Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 16. Oktober 2025
Schöner Flow
Ulrike Haages Soloscheibe „Weißes Land“ aus dem Jahr 2006 hat mich in den verschiedensten Lebenssituationen immer wieder beeindruckt. Nur diese Scheibe von ihr. Ihre Musik hörte sich an, als sei dies Dahinfließen der organisierten Töne unter der beharrlichen Führung der Keyboards ein ganz normaler Zustand, ein Improvisieren, vielleicht danach erst ein bewusst gezieltes Einsetzen tragender Passagen und Durchgangsmotiven. Kein Pathos, wie bei Größen a la Keith Jarrett. Es ist, als würde eine Komposition dem Geschehen fern liegen, was natürlich nicht der Fall ist. Egal, es wird mit diesem Eindruck gespielt. Er schlängelt sich reizvoll ins Bewusstsein und lässt uns besser durchfühlen. Dass man auf dem Piano solch reizvolle Girlanden flicht und solistische Schnörkel dreht, war damals normal. Jeder „Künstler“ zeigte, was er konnte, darunter auch da schon ein paar Künstlerinnen. Im Zeitgeist lagen aber noch u.a. Keith Emerson oder Keith Jarrett. Große Meister und Könner. Jeder auf seinem Gebiet. Das Piano ist und war ja immerhin das bürgerliche Instrument per se. Die Erwachsenen ließen am Klavier vorspielen, die Jungen gaben sich Mühe. Das Bürgertum ging langsam und dann immer schneller unter. Die Keyboards gaben erst einen analogen und später einen digitalen Raum, den es staunend auszufüllen galt: was für Sounds! Welche Wucht! Welche klangliche Farbigkeit! Ihnen haftete aber auch etwas Maschinenhaftes an, in das man sich aber hinein fühlen konnte. Die immer noch sich progressiv gebende Technik schien damals neue Ausdrucksmöglichkeiten zu liefern, die zunächst noch etwas Subversives hatten.
Donnerstag, 10. Juli 2025
Wie es war
Wie war das mit der Rockmusik? Die Aufnahmen wurden immer besser, der Ausdruck ging darüber manchmal ein bisschen verloren. Ironie zog ein, Kunstkniffe zogen ein, Produzenten gewannen einen Namen, standen für einen bestimmten Sound. Die wussten, wie`s geht: Eine der Technik geschuldete Transparenz war nun angesagt, der Überblick über ausladende Klanggebäude. Aber man staunte trotzdem noch über das Songwriting, die Kunst, Songs eine Spannung und eine daran anknüpfende Entspannung zu geben, sie zu dramatisieren, mit tollen Melodien auch, mit akustischen Angeboten aller Art. Das eine oder andere glitt ab in Überproduktion, Aber das machte nichts. Man hörte die Doobie Brothers, Loggins & Messina und James Taylor. Das führte in den Adult orientated Rock, also die Klangwelten, die für Erwachsene bestimmt waren, die einige Hörerfahrung voraus setzten und sich klar vom lüsternen Gehabe und den hormonisch gesteuerten Brunftarien der Teenie-Bands absetzten. Man interessierte sich für den, der da gerade Gitarre in einem unerhörten Sound spielte, man kroch geradezu hinein in gewisse Produktionen, ließ sich in Begeisterung verzaubern oder in ein überragendes Können auf dem Instrument. Das und nur „das hier“ war schwer zu spielen und überschlug sich geradezu in Raffinesse. „Das hier“. „Nicht das!“. Man musste „Die Neue“ von diesem oder jenem haben, man musste informiert, im Flow, im Groove sein. Kurz: es knüpfte sich so manches Interesse daran. Wer war das, was waren das für Leute. Guter und hochprofessioneller Sound kam oft aus Los Angeles, das in den USA zu einer Art Musikhauptstadt für ein vertontes Lebensgefühl wurde. Es wurde da manchmal auch ein Kokaingeschwängerter Sound abgesondert, der auch gepflegte Langeweile und sophisticated Swimmingpool-Gefühle transportierte. Man las in einschlägigen Magazinen über das opulent gestaltete Leben gewisser Rockstars, die die Massen bewegen konnten. Und – ach ja – die Spiritualitätsarien im Softrock. Man selbst nahm das mit, kannte es, aber es interessierte einen weniger. Was war das gegenüber den Tonkreationen eines Frank Zappa? Ja klar, mit so einem war man weit vorne dran. Dem musste man erstmal folgen können. Dem hypersensiblen Schwurbeln, der angefederten Melancholie. Aber da waren auch die hypnotisch im Hedonismus wühlenden Funk-Rhythmen, der Groove, die Hypnose. Gelegentlich versetzt mit anspruchsvollen Jazzgetue. Großartigkeiten. Überhaupt: ein auf Äußerlichkeiten pochendes Getue kam auf. Das Vorzeigen von Fähigkeiten wurde wihtiger. Auch der Glamrock, das Auftreten, die Erscheinung. Und und und…..alles noch vor dem Erscheinen der CD als Hör-Format.
