Reise durch Wirklichkeiten

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Sonntag, 26. April 2026

Moderatorin

Privilegierte Moderatoren-Damen (Post Quote) reisen durch die Welt und zeigen das auch Socialmediamäßig vor. Immer gut angezogen, in erlesenem Milieu und Designerklamotten. Es geht auch um Verkleidungen und Ausstattungen, um Wohlfühlequipment aller Art. Anschließend moderieren sie wieder ihre Programme. Bieder. In den mitteleuropäischen Alltag einbezogen. An der Wand ihrer Wohnung steht „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“. So versuchen sie zu leben: aus allem was machen, was einem selbst gut tut und einen sanft macht. Reisen, die Welt sehen und genießen. Ja, es geht da durchaus auch um Verkleidungen und Ausstattungen, um Wohlfühlequipment. Um das Trotzdem. Es sich möglichst angenehm machen. Smart. Genießen.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Zimmerreisen

Ich lese manchmal hinein, mein Verweilen ist kurz, im Extremfall ein paar Sätze nur, ich lasse mich inspirieren, durch Texte, die mir wertvoll geworden sind und die auch in Kürze ihren Gehalt offenbaren. Diesmal war es mal wieder das Buch Xavier de Maistre, Reise um mein Zimmer. Es liegt ständig bereit. Ich möchte aus dem Anfang des 2. Kapitels zitieren: „Ich könnte die Lobrede auf meine Reise damit beginnen, dass sie mich nichts gekostet hat; dieser Punkt verdient Beachtung. Er ist hier vor allem für weniger bemittelte Leute von Bedeutung; es gibt eine andere Gesellschaftsklasse, bei der ein glücklicher Erfolg aus demselben Grund, weil es nichts kostet, noch sicherer ist. – Bei welcher also? Wie! Sie wissen es nicht? Bei den reichen Leuten. Von welchem Vorteil ist im Übrigen nicht diese Art zu reisen für die Kranken! Sie werden die Unbilden des Wetters und der Jahreszeiten nicht zu fürchten brauchen. – Für die Hasenfüße, sie werden gegen Diebe gefeit sein; sie werden weder auf Abgründe noch auf Morastlöcher stoßen. Tausende von Menschen, die vor mir nicht gewagt, andere, die nicht gekonnt, schließlich andere, die zu reisen nicht beabsichtigt hatten, werden sich auf mein Beispiel hin dazu entschließen. Würde das schwerfälligste Geschöpf Bedenken tragen, sich mit mir auf den Weg zu machen, um sich ein Vergnügen zu verschaffen, das ihm weder Mühe noch Geld kosten wird? – Also, mutig vorwärts!“

Sonntag, 10. August 2025

Auf "Reisen"

Ob sie jetzt alle weg sind? Auf Reisen? Wir erfahren etwas über die Welt und uns, so heißt es. So wird uns versprochen. Von der entsprechenden Industrie. Doch das setzt auch eine gewisse Neugier voraus. Ein Bestreben, sich von den allgemeinen Trampelpfaden abzusetzen in Richtung auf etwas Individuelles. Blöd nur, dass sich das inzwischen viele derer versprechen, die etwas von sich halten und die es sich leisten können. Ja, das Reisen selbst ist längst zu einem Statussymbol geworden. Individualreisen? Wer`s kann. Waren im 17. , 18., 19. und 20. Jahrhundert Reisen noch einer gewissen gesellschaftlichen Schicht vorbehalten, so ist das Genre inzwischen zum Massentourismus geworden, das Versprechen einer individuellen Erweiterung des Horizonts und unverbindlichen Bespassung ist vervielfältigt – was sich unter anderem in der Masse der verschiedenen, für jeweilige Zielgruppen abgefassten Reiseführer zeigt, die sich an ein mit einer gewissen Neugier ausgestattetes Publikum wendet. Dessen Hedonismus scheint nur jeweils schichtenspezifische Ausprägungen anzunehmen.

Montag, 4. August 2025

Urlaubsreisende

Die Masse der gehoben neugierigen Urlaubsreisenden scheint sich mit dem Aufsuchen verschiedener allgemein anerkannter „Sehenswürdigkeiten“ und sozialmedial ausgerufener TicToc-Ziele zu bescheiden, die ein längst sozialisiertes und an finanzielle Leistungsfähigkeit geknüpftes Begehren einzulösen versprechen. Die Suche nach dem „Authentischen“ und „Ursprünglichen“ ist da zu einer massenhaften Tätigkeit geworden. Dadurch etwas über die Welt erfahren, ein Bewusstsein ihrer Vielfalt zu erlangen, unsere Grenzen zu überschreiten, könnte dahinter stehender Wunsch, ein Begehren und ein gewisses Bedürfnis sein, das dahinter aufscheint. Selbstoptimierung ist dabei angesagt. Anderen davon erzählen. Im weltläufigen Ego erstrahlen. Es gilt, Aufklärung über „die Welt“ erlangen, gerade in Zeiten einer ungezügelten Globalisierung. Pech, dass das aber viele wollen, das all die Lehrer dieser Welt von diesem Bedürfnis getrieben sind. Ich ließ mich von dem Bedürfnis treiben, mich durch Zusammenhänge, die ich bisher nicht kannte, zu bewegen. Ihre allgemeine gesellschaftliche „Relevanz“, ihre Historie, ihren Ort im größeren Zusammenhang erschloss ich mir meist nebenher oder im ruhigen Rückblick. Meist mit den wichtigsten Fakten ausgestattet, konnte ich das Anderssein dieser Gegenden in jeder Hinsicht genießen. Dass man am Ende am selben Buffet im Hotel steht, dass man sich am Flughafen einreiht in die Masse der (jede Flugscham leugnenden) Wartenden, dass man sich im Angesicht gewisser „Sehenswürdigkeiten“ gegenseitig auf die Füße tritt, nahm ich hin als Teilnehmer einer Massenkultur, als derjenige, der eintaucht in Zusammenhänge, mit denen er ansonsten nicht befasst ist.

