Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 17. Juli 2026

Töne und Alarm

Pieptöne überall! Da piept‘s doch! Man ist aufgeschreckt. Man rennt. Man stolpert. Es blippt jetzt mit anderem Sound. Ist`s die Haustür‘? Nein, man war aber schon hinaus gestürzt gestolpert und gefallen. Man muss sie nur deuten können, diese Töne. Kann ich aber nicht. „Nachricht eingetroffen… blipp! Ach! Was für Nöte sind denn das? Nicht mehr auf der Höhe der Zeit? Man fragt sich Fragen, auch der seltsamen Art. Bloß, weil man alt ist. Wow. Das müsste eigentlich automatisch gehen. Bin ich falsch programmiert? Bei diesen Digitaltönen dabei sein, Digital Native? Müsste man das? Dressiert sein? Es sollen jetzt Klimaanlagen her. Im großen Stil. Die „Amis“ würden es uns vormachen. So eine klugscheißerische Dame im TV. Ob aber die „Amis“ die richtigen Vorbilder sind? Ob sie etwas, nur etwas (!), mit Ökologie am (Cowboy-)Hut haben? Sollen wir langsam uns der Trump-Welt annähern? Unwillkürlich? Ja klar, Trump-Bashing kann jeder! Wer sich unterscheiden kann, bewundert so einen. Oder sollen – wie sozial! - Krankenhäuser und Pflegeheime jetzt erstmal in den Genuss dessen kommen? „Leben statt leiden“? Das Schlagwort schlägt. Man müsste sachte abwägen, aber doch nicht so agitieren. Wer in die USA blickt, sieht, dass da nicht nur Krankenhäuser und Pflegeheime Klimaanlagen haben. Tatsache ist wohl, dass Klimaanlagen im großen Stil viel Energie verbrauchen. Man müsste sowas ausgewählt gegenrechnen können. Den Nutzen gegen den Schaden. Aber so? Einfach pauschal Klimaanlagen fordern? Und die (vorhersehbare) Meinung der Grünen grinsend ignorieren…. Es piept schon wieder. Jemand hat etwas entgegnet, einen Kommentar zu etwas abgegeben. Ich muss das ein. Ich muss wach sein. Ich muss pfiffig sein. Kreativ. Überraschend. Muss vielleicht Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Muss man das?

Dienstag, 2. Juni 2026

Stress, Digitalisierung und Aufmerksamkeit

Etwas Unbedeutendes mit allen Sinnen wahrnehmen, seine Aufmerksamkeit darauf lenken, Gerüche, Geschmäcker wahrnehmen, die Hektik, den Stress, das fortwährende Multitasking und die überall herrschende Zweckbestimmtheit vergessen, - kann man das lernen? In Kursen? In Workshops? Das Etikett „Achtsamkeit“ erscheint unter anderem angesagt – bei Managern und „erfolgreichen“ Eliten. Sie sollen besser und erfolgreicher funktionieren, sie sollen der Beschleunigung aller Lebensverhältnisse besser folgen können, sie sollen beim Neoiberalen Umzug teilnehmen können. Sie sollen von sich absehen und doch ganz bei sich selbst sein. Sie sollen Skrupel abbauen, um beispielsweise Leute besser entlassen und mit ihnen umspringen zu können. Sie sollen die Vorgaben anderer als die eigenen begreifen. Internalisierung, Verinnerlichung, soll auf diese Weise besser gelingen. Dazu ist Konzentration auf den Atem angesagt, Stille und Langsamkeit heißt es auszuhalten, ruhiges Gehen und bewusstes Essen gilt es zu erlernen, den eigenen Körper spüren, mental bewusst im Hier und Jetzt sein, den Moment genau erleben und vielleicht auch zu genießen - und vieles andere, das gut klingt. Angst und Panik sei dadurch besser auszuhalten, so heißt es, sich selbst annehmen, sich selbst spüren, auch die eigenen Verletzungen, das sei als nobles Ziel ausgegeben. Doch es bleibt eine Frage: Wem nützt es, wenn Achtsamkeit der Maximierung von Glück, Gewinn oder Geschwindigkeit dienen soll?

