Reise durch Wirklichkeiten

Posts mit dem Label Gesinnung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesinnung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. August 2018

Öffentliche Erkenntnisstrategien


Meiner Meinung nach ist unsere politische Kultur von folgenden Strategien beherrscht, deren Auswirkungen wir derzeit auf vielerlei Arten spüren: Schönreden, aussitzen, wegmoderieren, weglächeln, abwiegeln, abbügeln, wegducken, sich der Verantwortung entziehen.....Aktuelle Beispiele gibt es leider zuhauf. Es wird solches Verhalten gerne als „professionell“ gedeutet. Die gezielte Beeinflussung des öffentlichen Raumes ist Ausweis der Kompetenz geworden und ernährt zahlreiche Nutznießer. PR-Berater, Pessesprecher, Vorstandssprecher geben sich gerne dafür her, die Meinung ihrer Auftraggeber kundzutun. Es resultieren daraus offenbar zahlreiche Vorgänge der jüngsten Vergangenheit. Niemand glaubt mehr etwas, wobei „Vertrauen“ so etwas wie ein konstitutives Element dieser Demokratie wäre. Trump kann mit durchsichtigsten Absichten von seinen „Fake News“ faseln, andere Politiker lassen Veränderungen versprechen und wollen doch nur ruhig stellen. Wollen besänftigen. Aussitzen.... usw. (siehe oben). Rhetorisch die Dinge drehen, in ihrem Sinne darstellen usw. Das Erstaunliche dabei ist, dass es viel zu oft funktioniert, dass man angesichts dessen fassungslos ist und empört. Dass viele unserer Mitmenschen einfachste Lösungen bevorzugen, auch dort, wo eine differenzierte Analyse vonnöten wäre.

Mittwoch, 13. April 2016

Integrationsleistung

Es ist eine Art Test auf die Integrationsbereitschaft der jungen Türken dem Grundgesetz gegenüber: ich sah zufällig im TV, wie eine Reihe von ihnen (natürlich wie immer: willkürlich vom Sender ausgewählt) interviewt wurden. Was sie wohl von Erdogan halten und wie sie sein Verhalten einschätzen, so die Frage. Alle fanden es ganz okay, dass er dagegen auf seine Art vorgehe. Den zu beleidigen sei, so tönt es mir noch in den Ohren, als ob man die ganze Türkei beleidige. Also Vorgehen. Rechtlich. Mit allem Drum und Dran. Die Lächerlichkeit der Situation schien gar nicht in ihrem Gesichtskreis aufzutauchen. Alles könne man tun, aber nicht jemand persönlich beleidigen, ihn unter der Gürtellinie verletzen usw. Wer so etwas nebenher im Fernsehen sieht, mag entsetzt und verletzt sein. So gut haben diese Personen das Grundgesetz in vielen vielen Jahren in sich aufgenommen und verarbeitet! Oh weh! Ich kenne das „Gedicht“ des ach so öffentlichkeitsumtriebigen und PR-tüchtigen Böhmermann nicht, aber selbstverständlich darf hier alles in Deutschland über einen ausländischen Staatschef gesagt werden. Muss ich ja nicht gut finden. Genau darum geht’s ja! Es geht um das Recht. Und das hiesige treten solche Figuren wie Erdogan samt ihren Advokaten mit Füßen, auch wenn sie einen alten Paragraphen herauskramen, der „Majestätsbeleidigung" unter Strafe stellt! Fehler der Regierenden, dass sie in all den Jahren das nicht ausgemerzt haben! Diese Figuren wie Erdogan selbst beanspruchen ihre Ansicht davon mit Hilfe von windigen Anwälten, - anderen und ausländischen Menschen aber verweigern sie es, strengen Klagen an usw. Meinungs- oder Pressefreiheit scheint ihnen etwas ihrer Willkür Ausgesetztes. Man fragt sich: Was soll das?

