Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 22. September 2023

Luxusidyll

Ich sehe in einem Magazin aus Papier einen schönen weiten Alpensee. Er fließt in mich hinein. Er verbreitet sich. Im Hintergrund Berge, davor eine Wiesenlandschaft, wie sie sich halt für eine solche Szenerie gehört. Ein Luxuswesen auf einem Steg breitet die Arme aus und kommt bezaubernd lächelnd auf den Betrachter zu. Ach, so in etwa dürfte sich gehobener Lifestyle anfühlen! „Freiheit im Grünen erspüren“ steht da daneben. Was ist das für eine Lebenswelt, die mir da gespielt wird? Eine finanziell gut unterfütterte allemal. Das man in einem solchen Rahmen dem Besitzbürgertum angehört, dürfte kein Thema sein. Denn es ist selbstverständlich, so wie in den meisten Fernsehserien, die ihre Aufgeregtheiten in einem solchen Rahmen spielen lassen. „Gut aufgehoben“ und „glücklich sein“ sind die nächsten Sätze, die mir auffallen, wenn ich weiter blättre. Unten am Editorial grüßt eine gut gelaunte Dame. Über ihr steht „Wir freuen uns, Sie verwöhnen zu dürfen!“ steht dicht neben ihr, während wir im Geiste schon den Bentley um die gut gepflegte Baum-Ecke fahren sehen. Ein Chauffeur hält die Wagentüre auf. Einsteigen in diese Welt, die uns hier schmackhaft gemacht werden soll, trotz aller Konflikte, die darin spielen: üble Immobilienspekulanten und Baulöwen, smarte Korruptionen und süffisant genießerisches Lächeln von einem, dem dies gebührt. Wem fallen da nicht all die zeitgemäß modernisierten Versionen ein, die unsere Medien und unser Bewusstsein durchdringen! Es geht um Lifestyle. Wellness. Genuss.Leider habe ich eben das Klo geputzt, was mich in meiner wunderbar erfrischenden Betrachtung dann doch ein bisschen bremst. Ich lese „Leichtigkeit und Abenteuer“, ein Gefühl, in das sich seltsam undefinierter Gestank und ein dreckiger Belag drängt. Nun ja, ich bin nicht Teil davon, klaro, ich habe mir kein solches Luxus-Erlebnis geschaffen. Gut aufgeputzte Berghütten laden ein, - als nächstes. Ob es da wohl auch ein Klo gibt? Wird wohl regelmäßig vom „Personal“ geputzt und riecht gut. Das ist nicht meine Welt und wird es wohl auch nicht werden. Kulinarik, verbunden mit fetten Rechnungen. Urlaub, Urlaub. x I see a beautiful, wide Alpine lake in a paper magazine. It flows into me. He spreads. Mountains in the background, in front of it a meadow landscape, as it should be for such a scenery. A luxury creature on a jetty spreads its arms and approaches the viewer with an enchanting smile. Oh, that's what an upscale lifestyle should feel like! "Feel freedom in the countryside" is written next to it. What kind of living environment is it that is being played for me? A financially well-supported one. That one belongs to the property-owning bourgeoisie in such a framework should not be an issue. Because it is natural, as in most television series, to let their excitement play out in such a framework. "Well cared for" and "being happy" are the next sentences that strike me as I continue to leaf through. At the bottom of the editorial, a cheerful lady greets you. Above her is written "We look forward to pampering you!" is written close to her, while we already see the Bentley driving around the well-tended tree corner. A chauffeur holds the car door open. Step into this world that is to be made palatable to us here, despite all the conflicts that play out in it: nasty real estate speculators and property developers, smart corruption and a smug, smug smile from someone who deserves it. Who can't think of all the contemporary modernized versions that permeate our media and consciousness! It's about lifestyle. wellness. Pleasure. Unfortunately, I have just cleaned the toilet, which slows me down a bit in my wonderfully refreshing contemplation. I read “Ease and Adventure”, a feeling intruded by a strange undefined stench and a dirty coating. Well, I'm not part of it, sure, I didn't create such a luxury experience for myself. Well decorated mountain huts invite - next. Is there a toilet there? Is probably cleaned regularly by the "staff" and smells good. This is not my world and probably never will be. Culinary delights combined with fat bills. vacation, vacation.

