Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 30. Juni 2020

Im Getümmel (Foto)

Im Getümmel

Montag, 29. Juni 2020

Wellness


Es werden gut vergütete Pakete geschnürt, des Wohlfühlens, das sich weithin als „Wellness“ verkauft und die Einheit in sich verspricht, des Ganzen, das „im Flow sein“, das natürlich durch einen Coach energietechnisch achtsam herbei geführt wird. Allumfassende Selbstoptimierung lockt, das „Im Jetzt sein“ und andere transzendentale Köstlichkeiten. Gegen einen Festpreis und Aufpreis in genau definierter Zeit. Seinem Leben etwas Tiefgang verleihen, wär‘ das nicht etwas? Nun, der Esoterik-Markt ist groß und verspricht so manches. Ob aber der Weg nicht doch ein anderer ist? Ob er nicht etwas mit langsamem „entschleunigten“ Wachsen zu tun hat, von Bewusstsein und Gedanken, mit einem schrittweisen Durchdringen von Wirklichkeit, in und um einen? „Höhere Wirklichkeit“, das ist wohl kein käuflicher Artikel, sondern eine Bemühung, ein Ringen, ein Ahnen, ein Tasten und ein Gefühl, das den Weltraum um sich vermutet und gleichzeitig nie abhebt in Selbstgefälligkeit. Das immer wieder den behutsamen Kontakt versucht, die Anrufung, das Gebet. Den Kontakt zu dem, was über einen selbst hinaus weist. Dem, das über das Individuelle hinaus geht.

Sonntag, 28. Juni 2020

Valerie (9)


Er wollte sich in einen Bankdirektor hinein versetzen können, durch seine Augen sehen, seine Gesten benutzen und wieder ablegen können, er wollte Terrorist sein können, dessen Alltag nachvollziehen können, er wollte Einsiedler im Polargebiet sein, er wollte Politiker sein, der von morgens bis abends von „Sachzwängen“ umgeben scheint, er wollte Drogensüchtiger und Mönch sein, - all dies waren für ihn gültige Wirklichkeiten, die genauso existierten, wie seine eigene. Jede dieser Möglichkeiten musste notwendige Konsequenzen haben, nach denen sich das Ich dahinter zu richten hatte. Er ahnte Extreme, die einen vielleicht näher an das heranführen konnten, was man „das Leben“ nannte und das doch ständig wieder zerfiel in Augenblicke, Konstellationen, kaleidoskopartige Ansichten, oft verdeckt durch Mittelmäßigkeiten, Kompromisse und alltägliche Notwendigkeiten. Er hatte das Pech, dass ihn solches sehr schnell langweilte und er sich nicht damit abfinden konnte und wollte. So war er also ständig auf der Suche nach etwas. Die Zeit, in der er in sich selbst Ruhe fand und meinte, wenigstens über vorläufige Gewissheiten zu verfügen, war vorbei. Es galt, alles ständig neu zu begreifen, neu zu entdecken, - doch die Rollen, die ihm angeboten wurden, genügten ihm nicht.

Samstag, 27. Juni 2020

Think Tanks

Ich frage mich, welche Funktion die Politik beratende Think Tanks eigentlich haben. Wissenschaftler machen Aussagen über gewisse Themen, geben Empfehlungen, - aber die Politik tut nichts. Ob das mit "Politikberatung" gemeint sein könnte? Ob es vor allem um Alibifunktionen und jene symbolischen Ablassentlastungen geht, die gewisse unverbindliche Auswirkungen auf die Gesellschaft haben? Die Absichtserklärungen nach sich ziehen, von denen im konkreten Sinne nie mehr die Rede sein wird? Ob das alles in Thesen mündet, die diese Gesellschaft überwiegend glaubt, weil sie sie "wissenschaftlich" untermauert glaubt? „Die Politik“ muss wohl vorgeben, dass sie von wissenschaftlich begründetem Sachverstand beraten ist, dass sie klug abwägt und dann entscheidet. Das wird besonders in der Krise deutlich. Ob dies alles aber nicht inzwischen zu einem hohlen Ritual geworden ist, durch das sich die sog. „Eliten“ gegenseitig bereichern? Sich und seine „Wichtigkeit“ in der Öffentlichkeit darzustellen? Das als allgemeinen "Common Sense" dargestellte Einverständnis der "Eliten" als gesellschaftliches Gemeingut auszugeben? "Studien" als allgemeingültig auszugeben? Klar ist doch, dass Wissenschaft in Widersprüchen vonstatten geht. Große Schichten des Volkes sind offenbar davon Abhängig, was etwas kostet. Andere Schichten eher nicht. Geht es um Standortvorteile? Um „Problemlösungen“? Wer mag davon wohl profitieren? 
Bücher und Studien mit steilen Thesen sollen dieses Selbstverständnis wohl stützen. Klar, das nützt der Publikationsdichte, die ja im Wissenschaftsbetrieb auf vielerlei Arten honoriert wird. Darüber hinaus aber scheinen diese Eliten stillschweigend damit einverstanden zu sein, gegen gutes Honorar weitgehend wirkungslos zu bleiben....

Donnerstag, 25. Juni 2020

Reisespass für alle?

