Reise durch Wirklichkeiten

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Sonntag, 7. Dezember 2025

Konfirmation

Konfirmation. Erwachsen geworden. Als Gesamtmensch. Nicht nur emotional oder intellektuell. Wie bei manchen Urvölkern in vielen Ritualen. Mein Vater hat mich geführt. Es ging um ein breiteres und tieferes Verstehen, um ein Bemühen, um eine Konzentration auf Text und Gefühl, es ging um Selbstbestimmtheit und Entdeckung des Selbst, auch und gerade in der Religion, man könnte auch sagen, im Sinne von etwas Höherem. Für ein eigenes Suchen wurden mir Instrumente gezeigt. Aber auch das Alltägliche, das Dösen, das Brüten, das Trülen über gewissen Inhalten, das Aufsagen von etwas, was einem zunächst sinnlos erschien und vielleicht erst später klar wurde, von etwas, was wie eine zunächst unbegriffene Formel von außen kam, mit dem Anspruch, dies in Beziehung zu sich selbst zu setzen. Eine Haltung dazu zu entwickeln. Das Hineinfinden in einen Zusammenhang, - was einen sehr fordern kann. Etwas begreifen, mit ihm umgehen. Dazu führte er mich hin, indirekt auch mal, oft direkt, immer mit einem sanften Vertrauen in das eigene Selbst. Ich höre jetzt, dass die Konfirmationsgruppen immer kleiner werden, dass verschiedene Dörfer und Bezirke für die Pfarrer zusammengelegt würden, um überhaupt eine zahlenmäßig zweistellige Gruppe bilden zu können. Ich denke dann, dass ich Glück gehabt habe, so geführt zu werden, solche Impulse für das ganze folgende Leben empfangen zu haben. Vielleicht aber auch wurde ich dazu hingeführt, vieles zu gutmütig zu sehen, auf die Einsicht, auf das Verständnis zu hoffen. Vielleicht wurde ich dazu hingeführt, etwas von dem zu verlieren, was man in dieser Welt offenbar braucht.

Mittwoch, 5. November 2025

Sprachliche Ironie und Verspottung

In meiner Musik ist viel Verspottung der Sprache und der Sprachhülsen, selbst jener oft von der KI gebrauchten Auslöser/Trigger von typischen Gefühlen. Mit diesen „Hülsen“ arbeitet auch die Werbeindustrie. Sie arbeitet unter anderem völlig unironisch mit dem Unechten, dem Vorgefertigten, der leeren Hülse, der Phrase und dem Klischee, das uns zu tumben Konsumenten machen will. Über den dementsprechenden Einsatz der Sprache habe ich im Verlaufe meines Berufslebens viel gelernt und ließ mich dazu herbei, als Journalist selbst solche Klischees, Modewörter und Modebegriffe zu gebrauchen, die üblichen grassierenden Wörter, die die Wirklichkeit für uns streifen und ein Gefühl vermitteln. Es geht darum, diese Gefühle der Leute zu fangen und mit ihnen zu arbeiten, sie letztlich für den eigenen „Erfolg“ zu gebrauchen. Es gilt, dafür Formen zu finden, die oft selbst sehr stark vorbestimmt und festgelegt vorgefertigt sind. Mittlerweile macht das alles die KI besser als das, was wir jemals lernten. Ich habe früh eine Abneigung gegenüber diesen Mechanismen empfunden.

Montag, 18. August 2025

Rituale

Wollen wir wirklich mal wieder erfahren, wie ungleich das Vermögen in schland verteilt ist? Oder ob das schon zu einem Ritual geworden ist? Dass 10 % der Deutschen mehr als die Hälfte des Nettovermögens besitzt? Dass so etwas mutmaßlich der Demokratie schadet? Ob es uns da egal ist, ob sich die Zahlen da leicht nach links oder rechts verschoben haben? Der Kanzler reist herum, gibt sich als Außenpolitiker und sondert Sprüche ab. Die Probleme indessen strukturieren das Dasein ganz anders: Den Gemeinden scheint die Kohle endgültig ausgegangen zu sein. Vertreter treffen sich heute wieder einmal, wobei nichts Erkennbares heraus kommen mag. Die Länder wollen nichts abgeben, Bayern spielt sowieso eine Sonderrolle und der Bund kündigt großflächiges Wachstum an, das natürlich nur den Wenigen (ob es dann wirklich um Arbeitsplätze und das „Einsickern“ (trickle down) geht?) zugute kommen soll. Wenn es ihnen gut geht, wird es allen besser gehen, so die Annahme, die zumindest in den letzten Jahren wohl nicht so ganz gestimmt hat. Konsequenz: Der Bürger muss noch mehr gemolken werden, er kann sich ja nicht unmittelbar wehren (alle Gewalt geht vom Staat aus). Dazu kommen noch Europaweite Verordnungen und Ver- oder Gebote, die meist unnötig sind, gegen die sich aber ebenfalls niemand wehren kann, weil sie ja ach so demokratisch sind und von großzügig entlohnten und verbeamteten Herumsitzern in die Welt gesetzt sind. Natürlich tut das alles den Besitzenden nicht weh, sie haben es ja. Muss das so sein? Dass immer alles weiter geht?

