Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
Dienstag, 2. Juni 2026
Stress, Digitalisierung und Aufmerksamkeit
Etwas Unbedeutendes mit allen Sinnen wahrnehmen, seine Aufmerksamkeit darauf lenken, Gerüche, Geschmäcker wahrnehmen, die Hektik, den Stress, das fortwährende Multitasking und die überall herrschende Zweckbestimmtheit vergessen, - kann man das lernen? In Kursen? In Workshops? Das Etikett „Achtsamkeit“ erscheint unter anderem angesagt – bei Managern und „erfolgreichen“ Eliten. Sie sollen besser und erfolgreicher funktionieren, sie sollen der Beschleunigung aller Lebensverhältnisse besser folgen können, sie sollen beim Neoiberalen Umzug teilnehmen können. Sie sollen von sich absehen und doch ganz bei sich selbst sein.
Sie sollen Skrupel abbauen, um beispielsweise Leute besser entlassen und mit ihnen umspringen zu können. Sie sollen die Vorgaben anderer als die eigenen begreifen. Internalisierung, Verinnerlichung, soll auf diese Weise besser gelingen. Dazu ist Konzentration auf den Atem angesagt, Stille und Langsamkeit heißt es auszuhalten, ruhiges Gehen und bewusstes Essen gilt es zu erlernen, den eigenen Körper spüren, mental bewusst im Hier und Jetzt sein, den Moment genau erleben und vielleicht auch zu genießen - und vieles andere, das gut klingt. Angst und Panik sei dadurch besser auszuhalten, so heißt es, sich selbst annehmen, sich selbst spüren, auch die eigenen Verletzungen, das sei als nobles Ziel ausgegeben. Doch es bleibt eine Frage: Wem nützt es, wenn Achtsamkeit der Maximierung von Glück, Gewinn oder Geschwindigkeit dienen soll?
Montag, 1. Juni 2026
Erinnerungen?
Man entdeckt Reste in sich. Dessen, was man einmal war. Ob man das noch ist? Ein Gefühl umschleicht einen. Ob es Wehmut ist? Nein, früher war nicht alles besser! Aber manches war anders: Ein Beweis dafür, „dass es auch anders geht“. Man war in Scheis Notwendigkeiten eingezwängt. Man war Objekt, kaum Subjekt. Aber man hatte Zeit. Die verbrachte man oft mit Warten... Ich war ausgestoßen. Es kam mich hart an, dass ich als einziger im Schwimmunterricht aufblasbar orangenfarbene Schwimmflügelchen tragen musste, weil ich nicht schwimmen konnte. Heute kann, den letzten Statistikzahlen nach, ein viel zu großer Prozentsatz junger Menschen nicht schwimmen. Es wurde einem klar, dass man nicht konkurrenzfähig war, dass man auf einen Beobachterposten verbannt war. Man war nicht dabei, wenn es bei den Fußballmannschaften ans Wählen ging, bzw. man gehörte immer zu den letzten, die gewählt wurden. Zwei Leute gingen mit Fußlängen aufeinander zu. Wer nicht mehr in die Lücke kam, hatte verloren. Der andere durfte wählen. Man übte nachmittage lang vor dem Haus das Fußballspielen. Man war in diese Bewegung verliebt. Sie durchpulste einen. Sie motivierte einen. Sie trieb einen. Man entwickelte Sympathie für die, die ebenfalls ausgeschlossen waren. Man sah, wie die sich Mühe gaben und entdeckte Gemeinsamkeiten. Heute sind die Vielen toleranter. Alles geht unter in einer Wolke elterlicher Sympathie. Weich gepolstert. Bloß nicht zu hart sein..... Eltern haben Zeit dafür, der soziale Codex gebietet ein bestimmtes Verhalten. Ach, Selbstmitleid ist nicht erlaubt.......
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