Reise durch Wirklichkeiten

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Mittwoch, 15. April 2026

Umgang sprachlich

Es heißt jetzt allenthalben „Schönen Guten Tag!“, „Schönen guten Morgen“…. d.h. der üblichen Grußformel wird das Wort „Schönen...“ vorangestellt, was den Haufen an floskelhaften Wortmüll zum Zwecke des sozialen „Schmiermittels“ noch größer macht. Wir sagen im Sport „wir“, insbesondere, wenn „wir“ die deutsche Fußballnationalmannschaft meinen, in der Folge sind aber auch andere Nationalmannschaften gemeint….. es wird ein „Wir“-Gefühl erzeugt, beschworen…...ob es ein nationales Gefühl ist, dass sich gerne in Fahnen, Standarten und Hymnen kleidet? Vom Sport kommt auch, dass jemand noch „Körner haben“ muss, d.h. körperliche Kraft, die er für sein sportliches Ziel einsetzen kann…..es hat jemand damit angefangen und alle (auch die scheinbar Intelligenten!) plärren das nach….. weil es ja offenbar so gut „ankommt“, weil es Anschaulichkeiten, Bedürfnisse benutzt, die das Publikum offenbar hat (oder die ihm zugeschrieben werden…).

Mittwoch, 17. September 2025

Herausforderungen

Wir sind Menschen, die Fehler machen, die begrenzte Wesen sind, die endliche Wesen sind, die nicht alles im Griff haben und manchmal nur probieren, solange, bis etwas klappt. Try and error. Der größte Fehler ist, zu glauben, man habe alles im Griff. Genau das scheint aber das Prinzip zu sein, nach dem die Gesellschaft lebt. Es scheint geradezu verboten zu sein, auf negative Entwicklungen, auf Fehlentwicklungen, auf Probleme und Missfunktionen aufmerksam zu machen. Wer will schon Spassbremse sein? Spielverderber? Es scheint ja für viele Menschen keine Probleme mehr zu geben, sondern nur noch Herausforderungen (die man lösen/erfüllen kann). Deshalb scheint dies Wort längst auch eine Art Modewort geworden zu sein, dessen sich der Zeitgeist bei nahezu jeder Talkshow bedient. Es triumphiert die Einstellung, dass alles irgendwie zu schaffen sei. Auch die diesem Geist entsprechende Ratgeberliteratur, die rät, negative Gedanken einfach abzuschütteln oder erst gar nicht zu denken, entspricht dieser Einstellung. Es scheint das verlogenste der verlogenen Lächeln über allem zu liegen. Ob die Wirklichkeit so ist, ob diese Aufforderung nicht einfach darauf abzielt, die hässliche Wirklichkeit mit allen unschönen Aspekten einfach zum Vorteil des Selbst zu verleugnen? Nicht an sich heran lassen? Ist die Welt wirklich so schön, für alle? Ob wir wissen sollten, was uns umgibt, wo wir leben? Es werden ganze Agenturen damit befasst, einen Drang zur Verschönerung, zur Behübschung der Wirklichkeit zu erzeugen. Die politischen und gesellschaftlichen Folgen solcher Einstellungen sind ganz besonders virulent. Ein prominenter Präsident pusht jetzt sogar nicht nur die Behübschung der Realität, sondern ihre vollkommene Leugnung, ihre Versenkung in dem, was wir nicht wollen. Blöd nur, dass sie von dorther immer wieder auftaucht und dass solche „Probleme“ so nicht zu lösen sind, auch wenn wir sie zuvor zu „Herausforderungen“ degeneriert haben.

