Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Dienstag, 3. Oktober 2023
Treibsatz
Vom Tellerwäscher zum Millionär: Von solchen Sprüchen werden und wurden ganze Gesellschaften getrieben. Man kann etwas erreichen, wenn man es nur will, so ein weiterer Glaubenssatz dieser Gesellschaften: „Ohne Fleiß kein Preis“, „you can make it, if you try it“ . Wenn ich Bilanz ziehe, dann muss ich sagen, dass ich solche Sprüche nicht besonders ernst nahm in meinem Leben. Etwas „aus sich machen“? Kam mir nicht ernsthaft genug in den Sinn. Ich folgte meinem eigenen Kompass und vertraute darauf, dass er mich richtig führen würde. Man hatte einiges an dieser „Leistungsgesellschaft“ damals auszusetzen, was ich schließlich für mich als in der Luft liegendes Gefühl vielleicht zu ernst nahm. Was wohl in diesem Zusammenhang „Zeitgeist“ bedeutet? Ein unzuverlässig’ Ding. Es war für mich aber immer schon klar, dass hinter jedem „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch das Glück und der Zufall seine Rolle spielte. Dieses Glück scheint mir selbst eine Weile durchaus gewogen gewesen zu sein (irgendwie nahm ich noch jede Kurve, kam über jedes Hindernis hinweg, das sich mir in den Weg stellte und „lernte“ daraus), schließlich aber überhaupt nicht mehr. Wieso? Man sollte lieben, was man sich zu tun vorgenommen hat, man sollte das als seinen Weg erkennen und darauf vertrauen, dass er der richtige ist, so die lautere Meinung. Man sollte versuchen, seine ureigenen Talente zu entwickeln, um auf diese Weise einen Beitrag (zum Gemeinwohl?) leisten zu können. Man sollte in jedem Falle dem nachgehen, was man als seine ureigene Berufung erkannt hat (erkennen? Zweifeln? Woher kommen solche „Erkenntnisse“?). Mir kommen solche Glaubenssätze inzwischen als ein bisschen zu blauäugig vor. Ob diese 30%, die in unserer Gesellschaft von der Hand in den Mund leben müssen und die für die Mächtigen und „Erfolgreichen“ eine Art Steigbügelhalter abgeben müssen, um das tägliche Leben zu bestreiten, ob diese Leute also ihre Talente nicht entwickelt haben, ob sie überhaupt je die Möglichkeit dazu hatten und von was diese „Talententwicklung“ nun wiederum abhängig sein könnte? Gerechtigkeit. Was ist das? Persönliche Stärke. Konsequenz. Der eine packt's, der andere nicht. Wenn ich von meinen subjektiven Erfahrungen und denen meiner unmittelbaren Umgebung ausgehe, so muss ich bemerken, dass der „Erfolg“ in dieser Gesellschaft auch von einer gewissen Anpassungsbereitschaft abhängt, von einer Bereitschaft auch, sich informieren zu lassen, sich von den „richtigen“ Informationen angesprochen zu fühlen. Man wurde vielleicht davor gewarnt, einen bestimmten Weg zu gehen - und sei es jener, zu dem man sich berufen fühlte!! - aber man war sich im Rückblick dann doch zu sicher, glaubte, in dieser Gesellschaft bestimmte Dinge tun zu müssen und zu können, bestimmten Zielen nachgehen zu sollen. Warum gelingt das den einen, den anderen aber nicht? Kann man unversehens in so etwas wie Verwerfungen hinein kommen, Umstände mit denen man nicht gerechnet hat und die einem alles verderben können? So, dass ein Plan nicht „aufging“? Wer schielt da auf die, die es „zu etwas gebracht haben“ und die sich deswegen überheblich großspurig geben? Die sich in der Sonne ihrer „Leistungen“ sonnen? Woraus besteht diese Leistung? Wohl nicht immer und zuverlässig aus einem Beitrag zum Gemeinwohl, sondern eher in einer gewissen Bauernschläue, in einer Skrupellosigkeit und der Bereitschaft „sich durchzusetzen“, die Anderen um einen herum auszunutzen, unbewusst, gelernt, mit dem 500fachen Lohn eines Facharbeiters, mit Hilfe von Techniken wie dem „Networking“ und anderen Fertigkeiten des gegenseitigen menschlichen Gebrauchs.
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From rags to riches: Whole societies are and were driven by such sayings. You can achieve something if you really want it, according to another belief in these societies: "No pain, no gain", "You can make it, if you try it". When I take stock, I have to say that I didn't take such sayings very seriously in my life. "Make something of yourself"? Didn't think of it seriously enough. I followed my own compass and trusted it to guide me correctly. There were a few things to criticize about this “meritocracy” at the time, which I finally took as a feeling in the air perhaps too seriously. What does "Zeitgeist" mean in this context? An unreliable thing. But it was always clear to me that behind every “success” in this society, luck and coincidence also played a role. This luck seems to have been in my favor for a while (somehow I still took every curve, got over every obstacle that stood in my way and “learned” from it), but finally not at all anymore. How come? One should love what one has set out to do, one should recognize this as one's path and trust that it is the right one, according to the fairest opinion. One should try to develop one's very own talents in order to be able to make a contribution (to the common good?) in this way. In any case, one should pursue what one has recognized as one's very own calling (recognize? Doubt? Where do such "insights" come from?). Such beliefs now seem a bit too naïve to me. Whether these 30% who have to live from hand to mouth in our society and who have to act as a kind of stirrup for the powerful and "successful" to go about their daily lives, whether these people have not developed their talents, whether they ever had the opportunity to do so and what could this "talent development" depend on? Justice. What is that? Personal strength. Consequence. One gets it, the other doesn't. If I start from my subjective experiences and those of my immediate environment, I have to say that "success" in this society also depends on a certain willingness to adapt, on a willingness to be informed, to get the "right" information to feel addressed. You may have been warned not to follow a certain path - even if it's the one you felt called to take!! - but in retrospect one was too sure, believed that one had to and could do certain things in this society, to pursue certain goals. Why does this work for some but not for others? Can you suddenly find yourself in something like upheaval, circumstances that you didn't expect and that can spoil everything for you? So that a plan didn't "work out"? Who cares about those who “have made it” and who therefore act arrogantly cocky? Basking in the sun of their "achievements"? What does this achievement consist of? Probably not always and reliably from a contribution to the common good, but rather in a certain peasant shrewdness, in an unscrupulousness and the willingness "to assert oneself", to exploit the others around one, unconsciously, learned, with 500 times the wages of a skilled worker, with the help of Techniques such as "networking" and other skills of mutual human use.
