Reise durch Wirklichkeiten

Montag, 31. Juli 2023

Unter

Sich aus selbst gewähltem Entschluss da rein finden, in Abhängigkeiten, in ein Abhängigkeitsverhältnis, ausgeliefert sein, sich unterwerfen an eine(n) Tonangeber(in), in und an inferiore Positionen, das scheint für gewisse Menschen etwas Reizvolles zu sein. „Ihr“ oder „Ihm“ partout gefallen wollen? Ob's damit alltäglich anfängt? Ich höre den Satz „Ich habe es mir ja selbst ausgewählt“. Das hat große Ähnlichkeit mit einem Masochismus, dem ja nicht nur viele Mächtige dieser Gesellschaft frönen sollen. Auch die Popmusik ist voll davon. Sich mal unter kontrollierten Bedingungen so richtig auspeitschen lassen, wenn man ansonsten unter unkontrollierten realen Bedingungen immer Untergebene zusammenscheißt: Das hat etwas. Etwas Ausgleichendes und Entspannendes, das gerne mal ans Sexuelle gekoppelt wird, wofür man natürlich nichts kann, sondern nur die Gesellschaft. Die ist überhaupt an allem schuld, wobei man „schuld“ in der Psychiatrie nicht sagen darf. Mit der Verantwortung soll es ja auch so eine Sache sein. Ich stehe vis-avis und staune. Jeder, wie er will, so denke ich und mache mir noch ein paar Gedanken mehr. Jegliche Orientierung, jede Selbstbestimmung an andere abgeben: so hat ja auch mal der Nationalsozialismus funktioniert. Der, der oben war, war der Führer. Unkontrolliert, unumschränkt, total. Es scheint ein sozialer Mechanismus zu sein, das auf einem Bedürfnis fußt, über das man korrekterweise nicht sprechen darf. So etwas könnte man auch „Tabu“ nennen. Aber es soll kein Spiel gewesen sein.

Sonntag, 30. Juli 2023

Akademischer Abschluss

Ich versuche, alten „Kruschd“ zu ordnen. Dabei fällt mir ein Ausschnitt auf, dem wir damals womöglich geglaubt haben. Darin heißt es von einem „Experten“ thesenartig: „Beim Hochschulstudium ergeben sich die höchsten Gewinne“. Nun ja, ich überlege mir: von denen haben wir nichts mitgekriegt. „Selbst schuld“ würden uns da viele dem Neoliberalismus verpflichteten Leute sagen. 2. These: „Höhere Bildung verringert das Risiko der Arbeitslosigkeit“. Auch dies würden wir ganz klar bestreiten, scheint es doch vor allem für Absolventen bestimmter Studiengänge zu gelten. 3. „Die Behauptung, es gebe auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu viele Menschen, die studiert haben, ist falsch“: Nun ja, die Konkurrenz saß einem ein um das andere Mal unangenehm im Nacken, woran wir uns deutlich erinnern. Immerhin wird in diesem Artikel konzidiert: „Die größten Unterschiede beim Lebenseinkommen ergeben sich nicht im Hinblick auf Region oder Geschlecht, sondern bezüglich der Fachrichtung des Abschlusses“. Dem können wir nur zustimmen, verfügt die Masse der Tonangeber in dieser Gesellschaft doch über einen juristischen Abschluss. Die Geldwirtschaft wird in diesem Artikel auch noch genannt. Stimmt. Ein Plus an Lebenseinkommen solle sich daraus ergeben: mag sein. Wer sich freilich für einen Abschluss in einem geisteswissenschaftlichen Fach entschieden hat, für den gelten die genannten Rahmenbedingungen ganz und gar nicht. So mancher mag aus heutiger Sicht bedauern, sich jemals für so etwas entscheiden zu haben, etwas, was vor allem den finanziell gut gestellten Kreisen in dieser Gesellschaft, dem sogenannten „gehobenen Mittelstand“ nützen mag. Höhere Bildungsabschlüsse gehen systematisch mit höherem Monatseinkommen einher, mit einem geringeren Risiko, arbeitslos zu werden sowie insgesamt mit einem sechstelligen Zuwachs beim Lebenseinkommen. Alles Lüge, so wollen wir aus heutiger Sicht behaupten. Das Vorgetragene gilt nur für bestimmte Fachrichtungen, die vermeintlich besonders gut in ein vornehmlich technologisch oder juristisch orientiertes Bedürfnisprofil dieser Gesellschaft passen. Was fragwürdig genug erscheint, denn die Kategorie des Sinns fällt auf diese Weise aus.

Freitag, 28. Juli 2023

Endlich Urlaub

Wie locker das alles ist! Jetzt alle zusteigen, einsteigen, umsteigen…. Gegenüber steht der riesige Van bereit zur Abfahrt, die Kinder müssen nur noch zusteigen. Weiter vorne parkiert ein Wohnmobil, offensichtlich fertig zur Abfahrt. Noch weiter vorne wartet ein Wohnwagen, aufmunitioniert zur großen Urlaubsschlacht. Man geht in Ferien, in Urlaub, auch wenn man damit spät dran ist: die ersten Bundesländer beenden die lange Sommerpause schon wieder. Automobilfabriken sind teilweise davon abgekommen, den Sommer generell zur Ferienzeit zu erklären und verzichten auf "Betriebsferien", wenn sie nicht ohnehin dicke Verluste zu beklagen haben, wegen der oft beschworenen verpassten Elektromotorik herrscht ja ohnehin Unsicherheit auf diesem Gebiet. Die vielen, die aus finanziellen Gründen nicht verreisen können, bleiben unsichtbar. Sie haben sich beispielsweise in Mini-Jobs, in Praktika oder schlecht bezahlten Servicejobs verdingt. Das, obwohl wir ja in einem Arbeitnehmerarbeitsmarkt leben. Oder nicht? Die vielen Online-bestellte Pakete müssen aber trotzdem ausgefahren werden. Verschiedene Dinge der öffentlichen Sicht auf einen sollten sauber aussehen. Die Pflanzen sollten gegossen werden. Und überhaupt: was passiert mit dem Hund? Es gilt ja das von höchster Stelle das Credo, dass es „uns“ so gut wie noch nie gehe (Wer „Uns“ ist?) dass wir alle Zeichen der Zeit erkannt haben und dass wunderbare Zeiten wie damals beim Wirtschaftswunder bevor stünden. Ach! Was sollen da die wenigen Armen, die Berber und „Landstreicher“?.… die sollen sich verpissen! Als Beleg für ein „Problem“ werden dann Statistiken hervorgekramt, deren manipulierte Zweifelhaftigkeit und niederschmetternde Folgenlosigkeit sich doch langsam herumgesprochen haben dürfte. Der Rest der Leute täuscht etwas vor und tut jetzt so als ob: als sei man weg. Sommerpause. Urlaub. Nicht da. Seit langen Jahren ist das schon so. Die Straßen sind erfreulich befahrbar, in den Geschäften sind die Stau-Schlangen deutlich geringer (ein Effekt, dem die Discounter dadurch entgegen steuern, dass sie die Kassen schlechter mit „Personal“ belegen: Personaleinsparung. In diesen Zeiten? Nennen wir es doch lieber „Fachkräftemangel“. Die Kundenschlangen sind trotz Inflation also mindestens gleich lang wie zuvor und überhaupt.... Das ist halt ihre Art der Einsparung). Die Schlangen bilden sich bald aber als Stau auf den Autobahnen, was jedes Jahr auch dasselbe ist. Aber die Klimaanlage brummt unverdrossen, die Smartphones sind gezückt, die Games ziehen sie von den Rücksitzen her in sich hinein. Die Stimmung ist gut. Das Ziel ist ein Ressort, in dem es möglichst wie in Deutschland zu essen geben soll. Wiener Schnitzel. Ach geh mir weg, mit dem veganen Scheis!... Wer es nicht leisten kann, hat halt Durchfall oder keinen Platz am Pool.