Montag, 25. November 2024

Technokratensprech

„Durchwinken“ und „Paket schnüren“ sind offenbar Lieblingsausdrücke der Politiker in Berlin. Es kommt mir manchmal so vor, als würden manche von ihnen einfach nachplappern, was von ihrer Kaste für populär gehalten wird. Die ihnen zugetanen Journalisten liefern meist die ersten Stichworte dazu, sind also Zulieferer, Stichwortgeber. Dazu haben sie sich dann meist „comitted“ und das Ganze soll demnächst „ausgerollt“ werden (wozu ein möglichst bedeutungstragendes Gesicht gemacht wird...). Klar. Nun ja, sowas kommt eindeutig aus dem globalisierten Englisch, das aus verschiedenen Gründen auch schon mal besser dran war. Mal sehen, ob sich das Chinesische auch zu solchen denglisch-kühnen Verbiegungen eignet.

Sonntag, 27. Oktober 2024

Kurz und schnurz

Wie überrascht war ich damals, als ich lernen musste, dass es im Journalismus meist nicht darum geht, sich kurz, klar und präzise auszudrücken, sondern dass die hierarchisch abgestufte Zeilenschinderei und ausführliche Selbstdarstellung als probates Mittel gilt, - falls nicht ohnehin sich aus dem Layout ergebende Zeilenvorgaben einem „Untergebenen“ die Länge seines Artikels vorbestimmen. Dem zeitschindenden und selbstgefälligen Blabla war damals also Tür und Tor geöffnet. Die Qualität eines Journalisten wurde leider allzu oft nach seinem „Output“ bemessen, d.h. einer ausführlichen und mit Füllwörtern gespickten Schwafelei. Fremdworte waren zunächst einmal verbannt, gegen am Bearbeitungsgebiet orientierte Anglizismen oder Computersprache sprach allerdings nichts. Die einfließenden Erkenntnisse der Wissenschaft bedeuteten schon damals, dass es hauptsächlich darum gehe, die Aufmerksamkeit jedes Lesers in einem bestimmten Sinne zu (be)nutzen. Dies führte unter anderem dazu, dass gewisse Hierarchen endlos lange Artikel und Sprachpirouetten fabrizierten, um in alter bräsiger Bildungsbürgerlichkeit und selbstgewisser (Be)Deutungsgewissheit zu demonstrieren, wie gut (in ihrem Sinne) man doch mit Sprache umgehen könne und wie wichtig man selbst sei.

Samstag, 19. Oktober 2024

Meine Sprache

Was mir immer klarer wird: Sprache hat mit Identität zu tun, ist primäres Mittel unseres Ausdrucks. Ich habe da etwas in mir aufbewahrt, das ich manchmal wie ein Schatzkästlein öffne. Wie selten gewordene Edelsteine betrachte ich dann die Stücke, die zugunsten einer vermeintlich „hochdeutschen“ Sprache längst untergegangen sind. Ich hole sie heraus und staune, wie ich ihnen begegnet bin und wie sie Teil von mir geworden sind. Man hat uns mit Kampagnen wie „Wir können alles außer Hochdeutsch“ einzureden versucht, dass wir im Grunde unfähig zur Vereinheitlichung seien, ja, sogar zu dieser sprachlichen Wucherung des „Denglischen“ , zur Globalisierung, dem die Kampagne „The Länd“ entspricht. Für Vielfalt ist da angesichts solcher Einfalt kein Platz, die Austauschbarkeit der Dinge und Personen muss gewährleistet sein. Skalierung ahoi! Ob das so etwas wie „Identität“ radikal zuwider läuft? Standardisierung“ ist auf allen Gebieten angesagt, da wird auch das Individuum nicht verschont. Sprachlicher Reichtum ist da scheinbar nicht (mehr) gefragt. Mittlerweile gibt es Dialektfluencer und Folkloristen, die dem untergegangenen Sprachgut nicht nur nachtrauern, sondern auch krampfhaft seine Wiederbelebung betreiben. Es klingt dann in manchen Ohren lustig und herb, hinterwäldlerisch und rückständig. Das Einheitliche hingegen riecht nach globalem Fortschritt. Welche Risiken und Lächerlichkeiten das auch mit sich bringen mag, hat sich erst in letzter Zeit herum gesprochen.

