Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 30. Juni 2026

Personen Funktionen

Man glaubt, inzwischen in einem Alter zu sein, in dem einem die Körpersprache und die dadurch zur Schau getragenen Posen etwas sagen können. Diese ewigen dunklen Anzüge als Arbeitsuniformen und die nichtssagenden Kostüme der Polit-Wichtigs und das von den Medien beobachtete Steigen aus teuren Limousinen-Dickschiffen strahlen eine Abgehobenheit aus, die einem schon mal auffallen kann. Auch wird in der Polit-Inszenierung dadurch die Zugehörigkeit zu einer politischen Klasse der „Entscheider“ stark unterstützt. Dass solche Entscheidungen oft im intransparenten Dunkel verbleiben, wird gerne damit erklärt, dass bestimmte Dinge „nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“ seien. Das im Parlament meist zur Schau getragene demonstrative Desinteresse der in irgendwelche Bildschirme starrenden „Entscheidungsträger“ mag diesen Eindruck noch unterstützen und den Abstand zum „Volk“ noch zu vergrößern scheinen, dessen Belange zu vertreten man gerne vorgibt. Ja ja, der Politikbetrieb! Auch die Macho-Posen und Sprüche eines feist grinsenden Nachrichtenmoderators, die selbst für mich „drüber“ sind, aber gerade von feministisch gesinnten Medien-Frauen offen angehimmelt werden.

Montag, 29. Juni 2026

Mit der Stimme ein Häusle bauen

Al Jarreau und Band auf der Esslinger Burg Ob die Stimme wirklich das Fenster der Seele ist? Oder ob diesbezüglich die Augen mehr sagen? Welche Rolle spielt dabei die „innere Stimme“? „Und was die innere Stimme spricht, das täuscht die hoffende Seele nicht“: Der Schiller hat’s behauptet und deshalb gibt’s uns zu denken. Ob’s stimmt? Herje, der zurzeit wieder schwer gehypte Klassiker wusste natürlich um den Gehalt seiner Behauptungen, - wer denn sonst? Trotzdem, schöne Spekulationen sind’s, große Fragen für Psychologen, Dichter und esoterische Geister. Was ist die Stimme überhaupt im innersten? Bla bla, ratter ratter... Nun gut, Die Stimme ist ein Musikinstrument, das ist sie schon. Seele und Gefühle drücken sich vielleicht doch am Unmittelbarsten durch sie aus. Eine Ahnung davon überkommt uns, als wir Al Jarreau direkt vor uns auf der Bühne der Burg in Esslingen hören und sehen. Wie er da in ganzer Person zu seiner Stimme wird, wie er in ihr sich zu konzentrieren scheint, wie er sich durch sie in Töne verwandelt, wie er gurrt und gackert, raunt und flüstert und schreit und – singt, mal sanft weich, mal nachdrücklich hart und überhaupt, alles dazwischen auch, wie er Klänge aus der Luft holt und sie formt, sich aneignet, wie er sich strömen lässt in seiner Stimme, sich windet, tanzt und grimassiert, da scheint er sich selbst geradezu nach außen zu stülpen, da wird er selbst zu einem Instrument. Ob er uns damit etwas über sich erzählt? Das schon. Nur was? Wieder rattert das Gehirn etwas von Leidenschaft und Seele und Identität und Persönlichkeit. Bloß, was heißt das eigentlich konkret? Könnte es nicht auch sein, dass das in Wirklichkeit täuscht, das alles „nur“ ein Trick ist? Ein Showtrick, eine lebenslang eingeübte Nummer, die dieser Mann mit seinen 65 Jahren halt nun ganz besonders gut beherrscht? Schöner Schein. Tolle Stimme. Es ist das, was es ist, dieses „Stimmwunder“. Der Mann war Psychologe, - hoppla, - als alles Mitte der siebziger Jahre anfing. Und er hatte kurz zuvor einen Plattenvertrag abgeschlossen, damals, als er 1976 im Hamburger Lokal „Onkel Pö“ zum ersten Mal vor ausländischem Publikum auftrat. Doch es wird der internationale Durchbruch für eine erfolgreiche Karriere gewesen sein, die ihm als einzigem Künstler drei Grammies in unterschiedlichen Kategorien eingebracht hat: Pop, Jazz und R&B. Auch andere wussten offenbar nicht, wie sie Al Jarreau einordnen sollten. Der Jazz kennt solche Stimmartistik ja schon lange, - aber der Popmarkt? Es sind schon ein paar sehr gefällig glatte Popsongs dabei, die er jetzt mit seiner fünfköpfigen Band in den Esslinger Abendhimmel schickt. So etwas wie „Breakin‚ away“ etwa. Typische Fusion aus Jazz und Rock Anfang der achtziger Jahre. Aber das ist nichts im Vergleich zu den Studioversionen, die sich damals unangenehm einem gekonnt produzierten Gedudel angenähert haben. „Contemporary Adult“ sagen Marketingstrategen dazu. Eine, nun ja, breite Zielgruppe, goutiert das. Er nimmt diese Songs auseinander, um sie neu in den Moment fließen zu lassen. Nur dieser Moment zählt. Er verlängert und verkürzt sie, scheinbar nach Belieben. Er steigt vollkommen aus dem Arrangement aus, er verlangsamt sie, beschleunigt sie, gibt ihnen oft eine andere emotionale Farbe. Er ist ja schon zu Anfang der Show ganz alleine mit diesem typisch amerikanischen Schlager „Get your kicks on route 66“ auf die Bühne gekommen, um mit ihm sein „Lololo“ und „nanana“ zu treiben, um mit seinen Vokalen den Mund auszuspülen und sie zu etwas anderem formen. Der ursprüngliche Song freilich gilt in diesem Moment nicht mehr viel, er scheint nur noch als Vorlage für des Künstlers Selbstdarstellung zu dienen. Ob das etwas Eitles hat? Etwas Affektiertes? Etwas Manieriertes? Wenn er spielt, dann spielt er diese Verfremdung und Selbstentblößung immerhin so gut, dass alle augenblicklich staunen und davon hingerissen sind: Diese warm fließende Menschlichkeit, dieses Aufgehen in der Musik, diese fehlenden Starallüren. Aber natürlich ist er trotzdem der Star, auf den sich alle Aufmerksamkeit richtet. Und er gibt diese Aufmerksamkeiten zurück, als gesungene Komplimente ans „Schwabenbaby“, ans „Schaffa schaffa, Häusle baua, a dodo dodidi a di di…“. Und er geht jetzt nach vorne auf die Bühne, um einer ganz Holden mit Elton Johns Schnulze „Your Song“ tief in die Augen zu schauen: „And you can tell ev’rybody, this is your sooong…“. Sie schmilzt. Und jetzt die große Zeile „I’ll buy you a house, where we both could live“. Na ja, das mit dem Häusle, das kommt bei ihr am Ende vielleicht sogar besser an als der Song… Er bittet Horst auf die Bühne, jawohl Horst ist’s, der vor dem Mikro nun vor lauter Aufregung vier mal zu seinem lyrischen Sprechvers anheben muss: „Ich habe Flüsse überquert und habe Berge versetzt…“. Und es kommt eine Julia hinzu, der er auf diese Weise offenbar einen Heiratsantrag gemacht hat, was natürlich ungewöhnlich rührend ist und vom Sänger sofort mit einem Ständchen belohnt wird. Aber schon skizziert der Keyboarder die typisch über die Synkopen hüpfende Intro-Passage zu Chick Coreas „Spain“. Die Band springt an, sie gibt den elastischen Trampolin für ihn, für seine vokalistischen Schleifen, für sein Glänzen an sich selbst. Die Fünf spielen hervorragend, sind letztlich aber nur Begleiter, auch wenn jeder wild und brav sein Solo abliefern darf. Er zählt auch seine Finger nach, Al Jarreau zählt auf deutsch „eins zwei drei vier fünf“ und er zählt Dave Brubecks „Take Five“ an, mit dem er schon Mitte der siebziger Jahre verblüfft hat. Songs seines neuen Albums „Accentuate the Positive“ hingegen reihen sich ein, sie gehen an diesem Abend unter im Großen und Ganzen. Er scheint herzlich viel improvisiert und spontan umgestaltet zu haben zu haben an diesem Abend. Aber nach exakt 90 Minuten kommt das Große und Ganze zum Schluss. Genau kalkuliert, das.

