Reise durch Wirklichkeiten

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Dienstag, 16. Juni 2026

Sprung in die Zukunft

Sprung in die Zukunft Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Roboter? Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Leistungsprinzip. Elitär. Äquivalenzprinzip. Was ist das noch wert? Oder? Es…. Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen. Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen uns und das Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen neu zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf damit finden. Manifestationsmeister. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Der Kompass wird sichtbar. Ein Thema wird wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden. So könnte es sein.

Dienstag, 12. Mai 2026

Narziss beim Blick in den See

Populistische Allerweltsprediger im Geiste ihres schamlos vorgeführten Narzissmus verkaufen auf dem Meinungsmarkt kranke Sonderinteressen ohne jegliche Rücksicht als „gesunden Menschenverstand“. Meinungsfreiheit kommt in deren Sinn als peinliche Comic-Nummer, als Vorwand für eigene Eingebildetheiten und schamlose Rohheiten rüber. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Der Zeitgeist auch? Inwiefern betrifft es ihn? Was ist da jener Schaum auf der Welle, der uns hin und her wirft? Der uns verunsichern könnte, wenn wir anfangen, nachzudenken? Es wird alles locker lächelnd wegmoderiert, in „Normalität“ eingeebnet, im TV, im Internet, im gedruckten Wort. Es wird abgestiegen und aufgestiegen in der Liga. So etwas beherrscht das Bewusstsein. Alles ruht in allem. Nichts ist unmöglich.

Dienstag, 22. Juli 2025

Morgendamen

So mondäne wie kumpelige Damen beschwören in ihren TV-Sendungen korrekt alltägliche Einstellungen, führen Interviews und geben für „richtiges“ Verhalten korrekte Modelle vor, preisen ein an Nachhaltigkeit, „Normalem“ und an Klimakrise angepasstes alternatives „wokes“ Verhalten mit Tipps und praktisch kundigen Tricks. Gleichzeitig geben sie, diese öffentlichen Fauen, in den sozialen Medien mit ihren Übersee-Reisen in Paradiese und finanziell gut ausgepolsterten sowie romantisch aufgeblasenen Besuchen von smarten Wellnessgegebenheiten und organisierten Abenteuern an. In Folklorismen eingehüllt geben sie ihr sanftmütiges Lächeln und die Hauptrolle in ihrem Urlaubsfilm. Sie sind einfach easy sexy schön für Männer und geben in ihrem Hochglanzprospekt - sofern sie sich etwas absetzen wollen - nicht mal damit an, weil sie der Typ „apart“ sind. Das wäre dann doch zu…..

Mittwoch, 12. Februar 2025

Gesundheit und Krankheit

Es geht mir immer wieder in verschiedener Form durch den Kopf. Ja, als ich damals von jetzt auf nachher krank geworden war. Als das entdeckt und erkannt wurde: die Operation war daraufhin schon für den Morgen des nächsten Tages angesetzt. Alles ging rasend schnell. Als sie alle versuchten, dir Mut zuzusprechen: "Wird schon wieder....". Plötzlich warst du Opfer, sahst dich einer Macht gegenüber, die ihre Pranken nach dir ausgestreckt hatte. Nichts davon gewusst. Und jetzt lagst du plötzlich in einem typischen Krankenhauszimmer. Hilfe, wie bin ich hierher gekommen? Plötzlich ein Ausgestoßener sein, in dieser Gesellschaft der Sorglosen: wie funktioniert das? Immerhin waren die Ärzte auf meiner Seite und die Pfleger auch. Der Notstand war noch nicht so ausgeprägt wie heute. Ich war ja froh gewesen über den Besuch, den so viele mir abstatteten. Aber da war immer wieder diese Erfahrung: die Anderen und Du. Diese Trennlinie. Sie kamen, um dich zu bedauern, sie kamen von außen, sie verstärkten dein Gefühl, in dir selbst gefangen, alleine zu sein….. Sie schlossen die Türe von außen und du warst sehr alleine mit dem Blick aus dem Fenster… dabei schienen sie keine Ahnung zu haben, wie zerbrechlich diese Trennlinie zwischen den "Normalen" und "Unnormalen", zwischen den Gesunden und Kranken ist. Verdammt, wer hat mich hier angenagelt? Die Pfleger schenkten dir tatsächlich ein bisschen Menschlichkeit, wir sprachen miteinander und du denkst gerne an sie zurück … Sie machten ihre Sache mehr als gut. Du hattest diese Krankheit, die die meisten noch heute nicht einmal auszusprechen wagten und die damals noch als nahezu unheilbar galt. Igitt! Du warst einerseits aufgehoben in den vielen Besuchen, die freilich letztlich alle unverbindlich waren. Sie waren alle froh, wenn sie die Türe von außen zumachen konnten und sie zu „den Anderen“ gehörten… Du warst damals noch recht gut „vernetzt“…. Die Freundesclique hatte sich inzwischen aufgelöst.... Du hattest damals auch noch nicht die Brüchigkeit solcher „Freundesbünde“ erfahren.