Montag, 20. Mai 2024

Im Prozess

Immer wieder habe ich Kafka zu mir genommen, Aber in kleinen Portionen. Ich habe ihn „inhaliert“ und mich seiner Persönlichkeit versichert. Jüngst freilich habe ich beschlossen (vielleicht auch inspiriert durch seinen Todestag!) , den „Prozess“ wieder zu lesen. Wieso? Irgendwie schien mich das anlässlich eines obwaltenden Staatsgefühls und einer ungewissen Obrigkeit gegenüber, neu anzugehen. Etwas hüllt mich ein, das ich besser verstehen wollte. Da ist es ein Trost, dass so einer in der Vergangenheit existierte, der es genauso empfand. Ich fühle mich von allerlei latenten Zudringlichkeiten einer Institution Staat überzogen. Mein Gott, anderswo ist das viel schlimmer, ich weiß! Unsichtbar, aber wirksam. Ausgesetzt. Reguliert. Der „mündige“ Bürger ist nicht mehr angesagt. Man muss ihn vielmehr zu seinem Glück zwingen, so meinen manche Neo-Totalitäre. Experten treten nach vorne und wissen alles besser. Jeder auf seinem Gebiet. Eine riesige und trotz aller Beteuerungen immer weiter wachsende Bürokratie überwölbt das Ganze. Für alles gibt es ein Formular (oder mehrere). Selbst wenn ich unter Flatulenz leide, soll ich dafür ein Formular einreichen, das dann über einem schwebt, aber offenbar nie bearbeitet wird. Die Sprache, die Bezeichnungen und Ausdrücke werden manipuliert, so lange, bis „es passt“. Das Essen wird auf einige wünschenswerte Dinge eingeschränkt und anderes (das manchmal ganz schön viel Spass machen kann!) verteufelt, am besten wird das Bedürfnis auf das gelenkt, was als gesund und klimafreundlich gilt, alleine schon, weil dann die Krankenkasse für durch menschliche Unvernünftigkeiten herbei geführte Beschwerden nicht mehr so viel zahlen muss. Minderheiten werden tot geschwiegen, wobei die Bestimmer und Machthaber früher selbst einmal in der Minderheit waren. Es wird verboten und vorgeschrieben, nach Gesetzen, die die Machthaber bestimmen und als „vernünftig“ befunden haben. Dafür haben sie dann auch Formulare und Behörden, wofür ein horrendes Geld ausgegeben wird, während eine wachsende Zahl von Rentnern (diese Parasiten!) darben und die Tafeln sich eines nie da gewesenen Zuspruchs gegenüber sehen. Der Zufall ist etwas sehr gefährliches. Die daraus entstehenden Verhaltensweisen von Bürgern sehen nach außen wie bewusste Entscheidungen aus, sind aber von Unvernunft bestimmt. Und über allem wächst die Bürokratie immer weiter. Wie gut, dass ich Kafka an meiner Seite weiß! Förderungen, für die Formulare ausgefüllt werden müssen, werden nach seltsamen und kaum nachvollziehbaren Kriterien vergeben. Leicht anzunehmen, dass die im Einklang mit der herrschenden Politik stehen sollten. Freilich ist deren „Architektur“, deren inhaltliche Machart und Ausrichtung nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Sie wird zudem kaum erklärt. Was reicht: Sie ist „unfehlbar“. Basta. Es gibt Institutionen, die das Wohlverhalten der Bürger überprüfen und mit Strafen für diejenigen bedenken, die zunehmend digital zu verfolgen sind (Digitalisierung!!). Nicht nur deren Lobbyisten mit den amtlich aus dem Fernsehern grinsenden Gesichtern sind fortwährend bemüht, ihren Einfluss auszubauen.

