Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Freitag, 10. Juli 2026
Ahnen
Die Verehrung der Ahnen: Ahnenkult. Das Gefühl des Verwurzeltseins. Ist uns völlig abhanden gekommen. Es gilt nur noch, was produziert, was ökonomisch macht und tut. Tote Vorfahren wurden einst mit Ritualen verehrt. Die Ahnenverehrung ist ein religiöser oder weltanschaulicher Glaube, bei dem verstorbene Vorfahren verehrt werden. Anhänger gehen davon aus, dass die Seelen der Verstorbenen weiterbestehen, Einfluss auf das Leben der Nachkommen nehmen und als Mittler zwischen den Menschen und höheren Mächten dienen. Damit die wandernde Seele überhaupt eine Chance hat, ihr Ziel zu erreichen, muss ein Begräbnisritual gemäß den überlieferten Regeln abgehalten werden. Das kann und konnte recht aufwendig sein: Für einen sozial hochgestellten Menschen dauerte so eine Feier schon mal eine Woche oder länger, wobei die besten 1000 Freunde und Verwandte eingeladen, untergebracht und bewirtet werden wollten. Zu der Gelegenheit werden Dutzende von Schweinen und um die zehn Büffel als Opfer und Mahl geschlachtet.
Montag, 22. Juni 2026
Planeten sterben
Es scheint immer noch gute Gründe zu geben, unseren Planeten zu ruinieren und damit das eigene Ego aufzublasen. Ob das auch eine Folge dessen ist, dass jeder seinen kleinen Bereich als Spezialist beackert, dass Expertentum und Expertise regiert, ohne dass „das Ganze“ in den Blick genommen wird? Die Betriebswirtschaft, die offiziellen Tonangeber und ihre Vertreter schwärmen und schwadronieren wild von „Wachstum“ , das gerade jetzt ohne Rücksicht auf solche Verluste (die in ihrem Verständnis ja alle Kosten sind) unbedingt erreicht werden müsse. "Grünes" Wachstum könne man sich gerade jetzt nicht leisten. Meiner Ansicht nach ist das ziemlich unreflektiert. „Die fahren das ungeniert an die Wand und wundern sich dann“, so geht es mir durch den Kopf. Erste Absetzbewegungen sind ja auch schon zugange: bestimmte Weltraum-Companies bieten Flüge für superrreiche Menschen zu anderen Planeten an. Ich vermute mal, dass das mehr werden wird. Denn: Akzeptable und einermaßen erschwingliche „Alternativkonzepte“ gibt es viel zu wenig. Wie geht das? Sollte nicht aller Erfindergeist darauf gerichtet werden? Gerade in diesem Land, dass sich seiner findigen Ingenieure brüstet, - übrigens so, wie das nahezu jedes Land tut. Die fahren das gegen die Wand und geben aus, damit den Sachzwängen gerecht zu werden. Umweltzerstörung wird gerechtfertigt, Artensterben in Kauf genommen.
Montag, 30. März 2026
Rückkehr
„Scheise, wir sollen unseren ganz eigenen Geist aufgeben und ihn gleichzeitig als etwas dem Übergeordnetem zugeordneten begreifen? Das Ego, an dem wir so lange gefeilt haben und das wir durchgesetzt haben, gegen etwas anderes austauschen? Etwas zunächst Unbestimmtem? Ob das gleichbedeutend mit dem Tod ist? Vielleicht nicht ganz, denn es könnte auch den Einstieg in eine kosmische Dimension bedeuten. Den größeren Zusammenhang kapieren. In das individuelle Hirn einbringen. Es scheint ja etwas aus der Mode gekommen zu sein, über geänderte Lebensverhältnisse und den Übergang in etwas Anderes zu spekulieren. Ob die Welt sich dann geändert haben wird? Momentan scheint scheint es erstes Anliegen, zu dem zurück zu kehren, was früher war.“
Donnerstag, 12. März 2026
Mithalten....
