Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 30. Juli 2026

Ich und die Andern

Die Gegenwart ist krisenhaft. Jetzt im Moment ganz besonders. Ob wir dadurch etwas an Ichgefühl oder Identität verlieren? Oder im Gegenteil: ob wir mehr davon gewinnen? Tatsache ist, dass es in dieser Gesellschaft nicht erst seit der Amtsübernahme eines gewissen Präsidenten Zweifel an einer gemeinsamen Wirklichkeit gibt. Der Vorrat an gesellschaftlichen Gemeinsamkeiten scheint sich auf Geld und ökonomischen Austausch zu beschränken. Das Allgemeine ist fragwürdig geworden. Es herrscht eine Auflösung sozialer Verbindlichkeiten. Dinge gehen offenbar schemenhaft ineinander über: Naturzerstörung und Naturschutz. Beschleunigung und Stagnation. Arbeit und Freizeit. Selbstwert und Marktwert. Was ungeheuer wichtig ist: Es geht nicht um endgültige Wahrheiten, sondern um Vorschläge. Leben ist eine geheimnisvolle Ganzheit, die es möglichst gut zu begreifen gilt. Möglichst gut. Alles, was ist, ist in Bewegung. Ein Schwingen zwischen Polaritäten, etwa Tag und Nacht, Mann und Frau. Der Mensch stellt dazwischen die Frage „Wer bin ich?“. Er ist unbestimmt. Er ist derjenige, der sich seine Lebensumstände selbst schafft. Er hat Umgang mit dem Leben. Man ist in eine bestimmte Umwelt, eine bestimmte Familie, Kultur Epoche hinein geboren. Und in die Natur, Mitglied der Tierwelt, als Erdwesen und Teil der eigenen Schöpfung. Ob einem das Rechte verleiht? Man ist “Geworfener Entwurf...“, sagte Martin Heidegger, der Bräunling und entlarvte Philosoph. Wir sind nicht nur das, was ist, sondern das was sein könnte. Es gibt kein Entweder oder, sondern eher ein sowohl als auch. Den Umgang mit Widersprüchen. Ich und die andern. (Schöne Sprüche....!) Es gilt, sich und das Leben immer wieder neu zu begreifen, begründen und gestalten. Balancen zu gewinnen und seine Seinsmöglichkeiten zu entfalten – möglicherweise auch ohne Sinn. Es geht um den Wert von Leben. An sich. Ein Zurechtfinden. Eine der unendlich vielen Seinsmöglichkeiten für sich zu finden. (Bloß wie?) Alles geht automatisch seinen Gang. Scheinbar. Doch das Leben vollzieht sich zuweilen auch mal in Sprüngen, die die Macht des Faktischen rasant überwindet, indem sie eine andere Geschwindigkeit anschlägt, indem sie plötzlich Realität wird.

Dienstag, 21. Juli 2026

Einsamkeit?

Du entdeckst und es wird dir zunehmend bewusst, dass du alleine bist. Hattest du in der Vergangenheit stets Leute um dich herum, die du als viel zu viele empfandest, so gibt es diejenigen jetzt gar nicht mehr. Man hat sich abgesetzt vom Mainstream, ohne dass man das so richtig merkte. Es gab eine Entwicklung um dich herum, deren Eigenheit du mal wieder nicht so recht mitbekamst. Immer wieder hört man von Menschen, die verreckten und die erst bemerkt wurden, als es anfing, unangenehm zu riechen. Nachbarn? Hier unsichtbar. Aber sie würden antworten, dass man mich in letzter Zeit kaum mehr gesehen habe. Man wisse kaum, wer was mache und warum. Tatsache scheint zu sein, dass für die meisten Menschen Freunde allgegenwärtig sind und Ablenkungen zuhauf verfügbar sind. Wer eigentlich darf da bei sich selbst sein? Klar, so etwas kann auch lobesam sein. Doch die Zeiten, als der Schriftsteller Gottfried Benn „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis..“ behaupten durfte, sind wohl im Zeichen einer allgemeinen Vergesellschaftung vorbei. Single sein. Sich selbst genügen, das freilich schließt einen von der großen Vernetzung aus. Eremitage. Mönchtum. Vor einiger Zeit war es sehr angesagt, in Klöstern zu verweilen, die Stille dort neu kennen zu lernen, die Stille auszuhalten. „Auszeit auf Zeit“ war meist sehr teuer und beinhaltete oft auch noch andere Wellness-Wohltaten im Zeichen religiöser Erbauung. Doch was ist die Realität? Einsame und alleinstehende Menschen gelten als Sonderlinge. Reinschauen bei Edward Hopper: Menschen ohne soziale Bindungen sitzen dort alleine an der Bar, leicht bekleidete Damen machen geschlechtlichen Betrieb, bieten Attraktionen der glitzernden Oberfläche. Man sinkt ab in Wein und Zerstreuung, in Schein und Schalk.

Dienstag, 23. Juni 2026

Ironie und Mitmenschen

Okay, zu viel der Ironie! Da muss aufgepasst werden, dass man nicht allzu zynisch daherkommt. Ein bisschen Übertreibung hier, eine versteckte Pointe dort: So was ist nicht jedermanns Sache. Das habe ich unter anderem auch bei meinen Kritiken für eine größere Tageszeitung gespürt. Es wurde sehr empfindlich reagiert und teilweise falsch verstanden, was man extra gedrechselt ausgedrückt hatte, auch, um den eigenen Geschmack nicht absolut zu setzen und ihn als kennzeichnendes Signal auszuweisen. Teilweise richtig persönlich wurde man da angegangen, meist mit der Unterstellung, man habe ja keine Ahnung und sei überhaupt nicht bei der Veranstaltung gewesen, sonst hätte einem ja auffallen müssen, dass…..usw. Beliebt war auch die Drohung, ein Abonnement sofort abzubestellen, was wohl um die Ecke herum Druck auf mich ausüben sollte. Ja klar, wer austeilt, muss auch einstecken. Doch die Art, wie man angegangen wurde, diese simple und peinliche Identifikation mit den „Stars“, diese tumbe Art, gegen jede Kritik kräftig auszuteilen und sich immun gegen jede Art von Zweifel zu machen, diese peinliche Identifikation mit denen, die daraus ihr Geschäft machen wollen, das hat mir dann doch gestunken. Hatte man nicht gehört, dass da der weltbeste Gitarrist zugange war? Ich nahm wohl zu direkt und einfach eine bestimmte Art von Niveau an, und wohl auch der Bereitschaft, sich mit etwas auseinander zu setzen, einer Meinung, einer Einschätzung, einer bestimmten Perspektive von jemandem ganz bestimmtem. Was gefordert wurde, war mehr von dem, was man selbst als Objektivität definierte angesichts eines Sujets, das doch relativ subjektiv besetzt ist. Objektivität bedeutete meist, unbekümmert einer bestimmten Meinung zu sein. Alles gut. Alles klasse! Nun denn….

