Reise durch Wirklichkeiten

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Donnerstag, 9. Juni 2016

Realitäten und ihre "Vermittlung"

Was wichtig wäre: es geht darum, sich in andere Realitäten hineinzuversetzen, Empathie einzuüben. Sich mit anderen Realitäten auseinandersetzen, seien sie sozial oder geographisch vermittelt. Es geht um Lebenswelten und die damit vermittelten „Maßstäbe“. Werte, Normen. Also das, was jemand für „normal“ oder gegeben hält. Was jemand für legitim hält und was als legal gilt. Sich Spannungsverhältnisse bewusst machen. Sich gewahr werden, was als normal gilt, aber trotzdem veränderbar erscheint. Über Konstanten nachdenken. Egal, wie sie vermittelt wären. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Alle drei Größen scheinen dauernd überprüft und befragt werden zu müssen. Denn bei den Mächtigen und Reichen scheinen sich solche Maßstäbe gerne mal zu verselbständigen. Solches zumindest zu erkennen, - was nicht heißt, es ändern zu können, - könnte ein Ziel sein. Zu wissen, was „los“ sei, was mit einem und anderen geschehe in dieser Welt. Wer man sei.... In welchem Zusammenhang gewisse Dinge stehen könnten. Auch dies könnte ein Beitrag dazu sein, sich ein bisschen freier zu fühlen, ein bisschen souveräner, als das, was eingeübt als Signal nach außen sein könnte. 

Donnerstag, 19. Mai 2016

Traum und Wirklichkeit in der Klosterkirche

Ich blicke in Neresheim zur plastischen Deckenbemalung Martin Knollers hoch und entdecke diesen typischen Übergang von Illusion und Realität: von unten ist kaum zu beurteilen, was plastische Engelsskulptur und was Malerei ist. Es ist dies ein typisches Spiel jener Zeit. Traum und Wirklichkeit. Welche Realität gilt? Die Romantik hat das später genauer illustriert, aber auch heutzutage spielen Filme und Werke aller Art mit diesem Effekt. Das Interesse damals war ein erzieherisches moralisches und vor allem - religiöses. Veranschaulichung. Kirche und Staat. Kollektive Spiritualität. Analphabetentum. Heute ist das etwas anders. Bloß gut, dass denen damals das Geld ausgegangen ist. So markierte das alles eine Art Übergang vom Barock zum Klassizismus. Etwas sparsamer und nicht so beladen wie vieles im Barock. Heute nehmen wir das als wohltuend wahr. Da ist viel Spiel mit den Illusionen von Raum und Zeit und Licht. Wunderbares Wissen um solche Dinge. Architektonische Umsetzung. In der Tatsächlichkeit, nicht nur in der Virtualität, für die man seltsame Brillen aufsetzen muss. Die Wirkung von Farben auf die Psyche. Martin Knoller bekam damals trotzdem ein Spitzenhonorar. Schwäbisch sparsam war man nicht. D.h. die Benediktiner, denen wir diese herrliche Raumkomposition verdanken, gaben das Geld. Heute also suchen wir in Filmen und anderen Virtualitäten. Es gilt ein Abtauchen in andere Welten. Woody Allen hat das einmal in eher romantischer Absicht mit seinem Film „Purple Rose of Cairo“ realisiert. Aber unsere heutigen, im Computer animierten Fantasy-Welten sind natürlich auch nichts anderes. Das Unmögliche wird wahr, Traum und Realität gehen ineinander über  - was für ein alter Menschheitstraum! 

Sonntag, 15. Mai 2016

Nachdenken über Annäherung

Intellektuelle aus dem akademischen Elfenbeinturm machen sich gerne in ihrer nun auch nicht mehr im vollen ökonomischen Sinne geschützten Zone (Im Wettbewerb um vom Staat geschützte und ökonomisch bedachte „Stellen“ machen sie sich gerne mit einer Flut von Veröffentlichungen und Arschkriechereien ihren akademischen Betreuern gegenüber gegenseitig übereinander her.... der Wettbewerb heißt wie überall: wer ist die/der Beste? (in Wirklichkeit: wer kann sich am besten anpassen?)) lustig über die Nichtdenker, über diejenigen, die denjenigen blind anhängen, die ihnen die Richtung zu weisen scheinen. Sie nennen dieses Phänomen gerne Populismus. Erklärungsmuster: Sich negativ abgrenzen gegenüber allem, was Populisten als fremd und unpassend empfinden, schafft Popularität. Es läuft auf das Gegenteil von Empathie hinaus. Am meisten verhasst ist ihnen in diesem Zusammenhang der Begriff der „Leitkultur“, der doch gewisse Werte aufstellt, die ins Raster dieser Diskussionsintellektuellen nicht so recht zu passen scheinen. Gewisse Eigenheiten sollen sich bei (ihrer) genaueren Betrachtung auflösen in ein unreflektiertes Geschwafel, der alles gleich und für gleich erklärt. Menschen halt. Globale Menschen. Schön könnten aber gerade die Unterschiede sein, über die wir ins Gespräch kommen könnten, die uns gegenseitig bereichern könnten, die uns neue Sichten auf die Welt ermöglichen könnten. Es könnte sein, dass nicht die Gleichmacherei uns ein Stück weiter auf dem Weg einer wohlverstandenen Globalisierung bringen könnte. Es könnte sein, dass das Staunen über andere Möglichkeiten des Erlebens und Begreifens uns gegenseitig bereichern könnte. „Das Fremde“ besser kennen zu lernen, könnte geradezu das Ziel für uns sein. Es anderen Menschen (auch der intoleranten halsabschneiderischen Art) zu vermitteln, könnte ein Ziel sein. Den Dialog erlernen. Das Diskutieren darüber. Das „Sich-Zurücklehnen“ und dann die Gemeinsamkeit finden, - nicht im Sinne eines faulen Kompromisses, sondern im Sinne eines „Gegenseitig-auf-sich-Zugehens“. Dass dies auch über fragile Übergangszustände passieren könnte, müsste natürlich Konsens sein. 