Samstag, 31. August 2024

Unsere Weltsicht

Die Alten mit ihrem Scheis, die werden uns noch heftig reinreiten in die Scheise! Haha, man war ja selbst einmal jung, jünger als jetzt und man kann deswegen ein bisschen mitreden...... Was mir auffiel an sehr jungen Menschen? Das Folgende gleicht einer Stoffsammlung, entstanden aus tausend Zetteln: Es wurden von vielen jungen Menschen oft sehr einzelne, sehr isolierte Welten hochgezogen, die als absolut gegeben betrachtet wurden. Die eigene kleine Lebenswelt. Das ist menschlich. Die eigene kleine Welt. Jede/Jeder geht von sich aus. Meine Sicht dagegen ist: diese Lebenswelten kann man verändern! Den Blick über den eigenen Tellerrand wagen. Über scheinbar vorgegebene Grenzen hinweg. Zumindest prinzipiell ist das so. Es ist schwierig. Zieht nach sich, setzt voraus: Bewusstseinsveränderung. Bessere Welt. Überwindung der Habgier. Besserer Umgang untereinander. Daran glaubten viele unter uns und warteten zu geduldig auf den schönen Sanktnimmerleinstag für alle. Währenddessen machten „zielgerichtete“ Andersgesinnte und sonstwie besser Angepasste Karriere, - auch bei den damals und heute ehemals Alternativen. Diese, uns inzwischen umgebende Gesellschaft scheint immer mehr in eine Vereinzelung abzugleiten, das, was man Neoliberalismus nennen könnte, wird aus falsch verstandenem Realismus zu schnell akzeptiert: Jeder ist seines Glückes Schmied. Überhaupt, Nachfragen sind nicht mehr in Mode, es gilt der schnelle Vollzug, - egal von was. Distanz zu sich selbst ist auf dem Rückzug und nachhaltige Empathie wird oft nur gespielt. Unter Kopfhörern, im Smartphone-Gedaddel und auf Internet-Homepages ist jeder für sich, es gilt der individuelle Tunnelblick. So macht es uns auch der Spitzensport vor. Es gilt das, was ist. Es scheint aber auch ein Bedürfnis nach Menschenführung zu herrschen: diejenigen, die sich dafür qualifizieren wollen, sollen vortreten! Neue Führer sind gefragt. Der Mensch schafft sich ab. Allerlei Verkleidungen sind angesagt. Der alternde Topmanager trägt jetzt seine dünnen wenigen Haare im Zopf. Hat eine Finca auf Mallorca und macht auf unkonventionell. Er ist clever und schlägt alle. Was zählt, ist die Flucht aus dem eigenen Ego, das an anderer Stelle mit extremen Aktionen wieder krampfhaft gesucht wird. Industrieversprechen und -versagungen werden zu schnell übernommen, Werbung wird zu ernst genommen (ohne es bewusst zu merken, Dressur funktioniert über das Unbewusste), große Linien, Utopien oder Visionen (was ist denn das? Da muss man zum Arzt!) werden ohnehin nicht gepflegt. Man kann in jungen Jahren den Zusammenhang des Lebens nicht erkennen. Etwa, dass der Mensch durch Stadien geht, dass sein Körper verfällt und gleichzeitig sein Kapital ist, mit dem man nicht in der Weise beliebig experimentieren kann, - auch wenn von anderer Stelle erbauliche Erfahrung von Dingen oder einem selbst (Selbsterfahrung) zugesagt wird. Und: Die oft von jungen Menschen so viel gehassten Gewohnheiten und Rituale können ja auch etwas Positives haben. Sie schützen vor Energieverlusten, schaffen Sicherheit. Der Horizont in dieser Welt steht leider nicht jedem offen, es gelten Rahmenbedingungen und individuelle Voraussetzungen, soziale Dispositionen und andere Begrenzungen. Wir sind auf dem Teil der Welt geboren, der eindeutig bevorzugt ist. Was ist mit den anderen? X x The old people with their crap, they're going to get us into a lot of trouble! Haha, you were young once yourself, younger than you are now, and that means you can have a bit of a say... What struck me about very young people? The following is like a collection of material made up of a thousand pieces of paper: Many young people have often created very individual, very isolated worlds which they regard as absolute givens. Their own little world. That's human. Their own little world. Everyone starts from their own perspective. My view, however, is that these worlds can be changed! Dare to look beyond your own nose. Beyond seemingly predetermined boundaries. That's how it is in principle, at least. It's difficult. It entails, requires: a change in consciousness. A better world. Overcoming greed. Better interaction with one another. Many of us believed in that and waited too patiently for a lovely doomsday for everyone. Meanwhile, "goal-oriented" people with different views and those who were otherwise better adapted made careers - even in the alternatives that were then and now. The society that surrounds us now seems to be slipping more and more into isolation, what could be called neoliberalism is accepted too quickly out of a misunderstood sense of realism: everyone is the architect of their own happiness. In general, asking questions is no longer in fashion, the order is quick - no matter what. Distance from oneself is on the decline and lasting empathy is often only pretended. Under headphones, in smartphone fiddling and on Internet homepages, everyone is for themselves, individual tunnel vision is what counts. This is also what top-level sport shows us. What is counts. But there also seems to be a need for leadership: those who want to qualify for it should step forward! New leaders are needed. People are eliminating themselves. All kinds of disguises are in. The ageing top manager now wears his thin, few hairs in a ponytail. He has a finca on Mallorca. He is clever and beats everyone. What counts is the escape from one's own ego, which is desperately sought elsewhere with extreme actions. Industry promises and failures are accepted too quickly, advertising is taken too seriously (without consciously noticing it, training works via the subconscious), grand ideas, utopias or visions (what are those? You have to see a doctor!) are not cultivated anyway. At a young age, one cannot see the context of life. For example, that people go through stages, that their bodies deteriorate and at the same time are their capital, which cannot be experimented with at will - even if someone else promises edifying experience of things or of oneself (self-awareness). And: the habits and rituals that young people often hate so much can also have something positive. They protect against energy loss, create security. Unfortunately, the horizon in this world is not open to everyone, framework conditions and individual prerequisites, social dispositions and other limitations apply. We are born in the part of the world that is clearly preferred. What about the others?