Dienstag, 5. November 2024

Schön oder was?

Dies hier gleicht eher einer Stoffsammlung zu einer Frage, die mich nicht unmittelbar zu betreffen scheint, die es dann aber auf verschiedene Arten doch tut. Ich kombiniere damit Aussagen in TV-Sendungen mit Gedanken und Notizen, die ich mir gemacht habe. Ich kann sie nicht in ein eindeutiges Raster bringen, eine Haltung oder Meinung. Ausgangspunkt ist das, was man immer hört: Menschen, die als schön gelten, haben es im Leben durchweg einfacher, haben Vorteile. Sie verdienen mehr, haben bessere Noten, ernten geringere Strafen, kommen in den Genuss einer besseren Gesundheitsversorgung – nur so als Beispiel. Es scheint eine Art Ungleichbehandlung aufgrund des Aussehens zu geben. Gleich wird fehlende Disziplin für „ungehöriges“ und nicht den gängigen Idealen entsprechendes Dicksein verantwortlich gemacht. Dies scheint sich eine ganze Industrie zunutze zu machen. Es scheint „Normkörper“ zu geben. Das, an dem sich scheinbar alles misst. Daraus folgt ein fortwährendes „Du musst, musst, musst…“. Es gilt, sich diesem (sozialen) Druck strategisch anzupassen. Es geht darum, „etwas an sich machen zu lassen“, Korrekturen im Gesicht und an anderen Stellen des Körpers. Freilich wird so etwas immer intensiver im Laufe der Alterung. Es gilt, ein Erscheinungsbild zu designen. Es wird einem damit versprochen, dass man sich auf diese Weise jünger fühle. Angepasster einem Schönheitsdruck. Dass man weniger auffalle. Körper sind also eine Art Rohstoff der Selbstoptimierung. Wo fängt das an und wo hört es auf? Lackierte Fingernägel, geschminktes Äußeres - was gilt dafür? Inwiefern ist das selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Diversity, wie ernst sind solche Parolen, wenn sogar Barbie-Puppen dies aufnehmen und sich bezahlen lassen? Neue Normalität schafft neuen Druck. Ob es sich in einen Gegentrend einreiht, der Inklusion, „Body Positivity“ und Diversität verspricht? Ob man sich solche „Verstöße“ leisten können muss? Welche Rolle spielt überhaupt die Frage, ob man sich Schönheitsoperationen leisten kann? Ob Menschen in Armut zu leben gezwungen sind? Es dadurch gar nicht bezahlen können, den Körper zurichten zu lassen. Ein Markt muss bedient, ein Produkt gekauft werden. Es geht ja auch darum, dass grundlegende menschliche Prozesse (wie das Altern) gegen entsprechendes Entgelt geleugnet werden können. Wo steht in diesem Zusammenhang der Ekel vor allem, was aus dem Körper kommt (wie zb. Haare, Flüssigkeiten). Geht es in einer Ebene darunter darum, wie weit man sich vom Tier entfernt? Es ist ja so, dass dies alles lange Zeit Frauen zugeschrieben wurde. Doch nun kommt immer mehr Druck Männern gegenüber auf. Eine mächtige Konsumgruppe will da erobert werden. Sehr viel wird in diesem Zusammenhang mit der Gesundheit verhandelt. Ob da nicht Fragen der Identität dahinter stehen? Man ist, der man ist? Zunächst einmal ist jeder ein Körper und hat einen Körper. Die Zuschreibung der individuellen Selbstverantwortung scheint der Doktrin des Neoliberalismus zu entsprechen. Das Äußere (die Verpackung) scheint oft genug den Wert eines Menschen zu bestimmen.