Sonntag, 6. Juli 2025

Urlaub vom Reisen

Ob sie jetzt alle weg sind? Auf Reisen? Ausgerechnet jetzt? Wetter, Seele baumeln lassen, Betriebsferien. Wir erfahren etwas über die Welt und uns, so heißt es. So wird uns versprochen. Doch das setzt auch eine gewisse Neugier voraus. Ein Bestreben, sich von den allgemeinen Trampelpfaden abzusetzen in Richtung auf etwas Individuelles. Blöd nur, dass sich das inzwischen viele derer versprechen, die etwas von sich halten und die es sich leisten können. Ja, das Reisen selbst ist längst zu einem Statussymbol geworden. Individualreisen? Wer`s kann. Waren im 17. , 18., 19. und 20. Jahrhundert Reisen noch einer gewissen gesellschaftlichen Schicht vorbehalten, so ist das Genre inzwischen zum Massentourismus geworden, das Versprechen einer individuellen Erweiterung des Horizonts und unverbindlichen Bespassung ist vervielfältigt – was sich unter anderem in der Masse der verschiedenen, für jeweilige Zielgruppen abgefassten Reiseführer zeigt, die sich an ein mit einer gewissen Neugier ausgestattetes Publikum wendet. Dessen Hedonismus scheint nur jeweils schichtenspezifische Ausprägungen anzunehmen. Die Masse der Urlaubsreisenden freilich scheint sich mit dem Aufsuchen verschiedener allgemein anerkannter „Sehenswürdigkeiten“ und sozialmedial ausgerufener TicToc-Ziele zu bescheiden, die ein längst sozialisiertes und an finanzielle Leistungsfähigkeit geknüpftes Begehren einzulösen versprechen. Die Suche nach dem „Authentischen“ und „Ursprünglichen“ ist da zu einer massenhaften Tätigkeit geworden. Dadurch etwas über die Welt erfahren, ein Bewusstsein ihrer Vielfalt zu erlangen, unsere Grenzen zu überschreiten, könnte dahinter stehender Wunsch, ein Begehren und ein gewisses Bedürfnis sein, das dahinter aufscheint. Selbstoptimierung ist dabei angesagt. Anderen davon erzählen. Im weltläufigen Ego erstrahlen. Es gilt, Aufklärung über „die Welt“ erlangen, gerade in Zeiten einer ungezügelten Globalisierung. Pech, dass das aber viele wollen, das all die Lehrer dieser Welt von diesem Bedürfnis getrieben sind. Ich ließ mich von dem Bedürfnis treiben, mich durch Zusammenhänge, die ich bisher nicht kannte, zu bewegen. Ihre allgemeine gesellschaftliche „Relevanz“, ihre Historie, ihren Ort im größeren Zusammenhang erschloss ich mir meist nebenher oder im ruhigen Rückblick. Meist mit den wichtigsten Fakten ausgestattet, konnte ich das Anderssein dieser Gegenden in jeder Hinsicht genießen. Dass man am Ende am selben Buffet im Hotel steht, dass man sich am Flughafen einreiht in die Masse der (jede Flugscham leugnenden) Wartenden, dass man sich im Angesicht gewisser „Sehenswürdigkeiten“ gegenseitig auf die Füße tritt, nahm ich hin als Teilnehmer einer Massenkultur, als derjenige, der eintaucht in Zusammenhänge, mit denen er ansonsten nicht befasst ist.