Ich blicke in meine Umwelt und schreibe auch das Folgende auf: „Ich beobachte, wie sie alle vor dem Älterwerden fliehen. Betreiben nahezu manisch Sport, sind dauernd am Umziehen vom verschwitzten und also unbrauchbaren Klamotten ins richtige Outfit. Ich beobachte, wie die Gesichter faltiger werden, verletzlicher auch, wie sie sich wehren und auf dieser Strecke immer mehr zum Verlierer werden. Körperliche Gebrechen kommen hinzu, machen sie schwächer, liefern sie denen aus, denen sie nie ausgeliefert sein wollten. Sie dachten stets: „Das sind die, und das sind wir“. Doch jetzt sind sie selbst die Alten, gehören zu denen, ohne dass sie gefragt wurden. Die sind vielleicht auch reich, können sich Hilfe leisten, lassen kommen und geben Anweisungen. Und doch: sie lassen nach.
Die Jungen verschwenden noch keinen Gedanken daran, leben nicht in dieser Welt. Das heißt: sie glauben nicht daran. In Silicon Valley tüfteln auch Firmen an der Idee der Unsterblichkeit, oder doch zumindest an der Lebensverlängerung. 120 Jahre oder auch 500 alt könne man locker werden, so heißt das. Wenn es denn so wäre, so wäre es wieder einmal typisch amerikanisch, dieser Idee mit technologischen Mitteln nachzugehen, so denke ich manchmal. Die sogenannten „Reichen“ könnten es sich leisten, der soziale Trash nicht. Die Idee des allgemeinen Gesundheitssystems ist hierzulande nur noch eine vage Idee, in den USA wird sie mitunter als Mischung aus Faschismus und Kommunismus bekämpft. Sie glauben immer noch an das Glück, das Verdienst der Tüchtigen. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. American Dream. Auch von daher lassen sich - beileibe nicht erschöpfend! - die Erfolge von jemand wie Donald Trump erklären. Da ist einer, der es weiß, der zu alter Größe zurück will (ob das bereits nicht schon eine Projektion ist?). Einer, der sich aus seinem Wissen zu den Armen hinabbeugen und es ihnen zeigen wird, - so in etwa der naive Glaube an solche Figuren.
Montag, 10. November 2025
Sieg über
Ob das (Über-) leben zu einer Sache des Geldbeutels oder zumindest zu einer der Machtfülle wird? Vieles scheint dafür zu sprechen: Silicon Valley forscht seit Jahren an der Verlängerung des Lebens, während im Osten rund um Putin und Xi die entsprechenden Entwicklungen im Gange sind, mehr oder weniger geheim…… Klar ist ja von vornherein, dass die Wohltat eines „ewigen Lebens“ oder einer signifikanten Verlängerung des Lebens zunächst den Wenigen in Gestalt einer kleinen, finanzstarken Minderheit unter den Menschen zugute kommen soll: Jenen, die sich selbst als „Elite“ deuten und verstehen. Dies entspricht unter anderem wohl auch der vorherrschenden Idiologie im Silicon Valley, seiner Herren und des Machtapparats in den USA. Setzen sie doch von vornherein auf eine Art der „Auserwähltheit“ unter den Menschen (altes amerikanisches Thema). Da sind solche, die es verdienen, die fähig und stark sind, und solche, die die Masse Mensch darstellen, die rechtlos, konturlos der „Elite“ zur beliebigen Verfügung steht. Etwaige Regularien, Prozeduren, Gesetze, Beeinflussungen aller Art sind da nur der Entwicklung hinderlich. Der „freie Markt“ soll regieren. Es gibt nach diesen Auffassungen halt wertvolle und wertlose Individuen (weiteres amerikanisches Thema). Es gibt auch den unumstößlichen Glauben an die Logik und an die Wissenschaft (die vor allem der „Elite“ zur Verfügung stehen und sich der Macht anpassen soll) Insofern wäre es geradezu „logisch“ dass nur auserwählte Individuen wert wären, länger oder gar ewig zu leben. Klar ist auch die Richtung, die diese „Elite“ in nächster Zukunft einschlägt: sie will sich in die Tiefen des Weltraums absetzen, neue Zivilisationen gründen und Populationen errichten, in denen das uneingeschränkte Recht des Stärkeren gilt.