Mittwoch, 29. November 2023

Sprachgebrauch

Es ist dieser Tage mal wieder viel davon die Rede, dass im Staatshaushalt „priorisiert“ werden müsse. Mir scheint dieser Wortgebrauch wieder einmal unsäglich typisch für einen bestimmten Fremdwortgebrauch, der viele Menschen aussschließen und die eigene Bildungsbeflissenheit betonen will. Auf diese Weise zeigt man, dass sich die eigene soziale Kaste so ausdrückt. Wieso kann niemand dieses Wort in einfachem Deutsch erklären? Verständlich für alle Menschen? Es geht doch auch darum, verschiedene Dinge anhand von Maßstäben zu ordnen, ihnen verschiedene Wichtigkeiten zuzuweisen. Auf diese Weise soll im aktuellen Fall gespart werden. Weniger geht es darum, Bildungsbarrieren aufzubauen oder sie keck sich abgrenzend vorzuzeigen. Mehr Leute in die eigene Ausdrucksweise einzubeziehen könnte doch auch demokratisches Bewusstsein beweisen. Oder?

Freitag, 7. Juli 2023

Populistisch faschistischer Furor

Man glaubt doch tatsächlich, eine Sehnsucht nach den einfachen Wahrheiten ausmachen zu können. Ja klar, je komplexer die Welt, desto…. Die Argumente kennen wir doch schon alle. Und doch bleibt einem nur das sich Wundern darüber, welchen Sinn sich gewisse Kreise auf gewisse Entwicklungen zurecht legen. Oft scheint mir das auf den Rückbau demokratischer Rechte hinaus zu laufen. Führerfiguren werden populärer. Es werden Lehrpläne umgestaltet, gewisse Lebensformen sollen verdammt und unsichtbar gemacht werden, Bücher ausgeschieden (in der Vergangenheit auch oft mal verbrannt), Texte, Theorien und Weltanschauungen werden verboten. Das Individuum wird immer universeller überwacht, ein bestimmtes Verhalten zum anzustrebenden Ideal erklärt. Das Lernen bekommt unter solchen Umständen etwas Zwiespältiges, Liberalität etwas, das zu überwinden sei. Wahrheit (was immer das ist…) wird durch systematische Lüge ersetzt, die Grenzen dazwischen verwischt. Sprache wird ummodeliert (ach, die „woken“!), „Neusprech“ ist angesagt, Kritisches untersagt, Bedeutungen verlieren sich, bis sich niemand mehr an etwas diese Bedeutung Bestimmendes erinnert, die von höherer Stelle bestimmte „Pornografie“ wird verboten, Rassismus wird das alles beherrschende Unwort, Pressefreiheit wird mit vollem Einverständnis des Volkes nicht mehr angestrebt, Kritik ist nicht erwünscht. Ob man so etwas auch als "totalitär" bezeichnen darf?

Mittwoch, 5. Juli 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Thomas Bernhard scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus wohl auch eitel und geil auf Anerkennungen war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Sonntag, 23. April 2023