Sonntag, 16. April 2023

Im Privileg

Vielleicht sind wir solchen Menschen auch schon begegnet, die uns mit ihrer mit „positiver Ausstrahlung“ aufgeladenem Frohsinn gestanden haben, dass sie jetzt und überhaupt die Umweltsau heraushängen, samt Flugzeug, fettem Reisen und Simmingpool und allem, was dazu gehört. Es sind dies Menschen, die oft fliegen, mehr Auto fahren oder deutlich mehr Strom verbrauchen als der Durchschnitt. „Als ich jünger war, hatte ich nicht das Geld“ so hören wir aus gut abgefederter Gleichgültigkeit heraus. „Jetzt habe ich das Geld und die die Zeit dazu. Warum sollte ich mich eigentlich selbst einschränken und nicht an die Orte reisen, an die ich will?“ Es scheint dies ein selbstverständlicher Lebensstil für solche Menschen zu sein, was unseren Zorn und unsere Wut einem Staat gegenüber, der so etwas toleriert, der sich auf Kosten ärmerer Kreise als unfähig demgegenüber verkauft und an manchen Stellen solches Verhalten sogar fördert, nur noch weiter steigert. Diese reichen Leute wollen mit ihrem gigantischen CO2-Fußabdruck nichts zu tun haben und lachen sich eins ab, wenn die Rede darauf kommt. Man ist unter solchen Leuten sogar regelrecht stolz auf einen großen Öko-Fußabdruck und unökologisches Verhalten. Die gängige Rechtfertigungsstrategie verweist da auch gerne mal auf Glück oder auf Verdienst zurück. Urlaub im Ausland beispielsweise könne „Belohnung“ für eigene Anstrengungen bedeuten, für verantwortungsvolles Wirken und große Leistung. Egal, was passiert: Es steht der eigene Genuss, die eigene Wohlfühloase, die möglichst bunte Selbstverwirklichung im Vordergrund. Dies alleine schon, weil man das „verdient“, weil es einem „zusteht“, alleine schon, weil man die Person ist, die man ist. Mit allerlei mehr oder weniger intellektuellen Pirouetten ist man zudem jederzeit bereit, einen solchen Lebensstil zu verteidigen und als logische Konsequenz unseres Wirtschaftssystems zu deuten.

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ökonomie der Gesundheit

Auf der einen Seite sollen wir unablässig shoppen und konsumieren, damit die Wirtschaft läuft. Am besten wäre es, wenn wir die ganze Zeit essen und trinken würden. Auf der anderen Seite aber sollen wir gesund leben. Vieles von dem, was wir essen und trinken, ist aber gar nicht gesund. Und für die Gesundheit wird ja ohnehin alles getan. Das heißt: es soll im Einklang mit den Geboten eben dieser Gesellschaft  möglichst effizient getan werden. Der Schuss kann aber auch nach hinten los gehen, was sich unter anderem in neuen Krankheitsbildern zeigt. Orthorexie ist ein Krankheitsbild, das dadurch entsteht, dass sich Leute nur noch gesund ernähren. Sie meinen es. Sie haben eine bestimmte Lehre zu ihrer Religion erhoben. Die haben dann aber bestimmte Mangelerscheinungen, weil sie bestimmte Dinge nicht mehr essen. Der Staat gibt noch bestimmte Verbote hinzu, für Sachen, die nicht gesund sind. Das Rauchen zum Beispiel. Aber der Alkohol könnte auch noch stärker geächtet werden. „Nicht gesund“ meint in diesem Zusammenhang aber vor allem die Folgekosten für die Gesellschaft: das ist teuer steht unausgesprochen unter den teilweise recht abschreckend ausfallenden Warnhinweisen. Wobei diese Gesellschaft durchaus noch unpassendere Gelder verschwendet als diejenigen, die sie für den Genuss ausgibt. Doch der Mensch soll sich auch diesbezüglich selbst optimieren und sich ökonomisieren.