Dienstag, 4. November 2025
Baumsterben
Da wird ein alter Baum gefällt, direkt vor meinem Fenster. Er tut mir leid. Einfach nur das. Ich weiß auch, dass Vernunftsgründe dafür gesprochen haben mögen. Zu riskant, er könnte umfallen. Er hat die Kanalisation bedrängt und hätte früher oder später doch gefällt werden müssen… Und doch tut er mir leid. Der Mensch will sich schützen vor der Natur. Er will sie beherrschen. Er legt sie um. Einfach, weil er glaubt, ihr überlegen zu sein. Doch es zeichnen sich Bewegungen ab, die der Mensch noch nicht beherrscht. Ob er sich nicht einfach zu früh sicher wähnt? Was ist mit Vulkanen oder Meteoriten- und Asteroideneinschlägen? Wo sind die Insekten geblieben? Ob wir einen natürlichen Zusammenhang, denn wir gerne als „Ökologie“ bezeichnen, verstehen?
Donnerstag, 31. Juli 2025
Wohin alles (bis jetzt) geht
„Arti“ meint: "So weilt Alles nur einen Augenblick und eilt dem Tode zu. Die Pflanze und das Insekt sterben am Ende des Sommers, das Thier, der Mensch, nach wenig Jahren: der Tod mäht unermüdlich. Desungeachtet aber, ja, als ob dem ganz und gar nicht so wäre, ist jederzeit Alles da und an Ort und Stelle, eben als wenn Alles unvergänglich wäre. Jederzeit grünt und blüht die Pflanze, schwirrt das Insekt, steht Thier und Mensch in unverwüstlicher Jugend da, und die schon tausend Mal genossenen Kirschen haben wir jeden Sommer wieder vor uns. Auch die Völker stehen da, als unsterbliche Individuen; wenn sie gleich bisweilen die Namen wechseln; sogar ist ihr Thun, Treiben und Leiden allezeit das selbe; wenn gleich die Geschichte stets etwas Anderes zu erzählen vorgiebt: denn diese ist wie das Kaleidoskop, welches bei jeder Wendung eine neue Konfiguration zeigt, während wir eigentlich immer das Selbe vor Augen haben. Was also dringt sich unwiderstehlicher auf, als der Gedanke, daß jenes Entstehen und Vergehen nicht das eigentliche Wesen der Dinge treffe, sondern dieses davon unberührt bleibe, also unvergänglich sei, daher denn Alles und Jedes, was daseyn will, wirklich fortwährend und ohne Ende da ist. Demgemäß sind in jedem gegebenen Zeitpunkt alle Thiergeschlechter, von der Mücke bis zum Elephanten, vollzählig beisammen. Sie haben sich bereits viel Tausend Mal erneuert und sind dabei die selben geblieben. Sie wissen nicht von Andern ihres Gleichen, die vor ihnen gelebt, oder nach ihnen leben werden: die Gattung ist es, die allezeit lebt, und, im Bewußtseyn der Unvergänglichkeit derselben und ihrer Identität mit ihr, sind die Individuen da und wohlgemuth. Der Wille zum Leben erscheint sich in endloser Gegenwart; weil diese die Form des Lebens der Gattung ist, welche daher nicht altert, sondern immer jung bleibt. Der Tod ist für sie, was der Schlaf für das Individuum, oder was für das Auge das Winken ist, an dessen Abwesenheit die Indischen Götter erkannt werden, wenn sie in Menschengestalt erscheinen. Wie durch den Eintritt der Nacht die Welt verschwindet, dabei jedoch keinen Augenblick zu seyn aufhört; eben so scheinbar vergeht Mensch und Thier durch den Tod, und eben so ungestört besteht dabei ihr wahres Wesen fort. Nun denke man sich jenen Wechsel von Tod und Geburt in unendlich schnellen Vibrationen, und man hat die beharrliche Objektivation des Willens, die bleibenden Ideen der Wesen vor sich, fest stehend, wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Dies ist die zeitliche Unsterblichkeit. In Folge derselben ist, trotz Jahrtausenden des Todes und der Verwesung, noch nichts verloren gegangen, kein Atom der Materie, noch weniger etwas von dem innern Wesen, welches als die Natur sich darstellt. Demnach können wir jeden Augenblick wohlgemuth ausrufen: "Trotz Zeit, Tod und Verwesung, sind wir noch Alle beisammen!"