Zielgerichtete Sprache

Wie überrascht war ich damals, als ich lernen musste, dass es im Journalismus meist nicht darum geht, sich kurz, klar und präzise auszudrücken, sondern dass die hierarchisch abgestufte Zeilenschinderei und ausführliche Selbstdarstellung als probates Mittel gilt, - falls nicht ohnehin sich aus dem Layout ergebende Zeilenvorgaben die Länge eines Artikels bestimmen. Dem zeitschindenden und selbstgefälligen Blabla war also Tür und Tor geöffnet. Die Qualität eines Journalisten wurde leider allzu oft nach seinem „Output“ bemessen, d.h. einer ausführlichen und mit Füllwörtern gespickten Schwafelei. Fremdworte waren zunächst einmal verbannt, gegen am Bearbeitungsgebiet orientierte Anglizismen oder Computersprache sprach allerdings nichts. Die einfließenden Erkenntnisse der Wissenschaft bedeuteten schon damals, dass es hauptsächlich darum gehe, die Aufmerksamkeit jedes Lesers in einem bestimmten Sinne zu (be)nutzen. Dies führte unter anderem dazu, dass gewisse Hierarchen endlos lange Artikel und Sprachpirouetten fabrizierten, um in alter bräsiger Bildungsbürgerlichkeit und selbstgewisser (Be)Deutungsgewissheit zu demonstrieren, wie gut man doch mit Sprache umgehen könne und wie unendlich wichtig man selbst sei. Das oberflächliche und mit "Keywords" gespickte Streifen von Inhalten war dabei wichtiger als das Verstehen. In anschließenden Konferenzen lobte man sich zu oft in voraus eilend beredter Unterwürfigkeit dann gegenseitig dafür, trug ein paar pro-forma-Kontroversen aus und übte sich einer Buckelei den Wichtigs gegenüber. Man pflegte ja auf diese Weise unter anderem jenes „Networking“, das für Journalisten gerade in Zeiten der Personaleinsparung und des Papiermangels so wichtig erscheint. Auch schien der Aufbau von Barrieren rund um die eigene Wahrnehmungsblase und Verstehenskaste, um die internen und gesellschaftlich heraus gehobenen „Versteher“ ein wichtiges Element. Manchen Journalisten scheint das aber auch nichts genutzt zu haben. Sie fielen trotz eines ausgewiesenen Status den „Rationalisierungen“ (d.h. Personaleinsparungen) zum Opfer, mochten sie noch so große und bedeutungsschwangere Artikel abgesondert haben.

Donnerstag, 12. Januar 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Er scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus auch eitel war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Samstag, 7. Januar 2023

Herausforderungen

Es wird eine der wichtigsten Herausforderungen sein, gewisse Herausforderungen anzunehmen und sich den richtigen Herausforderungen zu stellen. Mir fällt auf, dass die Floskel „Eine Herausforderung annehmen“ derzeit hoch im Kurs steht. Keine öffentliche Äußerung ohne diese Phrase, die wohl etwas mit der einerseits verschwindenden und andererseits hochgelobten Globalisierung und den damit verbundenen Mechanismen zu tun hat. Mit Kampf, sich durchsetzen in einem Gefecht und mit Verdrängung. Mit „Sich in Stellung bringen“. Mit sich stellen und auf den Angriff übergehen. Als sei's naturgegeben! Die Wendung hat sich eingeschlichen in unseren Sprachschatz, in unsere öffentliche Art der Verständigung untereinander. Alles und jedes bedeutet „eine Herausforderung“. In der Globalisierung scheint alles und jedes ein Kampf (egal ob Krampf!) und "Wettbewerb", die einem Aufgaben von außen stellt, die einen zu mehr Leistung provoziert und das unspezifische Wachstum fördern soll. Der Subtext (dahinter oder darunter verborgene Bortschaft) lautet dabei womöglich, dass nur so „unser Wohlstand“ zu halten sei. Überall der beste, der Weltmeister sein. Trotz des Krieges. Oder im globalen Krieg jeder gegen jeden, in dem es gelte (so die pusselige Botschaft!), sich „unter zu haken“. So die ausgegebene, doppeldeutig ambivalente Parole. Es hat hier in Deutschland leider schon einmal eine Idiologie gegeben, die von ähnlichen Floskeln ausging und dabei verheerende Ergebnisse gezeitigt hat. So schleicht sich eine speziell und von interessierten Kreisen aufgeladene Redewendung unterirdisch ins Bewusstsein, um als ein kollektiver Glaubenssatz zu werden. Als Beförderungskanal solcher sprachlicher Zuspitzung erscheinen oft die öffentlichen Medien, in denen sich die Mächtigen in all ihrer von ihren „Untergebenen“ angebeteten Macht inszenieren. Es bedeutet wahrlich eine „Herausforderung“, so etwas massenhaft nachvollziehen zu können.