Donnerstag, 18. Februar 2021
Juristerei (2)
Angefangen hat das alles mit so etwas wie „political correctness“, die ich, wie zugebe, anfangs nicht gebührend ernst genommen habe (weil ich ihre Vertreter in der Sache sehr ernst genommen habe...) und die in vielerelei Form Eingang in die Rechtssprechung gefunden hat. Recht und Gerechtigkeit: in welchem Verhältniss könnten sie zueinander stehen? Ob es ein „gesetztes Recht“ gibt, dass auch im Widerspruch zu dem von mir als richtig erkannten Recht steht? Ob sich daran sogar die Verpflichtung zum gezielten Rechtsbruch knüpft? Jeder Jurist würde sofort zugeben, dass er eine Verantwortung gegenüber der Moral und der Gerechtigkeit hat, die ihn sogar bzwingen könnte, das Recht zu brechen. Gleichzeitig wäre man als Jurist auf das geltende Recht verpflichtet. Ob das ein Widerspruch ist, den es als gilt, auszuhalten? Die Juristen, die ich kennen gelernt habe, scheinen kein Problem mit so etwas zu haben. Anwälte wickeln im Auftrag, die ihnen übertragenen „Fälle“ ab. Richter sprechen Recht „nach besten Wissen und Gewissen“ und „im Auftrag des Bürgers“. Es scheint ein Ritual geworden zu sein, eine inhaltsleere Phrase, die von Talaren und in dicke Bücher gegossene Weisheiten von Großjuristen geadelt sind. Die Frage, was recht und was richtig sei, scheint in der praktischen Welt keine Rolle mehr zu spielen. Auf der Ebene des Abstrakten klingt sie staubig und vorgestrig unserer Welt nicht angepasst. Allein zu sein mit seiner Verantwortung, scheint unter Juristen keine Mode mehr zu sein.
Mittwoch, 17. Februar 2021
Juristerei (1)
Für mich war die Juristerei stets eine Art „Afterwissenschaft“. Ich unterschätzte die komplette Dimension des Rechts und des Rechtsstaats, fürwahr. Aber ich lebte immer im Bewusstsein, dass ein Rechtssystem gesetzt, dem Bürger vorgesetzt, werden könne. Es könne etwas nach bestimmten Interessen Veränderbares sein, wovor mir geradezu ekelte. Ich muss heute zur Kenntnis nehmen, dass Juristen in allen Bereichen der Gesellschaft den Ton angeben, dass sie den Status Quo verwalten sollen. Ob Menschen wie Ghandi, von Stauffenberg, Mandela etc. das geltende „Recht“ gebrochen haben? Ob die Weimarer Verfassung änderbar war? Die Verfassung der DDR? Ob jemand in der Zeit danach sein Recht „gesetzt“ hat?
Ob es gar eine Art von Verantwortung geht? Die Juristen, die ich kennengelernt haben, halten von diesem Begriff offensichtlich gar nichts. Sie wollen möglichst kundig darin sein, die Paragraphenwelt zu durchdringen und sie richtig so anzuwenden, dass bestimmte Interessen gewahrt bleiben und sie selbst in optimaler Weise profitieren. Anwälte kassieren fette Honorare, Richter sind stets überlastet und ruhen sich auf ihrer vom Staat garantierten Sicherheit aus. Das scheint mir der praktizierte Alltag zu sein, der uns lange genug als „alternativlos“ dargestellt wurde. So etwas wie Ethik und Moral scheint mir da längst verloren gegangen zu sein, wobei der Mangel an dieser Dimension gleichzeitig eine Art „Überschießen“ in diese Richtung gebracht hat. Moralische Positionen werden allmählich auch bei uns so eingenommen, dass sich dadurch eine Art „Absolutheitsanspruch“ ergeben hat, mit dem keineswegs diskutiert werden kann.
Mittwoch, 10. Februar 2021
Steueroptimierung
Seltsam, was alles so schnell als „Sozialromantik“ abgetan wird. Zum Beispiel, dass Leute, die Millionen verdienen auch mehr Steuern zahlen sollen. Sie werden gerne als Leistungsträger bezeichnet. Doch es scheint erhebliche Gründe zu geben, wieso dies bezweifelt werden kann. Zudem erbringen diese „Führungskräfte“ gewisse Leistungen, die zur aktiven Steuermeidung führen, die gerne mal als „Steueroptimierung“ bezeichnet wird. Ob die erbrachte Leistung wirklich Millionen wert ist? Dass etwa große Digitalkonzerne ihre Steuern nicht dort bezahlen, wo sie diese erwirtschaftet haben, sondern dazu mit ihrem Geld Steueroasen aufsuchen, wo sie Bruchteile der zu entrichtenden Steuern zahlen, erscheint mir ziemlich falsch und ungerecht. Dass die Politik hier keine Wege findet und dass dies Gebaren immer weiter zu gehen scheint, finde ich jämmerlich. Erhöhte Steuern könnten auch zu Steuerflucht führen, wird gerne eingewandt. Dass dies auch einen Weg nach Amerika und idiologisch gesehen in die Planwirtschaft eröffne, wird schon mal hinterher geschoben. Nun ja, für ein Stück Steuergerechtigkeit würde ich das in Kauf nehmen. Und ob die Angst vor dem Groll „der Amerikaner“ so etwas rechtfertigt, darf auch bezweifelt werden und scheint mir vor allem auf der Unkenntnis der Steuerzahler zu beruhen.
