Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Mittwoch, 29. Juli 2026
Kunst und Leben
"In einem ganz bestimmten Paradoxon hob sich der Gegensatz Kunst und Leben auf. Dies Thema trieb ihn um: war es Henri Matisse, oder war es Marcel Duchamps? Er war sich in diesem Moment nicht sicher. Aber einer von beiden hatte an eines seiner Kunstwerke diese großartigen Zeilen geheftet: „Dies ist nicht, was es darstellt“. Pennälerwissen. Ein Stochern im Nebel.
„That’s, what it is“, diese lässigen, diese ganz und gar unintellektuellen Zeilen würde er einen Cowboy dazu sprechen lassen, wenn er eines Tages einen Film über derartige Sachverhalte drehen würde. Der Cowboy würde dreckig dazu grinsen, wie einer jener Schurken, die um zwölf Uhr mittags mit der Eisenbahn in das kleine Kaff im Westen kommen, um Gary Cooper die Hölle heiß zu machen. „High Noon“. Was nun? Natürlich würde er eines Tages den Oscar für sein Werk annehmen, - nun gut. Beiläufig. Man hatte wahrscheinlich keine andere Wahl, als ihn an- und mitzunehmen. Aber eigentlich ging’s einem nicht darum, Es ging einem um die Kunst, es ging einem darum, sich auszudrücken. Man musste sich ausdrücken, dies war einem als Künstler aufgegeben. Und er selbst war Künstler. Wenigstens eine Art Künstler. Basta."
Dienstag, 24. März 2026
Gitarren und Knochen
Ich erinnere mich sodann an jenes Mehrfachkonzert im Jahr 2007 mit Johnny Winter, für das ich als besonders geeignet ausgewählt worden war, - was mich dann aber ziemlich betroffen gemacht und zum Grübeln gebracht hat:
„Er musste auf die Bühne geführt werden, wo er für die Dauer des gesamten Auftritt auf einem Stuhl Platz nahm. Er wirkte gebrechlich, hinfällig und hatte den schwarzen Texas-Hut tief ins Gesicht gezogen: Johnny Winter mag als 63-Jähriger zum Skelett abgemagert inzwischen ein trauriges Bild abgeben. Sobald er aber die Gitarre in die knochigen Hände nimmt, wird sie seine Freundin, der er jene ekstatisch aufgeladenen, flüssigen Läufe entlockt, die zu brennen scheinen, die für ihn typisch sind, ja, die seinen Sound ausmachen. Der alte Gefährte Rick Derringer, mit dem zusammen er vor mehr als 35 Jahren den internationalen Durchbruch schaffte, hatte zum Auftakt des Abends in der Filharmonie Filderstadt schon exzellentes Handwerk vorgeführt und sich als vielseitigen Sessiongitarristen vorstellen lassen, der unter anderem für Steely Dan in die Saiten gegriffen hat. Ehrensache, dass Derringer auch seinen mit den McCoys eingespielten Welthit „Hang on Sloopy“ aus dem Jahre 1965 noch einmal live aufpolierte.