Donnerstag, 6. Oktober 2022

Bildungshierarchen

Da quillt unsäglich blödes Zeugs aus dem Fernseher, während sich Kultur- und Kultushierarchen in dicken 8- und 12-Zylinder-Limousinen zu ihren Sitzungen fahren lassen. Man erinnert sich indessen an Reportagen über den Verfall von Schulen, von Fenstern, die nicht mehr geöffnet werden können und von Platten, die vom der Decke fallen. Welche Worte man in letzter Zeit weniger hört und liest: „disruptiv“, „Dysotopisch“ Ein paar Worte, die man oft oder dauernd hört: „Narrativ“, „geframed“…. Man hatte Umgang mit den „unteren Schichten“ der Bevölkerung und musste staunend vernehmen, wie da über die Bedeutung von Worten geraten wurde: „Senior vice president“, „gecanceled“, „Gendersprache“…..“Lerninfrastruktur“ wer kann mir das erklären? Mir wurde auch angesichts dessen wieder bewusst, wie abgehoben sich jene Bildungsfunktionär(innen) verhalten, die sich zu teuren Sitzungen treffen, bei denen oft nichts anderes heraus kommt, als kaputte Schulen. Ich werde indessen gefragt, was das Wort „digital“ bedeute (was bedeutet „W-LAN!?) und denke mir, dass der völlig daneben gegangene Digitalunterricht in bedrängten Corona-Zeiten da eine deutliche Sprache spricht. Ob diese Kulturhierarchen überhaupt eine Ahnung davon haben, dass alleine schon die Sprache (Bildungs-)barrieren schaffen kann? Ob sie irgendeinen Kontakt mit denen pflegen, deren Bildungsentwicklung sie zu befördern vorgeben („Bildung schafft Lebenschancen“)? In Baden-Württemberg werden Lehrer(innen) während der Sommerpause entlassen, um im Herbst wieder welche einzustellen? Ist das okay?

Mittwoch, 17. November 2021

Narrativ

 Immer häufiger reden Personen des öffentlichen Lebens von „der Erzählung“ oder „dem Narrativ“ das jetzt endlich in „den Diskurs“ eingeführt werden solle. Modeworte. Mir scheint, dass dies ein Bedürfnis nach einem größeren Zusammenhang signalisiert, nach dem, was Firmen und Unternehmen gerne als ihre „Philosophie“ bezeichnen und was auf eine Art von degenerierter Stufe von einigen meist unverbindlichen Grundüberzeugungen hindeutet. Es besteht offenbar ein Bedarf an Eingebettetsein in allgemeine Regeln, die im öffentlichen Leben anscheinend allzu sehr in den Hintergrund geraten sind. Dass jetzt freilich im Ringen um solche „Narrative“ lächerliche Patzer passieren, dass das Wort an tausend Stellen benutzt wird, passt zu dem Bild, das uns auf einen vernachlässigten Umgang mit solchen Begriffen deutet. Es herrschte wohl allzu sehr der Alltagspragmatismus, der sich von Lösung zu Lösung, von Tag zu Tag wurstelt, ohne ein Ziel erkennen zu lassen. Allerlei künstliche Konstruktionen, die sich meist an einer Rhetorik der Kurse und Workshops orientieren, sollen hier wohl Abhilfe schaffen.

Dienstag, 5. Oktober 2021

Zeichen

 

Ich mag Worte und Wortfetzen, Formatierungen, die Einstellungen, Lebens- und Sinnwelten offenlegen und auch verfremdet sein können (z.b. Amtssprache, Fußballersprache, Leistungssport, Akademiker, Bildungssprache usw.). Ich interessiere mich für kurze Einlassungen, Phrasen und Wortklischees, die typisch sind, die etwas charakterisieren, die wie Chiffren wirken, für eine Richtung, für einen Zusammenhang. Da sind auch Spezialsprachen, Kürzel und Gefühlsausbrüche, die bezeichnend sind. Ich sehe genauer hin und versuche, einen Sinn zu erschließen, die Formierungen und Deformierungen zu erkennen, denen wir alle ausgesetzt sind und die wir nahezu unbewusst in den Bereich der Sprache übernommen haben. Dies mag oft grotesk und absurd wirken, ist aber nicht immer lustig.

