Reise durch Wirklichkeiten

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Dienstag, 16. September 2025

Bubble Trouble

Dies hier habe ich als Notiz gefunden in meinem Chaos. Es beleuchtet eine „Grundüberzeugung“, wenn es das gibt. Nach der ich auch zu handeln versuche. Ich nehme hiermit auch die Diskussion auf, die zuletzt in Deutschland herrschte. Menschen halten sich in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft in verschiedenen (Lebens-)Welten auf, bevorzugen verschiedene Stile in mancherlei Lebensfragen, sind unterschiedlich geprägt durch verschiedene Milieus oder Herkunft. Daran knüpft sich oft ein Ethos, das es zu verstehen gilt. Sich hinein arbeiten zu wollen, etwas davon erkennen zu wollen, sich selbst auf etwas anderes einzulassen, andere Zusammenhänge zu begreifen, könnte etwas wertvolles sein, was mit „Empathie“ zu tun hat. Da aber im Zeitalter des Neoliberalismus jeder für sein persönliches Glück für selbst verantwortlich erklärt wird, da jegliche Zielrichtung „Solidarität“ insofern verpönt und negativ belegt scheint, bewegt sich diese Gesellschaft immer mehr in Polarisierung, Vereinzelung und Desolidarisierung. Das Bewusstsein, für etwas Gemeinsames verantwortlich zu sein, schwindet. Überhaupt schwindet das Bewusstsein, trotz aller Individualisierung auch mit den Social Medias einem Kollektiven ausgeliefert zu sein. Verständnis füreinander schwindet, auch wenn kurz- und mittelfristige Entwicklungen dem nicht zu entsprechen scheinen. Sich ein Stück weit auf andere Lebenswelten zuzubewegen, seinen Horizont über die gewohnte „Bubble“ hinaus zu erweitern, dazu will und wollte ich andere Menschen ermuntern. Es ist dies auch durch meinen früheren Beruf, die damit verknüpften Erfahrungen und durch meine frühere Ausbildung inspiriert. Aber auch durch darüber hinaus gehende Erkenntnisse und Erfahrungen eher persönlicher Art. Neugierig auf „das Andere“ sein, sich selbst damit erweitern, andere Möglichkeiten des Daseins erwägen (auch für sich selbst), sich mitfühlend empathisch statt competetiv zu verhalten.

Freitag, 5. September 2025

Vorwärts

Es tat weh: Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen und großen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Das kannst du dir nicht leisten. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Von deinen „Kollegen“ dorthin beordert. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Derjenige, der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Ob der Begriff instrumentalisiert wird? Schon oft instrumentalisiert wurde? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter und in bestimmter Autorschaft berühmt gewordener Spruch unter Politikern, an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade jetzt, im Rahmen einer rigide steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode? Man spricht jetzt viel über „Lieferketten“)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr „der Betrieb“. Bist ein unfähiger Einzelner. „Der Betrieb“ ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. „Der Betrieb“, dass sind doch die Kaufleute, die Manager, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und wird Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein “Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können treibt viele aus dem „Wir“. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Wurdest locker abgeschoben. Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Donnerstag, 4. November 2021

Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten

 Diese Gesellschaft löst sich auch hierzulande durch arbeitsteilige Prozesse und Globalisierungsbestrebungen „in der Wirtschaft“ immer mehr auf: in Untergesellschaften, in Wahrnehmungsblasen und Lebenswelten, die nichts voneinander wissen und zwischen denen Gleichgültigkeit herrscht (was nicht gerade einem wie auch immer begründeten „Zusammenhalt“ förderlich ist. Sie wird bis hinein in kleinste Interaktionen dadurch bestimmt. Jeder hat seine Funktion in der Lieferkette und wird streng nach dem Preis bemessen. Zum Beispiel „Soziales“: Der Staat soll machen und tun, dafür zahlen wir hierzulande schließlich Steuern (die immanente Drohung der „Steueroptimierung“ ist da gleich mitgedacht…). Persönliches Engagement geht trotz der aus Pandemiezeiten so vielbeschworenen „Solidarität“ verloren gegangen zu sein. Sozialstaat bedeutet, das man ein Recht auf etwas hat und nicht auf Almosen angewiesen ist. Da ist zum Beispiel die US-amerikanische Gesellschaft eine andere: es gibt wenig soziale Bemühungen, jeder ist seines Glückes Schmied. Für Almosen sind die „Charities“ zuständig, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Good Will-Bemühungen, die auch hierzulande durch den Rückzug des Staates aus seinen Aufgaben immer mehr einreißen, so, wie übrigens alles, was aus den USA kommt, bis hin zu den vielen SUVs kopiert wird. Dass die Einnahmen aus Charity-Veranstaltungen nach Gutdünken der Initiatoren und reichen Spender ausgegeben werden sollen, ist hier immer auch mitgedacht. Alles andere wird von einem Teil der US-Bevölkerung als „Sozialismus“ abgetan. Der Staat oder gar der „Sozialstaat“ ist streng verpönt.

