werden kann? Wie? Konkret? Es scheint ein Problem der
Informationsübermittlung zu sein. Das Internet bietet dazu zum
ersten Mal die Gelegenheit. Es lohnt sich womöglich darüber
nachzudenken, auch wenn das Thema der zeitgeistig vorüber gehenden
und gleitenden Inhalte momentan wieder fast schon verschwunden
scheint. Da es in der Natur vor allem um das Fressen und Gefressen
werden geht, da das Überleben und die Anpassung an spezifische
Verhältnisse immer wieder für eine Auslese zu sorgen scheint, erheben sich dazu Fragen: wie
wird dies in einem Schwarm von einen zum andern Individuum
mitgeteilt, wird es überhaupt mitgeteilt, wieviel davon ist relativ
starre Anlage, Instinkt, festgelegtes Programm und was teilt sich aus
dem jeweiligen Augenblick mit? In welchem Verhältnis stehen diese
Ebenen zueinander? Fest steht: Das Individuum geht unter in der Masse
und kann dadurch auch etliche Vorteile ziehen. Es ist nicht leicht zu
identifizieren oder anzugreifen. Es scheint in einem größeren
Individuum unterzugehen. Aber wie erfolgt etwa bei Fledermäusen die
Information, die bewirkt, dass es zu keinen Zusamenstößen oder
sonstigen Behinderungen kommt? Gibt es ein abgestimmtes Verhalten?
Ist dies zu beeinflussen? Dies etwa fragen sich die Wahlkampfmanger,
die über „Filterblasen“, „Echokammern“ und ähnlich
definierte Phänomene sinnieren. Gibt es Zustände und Situationen,
die nur noch gewissen Informationen den Zugang zu bestimmten
Individuen eröffnen? Algorithmen, die immer mehr den Alltag von
Menschen bestimmen, indem sie einer Art zweitem Ich ganz bestimmte
Bedürfnisse und ganz bestimmtes Verhalten zuschreiben, scheinen vor
allem wirtschaftlichen und staatlich-überwachungstechnischen
Interessen zu dienen. Was ist populär? Wieso? Können wir aufgrund
anderer geistigen Fähigkeiten aus uns selbst heraus oder neben uns
treten? Verschafft uns das unter Umständen ein gewisses Maß an
Empathie? Macht es uns die „Reise in andere Wirklichkeiten“
leichter? Fragen, die in Richtungen wiesen.......
Montag, 5. Dezember 2016
Schwarmintelligenz (1)
„Bat out of Hell“ sang einst Meat Loaf, es war
der Titel eines ganzen Albums, das seinen Mythos begründete. Wer?
Meat Loaf? Nie gehört. Macht nichts. Wir waren in den Carlsbad
Caverns in New Mexico, einem Ort mitten in der Wüste, mit einer
Höhle, einem Schlund, einem Amphitheater und der Zufahrt dazu. Die
Fledermäuse kamen gegen die Abendstunde, nachdem wir davor sitzend
noch eine sehr anschauliche Einführung, ein Tutorial mitgemacht hatten. Zuerst ein
paar Exemplare nur, dann immer mehr. Wir staunten. Und ich versuchte später,
mich noch genauer zu informieren. Es war ein großartiges Beispiel
für die heutzutage so viel gepriesene „Schwarmintelligenz“.
Viele, ja manchmal Millionen von Fledermäusen, verlassen abends ihren
Schlafplatz in der Höhle. Sie fliegen scheinbar wild umher. Der Eindruck täuscht,
in Wirklichkeit sind sie wie in einem großen Organismus aufeinander
bezogen und sehr wohl organisiert. Sie wissen immer, wo ihre Nachbarn
sind und nach menschlichen Maßstäben unterhalten sie sich bei ihrem
Ausflug über alles Mögliche. Manchmal greift ein Raubvogel den Schwarm an, auf der Suche
nach einer scheinbar leichten Beute. Doch die Fledermäuse agieren
dermaßen gut abgestimmt untereinander, gehen in dieser Organisation
geradezu auf, so dass es sehr schwierig für einen Raubvogel wird-
Lediglich die ausscherenden Fledermäuse, die Einzelgänger, die
Außenseiter und nicht mit der Masse Abgestimmten, dürften ein
lohnendes Ziel für sie abgeben. Plötzliche, gut abgestimmte und auf
den sehr schnellen Austausch von Informationen beruhende
Richtungswechsel des Schwarms verwirren die Angreifer. Die älteren,
weiblichen Tiere sind Kundschafter und verlassen die Höhle zuerst.