Montag, 2. März 2026

Was bleibt?

Ich will hier unter anderem auch einen Abdruck meiner Person hinterlassen, in Text, Musik und Fotografie. So zögerlich und ambivalent wie ich beschaffen bin, - und inzwischen ziehe ich mannigfache Bilanz! - bringe ich dazu auch Fotos und selbstgeschaffene Musik in Anschlag, in eine „unterirdische“ Beziehung. Dass dies ein multimedialer Ansatz sein könnte, der Body, Heart and Mind vereinen will, ist von Anfang an nicht ins Blickfeld der Leute gedrungen: Mein Blog, meine Posts, mein öffentliches Tagebuch ist nicht gerade ein Burner in der Internet-Welt. Es ist etwas, mit dem ich manchmal auch erst nach längeren inneren Kämpfen übereinstimme: Es ist ein Zeugnis meines Ich. Völlig sinnlos!, so höre ich manche Stimmen sagen. Doch was hat diesen Sinn in dieser Welt? Wir schaffen ihn uns, mal positiv gedeutet. Alles ist sowieso sinnlos, würden Andere sagen. Etwas abschaben vom Baum des Lebens, etwas Sinn abringen, etwas, das mir und dem gehört was ich mir unter „Mir“ vorstelle, das könnte etwas sein. Mein Ich. Ich muss mich da im Dunklen vortasten, ich muss darum kämpfen und mich anstrengen, ich muss es auszudrücken und mitzuteilen versuchen. Ich muss erstaunt den Blick heben. Irritiert. Jederzeit zur Orientierung bereit. Auch wenn das nicht in den aktuell grassierenden Wohlstandshedonismus passt, wo alles erlaubt ist, was „Spass macht“. Wo Menschen zu diesem "Zweck" beliebig ausgetauscht und ersetzt werden.

Dienstag, 16. Dezember 2025

Island in the Sun

Mallorca? Ibiza? Hawaii? Tahiti? Bora-Bora? Die Insel scheint das Überschaubare im Gegensatz zur Komplexität des modernen Alltags zu sein. Sind Inseln eigentlich isolierte Orte? Für Einsamkeit scheinen sie immerhin zu stehen. So manches in unserer Wahrnehmung scheint darauf zu weisen. Es geht ja unter anderem die Redewendung von der „einsamen Insel“, auf die man irgendetwas mitnehme.... Wir könnten uns dort verankern, uns vergewissern, so die Vermutung. Dies scheint einem krassen Bedürfnis von vielen zu entsprechen, denn wer wir sind, ist zu keinem Zeitpunkt sicher. Inseln sind im Bewusstsein Orte der Sehnsucht, sie sind Fluchtpunkte, widersprüchliche Orte voll Schönheit und Schrecken. Wir träumen uns dort hin und verschieben diesen Traum dann doch wieder. Unser blauer Plant ist ist zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt, was psychologisch gesehen der Lage des Unbewussten entsprechen könnte. Inseln wären dann das Ich, das sich abhebt vor solchen weiten und unbekannten Sphären des Ungewissen, das sich auch ständig vor Erosion und Unterspülung wehren muss. Inseln boten sich zudem als das Überschaubare und Abgeschlossene an, als eine Art Mikrokosmos, der die unüberschaubare große Welt auf eine kleines Stück Land zu konzentrieren. Im alten Ägypten war die Vorstellung der „Insel des Aufflammens“ mit dem Bild der Lotosknospe verknüpft, aus welcher der Sonnengott Horus emporstieg. Mehr in der Neuzeit trat der „Inselheld“ auf den Plan: Daniel Defoes „Robinson“ mag dafür geradezu beispielgebend stehen. Er gab dem aufstrebenden Bürgertum ein gutes Beispiel, wie man aus einer öden Insel ein gutbürgerliches Haus mit Garten macht (wobei die Insel stets als „einsame“ Insel gedacht wurde). Nicht von ungefähr wurde Tahiti 1767 und 1768 innerhalb eines Jahres gleich drei mal „entdeckt“ und öffentlichkeitswirksam als Sinnbild des paradiesischen Naturzustands ausgerufen. Mithin galten Inseln ja als Abbild dieses Naturzustands, der freilich mit den menschlichen Mitteln zu überwinden war, der zu kultivieren, missionieren und zu bearbeiten war. Die Romantik bewirkte dann, dass die Insel vom Verhängnis zur Verlockung wurde und dem von der Zivilisation verdorbenen Europäer die Rückkehr zu einem „Naturzustand“ erlaubte. Hm, doch letztenendes scheint die Insel dem Menschen eine Rückkehr zu sich selbst zu erlauben (ein Mythos, auf den auch moderne TV-Sendungen schon bauten...).