Freitag, 27. Dezember 2024

Romantische Reise

Der Mythos des Reisens, hinaus in die schöne Welt. In der Spätromantik stand Joseph Eichendorff dafür. Mir kommt es so vor, als habe sich die Szenerie seitdem radikal gewandelt: Aus dem (gewissen sozialen Ständen vorbehaltenen) „Reisen“ a la Mark Twain ist inzwischen der Massentourismus geworden, der die Menschen an die Strände von nahen und in fernen Länder spült. Ein gewisses passives und anscheinend erholsames Dahintrülen in der Sonne von einem von Einheimischen meist unter jämmerlichen Zuständen gewartetes Resort aus ist er ersehnte Zustand, der dann einen Zeitraum ausfüllen soll. Ob das etwas vollkommen anderes ist, als etwa Goethes „Italienische Reise“ oder Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“? Eichendorff bohrte sich erst später in eine enge Frömmigkeit hinein. Zunächst spekulierte er erst einmal in die Welt hinaus. Neugier oder Erkundung der Welt steht aber in der Gegenwart nicht mehr im Vordergrund: es geht vielmehr um Wiedergewinnung der Arbeitskraft (Adorno, Freizeit) in einer Art Erholung, die im Nichtstun und Heraustreten aus Funktionszusammenhängen besteht. Besonders beliebt scheinen in diesem Zusammenhang die Kreuzfahrten zu sein, die zwar eine verheerende ökologische Wirkung zu haben scheinen, was aber einem Massenpublikum weitgehend egal ist. Die Zerstörung der Welt mit offensichtlichen und einigen weniger offensichtlichen Mitteln scheint die Strategie zu sein, die vielmehr angesagt ist.

Samstag, 23. November 2024

Reisen

Der Mythos des Reisens, hinaus in die schöne Welt. In der Spätromantik stand Joseph Eichendorff dafür. Mir kommt es so vor, als habe sich die Szenerie seitdem radikal gewandelt: Aus dem (gewissen sozialen Ständen vorbehaltenen) „Reisen“ a la Mark Twain ist inzwischen der Massentourismus geworden, der die Menschen an die Strände von nahen und in fernen Länder spült. Ein gewisses passives Dahintrülen in der Sonne von einem von Einheimischen meist unter jämmerlichen Zuständen gewartetes Resort aus ist er ersehnte Zustand, der dann einen Zeitraum ausfüllen soll. Ob das etwas vollkommen anderes ist, als etwa Goethes „Italienische Reise“ oder Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“? Eichendorff bohrte sich erst später in eine enge Frömmigkeit hinein. Zunächst spekulierte er erst einmal in die Welt hinaus. Neugier oder Erkundung der Welt steht aber in der Gegenwart nicht mehr im Vordergrund: es geht vielmehr um Wiedergewinnung der Arbeitskraft (Adorno, Freizeit) in einer Art Erholung, die im Nichtstun und Heraustreten aus Funktionszusammenhängen besteht. Besonders beliebt scheinen in diesem Zusammenhang die Kreuzfahrten zu sein, die zwar eine verheerende ökologische Wirkung zu haben scheinen, was aber einem Massenpublikum weitgehend egal ist. Die Zerstörung der Welt mit offensichtlichen und einigen weniger offensichtlichen Mitteln scheint die Strategie zu sein, die vielmehr angesagt ist.

Freitag, 6. September 2024

Reisen 2

Ob sie jetzt alle weg sind? Auf Reisen? Ausgerechnet jetzt? Wir erfahren etwas über die Welt und uns, so heißt es. So wird uns versprochen. Doch das setzt auch eine gewisse Neugier voraus. Ein Bestreben, sich von den allgemeinen Trampelpfaden abzusetzen in Richtung auf etwas Individuelles. Blöd nur, dass sich das inzwischen viele derer versprechen, die etwas von sich halten und die es sich leisten können. Ja, das Reisen selbst ist längst zu einem Statussymbol geworden. Individualreisen? Wer`s kann. Waren im 17. , 18., 19. und 20. Jahrhundert Reisen noch einer gewissen gesellschaftlichen Schicht vorbehalten, so ist das Genre inzwischen zum Massentourismus geworden, das Versprechen einer individuellen Erweiterung des Horizonts und unverbindlichen Bespassung ist vervielfältigt – was sich unter anderem in der Masse der verschiedenen, für jeweilige Zielgruppen abgefassten Reiseführer zeigt, die sich an ein mit einer gewissen Neugier ausgestattetes Publikum wendet. Dessen Hedonismus scheint nur jeweils schichtenspezifische Ausprägungen anzunehmen. Die Masse der Urlaubsreisenden freilich scheint sich mit dem Aufsuchen verschiedener allgemein anerkannter „Sehenswürdigkeiten“ und sozialmedial ausgerufener TicToc-Ziele zu bescheiden, die ein längst sozialisiertes und an finanzielle Leistungsfähigkeit geknüpftes Begehren einzulösen versprechen. Die Suche nach dem „Authentischen“ und „Ursprünglichen“ ist da zu einer massenhaften Tätigkeit geworden. Dadurch etwas über die Welt erfahren, ein Bewusstsein ihrer Vielfalt zu erlangen, unsere Grenzen zu überschreiten, könnte dahinter stehender Wunsch, ein Begehren und ein gewisses Bedürfnis sein, das dahinter aufscheint. Selbstoptimierung ist dabei angesagt. Anderen davon erzählen. Im weltläufigen Ego erstrahlen. Es gilt, Aufklärung über „die Welt“ erlangen, gerade in Zeiten einer ungezügelten Globalisierung. Pech, dass das aber viele wollen, das all die Lehrer dieser Welt von diesem Bedürfnis getrieben sind. Ich ließ mich von dem Bedürfnis treiben, mich durch Zusammenhänge, die ich bisher nicht kannte, zu bewegen. Ihre allgemeine gesellschaftliche „Relevanz“, ihre Historie, ihren Ort im größeren Zusammenhang erschloss ich mir meist nebenher oder im ruhigen Rückblick. Meist mit den wichtigsten Fakten ausgestattet, konnte ich das Anderssein dieser Gegenden in jeder Hinsicht genießen. Dass man am Ende am selben Buffet im Hotel steht, dass man sich am Flughafen einreiht in die Masse der (jede Scham leugenden) Wartenden, dass man sich im Angesicht gewisser „Sehenswürdigkeiten“ gegenseitig auf die Füße tritt, nahm ich hin als Teilnehmer einer Massenkultur, als derjenige, der eintaucht in Zusammenhänge, mit denen er ansonsten nicht befasst ist.