Was aber ein prägnantes Gitarrenspiel ist und was emotionale Dringlichkeit sein kann, das führte Johnny Winter selbst vor. Sein Bruder Edgar hatte als zweiter Künstler des Abends mit Titeln wie „Free ride“ oder „Frankenstein“ sein bescheidenes kreatives Vermögen mit großem Nachdruck unter Beweis gestellt. Ein paar Phrasen aus Rock und Blues, ein bisschen aufgedonnertes Keyboard- und Saxofonspiel: Naja. Den einsamen Höhepunkt steuerte ganz eindeutig sein Bruder Johnny bei, der seinem knorrigen Blues zunehmend knalligen Rock injizierte. „It’s all over now“, diesen Titel spielte er gegen Ende seines Auftritts. Nein, es soll noch nicht alles vorüber sein. Nein, jetzt doch noch nicht.“
Donnerstag, 11. Dezember 2025
Metal
Aus meinem Buch "Hinhören" (s.84)
Mein Nachdenken über Musik hatte mich nie soweit gebracht, freiwillig in ein Metal-Konzert zu gehen. Ich fand's furchtbar, musste aber jetzt als Freier Journalist sogar darüber schreiben, musste mir etwas möglichst Substantielles dazu abringen. Der Redakteur schickte mich jedenfalls in solche Konzerte, was die Erweiterung meines musikalischen Horizonts stark beförderte. Ich ließ mich nämlich nach und nach auf ein Codesystem ein, das ich bislang vermieden hatte, dem ich auch nicht beigekommen war. Ich begriff, dass es sich hier um einen musikalischen Code handelte, um Tribalismus und eine Art, sich mitzuteilen. Dass dies alles in den Umständen verankert war, dass „die Betäubungsmaschine“, - wie ich es an anderer Stelle genannt hatte, - gut und hörbar laut funktionierte. Ich war näher an Ritualen dran, an Mechanismen, an einem kollektiven Gebaren, über das ich mit der Zeit immer mehr dazu gelernt habe. Verstehen? Was war das angesichts eines blinden Einverstandenseins und vitalistischen „im Krach sein“? Ich hätte so etwas nie für meine eigene Person akzeptiert, gestand es aber anderen jederzeit zu. Ich registrierte das und versuchte, es besser zu verstehen. Das Unangepasste und Raue als Mythos, an den man sich klammert, der einem auf einer Bühne symbolisch vorgeführt wird: Mit lauter vorgestanzten Gesten und dem dazu passenden Habitus. Ich war distanziert, ich hatte Ironie - und Sympathie dafür. Das Kollektive und die zu ihm passenden Ausgleichs- oder Ablassventile studieren: ob ich es mit dem kalten Blick übertrieb? In dieser großen Stuttgarter Schleyerhalle spielten gleich vier Bands aus dieser Riege. Ich musste reportieren, dauere es, solange es wolle, - ich war natürlich sogleich zur Stelle.
Sonntag, 19. Oktober 2025
Spiel und KI
Der einzige, der das so spielte und musikalisch umsetzte, war ub (trotz KI). Auf diesem persönlichen Hintergrund sollte man diese Musik hören. Da ist in dieser Form eine Art Zusammenstellung, eine Zusammenschau, eine versuchte Synthese, die sich stets hart am Rand bewegte. Sein flanierendes Interesse an der Welt mag da auch eine Rolle gespielt haben. Da ist eine nachlässige Genauigkeit, da ist der gezielte und der ungezielte Fehler. Musik war und ist für ihn Ausdruck von Persönlichkeit, eines Wesens, das den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt ist. Musik hatte insbesondere stets etwas extrem Anziehendes, Faszinierendes für ihn. Seine komisch schräge und unentschiedene Existenz, aus der diese Musik kommt, ist aber nicht so leicht zu kopieren. Es käme bei einem Musikversuch vielleicht wacklig Erwägendes oder „Unprofessionelles“ dabei heraus, was so gar nicht gelitten ist. Muster gegen den Strich zu bürsten, war seine Leidenschaft. Verfremden. Abstand gewinnen und dann neu zu sehen (deuten). Nach all diesen Erkenntnissen macht KI (nach vorläufiger Einsicht) dieser Musik gar nichts aus. Sie ist sowieso nicht massenkompatibel.