Dienstag, 2. Dezember 2025

Muster für Experimente

Wir greifen das King Crimson-Album aus dem Jahr 2011 heraus und lassen uns einspinnen in eine Klangwelt, die über den führenden Linien des Bandchefs und Gitarristen Bob Fripp maßgeblich geprägt wird vom flinken Gebläse des Saxofonisten Mel Collins, den wir von den früheren King Crimson-Alben und tausend Studioproduktionen schon kennen, den wir aber auch live mit der Band Camel schon einmal erlebt haben. Jetzt durchsticht er oft den warmen Gesang von Gitarrist und Violinist Jakko Jakszyk, der dem Fripp`schen Klangideal einer Bariton-Stimme zu entsprechen scheint und uns mit seinem dunklen Timbre an frühere KC-Besetzungen erinnern kann. Wir entschließen uns, unsere Kritiken der KC-Konzerte hervor zu kramen und in diesem Horizont die Fripp-Alben, die uns zugewachsen sind, nicht zu vergessen. Ach ja, hier das Abschweifen ins Groteske, die Klangfäden überall, dies wuchtige Kraft holen, diese Feier des Eigenen Individuellen, das wir heutzutage so oft vermissen. Erst unsere Konzertbesprechung des Jahres 2003, dessen Einleitung uns bleibend beeindruckt hat: „Es ist doch nur ein kurzes Spiel mit den Erwartungshaltungen des Publikums: Ein Rockprofessor im dunklen Anzug nimmt Platz auf einem Hocker und macht sich an einer Gitarre zu schaffen, der er sphärische Klangwolken zu entlocken scheint, harmonisch, aber doch im Nichts um sich selbst kreisend, aus dem Ungewissen herkommend und dorthin wieder verschwindend. Doch irgendwann legt der Herr Professor seine Gitarre ab, verschwindet und ein Herr Prozessor spielt immer weiter, wodurch niemand im Beethovensaal weiß, wer was gespielt hat und wie das überhaupt zustande gekommen ist. Der in sich gekehrte Professor war Robert Fripp, der ja nicht nur als Kopf der Band King Crimson die seltsamen Experimente geliebt hat, über 35 Jahre hinweg, in tausend Besetzungen und personellen Kombinationen. Ein Enfant terrible, das auf dem Barhocker im Dunklen sitzend dem Publikum den ganzen Abend keinen einzigen Blick geschweige denn eine Ansage schenken wird und Fotoaufnahmen allerstrengstens untersagt hat. Dafür jedoch schenkt er dem Publikum seine Musik, die nun bald im vorzüglich ausgesteuerten Sound losbricht: King Crimson ist nach langen Jahren der personellen Fluktuation nun ein stabiles und traumhaft eingespieltes Quartett, das vier unterschiedliche Charaktere vereint. Schroffe, sehr eigenwillig strukturierte Massive aus elektronisch manipuliertem Klanggut türmen sich auf zu einer Art durchkomponiertem Edelmetal, fallen in sich zusammen, werden zu zerkrittelten, von ungeraden Rhyhtmen durchstochenen Klangphantasien oder gehen über in schräge Balladen voller bizarrer Einfälle: ist so etwas Prog Rock? Avantgarde Rock? Kunstrock? Nein, es ist King Crimson. Keine Etiketten. Keine Schubladen. Die zurückliegenden 35 Jahre scheinen nur Anlauf für dieses Konzert gewesen zu sein, dessen Grundlage die aktuelle CD „Power to believe“ ist. Großartig, welche Dynamik diese Band nun entfaltet, mit welcher Präzision sie fortwährend verblüfft, wie uneitel sie ihr Publikum staunen lässt, wie sie das Grobschlächtige mit dem Filigranen zusammenbringt und es zu einer schlüssigen Bestandsaufnahme ihrer musikalischen Entwicklung formt. „Prozac Blues“, Eyes wide open“, Elektrik“, „Dangerous Curves“: Nie war King Crimson so rhythmisch wie heute. Drummer Pat Mastelotto gibt selbst den schrägsten Passagen massiven Drive. Trey Gunn fingert dazu höchst einfallsreich den Stickbass, ein gut gelaunter Adrian Belew steuert als Sänger, zweiter Gitarrist aus dem Rampenlicht heraus den Abend, der zum Abenteuer wird. Keine sentimentale Erinnerung an die Vergangenheit. Kein „21st Century Schizoid Man“, kein „Moonchild“. Nur stilistische Stringenz. Alles ist aufgehoben in der Gegenwart. Überragend. Es folgt meine CD-Besprechung aus dem Jahr 2003: „Lange ist’s her, da waren sie Schrittmacher des Progressiv Rock, schienen integriert in den Zirkus der Trends. Musiker kamen und gingen die folgenden Jahre, nur einer blieb: King Crimson wurde zur Kopfgeburt ihres Gitarristen Bob Fripp. Diese musikalische Sprache, diese schroffen Klangmassive, die sich in weite elektronische Flächen öffnen konnten oder sich von feinem Rhythmusgestotter in ungeraden Takten zerlegen ließen, sie waren alle in Fripps Phantasie gewachsen. Doch dann, in der dritten Dekade ihres Bestehens und inzwischen weit vom Alltag des Rockgeschäfts entfernt, entwickelte sich King Crimson wieder zurück zur Band mit stabiler Besetzung. Die neue King Crimson-CD „The Power to Believe“ scheint diese Entwicklung zu reflektieren, indem sie die Fripp’schen Egomanien mit Bandgefühl interpretiert. Da ist es wieder, dieses mit fieser Gitarrengewalt drohende, mühsam kontrollierte Breitwandchaos: das Stück „Level Five“ und „Facts of Life“ etwa scheint es trotz aller gekünstelt paranoiden Strukturen schier zerbersten zu lassen. Das eher lyrische „Eyes wide open“ könnte aus King Crimsons Frühzeit stammen und weist doch auf den wichtigen Einfluss, den Fripps Co-Gitarrist und Sänger Adrian Belew hat. So geht’s weiter: Alt und Neu fließen zusammen, Experimente gehen in längst geprägten Mustern auf. Eine Platte für Fans und solche, die King Crimson noch nicht kennen. (King Crimson, The Power to believe, Sanctuary Sancd 155)“. Jetzt finde ich auch noch meine Konzertbesprechung aus dem Jahr 2016: „Schon der Bühnenaufbau kann überraschen: Drei Schlagzeuge nebeneinander, das ist in der Rockmusik unüblich und ward nie gesehen. Aber die Band King Crimson ist ja immer schon komplett überraschend gewesen, hat während der vergangenen fast 50 Jahre um ihren Kopf herum, den Gitarristen Robert Fripp, fortwährend die Besetzung geändert und stilprägenden Avantgarde-Rock der verschiedensten Ausprägung gespielt. Ein Mythos. Eine Legende. Gleich ein Doppelkonzert ihrer aktuellen Tournee spielen sie im Beethovensaal der Liederhalle Stuttgart, natürlich vor jeweils ausverkauftem Haus. Die drei Herren Schlagzeuger Pat Mastelotto, Gavin Harrison und Jeremy Stacey eröffnen denn auch gleich mit ihrem Dreier-Intro das Konzert. Wir ahnen, dass diese Besetzung kein Gag ist, sondern dass sich diese drei auf das Trefflichste ergänzen wollen, dass sie hochkonzentriert ohne jede Showeinlagen ihre Rolle spielen werden, die eine fantasiereiche Aufsplitting der einzelnen percussiven Abläufe bringt, fein abgestimmte Übergaben des Rhythmus selbst mitten in ungeraden Metren und filigrane Ziselierungen mittels kurzer Akzente, aber auch Keyboardeinlagen und andere elektronische Einspielungen. Es ist ein Team, genauso wie die ganze Band, in der niemand herausragt oder sich als überragender Solist profilieren kann, weil die Dinge meist exakt festgelegt erscheinen und die Räume für allzu ausufernde Soli gar nicht existieren. Am ehesten noch scheint da Mel Collins, der aus den Anfangstagen der Band aufgetauchte Saxofonist und Flötist, sich noch gelegentlich in diese solistische Rolle hineintröten zu dürfen. So geht’s nach der Schlagzeugereinleitung in die erste, sehr abgehoben und teilweise schroff wirkende Folge von Stücken, die weit vom üblichen Rockklischee entfernt scheinen. Wir, aber womöglich auch die Musiker, werden hineingezogen in einen eigenen Strom der Bezüglichkeiten, in der selbst der Bandboss Fripp nur ein Teil des Ganzen ist und in keinster Weise heraus ragt. Neben ihm agieren auf der zweiten Linie der Bühne mit dem Bassisten Tony Levin, mit dem Sängergitarristen Jakko Jaksyk und dem frühen Weggefährten Collins sowieso nur ausgewiesene Könner, die keinerlei Profilierung nötig haben und in diversen Bands ihre Spuren hinterlassen haben. Es taucht nun das eher grobe Stück „Easy Money“ auf, aber auch das feingliedrige „Epitaph“ oder das bekannte „In the Court of Crimson King“ aus den Anfangstagen der späten sechziger Jahre auf. Solche Stücke markieren ein typisches Kennzeichen der Band durch alle Besetzungen hindurch: das Wüste, Grobe und zuweilen auch stark rifforientierte Musizieren kann hier neben feingliedrigen Klangspekulationen stehen, die auf die verschiedenste Art verbunden erscheinen. Um die drei Stunden dauert der Auftritt und keine Sekunde davon ist langweilig: zum Schluss kommen beim Bowie-Heuler „Heroes“ und dann bei „21 Century Schizoid Man“ natürlich die gemeinschaftstiftenden Ohrwürmer: ein großartiges Konzert.