Mittwoch, 4. September 2024

Reisen

Reisen? Ein Statussymbol. Früher sagte man „In der Welt herum gekommen“. Heutzutage ist es wohl so eine Sache mit dem „Reisen“. Die Zeiten von Mark Twain scheinen zugunsten eines Massentourismus vorüber. Und dann gibt es ja auch noch Trost: Gewisse „Experten“ wollen uns nämlich einreden, dass das neue Reisen das „Bleiben“ sei. Alles recht und gut, ich soll/muss auch hier bleiben. Bin also „voll“ dabei. Gleichzeitig scheint alle Scham verflogen (!), Fliegen muss wohl sein, besonders zur Urlaubszeit. Nachhaltigkeit und Umwelt hin oder her. Außerdem ist es eine gute Tat: Das Wachstum in Deutschland und in der Welt muss unbedingt angekurbelt werden. Wir müssen wachsen. Immer weiter. Mag der Planet auch dabei kaputt gehen. Weiter. Immer weiter. Okay, ich habe diverse Reisen hinter mir, habe mich bemüht um meine Reiseziele, habe ambitioniert fotografiert, habe mich teils jahrelang informiert, habe vor- und nachbereitet sowie mich intensiv befasst. Was ist mit solchen Leuten wie mit mir?, so frage ich mich. Sollen diese Leute auch nicht mehr reisen, sollen die sich möglichst gar nicht mehr vom Fleck bewegen, um CO2 einzusparen? Könnte es auch sein, dass Reisen ein bisschen den Horizont erweitern kann, dass man sich mehr als Weltbürger empfindet und im besten Fall eine gewisse Enge hinter sich lassen kann? Ist das der Rest einer werblichen Reiseidiologie oder ist da auch heute noch was dran? Dass man auch über die Natur und ihre Geschöpfe sehr viel mehr direkt und aus erster Hand erfahren kann? Dass man Respekt gegenüber dem Andern empfindet? Ob es dies „Andere“ in der Globalisierung noch gibt? Dass man Lebensfreude neu entdeckt? Jaja, der meist gepflegte Urlaub geht solchen Interessen nicht nach. Er wünscht sich nach dem opulenten Essen in einem „guten“ Hotel ein ereignisloses Sonnenbad an irgendeinem Strand. „Die Seele baumeln lassen“. So nennt man das oft. Was aber ist mit der Minderheit, die so geschilderte Reisen nicht unternehmen und auf diese Weise ihren Horizont erweitern will? Soll diese sich der „political correctness“ ergeben und sich im Übrigen auf mediale Erkundungen wie etwa Fernsehberichte stützen? Wodurch kann sie Erfahrungen sammeln?

Donnerstag, 11. Januar 2024

Prima Klima

Ich komme mir da sowieso wie ein Dödel vor: die so oft propagierte „Flugscham“ scheint vorüber. Kein Mensch redet in Deutschland mehr darüber. Im Gegenteil, es dringen sogenannte Erfolgsmeldungen mir ans Ohr: Die Zahl der Flüge inklusive Fernflüge hat wieder stark zugenommen, - endlich. Wer redet denn in diesem Zusammenhang noch von Klimakrise? Die Menschen scheinen froh zu sein, dass sie auf diese Weise den Krisen enteilen können. Ob da ein harter Fall von kognitiver Dissonanz vorliegt? Dem einen zustimmen und ein „Klimabewusstsein“ loben, das andere aber in völligem Gegensatz dazu tun? Reisen, was ist das überhaupt? Sich in fernen Ländern an den Strand flacken? Vollpension. Alles inklusive. Kein Zweifel, für viele Menschen steckt da ein hoher Erholungswert dahinter. Aber: Die steigenden Energiekosten beklagen, aber dieses deutlich teurer gewordene Hotel in Übersee buchen? Hm, ob da die Pandemie etwas bewirkt hat? Nachholbedarf? Etwas von der Welt sehen und auf diese Weise seinen Horizont erweitern. Dafür ans Meer reisen, scheisegal, on der Meeresspiegel steigt? Wer da in den vergangenen Jahren wohl ins Nachdenken gekommen ist? Welche Rolle da die Medien spielen? Ob die vielen Leute mit dem Nahen in ihrer Umgebung auch etwas anfangen? Ob sie das mehr erkunden, oder ob sie gleich eine Fernreise buchen? Kreuzfahrten sollen beliebter denn je sein. Privatjets haben Hochkonjuntur: Die Wichtigs sind ja überall auf der Welt wichtig. Ausspannen ist angesagt. Digital.