Samstag, 24. Februar 2024

Gewohnheiten, Rituale

Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt...und handelt dann wieder ganz anders...aus Gewohnheiten heraus. Aber vielleicht können wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen, können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um einen herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Frei von größeren akuten Schmerzen sein, das deutet auf ein gewisses Maß an Gesundheit hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten, der mag das anders sehen (erst mal unverbindlich!). Wer das an engen Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert. Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo in uns selbst zu empfinden, mag die Wirkung verstärken. Daraus Kraft zu beziehen, auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir uns durchringen, sofern das geht..… x x Yes, of course, humans are creatures of habit. He makes resolutions, but with certainty and determination... and then acts completely differently... out of habit. But perhaps we can break away from our usual ways of looking at things for a moment and realize that it is fortunate to be somewhat alert to the conditions around us. Being free from major acute pain indicates a certain level of health. This also seems self-evident over a certain period of time - as long as you have not noticed anything else, have not been confronted with anything else. But anyone who has ever had pain, been exposed to the suspicion of a serious illness and therefore seen themselves separated from “normality” and the self-evident things associated with it may see it differently (non-binding for now!). Anyone who has experienced this with close relatives and friends will feel gratitude, no matter which shoe is currently weighing on them. It is perception, the distraction of circumstances, that hinders most people. Sharing our happiness with others and feeling its echo within ourselves may increase the effect. We should bring ourselves to draw strength from this, even in the face of sadness and hopelessness, if possible...