Freitag, 23. Juli 2021

Sprachachtsamkeit

Ob wir nicht manchmal aus der Haut fahren sollten? Jemanden anbrüllen? Es gibt wohl Argumente dafür. Genauso viel Argumente scheint es für achtsamen Umgang miteinander zu geben, für Rücksicht und Empathie. Ob das eine das andere ausschließt? Vielleicht ist ja die harte Meinung, das klare Benennen von schlechten Zielen an die Adresse derjenigen angezeigt, die vorgeben „gestalten“ zu wollen und damit „Macht ausüben“ meinen. Vielleicht ist hier auch manchmal Zorn angesagt. Denn diese Personen wollen ja letztendlich auch Macht über uns ausüben, wir sind durchaus persönlich betroffen. Zudem soll die Spache „gereinigt“ werden. Per Order de Mufti sollen neben Genderbemühungen und anderem auch Ausdrücke wie „Milchmädchenrechnung“ oder „Not am Mann“ getilgt werden. Dass es bei der Sprache immer um gemeinte Bedeutung geht und nicht nur um die Dominanz, die durch ihren Gebrauch ausgeht, das wird hier im scheinbar pädagogischen Ehrgeiz ignoriert. „Keine generischen Maskulina“ mehr, keine Diskriminierungen mehr, die etwa die Unterschiede zwischen Menschen betonen könnten. Ob es bald eine Sprachpolizei geben wird? Ob sie für jede Situation die Wendung „Das kann ich verstehen“ empfehlen wird?

Sonntag, 4. Juli 2021

Sport als Ritual der Korruption

Auf zur Rennstunde! Es geht ums Bergtrikot. Es sind noch 75 Minuten zu gehen, es werden die langen Bälle gechipt und geschlenzt, weil eine unheimliche Drucksituation herrscht. Unsere Jungs sind bei 100%, aber das reicht nicht: Wir müssen mehr beißen. Erstaunlich, wie sehr ein ganzer Jargon, eine Art eigener Sprache mit eigenen Ausdrücken in eine eigene Welt führt, in der dauernd irgendein Werbezug, ein Marketingapell oder ein Firmenname das Bild auch noch der harmlosesten Presskonferenz ziert, in der meist nichtssagende Statements von den sogenannten Sportjournalisten hingebungsvoll nachgebetet werden. Diese sind ohnehin mit den Akteuren auch öffentlich immer per Du und konkurrieren gegenseitig mit ihrem Grad der Vertrautheit den „Stars“ gegenüber, die in einer eigenen Hätschelwelt leben und deren Wünsche von ihrer Umwelt immer schon im Voraus von den Multimillionärslippen abgelesen werden. Allein schon der Sprachgebrauch: WIR spielen heute mit einer Fünferkette, so dass wir effektiver „von hinten raus“ spielen können. Jeder diskutiert mit, jeder ist einer jener „Experten“, die zum Geschäft gehörend bei der Übertragung von Fußballspielen als Durchblicker immer beliebter zu werden scheinen und die die Distanz zwischen Publikum und Stars verringern sollen, indem sie irgendwelchen Insiderquatsch verbreiten. Natürlich neigten Menschen immer schon zum Wettbewerb, in dem es den besseren zu finden galt. Aber dieser competetive Drive heute, der in ein Milliardengeschäft gemündet ist, in dem Menschenrechte ganz entgegen der öffentlich beteuerten Slogans so gar nichts und das zu verdienende Geld alles zu gelten scheint? Das maßlose Stars zu gebären scheint, die in ihren Millionen geldmäßig ersaufen? Ob das in einem mit Projektionen von Gemeinschaft und Identifikation geprägten Geschäft noch möglich ist, in der jetzigen historischen Phase, in der einige Funktionäre ihre Korruptheit mehr als schamlos gezeigt haben und in der alte Träume von „11 Freunde“ und „zusammenstehen“ noch einmal gegen großes Geld verkauft und per TV vervielfältigt werden? Die ersten „Fans“ wenden sich ab, die Schamlosigkeit einiger Akteure scheint Zweifel unter denen erregt zu haben, deren direkte oder indirekte finanzielle Kräfte dieses Geschäft zu lenken scheint? Mir scheint hier ein Wandel im Gange, über dessen Dynamik sich noch viele wundern werden.