Donnerstag, 27. Juli 2023

Folterspektakel

Nachrichten aus aller Welt. Brechen über einen herein. Auch aus der Vergangenheit. Neulich war ich in einem Foltergefängnis, das erschreckende Einblicke in die fremde Welt des Mittelalters zeigte. Vorbei, alles vorbei? Es wird einem schlecht. Die Leute brauchten dort, in "vergangenen" Zeiten, in gewissen Abständen ein Spektakel, das ihnen zum Beispiel die Räderung eines vermeintlichen Verbrechers verschaffte, wobei ein Verbrecher auch eine Hexe war, zu der man leicht werden konnte, wenn man kleiner als 1,60 Meter war oder Leberflecke hatte, oder Altersflecke, oder nicht weinen konnte, oder … Dann konnte es sein, dass man so lange Jauche eingefüllt bekam, bis einem der Magen platzte, dass man so lange mit schweren Gewichten „gepresst wurde“, bis die Knochen krachten, dass man an einem Haken aufgehängt wurde, so lange bis man ausgeblutet war, dass man... Der Mensch, der mittelalterliche und der neuzeitliche (Ukraine)hat das als Spektakel genossen...., das war seine Show. Ob das auch heute noch so ist? Natürlich nicht genau so. Aber im Prinzip? Eigentlich ist das „schöne Mittelalter“ noch gar nicht so lange vergangen. Menschen sind nicht nur in totalitären Zusammenhängen in der Gruppe, im Auflauf, in der Masse auch heute noch bereit, sich solche schrecklichen Dinge anzutun, was dann in den Medien aufgeregt kolportiert und ausgeschmückt wird. Ich spüre aber, dass ich eigentlich noch agressiver dagegen sein müsste in diesen harten Zeiten...

Mittwoch, 26. Juli 2023

Reisezehrung

Reisezehrung Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke, Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen. Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen, Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke. Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke Gleich fing ich an, von diesen und von jenen Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen: Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke. Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen, Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben, Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe. So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen: Was ich bedarf, ist überall zu haben, Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe. (Dies Gedicht stammt von Johann Wolfgang von Goethe, der es etwa 1808 geschrieben hat)

Dienstag, 25. Juli 2023

Identitätsbildung

„Werde, der du bist“, so lautet die klassische Aufforderung des Humanismus. In letzter Zeit ist dann noch die Erkenntnis hinzu gekommen, dass die Arbeitswelt mit ihren vielfältigen sozialen Kontakten der Herausbildung der Identität ziemlich wichtig sei. Ob jetzt, nach dem verstärkten Drängen auf Home Office (Digitalisierung!) samt seiner eingeschränkten Ermöglichung von „analogen“ Kontakten, sich die Arbeitswelt und damit auch der Prozess der Identitätsbildung sich abermals ändert? Jede und jeder sitzt doch da als isoliertes Ich vor dem Bildschirm, bestürmt von allerlei häuslichen Anforderungen. Kontakte finden – wenn überhaupt – auf virtuellem standardisierten Wege statt. Ob bei diesen Entwicklungen generell das Internet mit seiner wohl immer noch zunehmenden Bedeutung auch seine Rolle spielt? Wo stehen wir nach der Pandemie? Ob es fixe und flexible Anteile der Identität gibt? Ob es relativ oberflächliche und eher tiefe Bereiche gibt? Ob es eine dauernde Entwicklung ist, die mit dem Leben mitgeht, in dem alles mit allem verbunden ist? Alles, was heißt in Bewegung? Wir tragen das Leben in uns. Der Mensch ist nur ein lebendiger Teil des Lebens, auch wenn der Krieg da so manche Zweifel erheben mag. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Frage „Wer bin ich?“ stellt. Wie und ob das alles genau (wie genau ist das überhaupt?) so hingenommen werden muss, ist die Frage. Der Mensch (konkret: welcher Mensch?), so sieht er es selbst zuweilen gerne, schafft sich seine Lebensumstände selbst und ist nicht nur hineingeboren in Verhältnisse (Ob das so stimmt?, wie steht es darum, dass gewisse Menschen in gewisse Familien hinein geboren werden?). Ob die gegenwärtige Krise auch eine Folge unseres Umgangs mit dem Leben ist? Ob nicht unsere Existenz vom blinden Streben nach dauerndem Wachstum bestimmt ist, von dem Ökonomen so gerne behaupten, dass wir es dringend brauchen und Politiker es als „alternativlos“ für jedwede Entwicklung voraussetzen? Kann die Arbeitswelt da eine Stütze der Identitätsbildung sein, - das Arbeiten als Weg zum Selbst? Nicht nur die Pandemie, sondern auch die Digitalisierung samt der mit ihr verbundenen Relativierung des Wertes der Arbeit scheint das in vielerlei Hinsicht relativiert zu haben. Wie also wird sich das Verhältnis Arbeit zu Identität gestalten?