Samstag, 23. August 2025
In sich außer sich
Was ich entdecke, weil ich eine Art „Investitur“ mache: Ich habe etwas aufbewahrt, dem ich über die Jahre hinweg so etwas wie eine Präferenz zumaß, an dem ich anderes maß, bewusst und unbewusst. Über lange Jahre hinweg war Sandy Denny trotzdem nicht an meine Ohren getreten. Sie war kein musikalisches „Fast Food“, das samt dem schnellen Urteil zu hören ich oft gezwungen war. Aber jetzt, die Sandy Denny-Kassette „A boxful of Treasure“ („eine Kiste mit Kostbarkeiten“). Ich erinnere mich, dass mir damals Wege gezeigt wurden, Arten, wie man etwas ausdrücken kann. Ihre Solo-Alben, ihre Lieder, teilweise unveröffentlicht und Live-Mitschnitte. Ein unprätentiöser fast bäuerischer Gesang eines Engels der Klarheit. Ich habe mir in Erinnerung gebracht, was mich immer schon bewegte: Dieses uneitle Singen, niemals auf massenhaftem Gefallen abgestimmt, nicht auf „Verkaufen“ abgerichtet, sondern eine angestrebte Übereinstimmung mit sich selbst. Da sind diese langsam sich entwickelnden Balladen, die dem in Deutschland herrschenden Zeitgeist bis heute fremd blieben. Sie machte sowas auch als Sängerin für Fairport Convention und deren zahlreiche Splittergruppen. Sie sang auch einmal für Led Zeppelin. Die sich ziehenden Verläufe, die einem das Zuhören abnötigen, bevor sie einem etwas geben. Auf dass man mit Perlen beschenkt werde. Dieses unbeirrte „in eine Richtung gehen“. Dieses „identisch mit sich selbst“ sein wollen. Sie hat in ihrem Leben viel Pech gehabt. Soll schließlich eine Treppe herabgestürzt und gestorben sein. Sie schien manchmal ins Unglück verliebt zu sein, melancholisch sinnierend, über sich hinaus schauend, eine große Klarheit ausstrahlend. Sie schwelgte, so scheint es mir wieder, nie in Übertreibungen, sondern blieb bescheiden direkt. Sie pflegte ihre spezielle Art der Konzentration und Ernsthaftigkeit. Ihre Lieder waren menschlich individuelle Äußerungen, nicht Ergebnis eines kollektiven Zielens auf Zuspruch und Verkauf. Ihre Version der Leidenschaft, ihr Brennen waren ihr Ausdruck. Sie spielte mit dem Bekannten und mit dem Unbekannten. Mit „Ecoute, ecoute“ sang sie gar einen kompletten Song auf Französisch. Sandy Denny hat an Wände gespielt und die Abpraller kamen auf uns. Wir sollten damit natürlich umgehen. Da war kein Protzen, kein „Sich verkaufen“. Vielmehr so etwas wie ein „Hier steh ich und kann nicht anders. Das immerhin versuche ich, so gut ich es kann“. Introversion statt Extroversion. Ein „In sich gekehrt sein“ und weniger ein „aus sich heraus gehen“. Nicht dieses zeitweise etwas verlogene Zusammenrücken am Lagerfeuer, sondern die musikalisch umkreiste Einsamkeit, das Leid, das zurück Geworfen sein. Und ihre Stimme. Was ein verborgenes Juwel aus dem Schatten heraus leuchten ließ. Da ist noch kein „einer möglichst großen Masse von Leuten gefallen“, da sind noch nicht die Meuten an Managern, die alle was ab haben wollen, die Berater, Experten und Parasiten. Stattdessen ist uns durch sie eine große Klarheit geschenkt.