Sonntag, 2. Juli 2017

REIM, UNVERSCHÄMT AUS DEM LEIM - Mettwurst

METTWURST

Oh oh oh… it’s competition
Die Dame ist vom Fach und legt sie alle flach
Im Minutentakt und im Akkord
Testreihe ist bescheid, sofort
Phantasierochade
Kein Mann mit Vernunft findet’s schade
Jeder erst mal dran, die anderen kommen später
Im Akkord da gibt sie Gas
Sie hält den Beat, sie liebt es hart
auf einmal kommt's: kein Problem
Orgasmus beschleunigt, Turbobrenner
Werbung gewohnt, ist der stärk're Reiz
Knospen blühn mitten im Winter
Da ist doch nichts Ernstes dahinter
Corpus delicti,
Rosismund hat sie flugs besucht
sie kommt schnell auf Touren
von 0 auf 100 in 3 Sekunden (klar, das hat und kann sie selbstverständlich...)
da schlägt der Hammer der Erleuchtung zurück
und trifft so viele auf den Kopf
gesagt, gemacht, gedacht
Mettwurst ist da reichlich unangebracht

Sonntag, 10. April 2016

Selbstoptimierung und Rollenverständnis

Es ist es doch so: Frauchen verkaufen ihr Äußeres gerne mal an einen reichen Macker (bei einem verborgenen aber trotzdem tief traditionellen Rollenverständnis, das ein bisschen auf Modern gebügelt ist..., ja, das gibt es tatsächlich massenhaft), am besten per Ehe und den sich daran knüpfenden Kindern. Irgendwann wird den Frauchen das Dahinleben mit verwöhntem Balg, in teuren Villen und Karossen zu langweilig, sie wollen sich nun selbst verwirklichen (angeregt durch die neoliberale Grundstimmung, die befiehlt: Mache etwas aus dir! Hole etwas aus dir heraus! Optimiere dich!). Also schreiben sie ein Buch, verfassen ein Theaterstück, eröffnen eine Boutique, malen farbige Werke und stellen aus. Durch die Beziehungen ihres Gatten (der inzwischen natürlich längst eine jüngere Geliebte hat...) fällt dieser Schritt an die Öffentlichkeit leicht, der Freundeskreis gibt das ja locker her: Ein namhafter Verlag ist leicht zur Hand, eine gegen Entgelt bereit stehende Theaterriege will auch Geld verdienen, Räumlichkeiten anmieten wird bezahlt, eine Bank organisiert gerne die Ausstellung, lädt mit Briefkopf die Willy-Wichtigs und „potenten“ Geldsäcke zur Vernissage ein - und überhaupt: da ist viel soziales Engagement. Dieses sollte heutzutage möglichst kostenlos für den Staat sein (was großzügige Aufwandsentschädigungen nicht unmöglich macht...) und durch ein „Sponsoring“ ermöglicht werden, d.h.: Durch den Werbeetat einer Firma, die sich durch ihre diesbezügliche Aktivität etwas für sich selbst verspricht..... last but not least: Image. Wer solche Zusammenhänge einigermaßen durchblickt und mit ihnen handelt, befindet sich meist in der Werbebranche. Geht - im weitesten Sinne - mit öffentlicher Kommunikation um, (ver-) plant Kampagnen usw. Mit solchen Aktionen meist einher gehendes Gutmenschentum zu transportieren, ist eine „besondere Herausforderung“ für ihn. Er weiß, wie so was geht, auch bei der „Presse“, erkennt ja die tonangebenden Leute dort ...... Also erstrahlt seine Ehefrau meist im Sozio-Ökoglanz, verfügt über ein weithin sichtbares Hochglanz-Ego einer frei schwebenden Kreativität, ist die stets frohsinnige Verkörperung und der Inbegriff des „Chic“...usw. 

Dienstag, 17. November 2015

Gastronomie (2)