Sonntag, 28. Juni 2026

Seance

SEANCE (in „Mix“ 2009) Wir rücken unmerklich in die Zukunft werden jünger und fragen uns, was das heißt Missy Dizzy Nebelteiler wir legen uns hin und machen es klar geht’s dir gut? Das ist gut! alles so schön gruselig hier kannst Du's spüren wie das wirkt zusammen im selben Beat zu sein? jeder Kuss ein scharfer Schuss diskrete Dröhnung ist die Krönung

Samstag, 27. Juni 2026

Schreiben

Aus einem Brief, längst abgeschickt in früheren Zeiten: Übrigens: Ich bin ganz klar der Meinung, dass man sich kein anderes „Flussbett“ suchen braucht. Um Gottes Willen? Ein solches Spekulieren, ein solches „abgehobenes“ Philosophieren ist leider typisch für mich: Ich selbst bin wahrscheinlich am wenigsten fähig, es zu realisieren. Womöglich gibt es tatsächlich nur ein Flussbett. Ich würde nur gerne auf irgendeine Art mehr darüber wissen. Es ist irgendetwas, was mich irgendwohin treibt. Man sollte über seine eigene Motive möglichst einigermaßen Bescheid wissen. Mich treiben leider etliche Motive, für die ich wohl nie eine Chance der Realisierung haben werde. Realisten würden zu Recht sagen, diese Überlegungen, dieser Traum vom Selbst und vom Sein, sei abgehoben. Ich wollte nur versuchen, etwas zu erklären, etwas von mir, wie es so schön heißt, zu „kommunizieren“. Mein Gott ich bin bald 70! Ich sollte die Realisierung wenigstens versuchen, ehe es zu spät ist! Aber es hat sich die Tür, die Möglichkeit, nicht aufgetan für mich. Als ich die Möglichkeit sah, nach dem Ende des Studiums, und ich ernsthaft Versuche machte, bin ich kläglich gescheitert. Den Mut hatte ich damals, weiß nicht, ob ich ihn noch heute hätte. Aber: Es braucht eine praktische Fähigkeit, solche Träume umzusetzen. Ich könnte mich unablässig beschimpfen dafür. Mit meiner Kusine, ein liebes, unbedarftes Mädel damals, hatte ich mich über solche Dinge unterhalten. Sie ist daraufhin nach Südamerika gefahren, ganz alleine als Frau, war eine Zeit lang in Mexiko verschollen, ist wohl weiter übers Land und dann in Peru angekommen, wo sie eine Zeit lang gelebt und ihren späteren Ehemann kennen gelernt hat. Nice, nice, very nice…...