Samstag, 24. Mai 2025
Produzenten
Wie hatten wir die bewundert, als Erfinder von Klangräumen, von Klangvisionen, als souveräne Regenten über Studiotechnik und als Handhaber von kreativen Ideen, als hörbares Verbindungsglied zwischen Technikern und Kreativen! Wir sehen an dieser Stelle vom Daueretikett „legendär“ ab, weil das im Grunde für alle Erwähnten gelten würde. Sam Philips und Colonel Tom Parker, die Elvis in den „richtigen“ Sound lenkten. Da alleine wären schon lange Geschichten zu erzählen. Die Stax-Klangbilder, die das, was später Soul genannt wurde, mit ihrer den Punkt treffenden Knappheit früh prägten. Atlantic-Boss Ahmet Ertegün, natürlich. George Martin, der Beatles Produzent, ohne den Lennon und McCartney nicht denkbar waren. Er formte wohl entscheidend das Klangbild der Beatles in der zweiten Phase. Aber da waren auch die vielen Auftragsproduzenten, die ihre von den Plattenfirmen diktierten Vorgaben bis hin zum finanziellen Budget genau erfüllten und als namenlose Umsetzer gelten dürfen Ja klar, ein früher Einfluss war dagegen Phil Spector mit seinem „Wall of sound“, den er allen „Kreativen“ überstülpte. Der Mann endete im Chaos., in der Hölle seines Selbst. Seine Produktionen mögen sich manchmal mehr nach Spector als den eigentlich in den Vordergrund gestellten „Künstlern“ anhören. Leider ist der Mann ins Hässliche abgerutscht. Wir können all die Faktoren, die dazu geführt haben, nicht beurteilen. Hugh Padgam später, der dem Progrock a la Genesis Flügel verlieh und auch vielen anderen Künstlern zum Wohlklang verhalf. Da spielte auch schon Trevor Horn mit rein. Der sich aller Mittel des High Tech bediente und daurch für ein durchgestyltes Klangdesign verantwortlich war. Er war wohl eine Art Gegen- und Hassbild mancher Medien, die im Unterschied zu Horn die Rückkehr des Echten, Autenthischen und der Wurzel verhafteten lobten und später dann in Rick Rubin einen Meister fanden. Dieser hatte Johnny Cash mit seinen Produktionen zu einem späten Comeback verholfen und lieferte – wie in der Popmusik oft praktiziert – die Blaupause für viele andere „Down to earth-Produktion. Er war es auch, der mit einem solchen Konzept verschwundene Künstler wie Donovan neu produzierte. Möglichst wenig Technik, war wohl seine Devise, obwohl er als Dauerproduzent für Bands wie die Red Hot Chili Peppers da keine Berührungsangst kannte und in einer zweiten Phase seiner Karriere auch zahlreiche wie Shakira Mainstreamstars produzierte, worüber niemand so richtig erstaunt schien. Wir setzen diese „Produzenten-Reihe“ fort.