Mittwoch, 15. November 2023

Melancholische Heiterkeit

Es war ja vergangene Woche viel Loriot, auf allen Kanälen. Zu Recht! Er erschien mir zuletzt (auch ohne runden Geburtstag!) immer mehr als Exponent einer mit der alten Bundesrepublik untergegangenen Epoche, des Einzelhandels, der Etikette, des nach außen dokumentierten Status, der zur Schau getragenen Führungsaufgaben mit samt ihren Ritualen, der spießigen Miefigkeit, die damals herrschte. Aber man lebte in einer gewissen Sicherheit, die Loriot nach meinem Geschmack auf liebenswürdig distinguierte Weise antippte, präzise und – was sich später auszahlen sollte – detailverleibt. Seine Sachen (er war ja eine Universalbegabung!) konnten auf diese Weise einsickern in uns: Steinlaus, Grzimek, Bettenkauf und „Sie haben da was im Gesicht“, „Mutter, wir danken dir“, "Ich heiße Erwin Lottemann..." und Opa Hoppenstedt und Vieles andere. Ich las zuletzt von einer Heiterkeit, einer melancholischen Heiterkeit, die ihn mit einer direkten Verbindung zum schwarzen Untergrund des Lebens ausgestattet habe, die die Tragik nicht leugne und auch nicht weglache, sondern in etwas anderes wende. Nun ja, in was, das ließ das Bildungsbürgertum stets offen. Aber genau das scheint mir der Punkt: Im heutigen Zeitalter der social media-Kanäle, der schnell flüchtigen Aufmerksamkeit und der offen demonstrierten Gewalttätigkeit ist so etwas nicht mehr gefragt. Der Rest des übrig gebliebenen Bildungsbürgertums kreist um sich selbst, ergeht sich in eitler Selbstbewunderung, preist seine verlogene Weltgängigkeit oder ist ohnehin längst abgesunken in ein Prekariat, vor dem sich nur die – „Survival of the Fittest“ – „Tüchtigsten“ noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Gut abgefederte Heiterkeit muss man sich heute mehr denn je leisten können.

Samstag, 17. Dezember 2022

Rituale, Weihnachten und Wachstum

Etwas immer wieder tun und dadurch eine Struktur ins Sein bringen. Rituale strukturieren unseren Alltag und bilden einen Teil unseres Tagesablaufs. Es gibt jedoch auch die Rituale des Nichtalltäglichen, die Höhepunkte des Jahres, der Arbeit, bei Geburt und Tod, Krankheit und Abschied, Feste und Feiern, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen bringen. Ohne Gewohnheiten und Rituale zu leben wäre sehr anstrengend und würde eine fortwährende Neuorientierung nach sich ziehen. Chaos zu bändigen, wäre möglicherweise nicht möglich ohne sie. Karneval. Und der Krieg? Ist die Pandemie eigentlich vorbei? Gewissheiten scheinen zerfetzt zu sein, wir stehen vor einem „Who is who?“, haben das Gefühl, getäuscht zu werden. Es entsteht eine dringendes Bedürfnis nach Flucht und einfacher Erklärung. Doch Rituale bieten auch Chancen, mit ihren Formen schöpferisch und phantasievoll umzugehen. Das Problem ist, das sich viele Menschen an Ritualen festhalten und den Sinn dahinter vergessen zu haben scheinen. Die Folge ist, dass solche Rituale zunehmend hohl werden. Ob Weihnachten auch ein solches Ritual ist? Vielfältig wird es benutzt, in einem ökonomischen Sinne, weil ja Wachstum jetzt um jeden Preis angestrebt wird, die Wirtschaft ins Laufen kommt und weil beispielsweise darauf spekuliert wird, dass Weihnachtsgeld „auf den Kopf gehauen“ wird. Doch ein Weihnachtsgeld sehen immer weniger Arbeitsverträge vor, außer den Privilegierten natürlich, bei denen es zu den sogenannten „Benefits“ gehört.. Ein sich daran knüpfendes 13. und manchmal sogar 14. Monatsgehalt erscheint als Ergänzung dazu selbstverständlich. Natürlich schafft so etwas ein bestimmtes Selbstwertgefühl, die Anerkennung und eine dazu gehörende Sinnwelt.