Montag, 9. Mai 2016

Erkenntnismuster light, kommerziell und politisch getönt

Das Muster ist doch immer dasselbe. Da beschreibt einer, wie beschissen doch alles in einer bestimmten Hinsicht ist. Alle sind falsch, nur ich habe recht, so die Ausgangsposition. Es ist halt ein Labyrinth der Ahnungslosen, der Unwissenden und falsch Handelnden. Er als Wissender (oder Besserwissender) freilich kenne die wahre Erklärung und den damit verbundenen Ausweg. Er erkläre glaubhaft die Welt. Damit das möglichst einfach erscheint, führt der darüber stehende Guru, Weltblicker und wahrhaft Wissende nun alles und jedes auf ein einziges ein dahinter stehendes Gesetz zurück, auf ein Erklärungsmuster, das auf viele Situationen passt. Wer dies (vom Wissenden als Lösung Gepriesenes) weiß, frisst oder trinkt, wird bei den Geheiligten sein, bei denjenigen, die gerettet sein werden vor aller Unbill, die dem Jammertal ihrer Existenz entfliehen werden. An einem oder mehreren Beispielen erklärt er seinen Schlüssel zur Welt, der als einziger erst ein optimales (oder zumindest: ein „besseres“) Erkennen und Handeln ermöglicht. Er geht dabei vom Allgemeinen (das heißt, sein Muster steht in einem größeren Zusammenhang) zum Besonderen. Seine Welterklärungstheorie bricht er herunter auf einen bestimmten Einzelfall, der sein Muster besonders gut darlegen soll. Das soll seine Sicht anschaulicher werden lassen. Es geht nun darum, dem Rezipienten (dem Zuhörer, Leser, Zuschauer) die eigene Lösung als den neuen und über einige Anstrengungen zu erwerbenden (Kursteilnahme, Buchkauf, Statuserwerb, oft mit finanziellem Aufwand verbunden) Schlüssel zu „verkaufen“, eine Anhängerschaft zu gewinnen, die oft genug bereit, solch messianische Selbstsicht mit finanziellem Gegengewicht zu kompensieren. 

Montag, 14. Dezember 2015

Weihnachten als Ritual

Rituale strukturieren unseren Alltag und bilden einen Teil unseres Tagesablaufs. Es gibt jedoch auch die Rituale des Nichtalltäglichen, die Höhepunkte des Jahres, der Arbeit, bei Geburt und Tod, Krankheit und Abschied, Feste und Feiern, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen bringen. Ohne Gewohnheiten und Rituale zu leben wäre sehr anstrengend und würde eine fortwährende Neuorientierung nach sich ziehen. Chaos zu bändigen, wäre möglicherweise nicht möglich ohne sie. Sie bieten auch Chancen, mit ihren Formen schöpferisch und phantasievoll umzugehen. Das Problem ist, das sich viele Menschen an Ritualen festhalten und den Sinn dahinter vergessen zu haben scheinen. Die Folge ist, dass solche Rituale zunehmend hohl werden. Ob Weihnachten auch ein solches Ritual ist? Vielfältig wird es benutzt, in einem ökonomischen Sinne, weil beispielsweise darauf spekuliert wird, dass Weihnachtsgeld „auf den Kopf gehauen“ wird. Doch ein Weihnachtsgeld sehen immer weniger Arbeitsverträge vor, außer den Privilegierten natürlich, bei denen es zu den sogenannten „Benefits“ gehört. Ein sich daran knüpfendes 13. und manchmal sogar 14. Monatsgehalt erscheint als Ergänzung dazu selbstverständlich. Natürlich schafft so etwas ein bestimmtes Selbstwertgefühl, die Anerkennung und eine dazu gehörende Sinnwelt. 

Dienstag, 10. November 2015

Bildung, ein System der Beeinflussung

Jaja, das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ beschreibt in einer seiner bisher letzten Ausgaben gut, wie die Wirtschaft sich inzwischen sogar an die Schule heranmacht, um die Köpfe von Lehrern und Schülern zu erobern. Und wie staatliche Stellen, insbesondere das Innenministerium, dabei artig mitspielen. „Personell und finanziell ausgeblutet“ hätten dem die Schulen kaum etwas entgegen zu setzen, Bildung würde willig den Interessen von Unternehmen ausgesetzt, ihren manipulativen und tendenziösen Darstellungen. Angestellte von Unternehmen selbst hätten gelegentlich sogar schon die Lehrerposition selbst eingenommen (genauso wie in der "Regierung"). Kostenloses „Lehrmaterial“ und Spenden aller Art würden dem von seiten der Firmen entgegen gebracht, Lehrer verteilten dementsprechend Gutscheine, Schulhefte und Trikots mit Markenlogo. Gewinn- und Gemeinwohlinteressen würden zugunsten des Profits gegenseitig ausgespielt.
Das, so würde ich hier meinen, ist alles keine Überraschung, sondern die Steigerung und Fortsetzung einer Idee, die schon in den vergangenen 30 Jahren die ursprünglich staatliche Aufgabe der Bildung beherrscht hat. „Fit machen für den globalen Wettbewerb“, „Bologna-Reform“ und Verkürzung aller Ausbildungssgänge zugunsten einer frühen Eingliederung in den Wirtschaftskreislauf sind ja nur Stichworte auf diesem Weg (den Christdemokraten, Sozialdemokraten und Grüne unter wechselnden Vorzeichen gleichermaßen verfolgt haben...). So, wie bei der „inneren Sicherheit“ das Stichwort „Terror“ alles zu rechtfertigen scheint, so ist in scheinbar wirtschaftlichen Dingen (die gleichwohl das ganze Leben betreffen) das Wort „globaler Wettbewerb“ die Rechtfertigung für nahezu alles. Privatisierung und Vereinzelung schienen in der neoliberalen Phase der Schlüssel für die Lösung aller Probleme. Scheinbar gefälschte Doktorarbeiten und leichtfertig vergebene Titel scheinen da nur die Kehrseite eines übergroßen Leistungsdrucks, der sich für die Wirtschaft vor allem in Umsatzzahlen und Gewinnmargen bemisst. Der aktuelle Großskandal in der Automobilindustrie scheint da mit all seinen totalitären Implikationen nur ein weiterer Beleg auf diesem Weg zu sein. 