Dienstag, 2. Januar 2024

Hässlich

Ich versuche auch die alltäglichen Aspekte und allerlei Hässlichkeiten in meine Bilder (meiner Welt) mit einbeziehen. Weiterhin den genauen Blick in andere (Micro-)Welten, die uns nah (aber ausgeblendet) sind. Ich versuche, ihnen Aspekte abzugewinnen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass diese Welten oft nah und fern zugleich sind. Wir sehen das, was wir wollen, also gerade das, was nicht „hässlich“ ist, weil wir auf diese Weise das Hässlich Abstoßende vermeiden wollen). Es geht auch darum, in die Realität zu sehen, sie etwas besser zu erkennen, womöglich neue Ansichten darüber zu gewinnen, was denn hässlich überhaupt sei. Ein kleiner Blick in das, was „Kunst genannt wird, scheint uns zu bestätigen: Das Hässliche ist neben dem Schönen ganz selbstverständlich eine eigene ästhetische Kategorie geworden. Für mich bedeutet das Hässliche oft genug eine Abkehr von jenem Gefälligen, das die Werbeindustrie und die mit ihr verbandelten Agenten für ihre Zwecke zu missbrauchen versuchen.

Sonntag, 17. Dezember 2023

Gewohnheiten

Wir wollen.... Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt...und handelt dann wieder ganz anders...aus Gewohnheiten heraus. Aber vielleicht können wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen, können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um einen herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Frei von größeren akuten Schmerzen sein, das deutet auf ein gewisses Maß an Gesundheit hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt sah und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten. Wer das an engen Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert. Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo in uns selbst zu empfinden, mag die Wirkung verstärken. Daraus Kraft zu beziehen, auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir uns durchringen, sofern das geht.....

Montag, 25. September 2023

Gesundheit

Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die unterbezahlt gestressten sowie viel zu wenigen Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab (es wird einem gesagt, anders gehe das nicht, sonst gehe man kaputt…) und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl. x It's a completely asymmetrical communication situation in the hospital: the so-called patient may suddenly be torn out of everything he takes for granted and his everyday normality. The underpaid, stressed and far too few nurses and carers, on the other hand, experience this every day, for them the patient is one among many, he symbolizes everyday life. A transit position, so to speak. His face changes, but he always seems to be the same. From the patient's point of view, however, everything is unique. The faces of his carers are like that too. He may have found himself in an absolute hopelessness, a uniqueness that can even lead to death if things go badly, the worst uniqueness that can happen to you.... However, nurses and caregivers appear to him as representatives of “normality”, of “life outside”. You are beyond the wall that suddenly opens up between you and "the others" (the seemingly "healthy"). And indeed, she, the orderlies and nurses switch off very quickly after work (you are told that there is no other way, otherwise you will break...) and are completely outside of this closed world of the hospital again, in which completely different relationships and dependencies also apply. Yes, the patient is also dependent on his sisters and nurses in many respects. He is at their mercy. This creates a familiarity that isn't, however, as soon as another situation arises. A strange feeling.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Perspektivwechsel

Abseits der aktuellen Probleme hatte ich diese Erfahrungen gemacht: Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.