Samstag, 26. Dezember 2015

Sich Herausforderungen stellen

Mir fällt langsam auf, dass die Floskel „Eine Herausforderung annehmen“ derzeit hoch im Kurs steht. Keine öffentliche Äußerung ohne diese Phrase, die wohl etwas mit der Globalisierung und den damit verbindenen Mechanismen zu tun hat. Mit Kampf, sich durchsetzen in einem Gefecht und mit Verdrängung. Als sei's naturgegeben! Die Wendung hat sich eingeschlichen in unseren Sprachschatz, in unsere öffentliche Art der Verständigung untereinander. Alles und jedes bedeutet „eine Herausforderung“. In der Globalisierung scheint alles ein Kampf (egal ob Krampf!) und "Wettbewerb", die einem Aufgaben von außen stellt, die einen zu mehr Leistung provoziert und das unspezifische Wachstum fördern soll. Der Subtext (dahinter oder darunter verborgene Bortschaft) lautet dabei womöglich, dass nur so „unser Wohlstand“ zu halten sei. Überall der beste, der Weltmeister sein. So die ausgegebene Parole. Es hat hier in Deutschland leider schon einmal eine Idiologie gegeben, die davon ausging und dabei verheerende Ergebnisse gezeitigt hat. So schleicht sich eine speziell und von interessierten Kreisen aufgeladene Redewendung unterirdisch ins Bewusstsein, um ein kollektiver Glaubenssatz zu werden. Als Beförderungskanal solcher sprachlicher Zuspitzung erscheinen die öffentlichen Medien, in denen sich die Mächtigen in all ihrer von ihren „Untergebenen“ angebeteten Macht inszenieren. Es bedeutet wahrlich eine „Herausforderung“, so etwas massenhaft nachvollziehen zu können. 

Dienstag, 24. November 2015

Grundwerte und Werte

Oh je! Ich lese, ich überfliege die Meldung, dass manche „Fans“ ihre Kosten für die Länderspielabsage nicht voll erstattet bekommen, weil „outgesourct“ wurde. Tricky, das. Auch will, so war zu erfahren, ein abgas- und CO2-betrügerischer deutscher Automobilkonzern seine Kunden in Deutschland im Gegensatz zu jenen in den USA mit Entschädigungen oder Ähnlichem recht schmal halten. Macht ja nichts, ist ja nur die Umwelt, die das Abgaszeugs abkriegt! Und die gehört allen.... Ob das alles wahr ist? Das darf doch nicht wahr sein! Pech gehabt? Ob das die gerade jetzt so vielbeschworenen „Grundwerte“ repräsentiert? Oder vielmehr die „Werte“? Ob hier jemand etwas verkennt? Ob das dann doch etwas schnöde ist? Helmut Schmidt ist jetzt abschließend geehrt worden. Ob er noch eine Zeit repräsentiert, als man gewisse Dinge etwas anders gesehen hat? Etwas weniger unter dem kaufmännischen Aspekt? Etwas? Ob sich hier merklich und unmerklich im Laufe der Zeit die Perspektive etwas verändert hat?