Donnerstag, 7. August 2025
Rock passée
Wie war das mit der Rockmusik? Die Aufnahmen wurden immer besser, der Ausdruck ging darüber manchmal ein bisschen verloren. Ironie zog ein, Kunstkniffe waren dominant, Produzenten gewannen einen Namen, standen für einen bestimmten Sound. Die wussten, wie`s geht: Eine der Technik geschuldete Transparenz war nun angesagt, der Überblick über ausladende Klanggebäude. Aber man staunte trotzdem noch über das Songwriting, die Kunst, Songs eine Spannung und eine daran anknüpfende Entspannung zu geben, sie zu dramatisieren, mit tollen Melodien auch, mit akustischen Angeboten aller Art. Das eine oder andere glitt ab in Überproduktion, Aber das machte nichts. Man hörte die Doobie Brothers, Loggins & Messina und James Taylor. Das führte in den Adult orientated Rock, also die Klangwelten, die für Erwachsene bestimmt waren, die einige Hörerfahrung voraus setzten und sich klar vom lüsternen Gehabe und den harmonisch gesteuerten Brunftarien der Teenie-Bands absetzten. Man interessierte sich für den, der da gerade Gitarre in einem unerhörten Sound spielte, man kroch geradezu hinein in gewisse Produktionen, ließ sich in Begeisterung verzaubern oder in ein überragendes Können auf dem Instrument. Das und nur „das hier“ war schwer zu spielen und überschlug sich geradezu in Raffinesse. „Das hier“. „Nicht das!“. Man musste „Die Neue“ von diesem oder jenem haben, man musste informiert, im Flow, im Groove sein. Kurz: es knüpfte sich so manches Interesse daran. Wer war das, was waren das für Leute. Guter und hochprofessioneller Sound kam oft aus Los Angeles, das in den USA zu einer Art Musikhauptstadt für ein vertontes Lebensgefühl wurde. Es wurde da manchmal auch ein Kokaingeschwängerter Sound abgesondert, der auch gepflegte Langeweile und sophisticated Swimmingpool-Gefühle transportierte. Man las in einschlägigen Magazinen über das opulent gestaltete Leben gewisser Rockstars, die die Massen bewegen konnten. Und – ach ja – die Spiritualitätsarien im Softrock. Man selbst nahm das mit, kannte es, aber es interessierte einen weniger. Was war das gegenüber den Tonkreationen eines Frank Zappa? Ja klar, mit so einem war man weit vorne dran. Dem musste man erstmal folgen können. Dem hypersensiblen Schwurbeln, der angefederten Melancholie. Aber da waren auch die hypnotisch im Hedonismus wühlenden Funk-Rhythmen, der Groove, die Hypnose. Gelegentlich versetzt mit anspruchsvollen Jazzgetue. Großartigkeiten. Überhaupt: ein auf Äußerlichkeiten pochendes Getue kam auf. Das Vorzeigen von Fähigkeiten wurde wihtiger. Auch der Glamrock, das Auftreten, die Erscheinung. Und und und…..alles noch vor dem Erscheinen der CD als Hör-Format.
Samstag, 1. Februar 2025
Stimme der spröden Leidenschaft
Was ich entdecke, weil ich eine Art „Investitur“ mache: Ich habe etwas aufbewahrt, dem ich über die Jahre hinweg so etwas wie eine Präferenz zumaß, an dem ich anderes maß, bewusst und unbewusst. Über lange Jahre hinweg war Sandy Denny trotzdem nicht an meine Ohren getreten. Sie war kein musikalisches „Fast Food“, das zu hören ich oft gezwungen war. Aber jetzt, die Sandy Denny-Kassette „A boxful of Treasure“ („eine Kiste mit Kostbarkeiten“). Ich erinnere mich, dass mir damals Wege gezeigt wurden, Arten, wie man etwas ausdrücken kann. Ihre Solo-Alben, ihre Lieder, teilweise unveröffentlicht und Live-Mitschnitte. Ein unprätentiöser fast bäuerischer Gesang eines Engels der Klarheit. Ich habe mir in Erinnerung gebracht, was mich immer schon bewegte: Dieses uneitle Singen, niemals auf massenhaftem Gefallen abgestimmt, nicht auf „Verkaufen“ abgerichtet, sondern eine angestrebte