Dienstag, 21. Februar 2023

Gesundheit und Krankheit

Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht habe: Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die unterbezahlt gestressten Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab (es wird einem gesagt, anders gehe das nicht…) und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.

Mittwoch, 11. Januar 2023

Tour d' horizon

Ich schaue hinaus und herum und bin entgeistert: Eine Gesellschaft, für die der soziale Zusammenhalt und Solidarität mal Werte waren, hat sich - ohne es selbst zu bemerken (ein Effekt, über den die Soziologie Aufklärung leisten kann...) - vollkommen entsolidarisiert. Alleinige Werte sind in dieser Gesellschaft „Competition“ und Geld/Profit. Ein Kanzler hantiert großzügig mit Begriffen aus der Welt der Comics und verwendet gerne mal Parolen aus der Fußball-Welt, Schulden werden als „Sondervermögen“ ausgegeben und im Halbdunkel (in dem man ja so gut wie nichts nachweisen kann, was im „Rechtsstaat ja soooo wichtig ist) werden anscheinend Geldkoffer übergeben. Ehemalige Parteivorsitzende oder Kanzler-Kandidaten beraten Schlächter und Großbanken, um sodann mit großer Impertinenz in Talkshows aufzutreten. Sie alle verweisen darauf, dass es das Volk und dessen Wirtschaft nicht anders gewollt hätten, sie fühlen und geben sich rundum legitimiert. Intendanten fahren in achtzylindrigen und hochpreisigen Limousinen mit Massage-Sesseln durch die Landschaft, werden offenbar unter dem Verdacht der Korruption (bloß, was ist das unter solchen Verhältnissen?) festgesetzt und durch Vertretungen ersetzt, die dieselben Gepflogenheiten pflegen. Die Mitglieder der Parlamente werden immer mehr, ihre „Teilnehmerzahl“ quillt über. Viele Leute wissen nicht, wie sie mit ihrer Rente leben oder noch essen können, während andere es im Überfluss haben und auf große Kreuzfahrt gehen. Währenddessen redetet eine wohlbestallte „Expertin“ davon, dass das Renteneintrittsalter dringend herauf gesetzt (zu empfehlen wäre ein Blick auf die europäischen Nachbarn…) werden müsse. Die Regierung verteilt indessen Wohltaten: jeder bekommt dieselbe Energiepreispauschale, obwohl versprochen wird, dass nur die unterstützt werden sollen, „die es auch dringend brauchen“.

Dienstag, 23. August 2022

Substanzloses Nichtwissen in Talkshows

Es gab eine Zeit, da waren Linksliberale angesagt. Wo? In den Medien. Tolerant sein, ironisch, postmodern, offen….. all das. Man war geneigt, dies nicht dem Zeitgeist, sondern zeitlos gültigen Werten zuzuordnen. War man sodann aber in den Medien einmal als linksliberales Aushängeschild entdeckt und für eine gewisse Einstellung identifiziert, war man plötzlich überall präsent, stellte sein Gesicht bei jeder TV-Talkshow vor, gewann auch mit dem Aufblase von Luftnummern die Aufmerksamkeit der Medienmacher. Darauf mag auch der bis heute anhaltende Umstand zurück gehen, dass meist dieselben Gesichter in denselben Talkshows ihren steilen Auftritt haben. Irgendwann fragte sich der einfache Zuschauer dann, worauf ein solcher Bekanntheitsgrad bei den Medien beruhe. Nun, gewisse Anschauungen mochten mir nahelegen: Akademische Titel und scheinbare Reputationen gehen zu oft auf Beziehungen zurück, neudeutsch „Networking“ genannt, und haben gar nichts mit dem Fach oder wissenschaftlichen Leistungen zu tun. Ein bisschen Labern und das Erwecken einer scheinbaren Empathie bei maßgeblichen Personen (oft "Entscheider" genannt) schien stets zu reichen, um sodann in eine Denkfabrik einzurücken, die Talkshows zu „schmücken“ und von nun an noch viel höhere Honorare für ein beredtes Nichtstun für substanzloses Nichtswissen zu kassieren.