Dann folgen die Jungtiere. Die Spirale dreht sich immer in dieselbe
Richtung, wobei Informationen aller Art ausgetauscht werden. Auch
werden dabei Entscheidungen über die Route getroffen, basierend auf
den Erfahrungen der Nacht davor. Dabei entsteht eine
„Schwarmintelligenz“, die auf die einzelnen Individuen übergehen
soll. Gerne wird jetzt eine Analogie zum Internet und dem dabei
praktizierten Schwarmverhalten von Menschen gezogen. Schwarmverhalten
soll das Verhalten der Vielen sein, die nach einfachen Regeln
handeln. Auch Stichworte wie „Selbstorganisation“ dürften damit
zusammen hängen. Es gilt, das kollektive Gedächtnis und die
Überlegung eines Kollektivs erstehen zu lassen, die Vielen sollen
sich zu einem einzigen Körper, zu dem Einen vereinen, das über den
Individuen steht.
Mittwoch, 29. Juni 2016
Andere gesellschaftliche Welten
Reiche Menschen fahren gerne Tesla. Elektro-Auto,
möglichst selbstfahrend, weil das in die Zukunft weist. „Wir haben
ja so sehr den Anschluss verloren, dass wir dringend Tesla fahren
müssen. Es gibt ja nichts anderes. Die in anderen Ländern fahren
uns weg.....“, so die ausgesprochene und unausgesprochene Botschaft
als Notschaft. Reiche Menschen essen entschleunigt und nur Bio, nie
aus dem Supermarkt oder gar vom Discounter, sie lassen sich Wellnessmassieren und verbringen das Wochenende in der Villa am See. Der Discounter ist dann doch für den Plebs, obwohl man gelegentlich schon mal auch gerne hinfährt und ein vermeintliches Schnäppchen abgreift. Sie hingegen wissen stets, wie und wo ihr Food erzeugt wurde. Möglichst erlesen und
gutschmeckend sollte es schon auch sein. Die einschlägigen Ratgeber
der Starköche sind alle durchgearbeitet und gesichtet. Auf
dem Rückweg vom Bergausflug im Auto die Mutter anzurufen, einen
Blick auf die Börsenkurse werfen und während des Wochenendputzens
einem Hörbuch mit Spanisch-Vokabeln zu lauschen: Man muss
lernen, mit Möglichkeiten umzugehen, sie für sich zu nutzen. Die Freizeit- und
Bespassungsindustrie bietet diesen reichen Leuten den industriell in
Reihe erzeugten Fun, dessen Kosten für die Umwelt in diesem Falle
vernachlässigt werden, denn ihr Ego ist ja heilig und
dementsprechend hoch honoriert: Elite darf das, was andere nicht
dürfen. Verstehen ist überflüssig. Machen und Tun wichtig, koste
es, was es wolle. „Gestalten“. Entspannungstechniken aller Art
oder Herkunft bereiten zu neuer Leistung auf. Menschenführung ist
selbstverständlich, das Personal braucht das. Starpädagogen liefern
im Think Tank die Motivation und die Argumentationen. Verstehen
braucht man das ja nicht, nur Wiederkäuen, das darf schon sein. Von
der Festplatte entladen und damit schwallen können, das ist es.
Prekariat? Digitalisierung. Nun ja, muss halt sein. Ist der Preis der
Vielen dafür, solange es mich als „Elite“ ja nicht betrifft. Der Preis für den Fortschritt (im Portemannaie).
Freitag, 15. April 2016
Verkehrsdistinktionen
Wie
es hier ist: die Leute (in bestimmten Zeiten: vor allem
alternative und bebrillt dreinschauende Edel-Hausfrauen samt billigen
Damen in engen Klamotten mit prallen Titten) preschen mit riesigen Offroad-SUVs und
City-Laster durch die Gassen, ohne jede Rücksicht auf andere
Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger zu nehmen. Fußgänger hingegen
wackeln auch noch im dichtesten Verkehr mit starrem Blick auf ihr
Smartphone über Zebrastreifen und daddeln dabei ohne jeden Seitenblick auf ihre reale Umwelt immer weiter.