Sonntag, 20. September 2015

Flüchtlingsphänomen und seine Bewältigung

Das Flüchtlingsphänomen birgt in Wirklichkeit auch ein soziales Problem: Die Unternehmen kassieren immer noch ab an diesen unsäglichen Waffenexporten, die Allgemeinheit fängt die dadurch verursachten Verluste in Form von Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten auf, - der scheinbar linke Spruch dazu heißt: "die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren". In den Talkrunden sitzen meist medial geformte Sabber- und Gutmenschen, die an sozialen Verteilungskämpfen nicht teilhaben, weil sie von vornherein entsprechend gut alimentiert sind (auf wessen Kosten wohl?). Der mit entsprechendem Selbstbewusstsein vorgetragene und "Ehrlichkeit" vortäuschende Spruch heißt dann "Wir sind ja davon nicht betroffen!". Ein Politologe hat in dieser Woche lächelnd darauf hingewiesen, dass die Politik die unteren 25 % der Bevölkerung "Im Auge behalten solle".  Selbstverständlich ist es kein Problem für diese Talkshowschwätzenden und schönsprechenden Leute, Parolen zu dreschen und im Strom der political correctness mitzuschwimmen, - unverbindlich natürlich. Man sollte sie alle fragen, was eigentlich sie persönlich zur Bewältigung der damit verbundenen Probleme beitragen. Doch solche Fragen sind in den Talkshows selten zu hören. Hoffen wir, dass die deutschen Hilfe- und Empathieleistungen nicht von der kurzfristigen Art sind, wie sie von denjenigen Medien hervorgerufen werden, die von den Mächtigen protegiert werden. Aufregung, Empörung, Betroffenheit. "Je suis Charlie". Inhalte sind da austauschbar. „Wir“ sind die Gutmenschen? Dann sollten „wir“ das nachhaltig beweisen. Nachhaltig! Jetzt die große emotionale Welle und wenn sie dann nach scheinbaren Medienzwangsläufigkeiten bald ausläuft, kommen die Verteilungskämpfe. Dazu gehört auch die unsägliche Idee, „Flüchtlinge“ zu Löhnen unterhalb des Mindestlohns einzusetzen. Ach! Das darf doch nicht wahr sein! Lohndumping wieder eingeführt. Einer unterbietet den anderen? Das alte Marxismusding? Der Billigste wird genommen? Und das Ganze mit einer Koalition, bei der die SPD mehr schlecht (TTIP) als recht (Mindestlohn) mitmacht? Man reibt sich die Augen. Die flüchtigen Menschen ausnutzen? Als ob es nicht reiche, dass sie sich in „Gute“ und „Schlechte“ einteilen lassen müssten, zwecks besserer Abschiebbarkeit!
Andererseits werden die Ressourcen von den wohlbestallten Gutmenschen nur zu gerne verteilt, als ob es nur Fremdenfeindlichkeit und reiche Gesinnungsengel geben würde. Wir sind reich? Nun ja, wie sah's denn bisher mit der verfallenden Infrastruktur aus? Mit den KITAs? Mit den überall übelst vorgetragenen Sparzwängen, die zuallererst die sozial Benachteiligten auszutragen hatten? Auf wessen Kosten wohl die 10 (!) Milliarden gehen, die alleine dieses Jahr für den guten Zweck aufgebracht werden müssen? Wir bräuchten ein paar viele einfühlsame Menschen, eine wahrlich empathische Mitleidskultur, die weiß, was sie warum kann und die eine Nachhaltigkeit aufzuweisen hat. Die nicht jeden als „Rassisten“ denunziert und zensiert, der auf nicht gelöste bzw. strukturelle Probleme hinweist oder sich weitergehende Folgerungen erlaubt. Der sich Gedanken macht.     