Freitag, 4. September 2015

Hundewelt

Aus einem Brief: 
Wo ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier genau? Steckt in uns selbst nicht auch ein gutes Stück Tier? Wie weit geht das? Ist es nicht so, dass der Mensch der Natur zunehmend Unrecht antut, ja sie rücksichtslos missbraucht? 
Auf was ich hinaus will: Mich hat oft, sehr oft, der Blick in die Augen eines Hundes fasziniert, das Geheimnis hat mich hineingezogen in dieses Rätsel. Was spricht da zu mir? Welche Emotionen? Das kommt aus einem Hundekosmos. Aber wie sieht dieser Hundekosmos aus? Wir können uns verstehen, diese Augen und ich. Wir spüren das beide. Nur, was löst dieses Verständnis aus? Was ist seine Grundlage? Ist da etwas in unserem Unbewussten, eine Rest aus der Zeit, als wir aus dem Wasser an Land gekrochen sind, damals vor Millionen Jahren? In diesen Augen strömt etwas auf mich zu, - eine unschuldige Freude manchmal auch. Diese Freude ist etwas sehr schönes Beglückendes, wenn man sie wahrzunehmen bereit ist. Vielleicht geht es gar um solche Dinge auch in unserem Leben. Die Essenz. Die Augenblicke im wahrsten Sinne des Wortes. 
Woher kommt die Überheblichkeit des Menschen diesen Wesen gegenüber? Wie kommen wir dazu, sie als „Ding“ zu missbrauchen? Sie sind in einem Zwischenreich mit eigenen Bezüglichkeiten und wenn wir ein bisschen neugierig sind, können wir auch ein bisschen Teil davon sein. Sie zeigen uns ja so vieles davon. Sie zeigen uns Gefühl von der Sorte, die nicht durch allerhand Interessen verdorben ist. Nun ja, unser Verstand sagt, dass der Hund das an den Menschen am besten angepasste Tier der Evolution ist und ihn als Wirt benutzt. Aber genau so funktioniert Natur! Das gehört zu den eigenen Bezüglichkeiten einer Hundewelt. Benutzen ist ja gerade eine menschliche Kategorie. Das setzt die Berechnung voraus. Das Bewusstsein. Also, was ist es,was aus diesen Augen auf uns zuströmt? Vielleicht in dem Moment, zu dem wir eine Weile weg waren und nun von diesen Wesen begrüßt werden?
Das ist nur ein Teil dessen, was mich immer beim Blick in Hundeaugen fasziniert hat. Diese Fragen, diese so freundliche Aufforderung, sich einzulassen auf eine andere Welt.

Dienstag, 25. August 2015

Picture of a Picture (Songtext)

Noch einmal ein Songtext, den ich den späten achtziger Jahren verfasst habe und der viel gesungen worden ist. Ich habe ihn gefunden und ihn sofort als "typisch" eingestuft. Das Indirekte, Groteske, Paradoxe jener Zeit steckt darin. Sich "ein Bild von etwas machen" heißt nicht unbedingt, über etwas bescheid zu wissen. Es ist vielmehr ein Modell des Erkennens, nicht mehr. Hoffentlich habe ich ihn richtig abgeschrieben von der handschriftlichen Vorlage.

PICTURE OF A PICTURE


An idea, the picture of a picture
welcome in my palace of emotions
the guru at the door says goodbye
come into the church and lay down on the floor
Im gonna make love to my honey
Dance on a fountain, where's its source?
You said, you're a femme fatale
tell me, is it romantic?
We've got to pay one day


No regret, no love all over
no warmth, no trust, no money
faith, devotion, the picture of a picture
too much idiots, mist in their mind
tell me, who are you, what's your name?
I gotta laugh, drink your whiskey
I'm not the one to kill you
to talk it out, I don't have a way
tell me a reason and I'm gonna stay


Take away those little fools
they don't know what they are knowing
I don't want to be the lover no more
no more the one, you know all over
you know the fire is still burning