Kommunikation de Luxe. Parkplätze zu finden fordert einem zu
bestimmten Zeiten auch noch im hintersten Hinterkaff alles ab:
die Infrastruktur kommt längst nicht mehr mit. Alle Straßen und
Plätze sind ausgebaut, die Autos sind dafür längst viel zu groß
geworden, behindern sich gegenseitig und bretzeln viel zu viele Abgase in die Welt.
Sonntag, 10. April 2016
Selbstoptimierung und Rollenverständnis
Es ist es doch so: Frauchen verkaufen ihr Äußeres
gerne mal an einen reichen Macker (bei einem verborgenen aber trotzdem tief traditionellen
Rollenverständnis, das ein bisschen auf Modern gebügelt ist..., ja, das gibt es tatsächlich massenhaft), am besten per
Ehe und den sich daran knüpfenden Kindern. Irgendwann wird den
Frauchen das Dahinleben mit verwöhntem Balg, in teuren Villen und Karossen zu langweilig,
sie wollen sich nun selbst verwirklichen (angeregt durch die
neoliberale Grundstimmung, die befiehlt: Mache etwas aus dir! Hole
etwas aus dir heraus! Optimiere dich!). Also schreiben sie ein Buch,
verfassen ein Theaterstück, eröffnen eine Boutique, malen farbige
Werke und stellen aus. Durch die Beziehungen ihres Gatten (der
inzwischen natürlich längst eine jüngere Geliebte hat...) fällt dieser
Schritt an die Öffentlichkeit leicht, der Freundeskreis gibt das ja
locker her: Ein namhafter Verlag ist leicht zur Hand, eine gegen Entgelt bereit stehende Theaterriege will auch Geld verdienen, Räumlichkeiten anmieten wird
bezahlt, eine Bank organisiert gerne die Ausstellung, lädt mit
Briefkopf die Willy-Wichtigs und „potenten“ Geldsäcke zur
Vernissage ein - und überhaupt: da ist viel soziales Engagement.
Dieses sollte heutzutage möglichst kostenlos für den Staat sein
(was großzügige Aufwandsentschädigungen nicht unmöglich macht...)
und durch ein „Sponsoring“ ermöglicht werden, d.h.: Durch den
Werbeetat einer Firma, die sich durch ihre diesbezügliche Aktivität
etwas für sich selbst verspricht..... last but not least: Image. Wer
solche Zusammenhänge einigermaßen durchblickt und mit ihnen handelt, befindet sich meist
in der Werbebranche. Geht - im weitesten Sinne - mit öffentlicher
Kommunikation um, (ver-) plant Kampagnen usw. Mit solchen Aktionen
meist einher gehendes Gutmenschentum zu transportieren, ist eine
„besondere Herausforderung“ für ihn. Er weiß, wie so was geht,
auch bei der „Presse“, erkennt ja die tonangebenden Leute dort ...... Also erstrahlt seine Ehefrau meist im
Sozio-Ökoglanz, verfügt über ein weithin sichtbares Hochglanz-Ego einer frei schwebenden Kreativität,
ist die stets frohsinnige Verkörperung und der Inbegriff des „Chic“...usw.
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Freitag, 1. April 2016
Blog ohne Zukunft
Ich bin nahe dran, hier mit dem Blog aufzuhören. Es
scheint kein Publikum dafür zu geben, - für möglichst
marktschreierisches Ausrufen von Produktempfehlungen und dem Abfeiern
von Skurrilem aber sehr wohl. An was das wohl liegt? Okay, viel
falsch gemacht. Marketing und Werbung nicht ausreichend betrieben.
Eine Präsenz keinesfalls im Mainstream aller Äußerungen. Mag sein.
Aber deswegen überhaupt keine Reaktionen? Radikales Scheitern? Eine
Art Seelenprotokoll ein Registrieren von anderen Realitäten, von
verschiedenen Wirklichkeiten, die gerade auch vertikalen Gliederung
der hiesigen Gesellschaft begründet sein mögen, eine Mischung aus
Texten, MP3s und Fotos, die etwas umreißen: all das ist mittlerweile
zu exotisch. Auch das sagt etwas aus. Ist ein Zeichen.