Montag, 30. Juli 2018
Politik, Faschismus, Macht
Ja,
ich gebe zu: ich finde es schon ein bisschen merkwürdig, dass einer von einer Bundesregierung dermaßen freundlich empfangen wird, der eben noch Deutschland als
Inbegriff des Faschismus und des Rassismus beschimpft hat, der
Journalisten grundlos inhaftiert und der scheinbar etwas selbstherrlich in seinem Land
Hunderttausende von Staatsbediensteten entlässt, weil sie offenbar
nicht seine Meinungen und Einschätzungen teilen. Er, der für sich
eine zumindest sehr umstrittene Autokratie und totalitäre Staatsform
mit allen damit einhergehenden autoritären Merkmalen aufzubauen scheint, wird
nun mit allem Pomp und protokollarisch militärischem Bombast
empfangen. Von seinen Landsleuten wird ihm zugute gehalten, dass er
in der Vergangenheit sein Land in wirtschaftlicher Hinsicht voran
gebracht hat. Gut so. Davor war auch nicht alles Gold, was zu glänzen versuchte. Aber eben noch verurteilte man, wie sich ein in London
lebender und als Fußballer daher kommender Multimillionär mit
dieser Politfigur gemein machte, indem er ihr mit allerfreundlichstem
Lächeln ein Trikot überreichte, um diesen Vorgang ablichten zu
lassen und ihn als Wahlkampfhilfe zur Verfügung zu stellen. Sozusagen eine Solidarität der Besitzenden demonstrierte. Das geht
nicht, das gehört sich nicht, das ist eine Dummheit, so die oft
gehörten Einwände. Offenbar von einer PR-Agentur gelenkt
entwickelte sich die Debatte in eine ganz andere Richtung, was
natürlich von den Gegebenheiten raffiniert ablenkte. Natürlich
fielen alle auf solche Taschenspielertricks der Öffentlichkeitsarbeit
herein.
Aber es hilft nix: Die Deutschen und ihre öffentlich bestellten Vertreter konnten sich mal wieder darin suhlen, alles falsch gemacht zu haben und für das Elend der Welt jede Verantwortung zu tragen (solange sie nur ihre dubiosen Geschäftlein machen können!). Doch - ich reibe mir die Augen! - jetzt wird eben diese umstrittene und autoritäre Figur ganz offiziell eingeladen, um hier tausend Hände zu schütteln, um mit allen zu Gebote stehenden Mitteln beklatscht und geehrt zu werden. Nun ja, ob da gewisse wirtschaftliche Interessen dahinter stehen? Vergangene Wirtschaftsminister schienen da ja durch ihre Aktionen oder Nichtaktionen etliche ziemlich eindeutige Hinweise gegeben zu haben. Ob es da einen als Pakt verkleideten Deal gibt, der mit der Zahl der hierzulande einströmenden Flüchtlinge zu tun hat? Ob das mit Geld abgewehrt und zugeschüttet werden soll? Ob das gut mit der so gerne vorgezeigten Offenheit allem Fremden gegenüber einher geht? Ob da nicht Waffen verkauft an jemand werden sollen, der damit postwendend sehr agressiven Anliegen und Absichten nachgeht?
Aber es hilft nix: Die Deutschen und ihre öffentlich bestellten Vertreter konnten sich mal wieder darin suhlen, alles falsch gemacht zu haben und für das Elend der Welt jede Verantwortung zu tragen (solange sie nur ihre dubiosen Geschäftlein machen können!). Doch - ich reibe mir die Augen! - jetzt wird eben diese umstrittene und autoritäre Figur ganz offiziell eingeladen, um hier tausend Hände zu schütteln, um mit allen zu Gebote stehenden Mitteln beklatscht und geehrt zu werden. Nun ja, ob da gewisse wirtschaftliche Interessen dahinter stehen? Vergangene Wirtschaftsminister schienen da ja durch ihre Aktionen oder Nichtaktionen etliche ziemlich eindeutige Hinweise gegeben zu haben. Ob es da einen als Pakt verkleideten Deal gibt, der mit der Zahl der hierzulande einströmenden Flüchtlinge zu tun hat? Ob das mit Geld abgewehrt und zugeschüttet werden soll? Ob das gut mit der so gerne vorgezeigten Offenheit allem Fremden gegenüber einher geht? Ob da nicht Waffen verkauft an jemand werden sollen, der damit postwendend sehr agressiven Anliegen und Absichten nachgeht?
Ob
ein solches Vorgehen dazu geeignet ist, Politikverdrossenheit
hierzulande etwas einzudämmen und dem alten Klischee Vorschub zu
leisten, dass Politiker meist etwas sagen, um unmittelbar danach etwas
ganz anderes zu tun? Ob das die Übereinstimmung mit demokratischen
Spielregeln fördert? Ob solche Verhaltensweisen etwas mit dem aufkommenden Populismus zu tun haben? Nun ja, sofort wurde von gewissen Helferlein
zur Seite gesprungen und mit allerlei rhetorischen Mitteln
unterstützt: Wenn man mit unliebsamen Leuten nicht mehr reden
könne, dann wäre man mit seinen hehren demokratischen Prinzipien
auf der Welt bald so ziemlich alleine, tönte es. Ein Argument, das scheinbar alles abdeckt. Ein Totschlagargument. Wenn man aber der
einzige wäre, der das Prinzip der Demokratie verteidigt, so wäre
das auch noch okay, so meine Meinung, trotz aller diplomatischen Kompromisse. Müssen wir eigentlich überall jene
Kompromisse eingehen, die niemand versteht, die auch nicht erklärt
werden und die einen das Gesicht verlieren lassen? Es tut etwas
offensivere Verteidigung dessen not, an was man vorgibt zu glauben.
Glauben? Ha, - davon überzeugt zu sein. Oder ist (parlamentarische)
Demokratie etwa nicht sakrosankt und gehört zu dem, was unter
anderem einem das vielbeschworene Grundgesetz hierzulande auferlegt?
Dienstag, 12. Dezember 2017
Gerechtigkeit, was ist das?
Martin Schulz und sein
„Gerechtigkeitswahlkampf“ für die SPD: alles erledigt?
Verliererthema? Ob er das jetzt in die GroKo-Verhandlungen einbringt? In
welcher Form? Was soll überhaupt „Gerechtigkeit“ sein? Das, was
manche Sozen darunter verstehen wollen? Ich höre sie schon, die
Meinungen dazu, die durch die Luft schwirren, idiologisch aufgeladen, versteht sich. Und dann noch etwas:
Deutschland ist nicht nur im Aufschwung, sondern sogar im Boom. Die
Wachstumsraten sind hoch, die Arbeitslosenzahlen (scheinbar)
reduziert. Die Stimmung in den Unternehmen ist gut, der
Exportwirtschaft floriert, die Konsumausgaben steigen.
Wenn bloß das nicht wäre:
40 % der Leute verdienen nicht mehr als vor 20 Jahren. In
Deutschland sind 16 Millionen Menschen von Armut oder sozialer
Ausgrenzung bedroht. Das bedeutet: Jeder Fünfte in Deutschland ist
von Armut bedroht. Wow! Die durchschnittliche wirtschaftliche Lage
sagt womöglich nicht viel darüber aus, wie es einzelnen Menschen
geht. Wenn einer 100 verdient und der andere 1, wäre das Mittel 50.