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Besänftigung

Das benebelt übers Ohr: Es dudelt jetzt überall freundliche weihnachtliche Wohlfühlmusik (sofern das nicht zu viel Strom kostet...), und überhaupt sollten wir nicht immer alles schwarz malen. So tönt es: Be positive! Die Botschaft vernehmen wir wohl. Überhaupt alle Botschaften zu diesem Thema. Es ermüdet. Iran. Klimakatastrophe. Klimakonferenz. Nix heraus gekommen. Ach ja. Jemand sollte, wir sollten, die Industrienationen und die anderen, auch Afrika----Die Welt ist schlecht, die Macht des Faktischen (z.b. „Realpolitik“) schlägt ohnehin alles und wir sind froh, (noch) auf der richtigen Seite zu sein. Zwei Wochen lang ein bisschen Empörung und eine Prise Aufregung. Dann ein Herabkochen, ein Abblenden, ein Vergessen - das war's. Außer gewaltigen Spesen nix gewesen. Vielleicht ein paar unverbindliche Statements. Absichtserklärungen, heftige Warnungen auch mit betroffenen Gesichtern. Dazu diese widerliche Energiekrise. Staatschefs reisen in Sonderflugzeugen und in riesigen Limousinen an, sie halten dann stundenlange Reden, die von anderen geschrieben wurden. Es ist wie beim Terrorismus. Da ist ein Hang zum Aktionismus. Zur Symbolpolitik. Die Fähigkeit zur Wahrnehmung pder Aufmerksamkeit und Unterscheidung ist bei vielen verkümmert, die Bereitschaft zum alsbaldigen Vergessen, Abblenden, Verdrängen, Abtauchen bestens ausgeprägt. Im Hintergrund klingt „Ich heb' ab...“. Anders geht das doch nicht in der Mediengesellschaft. Es ist ein Teil des Theaterdonners, der moralischen Aufwallung und der unsäglichen Arroganz, weil ja letztlich nichts passiert. Da können wir alle gut mit überein stimmen. Common Sense. Der Winter ist bisher seltsam mild, zu warm fast. Was es damit wohl auf sich hat? Holland baut neue Dämme, für Hamburg werden sich Lösungen abseits des Verkaufs von Anteilen an Terminals finden. Soll Bangla Desh (...und diese Südseeinseln und….. danach das Lied „First we take Manhattan….) doch untergehen! Ein Problem weniger...., so denken sie insgeheim, die die Welt mit ihrer Wachstumsidiologie beherrschen und immer weiter machen.....

Sonntag, 26. Dezember 2021

Weihnachtsrituale

 Heuchelei scheint mir angesagt im Streben nach generationenübergreifender Gemeinsamkeit an Weihnachten, selbst in Pandemiezeiten. Meist scheint sich diese Art der Gemeinsamkeit in sentimentalen Ritualen zu erschöpfen: Fressen, Saufen, Lieder singen... Am Ende ist man (wer?) froh, wenn die Verwandtschaft unter dem Absingen von Weihnachtsliedern wieder abhaut. Zuvor freilich sollte sie in diesen wirtschaftlich ungünstigen Zeiten möglichst eine gewisse Summe Geldes auf den Gabentisch gelegt haben, was als soziales Schmiermittel durchaus sehr gerne gesehen wird. Schließlich hat man sich genug der inkorrekten und nicht gerade "woken" Sprüche dafür anhören müssen und es will ja eine neue, unter den obwaltenden Umständen unterbrochener Lieferketten schwierig zu erwerbende Spielkonsole möglichst bald ausprobiert werden. Jaja, das alles beschreibt ein Klischee, das dennoch im Durchschnitt sehr verbreitet sein könnte, auch im (neu-)deutschen Familienleben.