Donnerstag, 18. August 2022

Normalitäten

Es gibt wohl Sinn- und Lebenswelten, die sich trotz des Kriegs speziell in den Industrienationen immer mehr ausdifferenzieren. Da sind Zeichen, Rituale, Verhaltensweisen und Bezüglichkeiten, mit denen wir uns jeden Tag dieser Realität wieder versichern und die uns (Vorsicht! Modebegriff!!) Narrative verschaffen. Ein Rapper aus der sozialen Unterschicht geht mit seinen „Gewissheiten“ durch seine Welt, ein Konzernlenker badet in der Selbstverständlichkeit, dass ihm seine Mitmenschen alltäglich alle jederzeit gefügig seien und dass seine Limousine samt dem mit einer lächerlichen Uniform angetanen Chauffeur jederzeit bereit stehen. Im Kopf wägt er dauernd Strategien ab, sich gegen Mitwettbewerber "durchzusetzen". Ein Internet-Nerd in den frühen Zwanzigern macht in seiner Agentur auf Selbstausbeutung und kündigt schon mal an, dass heute bis nach 24 Uhr gearbeitet werde. Der Auftrag! Der Druck! Ein fremdes Müssen! Eine Leidenschaft für eine Leistung, deren Lohn andere kontrollieren, das ist es, was einen hier umgibt! Ein Bauer bringt seinen Mist aus und ein Fabrikarbeiter schafft am Band, möglicherweise ohne sich suchen zu können. Das System sagt ihm tausendendmal: Du musst dankbar sein, dass du überhaupt arbeiten darfst, auch wenn dringend Facharbeiter gesucht sind: DU bist nicht darunter! Ein Rechtsanwalt im weißen Hemd gibt seiner Gehilfin schon am frühen Morgen einen Arschtritt, um siefür ihren fremdbestimmten Tag anzufeuern. Alle sind sie legitimiert durch dieses gesellschaftliche Einverständnis, das sich als möglichst „normal“, gottgegeben und unveränderlich darstellt, weil durch eine erbrachte Leistung legitimiert. Dabei ist auch das gesamte Kommunikationssystem eingeschlossen, das unter anderem Tribalismus und allerlei Verhaltensmodelle umfasst. Die Folge: Einer versteht den andern nicht mehr. Es differenziert sich die menschliche Formation nach sozialer Herkunft und Alter aus, was übrigens auf verschiedenen Wegen mit der sogenannten „Bildung“ zusammenhängt. Was das sei, auch darüber gibt’s inzwischen sehr verschiedene Ansichten. Rein technokratisches Einordnen in die Verwertungszusammenhänge (also möglichst ein Ingenieur sein, weil dieser etwas Verwertbares „schafft“!) und ökonomischenBedeutsamkeiten läuft so etwas wie einer „Menschwerdung“ entgegen. Sie hat ihre Wurzeln möglicherweise im Humanismus, der davon ausging, dass der Mensch seine verschiedenen Seiten möglichst zur Blüte bringen solle und sich dadurch erfahren könne. Star sein, prominent sein, das hingegen resultiert aus purer emotionaler Erfahrung. Aus Leistungselite" Ein Nobelpreisträger ist nichts, eine Art Influencerin oder It-Girl, das in einer Fernsehsendung etwas vor sich hin trällert, ein Rennfahrer, der eine spritverschleudernde Kiste möglichst schnell im Kreis fahren kann, werden gefeiert und vergöttert. Von wem? Von "den Anderen". Sie lechzen nach "Siegern" in einem fortwährenden Wettbewerb. "Powered by emotion"Das allumfassende Band einer solchen Gesellschaft ist nur noch und ausschließlich die fortwährende Kosten/Nutzen-Abwägung, die sich am Profit orientiert. Wie kann ich bei möglichst geringem Aufwand ein möglichst effektives Ergebnis erzielen? Die Möglichkeiten des Profites und die des Überlebens sind zudem ganz wesentlich und von vornherein geographisch differenziert. Wer aus der mitteleoropäischen Region stammt, hat Glück gehabt. Wer in Afrika geboren wurde, hat seine liebe Müh, über die Runden zu kommen.