Mittwoch, 9. März 2016

Prominenz und Solidarität

Mich regt das langsam auf, wenn Prominente und Mediengehätschelte „ihrer Solidarität“ Ausdruck geben. Sie sind es, die in keiner Konkurrenz um Wohnraum oder Arbeitsplätze stehen. Sie behaupten, es ginge diesem Land so gut wie nie zuvor – und meinen doch nur sich selbst. Mit sozialen Abgründen scheinen sie wenig zu tun zu haben. Mit sozialen Verwerfungen und einer steigenden Zahl von Armen: das ist nicht ihre Welt, das kommt offen zum Ausdruck. Sie sind abgeschottet in ihrer Prominenz. Die Polarisierung der deutschen Gesellschaft ist voran geschritten, ohne dass es diesen grinsenden Gutgehern so richtig bewusst geworden ist. Man kann inzwischen durchaus von Skepsis erfült sein, ohne gleich eine Nazi oder Rechtsaußen zu sein. Man kann die gegenwärtige Krise als eine Art Auswuchs einer allgemeineren Krise des Sozialen und der Sichtbarkeit einzelner Probleme deuten. Man kann sich bewusst sein, dass es letztenendes ums Geld und um die Pfründe gewisser Leute geht. Man kann diejenigen, die das zur Sprache bringen, wenn auch erkennbar aus wahlkampftaktischen Gründen, sehr wohl ernst nehmen. Weil man mit brutaler Härte gezwungen ist, die eigene Lage und deren materiellen Folgen ernst zu nehmen.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Paritätische Wohlfahrt

Ich lese, dass der Paritätische Wohlfahrtsverband in Gestalt seines Verbandspräsidenten Ulrich Schneider der Bundesregierung Tricksereien bei der Festlegung der Hartz 4-Sätze vorgeworfen haben soll. Ich weiß natürlich und kriege das öpfter mit, dass der Satz nirgendwo hinreicht und die Menschen möglichst klein macht, - trotz „fordern und fördern“. Es ist natürlich dies auch eine Folge der gewaltigen Distanz von Lebenswelten. Auf der einen Seite wohlbestallte Politiker, die sich vom schlecht und unterbezahlten Fahrdienst von einem Ort zum andern fahren lassen und eine Aura der Macht um sich verbreiten. Auf der anderen Seite der kleine Hartz4-Empfänger, der sein Fahrrad sattelt, um unter Mitnahme von möglichst wenig Gepäck halbwegs schadlos irgendwohin zu kommen (Regen? Winter? Eis?...). Der Politiker hat ein Heer von Assistenten und anderen willfährigen Kofferträgern um sich, denen er stets dominant voraus geht und das ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest. Der „Hartzer“ muss sich um jeden Scheis selbst kümmern und verbringt einen guten Teil seiner Zeit damit, Sonderangebote wahrzunehmen oder sonstwie zum günstigsten Angebot in unserer Angebotsorientierten Gesellschaft zu kommen. Natürlich schaut er „Unterschichtenfernsehen“, gelegentlich lässt er aber auch eine Dokumentation nicht aus, die etwas mit seiner Lebenswelt zu tun hat. Im Grunde sind sie beide Menschen, der Hartzer und der Politiker, doch ihre Lebens- und Sinnwelt trennt sie ganz entscheidend in Oben und Unten. Dass man auf diese Bahn einer fiktiven Gleichheit einbiegen kann, weil Konzerne das auf Kosten des Staates so wollen, kommt den Politikern nur dann in den Sinn, wenn es das Wahlkampfkonzept erlaubt. Darüber sind auch für Politmanager Hartzer nur „Kostenfaktoren“, Teil eines brachliegenden Humankapitals, das man irgendwie halt im Griff behalten will, indem man es mit tausend Kniffen austrickst.
Das Bundessozialministerium widersprach jüngst der Darstellung des Verbands und betonte die Rechtmäßigkeit der Berechnungsgrundlage, die sogar vom Verfassungsgericht überprüft worden war. Seit der Neuberechnung 2011 werden die Regelsätze unter Berücksichtigung von Inflation und Nettolohnentwicklung jedes Jahr angepasst. Schneider forderte Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) auf, diese Praxis aus der Zeit der Vorgängerregierung zu korrigieren. "Es ist schon mehr als enttäuschend, dass auch Frau Nahles diese Tricksereien übernimmt, gehörte sie doch vor ihrer Berufung zur Arbeitsministerin zu den Hauptkritikerinnen der Methoden ihrer Vorgängerin", kritisierte Schneider. Das von Nahles geführte Sozialministerium verwies auf Anfrage auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Jahr: Darin hätten die Karlsruher Richter das Berechnungsmodell bestätigt und dem Gesetzgeber ausdrücklich einen "Entscheidungsspielraum" bei der Einschätzung des notwendigen Bedarfs zuerkannt, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Die Vorgaben des Gerichts würden auch bei den künftigen Bedarfsermittlungen berücksichtigt. Das Bundesverfassungsgericht hatte im September 2014 die Berechnungsgrundlagen für die Regelsätze als "derzeit noch" verfassungsgemäß eingestuft. Das Gericht hatte den Gesetzgeber aber auch aufgefordert, einzelne Leistungen auch schon vor der anstehenden Neuermittlung des Regelsatzes anzupassen.