Montag, 9. Dezember 2019

Parteiengebaren


Die „oberwichtigen Parteitage“ sind jetzt wohl vorüber. Es darf Weihnachten werden. Ich nehme wahr: Überall Parteisoldaten, die das absondern, was man von ihnen erwartet, die die auswendig gelernten Phrasen predigen und erwarten, dass das auch noch ernst genommen werden soll. „Sie leben in einer eigenen Welt….“ sagte eine Person aus meiner Umgebung dazu. Diese Person, das merkte ich wohl, nahm das Parteitagsgebaren nicht mehr so recht ernst. Aber da waren ja auch Akklamation und Dauergeklatsche, wie auf einem der ach so verachteten Parteitage kommunistischer Parteien. Sie brauchen das offenbar zur Selbstvergewisserung, sie brauchen die Aussprache dessen, was als Gemeinsamkeit gelten soll. Dabei drängen sich Personen, die sich selbst und ihre Meinung oberwichtig nehmen, in den Vordergrund. Sie beschwören irgendeine Gemeinsamkeit, zu deren Definition sie selbst beitragen sollen und wollen. Dafür ernsten sie dann Beifall und werden flugs in gut honorierte Parteiämter gewählt. Ob solche Rituale auch dazu beitragen, das sogenannte „Volksparteien“ nicht mehr so recht ernst genommen werden? Das viel beschwore Grundgesetz formuliert: "Die Parteien wirken mit an der Willensbildung des Volkes....". Was solch eine Formulierung will, mag zu denken geben. Ob neuere Entwicklungen nicht nur Ausdruck einer Individualisierung in dieser Gesellschaft ist, sondern auch die Wahrnehmung, das sich solche Parteirituale in sich selbst erschöpfen?

Mittwoch, 25. September 2019

Zustandsbeschreibung

Erst entlassen sie dich, „setzen dich frei“, stellen dich unter Umständen zu mieseren und von Ihnen diktierten Bedingungen wieder ein, kaufen aus der Position des Stärkeren heraus deine Dienste, sorgen für mehrfach durchstochene/unterbrochene Lebensläufe…. stoßen ab, kaufen ein und verkaufen, agieren so, dass sie „auf dem Weltmarkt bestehen können“ - danach hast du auf diese Weise keinen Rentenbezug schaffen können und säufst dementsprechend ab, bist nicht mehr produktiv und kackst ab… rennst zur Tafel, flennst um Hilfe, sammelst Flaschen... Unternehmer, „Menschenführer“, Geschäftsleute und wohlbestallte Leute aller Art stehen verständnislos dabei und quatschen etwas von „Leistung“, „sozialer Marktwirtschaft“ und „Verantwortung“…, verweisen auf woanders, wo "alles schlechter ist", feiern sich auf Konferenzen selbst und geben Champagner aus. Es scheint alles und jedes ein Ritual geworden zu sein, bei dem der Stärkere und Reichere den Ärmeren ausnimmt, indem er auf dem „Markt“ Geschäfte mit ihm macht. Parteien und ihre Funktionäre sehen dabei wohlgefällig zu, legitimieren alles und sammeln Steuergeld in die eigene Tasche. Ein Fetisch, der mit all seinen Gesetzmäßigkeiten absolut gesetzt ist. Darüber hinaus ist alles in warmes Licht getaucht, zerfließt, wird „by Gewöhnung“ akzeptiert und eingeübt, ist „dem Wettbewerb“ ausgesetzt, wird dressiert und programmiert...nur alles im schneller, alles beschleunigt sich….was auch eine Chance für den Menschen sein könnte…...

Freitag, 14. Dezember 2018

Weihnachten will es wieder werden

Seltsam, dieses Jahr nervt mich das besonders! Aber das ist nichts Besonderes, das meine ich jedes Jahr. Das wiederholt sich. Solange es sich wiederholt, mag es ein Zeichen der Beständigkeit sein. Dieses Weihnachtsgebimmel, das durchwoben ist von kommerziellen Interessen, vom Interesse der Händler, ihre Waren los zu werden. Die Fassade hat längst ein Eigenleben, das Klagen darüber hat Tradition und geht in Gänsebraten, Rülpsen und seifigen Weihnachtsliedern auf. Ja klar, jetzt zahlen viele (längst nicht mehr alle!) deutsche Arbeitgeber ein 13., wenn nicht gar ein 14. Monatsgehalt, mit dem man seine Weihnachtssprünge macht. Weihnachtsmärkte schießen aus dem Boden, sie gibt es mittlerweile zahllos überall, sie sind global. Die Weihnachtsgirlanden samt den vielen Lichtlein waren längst aufgehängt, die Illusion von Liebe feiert breite Urständ und vermischt sich mit dem Geschäftssinn, der jedes andere Individuum zum Geschäftspartner machen will: Angebot und Nachfrage. Kuscheltiere. Nordmanntanne. Lichtlein. Stall samt Maria und Josef, den Flüchtlingen. Ganz klein, das Jesus-Kind. Warnung vor Bränden bei offen brennenden Kerzen. All das ist Bestandteil der allgemeinen Weihnachtseuphorie, mit deren Geschäftstüchtigkeit immer noch der ursprünglich christliche Impuls verbunden zu sein scheint. Wenn das einmal nicht mehr so ist, wenn das blanke Geschäftsgebaren regiert, wird der Turbokapitalismus zu sich selbst gekommen sein. Er wird Menschen zurück lassen, die etwas suchen, von dem sie nicht wissen, was es ist…...