Mittwoch, 9. September 2015

Bundestagsdebattenkultur

Wieso eigentlich studieren diese vom ZDF übertragenen Deppen auf der Regierungsbank des Bundestags gelangweilt Akten und zeigen demonstrativ Desinteresse, während Gysi zum x-ten mal wiederholt, dass Deutschland inzwischen drittgrößter Waffenexporteur ist und die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land sich nach einer OECD-Studie ständig vergrößert? Das ist wohl so, bloß weil's der Gysi von den Linken ist, - der natürlich auch genau das macht und sagt, was alle von ihm erwarten! Wieso eigentlich starren dieselben Leute bei der Rede der Bundeskanzlerin gebannt auf die im himmelblauen Wams bewehrte Protagonistin, die mal wieder so gar nichts zu sagen hat? In demonstrativer Habachtstellung. Ist das Koalitionsdisziplin oder Opportunismus? Ob darin auch ein Grund liegt, dass die Debattenkultur im Bundestag offensichtlich so stark nachgelassen hat? Sind die Beteiligten so sehr in ihren Vorurteilen gefangen, in ihrer verbohrten Weltsicht, dass sie sich mit den Tatsächlichkeiten in diesem Land garnicht mehr zu beschäftigen brauchen und alles ihren Karrierestreben unterordnen? Wer eigentlich glaubt noch den Märchen aus der Käseglocke, die in diesem von einem Stararchitekten gestylten und gekrönten Kuppel Gebäude verzapft werden? Haben diese Leute ganz den Kontakt zur Wirklichkeit verloren? Sicher, es gibt keine Alternative zur parlamentarischen Demokratie. Aber muss das, was dort in Namen des Volkes passiert, so erstarrt, so leblos und anpasserisch ausgerichtet sein? Das sind Ersatzmonarchen auf Zeit, keine Frage. Die machen alles zu ihrem Vorteil, was geht...klar. Aber projezieren wir auf diese Abgeordneten und ihre exekutiven Vorsteher nicht andere Erwartungen? 

Montag, 15. Juni 2015

Lebenshilfen

Ich schaue hinein in diese Realität, in der alles längst zur Ware in einer Tauschgesellschaft geworden ist. Nicht nur das Berufs- sondern auch das Liebesleben begreifen da viele als eine Art Dauerpraktikum....es ist das mittelschwere Beziehungselend der leicht Verunsicherten und Halbbefriedigten, im Sudelbad der lauwarmen Gefühle. Die anderen lassen sich Partner im Internet vermitteln, zum Beischlaf, zur Ergötzung, zum leichten Konsum und der Befriedigung der Bedürfnisse. Doch die Wirklichkeit drückt. „Die Wahrheit ist das, was passiert. Nicht das, was man sich vorstellt“ habe ich schon mal in diesem Zusammenhang gehört. Sich permanent zu drücken, vor allem und jeddem, kann eine merkelige Lebensstrategie sein. Es geht solchen Leuten nie um alles oder nichts, sondern immer um nur seltsam unterschwellige Verwirrungen, um nur mühevoll ausgesprochene Sehnsüchte, um Risikominimierung und Schmerzvermeidung...es geht um gebremste und handhabbare Emotionen im Sinne der Lebenshilfeartikel aus der Monatszeitschrift. 