Freitag, 23. Mai 2025
Produzieren
Bei meinen eigenen Musik-Produktionen habe ich alles selbst gespielt, entworfen, umgesetzt - früher sagte man „komponiert“ dazu. Dank des Stands der Technik ist und war das möglich. Ich entwarf dadurch eine Art akustisches Abbild meines Ego „in Motion“. Dazu verwendete ich bewusst und unbewusst auch die Mittel, die mir in 50 Jahren zugewachsen waren. Zb habe ich die gtr vor allem für Sounds eingesetzt, weniger für Soli. Mein Ego, mein Autismus - in Wirklichkeit ist es auch ein Abbild dessen, was mich umgeben und beeinflusst hat, welche Energien und Situationen auf mich eingewirkt haben. Subjektiv? Ja klar! Am Ende hat man nur sich selbst. Man ist auf sich selbst zurück geworfen und es ist eine Aufgabe, dadurch nicht allzu selbstbezüglich zu werden. Ich erinnere mich an viele Situationen, wie jemand eitel vorzeigt, wie gut er (natürlich solo!) Gitarre spielen könne. Dabei reproduzierte er die Phrasen und Wendungen, die jeder kennt. Ich versuchte eines Tages das zu nehmen, was ich gelernt und mir angeeignet hatte, was ich konnte, was ich mir vorstellte. Ich versuchte, etwas Persönliches draus zu machen.
Freitag, 11. April 2025
Jazz und Pop und Erfolg
Ich nehme wahr, wie sehr Pat Metheny einen eigenen Sound und eine typische Tonbildung hat. Das scheint mir in heutigen Zeiten eine große Leistung zu sein. Seine Alben geben gerade jetzt viel Energie, strahlen Mut aus. Ich hatte ihn aber auch mehrmals live erlebt, unter anderem auf seiner „Orchestrion“-Tour, die mir eine unglaubliche und alles überragende Musikalität gezeigt hat... ich konnte es nicht fassen, wie einer auf eine solche Weise mit sich selbst und seinen eigenen Linien, Motiven und Themen spielen konnte. Über den Auftritt habe ich freilich nicht geschrieben, weil ich da nicht im Auftrag hingegangen bin sondern aus freien Stücken hingegangen war. Ich schrieb in einer „Kritik“ des Jahres 2014 über sein Album „Kin“: Pat Metheny, Aufregende Wechselspiele - Was wurde und wird ihm nicht alles vorgeworfen: Zuckerguss, Esoterik, Wellness. Womöglich auch deshalb, weil er ein erfolgreicher Jazzgitarrist ist. Jazz und Erfolg, das geht laut Jazz-Purismus nicht zusammen. Jetzt hat Pat Metheny zusammen mit seiner Unity Group das neue Album „Kin“ herausgegeben. Es bietet so gar nicht die leichte Kost, die ihm gerne zugeschrieben wird. Zudem präsentiert sich die Unity Group hier als echte Gruppe, die ihre Ideen zusammen im Kollektiv entwickelt und mit dem Saxofonisten Chris Potter über einen weiteren erstklassigen Solisten neben Metheny verfügt. Ihr Wechselspiel, ihre Begegnungen und Ergänzungen, ihre Berührungen mit der Rhythmusgruppe, das zu verfolgen macht alleine schon das Album lohnend. Auch das gemeinsame Schaffen von Spannungen, deren feinfühlige Entladung und das Suchen in einem musikalischen Horizont, der durchaus auch nachvollziehbar sein kann, machen das Album gut. - Pat Metheny. Kin. Nonesuch/Warner.“
Ich führte auch mal ein Interview mit ihm. Eine Passage daraus lautete: „Auf ihrer Platte scheinen ja auch folkloristische Motive eine Rolle zu spielen. Welche Beziehung haben Sie zum traditionellen Folk? - Antwort: „Grundsätzlich ist für mich alle Musik eins. Die Klänge und Harmonien, von denen ich mich angezogen fühle, hängen alle auf logische Weise zusammen. Das schließt eine große stilistische Breite ein. Es war immer ganz natürlich für mich, die Dinge zu spielen, die ich als Hörer und Musiker liebe. Dazu gehören aber auch jene Songs, die ich hörte, als ich im Mittleren Westen aufwuchs und die man wohl Folksongs oder Volkslieder nennt. Ich glaube nicht einmal, dass das irgendetwas mit Geografie zu tun hat“. Ich denke mir: Das alles wächst immer weiter in mir. Es entwickelt sich weiter und ich bin dankbar dafür.“
Montag, 27. Mai 2024
Soundarchitektur
Meine eigene „Musik“ scheint der Entschleunigung gewidmet......deshalb sind da auch keine Soli, die die großen Solisten überbieten wollen, lange Zeit gab es gar keine Soli, nur solistische Figuren, Motive, die am Ausdruck, am Ganzen, an der Architektur der Sounds orientiert sind, - oder an der Flachheit...., die damit etwas zeigen wollen, da sind auch viele Sounds „von der Stange“, womit ich auch ein Stück der Außenwelt mit einbeziehen will. Es soll eine Art Inspektion, ein Rundgang, ein Schlendern in unserem Unbewussten sein, den Strom der Gefühle und Gedanken einbeziehend. Selbstverständlich fließen meine verschiedenen musikalischen Erfahrungen da ein. Freilich ist es ja so, dass ich aufgehört hatte und vor einigen Jahren vom Anfang an wieder angefangen. Unter anderem hatte ich meinen technischen Ehrgeiz zu den Akten gelegt. Es sollte das Spiel, das freie Flottieren meiner Phantasie mich führen. Ich würde mich fallen lassen, auch in meine Erinnerungen. In mein ganzes Sein.......so, wie es entstanden ist.......kein verklärter und ins Nostalgische gehender Blick, sondern ein Bewusstsein für das Ganze. Ich bin durch die Zeiten geworden, auch akustisch, es hat mich geprägt, Muster haben sich aufgedrängt, hatte ich mir angeeignet, dem Zeitgeist geschuldet und wieder verloren. Mittlerweile habe ich viele glänzende Interpreten der „real existierenden Musik“ erlebt, so dass ich mich nicht mehr mit (sehr wohl aber orientieren an....) denen messen mag. Ich habe einen anderen Pfad benutzt......der sich auch am Alltag orientieren will, der Klänge einbeziehen will, die in der gängigen Musik wenig zu hören sind......
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My own “music” seems to be dedicated to slowing down...that's why there are no solos that try to outdo the great soloists, for a long time there were no solos at all, only solo figures, motifs that are reflected in the expression, in the whole, are oriented towards the architecture of the sounds, - or the flatness...., who want to show something with it, there are also a lot of “off the shelf” sounds, with which I also want to include a piece of the outside world. It should be a kind of inspection, a tour, a stroll into our unconscious, involving the flow of feelings and thoughts. Of course, my various musical experiences flow into this. Of course, I stopped and started again a few years ago. Among other things, I had put my technical ambition aside. The game, the free floating of my imagination, was supposed to guide me. I would let myself fall, even into my memories. Into my entire being......the way it came into being......not a glorified and nostalgic look, but an awareness of the whole thing. I have changed through the times, also acoustically, it has shaped me, patterns have imposed themselves, I have acquired them, owed them to the spirit of the times and then lost them again. In the meantime I have experienced many brilliant interpreters of “really existing music” so that I no longer want to compete with them (but I do base myself on them...). I used a different path......which also wants to be oriented towards everyday life, which wants to include sounds that are rarely heard in common music......
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