Montag, 14. April 2025

Im Flow sein

Was ich aus der Beobachtung von Tieren real und im Fernsehen u.a. für mich mitgenommen habe: Ich sehe, wie jede(r) ihre/seine Situation unternimmt, annimmt und damit umgeht, so gut es geht. Durchkommen heißt die Devise. Davon konnte ich viel lernen, ich versuchte es zumindest. So ging die Entwicklung. Die Evolution. Ja klar ist die Natur aus menschlicher Warte manchmal grausam. Tiere bringen sich gegenseitig um. Aber nur im Überlebenskampf. Niemand kann sich ausruhen. Jeder will irgendwie mit seinen Mitteln überleben. Es ist ein Strom, ein Flow. Nur wir bleiben mit unserem kleinen Ego, das die Dinge zu manipulieren versucht und doch so verwundbar ist (--→z.b.Viren, Naturgewalten) zurück, wir wissen, dass wir sterben müssen, unseren Geist aufgeben. Doch im Tierreich ist jeder in seiner Existenz, existiert in ihr, geht in ihr auf, ergibt sich seinen Aufgaben, stellt sich ihnen, so gut es geht. Man nimmt an einem Kreislauf teil, sehr selbstverständlich, sehr natürlich.

Donnerstag, 20. Februar 2025

Einfach einfach

Gedanken, die einen immer wieder gestreift haben und die einen jetzt mittels eines kleinen Textes getroffen haben. Es hat mich dieser kleine Text inspiriert, beiläufig - und schon sitze ich wieder hier… und erfinde meine eigenen Worte. Ich sehe: „Einfaches kann von bezwingender Schönheit sein. Einfaches kann uns zum Staunen bringen“ Wir fragen uns: Was ist einfach? Wovon hängt es ab, ob etwas „einfach“ ist? Ist etwas objektiv „einfach“? Oder relativ? Entscheidet da die „Erfahrung“? Diese „Erfahrung begleitet uns. Es gehört zur Lebenskunst, dieser Erfahrung nachzugehen und ihr Raum zu geben im Leben“. „Einfach kommen wir zur Welt, nackt und bloß und ungeschützt.“ Stimmt, das ist der Ausgangspunkt. Nun ja, so viel um uns herum lagert sich an, Strukturen und Personen, Blicke und Worte, die versuchen, uns zu biegen, uns zu verbiegen in einem bestimmten Sinne. Eines Tages wachen wir auf und sind alt geworden. Wir blicken auf all dies Formen, Anpassen, passend machen, auf das „Hamsterrad“ und seine Gesetze, auf die narrische Mühle des anonymen Alltags herab. Wieder suchen wir eine Art Sinn. Ein Ziel. Einen „roten Faden“. Und wieder fallen wir auf uns selbst zurück. Diogenes hat wenige Erfahrungen außerhalb seiner selbst gemacht. Er hielt wohl „das Einfache“ für das „Normale“. Sein Ich hat seinen Blickwinkel bestimmt - und möge er noch so kluge Gedanken von sich gegeben haben. Ob er sie heutzutage „verkauft“ hätte? Auf Lesereisen im Fass? Nun ja, man hätte ihn zumindest für skurril gehalten. Für einen Narren. Einen, der aber schreiben, sich ausdrücken kann. Aussteiger sind noch in Mode. Er wäre der Klassiker auf diesem Gebiet gewesen. Einer, der „vom Einfachen“ berichten kann. Glaubwürdig. Einfach authentisch.

Montag, 17. Februar 2025

Wohin ging es?

In welche Richtungen sind sie gegangen? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Was war das für eine Zeit, in der wir zur Schule gingen? Wir versuchten, Orientierung zu gewinnen. Man hat dabei Anregungen empfangen, Impulse. Etwas gelernt. Unwillkürlich. Auch wenn man das Lernen gehasst hat. Man hat die Zeit damit verbracht, etwas zu lernen. Ob man wollte oder auch nicht. Manche setzten sich die Ziele anders. Unbewusst. Was es einem geholfen hat? Einen näher zu sich zu bringen. Dem Eigensinn gefolgt. Die eigenen Talente besser kennen gelernt. Dem großen humanistischen Ideal gefolgt und dabei in der wüstesten Wüste gelandet. Verhungert. Verdurstet. Verprügelt. Das Selbstverwirklichungsideal verfehlt…. Man sah sich Blicken ausgesetzt, Einschätzungen. Doch überhaupt: Was ist mit denen, die gar keine Talente hatten? Mit denen, die nicht so recht wahrgenommen wurden in diesem zeitlichen Wust, in dem auch gelernt wurde, wie man möglicherweise voran kommen könne…. Später, wenn so etwas heran stünde. Für manchen mag dieser Zeitpunkt nie gekommen sein. Im Subalternen stecken geblieben. Man rutschte weiter, taumelte, stolperte. Man war im falschen Moment unaufmerksam gewesen. Falschen Ehrgeiz im falschen Film entwickelt. Einfach in die falsche Richtung abgebogen, - wie man heute deutlich sieht. Die falschen Gene, erblich festgelegt, Veranlagungen. Sich beschwatzen lassen, sich selbst beschwatzt. Seinem vermeintlich inneren Kompass nachgefolgt, - was sich aber für viele als ein massives Unglück heraus gestellt hat. Der Kompass hat einen womöglich in die falsche Richtung geführt, weil zu viel drum herum gelabert wurde, weil jemand unter Einfluss stand, weil sich jemand etwas einreden ließ. Man jagte einem falschen Phantom nach. Dies ist Jammern auf einem hohen Niveau, gewiss. Doch auch das ist relativ. Direkt und indirekt ist hier zu viel vom Ego die Rede. Die Umwelt mit allem Drum und Dran hatte ja auch etwas Entscheidendes dazu beizutragen, war mehr als ein wichtiger Faktor. Der Umwelt war man ausgeliefert. Die Menschen um einen herum übten Einfluss aus. Haha. Man müsste sich davon lösen können, darüber lachen können. Blöd nur, wenn man bemerkt, dass man der einzige ist, der da lacht.