I've done my best to understand
been on my knees and I've cried
sometimes there's a thought in the air
love is a bad and strange movie
a ten-pence ticket for an illusion
we trust in a soapbubble
Make up your mind, there's so much to do
no more paranoia, neurotic rats

nibbling at you, when you're down

Freitag, 10. Juli 2015

Fassaden und Paravants

Sie haben sich zu oft gruppiert, zu Lug, zu Trug, haben um deine Kaufkraft geworben
um Deine Wertschätzung, um deine Aufmerksamkeit, haben die Bedeutung in Hülsen gesperrt
in Bilder, die missbraucht und vergewaltigt, zu fetten Gemeinplätzen wuchsen
es ist ein nettes Hopping, über der unsichtbaren Hoheit, verkaufter Luftschlösser
aber dich plagt eine Sehnsucht nach Text, nach eigenen Worten, sie zieht dich weiter
in andere Formationen, viele Körper reden und sagen nichts, es ist genauso, wie dieser Satz,
eine vorbereiteter Gemeinplatz, eine automatisierte Deutung, eine hübsch geformte Lüge
der Sinn geht im universalen Geräusch unter, in weißem Rauschen, das sich gegenseitig auslöscht
und du bist ein Pirat der Patterns, Ich ist ein Anderer
mit den anderen vernetzt sein, ein Docking wagen, abseits der Kommunikation
sich in andere Positionen begeben, wagen, sie in Frage zu stellen
das willst Du vielleicht, Ich zu sagen ist eine Reaktion auf ständig wachsende Unsicherheit
dabei könnte alles so anders sein
in Unbekanntem unbekannt bleiben, unerkannt, wir treiben knapp unter der Oberfläche dahin
und strecken den Hals gelegentlich müde in die Höhe, der Papierweg ist verstopft
Schwächen offen zu zeigen, könnte sich als Stärke erweisen, Lüge, eitel Selbstinszenierung
schöne Fassaden sind auch schön - als Fassade, ein Paravant, flüchtig aufgestellt
rund um bittere Erbärmlichkeit, will verschwinden hinter Tönen,
und mich einhüllen, will mich kleiden in sie. Du wagst, Dich im Verborgenen zu zeigen
als ein Spiel, wenn der Sinn untergegangen ist, will ich dem Klang nachlauschen
der sich selbst mitteilt, die brauchen Dich nicht, die nehmen sich nur, was sie brauchen
die hassen die Wahrheit, weil sie so negativ ist, was ist das Original, wenn alles eine Vervielfältigung ist
unwillkürlich, als Reflex, tausend Nichtigkeiten als Schwarm, als Wolke des Geschwafels - eine Kopie, eines großen Etwas, das wir alle sind? 

Montag, 29. Juni 2015

Schönheit (1)

Schönheit? Ha. Ob das in „Germanys Next Top Model“ ausgestellt wird? Oder ob es in Zeitschriften abgebildet ist? Oder in Filmen? Ob wir damit verarscht werden wollen, dass da lauter bulimische und magersüchtige Damen abgebildet sind? Fast scheint es so. Wer legt sowas eigentlich fest? Diejenigen, die die Zeitschriften kaufen? Diejenigen, die schön sein wollen? Oder Photoshop, das Computerprogramm, das unsere Sehgewohnheiten programmiert? Die Verfügbarkeit von den attraktiven Menschen in den Medien signalisieren doch jederzeit: ich habe auch noch andere Möglichkeiten! Überhaupt: Möglichkeiten! Intelligent, eine interessante Persönlichkeit und gesund soll er schon sein. Aber wenn noch ein bisschen Schönheit dazu kommt, dann wär's einem auch recht, - muss sich ja nicht widersprechen. Irgendwann reicht das ja nicht mehr. Schöne Menschen können auch interessant sein. Also: umsehen! Stress mit dem eigenen Aussehen? Das ist längst nicht mehr Frauensache. Als ob Äußerlichkeit das Privileg eines Geschlechts wäre, durchtrainierte Typen mit dem Vorzeigebizeps kommen von überall auf uns zu... Es gab Versuche, in den Magazinen alltägliche Models abzubilden. Bloß die sind jämmerlich abgestunken. Es scheint so, als wollten wir einen Traum, eine Illusion, nach der man sich richten kann. Aber das macht sehr viel mit uns, wenn man Auto fährt und die ganze Zeit halbnackte H&M-Models an einem vorüber rauschen. Man denkt dann: so könnte man auch aussehen, oder die/derjenige, mit dem/der man zusammen ist. Schön ist ja auch gut. Schöne Menschen bekommen die besseren Jobs. Kommen für die gleichen Verbrechen mit den günstigeren Strafen davon. Wir wollen die perfekte Echtheit und vergessen immer mehr, dass eie Werbewelt sehr sehr künstlich ist.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Der Knoller

Andere Menschen haben es auch so empfunden in 235 Jahren. Das verbindet dich mit ihnen. Er hat sein Blau gehabt. Er hat es dem Heiligen gewidmet. Dem Göttlichen. Eine geheime Mischung, die er mit in Grab genommen hat. Er ist hierher nach Neresheim gereist. Reisen war damals noch etwas anderes. Martin Knoller aus Tirol. Ein Mensch, als Künstler ein Star. Als Kirchenmaler herausragend. Er hat die psychologische Wirkung dieses Blau gekannt. Er hat sie eingesetzt. Er hat aber nicht gewusst, worauf diese Wirkung beruht. Gewusst in unserem heutigen, wissenschaftlichen Sinne. Wir kennen Mischungsverhältnisse. Wir können sie beliebig reproduzieren. Aber können wir Gefühle reproduzieren? Die Bibel den einfachen Leuten veranschaulichen wollte er, ihre Botschaft bildlich verdeutlichen, - die Kunst in unserem heutigen Sinne gab es ja noch nicht. 

