Reise durch Wirklichkeiten

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Dienstag, 5. November 2024

Schön oder was?

Dies hier gleicht eher einer Stoffsammlung zu einer Frage, die mich nicht unmittelbar zu betreffen scheint, die es dann aber auf verschiedene Arten doch tut. Ich kombiniere damit Aussagen in TV-Sendungen mit Gedanken und Notizen, die ich mir gemacht habe. Ich kann sie nicht in ein eindeutiges Raster bringen, eine Haltung oder Meinung. Ausgangspunkt ist das, was man immer hört: Menschen, die als schön gelten, haben es im Leben durchweg einfacher, haben Vorteile. Sie verdienen mehr, haben bessere Noten, ernten geringere Strafen, kommen in den Genuss einer besseren Gesundheitsversorgung – nur so als Beispiel. Es scheint eine Art Ungleichbehandlung aufgrund des Aussehens zu geben. Gleich wird fehlende Disziplin für „ungehöriges“ und nicht den gängigen Idealen entsprechendes Dicksein verantwortlich gemacht. Dies scheint sich eine ganze Industrie zunutze zu machen. Es scheint „Normkörper“ zu geben. Das, an dem sich scheinbar alles misst. Daraus folgt ein fortwährendes „Du musst, musst, musst…“. Es gilt, sich diesem (sozialen) Druck strategisch anzupassen. Es geht darum, „etwas an sich machen zu lassen“, Korrekturen im Gesicht und an anderen Stellen des Körpers. Freilich wird so etwas immer intensiver im Laufe der Alterung. Es gilt, ein Erscheinungsbild zu designen. Es wird einem damit versprochen, dass man sich auf diese Weise jünger fühle. Angepasster einem Schönheitsdruck. Dass man weniger auffalle. Körper sind also eine Art Rohstoff der Selbstoptimierung. Wo fängt das an und wo hört es auf? Lackierte Fingernägel, geschminktes Äußeres - was gilt dafür? Inwiefern ist das selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Diversity, wie ernst sind solche Parolen, wenn sogar Barbie-Puppen dies aufnehmen und sich bezahlen lassen? Neue Normalität schafft neuen Druck. Ob es sich in einen Gegentrend einreiht, der Inklusion, „Body Positivity“ und Diversität verspricht? Ob man sich solche „Verstöße“ leisten können muss? Welche Rolle spielt überhaupt die Frage, ob man sich Schönheitsoperationen leisten kann? Ob Menschen in Armut zu leben gezwungen sind? Es dadurch gar nicht bezahlen können, den Körper zurichten zu lassen. Ein Markt muss bedient, ein Produkt gekauft werden. Es geht ja auch darum, dass grundlegende menschliche Prozesse (wie das Altern) gegen entsprechendes Entgelt geleugnet werden können. Wo steht in diesem Zusammenhang der Ekel vor allem, was aus dem Körper kommt (wie zb. Haare, Flüssigkeiten). Geht es in einer Ebene darunter darum, wie weit man sich vom Tier entfernt? Es ist ja so, dass dies alles lange Zeit Frauen zugeschrieben wurde. Doch nun kommt immer mehr Druck Männern gegenüber auf. Eine mächtige Konsumgruppe will da erobert werden. Sehr viel wird in diesem Zusammenhang mit der Gesundheit verhandelt. Ob da nicht Fragen der Identität dahinter stehen? Man ist, der man ist? Zunächst einmal ist jeder ein Körper und hat einen Körper. Die Zuschreibung der individuellen Selbstverantwortung scheint der Doktrin des Neoliberalismus zu entsprechen. Das Äußere (die Verpackung) scheint oft genug den Wert eines Menschen zu bestimmen.