Montag, 24. Juli 2023

Paddy sucht

Paddy McAloon ist kein besonders religiöser Mensch. „Um ehrlich zu sein: Ich kann gar nicht sagen, was ich glaube. Reine Vernunft erscheint mir aber wie ein geschlossenes System. Sie kann nicht wirklich etwas außerhalb ihrer selbst erklären“ soll er gesagt haben. Mitte der achtziger Jahre war er mir schon aufgefallen als überragender Songschreiber, der mit seiner Band Prefab Sprout ein auf dem Cover der ersten Platte „Steve McQueen“ enges, auch optisch eindrucksvoll dokumentiertes Verhältnis pflegte. Umso erstaunlicher war es, als er 2010 eines unter seiner bisher letzten Alben „Let’s change the World with Music“ heraus brachte, im Alleingang aufgenommen, alle Instrumente von ihm gespielt. Es muss sich so ergeben haben, nachdem ihn erst ein schwerer Tinnitus (dadurch hört er bis heute keine Bässe mehr, sondern spürt sie nur noch), und dann eine Hornhautablösung überfallen haben. An Auftritte oder gar Tourneen mit seiner genau zu dieser Zeit extrem aufstrebenden Band war danach nicht mehr zu denken. McAloon strickte sich immer mehr in seine eigene Welt ein, erfand seine eigenen Gesetzmäßigkeiten und erwarb unter Musikern und bei mir einen legendären Ruf. Doch jetzt „Let’s change the World with Music“. Gleich im ersten Titel „Let there be music“ heißt es in der allerersten Zeile: „ In the beginning was a mighty bang…“ und „God was moved He made a choice he said „let music be my voice“. Er spinnt das Thema über tollen Harmonieprogressionen weiter, zuerst bis zum Titel „God watch over you“. Nein, er ist oder war kein Verkündiger! Es gibt auch sehr weltliche Alben von ihm. Im erwähnten Titel aber heißt es „God watch over you, every minute, every moments“. Aha. Ein Mann und seine in Musik gesetzten Thesen. Next: „Earth: the Story so far“. ...There was a baby in a stable. Some say, it was the Lord singing „save me, save me“. In Skepsis gepuderte Agnostik. Persönliche, in Töne gesetzte Auffassungen. Liebe zur Musik. Ganz unironisch. Er hat das ganze Album auf einem kleinen Atari-Computer eingespielt. Unglaublich. Allgemeines kam ihm in den Sinn: „Ich kann mir gut Welten vorstellen. Darin bin ich stark seit meiner Kindheit. Das ist mein Thrill, etwas zusammenzusetzen, eine Welt, von der ich vielleicht nicht mal wirklich weiß, was sie bedeutet, oder vor der ich warten muss, bis sie mir vielleicht selbst sagt, was sie bedeutet“

Sonntag, 23. Juli 2023

Uhr-laub?

Warum bleiben wir nicht zuhause? Warum fahren wir - und mit uns Milliarden von Menschen - in fremde Länder, wo wir außer dem Motiv „Ferien machen“ genaugenommen nichts verloren haben? Ungeklärt sind daneben und auch nach Corona und während des Kriegs viele andere Probleme des Fremdenverkehrs: wie wirkt sich das auf die Reisegebiete aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Besuchern und Einheimischen? Wie ist die Umweltbilanz des Tourismus? Bringt er wirtschaftlichen Aufschwung oder neue Formen des Kolonialismus? Was ist von den „künstlichen Ferienwelten“ zu halten, die sich immer mehr zu den meistbesuchten Reisezielen der Welt entwickeln? Was eigentlich treibt uns in die Ferne? Gibt es dabei eine Nähe zu Fest, Ritual und Spiel? Denn die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: Der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten. Das Reisen stellt insofern eines der wirksamsten Mittel dar, der eingespielten sozialen Ordnung vorübergehend zu entkommen - nicht in blinder Flucht, sondern als produktive, menschliche Leistung, die neue Erfahrungen, Einblicke und Horizonte ermöglicht – oder das faule Abliegen an irgendeinem Strand in irgendeinem Land. Mal nix tun! Was nicht gerade selbstoptimal ist……...

Samstag, 22. Juli 2023

Vielflieger

Ich lese die „Bekenntnisse“ eines Vielfliegers. Es heißt da u.a.: „Solange die Chinesen und Inder rausblasen, was sie wollen, macht es keinen Unterschied, zu fliegen oder nicht….Den Impact im internationalen Vergleich, den machen nicht wir in Deutschland. Der CO2-Verbrauch pro Person liegt im Schnitt bei 10,8 Tonnen pro Person. In China bei 8,0. In Indien bei 1,9.“ „Noch“ sagt der wichtige Mann (!). Leider hat er damit recht, mag der glatzköpfige Loriot-Bundeskanzer auf tausend Pks noch tausendmal die Worte wiederholen, die sein Wirtschaftsminister und die von ihm vertretene Partei geprägt hat. Dieses „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ hat mir auch nie geschmeckt und mit der Vorbildfunktion des viertgrößten Industriestaates ist es nach tausend gebrochenen und teilweise gesetzlich fixierten Vorsätzen sowieso nicht weit her. Ja ja, der Krieg ist die große Ausrede. So was hängt uns zum Hals raus. Man kann bei uns problemlos von Frankfurt nach München fliegen, was Viele offenbar auch machen. Ja, wenn das so ist, so sage ich mir, was bedeutet das dann, wenn ein Einzelner auf einen Flug verzichtet? Da wird von den Wichtigs unterwegs munter geduscht und Champagner gesoffen, da werden Zubringer-Limousinen benutzt und die Luxus-Lounge mit all ihren Status-Vorteilen abgesessen. Was soll das dann, wenn ich mich möglichst wassersparend durch den Tag zu bewegen versuche? Flugmeilen werden gesammelt und es wird sich weiterhin in der eigenen Wichtigkeit gesonnt, - alles auf Kosten jener Umwelt, die uns eigentlich alle gemeinsam gehört.

Freitag, 21. Juli 2023

Mail as mail can

Ich habe Spam-Mails in meiner Mailbox. Penisverlängerungen, Viagra und andere, Kreditangebote, Frauen, Männer, Lottogewinne - tausend Arten, ein wenig Geld aus mir zu quetschen, Sehnsüchte, Wünsche und Schwächen nutzen, verlocken, zu etwas reizen, verführen. Natürlich sind wir alle längst ausgerechnet, berechenbar, durchschaubar. Wissen wir ja. 100000 abgesandt, 2 funktionieren. Eine gute Quote, oder? Reicht. „Direct Mailing“, wir sind unterm Hammer industriell eingesetzter Kräfte, der Werbung und des Marketing. Wir sind die Formel des Konsums, die clevere Geschäftemacher zu nutzen versuchen. Da ist viel Plumpheit und Peinlichkeit. Man braucht da Humor, wenn man reinliest. Diese Leute geben sich anpassungsfähig, machen was aus den Daten, die sie haben. Die sind so richtig smart, gehen auch über Instagram, Facebook, Tic-Toc und Twitter, Google hat meine Daten ja sowieso. Irgendwie gab es das schon früher, im Postkasten. Diese komischen Anschreiben, vollkommen maschinell erstellt. Märchen für schwache Gemüter, Vorstellungen wurden angesprochen und abgerufen. Reisen. Kaffeefahrten. Ängste auslösen, Linderung versprechen. Das Angebot liegt bei. Gesperrte Kreditkarte, Schufa, - bourgeoise Begehrlichkeiten und Bedürfnisse wecken. Schlechtes Deutsch, - oft. Aber gut eingebettet in die deutsche Wirklichkeit.

Donnerstag, 20. Juli 2023

Welche Wirklichkeiten?

Wie schillert das, was uns umgibt? Da ist ein Dschungel der Meinungen, die es dazu gibt. Ob wir ein bisschen begreifen wollen, welche Rolle wir darin spielen und was mit uns gespielt wird? Ich versuche mich auf verschiedene Deutungen unserer Wirklichkeit einzulassen, mit einem imaginären Leser zusammen eine Reise durch sie zu unternehmen. Noch verbindet die Deutung der Wirklichkeit uns alle in der analogen Welt. Doch es wird heftig daran gearbeitet, dies zu verändern. Datenbrillen simulieren digitale Wirklichkeiten, austauschbar gespeist auch mit abgepressten Daten (übrigens: der Staat in Gestalt des Einwohnermeldeamts darf nach Gesetzesänderungen Daten an beliebige Abnehmer verkaufen, wenn man nicht ausdrücklich widersprichst...). Auf Laufbändern können wir bald durch Einkaufsstraßen (wichtig!) schlendern oder auf alpine Gipfel kraxeln. Mindestens ein großes Social Media Portal scheint da dahinter zu sein. Es gibt dann keine Notwendigkeit mehr, sich mit anderen Menschen abzusprechen oder mit ihnen zu interagieren. Dies gehört dann alles der alten analogen Welt an. Selbst das Kopulieren/Ficken wird dann digital möglich sein. Reiz-Stimulus-Modelle stehen zuhauf zur Verfügung. Aber noch ist es eine gewisse analoge Anstrengung, sich einzulassen, Empathie für andere aufzubringen, so neugierig zu sein, wie das beispielsweise ein Johann Wolfgang von Goethe uns das in grauen Vorzeiten vorgemacht hat. Auch er hat diese Werte geprägt, die derzeit so gerne beschworen werden. Er hat sich auf Individuen genauso eingelassen wie auf Kulturen und den mit ihnen zusammenhängenden Mechanismen. Blöd nur, dass diese Individuen einer privilegierten Klasse angehörten. Aber er hat sich bis ins hohe Alter für den Fortschritt der Technik interessiert und hat die Folgen, die sich für alle ergeben, antizipiert.

Mittwoch, 19. Juli 2023

Negativ und positiv

„Negative Menschen“, „Miesepeter“, „Spassbremsen“: „wenn wir uns mit ihnen umgeben, schaden wir uns selbst“. Habe ich gelesen. Amerikanische Schule. Problem: das Etikett „negativ“ kann jeder allen anhängen. Kritik ist oft negativ. Ist es ein Ausweg, Kritik zu meiden? Wenn aber gewisse Dinge so sind, wie sie sind? Wenn unser Urteil negativ ausfällt? Nicht mehr äußern, damit wir positiver rüber kommen? Bloß mit niemand darüber reden, damit man nicht als sich dauernd wiederholender Trauerkloß oder Spaßbremse wirkt? Das schadet unserer Seele und unserem Körper? Die Wahrheit erkennen? Ob die Ursachen uns auch schaden? Das, über was kommuniziert wird? Ob manche Elemente unserer Umwelt durchaus negativ sind und ob es nicht so etwas wie eine befreiende Wirkung hat, wenn wir über das mit anderen Menschen kommunizieren, die direkt oder indirekt denselben Einflüssen ausgesetzt sind? Wenn wir uns darüber einig sind? Über die Folgen und das, was wir unter Umständen dagegen unternehmen könnten, können wir dann ja immer noch verschiedener Meinung sein. Jaja, es sind nicht immer „die anderen“. Manchmal sind wir selbst es. Ist doch klar. Wenn wir einigermaßen reif sind, dann denken wir das immer mit. Selbstverständlich. Wer dauernd das Gegenteil unterstellt, unterschätzt sein Gegenüber. Die Welt ist schön, wir müssen das nur erkennen. Der Auseinandersetzung mit solchen Sprüchen hilft die Lektüre von Aldous Huxleys 1932 erschienenes Buch „Schöne Neue Welt“ etwas auf die Sprünge.

Dienstag, 18. Juli 2023

Mechanik der Öffentlichkeit

Es sind wohl von renommierten „Experten“ vorgebrachte Zweifel aufgetaucht, wie sehr denn der Klimawandel menschengemacht sei. Habe darauf die Reaktion einer maßgeblichen Politikerin einer bestimmten „grünen“ Partei verfolgt, die sich damit nicht auseinandersetzen wollte, mit dem Argument, diese Sache sei ja schon lange „abgehakt“. Nun ja, mag ja sein (ob Wissenschaft so funktioniert?). Aber die Weigerung, sich mit bestimmten Positionen (mögen sie noch so abseitig sein) auseinander zu setzen, wirft kein gutes Licht auf eine bestimmte politische Richtung, die kein Problem damit hatte, in diesem Land die letzten Kernkraftwerke abzuschalten (erhebliche Mengen an CO2 würden durch diesen „Pakt mit dem Teufel“ gespart werden) und die dadurch nicht nur einen zusätzlichen zeitlichen Druck erzeugt hat, sondern auch neue Kohlekraftwerke mit dem entsprechenden CO2-Ausstoß als Ersatz installieren muss). Dass die Bedingungen einer Klimaneutralität auf diesem Wege jemals erreicht werden, mag bezweifelt werden, zumal der Kanzler mit seinem vollmundigen Versprechen zu diesem Zeitpunkt in den kommenden 40er Jahren) längst aus dem Amt sein wird. 15 Mio E-Autos sollen zudem unter die Leute gebracht werden, tönt die Bundesregierung und streicht gleichzeitig Teile der staatlichen Förderung. Das Gebäudeheizungsgesetz scheint darüber hinaus eine Unsäglichkeit, die von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird. Zudem werden uns von dieser Regierung Wolkenkuckucksheime vorgegaukelt, deren Umsetzung in der Realität in viel weiterer Ferne zu liegen scheint, als uns da vorgemacht wird. Windräder? 5 pro Tag? Ach! Strom? Wieso wird der Strom nicht billiger? Auch für Privathaushalte! Das würde doch den Ausbau alternativer Klimaerzeugung stark befördern? Ob das nicht zu ändern wäre? Es hieß doch einmal, „die Sonne schickt uns keine Rechnung“. Nun ja, gegenwärtig darf man den Eindruck haben, dass das Gegenteil richtig sei. Wer dagegen protestiert, dem werden anfangs gewisse Mittel zugestanden. Was Gesetz sei und was nicht, das bestimmt gefälligst diese Regierung. Und demnach sind bestimmte Dinge wohl nicht mehr erlaubt.

Sonntag, 16. Juli 2023

Dienstwagen

Dass nach einer Untersuchung Politiker riesige Dienstwagen von ihrem Personal fahren lassen, Dienstwagen, die alle Richtwerte bei weitem sprengen, hat mich nicht sehr überrascht und weist auch in seiner verräterischen Gesinnung darauf hin, dass eine bestimmte Protestpartei immer größere Erfolge erzielt. Die Leute sind halt diese Heuchelei satt, die ehrgeizige Klimaziele ausloben lässt und sich selbst dann in extrem umweltschädlichen Karren durch die Landschaft fahren lässt. Dass dabei auch eine Umweltschutzpartei beteiligt ist, scheint mir ihrem politischen Verhalten der vergangenen Monate zu entsprechen: Wasser predigen, Wein trinken. Ja klar, reihen sich meine Worte in eine allgemeine Politikverdrossenheit ein. Sie sind damit jedoch nicht zu entkräften. Geradezu mit zynischer Heiterkeit erfüllt es mich, dass nach dieser Untersuchung offenbar ein Verkehrsminister zu den dunkelsten Figuren zählt, weil sein Gefährt die Richtlinien mit am deutlichsten reißt. Zu dem kommt, dass die Wagen vieler Politiker wohl Plug-in-Hybride sind. 113 von 157 Politikern auf Bundes- und Landesebene sollen auf solche Fahrzeuge zu setzen, die sowohl elektrisch als auch mit einem Verbrennermotor gefahren werden können. "Diese sehen auf dem Papier gut aus, sind tatsächlich aber wahre Klimakiller", sagt ein Experte und umschreibt Tatbestände, die inzwischen nahezu jeder kennt. Wie abgehoben diese Politiker sind, zeigt sich auch darin, dass solche Dienstfahrzeuge offenbar für ganz „normal“ gehalten werden und kaum noch einer Erwähnung wert sind. Nun ja, der Steuerzahler bezahlt das ja. Auch eine gewisse Heuchelei.

Samstag, 15. Juli 2023

Belly Flop (MP3)

Freitag, 14. Juli 2023

Leichtigkeit

Natürlich habe ich damals auch Milan Kundera gelesen. Ein Paar Fakten hatte ich noch hinzu recherchiert, das Ganze noch ein bisschen „aufgefüttert“ und mit Fakten versehen, - aber ansonsten passte das alles hervorragend in den Zeitgeist, bestätigte implizit und verwarf explizit. War auch für mich eingängig. Jetzt ist der Autor tot. Man liest noch, dass es in den letzten Jahren noch allerlei Auseinandersetzungen um ihn gegeben hat, Geheimdienst, Adaptionen, Epigonen…. warum interessiert mich das alles kaum? Weil sein Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ für mich persönlich wichtig geworden ist, es ist in mir gewachsen und steht für eine Epoche in mir. Liebe, Triebe, Ungewissheiten, Getriebenheiten, Offenbarungen, Offenheiten, Unsäglichkeiten und Lächerlichkeiten. Klar war ich damals im Kino, um die Verfilmung der“..unerträglichen Leichtigkeit“ zu sehen, mit Juliette Binoche und Daniel Day-Lewis. Ich habe sogar noch Nachfolgeproduktionen dazu gesehen und ein paar weitere Bücher von ihm gelesen. Doch Kunderas Stern war für mich gesunken. Dafür stand ich extrem auf Juliette Binoche. „Humor ist das seltsame Vergnügen, das sich aus der Gewissheit ergibt, dass es keine Gewissheit ergibt“ soll er gesagt haben. Das könnten wir unterschreiben. Doch wen interessiert das? Es kam nun in heftiger Weise das, was mit der Mediengesellschaft zu tun hat: Infos, die an uns vorbei rauschen, das Zugestopftwerden mit Bildern, Botschaften, Aufforderungen, Statements – ach, white trash. „Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz. Sie ist überall und immer bei uns“ soll er in einer sehr viel später erschienenen Schrift behauptet haben. Wir hatten das zugunsten eines eher aufklärerischen Elements unterbelichtet, es fiel über uns her, es zerfaserte uns und nahm uns auseinander, rieb uns auf in Verzweiflung. Was das Schlimmste war: Die Agenten dafür kamen aus unserer eigenen Mitte.

Donnerstag, 13. Juli 2023

Up, up and away

Der Flugbetrieb sei gestört, so erfahre ich jetzt auf allen Kanälen. Es gibt aufgeregte Interviews mit „normalen“ Bürgern, die in Urlaub fliegen wollten...und nun…. Ich wundere mich und frage mich, wo denn die vielgepriesene Flugscham geblieben ist. Habe ich geträumt, war das nur eine typische Zeitweiligkeit, eine grün eingefärbte Kampagne gegen negative Kräfte, die uns alles vermiesen wollen? Liegt es daran, dass sich gewisse Umweltaktivisten dadurch hervor tun, dass sie Vielflieger sind, dass sie munter durch die Welt fliegen, von einer nutzlosen Konferenz zur nächsten. Oder haben die vielen Privatjets Schule gemacht, die in erhöhter Frequenz und Häufigkeit durch Deutschland und Europa fliegen, um ihre „wichtigen“ Personen von A nach B zu bringen, - weil ja auch mit der Bahn alles viel zu unzuverlässig ist. Gibt es gewisse Politiker, die sich gerne eines Privatjets bedienen und so ihrer „Vorbildfunktion“ als Wachstumsmotoren gegen alle Widerstände nachkommen? Oder betrachtet man die Klimakrise aus irgendeinem Grund für beendet? Wie eine von Werbeagenturen schlau herbei geführte Kampagne mit großer Dringlichkeit (da alles dringlich ist, geht sowas sowieso unter…) Wurden allgemein zu viele Sympathien verscherzt, durch unfähige Funktionsträger und idiologisch eingeengte „Aktionen“? Wir wissen es nicht.

Mittwoch, 12. Juli 2023

Mittelläufer

Claqueure, Mitläufer klatschen endlos für die Medien, die mit der Stoppuhr in der Hand das Spiel mitspielen....., davon kann man angewidert sein, angeekelt, abgestoßen..... dieses bedingungslose Unterstützen einer unbestimmten Mainstream-Meinung, Einstellung, Haltung, die von oben (als „Leitantrag“) als Selbstvergewisserung gespiegelt wird... Was führt dazu? Sie haben etwas beschlossen und wollen zeigen, dass sie es alle in ihrer speziellen Organisationseinheit (die ja ihren Grundanliegen, Überzeugungen etc. verpflichtet sein müsste) vertreten? "Geschlossenheit" demonstrieren? Sie wollen alle aufgehen im gemeinsamen „Anliegen“? Anliegen = Machterhalt? Im Selbstlob sein? Sie wollen Kandidaten und Häuptlinge küren, die doch an ihnen vorbei längst in Hinterzimmern ausgeklüngelt worden sind. Sie wollen sich hinter Gesichtern versammeln, die scheinbar für etwas stehen (weiß bloß keiner, für was genau.… außer Äußerlichkeiten und der "Macht"). Sie wollen sich hinter Gesichtern versammeln, die längst alles über sich erzählen (weil jeder doch ab eines gewissen Alters für sein Gesicht ein bisschen verantwortlich ist...) Welche Dynamik der Massen ist denn so etwas? Wie geht das? Was hat es mit digitalen Bewegungen und deren Anonymisierungen und Schamlosigkeiten zu tun? Was wird hier vertreten? Gibt es hier eine "Willensbildung"? Wieso führt sie ständig zu den immer gleichen Ergebnissen? "Gestalten" bedeutet "Macht ausüben", „machen“. Darin sind sie sich wie immer einig.