Donnerstag, 6. August 2015

Arm und Reich today (3)

Die Reichen werden immer reicher. Die Armen werden immer ärmer. Das ist mittlerweile oft zu hören, - natürlich ohne Konsequenzen. Als Klischee und Floskel. Obwohl weniger Leute arbeitslos sind, ist die Verteilung innerhalb der Gesellschaft einseitiger geworden. Dahinter stehen Bedingungen, die beispielsweise Billigjobs und mehrere gleichzeitige Jobs erlauben, wie es etwa in den USA schon längere Zeit der Fall ist. Wir in Deutschland haben nach den USA inzwischen den zweitgrößten Niedriglohnsektor der Industrieländer, was mit den Arbeitsmarktreformen „Agenda 2010“ zu tun hat. Es gibt danach vielfältige Möglichkeiten, Billigjobs aneinander zu reihen, sie aufzuteilen, und unter enormem Druck in Hartz 4 zu fallen (bei der früheren Arbeitsplatzhilfe war der Druck nicht so groß). Das heißt: Obwohl es am Arbeitsmarkt aufwärts geht, profitieren nicht alle im gleichen Maß.
Wo ist die deutsche Wirtschaft besonders erfolgreich? Es sind fast alles Produkte, die sich meist im Hochpreissegment bewegen, wo es vor allem um Produktimage geht. Die Unternehmen machen damit Gewinne, wie nie zuvor. In der Automobilindustrie gab es lange einen hohen Anteil von Zeitarbeitern, wovon einige jetzt unter dem Druck der Gewerkschaften fest eingestellt werden. Zudem gibt es eine Vielzahl von „Werksverträgen“, nach denen noch viel schlechter als im Falle der Zeitarbeit bezahlt wird. Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen: dies Formel funktioniert nicht mehr. Sondern es ist vielmehr so: in dem Augenblick, in dem Gewinne steigen, steigen die Zuwendungen an Aktionäre. Diejenigen, die als eine Art von Elite darstellen, wollen diese soziale Schere überwiegend nicht wahrnehmen. Kein Wunder, denn diese stammen zu 2/3 aus den den „oberen 3,5 % Prozent“ der Bevölkerung, was in unserer Gesellschaft entsprechende Chancen verspricht. Denn die Kindheit und Jugend von Menschen ist prägend für die Wahrnehmung der Welt.  

Freitag, 31. Juli 2015

Arm und Reich today (2)