Ob das etwas aussagt? Womöglich etwas über „Gerechtigkeit“? Ob
das etwas mit der Situation der Alleinerziehenden und der Kinder zu
tun hat? Ob es etwas über die Wohnsituation in den Städten und die
dramatische Landflucht sagt? Steuern und Abgaben sollen mal wieder
entlastet werden, am besten so, dass es den Armen nutzt. Die
Begründung des Solidaritätszuschlags ist inzwischen entfallen. Also
sollte er abgeschafft werden. So oder so. Aber vielleicht nicht so,
dass das nur den Reichen nützt..... wie dann? Sich eine passende
Regelung zu überlegen, wäre Aufgabe der Politik. Dass viele
Erwerbstätige in Deutschland inzwischen arm sind, liegt wohl auch daran, dass
sie vielleicht einen oder mehrere Jobs haben, die aber in Teilzeit
oder im Niedriglohnsektor verankert sind. Sie können davon nur
schwer leben. Fast 2,7 Millionen Arbeitnehmer gehen in Deutschland
offenbar noch einem Mini-Job nach. Das bedeutet, dass mehr Wohlstand nicht zwingend weniger Armut bedeutet. Jamaika ist vorbei. Doch die
Fakten bleiben.
Mittwoch, 8. November 2017
Staat, Steuer, Arm und Reich
Wir staunen und sind nicht einmal überrascht. Die
„Paradise Papers“ offenbaren, dass sich die Reichen, Superreichen
und superreichen Konzerne schadlos halten, dass sie schalten und
walten, dass sie jede juristische Spitzfindigkeit nutzen, um am Ende
keine Steuern zu zahlen. „Steuervermeidungsstrategie“ nennt sich
so etwas dann und sie scheinen bei ihren Aktionen allzu willfährige
Helferlein überall zu haben. Natürlich sind wieder prominente Namen
unter den Aufgedeckten, die natürlich dementieren (lassen) und
selbstverständlich von nichts gewusst haben wollen. Haben alles ihre
Steuer- und Vermögensberater gemacht, sie selbst haben damit nichts
zu tun. Klaro. Welches Licht solche Verhaltensweisen auf die Stellung von
Steuervermeidern gegenüber dem Gemeinwesen haben, ist damit einmal
wieder leider sehr klar demonstriert. Ein zynisches Lachen, ein überlegenes
Lächeln, ein wissendes Nicken.... nun ja, die allzu eingeschliffenen
emotionalen Reaktionen dazu waren ja auch in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zu besichtigen. Niemand weiß von nichts, man ist neu hier..... „Mal hier einen Wohnsitz, mal dort einen
Wohnsitz...“ und mindestens 183 Tage im Jahr auf See, - das
einschlägige Gebaren von Steuervermeidern ist ja längst bekannt. Dass sich auch staatseigene Großfirmen eines ähnlichen Verhaltens befleißigen sollen: naja. Was da wohl läuft? Kein Mensch weiß anschließend noch, wo der derart fleißig Reisende (Konzern) seine Steuern entrichtet oder nicht entrichtet. Aber alles ist legal. Das ist wichtig. Ein
bisschen Tricksen halt. Briefkastenfirmen, Verschleierungstaktiken, kreative Vermögens- und Steuerberatung, Cayman-und Virgin-Inseln, Isle of Man, vielleicht auch ein bisschen Niederlande ... gewusst, wie. So mancher fragt sich, was die vielen Fahnder
in den hiesigen Finanzämtern eigentlich so machen. Aber die sind ja in ihrer
ohnehin viel zu geringen Zahl so etwas von überlastet mit dem
Kontrollieren von Kleinunternehmern, Start-Ups, ganz "normalen" Steuerpflichtigen und anderen kleinen
Fischen.......
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Freitag, 19. Mai 2017
Gerechtes Deutschland?
Deutschland sei doch längst gerecht, so scheint die
Mehrheit der Leute nach eifrig gestreuten Umfrageergebnissen hier zu glauben. Doch heute gilt: Mindestens
jeder siebte Rentner als armutsgefährdet, Rund eine halbe Million
erhält schon heute Grundsicherung. Wer nicht von seiner Rente leben
kann, sucht einen Nebenjob. Doch die Arbeitsplätze für Ältere sind
rar gesät, viele Jobs gehen auf die Knochen.
Waren
es 2010 nur 18,8 Prozent sind nun 20,8 Prozent der älteren Menschen
betroffen. Somit mehr als jeder Fünfte. Schon 2010 warnte die
damalige Sozialministerin von der Leyen, dass alle, die unter 2500
Euro verdienten, "mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum
Sozialamt antreten" müssten. Und: „Es steht nicht mehr und
nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems für die junge
Generation auf dem Spiel.“ Grund für das steigende
Altersarmutsrisiko seien die beschlossenen Rentenreformen, nach denen
das Rentenniveau bis 2030 von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent des
durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern sinkt Bei 40 Jahren
Beitragszahlung müsse der Arbeitnehmer konstant mindestens 2200 Euro
im Monat verdienen, um auf einen Rentenanspruch in Höhe der
Grundsicherung zu kommen. Die
Arbeitsverträge sind kurz, der Verdienst ist gering – für die
Rente kommt da nur wenig zusammen.
Zahlenspiele? Mag sein. Eine Gewähr wird nicht übernommen. Doch die Tendenz
kann nicht wirklich belegen, dass es hier in Bezug auf die
Altersarmut gerecht zugeht. Da braucht niemand Deutschland
„schlechtreden“.
Samstag, 1. April 2017
Globalisierung und Digitalisierung
Die Alterung und
Digitalisierung der Gesellschaft erfordert wohl völlig neue
Konzepte, zu deren Entwicklung die Politik freilich recht wenig
beizutragen hat. Wir haben zunehmend eine Spaltung der Gesellschaft
und ein Gerechtigkeitsproblem. Viele Menschen haben das Gefühl, dass
die Erträge aus der Globalisierung nicht gerecht verteilt werden.