Nun schon seit Monaten scheint es das Wichtigste überhaupt zu sein, wie es ums Reisen steht, mit dem gebuchten Urlaub. Auf Balkonien? Besondere Umstände? Auf gar keinen Fall! Es sei denn, man ist aus finanziellen Gründen dazu verdammt. In die Normalität übergehen, klaro. Jetzt. In die „Normalität“, nicht in die „Neue Normalität“, wie von der Politik einst ausgerufen. Von ihr war ja anfangs zu hören, es gehe „um Leben und Tod“. Nun ja, jetzt geht es um etwas anderes, auch wenn es auf der Welt insgesamt noch ziemlich schlecht aussieht. Jedenfalls scheint zum gedeihlichen Auskommen jetzt erst mal der wohlverdiente Urlaub zu gehören, wenn‘s geht, sogar auf einem Kreuzfahrtschiff. Ferne Länder, schmucke Ressorts, tolle Hotels, all-inclusive. Tapetenwechsel, möglichst mehrmals im Jahr. Ausbruch. Erholung. Entspannung. Wechsel der Perspektive? Ausbruch aus dem Alltag? Flucht aus der Wirklichkeit? Könnte damit verbunden sein, muss aber nicht. Wichtig ist vielmehr das Fressen und Saufen. Das Konsumieren. Sex, Drogen und die Gemeinschaft im Drogengenuss. 
Wo bleibt denn da der Ausbruch aus der Warenwelt, so wie das berühmte Soziologen einst analysiert hatten? Nun ja, angesichts von Globalisierung, Vermögensreichtum und per Internet erleichtertem Zugang zur Reisebranche könnten da Zweifel erlaubt sein. Die Folgen vor Ort im fernen Traumland scheinen sowieso nicht zu interessieren. Da wäre beispielsweise die zunehmende Wasserknappheit angesichts des gewaltigen Verbrauchs der Touristen. Auch die Plastikmüllberge, die durch das Meer schwimmen, können das Vergnügen von Touristen mindern. Kreuzfahrtschiffe verpesten die Umwelt, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Trotzdem: Nichts wie weg! Touristen sind natürlich nicht an allem schuld und das Bildungsbürgertum hatte diesbezüglich Privilegien, deren Zeit wohl so nicht mehr wiederkommen dürfte. Außerdem scheint ja gerade das grün-ökologische Milieu dasjenige zu sein, das am meisten verreist. Trotz Gretas Segeltörn. Es geht wohl auch um die Demokratisierung des Reisens, also das Herabdeklinieren des Tourismus zur Massenware. Selbstverständlich wollen sich Ökos davon abgrenzen und streben dem Exklusiven, Individuellen und Teuren nach, das sich als „Bio“ geriert.

Dienstag, 23. Juni 2020

Mister Magister (Text)



MISTER MAGISTER

Mister Magister,
Daseinsfrister
deine Frist läuft ab
Klipp-Klapp


Refrain
Sapperlott
Schaffott
flott
Galott
Hundsfott
fort – Trott

Wir schaffen‘s, wir packen‘s
bei uns geht die Post ab
Und wenn die Welt untergeht
dann gehen wir mit
wir heben die Welt aus den Angeln
uns ist‘s vor nichts bange

Der Zähler tickt,
High-Tech, Bigmac
was sagt der Nenner:
jede Sekunde bringt uns dem Tod näher!

Man hat euch die Jugend abgekauft
verkauft? „Forever young“?

(in grauer Vorzeit geschrieben)

Samstag, 20. Juni 2020

Valerie (8)

Aus einem Romanfragment, geschrieben in grauer Vorzeit und jetzt in Fortsetzungen "präsentiert":

Er litt jetzt wieder an seiner Unfähigkeit, ein ungebrochenes Gefühl zu erleben, er litt an seinem dauernden Drang, sich selbst zu beobachten und zu analysieren, was ihn in Distanz zu den Dingen und zu den Leuten brachte und ihm manchmal das Gefühl bescherte, nur indirekt zu leben, durch das Sieb und den Filter seines Verstandes, seiner Erwartungen und gefühlsmäßigen Reflexe, die sich im Lauf der Zeit automatisiert hatten. Für bestimmte, immer wiederkehrende Situationen hatte er stets dasselbe Schema parat, zu erleben und zu erarbeiten. Diese Routinen konnten einen in Ruhe halten und hatte durchaus ihre Berechtigung, sie waren Griffe, an denen man sich halten konnte, - und doch war ihm dies alles zu eng, er ahnte Möglichkeiten jenseits seiner eigenen Existenz, oder dessen, was ihm als solche gewärtig war. Er war neugierig darauf, ständig alles mit neuen Augen zu sehen, aus verschiedenen Perspektiven, wobei er ständig auf Grenzen stieß, die ihm noch nicht einmal gesetzt wurden, sondern die er sich selbst setzte, die seine Veranlagung, sein Temperament, sein Phlegma, seine Sensibilität oder seine Erziehung ihm setzten. Natürlich hatte er gelernt, dies alles auf seine Umwelt zurück zu beziehen, nur glaubte er, daran noch weniger ändern zu können, als an sich selbst, - was ihm schon schwierig genug erschien

Donnerstag, 18. Juni 2020

Totalitarismus

Ich kriege mit, dass besonders in bestimmten Staaten, deren Regierungen sich jetzt schon als ziemlich autokratisch gerieren, die Tendenz bestehen könnte, die Coronakrise für sich zu missbrauchen. Es könnte darum gehen, einen Überwachungsstaat und eine Diktatur aufzubauen, Ungleichheiten zu zementieren, es in eine "Normalität" zu überführen. Sogar in der EU gibt es dafür ein prominentes Beispiel. Erste Vorboten dessen könnte sein, dass Masken und Beatmungsgeräte nur bestimmten Menschen zur Verfügung gestellt werden, dass dies vom sozialen Status und dem Einkommen abhängig gemacht wird. Die Medien müssten alsbald gleichgeschaltet werden und sich schließlich selbst kontrollieren („Schere im Kopf“). Hierarchische Beziehungen würden sich verfestigen, indem es als „normal“ angesehen würde, wenn von oben nach unten getreten würde. Rücksichtslosigkeit wird sich als Verhaltensmodell verfestigen. Ausgegebene Apps könnten von demokratisch gesinnten Kräften auch nach einer gewissen Zeit nicht abgeschaltet, sondern zur Überwachung und Verfestigung von Machtstrukturen missbraucht werden (Kurzfristige Rechtfertigung steht bereit: „Gesundheit“ und „Terrorismus“). Elektronische Fußfesseln in dieser oder jener Form könnten dann als „normal“ und „nötig“ erklärt werden. Blöd nur, dass die betreffenden Bevölkerungsschichten das dann mitmachen werden, weil sie zuvor entsprechend manipuliert und bearbeitet wurden. Weil sie kurzfristigem Überlebenswillen und Strukturen der Bevormundung ausgeliefert sind. Weil sie Gehorsam eingeübt haben und weil sie den Hass auf Minderheiten als Ventil für ihre soziale Hierarchie gewohnt sind. Weil sie Obszönitäten zu einem Bestandteil ihres Lebens gemacht haben. Noch dürfen wir froh sein, dass wir solchen Bestrebungen und Strukturen nicht ausgesetzt sind. Wir müssen unsere freiheitliche Orientierung verteidigen.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Augenblicke (Text)