Über genaue Zahlen lässt sich streiten, was dann auch gerne bei einschlägigen Runden so passiert, dass nahezu alles zerredet wird (ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt). Der Trend jedoch zeichnet sich bei vielen Untersuchungen ab: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer. Wer die Augen aufmacht, kann dies an Alltäglichkeiten sehen. Die Vermögensunterschiede entsolidarisieren die Gesellschaft. Wir sollten hier als erstes auf das „untere Drittel“ der Vermögenspyramide schauen. Da ist man inzwischen statistisch gesehen real mit dem Vermögen etwas oberhalb dessen, was man Ende der neunziger Jahre gehabt hat. Lange Phasen in der Vergangenheit hatte man real etwas, was unterhalb dessen angesiedelt war, was man Ende der neunziger Jahre hatte. Altersvorsorge? Man könnte meinen, dass es die Entscheidung jedes Einzelnen sei, wo er sich engagiert: auf den Finanzmärkten, in Immobilien oder woanders, um sein Vermögen zu vergrößern. Freilich ist es überwiegend so, dass dies beschriebene „untere Drittel“ der Gesellschaft und darüber hinaus weitere 20 % gar nicht die Möglichkeit hat, auf diese Weise Daseinsvorsorge zu betreiben und seinen „Wohlstand“ zu vermehren. Das Vermögen dieser Schicht ist nämlich 0. Insofern stellen sich für solche Menschen diese Fragen nicht. Die oberen 10 % der Gesellschaft hingegen haben inzwischen mehr als zwei Drittel des Vermögens. Davon hat ein einziges Prozent etwa ein Drittel des Gesamtvermögens. Alle anderen (also etwa 2 Drittel der Gesellschaft) haben etwa ein Drittel. Anlaufende Konjunktur? Oder - wie bei uns - Aufschwung?
Bei den Rettungsaktion ist das Vermögen, was gerettet worden ist, war im Wesentlichen das Geld eines sehr kleinen Teils der Bevölkerung. Bezahlt hat das aber die gesamte Bevölkerung. Was Arbeitslosigkeit angeht, scheint es einen Rückgang gegeben zu haben. Freilich nicht dadurch, dass möglichst viele jetzt vollwertige Arbeitsplätze haben (das Arbeitsvolumen ist immer noch niedriger als in den „Neunzigern“). Es gibt einfach mehr Jobs (freilich verschiedenster Art). Hinzu gekommen sind meist prekäre Jobs, wie etwa befristete Verträge, Teilzeitjobs, Minijobs, usw., was sich in den „Realeinkommen“ ausdrückt) Bei den Realeinkommen hat es jahrelang (seit Ende neunziger) bestenfalls einen Gleichstand gegeben. Dies hat damit zu tun, dass diejenigen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gekommen sind, nunmehr Jobs haben, die deutlich schlechter bezahlt sind, als früher.

Dienstag, 28. Juli 2015

Arm und Reich today (1)

Die Reichen werden in Deutschland immer reicher. Die Armen werden immer ärmer. Das ist mittlerweile oft zu hören, - natürlich ohne Konsequenzen. Als Klischee und Floskel. Jetzt sind wieder Zahlen dazu erschienen, die natürlich mit jenen kollidieren, die Wirtschaftsverbände und ihre Gefolgsleute regelmäßig zu diesem Thema herausgeben (Manager sollen nach neuen Zahlen das 54fache (!) ihrer Facharbeiter verdienen, andere Stimmen berichten vom 70fachen (!)). Doch nicht nur in den einschlägigen Talkrunden des Fernsehens (das wohl auch von einer Meinung, einer Schicht und deren Sichtweisen dominiert wird) wird fortwährend gestreut, dass es Deutschland noch nie so gut ginge wie heute. Außerdem waren die Zahlen aus dem Nachrichtenfluss schnell verschwunden. 
Bloß wem? Effektiv? Ist das vielleicht inzwischen stark polarisiert? Profitieren etwa die Besitzenden überproportional, während es mit den Armen immer weiter und noch schneller abwärts geht? Abseits von idiologischen Ausrichtungen sollte man darüber mehr diskutieren ("Ist und Soll-Zustand" vergleichen, - freilich ohne permanente Unterstellungen). Tatsache ist wohl, dass das sogenannte „Wachstum“, das diese Wirtschaftsform permanent als Erfolgsmeldung vorantreibt, wohl so gar nicht unumstritten ist. Am Ende könnte diese Art des "Wachstums" (das kein nachhaltiges ist) zum totalen Kollaps der Erde führen. 
Spätestens dann würde es wohl für alle, die es sich dann leisten können, zupass sein, auf einen anderen Planeten zu verschwinden. Erste Anzeichen einer solchen Strategie sind ja längst in Gange.“Absurd“, so höre ich die Wirtschaftsherolde dazu skandieren. Tatsache scheint auch zu sein, dass es inzwischen (als Folge der Neoliberalisierung) deutlich mehr Arbeitsplätze auf Niedriglohn-Niveau gibt. Der sogenannte „prekäre Bereich“ dieses Arbeitsmarktes scheint sogar deutlich im Vordergrund dieses "Aufschwungs" zu stehen. Eine Aufstockung vom Amt (Agenturen und wie immer sich solche Einrichtungen nennen...), dürfte in diesem Zusammenhang bedeuten, dass die vom Staat repräsentierte Allgemeinheit solche Kosten übernimmt, die private Profiteure ihr (auf vollkommen legalem Wege!) hinterlassen haben. Im Vordergrund stehen Arbeitsplätze, egal von welcher Qualität. Dies gilt nicht nur für Deutschland, aber in ganz besonderem Maße für hier, wo gerne Vollbeschäftigung und allgemeine Zufriedenheit ausgerufen wird. 