Samstag, 22. September 2018

Es brennt

Schon merkwürdig, was da in Deutschland los ist! Eigentlich dachten wir, dass gerade jetzt die (parlamentarische repräsentative) Demokratie in Hochform sein müsste. Stattdessen steuern wir von einem Tiefpunkt zum nächsten. Zwischendrin finden dann meist Symbolveranstaltungen und „Gipfel“ statt, für deren Rituale sich die handelnden Politiker von willfährigen Claqueuren feiern lassen. Dass die scheinbar beschlossenen Maßnahmen meist an Kleinigkeiten scheitern, dass sie meist unausgewogen und für die Galerie formuliert sind, dass sie zu kurz greifen und oft genug unterfinanziert sind, daran haben sich alle schon gewöhnt. Dass der nach unten propagierte Leistungsgedanke in den Reihen dieser „Entscheidungsträger“ nichts gilt, dafür gab es jetzt genügend peinliche Belege. Für die Folgenlosigkeit lauthals beschlossener Maßnahmen dürfte der sogenannte „Dieselgipfel“ vor rund einem Jahr Beleg genug sein. Ein Schelmenstück reiht sich ans nächste und so mancher mag sich da fragen, wie lange das noch so weiter gehen soll. Ob die Oberwichtigs den Ernst der Lage nicht kapiert haben? Die Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Wer so etwas wie Protest gegen die obwaltenden Umstände verspürt, scheint sich einer Protestpartei zuzuwenden. Ja, welche Alternative hätte er denn noch? Digitalisierung scheint ein Thema, wird aber nur unter einem einzigen Aspekt behandelt. Die Klimakatastrophe treibt inzwischen ziemlich spürbare Blüten. Diesbezügliche Ziele werden aber so eben mal verschoben, - das geht am leichtesten. Die Kulturminister entdecken eben mal, dass ihnen 40 000 oder 50 000 Lehrerstellen fehlen, bezahlbare Wohnungen fehlen etwa 1,2 Millionen. Einen schlechten Job scheinen diese Politiker zu machen, die sich ihre Verantwortlichkeiten so gerne gegenseitig zuzuschieben scheinen und für alles eine passende Phrase bereit zu haben scheinen. Es brennt ein Moor, es brennt der politische Laden, aber die Verantwortlichen treiben mit sich Schabernak. Wie lange das wohl noch so geht?

Sonntag, 5. Februar 2017

Fußball und Religion

Fußball und Religion? Zwei Fundstücke dazu: Auf Schalke gibt es eine Kapelle im Stadion, in der Taufen, Ehe-Jubiläen, Andachten und Trauungen durchgeführt werden. Aus ganz Deutschland kommen dazu die Menschen, aber auch Menschen in Not aus der unmittelbaren Umgebung finden den Weg hierher. Oder eine eigene Grabstätte auf dem Altonaer Friedhof gefällig? In Verehrung des HSV? Man kann dieses „Grabfeld HSV“ durch ein Fußballtor betreten, wo die Toten mit Blick auf das (ehemalige und mittlerweile tausend Mal umbenannte, aber jetzt wieder ursprünglich benannte) Volksparkstadion bestattet sind und in Form eines Stadionrunds angeordnet sind. Bei der Beerdigung werden auch HSV-Schlachtgesänge vom Band angeboten. Es gibt die Bestattungsform „Team“: ein 20er Grab, Urnenbeisetzung, in gemeinschaftlicher Ruhestätte. Aber auch die Beisetzungsform „Einzelspieler“, „Doppelpass“ und „Die Raute im Herzen“ sind möglich. Die (Betrauungs-) Kosten dafür müssen "naturgemäß" unterschiedlich ausfallen. Der samstägliche Kampf der Guten gegen die Bösen wird also um den Übergang vom Leben in den Tod ergänzt. Fußball als Religion. 

