Reise durch Wirklichkeiten

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Sonntag, 30. Oktober 2022

Sportrechte

Da verschlägt es mir die Sprache: Wenn ich jetzt sehe, wer sich für den wüsten Wüstenstaat als Fußball-WM-Ort einsetzt, wer sich unter Umständen mit hochbezahlten Werbejobs dafür ausspricht und dafür hergibt, welche Verbände und Führungsfiguren, welche Konzerne und welche Firmen sich dafür jetzt immer heftiger und lauter einsetzen, dann finde ich, dass das für sich selbst spricht. Kommentar überflüssig. Auch die Argumentationen dafür gleichen sich, ja, sie laufen geradezu in eine uniforme Richtung. Ich gebe zu, dass ich das, eine solch öffentliche Demaskierung, nicht für möglich gehalten hätte. Menschenrechte, das hielt ich für etwas Absolutes. Ich weiß allerdings nicht, ob in nächster Zukunft, das (Flüssig)Gas eine Rolle spielen wird – und welche. Realpolitik? Pragmatismus? Ich sehe aber daran, dass man hier ganz offen für Geld und „Wohlstand“ alles zu machen und zu verkaufen bereit ist. Das scheint mir auch politische Implikationen zu haben und die Gesellschaft zu durchdringen. Ob es da keine Angst gibt, langfristig auf der falschen Seite zu stehen? Welche Rolle da die Medien spielen? Geld gegen Leichen? Wie setzt man sich über alle Einwände hinweg? Die Argumentation scheint mir dafür einigermaßen gleichförmig zu sein: Größmögliche Brutalität mit Durchsetzungswillen gepaart. Aber alles smart.

Dienstag, 15. März 2016

Nachlesen

Ach, es gibt auch Verlierer beim Prozess der „Globalisierung“? Ach, die wählen jetzt die falsche Partei? Sollen gerade diese Leute, diese Verlierer und Unwerten feurige Anhänger eines „Weiter so“ sein? Welche Möglichkeit haben sie in dieser „parlamentarische Demokratie“ genannten Veranstaltung, ihren Protest zum Ausdruck zu bringen? Indem sie die Parteien wählen, die genau diese Unzufriedenheiten zu verantworten und herbei geführt haben? Dumm gewesen, erst recht das Falsche gewählt? Und nicht die Parteien der Tonangeber, die es geschafft haben, dass es einem bestimmten Deutschland so gut wie noch nie geht? Die ihre Statistiken zu diesem Zwecke manipulieren. Was viele Menschen im Alltag erfahren, ist, dass es ihnen wesentlich schlechter geht als noch vor Jahren. Und dass etwa die Klasse der Manager so viel verdient, wie sich das kaum jemand vorstellen kann. Dass alles Schaffen oder Produzieren immer mehr so verdichtet wird, dass das Individuum außer den Überangepassten kaum noch mitkommt. Dass es hechelt und versucht, bei denen zu sein, die es nicht trifft. Die Arbeitslosigkeit etwa. Ob dies mit dem aufkommenden und schließlich alles beherrschenden Neoliberalismus zu tun hat? Der Vereinzelung, Ökonomisierung und Entsolididarisierung aller Lebensbereiche? 

Dienstag, 8. März 2016

Gipfel der Macht

Die Damen in ihren schlecht sitzenden Hosenanzügen und die Herren in ihren dunklen Anzügen haben mal wieder gegipfelt und das Nichts zustande gebracht. Dies gilt es nun als großen Erfolg zu verkaufen, aus übernächtigten Gesichtern heraus. Die Demokratie und die Diplomatie ist ein schwieriges Geschäft der kleinen Schritte, gewiss. Aber im PR-Sprech besabbern lässt man sich dann doch nicht so gerne. Das ist öde und langweilt. Nach der nichtserklärenden Erklärung wird in der Luxuslimousine im Kreise von schlecht bezahltem Sicherheitspersonal Platz genommen und man lässt sich zum Flughafen fahren. Der Premier oder Ministerpräsident mit dem eingebauten Lächeln lächelt ständig dazu. Bis auf bald ein Neues! Oder so....!  Solche Scheinveranstaltungen schaden jedem demokratischen Grundgedanken, erheben die Klüngelei zur Staatsform, projezieren einen Führungsgedanken auf eine Blase von in ihrer eigenen Welt lebenden repräsentativen Alpha-Tieren. Sie propagieren und symbolisieren die Abgetrenntheit von Herrschaft und Macht einer gewissen Blase von Leuten. Eine der Damen will gerne UN-Generalsekretärin werden. Das scheint heute, am Tag der Frau, ein netter Gedanke. Doch wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Ihr Gutmenschentum scheint irgendwie verstellt und opportunistisch abgefedert. Es richtet sich nach Stimmungen, will nicht "populistisch" genannt werden, sondern lässt es "demokratisch" nennen. Sie selbst bezeichnet das gerne „alternativlos“. Sie vertritt ein „Wachstum um jeden Preis“, das der Welt dann gefährlich werden könnte, wenn es keinen Weg zurück mehr gibt. Aber auch das werden sie vertagen. Sie, die sich als Clique der Häuptlinge fühlen. 