Ein Fernsehkoch, der mit seinem Schnurrbart und eingebautem Dauerlächeln längst zu einem Markenzeichen geworden ist, hat jetzt, so hieß es, Probleme mit der Steuer. Steuerhinterziehung. Sozialbetrug. So die Vorwürfe, die keineswegs richtig sein müssen. Findige Rechtsanwälte der teuren Art werden hier wahre Bollwerke aufbauen oder längst aufgebaut haben. Schaden für die öffentlichen Kassen: 300 000 Euro. So heißt es. Mit der Entlohnung von Angestellten herumgetrickst. Mutmaßlich. Im eigenen Gourmettempel auf dem Rücken von Mitarbeitern Geschäftlein gemacht. Mindestlohn? Hm. Nicht ganz eingehalten. Ist ja Gastronomie. Und der geht’s doch so schlecht! Und erst den Sternegastronomien! Da müssen dringend Werbeverträge ran. Produktlinien. TV-Auftritte. Gut gelaunte und honorierte Einlagen. Allüberall. Da muss ja etwas liegen bleiben. Und: Steuerhinterzeihung ist in. In München wurde das ja im Sommer gleich mehrfach einem großen Publikum vorgeführt. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung. Privatsphäre. Klaro. Alles ist sowieso nur mutmaßlich so. 

Montag, 16. November 2015

Gastronomische Expansion

Mir fallen schon seit längerem die vielen Fernsehköche auf, die je nach Zielgruppe überall (auch und gerade in den elektronischen Medien...) ihr Süppchen kochen. Man kann sich ihre vielen Namen schon gar nicht mehr merken. Es gilt dabei, was durchaus lobesam sein könnte, das Gute vom Schlechten zu scheiden und es entsprechend zuzubereiten. Ein sinnliches Vergnügen. Ein Fest mit dem richtigen Kochbuch in der Hand. Nur: Man muss sich so etwas leisten können. In ihrer mittelklassigen Welt äußern diese Starbrutzler so gerne, dass hier in Deutschland doch niemand hungern oder sonstwie darben müsse. Es ginge doch allen soooo gut (der Zusatz „im Vergleich zum Rest der Welt“ steht für das Bemühen um eine eher „alternative“ Zielgruppe und wird von manchen pflichtschuldigst darangehängt...). Ich empfehle mal einen Blick zu den Tafeln. Einfach so. So nebenbei zeigen gewisse Zahlen, dass das Essen als Zeichen der sozialen Polarisation ein Statussymbol geworden ist, dessen Kapitaleinsatz und Zeitaufwand sich halt nicht alle leisten können. Man bekocht also möglichst mit einem Dauerlächeln im Gesicht diejenigen, die es sich leisten können. Selbstverständlich fehlt auch nicht der Hinweis, das man halt ein wenig mehr Aufwand dafür leisten müsse, sich etwas Wohlschmeckendes zuzubereiten. Die Prioritäten müssten sich verschieben, früher sei das ja auch anders gewesen. Ach, und wer seine Verzehrwaren beim Discounter kaufe, sei selbst schuld, wenn er sich ungesund ernähre. Was wolle man von anonymen Industrie-Erzeugnissen eigentlich erwarten, die ihre Käufer über den Preis finden? Das könne ja nur und unter sämtlichen Mittelklassegesichtspunkten NICHTS taugen. Nebenbei eröffnet der grinsende Koch gerade eben sein zigtes Lokal, was er gerne mal als seinen finanziellen Erfolg ausweist. Selbstverwirklichung rocks. Wer nichts wird, ist selbst schuld. In Dubai, London und Südafrika gekocht und jetzt mit kulturell wertvollem Nobelfood und Kochbüchern die Ernte eingefahren. Gastronomische Expansion ist angesagt. Wer es sich nicht leisten will, bleibt zurück. das passt und wird gelernt. 

Montag, 15. Juni 2015

Lebenshilfen

Ich schaue hinein in diese Realität, in der alles längst zur Ware in einer Tauschgesellschaft geworden ist. Nicht nur das Berufs- sondern auch das Liebesleben begreifen da viele als eine Art Dauerpraktikum....es ist das mittelschwere Beziehungselend der leicht Verunsicherten und Halbbefriedigten, im Sudelbad der lauwarmen Gefühle. Die anderen lassen sich Partner im Internet vermitteln, zum Beischlaf, zur Ergötzung, zum leichten Konsum und der Befriedigung der Bedürfnisse. Doch die Wirklichkeit drückt. „Die Wahrheit ist das, was passiert. Nicht das, was man sich vorstellt“ habe ich schon mal in diesem Zusammenhang gehört. Sich permanent zu drücken, vor allem und jeddem, kann eine merkelige Lebensstrategie sein. Es geht solchen Leuten nie um alles oder nichts, sondern immer um nur seltsam unterschwellige Verwirrungen, um nur mühevoll ausgesprochene Sehnsüchte, um Risikominimierung und Schmerzvermeidung...es geht um gebremste und handhabbare Emotionen im Sinne der Lebenshilfeartikel aus der Monatszeitschrift. 