Donnerstag, 16. April 2026

Nachdenken über Wachstum

Vereinfachung, Übersichtlichkeit, Befreiung vom Überfluss, Entschleunigung, mehr Gesundheit, Stabilität und Orientierung: was könnte dazu führen? Zuerst wäre da wohl eine Befreiung vom Mythos „Wachstum“ zu nennen. Weniger Entfremdung durch weniger Wachstum wäre vonnöten. Oder etwa nicht? Steht das im Gegensatz zum Zeitgeist? Stellen das die Oberen in Frage? Wer repräsentiert diese Klasse der Menschen? Ein Ober-Mufti des Regierungssystems, der „mehr Arbeit“ einfordert und sein Wahlvolk der Faulheit bezichtigt? Es fehlt uns an Bewegung, unsere Ernährung ist nicht gesund, es herrscht die überall gegenwärtige Reizüberflutung, auch wegen einer hohen Ereignisdichte. Nichts funktioniert. Wir haben keine Erfolgserlebnisse mehr, wir sind ein Rädchen in einem digitalen Getriebe. Sollen aber KI endlich in unser Leben lassen. Namenlos, anonym. Ob es bei solchen Prozessen Grenzen gibt? Grenzen des Wachstums? Daran knüpft sich die Frage: Wie können eigentlich mündige Menschen so leben, dass ihre nachfolgenden Generationen keinerlei Chancen mehr haben? Die Substanzen, die das Wachstum befördern, scheinen langsam und immer schneller knapp zu werden. Wachstum tut darüber hinaus dem Menschen nicht notwendigerweise gut. Oder tut dem Menschen alles gut, was der Wirtschaft gut tut? Läuft die Logik soooo.....? Tatsache ist, dass sich in einem Jahrzehnt die Anzahl der verschriebenen Anti-Depressiva mehr als verdoppelt hat. Dass das Burn-Out-Syndrom etwas ist, was jeder inzwischen zu kennen glaubt. Und Vieles mehr... Ungefähr in derselben Zeit haben sich die Dinge etabliert, die unser Dasein immer bequemer machen sollen. Gleichzeitig breiten sich wohl die Aufmerksamkeitsdefizite aller Art aus. Ob es möglich ist, ökologisch wirksame Systeme zu entwickeln? Energie- und Mineralienverbrauch so umzugestalten, dass kein Akt des Produzierens und Konsumierens einen ökologischen Schaden verursacht. Dass Abfälle kein „Abfallprodukt“ sind, sondern Nahrung für sinnvolle Produktionskreisläufe?

Freitag, 27. März 2026

Klingeling

Was tut denn da, überlagert von tausend Pieptönen? Draußen, im andern Zimmer, klimpert Keith Jarrett. In bester Tonqualität. Vertieft. Wer könnte sich so jemanden live leisten? Als Klimperer? Wie er phrasiert, wie er phantasiert…. alles umsonst: ich will nur einen passablen Hintergrund, etwas Jazziges, höre nicht genau hin, benutze Jarrett als Hintergrundklimperer. Wahrscheinlih machen es viele so. Medien machen es möglich. Das Tolle: ich kann mich voll darauf konzentrieren und habe dann auch etwas davon. Aus der jeweiligen Situation richten sich wohl verschiedene Erwartungen an Musik. Im Extremfall kann kann mir Musik eine Tapete sein für allerlei Beschäftigungen wie Spülen, Staubsaugen, Kehren etc. Aber ich kann mich auch in meiner Klause ganz und gar auf die gebotene Musik konzentrieren. Ich kann meine ganze lebenslange Hörerfahrung einbringen, die Musik kann mir ein Wohlgefühl bescheren, über das ich nachdenke und reflektiere. Dies schließlich sprachlich einigermaßen adäquat auszudrücken, ist manchmal schwierig. Ich kann das alles mit gewissen Hörgewohnheiten in Verbindung bringen, mit dem, was mich lange geprägt hat. Ich kann dann Traditionen entdecken, das Überkommene erkennen und es kritisch bedenken. Ich kann mich unter Umständen in Interpreten/innen hinein versetzen, ich kann analysieren, wie etwas gemacht ist und inwiefern es Klischees bestätigt. Ich kann den gesellschaftlichen Zusammenhang in meine Betrachtung mit einbeziehen. Spielerisch. Ich kann aktiv versuchen, diese Musik verschiedenen Situationen auszusetzen. Ständig aber war es mein Job, mich und die Aufnahme kritisch zu beobachten, meinen an vielen Objekten geschulten Verstand dabei zum Einsatz zu bringen. Dabei sind meine Bewertungsskalen variabel und selten absolut. Ich sollte mir klar machen, was mir gefällt und was nicht. Ich sollte aufzeigen, wie ich zu dieser Meinung gekommen bin. Nicht immer explitit, sondern auch implizit, indirekt. Danach folgt die Frage des „Warum“. Man will ja nicht immer und in jeder Situation das Beste und ästhetisch Ausgereifteste hören; vielleicht hat man zu gewissen Situationen eine Art Lieblingsmusik, die eine ganz bestimmte Stimmung, einen klaren Ausdruck, gut trifft.