Donnerstag, 28. Mai 2015

Possen

Putzig, wie sie jetzt alle beunruhigt und empört tun. Als wäre das alles neu. Dabei standen doch gewisse Vorwürfe gegen die FIFA schon seit Jahren im Raum. Nur rechtlich beweisen, so hieß es immer, könne man nix. Also machten alle mit. Selbstverständlich auch zu ihrem eigenen Vorteil. Man staunte nicht schlecht, wie die Fußballweltmeisterschaften nach Russland und Katar vergeben wurden und wie die neureichen Söhne der Wüste ihre Fußballstadien noch immer offenbar mit so etwas wie Sklavenarbeit hochziehen wollen, für die Asiaten vor allem aus Nepal, Bangla Desh und Indien als eine Art anonymer Menschenmasse verpflichtet wurden, mit der man nach Belieben umspringen und der man auch mal den Pass entziehen kann, damit sie nicht abhaut. Der deutsche Wirtschaftsminister Gabriel hat sich das angesehen und alles war plötzlich so supergut und im Fernsehen vorzeigbar. Ach. Völlig überraschend. Berühmt ist auch geworden, als der Sportfunktionär Franz Beckenbauer dort hinfuhr und von nichts etwas gesehen haben will, schon gar nicht von Sklaven. Ein Schelm, wer sich etwas dabei denkt. Die europäischen Fußballfunktionäre, so hieß es, wussten alles, fühlten sich aber der Macht des FIFA-Präsidenten und seiner Verbündeten ausgeliefert. Außerdem wollten sie nicht verlieren gegen ihn. Also unternahmen sie gar nichts und stellten nicht mal einen aussichtsreichen Gegenkandidaten bei den jetzt anstehenden Inthronisations- und Bestätigungswahlen auf. Der FIFA-Präsident hatte zuvor versprochen, zu diesen „Wahlen“ nicht mehr antreten zu wollen. Weil's ihm aber solchen Spass macht und er sich fit für die anstehenden Aufgaben fühlt, hat er sich von der globalen Familie des Fußballs halt nochmal zum Amt breitschlagen lassen und tritt jetzt doch noch einmal an.
Man ist schon sehr erstaunt ob solcher Vorgänge, die man eigentlich nur von besonders hartleibigen Diktaturen her kennt. Und jetzt die US-amerikanischen Ermittlungsbehörden, die, wie sie nun gerne verlauten lassen, seit mehr als 20 Jahren Fakten gesammelt haben, um schließlich mit begründeten Anklagen gegen das FIFA-Ungemach einzuschreiten. Eine ganze Schar von Funktionären soll verhaftet worden sein, darunter auch FIFA-Vizepräsidenten. Vorwurf: Übertragungs- und sonstige Rechte sollen verschoben worden sein. Geld soll an der Steuer vorbei geschleust und gewaschen worden sein. Sponsorengelder abgezweigt. Unter anderem. Auf amerikanischem Boden. Oh je. Die US-amerikanische Justizministerin Loretta Lynch lässt verlauten: „Sie haben es immer und immer wieder gemacht, Jahr für Jahr, Turnier um Turnier“. Sie lässt verlauten, dass die Korruption im Weltfußball nun rigoros bekämpft werden solle. Ach. Weil ja der Fußball in den USA so populär ist, ist das für das Land so wichtig. Das FBI und einige stramme Helfer. Unter anderem sollen auch Schweizer Behörden dabei sein. Hm. FBI, das sind ausgerechnet diejenigen, die auch schon mal mehr als ein Auge zugedrückt haben, wenn es um Korruption und organisiertes Verbrechen ging, solange es sich in Lateinamerika und anderswo außerhalb der Staaten abgespielt hat. Kuba dürfte da kein besonders rühmliches aber ein relativ konkretes Beispiel sein. Egal, jetzt können sie nach vorne preschen und sich als Hüter des reinen und unerschrockenen Rechts präsentieren. Auf amerikanischem Boden gibt es so etwas nicht, so die global vernehmbare Botschaft. Nein, das gibt es nicht. Endlich hat mal jemand den Mut, tatsächlich etwas zu machen. Ist ja auch etwas.  