Sonntag, 10. Januar 2016
Political Correctness
Political
Correctness ist ein Problem. Hierzulande. Überall. Sich freiwillig
gewissen scheinbar moralischen Schranken zu unterwerfen, die man aber oft
ändert und dem jeweiligen Zeitgeist flexibel unterwirft. Am „Struwelpeter“
soll in diesem Sinne herumredigiert werden, an vielen anderen Büchern auch. Sprachordnungen sollen umgestoßen werden, man darf bestimmte Dinge nicht mehr sagen."Neger" zum Beispiel. Antiamerikanismus ist ein weiteres Beispiel. Die USA als die böse
Macht. Was immer die Vereinigten Staaten tun, ist falsch, glauben
Teile der Linken und Linksliberalen. In den USA selbst sind Denkverbote ebenso beliebt.
Die Technik, im Fernsehen voyeuristisches Mitgefühl zu erheischen,
um es als Machtmittel zu missbrauchen, ist bei den Wichtigs besonders
beliebt. Es geht um in den jeweiligen Gruppen akzeptierte Lebens- und
Verhaltensnormen. Es geht um die Identifikation mit denen, die man
als glaubt, als besonders wertvoll, hip, alternativ oder einfach nur
zeitgerecht erkannt zu haben. Dass dies aber eine soziale
Konstruktion sein kann, eine zugewiesene Rolle, wird dabei in Kauf
genommen. Als im Mai des Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in New
York mit einem Preis geehrt wurde, hat eine ganze Reihe von
prominenten Autoren (dem Vernehmen nach AutorInnen wie Joyce Carol
Oates, Michael Ondaatje u.a.) gegen die Auszeichnung protestiert.
Argument: man dürfe eine Zeitschrift nicht prämieren, die mit ihren
Mohammed-Karikaturen religiöse Gefühle verletze. Mit einer solchen
Instinktlosigkeit wiederhole man nur das imperialistische Muster und
handele rassistisch. Ob es bei der Kontroverse auch etwas um Empathie
ging, also jene Fähigkeit, sich in andere Menschen und andere Haltungen hineinzudenken?
Freitag, 8. Januar 2016
Mein Ich unter anderen Bedingungen
Ich war immer schon davon ausgegangen, dass mein
Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der
Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist.
Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz
anderes Stück meines Ichs, meines Selbst erfahren.
Zum Beispiel in den USA hat sich mein Verhältnis zur Natur komplett und umfassend geändert. Es hat mich sehr stark beeinflusst, was ich dort gesehen und erlebt habe. Es hat mir andere Dimensionen eröffnet. Wäre ich dort irgendwo aufgewachsen, vielleicht irgendwo im Westen, wäre ich ein anderer. Es hätte vielleicht die dort überall gegenwärtige Weite einen großen Einfluss gehabt, - im Gegensatz zum Hier, wo alles zugemauert und zubetoniert ist. Ich hätte womöglich eine andere Nähe zur Tierwelt entwickeln können. Vielleicht wäre ich aber auch härter und geldorientierter geworden, wäre mit dem Überleben dermaßen intensiv beschäftigt gewesen, dass ich diese Zeilen hier nie hätte schreiben können. Und: es sind deutlich krassere Beispiele denkbar...
Zum Beispiel in den USA hat sich mein Verhältnis zur Natur komplett und umfassend geändert. Es hat mich sehr stark beeinflusst, was ich dort gesehen und erlebt habe. Es hat mir andere Dimensionen eröffnet. Wäre ich dort irgendwo aufgewachsen, vielleicht irgendwo im Westen, wäre ich ein anderer. Es hätte vielleicht die dort überall gegenwärtige Weite einen großen Einfluss gehabt, - im Gegensatz zum Hier, wo alles zugemauert und zubetoniert ist. Ich hätte womöglich eine andere Nähe zur Tierwelt entwickeln können. Vielleicht wäre ich aber auch härter und geldorientierter geworden, wäre mit dem Überleben dermaßen intensiv beschäftigt gewesen, dass ich diese Zeilen hier nie hätte schreiben können. Und: es sind deutlich krassere Beispiele denkbar...
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