Montag, 13. Januar 2025

Moral, Ethik und all das

Was mir aufstößt? Besonders im Bereich der veröffentlichten Meinung erscheint mir das Wort „moralisch“ blitzschnell diskreditiert zu sein… Dass etwas ethisch vertretbar sein könnte, scheint so weit außerhalb jeglicher wirtschaftlicher Betrachtung zu sein, dass es nur abfällige Missachtung verdient und gerne mal als „Sozialromantik“ oder „Geschwätz abgetan wird. Der „Wohlstand“ ist uns heilig, so erscheint mir einer jener Glaubenssatz dieser Gesellschaft zu sein, der natürlich „alternativlos“ scheint. „Natürlich wird‘s Leute geben, die durch‘s Raster fallen“ so höre ich auch immer wieder. Im multilateralen Bereich könnte es ja wohl auch so sein, dass ein ganzer Kontinent wie Afrika schon mal „durch‘s Raster“ fällt. Ob die, die „durch‘s Raster“ fallen, immer dieselben sein müssen, kommt mir dann aber doch wie eine ethische Frage vor, die von Wirtschaftsleuten zugelassen sein müsste und dringend erörtert werden müsste. Auch der Verdacht, das mit denen, die „durch‘s Raster fallen“, auch hierzulande mal wieder die „Kleinen Leute“ wie etwa Pfleger, LKW-Fahrer und Supermarktbedienstete gemeint sein könnten, erscheint im Lichte rein wirtschaftlicher Betrachtung nicht gar so abwegig. Auch scheint mir klar zu sein, dass Europa nach der Krise zerschlagen sein wird, nachdem es sich in lauter nationale Ego-Trips hat zurück fallen lassen und mit Solidarität wohl nicht allzuviel am Hut hatte. Dass aber der „Wohlstand“ mit einer internationalen Verzahnung, besonders im Bereich der EU, zu tun hat, scheint außerhalb dieser Betrachtung zu liegen. Dass hier unter anderem alte Klischees ihre Urständ‘ feiern, mag nicht nur an der derzeit grassierenden populistischen Offensive liegen, die doch alle Rechtgläubigen der demokratischen Kultur so intensiv und gerne mit Missachtung belegen.

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Hasenherz

Jimmy legte sein Lächeln nebst Gitarre beiseite und sagte geradeheraus durch die Glasscheibe: „Erkenne dich selbst, hat ein weiser alter Grieche einmal gesagt. Erkenn dich selbst. Was soll das wohl besagen, ihr Jungen und Mädchen? Es bedeutet: seid, was ihr seid, versucht nicht so zu sein wie Sally oder Johnny oder Fred von nebenan, seid ihr selbst. Gott will nicht, dass ein Baum ein Wasserfall ist oder eine Blume ein Stein. Gott gibt jedem von uns besondere Gaben.“ Janice und Rabbit werden unnatürlich still, sie sind beide Christen, der Name Gottes gibt ihnen ein Gefühl der Schuld. „Gott will, dass einige von uns Wissenschaftler werden, andere Künstler und wieder andere Feuerwehrleute oder Ärzte oder Trapezartisten. Und er gibt jedem von uns die Fähigkeiten, die dazu notwendig sind – vorausgesetzt wir trachten danach, diese Fähigkeiten zum Tragen zu bringen. Wir müssen arbeiten, Jungen und Mädchen. Und darum: Erkenne dich selbst. Lerne deine Gaben erkennen, und dann trachte, sie zu entwickeln, das ist der Weg zum Glücklichsein.“ (Hasenherz, John Updike)

Montag, 5. August 2024

Narziss

Selbstliebe? Steht unter Verdacht. Sollte bloß nicht auf Optimierung oder „Selbstoptimierung“ hinführen. Egoismus oder Narzissmus würden auch bedeuten, dass man das Ziel verfehlt hat. Doch wir bräuchten sie. Etwas davon. Hat etwas mit Selbstwert zu tun. Das hat nun wiederum etwas damit zu tun, welchen Anspruch wir an uns selbst haben. Diese beiden Größen scheinen voneinander abzuhängen. Selbstakzeptanz ist wohl auch wichtig.So wie man ist, sich anzunehmen. Mit allen Schwächen und Stärken. Lernen, damit zu leben, damit umzugehen. Selbstvertrauen ist wichtig. Zu wissen, was man kann. Seine Leistungen (?, Leistungsgesellschaft?) abrufen können, zum richtigen Zeitpunkt. Soziale Fähigkeiten haben: ein Netz um sich. Freundschaften pflegen. Kontakte. Mit solchen Leuten kann ich auch einüben, wie man mit anderen Leuten umgeht. Ob aber die Zahl der „Freunde“ in einem sozialen Netzwerk solche soziale Kompetenz und Fähigkeit zur Freundschaft anzeigt? Man kann mit Essen oder TV fehlende Freundschaft kompensieren, mit Drogen auch, mit Klamotten etc. Ach, wenn man nur „gesund“ und „normal“ wäre! x x Self-love? Is under suspicion. Just shouldn’t lead to optimization or “self-optimization”. Selfishness or narcissism would also mean missing the mark. But we need them. Some of that. Something to do with self-worth. This in turn has something to do with what demands we have on ourselves. These two quantities seem to depend on each other. Self-acceptance is probably also important. Accepting yourself as you are. With all weaknesses and strengths. Learn to live with it, deal with it. Self-confidence is important. Knowing what you can do. Being able to access your services (?, performance society?) at the right time. Have social skills: a network around you. Maintain friendships. Contacts. With people like that I can also practice how to deal with other people. But does the number of “friends” in a social network indicate such social competence and ability to form friendships? You can compensate for a lack of friendship with food or TV, with drugs, with clothes, etc. Oh, if only you were “healthy” and “normal”!