Montag, 6. November 2023

Reise durch Wirklichkeiten

Es drängt sich mir wieder einmal auf, die Überschrift meines Blogs „Reise durch Wirklichkeiten“ und andere Einlassungen möglichst korrekt zu klaren. Ich gehe also davon aus, dass sich diese Gesellschaft immer mehr ausdifferenziert in Fraktionen, Subgesellschaften, Wahrnehmungsblasen usw., die die Tendenz haben, nur innerhalb ihrer sozialen Gruppe zu kommunizieren oder gewisse Verhaltens- oder Wertemuster immer wieder zu reproduzieren. Beispiel: „Führungskräfte“ der Wirtschaft wollen dies auch in der nächsten Generation bleiben und schicken demgemäß ihre Sprösslinge auf teure Internate, wo sie zu „Führungskräften“ erzogen werden, was entsprechendes Verhalten und Selbstwahrnehmung bedeutet: Im zeitgenössischen Sprachgebrauch wird dies gerne als „Wahrnehmungsblase“ oder „Bubble“ bezeichnet. Diese „Fraktionen“ haben weiterhin die Tendenz, auch über gewisse soziale Muster miteinander zu kommunizieren, sich darüber einig zu zeigen, was „korrekt“ oder „okay“ ist. D.h. beispielsweise: Steuerberater unterhalten sich untereinander vor allem über das, was sie und ihre Kundschaft betrifft. Es entsteht sogar ein gewisser Jargon, der unter anderem zu sozialen Abgrenzungen führt. Lehrer verhalten sich genauso, Verwaltungsmenschen, Ingenieure, Handwerker, Servicedienstleister usw. Sie bilden untereinander auch Wahrnehmungsgemeinschaften, aus deren Blickfeld gewisse Dinge auch heraus fallen oder nur alibimäßig unscharf wahrgenommen werden. Ich würde diesen immer weiter zunehmenden Vorgang der Ausdifferenzierung von „Lebenswelten“ erstmal als „vertikale Gliederung“ bezeichnen. Andererseits eröffnen sich auch durch Medien, Tourismus und zunehmende Informationsmöglichkeiten befördert immer mehr Gelegenheiten, sich darüber klar zu werden, dass wir alle auf einem einzigen Planeten leben und uns dadurch bewusst werden könnten, dass“wir alle in einem Boot“ sitzen. Wir erfahren etwas über andere Kulturen, über andere Möglichkeiten, sich geographisch und durch die Historie gegebenen Bedingungen anzupassen: Andere Völker, andere „Sitten“ (Werthaltungen, Verhaltensmuster). „Horizonterweiterung“. Es haben sich wohl in unterschiedlichen Kulturkreisen (das Gegenteil von „Globalisierung“) unterschiedliche Arten des Menschseins heraus gebildet. Dies würde ich als „horizontale“ Gliederung bezeichnen. Ein Interesse an anderen Möglichkeiten, aber auch eine Neugier auf Begrenztheiten solcher auch ökonomisch begründeter Verhältnisse zu entwickeln, das könnte man auf der Ebene der Bewusstwerdung auch als „Empathie“ bezeichnen. Ein bisschen mehr Bewusstwerdung der Verhältnisse, die mich umgeben, mag die Folge sein: „Horizonte“ erweitern. Insofern über den eigenen Tellerrand versuchen zu blicken, wäre mein ureigenstes Interesse. Leider passiert das in unserer Gesellschaft in Bezug auf „vertikale Gliederung“ viel zu wenig und immer weniger. Beispiel: Selbst Kreise, die einigermaßen Bescheid darüber wissen müssten, haben keine Ahnung davon, wie es ist, von Grundsicherung leben zu müssen. Kognitiv schieben diese Leute meist die Phrase „wir leben in einem Sozialstaat“ vor und glauben somit, alles sei in diesem Sinne „geregelt“. Wer sich aber konkret für die realen Verhältnisse interessiert, erfährt anderes. X x It once again occurs to me to clarify the title of my blog “Journey through Realities” and other statements as correctly as possible. So I assume that this society is becoming more and more differentiated into factions, sub-societies, etc., which have the tendency to only communicate within their social group or to reproduce certain patterns of behavior or values. In contemporary usage this is often referred to as a “perception bubble” or “bubble”. These “factions” continue to have a tendency to communicate with each other about certain social patterns and to agree on what is “correct”. This means, for example: tax advisors talk to each other primarily about what concerns them and their clients. A certain jargon even arises, which, among other things, leads to social boundaries. Teachers behave the same way, administrators, engineers, craftsmen, etc. They also form perception communities from whose field of vision certain things fall out or are perceived as an alibi. I would describe this ever-increasing process of differentiation of “lifeworlds” as “vertical division”. On the other hand, media, tourism and increasing information possibilities are opening up more and more opportunities to realize that we all live on a single planet and thereby become aware that “we are all in the same boat”. We learn something about other cultures, about other ways of adapting to geographical and historical conditions: other peoples, other “customs” (values, behavior patterns). Different ways of being human have probably developed in different cultural circles (the opposite of “globalization”). I would call this a “horizontal” structure. Developing an interest in other possibilities, but also a curiosity about the limitations of such economically based circumstances, could also be described as “empathy” at the level of awareness. The result may be a little more awareness of the conditions that surround me: broadening my horizons. In this respect, trying to think outside the box would be in my best interest. Unfortunately, this happens far too little and less and less in our society when it comes to “vertical structuring”. Example: Even circles that should know something about it have no idea what it's like to have to live on basic income. Cognitively, these people usually use the phrase “we live in a welfare state” and therefore believe that everything is “regulated” in this sense. But anyone who is specifically interested in the real situation here will find out something different.