Sonntag, 7. Juni 2015

Adieu Winnetou

Pierre Brice ist tot. So hieß es gestern in den News. Er wurde in tausend Bildern gezeigt, wie er einst bei Horst Wendlandt oder Atze Brauner den Film-Winnetou machte, wie er ihn sehr viel später in Bad Segeberg freilufttheatralisch wieder aufnahm und wie er als alter Mann immer noch glaubhaft den Schönling geben konnte. Sagenhaft. Auch seine zahlreichen Affären waren nicht verschwiegen. Es werden wohl Trophäen seiner Wirkung gewesen sein. Er wurde überwiegend als reale Person gewürdigt. Klaro. Mir freilich hat sich sein Winnetou-Bild von damals für immer mit der Karl May-Figur des Winnetou verbunden. Dass er Blutsbrüderschaft mit Old Shatterhand geschlossen hatte auf diese elementare Weise, das hat sich mir eingeprägt und war sicherlich einer der Anstöße für mein Interesse für andere Kulturen und später für die Neugier auf ein Weltbild, wie es bei den Indianern des Westens sich entwickelt hatte.Winnetou irrlichterte in meinen Träumen herum und hatte wie selbstverständlich das Gesicht von Pierre Brice. Karl May hatte ja viele Reiseromane geschrieben, in denen er Kara Ben Nemsi und andere markante Figuren auftreten ließ. Das war wahrer als jene Wahrheit, die einem später neugierige Wahrheitsempiriker enthüllten: dass nämlich Karl May nie in diesen Ländern unterwegs war, dass alles „erstunken und erlogen“ war. Aber der Triumph war, dass er seine Phantasie dorthin schickte und uns alle daran teilhaben ließ. Dass es etwas jenseits der Lüge und der Macht des Faktischen gibt. Ernst Bloch hat es einst Utopie genannt. Schillernd verführerisch. Aber auch gefährlich. May hingegen war mit der schieren Illusion zufrieden, so, wie es beispielsweise der Film an und für sich ist.
Doch zurück zu Winnetou und Pierre Brice. Als Brice in Bad Segeberg anheuerte, waren wir alle froh: Winnetou war endlich zu sich selbst zurück gekehrt. Er ließ nicht andere sich selbst spielen. Die Welt war wieder in Ordnung. Völlig unwesentlich, dass damals bei den Dreharbeiten jugoslawische Karstlandschaften den Westen abgegeben hatten. Es war ja ohnehin die Phantasie, die siegte, der Traum, der uns regierte. Das Wilde, Elementare war ein Mythos, der wilde Westen das Abenteuer. Hinzu kam eine Prise unterschwelliger Erotik, denn mit Dahlia Lavi als Indianerin Paloma und Marie Versini als Nscho-Tschi waren ja meist zwei höchst attraktive Damen dabei. Pierre Brice oder Winnetou nahm das alles mit, wie selbstverständlich läufig beiläufig. Eine Zeitlang war es Kult. Bis die handelnden Personen älter wurden und schließlich der Reihe nach starben. Jetzt ist die letzte und wichtigste Person dieses Mythos im realen Leben gestorben. 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Wahrnehmungsweisen

Wir stellen uns die Welt durch die Augen von Tieren vor und verwechseln das leider mit unserer eigenen Sicht. Wir projezieren mehr, als dass wir uns in Tiere hineinversetzen (was ja dann auch ein gängiges "Gegenargument" gegen jede Form der Liebe zum Tier abgibt). Raum und Zeit können ja durchaus verschieden erlebt werden, allein schon das Sehen von Farben bleibt bei manchen Tieren unter unseren Möglichkeiten oder geht teilweise weit darüber hinaus. Es gibt keine einheitliche Welt, die auch alle Lebewesen umfasst. Dies ist ja wohl eine Vermenschlichung und menschliche Anmaßung. Insekten leben durchaus in einer ganz anderen Welt als wir und – es ist doch dieselbe. Wir machen uns zudem unsere Umwelt zunutze, wir legen sie unseren Bedürfnissen zurecht. Ein Wald mag da für ein Insekt etwas ganz anderes als für den Förster sein. Es ist eine andere Lebenswelt für dieses Wesen, das es mit anderen Sinnesorganen aufnimmt als wir. Da sind Augen, Düfte, Geräusche gegebene Welten, die so etwas wie einen „Kanal der Wahrnehmung“ bilden, durch den sich ein und dieselbe Welt jeweils anders abbildet. Kompliziert? Wie funktionieren Filter? Genau so. Filter können wir uns vorstellen. Sie engen das Blickfeld ein oder blenden bestimmte Aspekte auf. Und was sind in der Folge die Möglichkeiten, um auf die empfangenen Eindrücke zu reagieren. Das hängt wohl auch von unseren Gegebenheiten ab, von unseren Voraussetzungen, Umwelt für unsere Bedürfnisse zu „verarbeiten“. Kopulieren, fressen und gefressen werden, - die Evolution stellt uns vor diese Aufgabe, die wir aber je nach Spezies durchaus verschieden zu bewältigen versuchen. Unterschied: wir haben unseren Verstand, unseren Grad der Bewusstheit (wer sagt denn, dass es außerhalb unserer jetzigen Wahrnehmung einen viel höheren Grad der Wahrnehmung gibt?), unsere „Verantwortung“ für das, was wir tun. Oder nicht? Die Wissenschaftler und diejenigen, die es von Beruf aus wissen müssten, sind sich da nicht immer so sicher. Manche behaupten, dass wir eine Funktion unserer Gene, unserer Hirnwindungen oder unser Umwelt und ihrer Determinationen seinen. Um ihre Thesen griffiger zu machen, bleiben diese „Wissenschaftler“ meist ganz einseitig bei ihrer Betrachtungsweise. 
Wie in manch anderen Filmen, so wird übrigens auch im Streifen "Katzenmenschen" aus dem Jahr 1982 mit Nastassja Kinski und Malcolm McDowell mit diesem Effekt gespielt. Zur Filmmusik von David Bowie und Giorgio Moroder wird unter der Regie von Paul Schrader hier mit einer subjektiven Kamera mit der Wahrnehmungsweise von Katzen gespielt, d.h. die Kamera versetzt sich spielerisch einige mal hinein in eine "katzenhafte" Welt und deren Wahrnehmung. Auf nahezu spirituelle und mystische  Weise, die in diesem Falle natürlich auch ihre kommerzielle Absicht verfolgt, teilt sich dem Zuschauer für eine begrenzte Zeit eine andere Welt mit, zumindest streift er sie gelegentlich und wird dadurch von einer Art wonnigem Horror-Schauder ergriffen.  

Mittwoch, 8. April 2015

Be positive (1)

Alles positiv sehen? Nicht so kritisch! Jawohl, das Leben ist schön! Zumindest könnte es das sein, wenn wir über einiges hinwegsehen könnten, wie das manche Kreise gerne hätten. Das „positive“ Weltbild ist von ihnen gefragt, kein realistisches. Ist doch alles nicht so schlimm, was wollt ihr bloß? Das können Besitzende sagen, Angehörige von bestimmten sozialen Schichten, die aus ihrem „Erfolg“ jeden Tag noch mehr „Erfolg“ produzieren. Die begriffen haben, wie diese Gesellschaft funktioniert. Die „Entrepreneure“ sind, tüchtige Unternehmer, die etwas unternehmen. Die im Flow sind, mit der Zeit, mit den „Gegebenheiten“, mit ihrer Umwelt, mit allem und jedem. Die gelernt haben, sich anzupassen und die Verhältnisse für sich zu nutzen, - selbstverständlich von einer Position aus, die andere nicht haben. Man will sich ja entscheiden, weil man „tüchtiger“ ist. Da weht noch ein kleines Windchen von Max Webers Werk „Der Geist des Protestantismus“ um die Ecke. Der große Soziologe Weber hat das alles schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts konstatiert und analysiert. Gesellschaftliche Funktionen auch, Mechanismen, die Motorik dessen, was Gesellschaft sein könnte und was es bedeuten könnte. Theorie halt, Und solche ist heutzutage verpönt. Es hat zu viele Schwätzer und Wichtigtuer gegeben, zu viele Vernebler und Idiologen. Max Weber ist ganz sicher keiner von denen. Mit ihm konnte man durch verschiedene Sinnwelten und deren Gesellschaftsschichten reisen. Die wesentlichen Legitimationsstrategien sind seit vielen Jahren gleich geblieben. Ihm waren die Begriffe "positiv" oder "negativ" egal. Ihn interessierte, wie etwas ist.    

Dienstag, 31. März 2015

Posing and Shooting

Stillschweigend unbeachtet ist in Mode gekommen, was unter dem Begriff „Fotoshooting“ firmiert. Nach eigener Einschätzung und nach Abgleich mit den veröffentlichten Vorbildern gut aussehende und finanziell blendend ausgestattete Personen lassen sich von aus dem Internet kommenden Fotografen in allerlei derjenigen Posen ablichten, die nicht nur in bekannten Modemagazinen das Auge erfreuen sollten, sondern die auch die "zeitgemäßen" Sichtweisen geprägt haben. Fehler sind verpönt, es gilt das Bild, die äußerliche Sichtweise, die Erscheinung, die Verpackung. Ob Posen „natürlich“ oder eher gestellt ausfallen sollen, hängt von den Wünschen dieser Personen ab, die sich selbst unbedingt stilisieren wollen und dafür bereit sind, eine Menge Geld zu bezahlen. Die Menge an günstig verfügbaren (vor allem unbezahlten, lizenzfreien) Fotos ist ja ungeheuerlich gestiegen, die sogenannte „Visualisierung“ diktiert unerbittlich die Bedingungen, unter denen sich der Text mittlerweile noch als Beiwerk präsentieren darf. Diese Welt erscheint getrieben von Emotion, so wie es das englischsprachig globalisierte Motto eines TV-Senders verspricht. Diskurs ist außer Mode gekommen. Auf diesen Trend springen vor allem Fotografen auf, die sich heutzutage das handwerkliche Werkzeug für ein paar Euro mehr besorgen können und mit einem Bildbearbeitungsprogramm nach Herzenslust, färben, verschwinden lassen, verengen und verjüngen, retouchieren, schärfen und nach allen Richtungen manipulieren, so, wie das die „Profis“ schon vor zehn Jahren vorgemacht haben. Eher selten kommen solche "Fotografen" aus dem per Diplom und abgelegter traditioneller Prüfung legitimierten Milieu. Die originelle Sichtweise ist weitgehend verpönt, es gilt die vorgeformte und vorgegebene Schablone, das längst und medienwirksam vorgegebene "Bild", das es handwerklich möglichst versiert zu reproduzieren gilt.
Interessant ist ja die Gesinnung, die dahinter steht. Es gilt, auf das Parkett jener von den Medien so hervorgelobten Kunstwelt zu kommen, auf dem sich Filme, die Mode- und die Modelwelt samt ihrer „Stars“ und „Super-Megastars“ so gerne bewegen. Fotos, Clips, Film und vieles Visuelle: ein Wust,der da auf die Wahrnehmung des "Konsumenten" einprasselt. Es gilt, was als chic gilt. Jeder will konkurrenzfähig werden, dabei sein bei dieser Inszenierung, die ein Ego oder eine oft kitschig romantisierte Zweierkonstellation meist nach äußerlichen Kriterien in den Vordergrund stellt. Dabei kann bei avancierteren Geistern das „Eigene“ eine gewisse Rolle spielen, solange es „richtig“ inszeniert erscheint und mit einer vermeintlichen "Aura" ausgestattet ist. Man will mit den „Stars“ mithalten können, sich auf derselben Ebene bewegen, sich narzisstisch inszenieren. Das Ego, das Spezielle und Charakteristische soll unter Verwendung aller Klischees herausgearbeitet werden, es soll hervortreten und herauspräpariert werden mit allen technischen Hilfsmitteln, die heute zur Verfügung stehen. Dazu werden nicht nur spezielle Posen, sondern auch spezielle „Locations“ in Anspruch genommen, die gelegentlich auch eine Ära des Geheimnisvollen umfangen. Die Qualität eines Fotografen soll demnach bestimmen, inwiefern er in der Lage ist, eine solche Kunstwelt zu inszenieren und die bezahlenden Personen darin zu positionieren. Was gilt, ist die mögliche Gleichstellung mit der Medienwelt, mit ihren nach allen Regeln des Kunsthandwerks manipulierten Bildern. Was gilt, ist die möglichst „glaubhafte“ fiktive Teilhabe an der Mode- und Werbewelt. 