Freitag, 21. Juni 2024

Up up and Away

Man wacht morgens auf und es wird einem sofort die Ausweglosigkeit der Situation bewusst. Man geht Zeitungen und Schriften/Bücher durch, man lässt sich kreisen, Musik hellt einen auf und beschäftigt einen. Du entdeckst, dass du nicht mehr displayfähig bist, weil du dir ein solches Auto nicht leisten kannst. Du bist falsch abgebogen, du bist auf ein Nebengleis gefahren. Molvaers schwermütige Schlieren begleiten dich dabei. Du kommst aus bestem Hause und hast nichts draus gemacht. Alle Voraussetzungen gehabt. Jeder Tag führt jetzt hinein in ein „Sich-hinein-trülen“, in ein Nichtstun, in eine Passivität und etwas wie eine Klage darüber…..In ein teures Nachdenken über sich selbst…

Mittwoch, 19. Juni 2024

Selfmade

Bei meinen Musik-Produktionen habe ich alles selbst gespielt, entworfen, umgesetzt - früher sagte man „komponiert“ dazu. Dank des Stands der heutigen Technik ist das möglich. Ich entwarf dadurch eine Art akustisches Abbild meines Ego „in Motion“. Dazu verwendete ich bewusst und unbewusst auch die Mittel, die mir in 50 Jahren zugewachsen waren. Zb habe ich die gtr vor allem für Sounds eingesetzt, weniger für Soli. Mein Ego, mein Autismus – in Wirklichkeit ist es auch ein Abbild dessen, was mich umgeben und beeinflusst hat, welche Energien und Situationen auf mich eingewirkt haben. Subjektiv? Ja klar! Am Ende hat man nur sich selbst. Man ist auf sich selbst zurück geworfen und es ist eine Aufgabe, dadurch nicht allzu selbstbezüglich zu werden. Ich erinnere mich an viele Situationen, wie jemand eitel vorzeigt, wie gut er (natürlich solo!) Gitarre spielen könne. Dabei reproduzierte er die Phrasen und Wendungen, die jeder kennt und mit Rock identifiziert. Ich versuchte eines Tages das zu nehmen, was ich gelernt und mir angeeignet hatte, was ich konnte, was ich mir vorstellte. Ich versuchte, etwas Persönliches draus zu machen. x x In my music productions, I played, designed and implemented everything myself - in the past they used to say “composed”. Thanks to the current state of technology, this is possible. In doing so, I created a kind of acoustic image of my ego “in motion”. To do this, I consciously and unconsciously used the resources that I had acquired over 50 years. For example, I used the gtr primarily for sounds, less for solos. My ego, my autism - in reality it is also a reflection of what surrounded and influenced me, what energies and situations affected me. Subjective? Yes, of course! In the end you only have yourself. You are thrown back on yourself and it is a task not to become too self-referential. I remember many situations where someone vainly shows off how well they can play the guitar (solo, of course!). He reproduced the phrases and expressions that everyone knows. I tried one day to take what I had learned and acquired, what I could do, what I imagined. I tried to make it something personal.

Mittwoch, 5. Juni 2024

Luther, Geh Voran

Was wir von Martin Luther lernen können? Das Beharren auf uns selbst als Instanz, das konzentrierte Festhalten von Werten und Zielen, die man für sich und andere als wichtig erkannt hat. Das auch gegenüber vermeintlichen Autoritäten durchzusetzen, dafür zu stehen, durch Druck hindurch zu gehen, das zeichnet Juncker Jörgs Weg aus.Dass er darüber hinaus ein Kind seiner Zeit war, dass er auch Unsinn produzierte, wie etwa seinen Antisemitismus, ist unsäglich und jämmerlich, macht aber diesen Weg nicht aus. Das trotzige Beharren auf der von ihm erkannten Instanz, auf der Bibel, auf dem „Wort“, das freilich macht eine Strahlkraft dieser Figur aus. Aufs Heute übersetzen? Wir sind nicht nur dem ständigen Trommelfeuer von Manipulation und Werbung ausgesetzt. Wir sind Objekte geworden, Zahlen in einem Spiel um Rendite und Profit. Sich besinnen auf eigene Werte, nicht gegen und nicht für etwas, sondern in sich selbst geeicht, das könnte etwas Verlockendes sein. Dem Menschen sein Selbstbewusstsein zurück geben, das war auch das Vorhaben der fast zeitgleich stattfindenden Renaissance: Leonardo Da Vinci mag hier als herausragendes Subjekt genannt werden. Der Mann war nicht akademisch gebildet und hat doch der Menschheit Impulse gegeben, die ganz klar bis heute reichen. X x What can we learn from Martin Luther? The insistence on ourselves as an authority, the concentrated adherence to values and goals that we have recognized as important for ourselves and others. To enforce this even against supposed authorities, to stand up for it, to go through pressure, that is what distinguishes Juncker Jörg's path. The fact that he was also a child of his time, that he also produced nonsense, such as his anti-Semitism, is unspeakable and pathetic, but that doesn't make this path possible. The defiant insistence on the authority he recognized, on the Bible, on the “Word”, is of course what makes this figure so radiant. Translate to today? Not only are we subjected to the constant barrage of manipulation and advertising. We have become objects, numbers in a game of return and profit. Reflecting on your own values, not against or for something, but calibrated within yourself, that could be something tempting. Giving people back their self-confidence was also the aim of the Renaissance, which took place almost at the same time: Leonardo Da Vinci may be mentioned as an outstanding subject here. The man was not academically educated and yet he gave humanity impulses that clearly continue to this day.