Übereinstimmung mit sich selbst. Da sind diese langsam sich entwickelnden Balladen, die dem in Deutschland herrschenden Zeitgeist fremd blieben. Sie machte sowas auch als Sängerin für Fairport Convention und deren zahlreiche Splittergruppen. Sie sang einmal für Led Zeppelin. Die sich ziehenden Verläufe, die einem das Zuhören abnötigen, bevor sie einem etwas geben. Auf dass man mit Perlen beschenkt werde. Dieses unbeirrte „in eine Richtung gehen“. Dieses „identisch mit sich selbst“ sein wollen. Sie hat in ihrem Leben viel Pech gehabt. Soll schließlich eine Treppe herabgestürzt und gestorben sein. Sie schien manchmal ins Unglück verliebt zu sein, melancholisch sinnierend, über sich hinaus schauend, eine große Klarheit ausstrahlend. Sie schwelgte, so scheint es mir wieder, nie in Übertreibungen, sondern blieb bescheiden direkt. Sie pflegte ihre spezielle Art der Konzentration und Ernsthaftigkeit. Ihre Lieder waren menschlich individuelle Äußerungen, nicht Ergebnis eines kollektiven Zielens auf Zuspruch. Ihre Version der Leidenschaft, ihr Brennen waren ihr Ausdruck. Sie spielte mit dem Bekannten und mit dem Unbekannten. Mit „Ecoute, ecoute“ sang sie gar einen kompletten Song auf Französisch. Sandy Denny hat an Wände gespielt und die Abpraller kamen auf uns. Wir sollten damit natürlich umgehen. Da war kein Protzen, kein „Sich verkaufen“. Vielmehr so etwas wie ein „Hier steh ich und kann nicht anders“. Introversion statt Extroversion. Ein „In sich gekehrt sein“ und weniger ein „aus sich heraus gehen“. Nicht dieses zeitweise etwas verlogene Zusammenrücken am Lagerfeuer, sondern die musikalisch umkreiste Einsamkeit, das Leid, das zurück Geworfen sein. Und ihre Stimme. Was ein verborgenes Juwel aus dem Schatten heraus leuchten ließ. Da ist noch kein „einer möglichst großen Masse von Leuten gefallen“, da sind noch nicht die Meuten an Managern, die alle was ab haben wollen, die Berater, Experten und Parasiten. Stattdessen ist uns durch sie eine große Klarheit geschenkt.
Freitag, 10. Januar 2025
Album, Länge? Intensität? Individuum? Künstlertum?
Wenn ich mir altem Speckkopf so zusehe, dann muss ich feststellen, dass ich ganz gegen die Gewohnheiten der „heutigen“ Hörer meist ganze Alben durchhöre – oder zumindest mehrere Titel lang einem Künstler auf diesem Wege zuhöre. Mir kommt es so vor – sei es Zufall oder nicht, seien es Gewohnheiten oder ein von „oben“ gegebenes Maß – dass das Album eine ganz gute Länge hat, um einen aktuellen „Zustand“ zu dokumentieren. Außerdem bricht sich Kreativität in diesem Falle an mehreren Formen, zeigt, in welche „Gewänder“ und Ausdrucksformen sie schlüpfen kann. Auch die Organisation von Klängen und Spielformen (gemeinhin: das Arrangement) sagt doch etwas über eine künstlerische Bemühung aus. Wobei wir schon beim nächsten Punkt wären: einem „Kennenlernen“ des Künstlers und seiner Eigenarten, die an mehreren Stücken auch deutlich besser möglich ist als an einem einzigen Stück, das mir vielleicht zur eigenen Belustigung dienen kann, mit dem jeweiligen Künstler aber nicht erschöpfend viel zu tun hat. So hat mir zum Beispiel der Künstler Pat Metheny (ein besonders populärer Musiker der „Jazzszene“) immer gefallen und es wuchs zunehmend der Wusch in mir, seine Entwicklung nachzuverfolgen. Es fehlten mir aber auch Passagen aus der Vergangenheit, die ich nach und nach mit dem Anschaffen früherer Alben ausglich. Und, was soll ich sagen? Ich habe in einem nachhaltigen Sinne davon profitiert, glaube, des Künstlers Ausdrucksformen besser verstanden zu haben, seine Phrasierungseigenheiten, seinen Klang, - kurzum: seine musikalische Mitteilungsform.