Donnerstag, 12. März 2015

World of Consultants

Consultants hießen früher einmal „Unternehmensberater“. Heute „consulten“ sie allüberall und helfen, Leute zu entlassen und Steuern zu vermeiden. Firmen mit wohlklingenden Namen versammeln ganze Armeen solcher „Consultants“ und werden je nach Anspruch für ihre „innovativen“ Konzepte der Steuer- und Personaleinsparung gerne gebucht. Es gibt dort tüchtige, streng gedrillte und gut angezogene Mitarbeiter, die ihre meist gleichgesinnte Umgebung gerne entertainen und Menschen meist ganz cool als "Einsparungspotential" sehen. Als Masse. Das tun sie oft sogar global, ihrer zu bearbeitenden Wirtschaftsform und dem Warenzeichen ihrer „Company“ entsprechend. Erschießungen, Folterungen und Armut, brutale Repression oder offene Korruption: alles egal, eher ein globales Mittel zum Zweck des Profits. 
Dafür haben sie dann meist so etwas wie eine eigene (meist englisch gefärbt, weil das die globale Ausrichtung signalisieren soll) Sprache, deren Beherrschung die Zugehörigkeit zu ihrer Clique und/oder entsprechende Machtausstattung bedeuten soll. Dabei deuten solche Ausdrücke wie „Human Resources“ auf das sogenannte Humankapital, also auf Mitarbeiter, die für ein Unternehmen primär Kostenfaktor sind. 
„Consultants“ bringen viel von ihrer Restkreativität dafür auf, Konzepte zu entwickeln, wie solche Mitarbeiter einzusparen wären. Doch Beratung könnte sich auch so verstehen, mit neuen Ideen dazu anzuregen, gewisse Produktionsabläufe zu optimieren. Doch solcher Gedankenreichtum gilt unter „Consultants“ meist als Verschwendung: den schnelleren Erfolg (meist über Quartale oder noch früher) versprechen Entlassungen. Die Folge: riesige Überheblichkeit bei den „Consultants“. Sie können solche (Massen-)entlassungen bewirken und in Gang setzen. Das hinter einer Entlassung stehende einzelne Schicksal ist ihnen dabei völlig egal, - “Human Resources“, das sind nur Zahlen in einer Power-Point-Präsentation. Gutmenschentum wird auf andere und nach außen gut sichtbare Weise gepflegt. Ökologisch engagierte Consultans mit besonders gutem Gewissen sind da keine Seltenheit, - naja, was man halt so als „Öko“ oder „Bio“ bezeichnet. Sie machen gerne Selbsterfahrungskurse zusammen mit Marketingspezialisten, möglichst am Wochenende als Crash-Course, - man hat ja keine Zeit. Instant reicht da völlig aus. Halt soooo. 