Sonntag, 5. Mai 2024

Integrativ

Ich habe das Folgende in einem alten Tagebuch gefunden. Ich durchforste diese Fundstücke gelegentlich, um Spuren meiner Existenz zu finden, um zu wissen, was mir wichtig war und welche Ziele ich erreichen wollte. Wie mein jetziger „Ist-Zustand“ sich dazu verhält. Wer ich war und wer ich bin......dies könnte durchaus auch Impulse für andere Menschen bieten (Impulse!, nicht Aufforderung zur Kopie!) Obwohl es mir scheint, als hätten sich die gesellschaftlichen Koordinaten stark verändert (In Richtung auf "Selbstoptimierung", Egomanie, Egoismus, Narzissmus...) „Für viele Personen in meinem Umkreis ist es eine Aufgabe, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, als Person „reif“ und „erwachsen“ zu werden. Der naive Kinderglaube hat die Anziehungskraft der sentimentalen „Romantik“. Sich entwickeln, emanzipieren ohne diese Möglichkeit zu verlieren, sondern sie zu integrieren, ohne ihr ausgeliefert zu sein, das wäre ein Ziel von Individuation. Ich selbst sehe es wieder mal persönlich, als meine eigene „Unio mystica“ . Wieso ist sie so schwer zu verstehen, teilt das niemand? Wie verschieden die Menschen doch sind, und wie wenig Ahnung wir voneinander und „vom Leben“ haben. Ist's nur Flachsinn, mangelndes Interesse? Missverständnis? Was geschieht mit uns? Ist da dumpfes Mitlaufen? Es scheint die bequemste Möglichkeit zu sein, bei irgendwas irgendwie mitzumachen. Doch diese Fragen wollen erarbeitet, erlitten sein.Wer ist im Zeitalter des vordergründigen Hedonismus dazu bereit? Derjenige nur, der aufgrund seiner Veranlagung dazu prädestiniert ist? X x I found the following in an old diary. I occasionally sift through these finds to find traces of my existence, to know what was important to me and what goals I wanted to achieve. How my current “current state” relates to this. Who I was and who I am......this could certainly also provide impulses for other people (impulses!, not an invitation to copy!) Although it seems to me as if the social coordinates have changed significantly (in the direction of " self-optimization", egomania, selfishness, narcissism...) “For many people in my circle, becoming “mature” and “adult” as a person is a task, without them being aware of it. The naive belief of children has the appeal of sentimental “romance”. To develop and emancipate without losing this possibility, but to integrate it without being at the mercy of it, that would be a goal of individuation. I see it personally again, as my own “Unio mystica”. Why is she so difficult to understand? Doesn't anyone share that? How different people are and how little knowledge we have of each other and “of life”. Is it just nonsense, a lack of interest? Misunderstanding? What is happening to us? Is there a dull running along? It seems like the most convenient way to get involved in anything. But these questions need to be worked out and endured. Who is ready for this in the age of superficial hedonism? Only the one who is predestined to do so because of his disposition?

Freitag, 10. November 2023

Wie das damals war mit dem Zeitgeist

Wie das war, damals? Man nahm es wahr, aber nicht so richtig ernst. Dieses alternative Gewaber. Da gab es Vorzeigefiguren, da folgten Modelle. Sie schätzten Basisdemokratie und verabscheuten Hierarchien, ohne sich damit genauer zu befassen, mit den Funktionen, mit dem Für und Wider. Man sah Bürokratie und Technik grundsätzlich skeptisch. Nun, heutzutage drängt sich einem so manches mal der Eindruck auf, dies würde mit der Medien-Muttermilch inhaliert, dies sei gesetzt. Ach, wie viele Technikgläubige gab und gibt es um mich herum! Fernseher einschalten: dort geht es weiter. Manchmal denke ich, alle anderen befassen sich und lassen sich mit Bürokratie befassen. Sie wissen offenbar schnell, um was es geht. Ich nicht. Es galt, die Revolution in einem und mit einem voran zu treiben. Damals bevorzugte man das Spontane, Authentische faselte vom Ganzheitlichen. Es war gesetzt, basta. Genauso sind heutzutage ganz andere Dinge gesetzt. Es gab viele Aussteigerbetriebe, Wohngemeinschaften und Kommunen, in denen die Trennung der Hand- von der Kopfarbeit unbedingt aufzuheben war. Jawohl, es war aufzuheben, programmatisch, absolut, unbedingt. Außerdem, was für ein Graus!, bloß nicht fremdbestimmt oder konventionell leben! Manchmal war das ganz schön rigoros. Die „Gemeinschaft“ war ein hoch eingeschätzter Begriff, - und abends ging man in die Szenekneipe oder las etwas über antiautoritäre Erziehung. Unverfälscht sollte man sein, kreativ und bereit, experimentell zu leben, gefordert war die Treue zur eigenen, „inneren Natur“ und zum autonomen Selbst. Verboten war auch das Eingebunden sein in Apparaten und Routinen. Man selbst ließ es alles an sich vorbei, man ließ es gewähren und nahm es wahr, - mehr nicht. Man spürte den Zeitgeist, aber es gab noch diese Unverbindlichkeit im Leben. Man sah das locker und konnte sich das auch noch leisten. Man wollte etwas, man wollte alles. Nichts weniger als Freiheit und Gleichheit, Liebe und Sex: sofort, ohne jede Einschränkung. x x What was it like back then? It was noticed, but not really seriously. This alternate web. There were flagship figures, and models followed. They valued grass-roots democracy and detested hierarchies, without considering them in detail, with the functions, with the pros and cons. People were fundamentally skeptical about bureaucracy and technology. Well, nowadays one sometimes gets the impression that this is being inhaled with the media's mother's milk, that this is a given. Ah, how many believers in technology were and are around me! Turn on the TV: it continues there. Sometimes I think everyone else is dealing and being dealt with bureaucracy. You obviously know what's going on. Not me. It was necessary to advance the revolution in one and with one. Back then, people preferred the spontaneous, the authentic babbled about the holistic. It was set, basta. In the same way, completely different things are set today. There were many drop-out companies, flat-sharing communities and municipalities in which the separation of manual and brain work had to be abolished at all costs. Yes, it had to be abolished, programmatically, absolutely, absolutely. Also, what a horror! Don't live in a foreign or conventional way! Sometimes it was pretty rigorous. The "community" was a highly valued concept - and in the evenings one went to the trendy pub or read something about anti-authoritarian education. One should be genuine, creative and ready to live experimentally; loyalty to one's own "inner nature" and to the autonomous self was required. Being involved in machines and routines was also forbidden. You let it all pass you by, you let it happen and took it in - nothing more. You could feel the zeitgeist, but there was still this non-binding nature of life. It was easy to see and you could even afford it. You wanted something, you wanted everything. Nothing less than freedom and equality, love and sex: immediately, without any restrictions.