Freitag, 26. Juni 2026

Neuer Tag

heute morgen, begreif' den neuen Tag eine neue Farbe, nie geseh'n die Gesichter am Weg sind plötzlich weg da ist dieser fremde Geruch den ich so gerne mag' wir gehen hinaus, ein bisschen die Welt erklären der Augenblick macht es uns (jetzt) so leicht im Meer schäumen unablässig die Wogen wir müssen lachen, wie sie ihr Geld vermehren die Sonne steht leuchtend hinten am Horizont sie scheint uns die Zeit um zu erkunden Wir rasen und toben – in den Kreis hinein in (all die) schöne Sprüche, hinein in (tausend) herbe Brüche

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Möller

Zu „Der Möller“ Wir fliegen und träumen - in das Nichts – immer bunter, immer munter, immer gut drauf Wir fühlen und tanzen - in das Licht die Motte zieht es an, bis sie sich im Feuer bricht Wir gleiten und schweben – in das Blau wie uns versprochen und längst gebrochen, in schales Grau

Mittwoch, 24. Juni 2026

Landpommeranze

Ich erinnere mich an mein Geschreibsel zu Anfang der 2000er Jahre: Ob ihr Äußeres womöglich auch eine große Rolle gespielt hat in ihrer langen Karriere, ihre erst schwarzen, jetzt weißen Haare, ihre frühere Anmutung als ganz und gar amerikanisches Mädchen und jetzt als reife Frau mit würdevollem Tiefgang? Obwohl sie anerkanntermaßen ja doch ganz Stimme ist, Sängerin? Vielleicht sogar die weibliche Stimme der amerikanischen Musik. Wie Emmylou Harris jetzt auf die Bühne des Beethovensaals hereinschreitet, im hocheleganten weißen Kleid, das die Landpommeranzen in den USA ja überhaupt nicht tragen würden, da gibt sie tatsächlich jene Queen, First Lady und Grand Dame des Country, die die Klischees immer aus ihr machen wollen. „Here I am“ singt sie, solche Widersprüche lässig zusammen zu zwingen war schon immer ihr Ding. Der Song klingt vorsichtig, nach federnd schlurfendem Groove, ihre Stimme darüber ist fest, klar konturiert, manchmal fast rauchig, in den Mitten kräftiger als früher und hat nichts von dem kitschigen Schein der Unschuld, den die alte Country Music oft ausgestrahlt hat. Aber sie ist ja ohnehin die Neuerin, die die Tradition des Folk, des Rock und der populären Musik mit viel Haltung in einen eigenen Stil überführt hat. Er ist es, der sich auch in das Bewusstsein der 1800 vor ihr eingegraben hat, denen sie jetzt etwas von ihrer Geschichte als Sängerin gibt, - auch mit dem Titel „Return of the Grievous Angel“, der mit ihrem legendären Anfang als Muse und Partnerin des Gram Parsons spielt. Geschichte. Vorbei. Jetzt legt sie alles in ihren Ausdruck, die Eigenheiten ihrer Stimme, die ja stets ein Geheimnis zu transportieren schien, mit dem sie ein sehr breites Publikum ansprechen konnte. Ein Zauber? Nichtdoch. Im geradezu kamermusikalischen Rahmen ihrer fünfköpfigen Band gleitet sie durch ihr Repertoire über einen Strom der Melancholie, bis hin zum aufgeweckten Bluegrasstitel „Get up John“. Intensiv. Eigen. Stark. Grandios. Ob ihr Äußeres womöglich auch eine große Rolle gespielt hat in ihrer langen Karriere, ihre erst schwarzen, jetzt weißen Haare, ihre frühere Anmutung als ganz und gar amerikanisches Mädchen und jetzt als reife Frau mit würdevollem Tiefgang? Obwohl sie anerkanntermaßen ja doch ganz Stimme ist, Sängerin? Vielleicht sogar die weibliche Stimme der amerikanischen Musik. Wie sie jetzt auf die Bühne des Beethovensaals hereinschreitet, im hocheleganten weißen Kleid, das die Landpommeranzen in den USA ja überhaupt nicht tragen würden, da gibt sie tatsächlich jene Queen, First Lady und Grand Dame des Country, die die Klischees immer aus ihr machen wollen. „Here I am“ singt sie, solche Widersprüche lässig zusammen zu zwingen war schon immer ihr Ding. Der Song klingt vorsichtig, nach federnd schlurfendem Groove, ihre Stimme darüber ist fest, klar konturiert, manchmal fast rauchig, in den Mitten kräftiger als früher und hat nichts von dem kitschigen Schein der Unschuld, den die alte Country Music oft ausgestrahlt hat. Aber sie ist ja ohnehin die Neuerin, die die Tradition des Folk, des Rock und der populären Musik mit viel Haltung in einen eigenen Stil überführt hat. Er ist es, der sich auch in das Bewusstsein der 1800 vor ihr eingegraben hat, denen sie jetzt etwas von ihrer Geschichte als Sängerin gibt, - auch mit dem Titel „Return of the Grievous Angel“, der mit ihrem legendären Anfang als Muse und Partnerin des Gram Parsons spielt. Geschichte. Vorbei. Jetzt legt sie alles in ihren Ausdruck, die Eigenheiten ihrer Stimme, die ja stets ein Geheimnis zu transportieren schien, mit dem sie ein sehr breites Publikum ansprechen konnte. Ein Zauber? Nichtdoch. Im geradezu kamermusikalischen Rahmen ihrer fünfköpfigen Band gleitet sie durch ihr Repertoire über einen Strom der Melancholie, bis hin zum aufgeweckten Bluegrasstitel „Get up John“. Intensiv. Eigen. Stark. Grandios. Weniger anzeigen