Dienstag, 14. April 2015

Hannover 4.0

Die sogenannte "Hannovermesse" rollt wieder. 2015. Industrie rules. Stolz schwillt so manchem hierzulande die Brust. Wir sind Weltmeister! Und jetzt wird alles noch besser. Immer besser. Stichwort: Vernetzung aller Lebensbereiche. Der Herd denkt im Internettakt mit, der Kühlschrank bestellt selbständig im Shop, die solargestützte Heizung gibt sich ganzjährig wohltemperiert, die Läden heben und senken sich wie von Geisterhand bewegt sehr selbständig und schon von unterwegs aus öffnet sich das Garagentor für den, der Arbeit hat und auf diese Weise mit seiner elektronikgetunten großmächtigen E-Limousine die Segnungen der Automatisierung genießen kann. Das Auto fährt wie von Geisterhand gelenkt ja sowieso automatisch. Daneben einen Kaffe trinken ist da kein Problem. Vorbei die Zeit der Assistenzsysteme: jetzt fährt die Karre ganz von selbst. 
Ein paar Sachen fallen mir dazu schon ein, auch wenn ich kein ausgewiesener Ökonom bin, die mir ganz überwiegend ohnehin alles durch ihre idiologische Brille zu sehen scheinen. Freier Markt und sowas alles als Weltanschauung. Ob uns das in die Zukunft führt? Und in welche? Ich versuche nur Eins und Eins zusammen zu zählen und lasse mich gerne korrigieren. Auch von denen, die es wirklich besser zu wissen glauben und dafür allerlei Titel, Preise und akademische Lehrbefähigungen mit sich tragen. Die Experten und Wichtigs. Automatisierung, das bedeutet doch: Willfährige Industrieroboter, die nicht streiken oder sonstwie renitent tun, sondern allenfalls mal ein Funktionsleck haben können, tun währenddessen alle dreckige Arbeit automatisch. Durchgehend: samstags und sonntags ohne Zuschläge. Der bisherige Arbeiter wird nur noch ein Teil des Überwachungspersonals. Schnell mal angelernt, auswechselbar, erpressbar. Ob auf diese Weise ein neues Proletariat der wegrationalisierten und -automatisierten Arbeitskraft entsteht? Automatisierung bedeutet, das die Masse an verfügbarer Arbeit nochmal geringer wird. Der Kuchen, den es aufzuteilen gilt, wird kleiner. Das kann so geschehen, dass immer mehr Arbeiter wegrationalisiert werden und der Unternehmer den Gewinn für sich behält. Oder es wird umgelegt auf die Wochenarbeitszeit, die auf diese Weise (bei vollem Lohnausgleich) kleiner werden muss. Statt 40 wären das beispielsweise 35 Stunden. Es gab vor etlichen Jahren diese Diskussion. Doch sie wurde auch hierzulande zugunsten einer wieder zu erlangenden „Wettbewerbsfähigkeit“ auf Eis gelegt. Als diese (auf Kosten der Lohnstückkosten) wieder erlangt war, war man in der Lage, sämtliche „Mitbewerber“ zu erpressen, indem man sie einfach unterbot, weil man billiger herstellte und, - wie man glaubte, - ohnehin cleverer war. Dies gilt ganz besonders für Europa. Frankreich stinkt inzwischen total ab, Italien auch, während Spanien trotz ein paar wirtschaftlichen Anfangserfolgen eine astronomisch hohe Arbeitslosenrate hat. Kollateralschäden, nichts weiter. Großbritannien reüssiert währenddessen mit neuem Manchesterkapitalismus, der auf der so korrupten wie kranken Macht der Banken beruht. 
Aber Deutschland ist ja ohnehin Weltmeister. Global nahm man in Deutschland gerne die Rolle ein, die einst die USA inne hatten. Alle anderen nicht nur durch gnadenlose Effektivität (Automatisierungen spielen hier ihre Rolle) zu übertrumpfen, sondern auch durch Lohnstückkosten zu unterbieten. Auf diese Weise wurde man Exportweltmeister. Stolz führt jetzt die Industrie vor, wie die (deutschen) Autos selbst fahren können und wie herrlich die Industrieroboter funktionieren, indem sie sich bei Berührung mit dem Menschen selbst abschalten. Indien ist dieses Jahr das Gastland: dort bildet sich eine neue gesellschaftliche Mittelklasse, die dadurch entsteht, dass viele Millionen Menschen hungern oder gleich auf Indiens Straßen verrecken. Ob dies ein Modell ist, dem wir Vorschub geleistet haben?