Donnerstag, 21. Mai 2015

Mit dem SUV on the road again

Eine riesige Donnerkiste fährt da, Platz ohne Ende, riesige Reifen mit tiefen Furchen, die Fahrerin hoch oben, thront auf ihrem City-Laster, sieht kaum hinunter in die niederen Niederungen, in denen sie Tiere mäht, wo sie spritzt und sprenkelt, nach Belieben und je nach Beschleunigung: SUV-Alarm, im Winter und im Sommer. Allüberall. Ja klar haben wir den Platz, die Landschaft betonieren wir einfach immer weiter zu und machen möglichst breite Straßen daraus. Modernes Verkehrsmangment. Der Verbrauch ist im Moment noch viel zu hoch, das sagen die wackeren Fahrerinnen selbst auch, die da ihre Brut drei mal pro Tag zur Waldorfschule kutschieren. Dann zum Privatunterricht. Zum Cellounterricht auch. Tanz- und Ballettausbildung, - später? Es gilt, nicht im Volk zu sein, - mit all den vielen Ausländern. Die sollen in ihren billigen Jobs schuften, kommen ja auch aus Andalusien, Anatolien oder Äthiopien. Selber schuld. Hätten sie was Brauchbares gelernt! Aber wir sitzen hoch oben und genießen dies Herabsehen auf all die anderen, entspricht ja auch unserer Stellung. Wir sind die Auf- und Draufseher, die im Zweifelsfall sicher sein wollen, koste es, was es wolle. SUVs sind voll im Trend, schon viel zu lange. Mittlerweile gibt’s schon viel zu viele. Das Exklusive ist irgendwie vorbei, es sei denn, jemand fährt eine besonders exklusive und teure Marke. Sportwagenhersteller oder die mit den drei Buchstaben oder die mit den Ringen, die den Vorsprung dank Technik für sich reklamieren. Deutsche Modelle. Verdrängungswettbewerb. Wer hat den größten, den alllerallersichersten, den härtesten auch, den widerstandsfähigsten und härtesten? Status rocks. Status Quo. Quod licet iovi, non licet bovi. Sagten Leute früher einmal. Sehr viel früher.    
Ich lerne jemanden mit SUV kennen und erkundige mich sachte nach den Beweggründen, sich solch in einem Fahrzeug zu bewegen. „Du weißt du, dass ist ein tolles Gefühl, da oben über allen anderen zu sitzen. Irgendwie sicher. Du weißt genau, wenn jetzt was passiert, zieht der andere den Kürzeren. Und im Winter, mit dem Allradantrieb, da hast du einfach das Gefühl, dass du überall durchkommst“. Ich bin geplättet und denke mir „Das wäre mir jetzt wirklich peinlich“. Aber solchen Leuten ist gar nichts peinlich. Manche fahren ja auch die noble deutsche Sportwagenmarke durch die Gegend: "Deutsche Ingenieurskunst", das sagt selbst Atze Schröder dazu und gibt Gas. Auch auf der Bühne. Das kommt nicht nur bei den Damen gut an und macht den Herren Eindruck. Das imponiert ihnen. Da träumen sie sich hinein, Verbrauch hin oder her. 
Eines Tages werden diese Bolliden sowieso die besseren Verbrauchs- und Abgaswerte haben, wenn die gesellschaftliche Polarisierung und die technologische Entwicklung noch ein bisschen weiter ist. Dann werden sie doppelt herab sehen auf die, die sich nicht mal den einen Reifen eines solchen Cars leisten könnten. Die unterlegen sind in jeder Hinsicht. Das ist im Kapitalismus so: wenn du etwas leistest, wirst du es dir auch eines Tages leisten können. Blöd nur, dass das Ding mit dem Leisten vorbei ist. Wer etwas leistet, ist doch nur blöd. Es gilt, sich zu vermarkten. Sich selbst zur Powerpointpräsentation machen. Inhalt spielt genauso wie Leistung keine Rolle. Groß auftreten, großes Auto fahren, das ist wichtig. Kein Problem, das, sie sind immer sonnengebräunt gut gelaunt entspannt. Und Stammgast sind sie auch auf den von allerlei Hilfskräften mit ihren bulligen Bullys vorbereiteten Pisten, zu denen natürlich ein SUV gerade im Winter besonders gut passt. Offroad. Ja klar, weil wir ja so viele hässliche Feldwege haben, durch die wir am Wochenende unbedingt pflügen müssen (aber immer erreichbaar sein, bitte!). 
Es will ja niemand die USA in Schutz nehmen. Aber dort hatte das noch Sinn, weil die Farmen oft stundenlange Fahrten von den Supermärkten entfernt sind. Da braucht man große Pickups und Offroader, um so etwas zu bewältigen. Doch hier, im dichtbesiedelten Mitteleuropa ist's ein Jokus, ein teurer Status-Scherz. „Der Kunde verlangt's“ sagen die marketinggestählten Konzernlenker mit dominanter Miene. Heftig geschult. Natürlich sind sie keine Volkspädagogen, die alles besser machen und irgendjemanden erziehen wollen. Igitt! Wer wollte denn das heutzutage noch? Sie haben's mit Kunden zu tun. Der Neoliberalismus kennt ja doch nur Kunden. Was die wollen, ist heilig. Alle sind Kunden. Alle, die es sich leisten können. Die Welt ist ein Markt. Es sich leisten können, - das wär es! Das ist es. 