Dienstag, 23. Juni 2026

Ironie und Mitmenschen

Okay, zu viel der Ironie! Da muss aufgepasst werden, dass man nicht allzu zynisch daherkommt. Ein bisschen Übertreibung hier, eine versteckte Pointe dort: So was ist nicht jedermanns Sache. Das habe ich unter anderem auch bei meinen Kritiken für eine größere Tageszeitung gespürt. Es wurde sehr empfindlich reagiert und teilweise falsch verstanden, was man extra gedrechselt ausgedrückt hatte, auch, um den eigenen Geschmack nicht absolut zu setzen und ihn als kennzeichnendes Signal auszuweisen. Teilweise richtig persönlich wurde man da angegangen, meist mit der Unterstellung, man habe ja keine Ahnung und sei überhaupt nicht bei der Veranstaltung gewesen, sonst hätte einem ja auffallen müssen, dass…..usw. Beliebt war auch die Drohung, ein Abonnement sofort abzubestellen, was wohl um die Ecke herum Druck auf mich ausüben sollte. Ja klar, wer austeilt, muss auch einstecken. Doch die Art, wie man angegangen wurde, diese simple und peinliche Identifikation mit den „Stars“, diese tumbe Art, gegen jede Kritik kräftig auszuteilen und sich immun gegen jede Art von Zweifel zu machen, diese peinliche Identifikation mit denen, die daraus ihr Geschäft machen wollen, das hat mir dann doch gestunken. Hatte man nicht gehört, dass da der weltbeste Gitarrist zugange war? Ich nahm wohl zu direkt und einfach eine bestimmte Art von Niveau an, und wohl auch der Bereitschaft, sich mit etwas auseinander zu setzen, einer Meinung, einer Einschätzung, einer bestimmten Perspektive von jemandem ganz bestimmtem. Was gefordert wurde, war mehr von dem, was man selbst als Objektivität definierte angesichts eines Sujets, das doch relativ subjektiv besetzt ist. Objektivität bedeutete meist, unbekümmert einer bestimmten Meinung zu sein. Alles gut. Alles klasse! Nun denn….

Montag, 22. Juni 2026

Planeten sterben

Es scheint immer noch gute Gründe zu geben, unseren Planeten zu ruinieren und damit das eigene Ego aufzublasen. Ob das auch eine Folge dessen ist, dass jeder seinen kleinen Bereich als Spezialist beackert, dass Expertentum und Expertise regiert, ohne dass „das Ganze“ in den Blick genommen wird? Die Betriebswirtschaft, die offiziellen Tonangeber und ihre Vertreter schwärmen und schwadronieren wild von „Wachstum“ , das gerade jetzt ohne Rücksicht auf solche Verluste (die in ihrem Verständnis ja alle Kosten sind) unbedingt erreicht werden müsse. "Grünes" Wachstum könne man sich gerade jetzt nicht leisten. Meiner Ansicht nach ist das ziemlich unreflektiert. „Die fahren das ungeniert an die Wand und wundern sich dann“, so geht es mir durch den Kopf. Erste Absetzbewegungen sind ja auch schon zugange: bestimmte Weltraum-Companies bieten Flüge für superrreiche Menschen zu anderen Planeten an. Ich vermute mal, dass das mehr werden wird. Denn: Akzeptable und einermaßen erschwingliche „Alternativkonzepte“ gibt es viel zu wenig. Wie geht das? Sollte nicht aller Erfindergeist darauf gerichtet werden? Gerade in diesem Land, dass sich seiner findigen Ingenieure brüstet, - übrigens so, wie das nahezu jedes Land tut. Die fahren das gegen die Wand und geben aus, damit den Sachzwängen gerecht zu werden. Umweltzerstörung wird gerechtfertigt, Artensterben in Kauf genommen.

Freitag, 19. Juni 2026

Wettbewerb

Competition Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das „Sich messen“, die Marktwirtschaft in den Köpfen, sie bestimmen (competition) offenbar die Wirklichkeit, nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, die Empathie, das Gefühl für das Ganze (wäre auch kein bisschen neoliberal), sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen….. „Top Dogs“ rasen in ihren fetten und Platz wegnehmenden SUV-Kisten an einem vorbei, sie streben alle ehrgeizig ein Scheinziel an (das ihnen von den noch Mächtigeren vorgegeben ist), das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… zurück ins Getriebe. Sie treiben ihre Allrads mit gelangweiltem Gesicht („was ist denn das für ein Loser!“) an dir vorbei, mit denen sie überall zeigen, dass sie nicht nur mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können, sondern auch per Fernreise zu fernen Zielen. Sie wollen sich zu den Besseren zählen (noch dürfen sie das völlig ungeniert... manche von ihnen sind sehr stolz drauf, andere nehmen es als Selbstverständlichkeit), aufgemotzt, aber dezent, Überlegenheit dauernd zu zeigen ist (k)ein schweres Geschäft…. Für Competition-Mitläufer, für Bewerber, für tüchtige Tüchtige, für Durchsetzer, für die, die alles richtig gemacht haben.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Prominenz

Ich stehe dem einigermaßen fassungslos gegenüber, wenn wieder ganze Magazine (TV, Internet, Print...) und Dokumentationsreihen über die kleinen Äußerungen, Äußerlichkeiten und Wehwechen der sogenannten „Prominenten“ berichten. Jawohl, es gibt Gründe, wieso diese Personen als dermaßen herausragend betrachtet werden, selbst wenn es nur die Äußerung oder das Äußere eines sogenannten It-Girls, das Verhalten von Adligen oder die sehr offensichtliche Regung eines sogenannten „Influencers“ ist. Doch das Ausmaß, mit dem sich eine Öffentlichkeit für solche Dinge zu interessieren scheint, kommt mir ziemlich übertrieben und befremdlich vor. Es scheint mir religiöse oder kultische Züge angenommen zu haben, - wobei diejenigen, die so etwas am lautesten zu beklagen scheinen, wiederum der Schicht der „Prominenten“ angehören, womöglich aus ganz anderen Gründen als jenen ihrer scheinbar überragenden Fähigkeiten. Sich den Erwartungen möglichst optimal anpassen, das scheint das Gebot. Ob das alles in einem Verhältnis zu den Gefährdungen steht, denen unsere Welt sich aktuell gegenüber sieht? „Erst mal will ich prominent werden und abkassieren und dann kommen die Probleme des Allgemeinen“ scheinen da die in Rede stehenden Leute für sich anzunehmen. Es ist diese Welt, der manche Leute wie ich zu entfliehen versuchen…… Da sind die, die „es geschafft“ haben. Die Schönen und Reichen. Ohne Grenzen scheinbar. Das ein paar von ihnen (oder auch mehr…) daraus ein Geschäft machen wollen, ist ja offensichtlich. So geht`s bei uns. Der Vorbilder sind allzu viele. Etwas Spannendes verkörpern, sich optimieren, Aufmerksamkeit erzeugen, verlogen lächeln und grinsen, sich verkleiden, sich und seinen Reichtum ausstellen, damit prahlen, sich schminken, „zubereiten“, um das Resultat dann ins Netz zu stellen. Social Media etc. Liebschaften, Heiraten, Scheiden, „Making of...“ Million Dollar Bodykult, Yachten und teure Schlitten...und alle dürfen daran teilhaben. Das Muster, die Vorlage dazu wird allmählich öde. Desto mehr müssen sich „Promis“ anstrengen! Um die ganze Welt reisen, nach Belieben, die Welt ruinieren, Zukunft verbrauchen fürs Ego, Scheis auf den Klimawandel! Mir steht das zu! So geht‘s zu in dieser Promi-Welt! Ab auf die Power List!

Mittwoch, 17. Juni 2026

Neoliberalismus

Neoliberalismus Was überhaupt könnte Neoliberalismus sein, von dem viele reden (geredet haben) und das sie neuerdings mit den beiden Buchstaben K und I versehen? Die Politikwissenschaft behauptet hier ein „postheroisches Zeitalter“ in das wir hinein geworfen sein würden. Nun ja. Wir sind mannigfach hinein geworfen! „Flexibilisierung der Arbeitswelt“ könnte da ein Stichwort sein, das den Neoliberalismus stark geprägt hat. Also die Loslösung von Menschen aus kollektiven Bindungen, etwa Tarifverträgen, und die Überantwortung solcher Bindungen an einen Markt, der schon alles irgendwie regeln möge.Voraussetzung dazu wäre eine Selbstoptimierung, also die Voraussetzung, dass jeder als Einzelner die Voraussetzung zu seinem Glück schaffen könne. Der „Wettbewerb“ scheint solch ein Begriff zu sein, der vom Neoliberalismus heilig gsprochen ist. Ebenso der Begriff der „Leistung“, der möglichst von allen kollektiven Bindungen befreit und entfesselt sein müsse. Der Leistungssport scheint hier eine wichtige Schrittmacherrolle zu spielen. Prinzip: „The Winner takes it all“. Das heißt: Derjenige, der sich durchsetzt gegen alle andern, bekommt die ganze Aufmerksamkeit und das ganze Geld (Der Wert im Leben). Gewinner sind oft auch jene, die so glänzend dargestellt werden, weil sie ihre „Mitbewerber“ haben schlecht aussehen lassen. Neoliberalismus könnte aber auch, besonders und zuletzt nach den Einlagen eines scheinbar Supermächtigen, etwas zu tun haben mit der Aushölung der Souveränität einzelner Staaten zugunsten einer Globalisierung des Turbokapitalismus, der alle soziale Bindungen aushölt, alles mit Geld regelt und jene Globalisierungsgewinner schafft, die uns in den Medien präsentiert werden. Neoliberalismus könnte auch etwas zu tun haben mit dem Ideal des flexiblen Menschen, der sich allen vorgegebenen Strukturen möglichst optimal anpasst. Ob das etwas mit Konformitätsdruck zu tun hat? Dem folgen, was gerade opportun ist, ob das ein Ideal sein kann? Ob dem gegenüber Sinnstrukturen stehen, die nicht dem „Markt“ oder dem „Geld“ verpflichtet sind? Die über die Heiligsprechung des Einzelnen und die Nutzenorientierung des Marktes hinaus weist?