Mittwoch, 15. Juni 2022

Spezialsportsprache

Ich beobachte mit steigender Verwunderung, wie sich in unserer Gesellschaft „Spezialsprachen“ entwickeln und welches Phänomen zb. die Sportsprache abgibt (hier scheint es nicht in erster Linie um soziale Abgrenzung zu gehen. Sondern um so etwas wie „ populäre Ausweitung“), Ich beobachte, wie sich da jene Selbstverständlichkeiten des Verstehens entwickeln, die bedeuten: „man muss den Jargon/Slang/das Zeichensystem beherrschen, um dazu zu gehören“. Die also eine soziale Funktion haben. Es kennzeichnet dies offenbar eine Art sozialer Eingangshürde, - bei Sportlersprache freilich ohne jene Wertschöpfungskonsequenz, die den „Erfolgreichen“ oder den fest Bestallten vorbehalten ist. Der Sport z.b. erscheint mir in zunehmendem Maße von der zunehmend korrupten Funktionärsschicht und die sie umgebende Schicht der Ex-Sportler beherrscht zu sein, die, wenn sie überhaupt die Notwendigkeit von Vermittlung zulässt, in TV-Sendungen und deren Talkshows mit jenen Kürzeln um sich wirft, die nur „Eingeweihte“ verstehen und die das Bewusstsein einer sozialen Schicht scheinbar entstehen lassen.

Dienstag, 10. Mai 2022

Werde, der du bist

Wir werden unserer menschlichen Identität nur sicherer, wenn wir auch im Gegensatz zur vorherrschenden positiven Einschätzung der „Gegenwart“ (Sie mag im nächsten Moment schon vergangen sein) die Vergangenheit studieren und daraus lernen können. Welchen Weg wir schon gegangen sind, um zum jetzigen Zustand unseres Selbst zu gelangen. Was habe ich aus diesen Erfahrungen gelernt? Ging es mir viel zu wenig ums Lernen? Wo bin ich voran gekommen? "Voran", - in welche Richtung? Welche Inspirationen gab es? Was hat sich in mir festgehakt? Was hat mich behindert? Hat es mich beeinflusst? Wie? Was? Welche Wege bin ich in meinem Leben gegangen, wird da aus heutiger Sicht eine Richtung erkennbar? Wie kann es sein, dass ich jetzt gerade derselbe bin – und doch nicht derselbe? Irgendwie geworden. Ein Anderer? Oder derselbe? Wie habe ich die Dinge um mich herum zu verstehen versucht? Und bin dadurch aus mir heraus gekommen? Kann ich das am Heutigen spiegeln? Was sind die Wege, welche Umgebungen sind in mir mit was verbunden? Gebe ich mir das zu - oder gehe ich diesem „Lebe ganz in der Gegenwart“, diesem Gebot der hedonistischen Gegenwartssucher nach? Ist die Gegenwart, unser Existieren für mich nicht vielmehr ein Wunder? In das man hinein geworfen wurde, ohne es wirklich zu verstehen? Ich bin nicht bereit, scheinbare Selbstverständlichkeiten als solche in mich aufzunehmen. Das scheint eine Essenz in mir zu sein, ein roter Faden. Überhaupt, ich würde jetzt gerne mehr rote Fäden erkennen an mir. Ich weiß aber auch, dass ich mich und meinen „freien Willen“ gespiegelt habe an Orten, an Verhältnissen, die damit verbunden waren und die mich beeinflusst haben, mit denen ich irgendwie zurecht kommen musste. Ich hatte versucht, zu funktionieren, hatte dies aber nicht so recht fertig gebracht. Erwartungen verfehlt. Ich war zur Seite nach allen Richtungen ausgebrochen, es war wohl in mir angelegt. Dem zu folgen, mag ein Fehler gewesen sein. Ich kann das von heute aus besser erkennen. Ich habe registriert, wie mich Leute rechts und links überholt haben, wie viel sie schneller waren - aber nicht unbedingt besser.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Hot, very Hot