Sonntag, 1. März 2015

Demokratie im ständigen Kommen

Wir sollten trotz aller öffentlichen Beteuerungen und Ungenauigkeiten nicht vergessen: Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie – mitunter auch (nicht komplett gleichzusetzen) repräsentative Demokratie genannt (eine große historische Errungenschaft!!!). Was heißt das? Im Unterschied zu einer Basisdemokratie sind die Gewählten bzw. Abgeordneten in dieser Staatsform nur indirekt ihrem „Wahlvolk“ verantwortlich, eigentlich wären sie nur ihrem Gewissen verantwortlich. Sie können während des Wahlzeitraums (derzeit 4 Jahre) nicht abgewählt werden, sondern repräsentieren in dieser Zeit das Volk. Repräsentieren! Wie sie das machen, bleibt ihnen überlassen. Wenn sie's nicht gut machen, können sie erst in 4 Jahren wieder abgewählt werden (auch nicht sicher, weil über die sogenannten "Listen" sich die Parteien ein gesichertes Zugangsrecht gesichert haben). Während dieser 4 Jahre aber sind sie so etwas wie kleine Herrscher, die mehr oder weniger tun können, was sie wollen. Sie repräsentieren ja den Wählerwillen. Da sie wiedergewählt werden wollen (hierzulande direkt und indirekt über Parteienliste) entsprechen sie einigermaßen und nach ihrem Gutdünken dem Wählerwillen. In welcher Weise sie ihrer Partei ergeben sind, bleibt meistens verborgen, in der Regel herrscht Fraktionszwang: sie müssen abstimmen wie ihnen die Fraktion befiehlt. Die viel genannten und kaum praktizierten Volksabstimmungen sind ja nur ein Versuch, das Volk etwas mehr einzubeziehen. Fakt ist: Die Parteien haben diese Demokratie unter ihre Kontrolle gebracht. Der Fraktionszwang gleicht in vielem dem viel geschmähten „imperativen Mandat“, also der direkten Verantwortung vor dem Wähler. Da aber die hemmungslose Durchsetzung von Politikinteressen im Internetzeitalter nicht mehr wie früher streng nach Hierarchie funktioniert (sondern auch nach Informationstand..... z.b.. “Stuttgart 21“) und viele Entscheidungen nicht mehr so einfach per ordre de Mufti ("Bastapolitik") umzusetzen sind, trägt das wohl neben vielem anderem auch seinen Teil zur sogenannten Politikverdrossenheit bei. Es finden im Parlament keine Diskussionen, sondern nur Abstimmung statt, die den Staat jene Milliarden kosten, die diese „Abgeordneten" mit ihren sich selbst gewährten Diäten natürlich nicht bezahlt haben. Nichts ist einfacher, als auf einem Steuersäckel zu sitzen, dessen Geld man nach Gutdünken ausgeben kann. Die, die heute mit wichtigen Gesichtern dort sitzen, sind kalte Machtmanager und Funktionsträger, die mit der Nachkriegsgeneration der idealistischen Köpfe und Charaktere nichts mehr gemein haben.  

Freitag, 6. Februar 2015

Schwarzer Hundemann

Ist es seltsam oder krude, wenn man einen kleinen schwarzen Hund seinen Freund nennt? Da war von Anfang an eine sehr grundlegende Sympathie und mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich daran denke, wie sehr er zum Außenseiter gemacht wurde. In der Hundeschule, wenn er versuchte, mit anderen Hunden herum zu tollen und doch immer außen vor blieb. Wieso denn das? Seine grundsätzliche Freundlichkeit aber blieb, als wir ihm solche Negativerlebnisse nicht mehr zumuteten. Wie offen und zutraulich begegnete er in dieser Phase größeren Artgenossen, die ihn prompt vermöbelten und hart verprügelten! Wir konnten uns das alles nicht erklären. Es gibt Hundeflüsterer und Experten, klar. Verhaltensforscher. Rangordnung. Status. Klar. Aber ein solch krasses Verhalten?
Es blieb bis zuletzt unklar, ob er aus diesen Auseinandersetzungen resultierend seinen beschädigten Rücken hat oder ob diese Prügel ein angeborenes Leiden nur verstärkt haben. Ohne dass uns das bewusst war, schien er diese Erlebnisse in sich aufgenommen und verarbeitet zu haben und – so gut es ihm halt möglich war – als „erwachsener“ Hund zu den Grundbefindlichkeiten seines Lebens gemacht zu haben. Er blieb zum Menschen stets auf Distanz, hatte eine eigene Art, seine Zuwendung auszudrücken. Sehr nachdrücklich und eindeutig war er darin nicht. Aber auch darin schien er stets in Entwicklung zu sein.
Was ich von ihm dann ganz direkt gelernt habe, war unter anderem so etwas wie „Ein-Sich-Schicken-in gewisse-Gegebenheiten“.
War er anfangs so etwas wie ein mysteriöses Wesen, so wurde er mit zunehmender Zeit immer mehr zum Hund. Er schien diese Gegebenheiten seiner Gattung – so gut es ihm möglich war – immer mehr in sich aufzunehmen, ohne sich und seine Eigenheiten (Darunter auch ein geradezu störrischer „Eigensinn“) zu verlieren. Es war etwas Tierisches und zugleich von der Qualität, von der Menschen lernen könnten. Er wahrte seinen Stolz und nahm die Aufgabe, der Boss eines kleinen Rudels zu sein, an. Wie hätte es auch anders sein können? Es war ihm aufgetragen, er versuchte, auf natürliche Weise das Beste daraus zu machen. Er konnte das auch dank seiner überragenden mentalen Fähigkeiten: dieser schwarze Mann war klug verständig und „ein Indianer“ (wie wir das in unserer Jugend genannt hatten), er schien nahezu jeden Schmerz aushalten zu können. Dass er in seiner Jugend ein geradezu jämmerlicher Hänfling gewesen war, dessen Weg deswegen immer wieder zum Tierarzt führen musste, mag auch dazu beigetragen haben. Eine Art von weicher Duldung all dieser Umstände war sein Ding, kleinere Nickligkeiten gegenüber Rudelmitgliedern inbegriffen. Alles in allem wurde er aber zu einem sehr demokratischen „Boss“, was unter anderem ein ziemlich gutes Funktionieren des Rudels mit sich brachte, - überraschenderweise. Ich aber blickte immer wieder fasziniert in diese Augen, die so waren, wie sie waren, und für mich keine Durchlässigkeit zu gewähren schienen. Und doch gab es da Momente, wo wir uns als Wesen und Geschöpfe dieser Welt ziemlich nahe waren, so schien es mir. Da war in ihm viel Einverstandensein mit dem, was Menschen gerne „Schicksal“ nennen. Ein kleiner Hund, nichts weiter. Klar. Sentimentalität. Projektion. Tierliebe als Substitut. Ich habe ihn aber anders erlebt. Jetzt ist er nicht mehr.