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Egoliberalismus

Es begegnen mir immer mehr Leute, die lassen die Realitäten an sich vorüber gleiten und fragen nur noch „Was bringt das für mich?“. Sie gehen ihrem eigenen, kleinen Ego nach – und nichts anderem. Meiner Ansicht nach ist das ein typischer Ausfluss eines Egoismus, von dem der Neoliberalismus lebt. Sehr viele Leute gehen nur noch ihren eigenen Interessen, ihrem eigenen Leben mitsamt seinen Zielen nach. Links und Rechts, geschweigeden das Ganze scheinen sie vollkommen aus dem Blickfeld verloren zu haben. Dadurch ist in der Vergangenheit auch die soziale Schere auseinander gegangen. Das Interesse, die Neugier und erst recht die Empathie haben im Allgemeinen stark nachgelassen. Es gibt kein „Ganzes“ mehr. Auch scheint mir die Passfrage ziemlich ausgehöhlt obsolet. Wer ist Deutscher? Die Herleitung ist mir völlig unklar... X x I'm meeting more and more people who let the realities slip by and just ask, "What's in it for me?" They pursue their own little ego – and nothing else. In my opinion, this is a typical manifestation of the egoism that neoliberalism thrives on. A lot of people only pursue their own interests, their own life and its goals. They seem to have completely lost sight of left and right, let alone the whole thing. As a result, the social gap has widened in the past. Interest, curiosity and especially empathy have generally decreased significantly. There is no “whole” anymore. The passport question also seems to me to be pretty hollowed out and obsolete. Who is German? The derivation is completely unclear to me.

Dienstag, 12. September 2023

Das ganz große Glück

Gibt es einen Verfall des Gemeinsinns? Gilt die Bedürfnisbefriedigung um jeden Preis? „Erfülle deine Wünsche, egal wer darunter leiden mag?“ Individuum: Er arbeitet hart, verdient gut und sieht seine Freundin, eine Modedesignerin, nur am Wochenende. Ob da Mitleid angesagt ist, wie zuletzt in Zeitungsbeiträgen zu lesen war. Arme Leistungsträger, arbeiten so viel und sind am Ende Buhmänner(Frauen?) der Nation? Ob es nicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für den Mittelstand gibt, dem es ja so schlecht geht und der auch nur für die Steuern arbeitet? Ist es da ein Wunder, wenn man auf Berater zur Vermeidung der Abgabenpflicht zurück greift? „Steuervermeidung“ als Zauberbegriff? Konsum, Fitness, Schönheit, sich selbst erschaffen (mit Schönheitsoperationen, aber auch im Fitnessstudio), ist das das Ideal der Selbstoptimierung? Selbstsucht bis zum Anschlag, Hedonismus, sich nehmen, was man braucht. Höher, schneller, weiter…. Das „goldene Selbst“, wie das mal ein Soziologe genannt hat? Radikale Ich-Bezogenheit, Egoismus als Grundfigur des Seins? Ellenbogen um jeden Preis? Selbstverwirklichung. Selbstoptimierung. Nun, das hat sich bereits realisiert. Isolierung und Werteverfall haben sich in der Orientierungslosigkeit der Informationsflut längst vollzogen. Sich selbst erschaffen, sein Selbst? Wenigstens an der Fassade arbeiten? Identität gewinnen? Mal sehen, was KI so bringt. Marktgängig sein. Jederzeit zur Verfügung stehen, selbständig, dynamisch. Beruf als Bestätigung des Egos. Dazu Networking nutzen, zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Besser aussehen. Sich durchsetzen. Ratgeber für das ganz große Glück zu Rate ziehen. Das Haus rocken. Ich-Kultur. x Is there a decay of community spirit? Does need satisfaction apply at all costs? "Accomplish your desires, no matter who may suffer?" Individual: He works hard, earns well and only sees his girlfriend, a fashion designer, on weekends. Whether there is compassion, as was recently read in newspaper articles. Poor achievers, work so much and end up being bogeymen (women?) of the nation? Isn't there a little more attention for the middle class, which is doing so badly and who only works for the taxes? Is it any wonder then, if one falls back on consultants to avoid tax liability? "Tax avoidance" as a magic term? Consumption, fitness, beauty, creating yourself (with cosmetic surgery, but also in the gym), is that the ideal of self-optimization? Selfishness to the max, hedonism, taking what you need. Higher faster further…. The "golden self", as a sociologist once called it? Radical self-centeredness, egoism as the basic figure of being? Elbows at all costs? self-realization. self-optimization. Well, that has already happened. Isolation and a decline in values have long since taken place in the disorientation of the flood of information. Create yourself, your self? At least work on the facade? gain identity? Let's see what AI brings. be marketable. Always available, independent, dynamic. Profession as confirmation of the ego. Use networking to do this, be in the right place at the right time. To look better. Prevail. Consult guides for great luck. rock the house, I Ego culture.

Freitag, 11. August 2023

Jeder ist sich selbst der Nächste?

Ob das in diese Zeit passt? Ist sowas überhaupt ein Kriterium? Hegel sagte „Ich ist nichts Besonderes, ich ist auch jeder andere...“ . Ob darin etwas liegt, dass wir uns immer wieder klar machen sollten: Dass nämlich das Ego nicht alles ist, dass es im Leben vielleicht nicht so sehr darum geht, sich selbst zu verwirklichen, sondern dass dieses Selbst in einem Zusammenhang mit allem steht, auch mit der Natur, die ja sowieso auf mannigfache Weise in uns ist. Sobald wir uns regen und spätestens, wenn wir etwas zu uns nehmen, treten wir in einen Austausch mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen. Wir sind ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil von uns. Da ruft ein Bekannter an und will uns einladen, mitschleppen zum Konzert einer Band, die er ganz besonders toll findet. Klar, er will uns etwas Gutes damit tun. Das fällt wohl jedem ein. Doch will er uns nicht auch ein bisschen das zeigen, uns bestenfalls überzeugen davon, was er für richtig und toll hält? Geht es um die psychische Unterstützung und Kräftigung eines anderen Egos, das im Besitz eines von ihm selbst so wahrgenommenen ganz besonderen Wissen ist? Dieses „Wissen“ kann ja auch einem kurzfristigen Spleen entspringen, einer der persönlichen Phase geschuldeten Befindlichkeit, einem Bedürfnis, das in diesem Falle durchaus nicht meines werden muss. Autismus? Egoismus? Egomanie? Okay. Der Neoliberalismus prägt uns, ohne dass wir das so wahrnehmen. Jeder scheint sich selbst der Nächste, flüstert uns unsere Umgebung zu. Ein klein wenig sollten wir aber auch unsere Umwelt im Auge behalten, von der wir abhängen, der wir zugetan sind oder nicht, mit der wir uns spirituell verbunden fühlen, als einem Teil unseres Selbst. Natürlich lebt es sich als Ego-Rammbock einfacher und materiell reicher. Doch innerlich reicher, - und dieser Wert wird im Laufe eines Lebens immer wichtiger, - lebt es sich mit offenen Augen und klarem Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen.