Reise durch Wirklichkeiten

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Mittwoch, 5. August 2026

Demokratie, Markt und Mitbestimmung

Ob mich immer noch der Spruch eines Politikers verfolgt, man solle doch das Denken und Handeln über eine Klimastrategie gefälligst „den Profis“ überlassen? Ob mich das schlagartig zu einem neuen Nachdenken über die Möglichkeiten der Demokratie gebracht hat? Ob ich dadurch Parallelen und Entwicklungen klarer gesehen habe und ob mir gewisse Parallelen zu den einstigen Äußerungen der „offiziellen“ deutschen Politik bezüglich einer„Alternativlosigkeit“ und den Möglichkeiten einer „marktkonformen Demokratie“ noch stärker aufgefallen sind? Ob da eine selbsterklärte „Elite“ sich eines bestimmten Diskussionsraumes bemächtigen will, ob sie die darin liegenden Möglichkeiten nach ihrem eigenen Gutdünken einschränken und definieren will und ob sie alle Macht „den Profis“, den Experten und professionellen Machtverwaltern überantworten will? Ob das demokratisch ist oder ob darin eine gewisse Arroganz der Mächtigen liegt? Ob der öffentlich diskutierte Raum der Alternativen zugunsten eines von „Profis“ und scheinbaren „Experten“ eingeschränkten Raumes eingeschränkt und zur Alternativlosigkeit erklärt werden werden soll? Ob der Markt die alles entscheidende Größe und das Souverän ist, - nicht etwa das „Volk“? Ob auf dem Markt gewisse politische (Nicht-)Handlungen besser „verkauft“ und nicht etwa erklärt werden müssen? Eine konsequente neoliberale Haltung könnte dahinter stehen. Und ob das globale Aufkommen eines Populismus mit der derart dem „Volk“ zugeschriebenen Unmündigkeit zu tun hat? Mächtige, die so etwas behaupten, glauben doch auch an die Dummheit des Volkes, das den Entscheidungen der „Eliten“ nicht mehr folgen kann oder gar zu bequem, unbeweglich, faul und unfähig dazu ist…

Montag, 29. Mai 2023

Gemeinheit

Adorno bezeichnete Vulgarität als ein „Einverstandensein mit der eigenen Erniedrigung“. Was dieser Satz wohl bedeuten mag? Tatsache ist, dass auch er missverstanden werden kann. Stark empfinde ich mittlerweile die Distanz, die zwischen dem „gemeinen“ Volk, seinem Sprachgebrauch, seinem Verhalten - und den selbsterklärten „Eliten“ zu herrschen scheint. Es scheint ein gangbarer Weg für diese politische Eliten zu sein, den Leuten vorzuschreiben, wie sie zu reden, zu schreiben und zu lesen hätten, wie sie zu fahren und zu heizen und sich fortzubewegen (& vieles andere mehr) hätten. Es mögen einem Zweifel dazu kommen, ob genau diese Verbote, Vorschriften oder beinharte Gesetze ein Weg sein können, was sich ja jeder als Ziel wünscht. Waren wir einmal von einem anderen Ausgangspunkt gestartet? Waren uns gerade Verbote und Vorschriften zuwider? Strebten wir nach einer reichlich diffusen „Freiheit“? Dass diese „Freiheit“ diffus blieb, mag sich heute rächen. Die diffuse Wut „auf die da oben“ kocht vor sich hin. Doch wehe, wenn diese Wut eines Tages entfacht und für politische Ziele missbraucht würde! Sind die Menschen in der „richtigen“ Richtung wachgerüttelt und mobilisiert?, so fragt sich mancher zeitgeistig Bewegte. Klimawandel? Ja klar wollen wir alle. Es geht um das Wie. Außerdem haben wir alle diese Phrase viel zu oft gehört. Vom Artensterben ist dagegen selten die Rede. Es wird auf bestimmten politischen Seiten mit den Begriffen „Widerstand“ und „Revolution“ hantiert. Vergessen (oder absichtlich in den Hintergrund gerückt), dass so etwas oft genug in der Weltgeschichte in ein Blutvergießen führte. „Apocalypse now“. Und trotzdem hat sich etwas Ungeklärtes, Diffuses angestaut: etwa, das Rennen um „billige Arbeitskräfte“ und Rohstoffe in der Globalisierung. „Brain Drain“, steht uns das zu? Einfach Menschen und ihr Know How kaufen, um die eigene Haut zu retten?

Dienstag, 7. Juni 2022

Mitbestimmung

Was mir auffällt: Gewisse Politiker betonen in den einschlägigen Talkrunden fortwährend, dass sie es mit ihrem Einkommen vielleicht ärgerlich finden, wenn die Preise und Energiekosten so steigen. Dass sie sich es aber leisten könnten. Journalisten, Publizisten und Medienleute nicken dann meist verständnisvoll, was angesichts gewisser Honorare nachzuvollziehen ist….. Und…. - weiter wird über Preisanstieg diskutiert (betrifft ja „die Anderen“). Meines Erachtens liegt darin ein Element der gegenseitigen Entfremdung: Die einen können sich wegen tausend „Aufwandsentschädigungen“ auf Kosten des Steuerzahlers alles leisten, die anderen darben in einer ganz anderen Lebenswelt und haben die Folgen der (Nicht-)Handlungen der Politik auszubaden. Fragen, die sich mir in diesem Zusammenhang stellen: Müssen derartig hohe Diäten, Korruptionsgegebenheiten und steuerfreie Nebeneinkünfte für Abgeordnete bei einem Parlament sein, das gegenwärtig 735 Abgeordnete zählt? 2.) Ginge es abseits der fein eingeübten Rituale nicht auch um eine gewisse Nähe der Volksvertreter und denen, die sie zu vertreten vorgeben? 3.) Wie ist angesichts dessen ein halbwegs befriedigender Informationsfluss möglich? Einer der Urväter der Demokratie, Aristoteles, führte es vor. 4.) Könnte ein immer wieder diskutiertes Losverfahren in gewissen Entscheidungsgremien dem ganz allgemein und der Parteienherrschaft Grenzen setzen? Dass an dieser Stelle ein gewisser Modernisierungsbedarf herrscht, zeigen auch die stark zurück gegangenen Zahlen der Wahlbeteiligung. Ob traditionell aufgestellte Parteien noch Garant für eine Politik der ökonomischen und sozialen Stabilität, des Interessenausgleichs und der Freiheit? Ob die Strukturen mit der Zeit etwas zu verkrustet geworden sind? 5.) Zeigt nicht das "Schwarzbuch" des Steuerzahlerbunds zahlreiche Arroganzen der über Parteizugehörigkeiten besetzten Behördenstellen auf? Würde hier ein gewisser Rechtfertigungs- und Haftungszwang nicht etwas Abhilfe schaffen? Dürfen sich wirklich alle, die als Entscheider in dieser Gesellschaft eingesetzt sind durch Demokratie legitimiert fühlen?

Sonntag, 7. November 2021

Parteien und Willensbildung

Vielleicht sind wir ja zu blöde dazu gewesen und haben gepennt, als das besprochen worden ist. Vielleicht war uns auch ein solches Rudelverhalten von vornherein zuwider. Vielleicht auch hat es uns das alles niemand so richtig erklärt. Es ist uns jedenfalls die sogenannte Parteiensolidarität nie klar gewesen: Ein Mufti aus der oberen Hierarchie verkündet etwas und alle plappern es ihm nach. Parteien überwölben jegliche Willensbildung in diesem Land, nehmen Positionen ein, die das ganze Fußvolk bis hinauf zum Sprecher alle übernehmen und die etwa undemokratisch Hierarchisches hat. Laut Grundgesetz sollen die Parteien „an der Willlensbildung des Volkes“ mit wirken, aber sie sollen doch nicht alles beherrschen, was „im öffentlichen Auftrag“ vor sich geht. Sie geben der Meinung eine kollektive Ausformung, sie bündeln Energien, sie machen den Machtapparat möglich, sie leiten das Besondere vom Allgemeinen bzw. den „Grundüberzeugungen“ ab - oder was? Zählt die Einzelperson da gar nichts mehr, sondern ist nur noch dazu da, die sich jeweils durch lange Reden profilierende Parteigranden zu bejubeln? Ist das zeitgemäß? Gibt es das, eine einheitliche „gemeinsame Meinung“ auf die man auf einem Parteitag oder bei einer Ortsversammlung eingeschworen werden kann?


Montag, 4. Oktober 2021

Im Großen und Ganzen

 Großprojekte in Deutschland? Ob ihre Realisierung den demokratischen nur noch formal entspricht? Ob das in die Gedankenwelt und die typischen Vorstellungen von Politikern hinein führt? Das Muster dieser „Realisierung“ jedenfalls scheint ja inzwischen genügend bekannt zu sein. Zuerst wird alles schön geredet und schön gerechnet und in diesem Zustand den öffentlichen Gremien zum Abnicken vorgelegt. Die öffentlichen Aufträge werden sodann an Firmen vergeben, die „am billigsten“ anbieten, was sie nur unter Zuhilfenahmen von Subunternehmen aus sogenannten „Billiglohnländern“ halbwegs realisieren können. Dass am Ende nicht unbedingt immer nach Recht und Gesetz vorgegangen wird, dass z.b. „Schwarzarbeit“ eine immer wieder nachgewiesene Methode der Steuervermeidung (vom Staat!!!) und also Kostensenkung ist, scheint akzeptiert zu werden. Aber es ist ja sowieso alles genehmigt und abgenickt, auch wenn Verzögerungen und Verteuerungen erst (teils lange) danach auf den Tisch gelegt werden.

Großprojekte? Ich habe auch eins „vor der Haustüre“, bei dessen Brechung eines Widerstands ein ehemaliger Ministerpräsident traurige Berühmtheit erlangt hat. „Stuttgart 21“ wurde anfangs mit etwa 2 Milliarden Kosten vorgestellt. Mittlerweile scheint man bei etwa 8 Milliarden Euro (oder war es mehr? Die Maßstäbe scheinen längst verloren gegangen zu sein) angelangt. Von einer Eröffnung im Jahr 2021 scheint man weit entfernt zu sein, oder es müsste jetzt alles sehr schnell gehen. Die öffentliche Hand scheint hier krass versagt zu haben. Oder etwa doch nicht? Geht es womöglich um ganz andere Interessen? 
In Stuttgart ist die Diskussion auch nach einem landesweiten Volksentscheid immer noch im Gange, Jahre danach. Jedenfalls scheint niemand für nichts verantwortlich zu sein, solange die persönliche Kasse stimmt: Eine gängige Praxis bei der öffentlichen Hand. Stuttgart, Karlsruhe, Hamburg, Berlin, Bremen und viele andere Städte scheinen dafür anschauliche Beispiele abzugeben, aber auch der Alltag des Umgangs mit Behörden.
Niemand würde sein eigenes privates Bauvorhaben so managen, wie bei diesen unsäglichen Projekten des Staats, bei denen verheerend mit öffentlichem Geld umgegangen wird (mögen da Institutionen wie der Bundesrechnungshof noch so katastrophale Zahlen vorlegen!). Das ist Murks und Pfusch in ganz großem Stil. Diese ganzen Missstände aber führen unter anderem auch zu jahrelangen Verschiebungen einer Eröffnung. Hm, war da was? Auch „Stuttgart 21“ wird ja nicht 2021 eröffnet, sondern irgendwann. Wenn es fertig ist. Das ist schamlos und entspricht nicht einem demokratischen Staat, auf den man doch nach manchen politischen Aussagen „soooo stolz“ sein könnte. Alleine schon die Zahlen sprechen da Bände einer anderen Sprache.

Sonntag, 17. Mai 2020

Gegenwart

Im Großen und Ganzen passe ja alles bei uns, sei alles toll - argumentiert die CDU/CSU. Ihre Einzelpersonen geben sich jovial und grinsen dazu. Mal wieder war Deutschland besser als die andern, wie jetzt in der Corona-Krise. („Unser Gesundheitssystem ist halt doch das beste der Welt“) Wirtschaftlich riefen sie sich einst ja stolz als „Exportweltmeister“ aus, im Fußball wurden sie auch Weltmeister, Spahn und die ihm nahe stehenden Kreise ergänzen, dass Deutschland ja ohnehin soooo schön sei……. Etliche Komiker und Karrieristen bei der CDU stimmen ihm lustig und im eigenen Interesse zu, die SPD ist weiter auf der Suche nach der Arbeiterschaft und die LINKE vollzieht ihre Rituale, eingedenk dessen, dass sie Rechtsnachfolgerin der SED ist, die Grünen spielen die Mahner im Klimakonflikt, versuchen sich aber ansonsten als gutbürgerlich und Partei der Besserverdienenden zu positionieren. Das Prekariat fällt durch. Währenddessen droht sich der Bundestag in der nächsten Wahlperiode auf mehr als 800 Abgeordnete aufzublähen…..es folgt die Ansage der anstehenden "Digitalisierung": "Es wurden keine passenden Artikel gefunden"


Freitag, 4. Oktober 2019

Wir im Medaillenspiegel

Deutschland holt jetzt im Medailllenspiegel tierisch auf. Aber wir hätten mehr über die Flügel spielen sollen. Wir sind jetzt ganz schön voran gekommen, was Medaillen angeht. Wer ist wir? Ob der Sport eine bestimmte Sorte von Nationalismus fördert? Es fällt mir auf, dass Journalisten, die bei einem bestimmten Typ von Medien angestellt sind, übertrieben oft das Wort „wir“ benutzen. Es fing damals im Fußball an. Man wolle und solle eine entspannte Haltung zum eigenen nationalen Mythos haben, so die offizielle Begründung. Freilich: wenn man jetzt im Klimaschutz voran gehen will und es allen anderen Nationen zeigen will, - wieso nicht auf diesem Gebiet. Wieso gibt es keine europäische Mannschaft? Wieso verfolgen die öffentlich bestallten Medienleute den „Medaillenspiegel“ so mit Argusaugen? Sollte man nicht auch hierbei anfangen, das Ganze zumindest gesamteuropäisch zu sehen. Gerade der Sport, der ja die Emotionen ansprechen kann und will, dürfte hier Schrittmacherdienste leisten. Wieso eigentlich geschieht in dieser Richtung gar nichts. Wieso führen hier immer noch Nationen ihre Ersatzkriege und wieso unterstützt die öffentliche Meinung das so stark? Ob es auch hier um den „Wohlstand“ geht? Ob die Erkenntnis zu schmerzvoll ist, dass die Nation hier so etwas vor allem der Ausbeutung derer verdankt, die weniger haben und klimatisch ungünstig wohnen müssen? Ob die Haltung „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ nicht doch etwas zu überholt ist? Oder ob wir schlichtweg eine Organisationseinheit sind, mit vereinheitlichtem Steuersystem, Armee, Sprache, Verfassung und allerlei mythologischem Kram aus dem 19. Jahrhundert? Wo steht eigentlich dabei der völkische Gedanke? Welche Rolle spielen Fahne und Hymne? Und welchen Zusammenhang hat der Mythos mit dem Leistungssport als Showgeschäft?