Dienstag, 16. Juni 2026

Sprung in die Zukunft

Sprung in die Zukunft Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Roboter? Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Leistungsprinzip. Elitär. Äquivalenzprinzip. Was ist das noch wert? Oder? Es…. Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen. Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen uns und das Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen neu zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf damit finden. Manifestationsmeister. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Der Kompass wird sichtbar. Ein Thema wird wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden. So könnte es sein.

Montag, 15. Juni 2026

Schreien

SCHREIEN Schreien Schreien Schreien Schreien Schreien Schreien Sch – r - ei – en! Nur noch: nur noch: ein Schrei Einer nur noch: einer ein Schrei schreien! (ca. 2014)

Freitag, 12. Juni 2026

Man

Man? Man schluckt in sich zurück Versucht auszuhalten, wie die Zeit vergeht Man will sich festhalten und findet nirgendwo Halt Man setzt seine Energie ein und spürt, dass das verpufft und nichts nützt nicht ankommt, irgendwie in Zärtlichkeit gelöst, vorbei zielt Man steht neben sich und beobachtet, versucht zu erkennen Treiben und Umgang, um einen herum, in Veränderung man hatte zu lange den absurden Ehrgeiz, zu wissen, zu erkennen und es entglitt einem zu vieles man vergeht und erfährt Neues, beides versucht, sich auseinander zu setzen was sich jetzt als Content verstehen will erfährt Begrenzungen, tastet in Dunkelheit und genießt in zu kurzen Momenten man gleitet in einen möglichen Rausch macht in Selbsterfahrung, führt das Suchen vor Wird skeptisch, wittert Fake und Täuschung hört Bescheidwisser, stille Genießer, im Hintergrund Diese Täuschungen über das Leben, diese Spiele mit dem Horizont langweilen und - machen einen zuweilen fassungslos und zeigen, dass alles oft anders ist, als es scheint, mehr denn je Da ist das hemmungslose Streben nach etwas Unbekanntem das um dich ist und dich mit einem Gebaren einhüllt Es gilt jetzt das Geschäft, erbarmungslos hart alle verkaufen sich, so gut es geht Der Wandel in den Handel wird für normal erklärt von wem? (2026)

Donnerstag, 11. Juni 2026

Umgang

Wo bleibt so etwas wie Liebe? Sorgsamer Umgang miteinander, Aufmerksamkeit, Zugetanheit, ergeben vergeben, Angezogen über einen längeren Zeitraum, durch Probleme hindurch getragen langsames Begreifen von jemand anderem Wo gibt es so etwas, noch oder wieder? Ist das überwölbt von Sentimentalität, Traditionalismus und Eingegrenztsein? Sich selbst immer wieder neu erkämpfen und spiegeln in etwas Anderem Der schnelle Kick, der kurze Klick, der rasche Fick erscheint dagegen jetzt angesagt das Verbrauchen, der genussvolle Konsum im künstlichen Paradies der Gegenwart, was gefällt und bekömmlich ist und Befriedigung verschafft ob diese „Beweglichkeit“ satt macht, sei dahingestellt, die, die sich als Einzelne fühlen und es nicht sind, ohne das zu merken Bemerken, sorgen, beachten Verstehen ist in der Kürze der Zeit verpönt Der Mensch definiert etwas im Umgang neu und lässt es normal werden, einwandern, langsam aufkommen man selbst lenkte Energie hinein in ein Musizieren das anders sein wollte und scheiterte Man gab Laute, die vergingen im Nichts, formte Gefühle zu Tönen ging damit um, brachte es nach außen

Mittwoch, 10. Juni 2026

Cut

Ich hatte erlebt, wie ich in meiner Wohnung zusammengebrochen und nur durch einen Zufall ins Krankenhaus gekommen war. Dort, wo man sich völlig verständnislos anhand meines Single-Daseins gezeigt hatte. Man hatte Kinder und Enkel zu haben, das lernte ich hier zum ersten Mal sehr eindringlich. Sie hätten einen versorgen müssen. Man wurde beispielsweise trotz heftigen Einspruchs mehrmals aufgefordert, doch „daheim“ anzurufen und sich benötigte Dinge bringen zu lassen. Man hatte insbesondere die in diesem Augenblick unabdingbar notwendigen Aus- und Nachweise nicht dabei. Selbst das Smartphone fehlte. Die Dokumente, die bezeugen und beglaubigen konnten, dass…. War man überhaupt krankenversichert? Wer war man?, konnte man seinen Namen beweisen? Das Kärtchen von der Versicherung u.a. „Da könnte ja jeder kommen….“. Auch war da meinerseits ein tief sitzendes Misstrauen dem Gesundheitssystem und seinen handelnden Personen gegenüber. Man wusste ja, dass eine Operation am Herzen sich für ein Krankenhaus qua „Fallpauschale“ materiell sehr lohnen würde. Das zu wissen, war man auch Journalist. Prompt war auch meine erste Operation daneben gegangen. Erster Durchgang. Nachuntersuchungen. Bedenkliche Gesichter. Neuer Termin. Wieso ich? Wer bin ich? Wo bin ich?….. fragte man sich. Wieso geht bei mir immer alles schief? Welches Spiel wird da hinter meinem Rücken gespielt?