Samstag, 26. August 2023

Nach "Urlaub"

Wem Gott will die rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt; Dem will er seine Wunder weisen. In Berg und Wald und Strom und Feld (Eichendorff). Jetzt kommen sie zurück von ihrem Urlaub. Oder sie sind bereits zurück gekommen. Ob sie ihren Horizont erweitert haben beim Liegen am Strand? Sich aktivieren, sich bewegen? Dazu sollte man auf und davon? Reisen? Nun ja, auch das Klima-Thema kommt uns da dazwischen. Mir scheint es nicht mehr so naheliegend einfach zu sein, in irgendeinen Flieger zu steigen und fremde Horizonte anzusteuern. Flugscham, wo blieb und bleibt das? Für wen gilt sie? Henry Miller sagte: „Bleib hungrig nach Erfahrung, nach Wissen und Erkenntnis. Was das damit zu tun hat, sich vor den großen Touristentrophäenpunkten fotografieren zu lassen? Vor dem Eiffelturm, vor dem Zuckerhut, vor dem Capitol, dem Grand Canyon, vor Ankor-Watt und wie sie alle heißen.... Ob es einer gewissen Anstrengung bedarf, um dem Fremden näher zu kommen?

Donnerstag, 3. August 2023

Reisen erweitert den Horizont?

Es ist wohl so eine Sache mit dem Reisen. Gewisse „Experten“ wollen uns einreden, dass das neue Reisen das „Bleiben“ sei. Alles recht und gut, ich soll/muss auch hier bleiben. Okay, aber ich habe diverse Reisen hinter mir, habe mich bemüht um meine Reiseziele, habe mich teils jahrelang informiert, habe vor- und nachbereitet sowie mich intensiv befasst. Was ist mit solchen Leuten? Sollen die auch nicht mehr reisen, sollen die sich möglichst gar nicht mehr vom Fleck bewegen, um CO2 einzusparen? Könnte es auch sein, dass Reisen ein bisschen den Horizont erweitern kann, dass man sich mehr als Weltbürger empfindet und eine gewisse Enge hinter sich lassen kann? Dass man auch über die Natur und ihre Geschöpfe sehr viel mehr direkt erfahren kann? Dass man Respekt gegenüber dem Andern empfindet? Jaja, der meist gepflegte Urlaub geht solchen Interessen nicht nach. Was aber ist mit der Minderheit, die solch geschilderte Reisen unternehmen und dadurch ihren Horizont erweitern will? Soll die sich der „political correctness“ ergeben und sich im Übrigen auf Fernsehberichte stützen?

Mittwoch, 26. Juli 2023

Reisezehrung

Reisezehrung Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke, Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen. Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen, Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke. Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke Gleich fing ich an, von diesen und von jenen Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen: Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke. Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen, Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben, Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe. So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen: Was ich bedarf, ist überall zu haben, Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe. (Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)

Sonntag, 23. Juli 2023

Uhr-laub?

Warum bleiben wir nicht zuhause? Warum fahren wir - und mit uns Milliarden von Menschen - in fremde Länder, wo wir außer dem Motiv „Ferien machen“ genaugenommen nichts verloren haben? Ungeklärt sind daneben und auch nach Corona und während des Kriegs viele andere Probleme des Fremdenverkehrs: wie wirkt sich das auf die Reisegebiete aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Besuchern und Einheimischen? Wie ist die Umweltbilanz des Tourismus? Bringt er wirtschaftlichen Aufschwung oder neue Formen des Kolonialismus? Was ist von den „künstlichen Ferienwelten“ zu halten, die sich immer mehr zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt entwickeln? Was eigentlich treibt uns in die Ferne? Gibt es dabei eine Nähe zu Fest, Ritual und Spiel? Denn die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: Der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten. Das Reisen stellt insofern eines der wirksamsten Mittel dar, der eingespielten sozialen Ordnung vorübergehend zu entkommen - nicht in blinder Flucht, sondern als produktive, menschliche Leistung, die neue Erfahrungen, Einblicke und Horizonte ermöglicht – oder das faule Abliegen an irgendeinem Strand in irgendeinem Land. Mal nix tun! Was nicht gerade selbstoptimal ist……...