Donnerstag, 1. August 2024

Paraden

Als grausigen Horror empfinde ich Militärparaden mit ihrer Gleichgerichtetheit und nach außen gerichteter Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen, für die man sich auf billigste Weise abschlachten lassen würde. Diese Dressur für den Marsch in den Tod!!! Wie mich das anekelt! Gespielter und eingebimster Optimismus. Welches menschenverachtende Weltbild da wohl dahinter stehen mag! Kollektive Hingabe an das „Vaterland“ und dann Aufgabe des Lebens! Grausame Hinrichtungen! Erschießungen. Für grinsende Machthaber. Darüber am Himmel Farben ausstoßende Flugzeuge. Machtspiele. Stolze Präsentation von Waffen. Vernichtungswaffen. Glauben Menschen, dass das eine Art Videospiel sein könnte? Der Tod ist kein Videospiel. Man sieht in den Medien geschlachtete Körper. Flugzeugbomber. Einer steht hierarchisch oben und gibt Befehle. Alle machen und tun, ohne Rücksicht auf sich selbst. Gehen auf in einer hörigen Masse! Ordnen sich ein. Geben sich Vorgaben hin. X x I find military parades with their uniformity and outward subservience to the powerful, for whom one would be slaughtered in the cheapest possible way, to be a horrifying horror. This dressage for the march to death!!! How that disgusts me! Feigned and ingrained optimism. What inhumane worldview might lie behind it! Collective devotion to the “Fatherland” and then surrender! Cruel executions! Shootings. For grinning rulers. Above, planes emitting colors in the sky. Power games. Proud display of weapons. weapons of destruction. Do people think this could be some kind of video game? Death is not a video game. You see slaughtered bodies in the media. Airplane bomber. One person is at the top of the hierarchy and gives orders. Everyone does and does without regard for themselves. Join a submissive crowd! Get in line. Give yourself guidelines.

Sonntag, 10. Juli 2022

Wirklichkeit. Wo?

Ob wir zuweilen das Gefühl haben, die Wirklichkeit entgleite uns, gehe an uns vorbei, sei ein Kosmos voller Unwägbarkeiten?.Wir würden gerne etwas in uns aufnehmen, das uns der Wirklichkeit näher bringt, das uns hilft, sie besser zu verstehen, mit ihr umzugehen. Etwas, was uns näher an sie heran bringt. Wir würden gerne Zusammenhänge sehen und verstehen, sie einordnen und sie mit besserer Bedeutung versehen. Mitbekommen, was um uns herum vorgeht Doch alleine schon die Biografien der Menschen scheinen eine Beweglichkeit zu spiegeln, die unter den Bedingungen der sich mittlerweile auch auflösenden Globalisierung längst in vollkommene Orientierungslosigkeit übergegangen ist. „Analoge“ Lebensläufe sind nicht mehr festgeschrieben, an bestimmte Orte gebunden, sondern sie spielen im Überall und nirgendwo, je nachdem, wo einen ein Unternehmen hin schickt. Viele Figuren traten einmal mit großartigen Idealen an, die sie freilich im Laufe der Jahre so modifiziert, an neoliberale Zeiten angepasst und dadurch sich vollkommen so korrumpiert haben, dass sie die Welt heute sehr wohl verändern könnten, aber in einem Sinne, für den sie nie die Verantwortung übernehmen würden: Geld, Macht, Gier, Durchsetzung, Penetranz.... Die Folge: Zerissenheit, Brüche. Wirklichkeitsbild: Was auch immer du glaubst, dass es zusammen gehöre: es ist alles null und nichtig. Alles ist Zufall, nichts hat irgendeine Bedeutung, alles ist ein Algorithmus. . „Wenn ihnen diesgefällt, dann gefällt in auch jenes...“. Wahrscheinlichkeiten. Rechnungen. Zapping. Sampling.

Montag, 27. September 2021

Digitale Dichter

 Noch einmal bin ich dem von Politikern explizit geäußerten Wusch nach einem „Volk von digitalen Dichtern und Denkern“ begegnet. Ich denke mir, dass genau das beabsichtigt war, als ich mit meiner geisteswissenschaftlichen „Bildung“ immer mehr auf das Abstellgleis geschoben wurde. Es soll wohl ein Volk von willigen Digitaldeppen geschaffen werden, von Programmierern und Webdesignern, die genau das umsetzen, was man ihnen vorgibt, was selbstverständlich den Gebrauch von Kreativität und Lust am Experimentieren ausschließt. So etwas würde nämlich Zeit zum Spielen und Ausprobieren voraussetzen, was natürlich dem „Zeit ist Geld“-Prinzip zuwiderlaufen würde. Deutschland solle eine Nation der Programmierer und Ingenieure werden, die nicht lange danach fragen, auf welches Ziel wohl so etwas zuführen könnte. Als Ziel werden vielmehr Phrasen wie „Klimaneutralität“ ausgegeben, die alles und jedes bedeuten können, was sie für staatliche Einheiten wie die EU und die von ihren Repräsentanten gehaltenen Sonntagsreden möglicherweise noch attraktiver macht. Ich vergleiche das unwillkürlich mit klassischen Idealen wie dem Streben nach Kunst, Bildung und Gelehrsamkeit, was durch einen Klassenbegriff und das Selbstverständnis eines emanzipierten Menschen gestützt lange die Idee der Nation beherrschte. Man strebte nach einem empathischen, nicht zweckdienlichen und politischen Interessen gefügiges Menschenbild an. Ob wohl dies Ideal des „digitalen Dichters und Denkers“ dem krass widerspricht?