 Schon erstaunlich, was wie und auf welchem Wege inzwischen in die bundesdeutsche Wirklichkeit eingewandert ist und dort als „normal“ gilt. Ich rufe eine Hotline an, muss erst mal über meine Tastatur wählen, was ich (nach Standardabfragen gestaffelt) will, muss dann erst mal von easy-listening-Musik begleitet lange warten (meine Zeit!), bis überhaupt jemand auf der anderen Seite reagiert. Diejenige oder derjenige stellt sich dann aber als völlig inkompetent heraus und kann auf jemand, der wie ich sich schon mit der Materie beschäftigt hat, wenig ausreichend reagieren. Man solle sich wenden an, man solle den und den anrufen, man solle…. ob diese Hotline nicht dafür eingerichtet wurde, um mir zu helfen? Sie scheint völlig ungenügend und weitgehend nach Kriterien der Personalkosten besetzt zu sein. Gewisse Firmen scheinen sich genau das leisten zu wollen, weil sie auf keinerlei Protesteinstellung ihrer „Kunden“ setzen. Es wird hingenommen, akzeptiert, es werden falsche Lösungen praktiziert, es wird versucht (während man auf indirekten Wege von gravierenden Frustrationen erfährt....), es wird sich nicht gewehrt.

Montag, 11. Oktober 2021

Ego-Integration - reloaded

Ich stoße auf erstaunliche Verständnislosigkeit meinen Reisen in meine eigene Vergangenheit gegenüber. Es wird für Nostalgie gehalten. Dabei sollte doch alleine schon mein Interesse für die gegenwärtige Situation dieser jeweiligen Kommunen, dieser Punkte in dieser Welt für ihren „Sitz in der Welt“, stutzig machen und relativieren. Möglicherweise will ich etwas in mich „heimholen“, was einst zu selbstverständlich im Strudel der Zeit vorüber ging. Man lebte damit, versuchte, damit zurecht zu kommen, sich zu arrangieren, es zu gestalten. Es umgab einen wie ein Kokon der Selbstverständlichkeit und der „Normalität“. Dabei freilich hat es einen auch beeinflusst......auf verschiedene Weisen.......Wäre man an einem anderen Ort unter anderen Verhältnissen aufgewachsen, wäre man womöglich ein anderer geworden. Ich suche nach dem „göttlichen Funken“, der Substanz des Ich..… so schrieb ich 2012 in einer Besprechung eines Joe-Jackson-Konzerts „Nein, der Mann ist nicht senil-sentimental geworden, er will ja seine Vergangenheit nicht einfach zurückholen. Heimholen will er sie, nach all diesen Rollenwechseln, nach diesen künstlerischen Häutungen der vergangenen zwanzig Jahre, in seine Persönlichkeit neu integrieren will er sie, das spürt jeder.“ Vielleicht auch so einer.