Dienstag, 9. Juni 2026

King Crimson

Über ein Konzert des Jahres 2003 schrieb ich einst: King Crimson im Beethovensaal Es ist doch nur ein kurzes Spiel mit den Erwartungshaltungen des Publikums: Ein Rockprofessor im dunklen Anzug nimmt Platz auf einem Hocker und macht sich an einer Gitarre zu schaffen, der er sphärische Klangwolken zu entlocken scheint, harmonisch, aber doch im Nichts um sich selbst kreisend, aus dem Ungewissen herkommend und dorthin wieder verschwindend. Doch irgendwann legt der Herr Professor seine Gitarre ab, verschwindet und ein Herr Prozessor spielt immer weiter, wodurch niemand im Beethovensaal weiß, wer was gespielt hat und wie das überhaupt zustande gekommen ist. Der in sich gekehrte Professor war Robert Fripp, der ja nicht nur als Kopf der Band King Crimson die seltsamen Experimente geliebt hat, über 35 Jahre hinweg, in tausend Besetzungen und personellen Kombinationen. Ein Enfant terrible, das auf dem Barhocker im Dunklen sitzend dem Publikum den ganzen Abend keinen einzigen Blick geschweige denn eine Ansage schenken wird und Fotoaufnahmen allerstrengstens untersagt hat. Dafür jedoch schenkt er dem Publikum seine Musik, die nun bald im vorzüglich ausgesteuerten Sound losbricht: King Crimson ist nach langen Jahren der personellen Fluktuation nun ein stabiles und traumhaft eingespieltes Quartett, das vier unterschiedliche Charaktere vereint. Schroffe, sehr eigenwillig strukturierte Massive aus elektronisch manipuliertem Klanggut türmen sich auf zu einer Art durchkomponiertem Edelmetal, fallen in sich zusammen, werden zu zerkrittelten, von ungeraden Rhyhtmen durchstochenen Klangphantasien oder gehen über in schräge Balladen voller bizarrer Einfälle: ist so etwas Prog Rock? Avantgarde Rock? Kunstrock? Nein, es ist King Crimson. Keine Etiketten. Keine Schubladen. Die zurückliegenden 35 Jahre scheinen nur Anlauf für dieses Konzert gewesen zu sein, dessen Grundlage die aktuelle CD „Power to believe“ ist. Großartig, welche Dynamik diese Band nun entfaltet, mit welcher Präzision sie fortwährend verblüfft, wie uneitel sie ihr Publikum staunen lässt, wie sie das Grobschlächtige mit dem Filigranen zusammenbringt und es zu einer schlüssigen Bestandsaufnahme ihrer musikalischen Entwicklung formt. „Prozac Blues“, Eyes wide open“, Elektrik“, „Dangerous Curves“: Nie war King Crimson so rhythmisch wie heute. Drummer Pat Mastelotto gibt selbst den schrägsten Passagen massiven Drive. Trey Gunn fingert dazu höchst einfallsreich den Stickbass, ein gut gelaunter Adrian Belew steuert als Sänger, zweiter Gitarrist aus dem Rampenlicht heraus den Abend, der zum Abenteuer wird. Keine sentimentale Erinnerung an die Vergangenheit. Kein „21st Century Schizoid Man“, kein „Moonchild“. Nur stilistische Stringenz. Alles ist aufgehoben in der Gegenwart. Überragend.

Donnerstag, 4. Juni 2026

Prognose (2000)

Prognose Zeit -- wenn sie kommt, ist sie sexy wenn sie steht, wenn sie geht Ist sie wie ein Wasserfall Raus – - aus dem Haus auf die Straße die du suchst und verfluchst je nach Stimmungslage Test --- auf den Rest deiner Tage Die du spürst, die du kürst zum Preis deiner Liebe Nichts --- ist so klar wie ein Auge das geschickt in sich blickt und versinkt in einem Spiegel (als/im Abglanz eines Spiegels) Herz -- im Gewühl von Gedanken die sich drehn und vergehn vor dem Ziel einer Suche Licht --- auf dem Stück eines Weges der ansteigt und abzweigt und sich verliert in Kurven Sand - und der Rest deiner Spuren Droh’n dir an, kalten Wahn Nässe dringt in die Seele Grau - fällt der Tag in den Hausflur Trägt mich fort an den Ort Des Verrats meiner Träume Blick -- in den Grund einer Frage Die uns quält, die uns stählt Zum Clown eines Begehrens Fort - treibt der Mond deine Sorgen Führt dich leis immer im Kreis Und verlässt dich ungeboren