AUGENBLICKE

Augenblicke, wenn du außer dir und doch so ganz bei dir bist, du suchst sie bisweilen. Aber sie kommen und gehen wann sie wollen. Du ahnst, dass du eines Tages in eine andere Welt eingehen wirst, du schaust in die Wolken und wirst plötzlich ein Teil von ihnen, hinaus in den Weltraum, wo du ganz alleine bist, alles eine Frage des Bezugspunktes, entrückt in andere Realität. Ein Lächeln, du versuchst sie festzuhalten, diese Zeitpartikel, sie zu sammeln, wesentlich, "eigentlich" sein, magische Momente, was heißt das?: du bist du? weniger als ein Staubkorn im Universum, du wartest auf etwas Wunderbares, eine "Grenzüberschreitung", ein "Abenteuer"?, etwas Anderes, wo findet man das?: die Suche, die Ferne, das Uneingelöste, den Augenblick genießen, das Unendliche, das Nichtmitteilbare, dein Persönliches und Unpersönliches, deine Welt erweitern in Richtung auf deine Phantasie, aber nicht die trivialen Medienphantasien von der Stange, sondern deine ureigenen.... Deine Reise, wohin bist du noch unterwegs? Dieses "in Bewegung sein" ist dir wertvoll, du willst dich noch eines Tages „verwirklichen“, mit dir selber identisch werden, dieser Drang ist dir angeboren: du hast davon geträumt, solange du denken kannst, lange hast du gedacht, das andere Leute diesen Drang, dieses persönliche Versprechen genauso mit sich herumtragen. Aber da ist nur Dumpfheit, die "normale" Dumpfheit, die allmächtige Alltäglichkeit, der Strom der Selbstverständlichkeiten, der Konventionen. Das macht dich fremd, du fällst dauernd heraus aus deren small-talk-welt. Da ist der unbegreifliche "Andere", - " die Hölle, das sind die Anderen" sagte sinngemäß Sartre, der beispielhafte Erfolgsgeistesmensch. So etwas kann man objektivieren, von sich selbst absehen überhaupt, - ist nicht schon die Erkenntnisrichtung völlig subjektiv?, die kulturellen Wertungen bringen uns um unsere persönliche Unmittelbarkeit, (es gilt das „nicht sentimental sein“, Wichtiges aussagen, originell sein, nicht banal, der Intellektuelle ist darauf programmiert, er kennt das Bücherbewusstsein, den sprachlichen Diskurs...usw.......du spürst: das Leben ist anders, ästhetische Probleme sind tatsächlich sekundär, das was du bist, das Tatsächliche ist etwas, das sich damit beist, das damit in Konflikt steht.
Mittels eines Buches hast du sie schon gehabt, diese Augenblicke. Der Schriftsteller schien deine Welt zu teilen, von deinem Persönlichen zu wissen: endlich jemand, der auch davon weiß. Aber dann liest du irgendein Interview von ihm, er sagt furchtbar gescheite Sachen, aber aus dem Ganzen ist überhaupt nichts von dem zu entnehmen was du bei ihm festzustellen geglaubt hast. Der ist dir fremd. Der lebt doch in einer ganz anderen Welt. Die Eitelkeiten, die Pfauenräder verstellen immer wieder den Blick auf das, was dich interessiert. Im Resultat bleibt ein Graben zwischen uns.
Ja, dieser alte Traum, sich mit jemandem perfekt zu verstehen, eine Art absolute Gemeinsamkeit herzustellen. Auch eine der Lockungen, die du nie wirst endgültig abhaken können. So oft schon hereingefallen weißt du eigentlich genau um deren prinzipielle Unerfüllbarkeit. Du bist daneben, es gelten andere Spielregeln, du lebst tatsächlich in deiner Nebenwelt und versuchst, diese Augenblicke zu sammeln. Wieso eigentlich das Bedürfnis, das alles mitzuteilen? Eitelkeiten? Irgendeine Wichtigkeit vermutend, der eigenen Person, oder der Mitteilung? In einer "Informationsgesellschaft", in der kaum noch jemand all diese Reize ordnen, geschweigedenn verarbeiten kann? Wo sollte das Interesse sein? Das Interesse, das Aktionen auslösend kommerziell verwertbar ist? Du bist umsonst. Wahrlich umsonst.

Dienstag, 16. Juni 2020

Mehr Präsident als Minister

Kretschmann wird von den Grünen offenbar als eine Art „Lichtgestalt“ (erster Ministerpräsident der Grünen!) gesehen, der man alles nachsieht. Finanzielle Förderung von Verbrennungsmotoren durch den Staat? Klaro. Arbeitsplätze? Jedes Argument wird akzeptiert. Gibt es auch sinnlose Arbeit und Arbeitsplätze? Keine relevante Frage. Weiter. Arbeit, die bloß zur Vernichtung von Ressourcen beiträgt? Stichwort: Obsoleszenz. Weiter. Galt Boris Palmer mal als ein Nachfolger? Bitte nicht! Ob die Erhöhung von Preisen Probleme löst oder ob sie soziale Ungleichheiten verstärkt? Für eine bestimmte, gut verdienende Klientel geht alles, - vielleicht. Ob diese Klientel etwas mit den Grünen zu tun hat? Ob sie die erhöhten Preise locker bezahlen kann, andere hingegen nicht? Vollhonk! Ob Elektromotoren in obermodernen Autos die Lösung von Problemen bedeuten? Was ist mit dem ökologischen Fußabdruck, den diese Vehikel hinterlassen? Mal ganz zu schweigen vom „sozialen Fußabdruck“ solcher Automobile? Entsorgung? Weiter. Vermeidung von CO2-Emissionen? Gewiss. Ob aber die Elektromobilität das „nachhaltige“ Allheilmittel ist?