Montag, 17. Juni 2019

Anwesenheitspflicht

Es kommen jetzt (morgen nicht mehr…!) Meldungen, nach denen gewisse Abgeordnete ihre Anwesenheitspflicht im Bundestag nicht allzu ernst nehmen (aber die jungen Teilnehmer von Fridays for Future" schon mal mit staatstragendem Gesicht abmahnen!). Ob sie einen Volksauftrag übernommen haben? Ob das Folgen und Verpflichtungen haben sollte? Eine gewisse Demut täte da vielleicht ganz gut. Es ist wohl genau solche Arroganz, die die Wähler verschreckt und zu bestimmten Umwälzungen im Parlament geführt hat. Dass diese Umwälzungen sich noch nicht abbilden, scheinen diese Abgeordneten als eine Art „parlamentarisches Trägheitsmoment“ zu empfinden. Ob sie etwas zur Verhinderung der mehr als milliardenschweren Kriegswaffenlieferungen an eigentlich gesperrte Staaten hätten beisteuern können. Möglicherweise hätten sie eine Diskussion darüber vertiefen können. Doch was ist, wenn einer dieser Abgeordneten genau diese Kriegswaffenexporte an verantwortlicher Stelle befördert hat? Konflikte zeichnen sich ab, es besteht Erklärungsbedarf. Gesetze werden verabschiedet, man gibt Aktion vor, man simuliert das gekonnt. Immerhin hat dieses Parlament 715 Abgeordnetenplätze und versorgt eine breite Politikerkaste mit Posten, Pensionen und Alterssicherungsansprüchen. Ob wenigstens daraus eine gewisse Verpflichtung entstehen könnte?

Mittwoch, 22. Mai 2019

Eliten und "das Volk"

"Wir wollen doch nicht diese Art der Demokratie, in der das Volk darüber entscheidet, ob Lynchjustiz möglich sein soll oder die Todesstrafe." Bäh, Populismus, direkte Demokratie, Volksentscheide, Plebiszitäre Elemente…... Wir setzen dagegen auf die „Eliten“, die im Sinne eines Allgemeinwohls gesellschaftliche Prozesse gestalten (der Satz könnte aus dem Lehrbuch der Politikwissenschaft stammen). Dass darin ein Grundwiderspruch der Demokratie zu liegen scheint, gestehen sich die Philosophie und die Politikwissenschaft nur sehr verschämt ein. Meist wird in diesem Zusammenhang Churchills Gedanke zitiert: Die Demokratie ist eine Staatsform, die immer noch besser als alle anderen sein soll. Ach ja. Es könnte doch so sein, dass sich „die Eliten“ in all ihrer Fürsorglichkeit hinter ihren Privilegien verschanzen, dass es ihnen (natürlich niemals als alleiniger Grund!) um ihr materielles Fortkommen auf Kosten dessen geht, was sie als „Volk“ definieren. Dass sie sich gerade in Zeiten der Globalisierung als die „wahren Vertreter“ des Volkswillens sehen (scheint eine Art Mode zu sein, derer sich offensichtlich die verschiedensten Kräfte befleißigen…), der im Sinne ihrer Ideale gelenkt sein muss. Plebiszitäre Elemente können beim tatsächlichen Entscheidungsfindungsprozess dabei nur stören. Ich finde, dass „die Eliten“ dabei zu weit gegangen sind. Dass sie sich eingerichtet haben in einer Art Kaste, die abgeschottet von der Masse ganz genau weiß, was das Volk wirklich wollen sollte. In meinen Augen ist das nichts anderes als der alte leninistische Kadergedanke und das Prinzip der Alten und Weisen (in der Gegenwart dürfen das keine Männer mehr sein), der „Gelehrten“, die über das Schicksal der Vielen kraft ihrer Einsicht und Weisheit entscheiden. "Gelehrtenrepublik". 