(zu finden in: Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Sonntag, 18. Mai 2025
Blackstar
Ich habe heute morgen mal wieder „Blackstar“, die letzte Scheibe (jetzt uralt! Von 2016) von David Bowie gehört: von vorne bis hinten jeden Titel. Ein richtiger Fan von Bowie war ich ja nie, obwohl er aus demselben zeitlichen Umfeld kommt wie ich selbst. So richtig konnte damals kein Kritiker etwas mit diesem letzten Album anfangen. Rock scheint halt nichts zu sein für die letzten Dinge. Ich selbst habe durchaus negativ wahrgenommen, wie er als einer der Totengräber des Rock`n Roll sich selbst in einer Art Aktie an die Börse brachte und seine Anteile an ein Private Equity-Unternehmen veräußerte. Schillernder Millionär. Abgesehen von dem Pathos, das dem letzten Album inne wohnt, habe ich oft über raffinierte tontechnische Effekte gewundert, die da zu hören waren. Ein Großkünstler des Rock, der den von außerhalb unseres planetarischen Gesichtskreises kommenden Alien spielte. Ein Experimentator auch. Innovator mit typischer Stimme und Ausstrahlung. Personality. Ein Offenheitskünstler, der freilich die ihn umgebenden Künstler nach Belieben eingesetzt und wieder entlassen hat.
Dienstag, 22. April 2025
Siechen
Ich fange an, Fehler zu machen. Ich stürze nachts, falle auf die Hand und leide unter Blutergüssen, um mich an den folgenden Tagen darüber zu wundern, warum diese Hand so weh tut. Ich muss mir sagen lassen, dass ich so gut wie nichts mehr verdiene. Ich habe Angst vor dem Finanzamt und anderen Behörden. Ob ich mir irgendetwas zuschulden habe kommen lassen, ohne dass ich jetzt davon weiß? Ob ich einen wichtigen Antrag nicht gestellt habe? Nicht fristgerecht? Ich habe mir irgendwann irgendwas in den Fuß getreten, die Sohle tut ab und zu weh. Könnte schlimmer sein. Damit müsse man leben, höre ich. Ich bin schwer gestürzt, die Ärzte haben mich wieder zusammen geflickt und mir einen Herzschrittmacher verpasst. Danke! Ein Jahr später steht das Gesundheitssystem offenbar am Abgrund. Notstand. Intensivbetten. Beatmungsgeräte. Atemmasken. Corona. Wer weiß, wie ich unter solchen Umständen hätte behandelt werden können. Ob es einen Kunstfehler gegeben hat? Jedenfalls musste ich diesen Eingriff wiederholen lassen. Er war nicht gelungen.