Sonntag, 17. Mai 2015

Fußballweisheiten

Es treten jetzt gegen Ende der Saison wieder plötzlich schlaue Menschen auf, die uns abseits des Abstiegskampfes den gegenwärtigen Fußball neu erklären wollen. Aber da gibt es auch so manchen, der inzwischen die Identifikation mit einem Verein albern findet, weil das alles Wirtschaftsunternehmen geworden sind, die nur ein Spiegel ihrer finanziellen Kraft sind und dabei voll im Einklang mit ihren agierenden „Profis“ sind. Deren Credo: Wer am meisten bezahlt, für den spiele ich. Wo ist da die Identifikation mit einem Verein? Und ist es nicht so, dass gerade in der Bundesliga die prosperierenden Vereine entweder Fimenmannschaften mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung sind oder Vereine, die Mäzene mehr oder weniger für sich gekauft haben? Oder (international gesehen) neureiche Vereinigungen von Subventionsabräumern? Ist der FC Bayern hierzulande da eine Ausnahme? Nun ja, es gibt wohl dort, so hört man es läuten, relativ großzügige Sponsorenverträge mit der deutschen Industrie, die über die Jahre eine beeindruckende Unabhängigkeit von finanziellen Zwängen geschaffen haben. Der Verzahnungen mögen da viele sein. Ist ja auch eine Leistung und keineswegs verboten. Mönchengladbach? Ja, kann schon sein..... 
In der Folge gab und gibt es keine kantigen markanten Gestalten mehr, die das Geldverdienen in den Augen ihrer Fans irgendwo noch verdient haben, sondern scheinbar begabte Milchbubis unter Kopfhörern, die früh gefördert und zu Hochbegabten erklärt nun den „Markt“ der fußballerischen Identifikationsträger dominieren und viele viele Millionen „wert“ sind.
Leistung? Ist ihnen angeboren. Born to win. Und wenn sie mal nicht siegen? Dann ist das eine gegenwärtige Formschwäche, eine zu große Erwartungshaltung, die Unerfahrenheit der Jugend und oder sind andere Indispositionen schuld. Doch die „Fans“ scheinen sich zunehmend mit solchen „Figuren“ zu identifizieren, die Massen streben an die Kassen und lassen die Umsätze der Einnahmeverantwortlichen und Vereins-Vorstandvorsitzenden steigen. 
Im Fernsehen gibt es sodann Diskussionen mit allerlei Wichtigtuern, die sich einen lukrativen Erwerb aus ihrem von "Expertentum" gespeisten schönrednerischen Geschwätz machen. Journalisten überhöhen und blasen das ganze Getue auf, weil es finanziell ja so ungeheuer viel bewegt und weil der Fußball so wichtig ist. Sie stützen ideell. Trainer werden fast schon genauso wie die Spieler zu Halbgöttern: Hire and fire! Soll heißen: Sieh mal her, der hat's auch schwer! Nun ja, die Abfindungen machen wohl den Unterschied zu den "Fans"! Aber noch immer verkaufen sich die Vereine unter Wert, so deren Bosse. Es müssen mehr Fernseheinnahmen her, die Engländer machen's vor. Mal sehen, was kommt und was geht.  

Dienstag, 21. April 2015

Into the great wide Open

Oft treffen mich Erinnerungen, wie sehr ich das mochte, in den USA in den offenen Horizont hinein zu fahren, den meine Partnerin gleichwohl etwas vorstrukturiert hatte und über den sie genau Bescheid wusste, was wohin welche Möglichkeiten eröffnet, wie das Klima ist und sein könnte, welche Gefahren, welche Chancen und Aussichten herrschten, welche Unterkunftsmöglichkeiten (wir waren im PKW unterwegs und dadurch viel mobiler, beweglicher)....... toll war, dass man mit dem Auto überall hin kam. So etwas ist für Touristen optimal, zumal für Kurzzeittouristen, wie wir alle welche sind. Ich suchte die Inspiration und fand sie. Der große Horizont, die großartige Fülle der offenen und erschlossenen Möglichkeiten, das ist absolut umwerfend und wohl einmalig auf der ganzen Welt. Die verschiedenen Kultur-  und Klimastufen, die Möglichkeit, jederzeit mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu treten, sich aber auch zurückziehen zu können, die Gefahren auch, die von ihnen (wir waren wenig in den großen Städten unterwegs, aber im Westen sollte man sich z.b. in der Nähe von Indianerreservaten angepasst verhalten) ausgehen können, sie einigermaßen richtig und realistisch einschätzen zu können.
Die Natur (inklusive Schlangen oder Bären) als Erfahrungsraum, die Naturphilosophie und ihre überwältigende Vorlage, auf höchste Höhen hinauffahren (Rocky Mountain NP) zu können, die Härte der Landschaft (Death Valley) in sich aufnehmen zu können, individuell mit dem Auto in alle Richtungen unterwegs sein dürfen, dabei eine gewisse Unverbindlichkeit zuzulassen, und das Gefühl zu haben, willkommen zu sein, ja, - das sind die USA. Das Gefühl: Immer weiter, durch nahezu unwirkliche Gegenden, magische Landschaften, vorbei an fortwährenden Natursensationen, - eine nach der anderen und in sich verzahnt, - die sich bis hin zu dem Ehrfurcht gebietenden Grand Canyon steigern können, mit Cops als Freunden (ja, so haben wir das erfahren! Es war so!!), die für Sicherheit sorgen in einem Land, wo auch heute noch hinter jeder Straßenecke jemand lauern kann, der es nicht gut mit dir meint. Diese Cops, die auch gerne mal erzählen, dass sie Verwandte in Heidelberg haben, oder dort stationiert waren.
Ich mochte auch diese Unterkünfte sehr, die ganz auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet waren, die auf europäische „Schönheit“ und all das „Styling“ verzichteten und uns jeweils einen guten Start in den Tag ermöglichten, weil sie der sie umgebenden Gegend (z.b. Joshua Tree National Park) angepasst waren. Wie weit war dieses Amerika entfernt, das sie hier in Europa zu kennen glauben! Man fühlte sich wirklich ungebunden, konnte machen, was man wollte und dieses Gefühl in sich einströmen lassen. Sich dieser Memorials und Gedenkmöglichkeiten, dieser eingestreuten Möglichkeiten zum Reflektieren, dieser improvisierten Museen usw. gewahr zu werden, die das Bewusstsein der frühen amerikanischen Siedler dokumentierten, ihren Willen zum Neuanfang im Unbekannten (wie sehr bewunderte ich das!). Die Wüstenstädtlein und Pistolenhelden in Arizona, aber auch das alberne Nachstellen dieser Western-Duell-Konstellationen, die unsäglichen Indianermorde, die ungezügelte Jagd auf Büffel, die Gier, die Verlogenheit, die von Hollywood und dieser Traumfabrik ausging, der „Pursuit of Happiness“, der damals noch intakt war und den eigenen Tod einschließen konnte, all das Extreme, das wir hier in Europa nicht mal punktuell kennen: es führte mich heran an ein besseres Verständnis, das mir den hier oft anzutreffenden simplen Antiamerikanismus ganz und gar verbat und mich zum Feind eines solchen Antiamerikanismus machte. 
Ich lernte diesen wunderbar naiven Volonteersgeist der Amerikaner lieben. Freiwillig lassen die sich schon mal in eine völlig entlegende Gegend versetzen, wo sie wichtige meteorologische Arbeit leisten. Wir waren lange in gebirgigem Terrain gefahren und trafen am Ende eines gebirgigen Weges auf eine solche ganz und gar freundliche Figur, mit der wir uns lange unterhielten. Oft denke ich auch an die Helden, die einst an der Normandie landeten und zusammen mit den Alliierten den Faschismus vertrieben. Die sich für uns und ihre Idee einer Freiheit aufopferten. Ich bewarb mich in der Folge viele Jahre lang um die Green Card, die ich freilich nie erreichte. Aber es ist und war ein Traumziel. Ein Traum mit klaren Konturen.

Freitag, 10. April 2015

Reisen again

Reisen, was ist Reisen? Zu Traumzielen am blauen Meer auf einer Südseeinsel? Wie es den Leuten geht, die auf dieser Insel leben müssen? Ist doch egal, Hauptsache mir geht’s gut. Be positive! Ob die Insel wegen dem Klimawandel bald untergeht? Na, hoffentlich gehe ich nicht selbst unter! Landschaften aus einem Fantasy-Film, aber real? Klasse! Helicopter-Rundflüge über sehnsuchtsblauen Atollen? Atolls...? Firstclass Catering mit Cathrin, gutes Essen und geiles Trinken? Muss nach unseren Maßstäben sein, klar doch! Vier Sterne! De Luxe. Knappe Bikins, aufreizende Motive überall. Sex&Fotoshooting, Safari international. Exotische Tiere, noch nie gesehn.... eine morsche Dschungelbrücke in großer Höhe? Oh je, über sieben Brücken sollen wir gehen.... Lodges nach Gutsherrenart, innen von edlen Funzeln wohlig beschienen? Eine einsame Burg vor schroffer Landschaft (könnte eine Filmkulisse sein), zusammen mit exotischem Cocktail genossen? Korallen, Tuff und wieder wilde Tiere. Leguan und Thymian. Traum, allenthalben. Hochzeit vor Arkaden, beritten geritten und von hohen Wellen getrieben. Eisenbahnfahrt und Schlucht dahinter, kolonialer Charme. Küste, Hafen mit van Gogh-Brücke. Stilisierte Hütten an weißen Stränden. Die Bahamas können nix dafür („die profitieren doch nur!“). Ein Vulkan, das kann gespenstisch sein. Wann er wohl ausbricht? Momentan glimmt er nur als reizvolles Motiv. Im Hintergrund. Staffage. Illustration. Tapete. Kick.  

Sonntag, 1. Februar 2015

Fleischfresser

In Bezug auf die Massentierhaltung lamentieren gerade die, die sich den dreifachen Preis für Fleisch und seine Produkte locker leisten können, am lautesten! Sie goutieren ganz besonders den erlesenen Geschmack dessen, was sich da als „Biofood“, "Naturkost" oder „direkt vom Erzeuger“ präsentiert. Stets lächelnde oder als urige Stimmungskanonen „rüberkommende“ Fernsehköche zeigen's in langatmigen Sendungen, wie's am besten gemacht und "zubereitet" wird. Das Zeitbudget derer, die so etwas möglichst nachkochen sollten, steht dazu natürlich in keinerlei Zusammenhang.
Es geht aber vielleicht auch darum, dass das so obergut Schmeckende einmal die Gestalt unserer Mitgeschöpfe hatte und dass wir Tiere möglicherweise nicht beliebig zu unserem eigenen Vorteil missbrauchen dürfen. Wer von diesen Statusgourmets hat auch nur einmal einer Kuh ins Auge geschaut? Es geht darum, Prioritäten beim Verbraucher zu verändern! Was sind wir bereit, auszugeben, wenn wir schon Fleisch fressen müssen? Wir sind von der Evolution als Allesfresser ausgelegt. Aber rechtfertigt das einen massenhaften Mord an der Tierwelt, eine gnadenlose Produktion, die mit dem preiswerten Tod dealt? Ist es in Zeiten der Klimaprobleme das Privileg einer kleinen Klasse von Besitzenden in unserer Gesellschaft, sich jenes „bessere“ Fleisch leisten zu können, das freilich auch mit einer katastrophalen Energiebilanz „erzeugt“ wurde? Ist Fleisch das, was im Supermarkt als clean und smart verpackte Ware ausliegt? Oder was ist es? Mache ich mich schuldig, wenn ich an diesem Wahnsinn teilnehme? Sind diejenigen, die beim Metzger daran teilnehmen und den dreifachen Preis bezahlen können, frei gesprochen? Absolution an der Fleischtheke? Übrigens: Clemens Tönnies ist Chef des nach seinem Namen benannten größten Fleischkonzerns in Deutschland und gleichzeitig Aufsichtsratschef des Fußballclubs FC Schalke 04. Derzeit von Medien verbreiteter Fleischkonzernjahresumsatz: 5,6, Milliarden Euro.