Montag, 15. Juni 2020

Lockdown

Was war das für eine Auszeit? Lockdown. Ein Spuk, der vorbei huschte. Der akademische Mittelstand fühlte sich darin ganz wohl: er war es ohnehin gewohnt, daheim am Computer zu arbeiten. Das Geld floss für ihn auch. Er ist ja meist vom Staat und seinen Akademien angestellt, jedenfalls soweit er öffentlich in Erscheinung tritt. Für alle andern war das nicht so einfach: erst Kurzarbeitergeld und Bouzuka, dann drohende Arbeitslosigkeit und Schock im großen Stil, die Depression dessen, was man als Wirtschaft bezeichnet. Man selbst nahm das als Austritt aus dem wahr, was als „Normalität“ definiert ist. Eine Zeit lang war dann auch viel von der „Neuen Normalität“ die Rede, in der Weg uns führen würde. Jetzt scheinen sich die Ausbruchszahlen genauso beruhigt zu haben wie die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts. Die Wissenschaftler scheinen sich immer mehr gegenseitig zu zerfleischen, es gibt Hygiene-Demos und als neues Aufmerksamkeitsattraktion durchzieht das Wort „Rassismus“ unsere Gesellschaft: der Zeitweise Konsens ist dahin, ist weg, der alltägliche Streit, die nicht immer demokratisch ausgetragene Kontroverse prägt unsere Realität. Der Staat war eine Zeit lang stark, jetzt soll aber die private Wirtschaft mit alten Wachstumsidealen das Ganze wieder vorwärts ziehen. Klima- und andere Luxusdiskussionen sind vorbei, jetzt geht‘s wieder ums Wesentliche: Die Wirtschaft, Arbeitsplätze, machen und tun… dem blühenden Fortschritt mit riesigen Wachstumsschritten entgegen. Ob aber diese ökologischen Fragen nicht doch drängen? Ob sie einen noch ganz anderen Lockdown verursachen könnten? Ob wir zurück fallen könnten in alte Verhaltensmuster, der Barbarei, des gegenseitigen Killens, des Tribalismus….? Ob wir uns ein bisschen inspirieren lassen könnten von den alten Griechen und deren Ideal der Gelassenheit? Oder ob diese jungen Ökofexe von "Friday for Future" nicht doch etwas beitragen könnten zu einer neuen Zukunft, zu der wir noch die Kurve kriegen könnten?

Sonntag, 14. Juni 2020

Hinter Verschwörungstheorien


Soll man sich ausgerechnet jetzt fortwährend daran erinnern, dass es möglicherweise in dieser Republik ziemlich ungerecht zugeht? Vergleichsweise….. Soll man diesen Nasen, die in ihrer Show und Performance anbieten, das zu ändern, mit einer Wählerstimme vertrauen? Nächstes Jahr? Soll man ihnen das zutrauen? Zweifel. Skepsis. Steigt auf in einem. Ob das Demokratie ist? Soll man sich mal wieder darüber aufregen, dass Großspenden und Lobbyisten die Entscheidungsprozesse in dieser Politik möglicherweise entscheidend verändern? Was passiert hier überhaupt im Hintergrund? Ob solche Dinge und seltsamen Sachverhalte nicht auch zur Entstehung von „Verschwörungstheorien“ beitragen? Überhaupt, der Einfluss dieser Lobbys und Interessenvertreter scheint ja recht weit zu gehen und sich unter anderem in finanziellen Zuwendungen an Parteien auszudrücken, wobei dafür offenbar im Hintergrund dieser parlamentarischen Demokratie auch verschlungene Wege gefunden werden. Journalisten der großen Medien sekundieren pflichtbewusst und simulieren Kritik.
Der Hintergedanke scheint dabei relativ klar. Nicht nur Diäten und Fraktionsetats scheinen ziemlich schamlos erhöht zu werden. Die Mitglieder des Parlaments werden auch immer mehr. Und mehr. Und mehr. Eine Versorgungsmentalität scheint hier um sich zu greifen. Wer dagegen aufbegehrt, gegen den wird sofort geklagt, - das Procedere ist ja schon aus der Industrie bekannt. Recht ist natürlich käuflich. Gegen entsprechende Parteispenden werden „Besuche“ bei einflussreichen Politikern gewährt: Diese Praxis sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Daraufhin wurde Besserung gelobt. Doch die Praxis scheint weiterzugehen, - scheint..… im Verborgenen? Nix Genaues weiß man nicht (befördert weitere Verschwörungstheorien). Überhaupt lassen sich wohl Parteien und Abgeordnete wohl nicht so gerne in die finanziellen Karten schauen. Ob das oberdemokratisch ist oder ob hier „Expertenwissen“ in die Entscheidung einfließt? Die Erklärungen vielfältigster Art stehen ja bereit und werden von Pressereferenten in verdünnter Form vorgetragen. Scheint, offenbar, vielleicht - im Dunkeln ist gut munkeln, so möchte man meinen. Das Parlament scheint dies zu nutzen. Doch ob es dieser Republik wirklich so gut geht, wie oft behauptet wird? Dass es Deutschland vergleichsweise gut geht: gebongt! Ob es nicht deutlich besser gehen könnte, wenn der politische Wille da wäre? Ob es dabei auch um das „Schlechtreden“ eines Staates geht (wie manche Politiker behaupten), der sich noch auf einer Insel der Seligen wähnt, aber die Machtmechanismen schon für andere und kommende Zeiten in Stellung bringt? Stichwort: Klima. Keine Zeit für „Experten“. Die beraten nur. Politiker entscheiden.

Samstag, 13. Juni 2020

Wohnungssuche


Jetzt, unter den gegenwärtig obwaltenden Umständen, hat man als Mensch mit migrantischem Hintergrund gleich gar keine Chance. Es herrscht Wohnungsraumknappheit. Basta. Irgendwie ausgesessen von denen, die ohnehin nie etwas mit diesem Thema zu tun hatten. Die über große finanzielle Ressourcen und akademische Titel verfügen, um sich aus dieser Position heraus bei Talkshows öffentliche Gedanken darüber machen. Die alles „von oben“ sehen und sich den Luxus leisten können, wie persönlich Unbeteiligte darüber zu reden und mit einem eloquenten Grinsen so etwas wie öffentliche Betroffenheit zu simulieren. Man bewirbt sich und es heißt: „Schon vergeben“. Auch große Wohnungsbaugesellschaften scheinen nach diesem Schema zu agieren, obwohl ihnen nach den „Gesetzen“ der Marktwirtschaft die Kohle und der Profit viel wichtiger sein müsste. Wie das? Man weiß es nicht. Das Einzelschicksal: Was soll‘s? Kolateralschaden. Freie Marktwirtschaft, in der bestimmte Städte halt ihre Sozialwohnungen verkauft haben, um einen kurzfristigen Effekt zu erzielen. Hat halt ihren Preis. Auch wenn Menschen dabei vernichtet werden, - dann ist das halt so.

Freitag, 12. Juni 2020

Rassismus in Strukturen


Es scheint dasselbe zu sein, wie mit der Korruption. Wie eigentlich soll man „latenten Rassismus“ belegen? Ob etwas in der Struktur angelegt ist dergestalt, dass bestimmte Personen in unserem Staat mit einer besonderen Machtfülle ausgestattet sind? Ob so etwas zum Missbrauch einlädt? Ob auch der Zwang, möglichst zügig zwischen Gut und Böse entscheiden zu müssen, dazu beiträgt? Ob man so etwas benennen sollte? Ob das auch ein Problem der Kommunikation im Politikbetrieb ist? Ob sich diese im Auftrag des Staates handelnden Personen demokratisch legitimiert wähnen und ob nicht gerade darin ein Problem liegen könnte? Manche Menschen glauben, dadurch zu allem berechtigt zu sein (obwohl sie von der Bürokratie, so, wie sie gedacht ist, gebremst werden sollten...).
Natürlich treten jetzt viele Lautsprecher auf, die unter anderem fordern, man solle die USA nicht mit Deutschland vergleichen. Kann man auch nicht! An dieser Stelle sollte man stolz auf diesen Staat Deutschland sein, der es wenigstens versucht hat, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Trotzdem erscheint es mir angezeigt, zu fragen, zu forschen, auszukundschaften, wo denn dieser Staat samt seinen „Organen“ einen „latenten Rassismus“ pflegt. Dass diese Frage nicht erlaubt sein soll, dass die Diskriminierung bestimmter Personengruppen dermaßen rigoros für nicht existent in diesem Staat erklärt wird, das macht die Sache für mich verdächtig. Es scheint, als wollten sich alle der Loyalität diesem Staatswesen und seinen Vertreter gegenüber versichern.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Ausschussgepflogenheiten

Ob das Futter für Politikverdrosssenheit in Deutschland sein muss? Eine ehemalige Ministerin rückt vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss an und wird offenbar pauschal von allen Anklagepunkten freigesprochen, womit sich halbwegs verantwortliche Parlamentspolitiker unter anderem über das hinweg setzen, was der Bundesgerichtshof (ganz zu schweigen von der Presse) schon längst dargelegt hat. Nun ja, dieser Bundestagsausschuss scheint mal wieder ein Beispiel dafür zu sein, dass man in Berlin kontroverse Fragen und Machtmenschen in Ausschüsse abdrängt, wo sich die Fragen samt den an sie sich bindenden Figuren irgendwann im Sande verlaufen sollen, wo sie beerdigt und vor der Öffentlichkeit untergepflügt werden sollen. Dabei waren solche parlamentarischen Untersuchungsausschüsse vom Grundgesetz einst als ein Mittel der Gewaltenteilung gedacht, als ein Mittel, mit dem das Parlament seine Aufgabe der Kontrolle der Regierung wirksamer ausfüllen könnte. Nun scheint es zu einem Instrument zur Deckung von nahezu unverschämter Steuerverschwendung und gesammelter Fehlleistungen geworden zu sein. Dreistellige Millionenbeträge scheinen in diesem Zusammenhang kein Problem mehr zu sein, die Fraktions- und Koalitionsdisziplin, die weite Teile des Parlaments sowieso zu beherrschen scheint, rückt das vor der Öffentlichkeit wieder gerade und bringt das wieder ins scheinbar „Normale“ zurück. Dass nach fragwürdigen Kriterien vergebene und weitgehend erfolglose „Beratungsleistungen“ anscheinend fett honoriert wurden: niemand trägt Verantwortung. Niemand. Die Wählerschaft, das breite Volk, steht vis a vis und staunt.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Valerie (7)

Aus einem ehemals geschriebenen Romanfragment, dass ich hier als eine Art "Fortsetzungsroman" präsentiere:


Die Autobahn hatte Risse und Rinnen und man musste auf der Hut sein, um schnell vorwärts zu kommen. Der Wagen wurde manchmal von der einen Straßenseite zur andern geschleudert. Der Rhythmus der Musik aus dem Radio stimulierte ihn, kitzelte im Unterleib: Er stellte etwas lauter und drehte die Bässe auf. Diese zuckenden Vibrationen, diese Boten von Ekstase und selbstvergessener Erregung taten ihm gut. Erstellte sich die Atmosphäre eines Rockkonzerts vor. Die Minuten der ungeduldigen Spannung bis zum ersten Ton, der jetzt und im Moment von der Bühne kam, der dort erzeugt wurde und nicht aus irgendeiner Konserve kam, die schweißtreibende physische Präsenz der Musiker, optisch unterstützt von fantastischen Lichtkaskaden, die Momente des scheinbaren Verschmelzens von Zuhörern und Musikern, die Aufladung und zeitweise Entkrampfung, die emotionale Spannung in einem einzigen elektrischen Gitarrensolo, die Gewalt und befreiende Brutalität eines durch riesige Anlagen verstärkten Schlagzeugs, Bässe, die den Unterleib massierten, weiche Teppiche aus Synthesizern, darüber gelegt, ….doch dann dachte er an die Verlogenheit des Ganzen, die aufscheinende Routine dahinter, die Medienindustrie, die das alles beförderte und ins Gigantische aufblies, mit Mythen verkleisterte und dem Verbraucher als fertige Fluchtmöglichkeit von der Stange anbot, als „Angebot“ und Möglichkeit. Man suchte und fand darin trotzdem, was eigene Stimmungen und Gefühle, Ungefähres und Chaotisches ausdrückte, als Kitzel, der das Vergessen beförderte und bewirkte, dass man damit leben konnte. Er glaubte doch, das der „moderne Mensch“ sich seine Mythen brauchte und sie sich auch schuf, auch wenn er sich dies nicht eingestand. Die Konsequenzen dieser Einsicht beunruhigten ihn nicht mehr, er wollte viel lieber zusehen, beobachten, wie das alles vonstatten ging. Er wollte daraus lernen, seine Wirklichkeit besser begreifen. Von den rollenden Bässen ließ er sich zum nächsten Horizont tragen.

Dienstag, 9. Juni 2020

Alltagsrassismus in Deutschland

Alltagsrassismus in Deutschland, ja, den gibt es! Ich kann sie nicht mehr sehen und hören, diese Leute, die jetzt mit dem Zeigefinger auf die USA zeigen! Die meinen, von so etwas in Deutschland frei zu sein! Hierzulande lässt man oft genug abblitzen, gibt sich smart verständnisvoll, wird barsch, ertränkt alles in Gleichgültigkeit, erklärt sich für nicht zuständig, lässt die Dinge laufen, einfach so, immer weiter, wird unverschämt gegen eine Person, die einen, wie man glaubt, fremden Namen trägt, die nicht so aussieht, wie man es erwartet, man setzt unter Druck und drückt, mahnt ab. Auch bei bestimmten Behörden geschehen wohl solche Dinge. Es scheint eine Art geheimes Einverständnis derer zu geben, die das scheinbar Fremde ablehnen, bis tief hinein in die Institutionen dieses ach so toleranten Staates. Zugeben würde man das nie.
Die Presse? Sekundiert meist in aller unverbindlichen Freundlichkeit, indem sie das verarbeitet, was sie glaubt, an Zuständen und Zuständigkeiten verstanden zu haben. Dabei kaut sie oft nur das eigene Weltbild wieder, gestylt und designt, scheininformiert in wohlgeformten Sätzen und Sentenzen, wobei sie sich in ausladenden Konferenzen gegenseitiges Lob ausspricht. Rechtsstaatlichkeit? Pressefreiheit? Ja, wenn es wenigstens etwas Spektakuläres hätte! Wenn man etwas Strukturelles und Typisches darin erkennen könnte! Einen „Aufhänger“. Könnte ja jeder kommen. Rassismus als solches zu erkennen, zu qualifizieren und zu benennen ist manchmal vielleicht nicht ganz einfach. Es warten zahlreiche rechtliche Fußangeln, es warten sozial vermittelte Lebenswelten und Verhaltensweisen, die einen hindern könnten, die Dinge zu benennen. Lieber Raushalten!

Sonntag, 7. Juni 2020

Kapselspitze eines Raumschiffs

Man hat die Zettel gefunden aus den letzten Tagen, als man aufgeschrieben hat: ungeordnet, Chaotisch. Eindrücke. Und doch, es strömt durch einen hindurch:
All die IT-Spezialisten, die daheim mehr erledigen konnten als zuvor. Die diese Abläufe ohnehin gewohnt waren. All die einsamen Frauenabschlepper, die nun ein neues Feld vor sich hatten und deren Revier sich neu ordnete. Die vielen Standardkleinfamilien, die den Ärger mit den lieben Kleinen per Homeschooling auszugleichen versuchten. Die das mussten. Die Jungen, die das Audiovisuelle gewohnt sind und sich ohnehin nicht betroffen fühlten. Stark und von nichts betroffen. So war man selbst auch einmal. Man weiß nicht, wo man heute auf diesem Feld steht. Lebt man zu sehr in den Tag hinein? Immer noch? Manches scheint versiegt in einem, man war nicht mehr dabei, man zog sich selbst zurück und geriet dadurch in Zustände, die man so nicht vorhergesehen hatte: ein Muster, dass sich wiederholte in seinem Leben. Überhaupt hatte man sich solche Gedanken wohl zu selten gemacht, man war nicht clever genug (im Vergleich zu all den andern). Dadurch war man ständig in Furcht, auf der Hut. Man blickte hinaus in die Welt der Muttis und Papis und fühlte sich fremd. Einst hatte man auch keine weiteren Kinder, keine weiteren Menschen in diese Welt setzen wollen, weil sie ohnehin längst überbevölkert war. Und nun? Man war die Kapselspitze eines Raumschiffs, dessen Ziel man nicht kannte. Ruhige Stille? Entschleunigung? Rückkehr zu den wahren inneren Werten? Hier ist Gleichgültigkeit. Nichts sonst. Man würde verrecken und niemanden würde das stören. Zweifel als Erkenntnisinstrument? Aus Wissenschaft ist Wissenschaftsbetrieb geworden. Den Massen fremd geblieben. Das allgemeine Leben in der Lüge würde weitergehen, immer weiter. Die Rollen sind besetzt, in Lüge, wie alles, was einen umgab. Eine Wunschvorstellung regiert, eine Begierde nach mehr. Befriedet im virtuell gepimpten Idyll. Man versucht, so gut es eben geht, zu verbergen, dass man ein Schädling ist. Sich verbergen, verstecken, - so lautet die Devise. Mir hingegen ist Gesundheit immer wichtiger geworden. Ein dumpfbackiger Präsident hält die Bibel demonstrativ hoch, um ein Bild zu erzeugen, das allzu offensiv abgebildet wird. Machtmissbrauch der Religion wird vorgeführt und die Leute fallen darauf rein. Es herrscht die Lüge und die Macht von Sprüchen: man selbst scheint nicht dabei zu sein. Kein Recht. Alles plump. Alles populistisch, vor allem die Popmusik. Mitläufer herrschen. Starke Männer kommen nach vorne. Martialische Sprüche und massenwirksame Posen.
Lokale weiße Eliten. Ihre Gleichgültigkeit hat dich verletzt. Angst als Machtinstrument. Rassismus. Religiöse Aufladung. Oligarchie. Verzweiflung runter geschluckt. Hunger. Armut. Soziale Mobilität?

Samstag, 6. Juni 2020

Warnung vor journalistischen und wissenschaftlichen Unzulänglichkeiten in diesem Blog

Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven, denen jeder unterliegen kann.  Die ihm "zufliegen", ohne das er das explizit so will oder dass er das Mitgeteilte überprüfen könnte. Er erfährt auch dadurch, dass er wein solziales Wesen ist, dass er in einem Flow mit anderen zusammen ist. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Ich sehe mich selbst da nur als eine Art "Medium", dass stellvertretend für die Masse der Vielen steht, dass darin untergeht und dabei ein paar Worte aufschreibt. 
Dies hier ist aber auch kein intimes Tagebuch! Das Subjektive mag an vielen Stellen in Richtung des Objektiven gehen, - und umgekehrt! Das zu beachten ist bei der Lektüre sehr wichtig. Ich fühle mich dennoch in der Rolle des Schreiberlings eher als Beobachter und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen, sie stehen sozusagen im Raum. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die erklären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte.
Ich zeichne ein Bild, das - und das ist die Pointe! - nicht zutreffend sein muss! Ich nehme einfach nur Informationen, Anstöße, Argumente, Eindrücke, Fragmente rund um mich herum auf und gebe sie aus meiner Perspektive heraus wieder. Nein, da ist kein journalistisches Überprüfen und die Verantwortung vor der Veröffentlichung! Viele der "Konsumenten" haben schlicht nicht die Zeit dafür. Der alltägliche Journalismus geht auch kaum so vor.... Seriöse Medien äußern teilweise krass entgegengesetzte Meinungen. Es geht hier vielmehr um ein Stochern im Nebel anhand gewisser Fakten, - so, wie es vielen anderen Personen geht. 
Übrigens: Interviews werden nicht gewährt. 
Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt!, nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Dass sie nur der Wahrheit verpflichtet sei ist viel zu sehr durchschossen und obsolet geworden. Karrieredenken hielt hier schon aufgrund der Vergabe von Stellen Einzug. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Ob "die Wirtschaft" und ihre Lobby dabei eine wichtige Rolle spielt? Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert haben, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden zumindest auf gewissen Wissensgebieten nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg, sich dies eitle Bestreben zunutze zu machen.
Andere meiner Postings in diesem Blog sind hingegen sehr subjektiv, zeichnen ein Bild aus meinen Augen, sind von mir, meinen Erfahrungen und Person gefärbt und getränkt. Sie kommen aus dem Subjektiven, könnten genau darin jedoch etwas Allgemeingültiges haben, etwas, was sich verlängern ließe ins Gesellschaftliche. Privates könnte etwas mit Öffentlichem zu tun haben (s.o.)  - und umgekehrt. Ich wechsle also die Perspektiven, fühle mich tatsächlich auf einer „Reise durch die Wirklichkeit“, jene Wirklichkeit, die gewisse Politiker nicht nur in den letzten Tagen unbedingt regulieren wollten.....

Freitag, 5. Juni 2020

Valerie (6)


Aus einem ehemals geschrieben Romanfragment, dass ich hier als eine Art "Fortsetzungsroman" präsentiere:

Es gab dem Ganzen etwas Abgeschlossenes, etwas Begrenztes mit festen Konturen. Dies wirkte im übrigen Zusammenhang fast fremd und signalisierte Härte in das Unbestimmte hinein. Er dachte an die Momente, an die Minuten, Stunden und Tage, an die Jahrmillionen von Jahren, die darin vergangen waren, die darin Spuren hinterlassen oder verwischt hatten. Alles war wohl ständig veränderbar, so in die Zeit gerammt, dass das menschliche Ego dagegen wie das kurze Aufflammen eines Zündholzes war. Es war ihm manchmal gleichgültig, wenn sein eigenes Licht verlöschen würde. Es hatte ihn schon manchmal gereizt, alles auszuprobieren und mit Tempo 160 gegen einen Baum zu fahren. Das müsste genügen. Die Chance, lange zu überleben, war nicht sehr groß. Man würde auch niemanden zur Last fallen. Es gab gewiss gute und sichere Methoden. Er erschrak angesichts seiner Phantasie, angesichts der Vielgestaltigkeit der Vorstellungen, die sie vor ihm ausbreitete. Es war ihm klar, dass man gerade beim schnellen Fahren auf der Autobahn auf solche Gedanken kommen konnte. Man hatte es ja jederzeit in der Hand. Und der Tod als Kitzel, ja auch als Tabu, hatte etwas abstoßend Anziehendes, was in eine gewisse kommerzielle Verwertung und dementsprechend in eine Ausbeutung schon längst eingeflossen war. Horrorfilme und Killerautomatenspiele waren ja Auswüchse davon. Er war froh, eine einigermaßen rationale Erklärung/Entschuldigung für sich gefunden zu haben, die ihm für den Moment genügte.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Pakete durchwinken


Durchwinken“ und „Paket schnüren“ sind offenbar die derzeitigen Lieblingsausdrücke der Politiker. Es kommt mir manchmal so vor, als würden manche von ihnen einfach nachplappern, was von ihrer Kaste für populär gehalten wird. Die ihnen zugetanen Journalisten liefern meist die ersten Stichworte dazu, sind also Zulieferer. Dazu haben sie sich dann meist „comitted“ und das Ganze soll demnächst „ausgerollt“ werden (wozu ein möglichst bedeutungstragendes Gesicht gemacht wird...). Klar. Nun ja, sowas kommt eindeutig aus dem globalisierten Englisch, das aus verschiedenen Gründen auch schon mal besser dran war. Mal sehen, ob sich das Chinesische auch zu solchen denglisch-kühnen Verbiegungen eignet.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Vielgestaltigkeit der Welt

Folgendem bin ich jüngst begegnet: „Geworfenheit, Der Mensch als Entwurf“. Diese Worte gehen auf den Philosophen Martin Heidegger (1889-1976) zurück und sollen eine Art Vorläufigkeit signalisieren. Heidegger ist ja als Geheim-Nazi längst diskreditiert, nachdem er zuvor vom Bildungsbürgertum angebetet wurde. Der verdachtsfreie Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855) schreibt in seinem Buch „Der Begriff Angst“: „Der Mensch ist ein seltsam zusammengesetztes Wesen, das für sich selbst ein Problem ist“. Wir sind Teil und Ganzes. Der Mensch ist Widersprüchlichkeit. Nicht das „Entweder-oder“ sondern das „Sowohl-als-auch“. Es geht darum, Widersprüche auszuhalten. Wir müssen deshalb kreativ sein. Immer neu begreifen. Auch uns selbst. Wichtig: Die Entfaltung von verschiedenen Seinsmöglichkeiten. Der übergeordnete Sinn wird uns dabei allerdings zunehmend entzogen. Wir können aber unter anderem erkennen, dass da eine Daseinslust und Daseinsfreude existiert, die mit ihrer Vielfalt zu tun hat. Wir als Menschen haben die Freiheit. Also lass uns den Sinn nicht nur suchen, sondern ihn für uns selbst produzieren, wenn er sich nicht ohnehin selbst einstellt. Den Sinn des Lebens selbst schaffen? Folgendes geht auch auf Kierkegaard zurück: Bei ihm ist der Begriff „Geist“ sehr wichtig. Geist hat bei ihm nichts mit bloßem „Verstand“ oder reiner Vernunft zu tun. Er ist vielmehr „Bewusstsein unseres Bewusstseins“. Gedanken und Gefühle, Geschmäcker und Gerüche, Erinnerungen und Träume, unsere inneren Welten insgesamt sind darin aufgehoben. An dieser Stelle sei von mir vermerkt, dass auch Musik und Bilder dieser Welt, also Fotos, dazu gehören.

Dienstag, 2. Juni 2020

Der nächtliche Wanderer (Friedrich Hölderlin, Lyrik)


Der Nächtliche Wanderer (Friedrich Hölderlin, 1786-1843)

Hu! der Kauz! wie er heult,
Wie sein Furchtgeschrei krächt.
Erwürgen - ha! du hungerst nach erwürgtem Aas,
Du naher Würger, komme, komme.


Sieh! er lauscht, schnaubend Tod -
Ringsum schnarchet der Hauf,
Des Mordes Hauf, er hörts, er hörts, im Traume hört' ers,
Ich irre, Würger, schlafe, schlafe.

Montag, 1. Juni 2020

Normalität


Mir kommt es so vor, als strebe hier in Deutschland alles wieder einer unverbindlichen Normalität entgegen, ohne Impfstoff, ohne App, ohne Medikament… (Sind ja nur die Alten“ als vulnerable Gruppe betroffen, „was soll das, die sterben eh in einem halben Jahr...“, wir machen Party..) Schönes Wetter ist die Rechtfertigung für jede Unvorsichtigkeit, Gesundheitsämter kommunizieren nicht, Maskenverteilung ist zum Problem geworden, niemand weiß nix genaues, aber alles geht weiter – halt mit ein paar Toten mehr. Es werden riesige Konjunkturprogramme gefahren, es werden Dieselmotoren finanziell unterstützt, an denen eben noch ein fetter Betrug nachgewiesen wurde. Hauptsache Abverkauf, egal was.
Die Mächtigen waren nie so populär wie heute, weil sie sich als handelnde Personen darstellen konnten und nicht nur als solche Politiker, die demokratisch aushandeln sollen. Ein paar dieser Ministerpräsidenten scheinen dieser Rolle nicht ganz gewachsen zu sein, begeben sich aber in den Wettkampf derer, die immer weiter gehende Lockerungen versprechen. Es gehe um Leben und Tod, haben wir eben noch aus politisch berufenem Munde gehört. Jetzt ist offenbar alles vorbei, auch wenn die Wissenschaft jeden Tag beteuert, dass sie nichts oder zu wenig weiß. Draußen brennt die Sonne, die USA brennen auch und noch ist alles toll: Die Klimakatastrophe ("Prima Klima"), die nagt jetzt wieder neu am Selbstbewusstsein. Irgendwann wird alles verdorren und die Gefahr von Waldbränden wird extrem hoch. Auf diese Weise wird auch das Klimaproblem wieder hochkochen. Wer sich auch nur oberflächlich damit beschäftigt hat, weiß sowieso, dass das noch viel gefährlicher werden könnte als Corona.