Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 14. November 2024
Tödliche Heilpflanze
Dies schrieb ich einmal im Jahr 2005 als Besprechung eines Albums:
Tödliche Heilpflanze
„Belladonna“, die CD von Daniel Lanois
Mit welcher klangtechnischer Konsequenz und welch glasklarem Vorstellungsvermögen er Alben von Bob Dylan, Emmylou Harris, U2 oder Peter Gabriel als Produzent lenkte, war schon bewundernswert. Dass der Frankokanadier Daniel Lanois auch viel mit Brian Eno zusammen arbeitete, ist seiner eigenen neuen Instrumental-CD „Belladonna“ auf sublime Weise anzuhören. Der Meister der inszenierten Atmosphären schwebt mit seinen Saiteninstrumenten diesmal in wunderbar entspannt ausgemalten Ambient-Wolken, zuweilen so abgehoben wie Enos frühe Werke, manchmal auch gebrochen oder sehr direkt wie etwa im Stück „Panorama“, das eine kristalline Fantasie der Steel Gitarre ist. Unterstützt von Könnern wie etwa dem Jazzpianisten Brad Mehldau, dem Dylan-Schlagzeuger Brian Blades und dem unglaublich flexiblen Funk-Bassisten Daryl Johnson scheint Lanois die Ruhe des reinen Klangs zu beschwören, eine naive Poesie des leeren Raumes, die ganz sanft den Kitsch streifen darf. So tönt’s auf „Bella Donna“ auch mal trivial-mexikanisch, Mariachi-Trompeten skizzieren wie in „Agave“ einen mysteriösen Ort, der aber bald wieder in surrealen Gespinsten versinkt. „Bella Donna“ ist eine psychedelische Nachtreise, die in „Todes Santos“ schließlich wie eine breit angelegte und instrumental zu einem einzigen Klang zusammengeführte Drohung endet. Bella Donna ist eine Heilpflanze. Wer zu viel davon nimmt, stirbt.
Daniel Lanois: Belladonna, Anti 6767-2.
Mittwoch, 12. Februar 2020
Djuna (Text für Djuna Barnes, etwa 1987)
DJUNA
Du
sagst, Djuna, und schreibst, Djuna, was man bei Tag nicht denkt
du
spielst mit Schatten, malst den Schrecken, formst daraus unser Bild
deine
Augen sehen, durchdringen das Dunkel, so viel was sich uns verbirgt
du
findest Worte, baust damit Sätze, die Vision der Nacht in uns
rote
Lippen, rote Haare
du
suchst die Liebe in der Dämmerung des Schlafs
rote
Lippen, rote Haare
du
suchst die Liebe in einem fremden Land
Du
versuchst, Djuna, die Welt einzufangen, schickst sie als Flaschenpost
an uns
fällst
aus dir, tauchst in die Tiefe, holst die Schätze uns herauf
rote
Lippen, rote Haare
du
suchst die Liebe in der Dämmerung des Schlafs
rote
Lippen, rote Haare
du
suchst die Liebe in einem fremden Land
Haus
ohne Adresse, Straße keiner Stadt
Kind
ohne Namen, spielt Alltagstheater
wir
gehen rückwärts, als Schlafwandler
durch
tausend Augen seh' ich dich
Ich
traf dich im Mai, Djuna, du sagst, du seist längst gestorben
dein
Flüstern, Djuna, an unserem Ohr, verhilft einem Baron zu ewigem
Leben
ein
Fakir der Ängste, eine wahre Lüge, so stellst du dem Doktor die
Diagnose
ein
Nachtfalter, mit selt'nen Farben, so fliegst du durch unseren Traum
rote
Lippen, rote Haare
hinter
den Fenstern wartet Lachen auf dich
rote
Lippen, rote Haare
hinter
den Gesichtern wartet Nacht auf dich
Haus
ohne Adresse, Straße keiner Stadt
Kind
ohne Namen, spielt Alltagstheater
wir
gehen rückwärts, als Schlafwandler
durch
tausend Augen seh' ich dich
Dienstag, 7. November 2017
Leise Lieder (Lyrik, Christian Morgenstern)
Leise Lieder
Leise
Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;
denen
niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.
Leise
Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.
(Christian
Morgenstern 1871-1914)
Mittwoch, 4. Januar 2017
Dienstag, 5. Januar 2016
Kleinstadtnacht (Songtext aus den 80ern)
KLEINSTADTNACHT
Es ist Nacht, in der kleinen Stadt
du bist allein' mit deinen Gedanken
es ist spät, du hast viel getrunken
der Boden unter dir bewegt sich
du gehst irgendwo hin
und du fühlst dich fremd
du willst nur nach Hause
und du findest kaum den Weg
Der Mond steht still', es ist kalt
die Sterne sind dir schnuppe
Immer immer weiter
nur nicht stehen bleiben
Aspirin mit Limonade
drauf wächst die Einsamkeit
Auf einer Bank schnarcht ein grauer Mantel
Leutbuchstaben flackern_ Nachttresor
aus einem Schacht quillt sattes Glucksen
es taumelt gen Morgen die Stadt
Du gehst wie im Kreise
bist nur alleine
du willst nur nach Hause
und findest kaum den Weg
Du weißt nur, es ist noch weit
die Straße riecht nach betonierter Angst
Immer immer weiter
nur nicht stehen bleiben
Aspirin mit Limonade
drauf wächst die Einsamkeit
Graue Wände, entlang schlittern Gedanken
dahinter pennt die Zufriedenheit
blaue Furcht kriecht dir über die Stirn
du gehst auf plattgetret'nen Kaugummis
du sitzt im Karussell
und niemand fährt mit
du willst nur nach Hause
und findest kaum den Weg
Es wird hell, du bist müde
der Boden unter dir bewegt sich weiter....
Es ist Nacht, in der kleinen Stadt
du bist allein' mit deinen Gedanken
es ist spät, du hast viel getrunken
der Boden unter dir bewegt sich
du gehst irgendwo hin
und du fühlst dich fremd
du willst nur nach Hause
und du findest kaum den Weg
Der Mond steht still', es ist kalt
die Sterne sind dir schnuppe
Immer immer weiter
nur nicht stehen bleiben
Aspirin mit Limonade
drauf wächst die Einsamkeit
Auf einer Bank schnarcht ein grauer Mantel
Leutbuchstaben flackern_ Nachttresor
aus einem Schacht quillt sattes Glucksen
es taumelt gen Morgen die Stadt
Du gehst wie im Kreise
bist nur alleine
du willst nur nach Hause
und findest kaum den Weg
Du weißt nur, es ist noch weit
die Straße riecht nach betonierter Angst
Immer immer weiter
nur nicht stehen bleiben
Aspirin mit Limonade
drauf wächst die Einsamkeit
Graue Wände, entlang schlittern Gedanken
dahinter pennt die Zufriedenheit
blaue Furcht kriecht dir über die Stirn
du gehst auf plattgetret'nen Kaugummis
du sitzt im Karussell
und niemand fährt mit
du willst nur nach Hause
und findest kaum den Weg
Es wird hell, du bist müde
der Boden unter dir bewegt sich weiter....
Montag, 7. Dezember 2015
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