Sonntag, 18. Juli 2021

Werden, geworden

Ob man bereits ein "alter weißer Mann" geworden ist und sich dafür verlachen lassen muss? Man könnte davon berichten, wie man mit seinem Kadaver durch die Welt kommt, wie man sich fragt, was Ich ist, was das Ego sein könnte, was man erreicht hat und was nicht, man könnte Zwischen- und Endbilanzen ziehen, das Scheitern beschreiben, auch anhand von Bildern eines hoffnungsvoll in die Welt hinausblickenden Individuums, den Ausgangspunkt umkreisen (das Spiel heißt „Zurück zum Ausgangspunkt"), als man jung war (das ist relativ), man ist GEWORDEN, ohne dass man dauernd Ballast aus der Vergangenheit mit sich herumtragen und verarbeiten müsste, man könnte heute aus größerer Entfernung sehen und erkennen, in welcher Umwelt man aufgewachsen ist, was einem vermittelt wurde, was man wie selbstverständlich als "Normalität" übernommen hat.....

Montag, 19. April 2021

Gewohnheiten

Über Gewohnheiten zu schreiben, ist nicht gerade sexy, - ich weiß. Auf der Universität hieß es, Dinge wissenschaftlich zu betrachten, hieße, das Ungewöhnliche am Gewöhnlichen und das Unalltägliche am Alltäglichen heraus zu arbeiten. Dinge systematisieren - und all das. Ein Problem scheint mir aber zu sein, dass wir das Gewohnte viel zu sehr gewohnt sind. Gerade weil Gewohnheiten Teil des Alltags sind, kommen wir nicht auf die Idee, sie zu analysieren. Handlungen scheinen ganz und gar natürlich geworden zu sein, sie scheinen in das Unbewusste übergegangen zu sein und danach aus ihm zu kommen, um uns das Handeln aus der Macht des Faktischen und der „Normalität“ heraus zu diktieren. Durch Wiederholung und körperliches Gefühl scheinen sie das geworden zu sein, als was sie dann erscheinen. Sie sind in Fleisch und Blut übergegangen, in die Nebel dessen, was unser Handeln unbewusst zwischen Trieben und Vergangenheiten bestimmt.

Samstag, 6. März 2021

Wer man ist......

Wer wir sind? Wir lassen uns zu einem Werden aus der Vergangenheit heraus inspirieren und sollen begreifen, dass wir eine bestimmte Person waren und jetzt noch sind. Gleichzeitig fühlen wir uns als jemand anderes, der zurück blickt. Wir leben ein Paradoxon und sollen es aushalten. Wer will das? Hat uns das übermäßige Grübeln überkommen? Uns überschwemmen bestimmte Bewusstseinsinhalte, denen wir mutig entgegen treten sollen: Wir leben nur in der Gegenwart! Lebe hier und jetzt!, so der überall ausgegebene Wahlspruch. Wie oft habe ich diesen Spruch gehört. Ich glaube, man kann in der Gegenwart leben und trotzdem akzeptieren, dass man so wie jetzt geworden ist, dass alles auch aus einer Folge von Zufällen entstanden sein könnte. . Dass man hinein geschlittert ist in eine Gegenwart, die man vielleicht erst viel später besser begreift. Aus gelassener Position. Mit Abstand. Man darf sich wundern: bin das ich oder war das ich? Der Mensch ist wohl, mag er ein noch so marottenhaft individualistischer Einzelgänger sein, ein soziales Wesen und als solcher bestimmten Verhältnissen ausgeliefert. Will man sich begreifen, einem Selbst näher kommen, sollte man sich wohl auch von seiner Vergangenheit samt den damit verbundenen sozialen Verhältnissen inspirieren lassen, ohne daran mit einem „Früher-war-alles-besser“-Gefühl kleben zu bleiben. Vielleicht geht es darum, das ganze Gebilde, das man selbst darstellt, besser zu begreifen, sich seiner selbst bewusst zu werden, oder zumindest versuchen, sich seiner selbst anzunähern, es herein zu holen in das, was man aktuell darstellt. Das scheinbar Selbstverständliche auflösen in etwas, über das man sich wundern kann. Ihm die Sphäre des Selbstverständlichen nehmen, das zu akzeptieren man damals verurteilt war.