Freitag, 24. April 2015

Gipfelrituale

Sprachlos, irritiert. Was soll man denn damit anfangen? Regierungschefs Europas veranstalten immer noch Gipfel und leiern sich gegenseitig ein paar Euros aus dem Ärmel, während vor ihrer Haustüre Menschen ertrinken. „Sozialtourismus“, dieses Wort habe ich mir gestern gemerkt. So schätzen manche dieser Unpolitiker Asyl vor Kriegen und – ja, das auch! - Zuwanderung ein.
Alibiveranstaltungen, Alibipolitik? Was soll das? Diese Frage hatte ich an dieser Stelle schon lange zuvor gestellt. Es herrscht Ratlosigkeit, wo dauernd eine Wertegemeinschaft zelebriert wird. Was ist Europa eigentlich? Eine schöne Vision ohne jeden Inhalt? Ein Ritual der Behauptungen, die an nahezu keiner Stelle eingelöst werden? Als seien nicht gerade in letzter Zeit und aus zahlreichen gegebenen Anlässen unzählige Antworten gegeben worden. Eine dicke fette Behörde, die sich diese Vorstellungen für sich einklagt ohne jede Rücksicht auf Tatsächlichkeiten oder politische Gefährdungen (es gibt ja inzwischen die massivsten der verschiedenen Nationalismen...)? Niemand ist schuld, niemand verantwortlich? Was für eine seltsame Veranstaltung ist das eigentlich, dieses Europa? Jetzt wird wieder einmal offensichtlich, was schon lange klar ist. Wer unter den Politikern Murks gebaut hat, geht gut bezahlt in die Wirtschaft ab und treibt dort weiterhin sein Unwesen. Bürokratie, Verwaltung, Unfähigkeiten? Gutmenschen sitzen überall herum und wissen über öffentlich bestallte und ausgestrahlte Sender alles besser. In einer Woche ist was anderes dran. Die Aufregung und allgemeine Erregung hat dann wieder andere Ziele. Vielleicht Griechenland, vielleicht Ukraine, vielleicht eine Katastrophe. Anschließend steigen sie in fette Limousinen oder lassen sich dicke Honorare überweißen, sind state of art, gut vernetzt und machen wichtige Gesichter.

Montag, 30. März 2015

Falsche Gesinnung

Oh weh! Immer mehr spricht sich herum und wird verbreitet, dass der Freiburger Philosophengott Martin Heidegger womöglich ein schlimmer Nazi war. Ein brillanter Denker, aber halt mit der Gesinnung, da war's offenbar nicht so: Antisemitismus und die ganze Palette der aufgeblasen widerlichen Idiologien. Rassismus und so...Die großen Vordenker der Gegenwart winden sich, finden allerlei skurrile Verteidigungen, allein, es nutzt nix: der Mann mit dem Oberlippen-Bärtchen scheint ein Nazi gewesen zu sein. Und jetzt soll auch noch sein ehemaliger Lehrstuhl an der Freiburger Universität von Kleingeistern in eine Juniorprofessur umgewandelt werden. Ja gilt denn „Sein und Zeit“ gar nichts mehr? Alles zu seiner Zeit! Phänomenologisch war er ja wohl ein Genie. Dass er auch ein Kleinbürger war, dass seine Thesen falsch interpretiert, dass er schlichtweg schuld war und am Ende noch sein eigenes Werk umgeschrieben hat? Politische Täuschung? Fälschung, - oder darf jemand lernen dürfen? Möglicherweise gab es das öfters in der Geistesgeschichte, dass einzelne Dichter und Denker brillant waren, aber leider nicht die richtige Gesinnung vertraten. Ezra Pound, Ernst Jünger...usw. Was mit denen anfangen? Exkommunizieren? Degradieren? Sie waren und sie sind in ihrem Werk da.