Freitag, 19. Februar 2016

Entscheidertreffen in der EU

Verschoben, vertagt, aufgeschoben, - beim nächsten Mal: das Muster ist von der EU und ihren seltsamen Gipfelinszenierungen längst bekannt. Das Griechenland-Beispiel hat dafür reichlich Anschauung geliefert. Ach, und was sind schon zwei Wochen! Für Häuptlinge gar nichts. Für ihre Untergebenen viel Geld. Die Häuptlinge lassen Nachtsitzungen simulieren und treten anschließend mit scheinbar übernächtigten Gesichtern vor Kameras, um das Nichts zu verkünden. Oder sie rauschen nach versuchter Erpressung voller Wut aus dem Tagungszimmer, um nach einer weiteren Schamfrist doch mit allem einverstanden zu sein. Im Interesse der EU natürlich. Nun ja, die Rituale sind bekannt und wer ihnen das noch abnimmt, ist selbst schuld. Das ging alles völlig in die falsche Richtung, seit die Gründungsväter einst Europa versuchten. Europa ernst zu nehmen, würde etwas anderes bedeuten.  

Donnerstag, 21. Januar 2016

Networking unter Machern

In Davos treffen sich derzeit die Superreichen und die Einflussreichen, um darüber zu beraten, was zu tun sei. Die mit den wichtigen Gesichtern, die politisch frei Gewählten und die mit dem vielen Geld. Natürlich haben sie ihren willfährigen Tross der Zuträger, Assistenten, Referenten, Übermittler, Rechtsberater und Meinungsvervielfältiger um sich.  Umsichtig organisiert der frühere FDP-Vorsitzende diesen Auflauf. Das ist der richtige Job für ihn. Es ist aber auch eine praktische Vorführung dessen, was Networking in der Gegenwart ist, - angesichts auch der neuen (und hier vor zwei Tagen erwähnten) Oxfam-Studie. Offiziell soll das Theater auch der Kommunikation unter den "Machern" dienen. Seltsam nur, dass sich die Vielen von anderen derartig fremdbestimmen lassen. Aber solches scheint vielfach legitimiert, verwundert in dieser Ausprägung  dennoch und zeigt ganz offen, wovon und von wem die Macht ausgeht. Vielleicht sind wir historisch einfach noch nicht so weit, um dies mit den dazu gehörenden Konsequenzen zu erkennen, - oder gar ändernd umzusetzen. Gleichwohl wird jetzt gerne und oft auf „Grundwerte“ verwiesen, die mit solchen Veranstaltungen auch schon mal gleich wieder ad absurdum geführt werden. Übrigens: „Alle Macht geht vom Volke aus“.  

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Kriegsspiele

Dass jetzt die Tornados der Bundeswehr im Eilverfahren mal eben so ohne größeres Nachdenken in den Einsatz geschickt werden sollen, zeugt meiner Meinung nach vom mangelnden Respekt der Häuptlinge (oder moderner: der „Eliten“) ihren Untergebenen gegenüber und gleichzeitig von einer Missachtung der Rolle des Parlaments in einem Staat. Tatsache ist, dass es hier in einem Kriegseinsatz auf Leben und Tod geht und dass genau das quasi „im Vorbeigehen“ vom Parlament abgesegnet werden soll. Könnte einem zu denken geben. Noch schnell vor Weihnachten über die Bühne bringen, damit die Verbündeten in Gestalt eines schwachen Präsidenten, der gegenüber seiner rechtpopulistischen Konkurrenz den starken Mann heraushängen will, befriedet sind. Innenpolitische Überlegungen, nach denen eine Außenpolitik gemacht werden soll. Konzeption? Perspektiven? Pläne? Fehlanzeige. Einfach mal Bomben werfen, - das ist wie im letzten Jahrhundert. Stärke demonstrieren, auch wenn es im besten Falle völlig sinnlos ist. Dabei sein. Zusammen eine Konzeption oder halbwegs effektive Strategie überlegen, die mannigfache Bereiche einbeziehen würde? Fehlanzeige. Dass andere dafür den Kopf hinhalten müssen, zeigt etwas an der Funktionsweise dieser parlamentarischen Demokratie, die eigentlich (auch aus historischen Erfahrungen heraus) sehr viel weiter sein müsste, als diejenige anderer Länder. 