Sonntag, 5. Mai 2019

Noch ein bisschen Demokratieweisheit


Ob es der Demokratie förderlich ist, wenn nahezu alle Bundesministerien in Deutschland ihre Etats für PR drastisch erhöht haben? „Sich verkaufen“ scheint dabei das Stichwort. Dabei scheinen gewisse Informationen bei den „Volksvertretern“ gar nicht anzukommen, - was sie dann oft mit einigem Erstaunen auch öffentlich bekennen. Woran das liegen mag? Wonach überhaupt Entscheidungen ausgerichtet werden? Es scheint dabei in der Bevölkerung eine gewisse Einigkeit zu herrschen. Es heißt dann meist resignativ „am Geld“. Auch das kann dem Gedanken und der Absicht der Demokratie nicht förderlich sein. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Entscheidungen oft nach einer gewissen finanziellen Einflussnahme gefällt werden. Dabei scheint die Berufsklasse der Anwälte und Juristen sich besonders schamlos zu bedienen. Wollen Beamte oder finanziell gut ausgestattete Leute, dass sich in der Politik etwas ändert, so geschieht das seltsamerweise allzu oft. Wollen hingegen Arbeiter und Einkommensschwache, dass sich etwas ändert, so scheint das wesentlich weniger oft zu geschehen. Ob es auch daran liegen mag, dass ihre Vertreter im Parlament fehlen? Welche Rolle dabei die Ignoranz spielt? Wenn die Politik einer gewissen Kaste von Menschen Vorteile gewährt hat, kann sie diese kaum mehr wegnehmen (wobei auch der Staat selten auf etwas verzichtet, was er einmal eingenommen hat...). Zudem scheinen Regierungschefs immer wichtiger geworden sein, was dem Gedanken der Volksvertretung auch nicht gerade nützt.

Donnerstag, 28. März 2019

Populismus (11)

Ein weiteres Merkmal des Populismus ist, dass er die Angst vor der Globalisierung schürt. Dabei kann er auf manche meiner Meinung nach sehr begründete Ängste zurück greifen. Im Wesentlichen ist es aber so, dass er die falschen Konsequenzen daraus ableitet: Die Besinnung auf eine „völkische“ Identität. Meiner Meinung nach ist dies vollkommen falsch, da es mittlerweile um die Menschheit geht und weniger um einzelne Völker. Auch scheint mir im Rechtspopulismus die angestrebte „Reinheit“ des Völkischen obsolet: gerade im Zustand der gegenseitigen Vernetzung (alleine schon die technologische Entwicklung fördert dies...) scheint mir ein Streben nach Reinheit einigermaßen rückwärtsgewandt, - wie überhaupt viele Ideen des Populismus, der in Wirklichkeit keine soziale Alternative zu sein scheint. Das Versprechen: Zurück zu traditionellen Rollenbildern, zurück zu nationalen Grenzen, zurück zu einem einheitlichen Volk, zurück zum „Vaterland“. Alles sehr rückwärtsgewandt und meiner Meinung nach nicht zukunftsfähig. Dass die Globalisierung eine gewisse Gleichmachung nach sich zieht, eine Uniformheit und mangelnde Identität, dass sie die ganze Welt zu ihrem Markt machen will und sich eher den Gesetzen des Marktes als jenen der Demokratie unterordnen will, (die offizielle Politik fordert ja „globale Champions“) macht eine Schwäche aus. Dass es vielen Menschen gerade nicht ausreichend gut geht („uns geht es gut“), dass Deutschland einen sehr ausgedehnten Niedriglohnsektor hat, dessen „Angehörige öffentlich nicht mehr zu Wort kommen, scheint hierzulande auch ein Kennzeichen dieser Globalisierung zu sein: Die Aufteilung der Gesellschaft in eine „Zweidrittelsgesellschaft“. Dass es ein Gesetz dieses Marktes sein soll, dass das Kleine zugunsten des Großen zerstört werden muss, scheint mir auch eine solche Schwäche der Globalisierung auszumachen, in die der Populismus ungeniert stoßen kann. Dass der Populismus selbst keinerlei Alternativen bietet und nur auf eine Zerstörung solcher Strukturen baut, erscheint mir auch schwach. Dass ein „Sündenbock“ gesucht werden muss, der in vielen Fällen “der Ausländer“ sein soll, greift auf uralte menschliche Ressentiments zurück und verstärkt Schwächen der sozialen Natur des Menschen.

Montag, 25. März 2019

Populismus (10)

Ob es dem System der Parlamentarischen Demokratie förderlich ist, wenn Abgeordnete fette Beraterverträge bei Großkonzernen abschließen und diese dann mit Gefälligkeiten aller Art bedienen? Wenn diese Konzerne oder ihre Beraterfirmen Gesetzesvorlagen direkt vorlegen? Wenn eine große Zahl von Lobbyisten im Bundesreichstag unkontrolliert mit Hausausweis aus- und eingeht? Ob fette „Firmenspenden“ tatsächlich eine derartiges System zu stablisieren können? Ob es eine Werbung ist, global gesehen, wenn sich immer mehr eine Schicht der Superreichen herausbildet, die die wahre Macht im Staat auszuüben scheint? Wenn sich „Volksvertreter“ mit neoliberalen Ansichten und Handlungsweisen dieser Schicht andienen? Ob die „Tickle-down-Theorie“ immer noch zutrifft, nachdem der Reichtum der Reichen langsam und immer mehr nach unten in die arbeitende Bevölkerung einsickert und so schließlich der Allgemeinheit zugute kommt? Ob der Populismus von solchen Fragestellungen zu profitieren versucht? 

Sonntag, 24. März 2019

Populismus (9)

Ob es die „Eliten“ in den freiheitlichen Demokratien nicht doch etwas übertreiben? Die Zahlen, die diesbezüglich auch wieder aktuell im Umlauf sind, scheinen jedenfalls erschreckend und nicht gerade eine Werbung für eine parlamentarische Demokratie zu sein. Eine Art Selbstbedienungsmentalität scheint hier in Wirtschaft und Politik um sich gegriffen zu haben. Entsprechende wirtschaftliche Auswirkungen sind überall zu beobachten. Eine daran geknüpfte Arroganz der Macht schreckt zudem ab. Die „Eliten“ haben sich dieser Macht in mannigfacher Hinsicht bemächtigt und scheinen sich gegenüber den Anfeindungen des Populismus mit oft viel zu populistischen Mitteln zu wehren. Dabei erscheint gerade die Vereinfachung eines der ganz wichtigen Mittel des Populismus zu sein. Man selbst vertritt „das Volk“ - und sonst niemand: dies scheint ein wichtiger Grundsatz des Populismus zu sein. Geschickt wird hier der Abstand genutzt, der sich zwischen „Volk“ und „Eliten“ heraus gebildet hat. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht....sagen Populisten. Schuld an allem sind die „Eliten“. Politiker, Banken, Großunternehmen, Justiz, Bildungssektor, Intellektuelle und Journalisten. Schuld sind auch „die Anderen“: Die Flüchtlinge, die Islamisten...die nehmen uns unser Land und unsere Identität, während wir rechtschaffene Arbeit leisten. Feindbilder sind damit geschaffen. Feinde sind auch eine unabhängige Justiz, das Parlament und die freie Presse. Zudem wird eine Angst geschürt, die schnell in Hass umschlagen kann. Wer anderer Meinung ist, wird schnell zum Feind und mit allen Mitteln bekämpft. Kommen Populisten an die Macht, stellt es sich schnell heraus, was es damit auf sich hat. Meist wird „kurzer Prozess“ gemacht. Wer Angst hat und Hass in sich trägt, will oft einen starken „Führer“. Retter sind vonnöten. Diese Rolle des Retters geben dann meist die Populisten.