Freitag, 12. August 2022

Flucht ins Reisen

Vor dem großen Gas-Crash noch schnell hinaus in die Welt! Wer weiß, wie lange das noch möglich sein wird. Jetzt sind sie wieder unterwegs, am besten per Flugzeug (wer es schließlich schafft, sich zu „boarden“) Warum aber bleiben wir nicht zuhause? Warum fahren wir - und mit uns Milliarden von Menschen - in fremde Länder, wo wir außer dem Motiv „Ferien machen“ genaugenommen nichts verloren haben? Neugier? Iwo! Am besten essen und wohnen wie zuhause. Ungeklärt sind daneben viele Probleme des Fremdenverkehrs: wie wirkt sich das auf die Reisegebiete aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Besuchern und Einheimischen? Wie ist die Umweltbilanz des Tourismus? Bringt er wirtschaftlichen Aufschwung oder neue Formen des Kolonialismus? Was ist von den „künstlichen Ferienwelten“ zu halten, die sich immer mehr zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt entwickeln? Was eigentlich treibt uns in die Ferne? Gibt es dabei eine Nähe zu Fest, Ritual und Spiel? Denn die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: Der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten. Das Reisen stellt insofern eines der wirksamsten Mittel dar, der eingespielten sozialen Ordnung vorübergehend zu entkommen - nicht in blinder Flucht, sondern als produktive, menschliche Leistung, die neue Erfahrungen ermöglicht.

Montag, 1. August 2022

Urlaubsträume

Nun ja, diese Art der Anbiederung an den vermeintlichen Geschmack des Publikums kennen wir von Journalisten. Pünktlich jetzt, zu Beginn der Sommerferien auch noch im letzten Bundesland, werden Loblieder des Reisens gesungen. „Am liebsten weit weg“ solle die Reise gehen. „Hauptsache raus“, so der Tenor derer, die sich jetzt auf Flughäfen oder Bahnsteigen quälen und nach Corona endlich mal wieder die weite Welt an überfüllten Stränden von vollklimatisierten Hotels erkunden dürfen, wobei sie von den jeweiligen einheimischen „Bediensteten“ mit möglichst billigen Servicediensten umsorgt werden. Ob da eine Art Neokolonialismus durchschlägt, ein Diener-Herrschaftsverhältnis? Die „Entdeckungstour“ durch das eigene Land habe nicht ausgereicht, schließlich müsse man sich „ein Bild von der Welt machen“. Ob da der alte Mittelklassetraum von der „Bildungsreise“ noch mitschwingt? Wer von der Masse derer, die jetzt die Flughäfen stürmt, sich wohl ein „Bild von der Welt“ machen will, indem er mit einem netten Sonnenbrand unterm Sonnenschirm am Meer liegt? Reisen habe mit dem Erfahren zu tun, was auf gewissen Südseeinseln angesichts eines unzureichenden Klimaschutzes los sei. Wer sich wohl mit ungewöhnlichen Lebensgewohnheiten, merkwürdigen Speisen, fremden Sprachen und anders aussehenden Menschen auseinander setzen will? Reisen würde motivieren, aufrütteln und – bilden. Wer wohl von all den Reisenden an den Flughäfen einen Bildungsurlaub auf einer kleinen Insel oder in einem „armen Land“ gebucht hat? Ob eine solche „kleine Insel“ auch in der Südsee liegen könnte? Wer sich das wohl leisten mag? Die „Annäherung an das Fremde“ und die „Wiederherstellung der Arbeitskraft“ habe mit dem ursprünglichen Sinn und Zweck des Reisens zu tun. Die Betonung scheint mir heutzutage eindeutig auf dem zweiten Punkt zu liegen. Und ob die Masse der Urlaubenden diesen bildungsbürgerlich gefassten Begriff des Reisens teilt, mag dahin gestellt bleiben.

Samstag, 16. Juli 2022

Reisen

Die Einladung liegt allzeit bereit. Es geht ums Reisen ohne Stress. Ich lese manchmal hinein, mein Verweilen ist kurz, im Extremfall ein paar Sätze nur, ich lasse mich inspirieren, durch Texte, die mir wertvoll geworden sind und die auch in Kürze ihren Gehalt offenbaren. Diesmal war es mal wieder das Buch Xavier de Maistre, Reise um mein Zimmer. Ich möchte aus dem Anfang des 2. Kapitels zitieren:">Ich könnte die Lobrede auf meine Reise damit beginnen, dass sie mich nichts gekostet hat; dieser Punkt verdient Beachtung. Er ist hier vor allem für weniger bemittelte Leute von Bedeutung; es gibt eine andere Gesellschaftsklasse, bei der ein glücklicher Erfolg aus demselben Grund, weil es nichts kostet, noch sicherer ist. – Bei welcher also? Wie! Sie wissen es nicht? Bei den reichen Leuten. Von welchem Vorteil ist im Übrigen nicht diese Art zu reisen für die Kranken! Sie werden die Unbilden des Wetters und der Jahreszeiten nicht zu fürchten brauchen. – Für die Hasenfüße, sie werden gegen Diebe gefeit sein; sie werden weder auf Abgründe noch auf Morastlöcher stoßen. Tausende von Menschen, die vor mir nicht gewagt, andere, die nicht gekonnt, schließlich andere, die zu reisen nicht beabsichtigt hatten, werden sich auf mein Beispiel hin dazu entschließen. Würde das schwerfälligste Geschöpf Bedenken tragen, sich mit mir auf den Weg zu machen, um sich ein Vergnügen zu verschaffen, das ihm weder Mühe noch Geld kosten wird? – Also, mutig vorwärts!“