Dienstag, 16. März 2021

Die "Ausroller"

Mal wieder nervt mich, dass demnächst mal wieder eine Maßnahme „ausgerollt werden“ soll (Engl.: "To roll out"). Dafür solle „das Mindset“ stimmen, darin immerhin hätten sie "commited". Wer? Egal. Jedenfalls solange das "backing" und "tracking" im setting okay sei, "on the whole" natürlich und nicht gerade an "gebrauchten" Tagen. Ob dazu das "Blame Game" zwischen Bund und Ländern gehört? Die Sportreporter hecheln währenddessen etwas davon, das es noch „10 Minuten zu gehen“ sein soll und dass beim "Umschaltspiel" mehr in "die Box" gespielt werden solle. Anglizismen sind in dieser Hinsicht wie Viren: Sie scheinen aus Gründen der Globalisierung überall einzudringen. Transportriehmen sind zu oft die Journalisten, die nicht auf dem Plan haben, dass ein wachsender Anteil der Bevölkerung solch einen Slang gar nicht versteht. Zudem ist dauernd die Rede davon, dass bestimmte Personen oder Personenkreise "liefern" sollten. Ob da der Merkantilismus zu stark durchgeschlagen hat? Die Globalisierung? In welchem Verhältnis steht sie dazu?

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Launchtime

Jetzt muss mal endlich mal eine neue Seite, eine Homepage „gelauncht“ werden. Doch da durchzuckt eine Mitteilung den Bildschirm: „Bitte warten, während das Problem von Windows an Microsoft übermittelt wird“.
Selbst ehemalige Dichterfürsten befleißigen sich solchen Sprachgebrauchs und geben sich zeitgemäß. Es ist dann auch gerne von „Quality-Time“, „Selfness“, "Life Work Balance" und VIP-Qualitäten die Rede: ganz wichtig!, so muss es sein! den "Tipping Point" erreichen, den "Break through" schaffen, den "Break even point" sopwieso.....
Hauptsache, wir shiften und sind online. „Alles beginnt mit dem Glauben an sich selbst“: Eine kleine Alltagsweisheit ist da schnell nachgeschoben und schon ist man zum abseitigen Kackhorst gemacht.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Pakete durchwinken


„Durchwinken“ und „Paket schnüren“ sind offenbar die derzeitigen Lieblingsausdrücke der Politiker. Es kommt mir manchmal so vor, als würden manche von ihnen einfach nachplappern, was von ihrer Kaste für populär gehalten wird. Die ihnen zugetanen Journalisten liefern meist die ersten Stichworte dazu, sind also Zulieferer. Dazu haben sie sich dann meist „comitted“ und das Ganze soll demnächst „ausgerollt“ werden (wozu ein möglichst bedeutungstragendes Gesicht gemacht wird...). Klar. Nun ja, sowas kommt eindeutig aus dem globalisierten Englisch, das aus verschiedenen Gründen auch schon mal besser dran war. Mal sehen, ob sich das Chinesische auch zu solchen denglisch-kühnen Verbiegungen eignet.