Diejenigen, die mithalten können (weil sie über entsprechende
Qualifikationen verfügen), profitieren überdurchschnittlich, jene,
die da nicht mitgehen können, die bleiben stehen. Die Polarisierung
nimmt zu, statt, - wie ursprünglich versprochen - abzunehmen. Die
Globalisierung versprach nämlich anfangs, die gesellschaftlichen
Unterschiede auszugleichen. Stattdessen sind größere Unterschiede
entstanden. Vieles scheint ungerecht zuzugehen. Dies wurde im Zuge
der Finanzmarktkrise deutlich, zeigt sich aber auch an der
gegenwärtigen Diskussion über Managergehälter. Die Ungleichheit
hat zugenommen, - und zwar trotz der annähernden Vollbeschäftigung
und den dauernd beschworenen guten Verhältnissen in Deutschland. Die
SPD will darauf reagieren, indem sie verspricht, die Uhr zurück zu
drehen und gewisse Teile der von Schröder eingeführten „Agenda
2010“ wieder zugunsten früherer Verhältnisse zu reformieren (und
dies auf die Gefahr hin, dass sich Deutschlands Wirtschaftssituation
dadurch nachhaltig ändern könnte). So soll ja das Arbeitslosengeld
nach neuesten SPD-Vorstellungen wieder um das Doppelte verlängert
werden. Doch durch die bevorstehende Digitalisierung wird uns wohl
(in Zeiträumen, über die durchaus Uneinigkeit besteht) eine weitere
Polarisierungswelle erreichen, die die Unterschiede ein weiteres Mal
zu verschärfen droht. Roboter werden in einem hohen Maße
Tätigkeiten übernehmen, die bisher Menschen gegen Lohn übernommen
hatten. Große Teile der „Beschäftigten“ könnten dadurch
„freigesetzt“ werden.
Effizienzfragen standen
bei der bisher gültigen und besonders in den 60er und 70er Jahren
praktizierten Form der „sozialen Marktwirtschaft“ im Vordergrund.
Doch in der nun unmittelbar bevorstehenden Phase könnte die
Verteilungsproblematik als „soziale Gerechtigkeit“ mehr im
Vordergrund stehen. Ob nur wenige Menschen von der „Digitalisierung“
profitieren sollten? Ob es eine Form des „Grundeinkommens“ geben
wird? Ob sich die Versprechen auf Leistung gesellschaftlich immer
weiter entkoppeln und Manager noch mehr verdienen sollen? Jetzt schon
wurden Fakten bekannt: 3100 Euro Rente am Tag und weitere „Benefits“,
14 Millionen Euro pro Jahr Grundeinkommen für weitgehend fehlende
Leistung. Ob daraus ein Gefühl der gesellschaftlichen
Ungerechtigkeit entstehen kann? Ob die kommende gesellschaftliche
Entwicklung solche Tendenzen noch weiter voran treiben kann? Ob das
Prinzip der Effizienz noch weiter zuungunsten der
Verteilungsproblematik voran schreitet? Globalisierung,
Digitalisierung und demographische Alterung könnten viele
Einzelschicksale in ein bodenloses Loch stürzen, aus dem manche nur
noch durch totalitäre Konzepte heraus zu kommen glauben. Zäune und
Mauern ziehen, ein Bewusstsein von „Wir“ und „die Anderen“
könnten da nur ein Ausdruck unter anderen sein, die sich jetzt schon
in den meisten westlich geprägten „Industriegesellschaften“ (die
sich zunehmend zu Digitalgesellschaften wandeln) zeigen.
Samstag, 4. Februar 2017
Soziale Gerechtigkeit
Natürlich ist Deutschland nicht gerecht! So eine
Binsenweisheit! SPD-Schulz scheint dies jetzt in einem Interview als
große Entdeckung für den Wahlkampf nach außen gebracht zu haben
und hofft damit wohl, weitere Wählerstimmen für sich zu fangen. Ob
er das Land aber als Bundeskanzler gerechter machen kann, ist damit
noch ziemlich ungewiss. Immerhin scheint sich seine Partei unter
anderem mit den Hartz 4-Gesetzen und prominenten Politikern wie
Schröder, Clement oder Steinbrück nicht unbedingt in diese Richtung
bewegt zu haben. Dass viele Wähler offenbar in Ermangelung einer
demokratischen Protestpartei gewillt sind, eine rechte Partei zu
wählen, macht die Sache scheinbar verworren. Viele Stimmen aus
diesem Potential zu gewinnen, scheint sich die SPD jetzt auch mit
Hilfe von „potenten“ Werbeagenturen aufgemacht zu haben. Dabei
soll wohl das Argument der sozialen Gerechtigkeit im Vordergrund
stehen. Zu befürchten (noch nicht zu beweisen oder belegen!) ist
aber, dass dies Thema mal wieder nur als Vorwand benutzt wird, um an
möglichst viele Wählerstimmen zu kommen, die anschließend um so
verzweifelter in die Legislaturperiode gehen könnten, weil die Masse
der der prekären Arbeitsplätze keineswegs zurück geht, sondern
ihre ohnehin schwachen und nicht von einer fetten Lobby bewehrten
Stimmen im Triumphgeheul von fortwährend gemeldeten
Arbeitslosenzahlen und wirtschaftlichen Erfolgszahlen untergehen.