Donnerstag, 7. Juli 2022

Reisen durch Realitäten

Die Soziologie kann einem wunderbar und sehr eindeutig belegen, wie sie sehr man (vereinfacht formuliert) das Produkt seiner Umwelt ist. Wäre man in einer anderen kulturellen gesellschaftlichen Realität aufgewachsen. wäre man womöglich eine anderer. Menschen versuchen, Gruppen, Gemeinschaften, soziale Verbände zu bilden, um sich gegenseitig ihrer sozialen Wirklichkeit zu versichern. Sie brauchen das sogar, weil ihre Identität dranhängt. Das kann man im Alltag wunderschön überall beobachten. Ich freilich war immer schon davon ausgegangen, dass mein Ich, meine Identität relativ ist, d.h., dass es von der Tapete der Normalitäten und Realitäten, die es umgibt, stark geprägt ist. Würde ich jene austauschen, würde ich möglicherweise ein ganz anderes ein Stück meines Ichs, meiner Selbst erfahren. Sich also durch Veränderung weiterentwickeln? Durch Reisen? Die Umwelt als eine Art Filter der Wirklichkeit verändern und dadurch eine neue Perspektive auf sie gewinnen? Einst beinhaltete die Reise – als Bild für etwas wie auch als Realität – ein hohes Maß an Läuterung und Wandlung. In den meisten Religionen galt das Reisen als rechte Lebensführung, als Instrument der Katharsis, als Mittel zur Erleuchtung. Heute ist es vielmehr so: Statt sich im Unbekannten zurecht zu finden, zahlen Urlauber viel Geld, um Überraschungen möglichst aus dem Weg zu gehen. Der Sinn des Reisens erschließt sich auf diese Weise kaum. Reise allein (ein jeder ist womöglich alleine), reise ohne Gepäck und reise langsam! - ein jeder ist ja ohnehin unterwegs. Wir suchen das Unbekannte und landen oft im schmerzlich Vertrauten: Blechlawinen auf Autobahnen und Ringstraßen; Parkplätze, dichter besetzt als ein Friedhof; Flughäfen, auf denen fortwährend Flugzeuge starten und landen; verschobene und verpasste Geschäftigkeit auf Bahnhöfen. Kaum ein Fleck der Erde ist noch vor unserer stets gegenwärtigen Mobilität sicher. Urlaub ist angesagt. Wie die Heuschrecken schwärmen wir über jedem vermeintlichen Traumziel aus. Wir sind viel unterwegs, aber reisen wir? Wir fahren durch die Welt, aber wie viel erfahren wir von ihr? Sollte Reisen nicht über die Veränderung der Umgebung hinausgehen? Sollte Reisen nicht ein metaphysischer Akt des Erkennens sein? Wie sehr gilt für uns noch das maurische Sprichwort, nur der Reisende kenne den wahren Wert des Menschen?

Donnerstag, 23. Juni 2022

In den Urlaub fliegen

Man wundert sich, wer alles wie oft und unbedingt mit dem Flugzeug fliegen muss. Teilweise scheinen das genau dieselben Leute zu sein, die an anderer Stelle gegen das Fliegen aus ökologisch-moralischen Gründen polemisieren. Ob das zur Glaubwürdigkeit dieser Personen und – ungleich wichtiger – der um das Klima bedachten Menschen beiträgt? Ob hier nicht ein bestimmter Eindruck entsteht, der dem jetzt massenhaft in Urlaub fliegendem Mainstreampublikum Wasser predigt und den Wein genussvoll schamlos schlürft? Ob nicht jüngst die Umstände einer Fernsehmoderatorin durch die Schlagzeilen ging, die regelmäßig extra für ihre (miese!!!) TV-Sendung morgens aus Israel eingeflogen wird, um abends wieder zurück geflogen zu werden…? Man hat auch noch eine Talkrunde in Erinnerung, in der Fliegen wie ein Naturrecht wichtiger, in ihren wohlverdienten Urlaub fliegenden Menschen „verkauft“ wurde. Nach zwei Jahren Corona bräuchten sie unbedingt…… Jedenfalls wurde kein für mich wahrnehmbarer Gedanke daran verschwendet, wie sehr durch Emissionen das Fliegen umweltschädlich wirken kann.