Samstag, 23. Januar 2021

Narziss und Goldmund als Beispiel

Jüngst kam der Film "Narziss und Goldmund" nach Hermann Hesse heraus. Der Blogautor erinnerte sich, dass er etwas geschrieben hatte, in das er seine Lektüre von Hermann Hesses "Narziss und Goldmund" hinein verwoben hatte „Du bist Künstler, ich bin Denker. Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wache in der Wüste. Mir scheint die Sonne, dir scheinen Mond und Sterne. Deine Träume sind von Mädchen, meine von Knaben“: Alles Kitsch. Alles Quatsch. Und doch: Die Figuren des jungen Mönch Narziss und des jungen Klosterschülers Goldmund hatten ihn angezogen. In ihnen fand er jene seltsamen Gegensätzlichkeiten, die ihn selbst zeitweise beinahe auseinander zu reißen schienen. Das Körperliche und das Geistige, das waren für ihn nicht nur abstrakte Begriffe. Kitsch. Seelenbilder. Archetypen. Goldmund wird von Narziss zur Erkenntnis seines eigenen Wesens angeregt . Diese Übersteigerungen der Pubertät, er lebte sie aus, fürwahr, - im Geistigen, sozusagen. Nichts war’s mit dem Mönchsleben für Goldmund, hinaus ging’s in die Welt, in eine Wanderschaft, hinein in das Abenteuer, in das Dunkle, in das Unbewusste. Und dann doch wieder zurück ins Kloster. Aber in ein Dasein auf einer höheren Ebene. Es musste zuvor alles gelebt und erfahren werden, bevor Goldmund diese Stufe des Daseins erklimmen konnte. Dir war es egal, ob die anderen das sentimental fanden. Dir war es egal, solange es dir selbst etwas bedeutete. Der Weg des Brahmanen. So mancher hat ihn gesucht und hat sich dabei verlaufen. Ach, wie fern waren die beiden literarischen Figuren seiner eigenen Wirklichkeit! Wie sie einen idealen Raum ohne Banalitäten und alltägliche Langweiligkeiten so gemessen durchschreiten konnten! Mit Schwierigkeiten zwar. Doch solche Probleme waren edel und hatten alle ihre wichtigen Bedeutungen, mussten gemeistert werden, damit etwas dabei herauskam. Die beiden entwickelten sich weiter, immer weiter, kamen sich selbst immer näher. Er las so etwas gerne und ließ sich davon inspirieren. Er wusste: Literatur ist natürlich nicht die Verdoppelung des Lebens. Trotzdem versuchte er, sich ein Beispiel daran zu nehmen.

Freitag, 6. November 2020

Gewinner, Verlierer

Es scheint sich wohl immer mehr heraus zu stellen, dass bestimmte Leute nicht verlieren können. Grundsätzlich. Sie sehen sich wohl etwas zu verbissen als Gewinner auf der ganzen Linie, sie scheinen regelrecht eine Verpflichtung dazu zu spüren. Und das, obwohl etwa im Sport diese Charaktereigenschaft auch auf dem Weg zu großen Zielen fortwährend heraus gehoben wird. Wohin so etwas führt, ist derzeit anhand der Präsidentschaft in den USA das beherrschende Thema der Medien. Fallen und wieder aufstehen: okay, das sagt sich leicht und ist akzeptierte Maxime im Bereich althergebrachter Maßstäbe. Gesellschaftlich scheint mir das Verlieren mittlerweile in den Bereich des Idealen abgedrängt zu sein. Gewinner in dieser Gesellschaft scheinen mir ausschließlich die Gewinner ohne jegliche Niederlagen zu sein. Die strahlenden Gewinner, die mir in unserer Zeit die Helden zu sein scheinen. Dass man sich angesichts einer solchen Konstellation mit allen Mitteln gegen eine Niederlage stemmt, scheint mir einigermaßen logisch.