Dienstag, 11. Juli 2023

Wohin der Wind weht...

Da sind Personen, die gewisse Ideen wohl deshalb geteilt haben, weil sie dem Zeitgeist entsprachen, der sich immer schneller wandelt. Entsprechend schnell legen diese Personen ihre Einstellungen und Werthaltungen zur Seite und passen sich wie Chamäleons an die jeweiligen Trends an. Wenn man sie in seiner Notlage brauchen würde, sind sie weg, lassen sich nicht einmal mehr ansprechen, haben deine Adresse verlegt oder dich aus dem Blickfeld verloren. Jawohl, auch das ist Realität. Da sind nicht nur diese optimal funktionierenden Freundeskreise, die so ach wichtig sind fürs eigene Wohlbefinden und die in den Medien immer wieder betont werden oder von Psychologen empfohlen werden. Auch sie gehen unter gewissen Bedingungen kaputt, werden von mangelnder Empathie zerstört. Was war der Dialog mit solchen von mir einst bevorzugten Personen wert? Was das Vertrauen, das man diesen Personen entgegen brachte? Wert? Für wen? Sie schienen Nutzen daraus ziehen zu wollen, was einem nicht als vordringliches Motiv auffiel. Klaro, man hat selbst sein Teil zu der Situation beigetragen, man war zu passiv, träge, man war auch schuld. Nur ist es wohl so, das diese Personen oben sind und ich unten, dass es ihnen gut geht, während es mir extrem schlecht geht. Einfach so. Jawohl, Selbstmitleid! Das ist verboten! Das alles passiert mitten in der Gesellschaft. Jawohl, ich bin die Stichprobe in der Statistik! Ich habe eine akademische Ausbildung abgeschlossen, habe Titel und Abschluss. Aber es gibt da ein Absaufen. Ein Ertrinken. Ein Verschwinden. Im "Markt". Ich versuche, daraus eine Zeitweiligkeit zu machen. Ich versuche, wieder anzugreifen. Es ist mir bisher nicht gelungen. Aber draußen in dieser Welt ist niemand dieser Leute, die so taten, als würden sie einem nahe stehen. Da ist niemand ansprechbar. Weil man selbst komisch ist? Die Einschläge ins Bewusstsein, die von allen Seiten auf einen einprasseln und die einen manchmal überfordern können, die zu teilen mit gewissen Personen, könnte zumindest entlasten. Das könnte einem helfen. Aber was ist los? Man hat den falschen Leuten getraut. Ganz einfach. Man hatte sie an sich heran gelassen. Man war für sie so etwas wie ein gehobener Zeitvertreib.

Montag, 10. Juli 2023

Journalismus und werbliche Täuschung

Henri Nannen, der längst verstorbene hochberühmte Journalist und Redaktionsleiter, sagte einst, zu besseren Zeiten der Printzeitungen: „Aufgabe der Redaktionen ist es, den von den Anzeigenredaktionen frei gelassenen Raum zu einem von der Herstellung bestimmten Termin in einer für den Vertrieb geeigneten Weise zu füllen“. Und was verschafft den Raum für die Journaille? Anzeigen? Werbung? Anpreisungen? Der Journalismus scheint, wie er für sich selbst behauptet, etwas mit Inhalten zu tun zu haben. Die Werbung freilich hat inhaltlich allzuoft nichts mit den Produkten zu tun, für die sie Reklame macht, - schon gar nichts mit inhaltlicher Information. Die Bundesrechtsanwaltsverordnung bemerkt dazu, dass Werbung eine „allgemeine Anpreisung ohne sachlichen Inhalt“ sei. Die Versprechen, die sie macht, sind die Mittel eines permanenten Misstrauens, das desillusionierender ist, als es je eine zuvor war. Sie hält von den Dingen, die sie bewirbt, - nichts. Productplacement ist allzu oft ein Eingeständnis, dass niemand die von ihr beworbenen Produkte eigentlich braucht. Sie befördert die grenzenlose Produktion, - oft mit eingebauter Obsoleszenz - der kein Konsum mehr gewachsen ist. Das Endziel ist dann sowohl Leichenhalle also auch Müllhalde des Überflüssigen. Exzess ist das Ziel. Technologische Innovationen, wie etwa die digitale Revolution, forcieren auf der Produzentenseite eine überproduktive Arbeit, gekoppelt mit einer Abnahme der Arbeitsmöglichkeiten, der keine Expansion des Konsums mehr gewachsen ist. Wachstumsgrenzen werden zwar erreicht, doch in erster Linie stößt nicht die Produktion darauf, sondern der Konsum. Die Werbung zaubert für jedes Bedürfnis eine Nachfrage aus dem Hut. Aber um welchen Preis? Was fehlt, ist, dass etwas fehlt. Ein Trick der Werbung, der mir zuletzt oft aufgefallen ist, geht so: Es werden Spots produziert, die scheinbar aus dem Alltag zu kommen scheinen, mit allen Unvollkommenheiten, Versprechern, unbeholfenen Gesten usw. Diese Figuren empfehlen dann ein bestimmtes Produkt, eine bestimmte Marke in diesem unbedarften Alltagsdeutsch, das sich selbst beglaubigt und weit vom Werbedeutsch entfernt zu sein scheint, das ja immer mehr meint, als es sagt. Auch die sogenannten „Offenen Briefe“ gehören in diese Kategorie: reiner Inhalt, zum Nutzen und Frommen einer ganz bestimmten Meinung, hinter der manchmal auch Egoismen, Interessen und spendenfreudige Konzerne stehen.

Sonntag, 9. Juli 2023

Tour de France

Jetzt rasen sie wieder durch Frankreich. Mit dem Rad. Fernsehdirektübertragung. Eine große Sportshow. Genau nach den Gesetzmäßigkeiten des Showgeschäfts scheint das Spektakel auch abzulaufen. Nicht zu lang, nicht zu kurz, immer unterhaltsam Helden aufbauend. Projektionsfiguren, wie man jetzt wieder auf deutschen Straßen sieht, wenn sie in mit Industriefirmenlogos bedruckten Papagaientrikots herum fahren. Wir sind auf dem Sofa vor dem Fernsehgerät wie verwurzelt. Wer, wie, wo? Wir sehen ein bisschen von Frankreichs Schönheit. Wunderbare Schlösser. Ort- und Landschaften, wie es sie bei uns nicht gibt. Gelegentlich hören wir etwas über die Vergangenheit. Weniger über Dopingsünder wie Lance Armstrong, sondern vielmehr über die alten Helden: Jacques Anquetil und Raymond Poulidor, Eddy Merx natürlich, Luis Ocana, Miguel Indurain, Felice Gimondi, Alberto Contador (gerne mal positiv gestestet), Pascal Simon, der 1983 im Gelben Trikot mit gebrochenem Schlüsselbein den Puy de Dome hinauffuhr und am nächsten Tag aufgeben musste, Fausto Coppi, der nach 9 Stunden und 40 Minuten das Etappenziel erreicht haben soll, - wie wir jetzt von kundigen Sportjournalisten erfahren. Und dann „die Deutschen“: Rudi Altig, Didi Thurau, Erik Zabel, der Jan Ullrich, der auch schon mal ein Mittelchen eingenommen haben soll, frühere Fahrer aus grauer Vorzeit, die beim örtlichen Schmid ihr Fahrrad in Ordnung brachten und dann weiter fuhren. Deutsche Rennställe, - jetzt einer in mattgrün. Jetzt gibt es taktische Überlegungen: Welche Mannschaft mit welcher Strategie welches Ziel erreichen will. Den richtigen Moment erwischen, um dann dran zu sein, - gelegentlich sieht man vor lauter Werbeflächen auf den Trikots das „Peleton“ nicht mehr. Alles okay, alles Geldgeber. Nur zwei haben sich mal wieder heraus geschält, denen man den Gesamtsieg zutraut. Aber was ist schon der Gesamtsieg? Es gibt auch den Punktbesten, die Bergwertung, den besten Nachwuchsfahrer usw. , - wer ist der Führende?

Samstag, 8. Juli 2023

Haft(ung)

Ein einstiger Minister hat, wie jetzt heraus kommt, mutmaßlich 250 Millionen versenkt. Mal eben so. Verantwortlich ist er natürlich nicht, zur Haftung kann er vorerst auch nicht herbei gezogen werden. Der Häuptling der gegenwärtigen Regierung will seine Heimstatt zum Palast ausbauen. Und schauet stumm auf dem Tisch herum. Sagt nichts. Spuckt Sprechblasen. Inszeniert seine Bedächtigkeit, die Geld und in der Ukraine Leben kostet. Dafür, für diesen jetzt anstehenden bescheidenen Anbau sollen eben mal 800 Millionen drauf gehen. Nach gegenwärtigen Berechnungen. Wenn es soweit ist, kostet das natürlich mehr. Das Spiel kennen wir. Ob solche Dinge Unbehagen produzieren? Ärger, Wut? Dass Steuergeld raus gehauen wird und beispielsweise - im Hintergrund jeder vom TV übertragenen Bundestagsdebatte ein borniertes, sattes, erloschenes Gesicht zu sehen ist, das stellvertretend allerlei Sauereien zu vertreten hat? Ob rechtsgerichtete Stumpflinge daraus wachsende Zustimmungswerte zimmern?

Freitag, 7. Juli 2023

Populistisch faschistischer Furor

Man glaubt doch tatsächlich, eine Sehnsucht nach den einfachen Wahrheiten ausmachen zu können. Ja klar, je komplexer die Welt, desto…. Die Argumente kennen wir doch schon alle. Und doch bleibt einem nur das sich Wundern darüber, welchen Sinn sich gewisse Kreise auf gewisse Entwicklungen zurecht legen. Oft scheint mir das auf den Rückbau demokratischer Rechte hinaus zu laufen. Führerfiguren werden populärer. Es werden Lehrpläne umgestaltet, gewisse Lebensformen sollen verdammt und unsichtbar gemacht werden, Bücher ausgeschieden (in der Vergangenheit auch oft mal verbrannt), Texte, Theorien und Weltanschauungen werden verboten. Das Individuum wird immer universeller überwacht, ein bestimmtes Verhalten zum anzustrebenden Ideal erklärt. Das Lernen bekommt unter solchen Umständen etwas Zwiespältiges, Liberalität etwas, das zu überwinden sei. Wahrheit (was immer das ist…) wird durch systematische Lüge ersetzt, die Grenzen dazwischen verwischt. Sprache wird ummodeliert (ach, die „woken“!), „Neusprech“ ist angesagt, Kritisches untersagt, Bedeutungen verlieren sich, bis sich niemand mehr an etwas diese Bedeutung Bestimmendes erinnert, die von höherer Stelle bestimmte „Pornografie“ wird verboten, Rassismus wird das alles beherrschende Unwort, Pressefreiheit wird mit vollem Einverständnis des Volkes nicht mehr angestrebt, Kritik ist nicht erwünscht. Ob man so etwas auch als "totalitär" bezeichnen darf?

Mittwoch, 5. Juli 2023

Gruß an Thomas Bernhard

Was uns an Thomas Bernhard imponiert hat? Seine Sprache auch, sein Spott, sein Humor.... Wie er die Welt umfangen hat mit seinen Deutungsmodellen, die sich und ihre Helden doch immer wieder selbst in Frage gestellt haben. Wie er den Tod umfangen hat als etwas Unumgängliches, das immer sehr nahe ist. Wie er mit dem Sozialen umgegangen ist, weitab aller welterlösenden Theorien, - etwa in „Die Billigesser“: Thomas Bernhard scheint auf das Konkrete geschaut zu haben und es dann in einen surrealen und stark persönlich gefärbten Zusammenhang gestellt zu haben. Sein Roman „Holzfällen“ könnte auch dafür stehen und ist damals sogar verboten worden: sein Blick auf die österreichische High-Society scheint eine Spur zu genau gewesen zu sein, die Ähnlichkeiten waren offenbar zu nahe dran an der Realität. Flugs wurden die Advokaten vorgeschickt. Er scheint sich selbst als eine Art teilnehmenden Beobachter gesehen zu haben, der erst registriert und zu verstehen versucht hat, ehe er auf eine sehr individuelle Weise etwas beklagt. Sein Spott liegt über allem, ein befreiendes Lachen, das die alltägliche und unalltägliche Tücke integriert, einbezieht, das Niedere dem Hohen lachend nahebringt. Der Künstler ist bei ihm eine Lieblingsfigur, die sich in ihren eigenen Nabel verbohrt und eigene Bewegungsdynamiken entwickelt, die lächerlich machen. Das Scheitern ist bei ihm ein Teil des Gelingens, wobei er selbst durchaus wohl auch eitel und geil auf Anerkennungen war. Bewundernswert, wie er etwa in seinem Drama „Heldenplatz“ das alltäglich Faschistoide aufgenommen und als Einstellungsritual vorgeführt hat. Wie er seiner Schilderung eine eigene Sprache verpasst hat. Wie er die Langeweile als Bodensatz auch der Anstrengung eingeführt hat. Wie er oft genug virtuose Denkkapriolen mit Chaplin-haften Abstürzen in die totale Auslöschung kombiniert hat. Das alles hat kosmisch-komische Züge: er scheint dadurch Vexierbilder der Existenz geschaffen zu haben.

Dienstag, 4. Juli 2023

Wachstumspolitik

Ich wundere mich und es geht mir die ganze Zeit im Kopf herum, dass jetzt so eben mal 10 Milliarden Euro an die Firma Intel gegeben werden sollen und das Ganze dann „Industriepolitik“ genannt wird. So langsam verschwindet das wieder im Rückspiegel der Medien, doch ich frage mich, welche Rückschlüsse so etwas wohl hinterlässt. Der Wirtschafts- und Klimaminister soll gesagt haben, nachdem zunächst „nur“ 7 Milliarden Euro Subventionen vorgesehen waren: „An drei Milliarden soll es nicht scheitern“. So kann meiner Meinung nach nur der satte Mittelstand und jene Abgeordneten argumentieren, denen hinten und vorne die Kohle reingeschoben wird. 3 Milliarden, was ist das schon! Lindner dieser manchmal sehr fixierte „Freie Marktwirtschaftler“ scheint daran auch nichts Hörbares auszusetzen zu haben, obwohl die Summe ganz schön reinhaut in sein Kontor, bzw. Haushalt. Der BDI scheint auch Beifall zu klatschen. Ob das alles etwas mit dem Erstarken einer gewissen rechtsextremen Partei zu tun hat, die sich auch als Partei der Unzufriedenen gebärdet. Ob uns da gerade das vergangene Wochenende zu denken geben müsste? Protestpartei, was soll das in Deutschland sein? Die CDU? Oh je! Die Grünen? Nun ja. Wagenknecht-Partei? Schon eher. Bleibt nur die Partei am rechten Rand, die auf die Arroganz und Unfähigkeit gewisser Leute in der Regierung zu reagieren scheint. Zurück zu den 10 Milliarden, die eben mal so raus getan werden. Im ZDF hat ein „Experte“ dieses Unternehmen unlängst als „Verliererfirma“ tituliert. Sie soll uns also helfen, wenn nach Corona und beim Ukrainekrieg wieder mal „Lieferengpässe“ drücken und keine Autos wegen Chipmangels produziert werden können? Ob diese Firma genau die benötigten Chips produzieren wird? Zweifel erscheinen nach gewissen Informationen erlaubt. Sind wir (wer ist das?) dann weniger erpressbar? Geht es darum, den „Wohlstand“ (Wohlstand für wen?) zu fördern? Soll die Klimawende beschleunigt werden (Würde gut in ein idiologisches Konzept passen)?

Montag, 3. Juli 2023

Obsoleszent?

Ich wundere mich und es geht mir die ganze Zeit im Kopf herum, dass jetzt so eben mal 10 Milliarden Euro an die Firma Intel gegeben werden und das Ganze dann „Industriepolitik“ genannt wird. So langsam verschwindet das wieder im Rückspiegel der Medien, doch ich frage mich, welche Rückschlüsse so etwas wohl hinterlässt. Der Wirtschafts- und Klimaminister soll gesagt haben, nachdem zunächst „nur“ 7 Milliarden Euro Subventionen vorgesehen waren: „An drei Milliarden soll es nicht scheitern“. So kann meiner Meinung nach nur der satte Mittelstand und jene Abgeordneten argumentieren, denen hinten und vorne die Kohle reingeschoben wird. 3 Milliarden, was ist das schon! Lindner dieser manchmal sehr fixierte „Freie Marktwirtschaftler“ scheint daran auch nichts Hörbares auszusetzen zu haben, obwohl die Summe ganz schön reinhaut in sein Kontor, bzw. Haushalt. Der BDI scheint auch Beifall zu klatschen. Ob das alles etwas mit dem Erstarken einer gewissen rechtsextremen Partei zu tun hat, die sich auch als Partei der Unzufriedenen gebärdet. Ob uns da gerade das vergangene Wochenende zu denken geben müsste? Protestpartei, was soll das in Deutschland sein? Die CDU? Oh je! Die Grünen? Nun ja. Wagenknecht-Partei? Schon eher. Bleibt nur die Partei am rechten Rand, die auf die Arroganz und Unfähigkeit gewisser Leute in der Regierung zu reagieren scheint. Zurück zu den 10 Milliarden, die eben mal so raus getan werden. Im ZDF hat ein „Experte“ dieses Unternehmen als „Verliererfirma“ tituliert. Sie soll uns also helfen, wenn nach Corona und beim Ukrainekrieg wieder mal „Lieferengpässe“ drücken und keine Autos wegen Chipmangels produziert werden können? Ob diese Firma genau die benötigten Chips produzieren wird? Zweifel erscheinen nach gewissen Informationen erlaubt. Sind wir (wer ist das?) dann weniger erpressbar? Geht es darum, den „Wohlstand“ (Wohlstand für wen?) zu fördern? Soll die Klimawende beschleunigt werden (Würde gut in ein idiologisches Konzept passen)?

Sonntag, 2. Juli 2023

Überirdisch?

Telekinese, Erscheinungen, bedeutsame Schatten, Ufos…. Was sagt der vulgäre und unter manchen Menschen gepflegte Materialismus dazu? Ob es nicht so ist, das bestimmte Phänomene bis zum heutigen Tag nicht vernünftig erklärt werden können – in der Zukunft aber sehr wohl? Es scheint bestimmte Erscheinungen zu geben, die eindeutig im Widerspruch zu aller rationaler Erkenntnis zu stehen scheinen. Doch wer maßt sich an, das vom jetzigen Stand unserer Einsicht aus erklären/negieren zu können? Welche Anmaßung steckt da wohl dahinter? Selbst Newton’sche Gesetzmäßigkeiten scheinen nicht absolut zu gelten: Die Quantentheorie stellt da so manches in Frage. „Wunder“ nannte man so etwas früher. Altbekanntes Beispiel: San Gennaro ist der Stadtheilige Neapels. Er wurde vor etwa 1700 Jahren geköpft. Eine Zeugin der Hinrichtung sammelte Gennaros Blut in Fläschchen, die in Neapels Dom verwahrt werden. Dreimal im Jahr werden sie in die Nähe von Gennaros Schädel gebracht, wobei sich das geronnene Blut verflüssigt. Verflüssigt sich das Blut nicht, gilt das als böses Omen.

Samstag, 1. Juli 2023

Drei Klafter tief (Songtext)

Drei Klafter tief Raus aus dem Eis raus auf die Straße Geister haben uns begrüßt sie schlagen eine lange Nase das ist Routine das ist der blaue Panzer Sag alles ab die Nacht schluckt dich auf denke schräg, schließ die Augen die Zeit ist ein kleiner Fluchtpunkt trau'rige Linien im Sand ein blaues Vergessen Refr. wir haben geatmet wir waren präsent waren bei uns selbst für Momente fang' endlich an, fang' die Tangente die sich selbst in der Unendlichkeit trifft Der Zeiger drückt die Uhr tickt lauter hab meine Person verzettelt hab etwas verloren in der Enge Acht Meilen hoch und drei Klafter tief...