Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 11. November 2024

Unruhe

„Ich zögere bei allem, oft ohne zu wissen, warum. Wie oft suche ich – als mir eigene gerade Linie, indem ich sie im Geiste als die ideal gerade Linie voraus setze – die weniger kurze Entfernung zwischen zwei Punkten. Nie besaß ich die Kunst, im Leben tatkräftig zu sein. Mir missglückten immer die Handlungen, die niemand missglücken; was die Andern zu tun geboren waren, das bemühte ich mich stets gezwungenermaßen zu tun. Ich wünsche immer zu erreichen, was die Andern fast ohne es zu wünschen erreichen“ (Fernando Pessoa, Buch der Unruhe)

Donnerstag, 24. September 2020

Wissen und Tun (2)

Man kann von etwas überzeugt sein und bereit, zur Lösung eines Problems beizutragen. Wir meinen das dann sehr ernst und sind ergriffen, betroffen. Zwei Stunden später geht das Leben im Alltag aber weiter und wir steigen ins Auto, um irgendwohin zu kommen, Konferenzen rufen uns, - was soll man auf die Schnelle da noch essen? Nun gut, da liegt doch dieses Fast-Food-Restaurant so günstig am Weg! Dieses eine Mal esse ich etwas, was ich eigentlich nicht essen sollte! Nur dieses Mal! Da sind Lebensumstände, in die wir uns hinein gezwungen fühlen. Doch das wird angesichts des Klimawandels und des Zustands unserer Natur nicht mehr gehen. Die Politik ist nun dringend aufgerufen, andere Bedingungen zu schaffen - im Namen der Vernunft zu überleben (nicht im Drang, sich alles bequemer, leichter, angenehmer oder schneller zu machen). Angesichts der neu aufgekommenen Despoten und autokratischen Herrscher in dieser Welt mag uns da so mancher Zweifel am Überlebenswillen der Menschheit kommen.

Mittwoch, 23. September 2020

Wissen und tun

Wir sollten etwas tun - und tun etwas anderes. Handeln und tun – ein seltsames Gegensatzpaar, das in unserem Alltag eine große Rolle zu spielen scheint. Wohlstand und die Pflicht, als Species zu überleben. Was dem Verstand widerspricht, ist uns zu oft recht als alltägliche Handlung. Das Wort, das gerade jetzt, in Pandemiezeiten, Konjunktur hat, ist „Wohlstand“. Wohlstand bedeutet auch Macht, das andere bedeutet Verzicht und zunächst auch mehr Abstand vom bequemen Genuss. Klimakatstrophe? Davon in allen Facetten zu wissen und danach zu handeln bedeuten offenbar unterschiedliche Dinge. Wir müssten das anders in uns hinein bekommen. Internalisieren. Wir als Menschen hätten nach unserem Selbstverständnis die Wahl. Trotzdem steigen wir ins Auto, fressen Fleisch oder tun andere schädliche Dinge. Auch ist da ein Systemzusammenhang, - wir sind diesem Falle in dem immer penetranter werdenden Widerspruch zwischen Stadt und Land. Klar kann ich in der Großstadt locker auf ein Auto verzichten. Fahrrad? E-Mobilität? Alles wunderbar. Auf dem Land ist das schon viel schwieriger….
Da sind diejenigen, die uns einen Fortschritt in Richtung auf das Ziel in technologischer Hinsicht versprechen. Die richtige App, das richtige System, usw. Doch das, was diese Art von technologischen Fortschritt immer getrieben hat, war die Profitmaximierung. Ob das in dieser Hinsicht weitgehend ausfällt? Ob da nicht auch ein anderer Antrieb hinzu kommen müsste? Klar, wir wären gezwungen zu verschiedenen Dingen. Ob diese aber mehr Gewinn versprechen würden?
Ob wir nicht in materielle Zusammenhänge gestellt sind, die uns gewisse Alternativen verbieten und die uns umweltschädliches Verhalten nahe legen? Gewiss, eine Art „oberer Mittelstand“ (u.a. Lehrer, Softwarespezialisten und andere Technokraten) hat die finanziellen Voraussetzungen, um sich richtig zu verhalten. Im Bio-Laden einkaufen. Vegan leben ohne großen Verzicht. „Noch schnell die Welt retten“: Solche Leute können sich das vorgaukeln. Sie verfügen auch über Ressourcen, um sich richtig zu verhalten. Doch es gibt auch die weitgehend unsichtbare Klasse der Prekären, die mehr schlecht als recht vor allem von Transfers lebt und die über keinerlei Beweglichkeit verfügt, um besser zu leben. Da bedeutet überleben, die billigen Sachen zu kaufen. Und die sind von „Discountern“ meist sehr ungünstig verpackt, so dass sie eine wahre Plastikflut auslösen. Immer noch. Daran hat sich nicht viel geändert.