Dienstag, 6. Januar 2026

Gesellschaftliche Kommunikation

Social Medias und Blogs tragen insgesamt wohl eher zur Banalisierung des Einzelnen bei, - sie sind Erleichterung und gleichzeitig geöffnete Schleusen. Der „Einzelne“ (die „Person“) scheint ohnehin selbst sehr stark zu dieser Entwicklung beigetragen zu haben, indem nämlich heute auch nicht zuletzt durch KI scheinbar lyrische Texte und „Reels“ (kurze Videostreifen) industriell, arbeitsteilig und geradezu maschinell hergestellt wurden und zunehmend werden. Der Druck auf die Tränendrüse ist etwas Gekonntes. Der Wutausbruch wird planmäßig herbeigeführt (jeweils beim „Durchschnittsuser“). Die Aufmerksamkeit wird gelenkt. Die Lüge beherrscht unmerklich vorrückend und die Gedanken verschleiernd das Feld. Es herrscht das Kollektive, die immanente Manipulation, der Schwarm, die Masse, „Big Data“, der Algorithmus, das kalte Berechnen, - auch gerade der Emotionen. KI ist da ein Beschleuniger.

Samstag, 25. Oktober 2025

Das Klingeln in meinem Kopf

Ich merke, wie ich zu oft auf eine Art Klingelsignal regiere. Ich höre das plötzlich überall, unvermittelt beim Spülen, beim Machen und Tun. Ich eile dann hin, zu irgendeinem Gerät, - und muss feststellen, dass es das nicht war. Was aber dann? Es scheint in meinem Kopf geklingelt zu haben, mit diesem typischen Klingeln, das doch keins mehr ist, sondern eine spezifische technologische Qualität hat. Ob diesen Klang irgendeine berühmte Popband den Telekommunikationskonzernen verkauft hat? Besonders oft höre ich das zwischen oder auf CDs: wohl kein Zufall, kann aber sehr störend sein. Ich schrecke hoch, ich sollte gelassener sein, ich weiß das wohl. Aber ich scheine oft auch eine Art schlechtes Gewissen bei solchen Klängen zu haben. Bin ich zu gut dressiert? Woher kommt das? Muss ich in mich gehen? Eine Spannung ist es, eine permanente, unter der ich zu stehen scheine. Das ist nicht gut, kein Zweifel. Aber wie soll ich das abstellen? Ich bin empfindlich gegenüber solchen Angriffen. Ich will Ruhe. Aber mich schrecken Alarmzeichen hoch. Ich vermutete sie überall. Ich fühle mich verfolgt. Die E-mails checken! Was da wohl wieder auf einen wartet? Ich soll zu etwas gebracht werden, durch irgendwelche Marketingdeppen, ich anklicken und Daten übermitteln. Nun, das bin ich schon gewohnt, ist aber trotzdem störend. Die Aufforderungen, etwas zu bestätigen. Datenschutz und all diese Dinge. Ich rufe an und muss mich fertig machen lassen. Dadurch merke ich, wie ich scheinbar aus der Spur bin, zu weit neben dem Mainstream laufe. Andere schaffen das doch auch, - wieso du nicht?

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Wahr oder genommen?

Es geht um Wahrnehmung. Um den Blick, das Ohr für etwas. Für ein Gefühl der Präsenz. Dafür läuft man mehr oder weniger ziellos draußen herum. Man muss nichts Bestimmtes sehen, wenn man da draußen rumläuft. Man kann auch einfach nur herumlaufen und nichts sehen. Nichts wahrnehmen müssen. Eher das Gefühl, zu Gast zu sein. Nichts blinkt, nichts tönt oder tutet, nichts will unsere Aufmerksamkeit reizen, maschinell oder computergestützt. Man muss keinen Kopfhörer aufhaben, nein, man muss alles nur um einen herum geschehen lassen – und im krassesten Fall darüber staunen. Ist da ein Gezwitscher von Vögeln? Fiel da ein Baum um? Hüllt einen eine andere Gewöhnlichkeit ein? Wo bin ich? Bin ich heraus gefallen aus dem WIR? Aus der Autowirklichkeit des dauernd beschworenen „Wachstums“. der „Arbeitsplätze“ und ihrem Lohn/Gehalt? Aus der getriebenen Nervosität und ständigen Beschleunigung der „Arbeitswelt“? Bin ich (noch) ein Teil davon? Diese Fragen zu stellen, kann ich hier lernen, im Jetzt der Gegenwart. Dafür brauche ich nicht weit weg fliegen oder fahren.