Mittwoch, 3. Juni 2026

Näher an sich dran

Wir werden unserer menschlichen Identität nur sicherer, wenn wir auch die Vergangenheit studieren können. Welchen Weg wir schon gegangen sind, um zum jetzigen Zustand zu gelangen. Was habe ich daraus gelernt? Ging es mir viel zu wenig ums Lernen? Wo bin ich voran gekommen? Welche Inspirationen gab es? Was hat sich in mir festgehakt? Was hat mich behindert? Hat es mich beeinflusst? Wie? Was? Welche Wege bin ich in meinem Leben gegangen, wird da aus heutiger Sicht eine Richtung erkennbar? Wie kann es sein, dass ich derselbe bin – und doch nicht derselbe? Irgendwie geworden. Ein Anderer? Oder derselbe? Wie habe ich die Dinge um mich herum zu verstehen versucht? Und bin dadurch aus mir heraus gekommen? Kann ich das am Heutigen spiegeln? Was sind die Wege, welche Umgebungen sind in mir mit was verbunden? Gebe ich mir das zu - oder gehe ich diesem „Lebe ganz in der Gegenwart“, diesem Gebot der hedonistischen Gegenwartssucher nach? Ist die Gegenwart, unser Existieren für mich nicht vielmehr ein Wunder? In das man hinein geworfen wurde, ohne es wirklich zu verstehen? Ich bin nicht bereit, scheinbare Selbstverständlichkeiten als solche in mich aufzunehmen. Das scheint eine Essenz zu sein, ein roter Faden. Überhaupt, ich würde gerne mehr rote Fäden erkennen an mir. Ich weiß aber auch, dass ich mich gespiegelt habe an Orten, an Verhältnissen, die damit verbunden waren und die mich beeinflusst haben, mit denen ich irgendwie zurecht kommen musste. Ich hatte versucht, zu funktionieren, hatte dies aber nicht so recht fertig gebracht. Erwartungen verfehlt. Ich war rechts und links ausgebrochen, es war wohl in mir angelegt. Dem zu folgen, mag ein Fehler gewesen sein. Ich kann das von heute aus besser erkennen. Ich habe registriert, wie mich Leute rechts und links überholt haben, wie viel sie schneller und durchsetzungsstärker waren - aber nicht unbedingt besser.

Dienstag, 2. Juni 2026

Stress, Digitalisierung und Aufmerksamkeit

Etwas Unbedeutendes mit allen Sinnen wahrnehmen, seine Aufmerksamkeit darauf lenken, Gerüche, Geschmäcker wahrnehmen, die Hektik, den Stress, das fortwährende Multitasking und die überall herrschende Zweckbestimmtheit vergessen, - kann man das lernen? In Kursen? In Workshops? Das Etikett „Achtsamkeit“ erscheint unter anderem angesagt – bei Managern und „erfolgreichen“ Eliten. Sie sollen besser und erfolgreicher funktionieren, sie sollen der Beschleunigung aller Lebensverhältnisse besser folgen können, sie sollen beim Neoiberalen Umzug teilnehmen können. Sie sollen von sich absehen und doch ganz bei sich selbst sein. Sie sollen Skrupel abbauen, um beispielsweise Leute besser entlassen und mit ihnen umspringen zu können. Sie sollen die Vorgaben anderer als die eigenen begreifen. Internalisierung, Verinnerlichung, soll auf diese Weise besser gelingen. Dazu ist Konzentration auf den Atem angesagt, Stille und Langsamkeit heißt es auszuhalten, ruhiges Gehen und bewusstes Essen gilt es zu erlernen, den eigenen Körper spüren, mental bewusst im Hier und Jetzt sein, den Moment genau erleben und vielleicht auch zu genießen - und vieles andere, das gut klingt. Angst und Panik sei dadurch besser auszuhalten, so heißt es, sich selbst annehmen, sich selbst spüren, auch die eigenen Verletzungen, das sei als nobles Ziel ausgegeben. Doch es bleibt eine Frage: Wem nützt es, wenn Achtsamkeit der Maximierung von Glück, Gewinn oder Geschwindigkeit dienen soll?

Montag, 1. Juni 2026

Erinnerungen?

Man entdeckt Reste in sich. Dessen, was man einmal war. Ob man das noch ist? Ein Gefühl umschleicht einen. Ob es Wehmut ist? Nein, früher war nicht alles besser! Aber manches war anders: Ein Beweis dafür, „dass es auch anders geht“. Man war in Scheis Notwendigkeiten eingezwängt. Man war Objekt, kaum Subjekt. Aber man hatte Zeit. Die verbrachte man oft mit Warten... Ich war ausgestoßen. Es kam mich hart an, dass ich als einziger im Schwimmunterricht aufblasbar orangenfarbene Schwimmflügelchen tragen musste, weil ich nicht schwimmen konnte. Heute kann, den letzten Statistikzahlen nach, ein viel zu großer Prozentsatz junger Menschen nicht schwimmen. Es wurde einem klar, dass man nicht konkurrenzfähig war, dass man auf einen Beobachterposten verbannt war. Man war nicht dabei, wenn es bei den Fußballmannschaften ans Wählen ging, bzw. man gehörte immer zu den letzten, die gewählt wurden. Zwei Leute gingen mit Fußlängen aufeinander zu. Wer nicht mehr in die Lücke kam, hatte verloren. Der andere durfte wählen. Man übte nachmittage lang vor dem Haus das Fußballspielen. Man war in diese Bewegung verliebt. Sie durchpulste einen. Sie motivierte einen. Sie trieb einen. Man entwickelte Sympathie für die, die ebenfalls ausgeschlossen waren. Man sah, wie die sich Mühe gaben und entdeckte Gemeinsamkeiten. Heute sind die Vielen toleranter. Alles geht unter in einer Wolke elterlicher Sympathie. Weich gepolstert. Bloß nicht zu hart sein..... Eltern haben Zeit dafür, der soziale Codex gebietet ein bestimmtes Verhalten. Ach, Selbstmitleid ist nicht erlaubt.......