Samstag, 10. Februar 2018

Rückblick auf den Rückblick

In einem alten Tagebuch entdeckt, ein Rückblick:
Was war gefordert 1975? Eine Durchdringung der Verhältnisse? Eine Kritik am Bestehenden? Systemkritik? Alles noch ein bisschen, - aber mit viel Skepsis. Idealismus rules mit schwachem Haupt, ist gerade in der Abdankung begriffen. Bleierne Zeit. Die sich verstärkt fortgesetzt hat. Die flotten Menschen in den Talkshows die sich so gut inszenieren können. Die 68er waren bereits Mythos.Die Vorbilder. Brecht. Der gute Mensch von Sezuan. Die Bohemians, wie lebten sie? Wie finanzierten sie ihr Leben? War da ein Erbe vom Papa zu erwarten? War das alles nicht eine Illusion? Der Zweifel nagte überall. Die Ironie. Wir nahmen die Phrasen nicht mehr ernst, wir bestaunten sie nur noch. Was war das für eine Zeit, in der man nur ein paar Jahre später über diese Weltverbesserungsemphase lachte? In der man das als Karikatur auffasste? In der man sich plötzlich frei aller Utopien wähnte? In der man einen Ballast abzuwerfen schien. Einen Abfall entsorgte? Wir misstrauten schon damals einer stilisierten Wirklichkeit. Letztlich brauchten wir Geld, um ein Instrument zu kaufen, um die Interrailkarte bezahlen zu können, um mal ins Kino gehen zu können und sich ein Bier oder auch zwei leisten zu können. Uns trieb die Jämmerlichkeit um, das Unbedeutende. Wir hatten nicht die ideellen Probleme der Hauptfiguren im Deutschunterricht. Wir respektierten das als Kunst. Doch das Leben war schon damals etwas anderes. Das eine war der bürgerliche Bildungskanon, auf links getrimmt. Das Andere die Jämmerlichkeit des Alltags. An mir zog das Leben vorüber. Rühmkorf-Gedichte. Die einen machen Promotion für den Literaturbetrieb, die anderen für die Tabakindustrie.

Sonntag, 28. Januar 2018

Experten

Mir geht das wieder durch den Kopf, was ich in den vergangenen Monaten oft gedacht habe: da hantieren ehemalige „Stars“ und Superstars“ jetzt vor Kameras in Sportdauerdendungen als sogenannte Experten und machen dabei nicht immer eine glückliche Figur. Meist sollen sie Insiderzeugs zum Besten geben und Einschätzungen... reden aber oft totalen Bullshit. Außerdem sind sie oft aufgedunsen und fett, so gar nicht, wie sie ihre Anhänger in Erinnerung haben. Dazu kommt, dass sie ohne Training sowieso etwas zu fett grinsen, dass das Fehlen der entsprechenden Kleidung sie in unsere alltägliche Nähe rückt, sie vom glamourbehafteten Sockel herunter holt und sie zu einem „normalen“ Menschen ohne Nimbus aus Fleisch und Blut macht.
 Ihr Vorteil: Sie konnten alle etwas Engumgrenztes, eine Spezialität, eine Marotte, ein Ehrgeizziel, ziemlich gut. Sie waren so etwas wie eine Leitfigur für die Leistungsgesellschaft. Sie machten ihr Ding immer wieder und versuchten per Training, sich bestimmte „erfolgreiche“ Verhaltens- und Reaktionsmuster samt der damit zusammen hängenden Abläufe einzutrichtern. Dabei half ihnen oft ein ganzer Stab von Leuten, die der jeweils fördernden Nation (welcher Widerspruch im Zeitalter Europas!) verpflichtet waren. Bei Erfolg wurden dann auch meist Flaggen gehisst und Nationalhymnen gesungen, da wurde Chauvinismus eingeübt. Der Vorteil dieser einstmaligen Helden ist es, dass sie oft „was daraus gemacht“ haben, dass sie jemanden besonders Reiches geheiratet haben oder Vermarktungsagenturen gegründet haben, denen sie dann ihr Gesicht als Logo leihen. Es gelingt ihnen dann meist, in einer solchen „Experten“-Rolle bei den Fernsehprogrammen unterzukommen und gutes Geld dafür zu kassieren. Ob ihr geradezu mechanisches Dauerlächeln dabei förderlich ist und superprofessionell wirkt, mag dahingestellt bleiben.