Die Frage der sozialen Gerechtigkeit kann sich aber nur darauf beziehen, wem dieser scheinbare Fortschritt nützt, wem es da so furchtbar viel besser geht und wer in dieser Gesellschaft davon profitiert. Auch die SPD feiert gerne wirtschaftliche Erfolgszahlen und hat mit den Werbereisen des von ihr gestellten Wirtschaftsministers viel dafür getan. Das Problem der sozialen Gerechtigkeit aber kann sich nur darauf beziehen, dass es in Deutschland nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt, sondern eine dritte, weitgehend rechtlose Klasse, die sich von den beiden (!) anderen Klassen hin- und herschieben lassen muss. Das Problem ist, dass jener gesellschaftliche Mittelstand, der einst Deutschland nach dem Kriege nach vorne geholfen hatte, große Probleme hat und inzwischen deutlich schrumpft. Selbstverständlich lassen sich dagegen und dafür je nach politischer Ausrichtung Zahlen aufrufen, dies dies oder jenes scheinbar belegen. Die empirische Erfahrung, d.h. der Blick aus dem Fenster in andere Lebenswelten, scheint auch eine Quelle der Erkenntnis zu sein, die nicht unterschätzt werden sollte. Doch dies ist wohl auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Die Frage der sozialen Gerechtigkeit kann sich aber nur darauf beziehen, wem dieser scheinbare Fortschritt nützt, wem es da so furchtbar viel besser geht und wer in dieser Gesellschaft davon profitiert. Auch die SPD feiert gerne wirtschaftliche Erfolgszahlen und hat mit den Werbereisen des von ihr gestellten Wirtschaftsministers viel dafür getan. Das Problem der sozialen Gerechtigkeit aber kann sich nur darauf beziehen, dass es in Deutschland nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt, sondern eine dritte, weitgehend rechtlose Klasse, die sich von den beiden (!) anderen Klassen hin- und herschieben lassen muss. Das Problem ist, dass jener gesellschaftliche Mittelstand, der einst Deutschland nach dem Kriege nach vorne geholfen hatte, große Probleme hat und inzwischen deutlich schrumpft. Selbstverständlich lassen sich dagegen und dafür je nach politischer Ausrichtung Zahlen aufrufen, dies dies oder jenes scheinbar belegen. Die empirische Erfahrung, d.h. der Blick aus dem Fenster in andere Lebenswelten, scheint auch eine Quelle der Erkenntnis zu sein, die nicht unterschätzt werden sollte. Doch dies ist wohl auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Samstag, 17. September 2016
Pensionsmentalitäten
Ich gebe zu, es hat mich schon sehr schockiert, was
ich da im TV-Magazin „Plusminus“ gesehen habe: ein ehemaliger
Baubürgermeister, der seit seinem 40. Lebensjahr eine Pension vom
Staat in Höhe von 2400.- Euro kassiert, was er selbst als etwas hoch
empfindet, weswegen er einen großen Teil wohltätigen Zwecken
spendet. Für 6 Jahre Tätigkeit beim Staat reicht das. 6 Jahre!!!!
2400 Euro, lebenslang! Angefangen vom Zeitpunkt des Ausscheidens aus
der öffentlichen Funktion (was durchaus bei 40 Jahren liegen
kann...) bis zum Lebensende. Allein sein Ruhegehalt (zu dem er nahezu jede Summe bei
geringen Abzügen hinzu verdienen darf...) wird den Steuerzahler bis
zum Eintritt des eigentlichen Rentenalters von 67 Jahren knapp 800
000.- Euro kosten. Hoppla! Und er ist beileibe kein Einzelfall, wie
im Folge der Reportage deutlich wird. Andere schweigen nur darüber
und kassieren stillschweigend, teilweise sogar Mehrfaches, wobei
keinerlei Unterschiede in der Parteienpräferenz festzustellen ist.
Noch krassere Beispiele bringt die Reportage gleich mehrfach. Es
steht ihnen ja von Staats wegen zu, diesen seltsam gierigen
Staatsdienern, die sich selbst legitimiert sehen durch einen Staat,
der seine Spitzenbeamten mit äußerst fragwürdigen
Pensionsansprüchen aus dem Steuersäckel ausstattet, während der
kleiner Beamten, beispielsweise bei der Polizei, vergleichsweise kurz
hält. Um einen Rentenanspruch in Höhe von 2400.- Euro zu erwerben,
müsste ein Durchschnittsverdiener wohl 100 Jahre lang arbeiten, so
haben Journalisten dankenswerter Weise ausgerechnet. Schuld
sind die großzügigen Pensionsregelungen für kommunale Wahlbeamte
wie Bürgermeister und Dezernenten. In Thüringen reicht es zum
Beispiel aus, wenn man mindestens fünf Jahre im Amt war. Dann darf
man – wie der ehemalige Baudezernent – sofort ein Ruhegehalt
kassieren, eben auch wenn man erst 40 Jahre alt ist. Grundlage für
die Berechnung ist das letzte Gehalt. Im Fall von Carsten Meyer waren
das 6.900 Euro. Die Mindestpension liegt bei 35 Prozent davon, also
2.400 Euro. War man länger im Amt, kann sich das Ruhegehalt bis auf
rund 72 Prozent erhöhen, dann wären es schon 4.950 Euro. Der
Vertreter des Bundes der Steuerzahler schaut im Beitrag auch um die
Ecke und findet das nicht in Ordnung. Ob es dabei bleiben kann? Es
werden, wie zuvor bereits erwähnt, noch viel krassere Beispiele von
Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und anderen kommunalen
Funktionsträgern wie etwa der nach 16 Tagen wegen einer Verfehlung
mit 2500.- Euro „Ruhegehalt“ pensionierten Kämmerin erwähnt,
die teilweise noch viel schräger und krasser sind, als der Fall
jenes ehemaligen Baubürgermeisters, der den Einstieg in den Beitrag
bot.
Ob solche Zahlenverhältnisse moralisch dann doch etwas schräg sind....? Ich verteidige diesen Staat samt seinem Grundgesetz sehr wohl und intensiv, aber wer solche Selbstbedienungsmentalität an den Tag legt, darf sich nicht wundern, wenn er immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung und eine Wahl nach der anderen verliert. Politikverdrossenheit sei hier ein Stichwort. Dank sei den Journalisten, die solches an den Tag bringen! Gute Arbeit! Auch Leute, die sich selbst für informiert gehalten haben, haben nicht schlecht gestaunt. Solche Dinge wie die aufgeführten Pensionsverhältnisse werden im Zeitalter des Internet und anderer sich schnellentwickelnder Informationsquellen halt immer mehr kommuniziert, sie werden bekannt und offensichtlich. Sie wirken sich aus. Unter anderem bei Wahlen. Sozialneid? Nun ja, diesen Begriff müsste man angesichts solcher Zahlen noch einmal überdenken, die doch nicht wahr sein können.... Ja klar ist es in anderen Staaten noch krasser! Ob dies aber eine Rechtfertigung bieten kann? Ob es hier eine auch nur annähernde Verhältnismäßigkeit gibt, angesichts zahlreicher arbeitsloser Vollakademiker, die von solchen „Pensionen“ nur träumen können? Ob es sich hier um sehr unterschiedlichen Lebenswelten von Beamten und den durch sie vertretenen "Bürgern" handelt?
