Reise durch Wirklichkeiten

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Samstag, 4. November 2023

Five Leaves left, Herbst mit Nick Drake

Ich gehe hinaus in den Herbst und habe dabei Nick Drakes Album „Five Leaves left“ im Sinn. Auf Nick Drakes Grabstein steht „Now we rise. And we are everywhere“. 1948 wurde er geboren. Habe ich erst kürzlich erfahren. Ja, klar, er war wohl „psychisch krank“. So würde man heute sagen. Doch was heißt das? Vincent van Gogh war auch krank. Was ist krank? Setzt das eine Abweichung von den Normen voraus? In eine niederschmetternde Sonderexistenz hinein geglitten? Sowas geht auch ohne Drogen…. Nick Drake schlitterte in den zwanziger Jahren seiner Existenz schon in den frühen siebziger Jahren in eine Depression, aus der er nicht mehr heraus kam. Es gibt wohl so etwas wie Biografien, aber mir scheinen sie nicht besonders aufschlussreich. Mir kommt es darauf an, was seine Musik für mich bedeutete und bedeutet. Nick Drake war und ist für mich ein absoluter Bezugspunkt, - Leute würden sagen „eine Referenz“… Traurigkeit, Melancholie: nirgendwo wirkt er übertrieben oder kitschig, aufdringlich, inszeniert etwas oder lässt „ein Produkt“ entstehen. Seine Songs (vor allem auf „Five Leaves Left“) sind Kleinode. Alles wirkt „entbeint“, auf den Punkt gebracht. Die String-Arrangements sind vielschichtig und drängen sich doch nie in den Vordergrund. Akustikgitarren dominieren. Richard Thompson, der als ehemaliger Fairport Conventionmusiker damals noch in England wohnte, stand ihm als Gitarrist zur Seite. Dave Pegg und Dave Mattacks später auch. Toll, Richard Thompson ist sowieso einer der Besten! Nick Drakes zarte, aber gleichzeitig scharf konturierende Stimme! Sie ist ins sich selbst entrückt, es werden Gefühle zurück geschluckt. Trotzdem entsteht eine Richtung, die in die zarte Verletztheit seiner Seele führt. Alles ist auf einen knappen Punkt gebracht. Ich liebe diese CDs mit seiner Musik! X x I'm heading out into the fall with Nick Drake's album Five Leaves Left on my mind. Nick Drake’s tombstone reads “Now we rise. And we are everywhere.” He was born in 1948. I only found out recently. Yes, of course, he was probably “mentally ill”. That's what you would say today. But what does that mean? Vincent van Gogh was also sick. What is sick? Does this require a deviation from the norms? Have you slipped into a devastating, special existence? This can also be done without drugs... In the 1920s, Nick Drake slipped into a depression in the early 1970s that he couldn't get out of. There are such things as biographies, but they don't seem particularly informative to me. What matters to me is what his music meant and means to me. Nick Drake was and is an absolute reference point for me - people would say "a reference"... sadness, melancholy: nowhere does he seem exaggerated or kitschy, intrusive, stage something or create "a product". His songs (especially on “Five Leaves Left”) are gems. Everything seems “boneless”, to the point. The string arrangements are complex and yet never push themselves into the foreground. Acoustic guitars dominate. Richard Thompson, a former Fairport Convention musician still living in England at the time, supported him as guitarist. Dave Pegg and Dave Mattacks later too. Great, Richard Thompson is one of the best anyway! Nick Drake's delicate yet sharply contoured voice! She is withdrawn into herself, feelings are swallowed back. Nevertheless, a direction emerges that leads to the tender vulnerability of his soul. Everything is brought to a succinct point. I love these CDs with his music!

Mittwoch, 1. November 2017

Aus dem Herbst (Foto)

Aus dem Herbst

Samstag, 24. Oktober 2015

Fallende Blätter

Ich schaue genauer hin und sehe wunderbar rote Blätter, die sich leicht im Wind wiegen. Jawohl, der Herbst hat natürlich seine schönen Seiten! Es ist ein unglaublich tiefes und schönes Rot, das sogar Einfluss auf meine Befindlichkeit haben kann. Überhaupt können Farben ja einen Einfluss auf uns haben, es sollte jemand nur offen dafür sein. Einfach zulassen! Darauf warten, was passiert. Es kann auch nichts sein. Dann aber bitte nicht über diejenigen herfallen, die etwas von diesen Farben spüren! Sich selbst erst mal zurücknehmen und dazu kommunizieren, was möglich sein könnte! Esoterik, - scheise? Auch nicht gleich mit Etiketten klappern! Das sind doch alles nur Schubladen, die es einem leichter machen sollen, Dinge einzuordnen. Ob sie richtig eingeordnet sind, ist dabei egal. Eine Schublade, einen Begriff dafür finden, ist viel wichtiger. Damit umgehen können und die Normalität wahren! Erklärungen finden. Wo keine sind, einfach welche beschaffen. So scheint die Devise. Doch wo keine Erklärungen sind, könnten ja in Zukunft welche sein! Vielleicht sind wir als Ganzes noch nicht so weit.  Könnte auch eine Erklärung sein.....

Montag, 5. Oktober 2015

Verfall (Trakl)

Georg Trakl




VERFALL 
Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg' ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.

Hinwandelnd durch den nachtverschlossnen Garten,
Träum' ich nach ihren helleren Geschicken,
Und fühl' der Stunden Weiser kaum mehr rücken -
So folg' ich über Wolken ihren Fahrten.

Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
Ein Vogel klagt in den entlaubten Zweigen
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indess' wie blasser Kinder Todesreigen,
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern
Im Wind sich fröstelnd fahle Astern neigen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Herbstlied (Tieck)

Herbstlied


Feldeinwärts flog ein Vögelein
Und sang im muntern Sonnenschein
Mit süßem, wunderbaren Ton:
Ade, ich fliege nun davon,
Weit! Weit! Reis' ich noch heut!

Ich horchte auf den Feldgesang,
Mir ward so wohl und doch so bang,
Mit frohem Schmerz, mit trüber Lust
Stieg wechselnd bald und sank die Brust,
Herz! Herz! Brichst du vor Wonn' oder Schmerz?
Doch als ich die Blätter fallen sah,
Da dacht ich: Ach, der Herbst ist da!
Der Sommergast, die Schwalbe zieht
Vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht,
Weit! weit! Rasch mit der Zeit!
Doch rückwärts kam der Sonnenschein,
Dicht hinter drauf das Vögelein,
Es sah mit tränend Angesicht
Und sang: die Liebe wintert nicht,
Nein! Nein. Ist und bleibt Frühlingsschein!


Von Ludwig Tieck, 1773 bis1853



(Singvögel haben's wohl heutzutage schwerer)