Sonntag, 28. August 2016

Reisen als Tourist

Warum bleiben wir nicht zuhause? Warum fahren wir - und mit uns Milliarden von Menschen - in fremde Länder, wo wir außer dem Motiv „Ferien machen“ genaugenommen nichts verloren haben? Ungeklärt sind daneben viele Probleme des Fremdenverkehrs: wie wirkt sich das auf die Reisegebiete aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Besuchern und Einheimischen? Wie ist die Umweltbilanz des Tourismus? Bringt er wirtschaftlichen Aufschwung oder neue Formen des Kolonialismus? Was ist von den „künstlichen Ferienwelten“ zu halten, die sich immer mehr zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt entwickeln? Was eigentlich treibt uns in die Ferne? Gibt es dabei eine Nähe zu Fest, Ritual und Spiel? Denn die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: Der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten. Das Reisen stellt insofern eines der wirksamsten Mittel dar, der eingespielten sozialen Ordnung vorübergehend zu entkommen - nicht in blinder Flucht, sondern als produktive, menschliche Leistung, die neue Erfahrungen ermöglicht. 

Samstag, 20. August 2016

Urlaub

Gegenüber steht der riesige Van bereit zur Abfahrt, die Kinder müssen nur noch zusteigen. Weiter vorne parkiert ein Wohnmobil, offensichtlich fertig zur Abfahrt. Weiter vorne wartet ein Wohnwagen, aufmunitioniert zur großen Urlaubsschlacht. Baden - Württemberg geht in Ferien, auch wenn es damit spät dran ist: die ersten Bundesländer beenden die lange Sommerpause schon wieder. Automobilfabriken sind teilweise davon abgekommen, den Sommer generell zur Ferienzeit zu erklären und verzichten auf "Betriebsferien". Die vielen, die aus finanziellen Gründen nicht verreisen können, bleiben ja ohnehin unsichtbar. Es gilt ja da Credo, das es „uns“ so gut wie noch nie gehe. Was sollen da die wenigen Armen..... Als Beleg werden dann immer Statistiken hervorgekramt, deren Zweifelhaftigkeit sich doch langsam herumgesprochen haben dürfte. Der Rest tut so als ob: als sei er weg. Seit langen Jahren ist das schon so. Die Straßen sind erfreulich befahrbar, in den Geschäften sind die Schlangen deutlich geringer (ein Effekt, dem die Discounter dadurch entgegen steuern, dass sie die Kassen schlechter mit „Personal“ belegen. Die Kundenschlangen sind also mindestens gleich lang. Das ist ihre Art der Einsparung). Die Schlangen bilden sich bald als Stau auf den Autobahnen, was jedes Jahr auch dasselbe ist. Aber die Klimaanlage brummt, die Smartphones ist gezückt, die Games ziehen von den Rücksitzen in sich hinein. Das Ziel ist ein Resort, in dem es möglichst wie in Deutschland zu essen geben soll. Wer es nicht leisten kann, hat halt Durchfall oder keinen Platz am Pool.

Montag, 14. Dezember 2015

Weihnachten als Ritual

Rituale strukturieren unseren Alltag und bilden einen Teil unseres Tagesablaufs. Es gibt jedoch auch die Rituale des Nichtalltäglichen, die Höhepunkte des Jahres, der Arbeit, bei Geburt und Tod, Krankheit und Abschied, Feste und Feiern, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen bringen. Ohne Gewohnheiten und Rituale zu leben wäre sehr anstrengend und würde eine fortwährende Neuorientierung nach sich ziehen. Chaos zu bändigen, wäre möglicherweise nicht möglich ohne sie. Sie bieten auch Chancen, mit ihren Formen schöpferisch und phantasievoll umzugehen. Das Problem ist, das sich viele Menschen an Ritualen festhalten und den Sinn dahinter vergessen zu haben scheinen. Die Folge ist, dass solche Rituale zunehmend hohl werden. Ob Weihnachten auch ein solches Ritual ist? Vielfältig wird es benutzt, in einem ökonomischen Sinne, weil beispielsweise darauf spekuliert wird, dass Weihnachtsgeld „auf den Kopf gehauen“ wird. Doch ein Weihnachtsgeld sehen immer weniger Arbeitsverträge vor, außer den Privilegierten natürlich, bei denen es zu den sogenannten „Benefits“ gehört. Ein sich daran knüpfendes 13. und manchmal sogar 14. Monatsgehalt erscheint als Ergänzung dazu selbstverständlich. Natürlich schafft so etwas ein bestimmtes Selbstwertgefühl, die Anerkennung und eine dazu gehörende Sinnwelt.