Ob solche Zahlenverhältnisse moralisch dann doch etwas schräg sind....? Ich verteidige diesen Staat samt seinem Grundgesetz sehr wohl und intensiv, aber wer solche Selbstbedienungsmentalität an den Tag legt, darf sich nicht wundern, wenn er immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung und eine Wahl nach der anderen verliert. Politikverdrossenheit sei hier ein Stichwort. Dank sei den Journalisten, die solches an den Tag bringen! Gute Arbeit! Auch Leute, die sich selbst für informiert gehalten haben, haben nicht schlecht gestaunt. Solche Dinge wie die aufgeführten Pensionsverhältnisse werden im Zeitalter des Internet und anderer sich schnellentwickelnder Informationsquellen halt immer mehr kommuniziert, sie werden bekannt und offensichtlich. Sie wirken sich aus. Unter anderem bei Wahlen. Sozialneid? Nun ja, diesen Begriff müsste man angesichts solcher Zahlen noch einmal überdenken, die doch nicht wahr sein können.... Ja klar ist es in anderen Staaten noch krasser! Ob dies aber eine Rechtfertigung bieten kann? Ob es hier eine auch nur annähernde Verhältnismäßigkeit gibt, angesichts zahlreicher arbeitsloser Vollakademiker, die von solchen „Pensionen“ nur träumen können? Ob es sich hier um sehr unterschiedlichen Lebenswelten von Beamten und den durch sie vertretenen "Bürgern" handelt?
Montag, 25. April 2016
Rente mit 70
Ich gehe noch einmal in Gedanken die Stimmungen und
Meldungen der vergangenen Woche durch und stelle fest, dass Rente,
bzw. Altersarmut ein Wahlkampfthema werden wird, auch wenn
interessierte Kreise es dazu nicht kommen lassen wollen. Der
Bundesfinanzminister schlägt offenbar zeitlich gut abgestimmt dazu
eine Rente mit 70 vor, während seine Kabinettskollegin eben die
Rente mit 63 teilweise eingeführt hat und eine Rente mit 67 für alle "normalen" Beitragsdeppen teilweise Gültigkeit zu haben
scheint (jedes "Gesetz" kennt Ausnahmen...). Zudem soll das ganze Rentensystem
von Politikern ohnehin in zweckfremder Weise (für politische Maßnahmen anderer Art) missbraucht worden sein, wogegen sich die Politikerkaste natürlich mit allen im Voraus formatierten Begründungen heftig wehren würde. Was
ist da los? Wo leben diese Leute? In welcher Welt glauben sie zu
agieren? Gerade in krisengeschüttelten Branchen, in denen besonders
viel entlassen wurde und wird, stellt leider kein einziger Konzern Personen
jenseits des 50. Lebensjahres ein: zu alt, zu wenig leistungsbereit,
zu anspruchsvoll, so müssen sich diese Menschen von Profit-Dynamos regelmäßig
begrinsen lassen (auch wenn in den Medien gerne gegenteilige
„Erfolge“ verkündet werden!). Sie sind jenseits der 50 de facto
„altes Eisen“, auch wenn die Politik und ihre wohlausgestatteten
Vertreter noch so viele rhetorische Klimmzüge unternimmt (Der
Finanzminister selbst ist lebensaltersmäßig natürlich weit jenseits der 50, auch der 60, kann aber
eine ziemlich satte Politikerpension erwarten und hat sich auf diese Weise von allen drückenden Sorgen befreit...). Ob solche
Seltsamkeiten, solche Kaspereien und teuren Komikereinlagen etwas mit der grassierenden
Politikverdrossenheit zu tun? Welche Interessen werden hier eigentlich verfolgt? Die des Wahlvolks? Oder werden gar Positionierungen hinsichtlich des Lebensalters versucht, um die einen gegen die anderen auszuspielen? Ob die gestiegene Wahlbeteiligung angesichts solcher merkwürdiger
Vorgänge wohl eher etwas mit dem Auftauchen einer neuen Partei zu
tun hat, die Unzufriedenheiten aller Art und Protestpotential (auch
wenn immer wieder gerne behauptet wird, sie würde mit Protest und
grassierenden sozialen Ungerechtigkeiten nichts zu tun haben) gerne
als Wahlstimmen abfischt? Und haben demographische Zahlenspiele, die
immer wieder dilettantisch bemüht werden, auch etwas mit bestimmten
Interessen zu tun? Ist wohlverstandene Statistik etwas, was genaue
Aussagen zu menschlichen Gesellschaften über weite Zeiträume hinweg zulässt?
Mittwoch, 6. April 2016
Ob nicht...? Fragen zur Rechtsprechung.....
Dass die Gerichte nicht (mehr) im Sinne der
Bevölkerung entscheiden, dürfte nicht erst seit gestern ein
Gegenstand genauerer Betrachtung sein. Ob sich da ein relativ
selbständiger Stand herausgebildet hat, der sich auf „Volkes
Stimme“ beruft, dabei aber um sich selbst in seinem
Paralleluniversum kreist? Der sich in Sophistereien und
Verfahrensfragen ergeht, während „draußen“ die Welt sehr viel
grundsätzlicher brennt? Sicher, der Rechtsstaat ist eine
wichtige Errungenschaft der Aufklärung. Ob sich aber die
Bevölkerungsklasse der Gesetzesausleger dermaßen schamlos, verdeckt oder offen gierig
und von allen akademischen Weihen geweiht daran schadlos halten muss?
Bedeutet dies Rechtsstaat? Ob die Justiz nicht in der Hauptsache im
Sinne der ohnehin Mächtigen, der "Arbeitsplatzbeschaffer" und Geldsäcke entscheidet, ob die
Parlamente nicht für genau diese Klientel ihre Gesetze maßgeschneidert haben,
indem sie nämlich schon im Entstehungsprozess durch ihre mächtigen
Lobby-Verbände mehr als Einfluss genommen hat? Ob diese Lobbyisten
nicht selten sogar die wörtliche Vorlage für solche „Gesetze“
geliefert haben? Ob es nicht genau dafür in der so vertretenen Bevölkerung ein feines Empfinden gibt? Ob nicht die Vielzahl der
Gesetze den entgegengesetzten Effekt dessen, was beabsichtigt sei,
hat? Ob nämlich dadurch nicht die Differenzierung des Rechtswesens
sondern die Beförderung der totalen Unübersichtlichkeit und darüber
hinaus ganz eindeutig der Arbeitsbeschaffung auf Auslegung der
einschlägigen „Gesetze“ spezialisierter Kreise befördert wird?
Ob das alles etwas mit der sogenannten Politikverdrossenheit zu tun
hat? Ob die jüngst gestiegenen und von den Altparteien heftigst
bejubelten Wahlbeteiligungszahlen in Ländern etwas mit der Suche
nach Protest und einer Protestpartei zu tun haben? Ob der Abschied
von der „sozialen Marktwirtschaft“ so etwas nicht noch befördert?
Fragen über Fragen.
Dienstag, 5. April 2016
Steuer, Ethik, Moral, Gemeinwesen
Toll! Es sind überall Journalisten in aller Welt
damit befasst, diese „Panama-Papers“ aufzubereiten. Teilweise
unter großer Gefahr. Weil das natürlich den Mächtigen nicht
passt. Sie verfügen sogar über Geheimdienste, da viele Staatschefs
unter den „Entdeckten“ sein sollen. In Berlin freut sich der
Finanzminister öffentlich über die Entdeckung, während seine
Parteifreunde bremsen und vor „Vorverurteilungen“ warnen. Auch
daran sind wieder die Machtverhältnisse klar ablesbar: Der eine gibt
sich als Vertreter des Staates, der natürlich nie genug kriegen
kann. Der andere glaubt vielleicht, die sogenannte „Wirtschaft“
verteidigen zu müssen, auch wenn diese, im Falle von Waffen- und
Drogenhändlern, schon mal über Leichen geht. Fette Staatschefs
geben Interviews und brechen sie mittendrin ab. Panik kommt auf.
Organisierter Steuerbetrug wird plötzlich sichtbar, die Brüchigkeit des Systems - nicht mehr und nicht weniger.
Denn darüber solle man sich keine Illusionen machen: es gibt viele
solcher Anwaltsbüros und es gibt viele solcher Steueroasen, in die
die Besitzenden ihre Kohle verschieben. Insofern dürfte das, was
bisher bekannt ist, nur die Spitze eines Eisbergs sein. Aber es gibt
Politiker hierzulande, die glauben, solches verteidigen zu müssen,
indem sie den Rechtsstaat und seine Gesetzmäßigkeiten dafür in Beschlag
nehmen. Es sollen ja auch tausende von Deutschen an dem Spiel
beteiligt sein. Und: Es stehen immerhin ein paar viele Euros auf dem
Spiel, die dem Gemeinwesen auf diese Weise mit Hilfe gewisser Banken
entzogen werden. Ob das dem viel gepriesenen Wachstum dient? Was für
eine Art Wachstum das wohl ist? Wie das wohl alles zusammen passt?
Welche Rolle wohl die Beteiligten spielen?
Donnerstag, 7. Januar 2016
Werte
Ich
bin schon sehr sehr erstaunt, dass im deutschen Recht der Tatbestand
der sexuellen Nötigung dem eines Eigentumsdeliktes weit
untergeordnet ist. Die gesetzlichen Strafen scheinen hier eine
himmelweite Diskrepanz aufzuweisen. Ob dies auch etwas über die
vielbeschworene Werteordnung hierzulande aussagt? Ob das Geld hier in einer immer noch neoliberalen Weise regiert? Ob das etwas Dekadentes hat? Man sollte all das über den Tag hinaus öffentlich diskutieren.... und nicht nur unter den Teppich kehren.....
Samstag, 21. November 2015
Entscheider
"Ich
arbeite dafür (...), dass wir diese Außengrenzen wieder in den
Griff bekommen, weil sie uns die Freiheit im Inneren der Europäischen
Union erhalten", sagt Angela Merkel in ihrer Rede zur
Flüchtlingsfrage anlässlich 25 Jahre CDU-Landtagsfraktion in
Schwerin.
Das ist das Stichwort. „Wir schaffen das!“. Ach? Die deutsche
Politik hat im europäischen Rahmen kläglich versagt. Nichts ist
geschafft! Absolut nichts. Nicht mal das! 130 Flüchtlinge sind
inzwischen auf die einzelnen Staaten verteilt, viele Wochen nach den einschlägigen
Beschlüssen, die 160 000 vorsahen. Wieso erpressen diese Leute nicht
diese unwilligen Staaten mit EU-Beiträgen, wenn genau diese
„Staaten“ den Rest Europas so rücksichtslos erpressen?
EU-Egoismus. Wie wenn hier kein Land des Egoismus sei! Hier in
Deutschland ist er sogar gesellschaftlich verordnet, trotz und gegen
alle wohlmeinenden Freiwilligen, die der Stolz dieses Landes sind und
zu denen solche „Entscheider“ der Politklasse nicht gehören. Was
ist eigentlich mit den Menschenfreunden aus Frankreich? Es sind hier
wie dort nur wenige Politiker und Bestimmer, die sich selbst
persönlich an Hilfe beteiligen. Es entspricht halt nicht ihrer
Idiologie. Und sie sind zu bequem dazu. Zu wohlsituiert. Die liefern lieber Waffen in den Nahen Osten, weil ihrer Klasse das Geld bringt. Und? Kulturmenschen sind ohnehin nicht sichtbar. Wieso eigentlich nehmen
die wichtigsten „Verbündeten“ in Europa so gut wie niemand auf?
Angst vor Le Pen? Rechtspopulisten? Bitte keine solche politischen
Tabuzonen! Das passt nicht zu Europa, - zur EU wahrscheinlich schon.
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Sonntag, 25. Oktober 2015
Gerechtigkeit im Wandel
Ich war in einem
Foltergefängnis, das erschreckende Einblicke in die fremde Welt des
Mittelalters zeigte. Die Leute brauchten dort in gewissen Abständen
ein Spektakel, das ihnen zum Beispiel die Räderung eines
vermeintlichen Verbrechers verschaffte, wobei ein Verbrecher auch
eine Hexe war, zu der man leicht werden konnte, wenn man kleiner als
1,60 Meter war oder Leberflecke hatte, oder Altersflecke, oder nicht
weinen konnte, oder … Dann konnte es sein, dass man so lange Jauche
eingefüllt bekam, bis einem der Magen platzte, dass man so lange mit
schweren Gewichten „gepresst wurde“, bis die Knochen krachten, dass man an einem Haken aufgehängt wurde, so lange bis man
ausgeblutet war, dass man... Der Mensch, der mittelalterliche hat das
als Spektakel genossen...., das war seine Show. Eigentlich ist das
„schöne Mittelalter“ noch gar nicht so lange vergangen. Menschen
sind auch heute bereit, sich solche Dinge anzutun. Ich spüre aber,
dass ich eigentlich agressiver sein müsste in diesen harten
Zeiten...
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