Sonntag, 22. November 2015

Parteitage

Jetzt scheint wieder die Zeit der Parteitage zu sein. Und die große Zeit der Reden von Schwätzern, die ihre Gemeinplätze unter dem Beifall ihrer Gesinnungsgenossen absondern müssen. Festplatten werden in gestanzten Phrasen geleert, die Parteien versammeln sich dahinter und treffen Beschlüsse, die man genau so von ihnen und den Strömungen in ihnen erwartet hat. Selbstvergewisserung. Identitätsrituale. Frankreich, oh je, besonders Paris, und all dies war ein Angriff auf unsere Werte und unsere Partei, jawohl.
Was soll das?, fragt man sich von außen. Hohlheiten. Verkäufer von müden Phrasen, die nichts so meinen zu scheinen, wie sie es sagen. Die jeden Kompromiss mitmachen. (Jaja, ohne Kompromisse geht’s in einer Demokratie nicht....aber jeden? Alles und jedes zermahlen in den Mühlen einer Kungelei und seltsamer Absprachen...?). Sie versammeln sich unter den grellen Sprüchen der Werbeagenturen. Vorsitzende werden mit großen Mehrheiten gewählt – oder mit kleineren. Die Kleinen bestätigen die Großen, ihre Häuptlinge und Leittiere. Mit Abstimmungsergebnissen, selbstverständlich, damit auch alles demokratisch wirkt. Und dann geht’s ins Rennen um die Macht im Staat, um die Deutungshoheit, um das souveräne Absondern in brav vom Fernsehen übertragenen Talkshows, bei denen die immer selben Nasen, ihre immer gleichen Sprüche zu den immer gleichen Fragen einer immer gleichgesichtigen Moderation ablassen. Betroffenheit, Empörung, Forderungen. Gegen wen? Gegen die Entscheidungsträger. Diese verweisen ihrerseits auf größere Zusammenhänge, können nix machen. Beifall. Mit sich im Reinen sein, hauptsächlich mit sich selbst, das ist wichtig. Selbsterschöpfende Rituale. Die Allgemeinheit tritt weit dahinter zurück, eine Kumpelei der parteibonzigen Verantwortungsträger lässt sich auf Parteitagen demokratisch legitimieren. Diese Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit, so hat das viel beschworene Grundgesetz einmal erklärt. "Wirken mit...". Inzwischen haben sich diese Parteien des Staates längst bemächtigt, sie kontrollieren ihn und klatschen auf Parteitagen sich und ihrem eigenen unterwürfigen Getue bei sinkenden Mitgliederzahlen selbst Beifall. 

Sonntag, 20. September 2015

Flüchtlingsphänomen und seine Bewältigung

Das Flüchtlingsphänomen birgt in Wirklichkeit auch ein soziales Problem: Die Unternehmen kassieren immer noch ab an diesen unsäglichen Waffenexporten, die Allgemeinheit fängt die dadurch verursachten Verluste in Form von Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten auf, - der scheinbar linke Spruch dazu heißt: "die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren". In den Talkrunden sitzen meist medial geformte Sabber- und Gutmenschen, die an sozialen Verteilungskämpfen nicht teilhaben, weil sie von vornherein entsprechend gut alimentiert sind (auf wessen Kosten wohl?). Der mit entsprechendem Selbstbewusstsein vorgetragene und "Ehrlichkeit" vortäuschende Spruch heißt dann "Wir sind ja davon nicht betroffen!". Ein Politologe hat in dieser Woche lächelnd darauf hingewiesen, dass die Politik die unteren 25 % der Bevölkerung "Im Auge behalten solle".  Selbstverständlich ist es kein Problem für diese Talkshowschwätzenden und schönsprechenden Leute, Parolen zu dreschen und im Strom der political correctness mitzuschwimmen, - unverbindlich natürlich. Man sollte sie alle fragen, was eigentlich sie persönlich zur Bewältigung der damit verbundenen Probleme beitragen. Doch solche Fragen sind in den Talkshows selten zu hören. Hoffen wir, dass die deutschen Hilfe- und Empathieleistungen nicht von der kurzfristigen Art sind, wie sie von denjenigen Medien hervorgerufen werden, die von den Mächtigen protegiert werden. Aufregung, Empörung, Betroffenheit. "Je suis Charlie". Inhalte sind da austauschbar. „Wir“ sind die Gutmenschen? Dann sollten „wir“ das nachhaltig beweisen. Nachhaltig! Jetzt die große emotionale Welle und wenn sie dann nach scheinbaren Medienzwangsläufigkeiten bald ausläuft, kommen die Verteilungskämpfe. Dazu gehört auch die unsägliche Idee, „Flüchtlinge“ zu Löhnen unterhalb des Mindestlohns einzusetzen. Ach! Das darf doch nicht wahr sein! Lohndumping wieder eingeführt. Einer unterbietet den anderen? Das alte Marxismusding? Der Billigste wird genommen? Und das Ganze mit einer Koalition, bei der die SPD mehr schlecht (TTIP) als recht (Mindestlohn) mitmacht? Man reibt sich die Augen. Die flüchtigen Menschen ausnutzen? Als ob es nicht reiche, dass sie sich in „Gute“ und „Schlechte“ einteilen lassen müssten, zwecks besserer Abschiebbarkeit!
Andererseits werden die Ressourcen von den wohlbestallten Gutmenschen nur zu gerne verteilt, als ob es nur Fremdenfeindlichkeit und reiche Gesinnungsengel geben würde. Wir sind reich? Nun ja, wie sah's denn bisher mit der verfallenden Infrastruktur aus? Mit den KITAs? Mit den überall übelst vorgetragenen Sparzwängen, die zuallererst die sozial Benachteiligten auszutragen hatten? Auf wessen Kosten wohl die 10 (!) Milliarden gehen, die alleine dieses Jahr für den guten Zweck aufgebracht werden müssen? Wir bräuchten ein paar viele einfühlsame Menschen, eine wahrlich empathische Mitleidskultur, die weiß, was sie warum kann und die eine Nachhaltigkeit aufzuweisen hat. Die nicht jeden als „Rassisten“ denunziert und zensiert, der auf nicht gelöste bzw. strukturelle Probleme hinweist oder sich weitergehende Folgerungen erlaubt. Der sich Gedanken macht.     

Samstag, 7. Februar 2015

Realpolitik

Wieso eigentlich beruft sich eigentlich die sogenannte "Realpolitik" stets darauf, dass Politik immer nur Interessen vertritt? Ohne jeden moralischen Anspruch. Ohne Ethik, außer der des Machbaren. Man scheint sich mit solchen Durchschnittspragmatismus auf sicherem diplomatischen Parkett zu bewegen, denn Übereinkunft von moralischen Maßstäben erscheint unmöglich. Haben Gandhi und Mandela auch eine solche Politik gemacht? Dem puren Pragmatismus das Wort geredet? Das scheinbar "Machbare" angestrebt, um es schließlich nie zu erreichen, außer durch wirtschaftlichen Druck?  Ist der Mensch nur am Geldbeutel zu beeinflussen? Warum gibt es über solch grundsätzliche Fragen nie einen öffentlichen Diskurs? Weil die Masse der Leute das den Politikern zu überlassen scheint? Interessenvertretung, - ein diplomatisches Wort für Egoismus. Egoismus sei normal, so der Sprech von Politikern. "Ausgleich von Interessen", wie funktioniert das?  Ist dabei das Recht des Stärkeren automatisch als Ausgangspunkt gesetzt? Politik ist eine Methode und Ansicht vom Umgang der Staaten miteiander. Staaten gehen also ohne jede Moral miteinander um, sie streben also nichts an, was sie als richtig für sich erkannt haben (nur weil der andere etwas anderes für sich erkannt hat?). Wir verfolgen die Münchner Sicherheitskonferenz und sind schockiert. Überwiegend alte Männer spielen hier Monopoly mit der Welt und reden mal drüber...