Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 8. Mai 2026

Mit Giant Sand nach Tucson

Wir fuhren einst durch die Wüste von Arizona. Auf der Straße lagen tote Klapperschlangen, es war heiß und einige Polizisten, die uns kontrollieren wollten, erzählten freundlich, dass sie einst in Heidelberg stationiert waren. Man dachte oft an das, was die einschlägige Szene „Wüstenrock“ nannte. Giant Sand war wohl die bekannteste dieser Bands, aus deren Splitter sich auch die besonders in Deutschland bekannten Calexico rekrutierten. Der etwas schlampige Mariachi-Sound, also der von knarrzigen Trompeten, verstärkt mit anderem Gebläse, war eines der Kennzeichen dieses Sounds. Der Spiritus rector des Gaint Sand-Sounds jedoch war Howe Gelb, ein stets etwas zerstreut wirkender und musizierender Kopf, der mit langen knarrzigen Gitarrenimprovisationen, unflexiblem Gesang oder erratischen Improvisationen am Piano brillierte und mit weiteren sprunghaft musikalischen Augenblicksassoziationen sein Publikum zu fesseln vermochte. Merkwürdige Klangerzeugnisse drangen da oft auch aus seinen Tonkonserven, die im CD-Format gerne als neue „Alben“ verkauft wurden und doch nur ein kleiner Teil eines lang währenden Klangkunstwerks waren. Giant Sand waren in wechselnder Bestzung um Howe Gelb herum stets von der elektrischen Gitarre ausgehende klanglichen Experimente, die live oft ewig um sich selbst mäandrierten und in einem durchaus den Eindruck von in lauter Splitter zeriebenen Sandwüsten aufsteigen lassen konnten. Sandsturm? Gigantischer Giant Sand? Seltsame Stimme, die da im vermeintlichen Selbstgespräch auf das Publikum hernieder kam. Die Stadt Tucson mit ihren zerfallenen spanischarchitektonischen Bauten, von wo es hinauf gen Observatorium und auf der anderen Seite hinauf an gigantischen Kakteen (Saguaros) vorbei ins kahle Reich von Bären ging. Ob da die Wüstengitarren „alternativ“ tobten?

Dienstag, 23. Februar 2016

In Arizona

Gestern die Saguaro-Wüste in Arizona, im Fernsehen. Ganz nah ran. Und dann die Überschau. Ich erkannte sogar das Gebirge wieder. Viele Gefahren. Als wir dort waren, empfand ich sie gar nicht. Ich fühlte mich beschützt in dieser Gegend, wurde scheinbar ein Teil von ihr, erlebte sogar so etwas wie Glück. Wir fuhren in den Jahren damals ein paar mal durch den Westen, und alle um uns herum waren sehr freundlich. Selbst die Polizisten gingen sehr easy und locker mit einem um, fast freundschaftlich. Das Tolle am US-amerikanischen Westen ist, dass nahezu jede Ecke so wunderbar erschlossen ist, dass man überall hinfahren kann. Das ist viel wert für jemand, der nicht viel Zeit hat. Jaja, das Autofahren ist schädlich, gewiss. Aber es bringt, sinnvoll genutzt, auch einen Nicht-Survivor  in solche Gegenden, in die Wildnis, in die Ruhe, in die Einsamkeit, es lässt einen für Europäer ungewöhnlichen Tieren begegnen und es kann einem ein Land, einen ganzen Kontinent erschließen. Im Rückblick erkenne ich umso deutlicher die Gefahren, von denen wir umgeben waren, die aber selbst ich Angsthase nicht so empfunden habe. Ich erinnere mich an manche gewaltigen Gewitter, die sich zu einem großen Umgemach hätten auswachsen können. Haben sie aber nicht. Ich war behütet und habe etwas von der Großartigkeit dieser Natur erfahren dürfen. Dieser Einsamkeit. Wie sehr sie mich beeindruckt hat! Die Weite erfahren! Die Größe und Großzügigkeit. Können und dürfen. In den Kopf bringen. Das ist großartig und eine ganz große Erfahrung meines Lebens. Überall herankommen, auch in der kurzen gegebenen Zeit, andere Horizonte und ihr Abbild im Bewusstsein, ihre Einflüsse, seltsame Mythen und ihre Vorbilder, Vorlagen, das nötigte einem nicht nur Respekt ab, sondern machte einem vieles verständlicher. Auch viele Eigenarten der US-Amerikaner werden einem ob dieses Kontextes verständlicher. Der amerikanische Westen ist absolut großartig!