Sonntag, 15. Dezember 2024
Innovation und all das
Ach, wie öde fand ich diesen Anspruch im Zusammenhang mit Pop- und Rockmusik!? „Innovativ“ solle es bitteschön sein. Nichts mehr und nichts weniger. Ich selbst habe das Wort im Zusammenhang mit dieser Musik selten, wenn nicht sogar gar nicht benutzt. Ich dachte immer, dass „Innovativ“ auch eine Frage des Blickwinkels und des Standpunkts sei. Auf der Seite des Zuhörers eine Frage des „Sich-Einlassens“. Auf der Seite des Musikers die Bereitschaft, mit dem Unerwarteten, mit dem Überraschenden umzugehen.„Innovativ“ im eigentlichen Sinne, also möglichst unumstritten, waren in meinen Augen Figuren wie Jimi Hendrix und Jaco Pastorius, - vielleicht noch zwei oder drei andere. Da war John McLaughlin. Oder Santana. Oder Jeff Beck. Waren die nicht „innovativ“? Oder hängt dieses „Innovativ“ auch mit der Fähigkeit zusammen, eine eigene musikalische Welt, eigene Ausdrucksformen und Möglichkeiten zu schaffen. Einen eigenen Anspruch zu erschaffen? Eine eigene tönende Welt? War etwa oder ist Eric Clapton „innovativ“ oder hat er, wie manche Oberschlauen behaupten, nur auf dem Erbe der großen Bluesmusiker aufgebaut, hat er "geklaut" und dann daraus versucht, etwas Eigenes Unaufgeregtes zu schaffen? Wer sich in Claptons Musik jemals hat fallen lassen, wird diese Frage leicht beantworten können. Wie leicht ist es eigentlich, ständige Wiederholung und mangelnde Möglichkeiten zu unterstellen? Hat und hatte Clapton keine eigenen Möglichkeiten? Der längst verstorbene Peter Green mit seinen den Wolken entlang gleitenden traumwandlerischen Gitarrenlicks? Waren wir nicht dankbar und brachte uns das nicht etwas, dass er es versucht hat? Dass er geflogen ist.... wie ein Albatros? Alles geklaut? Völlig un-innovativ? Wer dann später die Lieblingsmusik jener "innovativen" Kritiker hört, mag so manches mal krass erstaunt sein: Ob es das ist, was "innovativ" sei? Das hier! Unzählige andere Musiker und Beispiele ließen sich nennen. Viele haben das Rad nicht neu erfunden und waren mit den von ihnen an sich selbst entwickelten Möglichkeiten trotzdem „innovativ“, weil sie sich dessen, was sie vorgefunden haben, anverwandelt hatten. Will man überhaupt immer „innovative“ Musik hören? Soll jemand ständig erfinderisch sein? Muss man, um so etwas aufzunehmen, nicht auch in Stimmung dafür sein? Offen. Ist nicht etwa auch eine Leistung, jemanden in einer solchen Stimmung ansprechen zu können, ihn einzuhüllen in die eigene Vision von Sound?
Donnerstag, 4. Juli 2024
Strato
Ich höre Mark Knopfler, der seit „Brothers in Arms“ (Endphase Dire Straits, habe ich sogar live gesehen) an mir mehr oder weniger spurlos vorüber ging und bald wohl zu den endgültigen Abgängen zählen wird. „Privateer“ lief wohl tausend mal. Im Gegensatz zu früher gefiel mir das sogar. Ich mochte die ersten beiden Dire Straits-Alben sehr. Man liebte seine Stratocaster und Knopfler zeigte neue Wege auf ihr, formte Arten des Ausdrucks. Ich besuchte damals auch ein Live-Konzert unter dem Motto „Sultans of Swing“. Nicht nur das Reduzierte hat er später unter eigenem Namen aufgegeben. „Road to Philadelphia“ langweilte mich auch, weil er darauf noch öfter diesen Hang zum Gefälligen hatte und auch, weil es nicht so gut produziert war, wie ich glaubte, mich zu erinnern. Ich habe auch „Golden Heart“ und „Get lucky“ mehrfach gehört: wie er Folk in seine Musik integriert, gefällt mir, ist auch gut produziert, lässt mich aber merkwürdig kalt. Dudelsäcke, Flöten….alles da. Seine “träumerische“ Stimme: er wurde als Sänger empfunden. Niemand konnte definieren, wieso. Ich nähere mich wieder seinem Gitarrenstil an, den er später von „Brothers in Arms“ ausgehend in Richtung auf fette Sounds erweiterte. Das Knappe, Reduzierte, Minimalistische war raus und fast schon ins Gegenteil gekippt: opulente Klangmalereien, bombastisch, schwelgerisch überbordend. Refrains für das Stadion, lange Tourneen.
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