Ja, dieses Ich fängt an, sich zu wichtig zu nehmen. Trotz aller Gelassenheit. Zu sehr, das ist mir bewusst. Ich trage das Bild meiner Eltern in mir. Weil es mir wertvoll ist. Weil es sich in mir abgebildet hat. Auf mannigfache Weise. Es ist immer zu wenig, was ich für sie tun konnte. Zu schlecht. Ich wünsche mir oft, ich könnte mehr, wäre realistischer. Es ist immer eine Reparatur, eine defensive Sache. Das Schlimmste verhindern. Muss mich für das alles oft auch beschimpfen lassen. Über allem kommt auch noch der Tod immer näher. Das heißt: ich bin älter geworden, meine Möglichkeiten werden weniger und es wird mir das alles bewusst.
Dienstag, 1. April 2025
Älter werden
Ich blicke in meine Umwelt und schreibe auch das Folgende auf: „Ich beobachte, wie sie alle vor dem Älterwerden fliehen. Betreiben nahezu manisch Sport, sind dauernd am Umziehen vom verschwitzten und also unbrauchbaren Klamotten ins richtige Outfit. Ich beobachte, wie die Gesichter faltiger werden, verletzlicher auch, wie sie sich wehren und auf dieser Strecke immer mehr zum Verlierer werden. Körperliche Gebrechen kommen hinzu, machen sie schwächer, liefern sie denen aus, denen sie nie ausgeliefert sein wollten. Sie dachten stets: „Das sind die, und das sind wir“. Doch jetzt sind sie selbst die Alten, gehören zu denen, ohne dass sie gefragt wurden. Die sind vielleicht auch reich, können sich Hilfe leisten, lassen kommen und geben Anweisungen. Und doch: sie lassen nach.
Die Jungen verschwenden noch keinen Gedanken daran, leben nicht in dieser Welt. Das heißt: sie glauben nicht daran. In Silicon Valley tüfteln auch Firmen an der Idee der Unsterblichkeit, oder doch zumindest an der Lebensverlängerung. 120 Jahre oder auch 500 alt könne man bald locker werden, so heißt das. Wenn es denn so wäre, so wäre es wieder einmal typisch amerikanisch, dieser Idee mit technologischen Mitteln nachzugehen, so denke ich manchmal. Die sogenannten „Reichen“ könnten es sich leisten, der soziale Trash nicht. Die Idee des allgemeinen Gesundheitssystems ist hierzulande nur noch eine vage Idee, in den USA wird sie mitunter als Mischung aus Faschismus und Kommunismus bekämpft. Sie glauben immer noch an das Glück, das Verdienst der Tüchtigen. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. American Dream. Einzelne, die „es“ geschafft haben. Das Aufstiegsversprechen. Auch von daher lassen sich - beileibe nicht erschöpfend! - die Erfolge von jemand wie Donald Trump erklären. Da ist einer, der es weiß, der vorgibt, der zu alter Größe zurück will (ob das bereits nicht schon eine Projektion ist?). Einer, der sich aus seinem Wissen zu den Armen hinabbeugen und es ihnen zeigen wird, - so in etwa der naive Glaube an solche Figuren.
Mittwoch, 5. Februar 2025
Weichgespülte Melancholie
Ich höre Chet Baker, aber nicht nur die melancholischen Stücke a la „My funny Valentine“, die alle so gerne hören, sondern auch die Sachen, die ihn als tollen Trompeter im schnelleren Tempo zeigen. Er musste halt mit der Zeit immer mehr das spielen, was die Leute hören wollten und tat das wegen seiner Sucht, weil es ein Teil von ihm war. Unter rätselhaften Bedingungen soll er aus dem Leben geschieden sein (fenstersturz), wobei auch seine Musik manchmal rätselhaft sein konnte. Er schmeichelte der Seele in wohligem Weltschmerz (oder?) und zeigte gleichzeitig seine Verletzungen. Charlie Parker, Gerry Mulligan….all die großen Wegmarken, sie konnten ihn nicht halten. Cool Jazz. Wirkt heute sehr cool auf mich. Hard Bop.
Samstag, 18. Januar 2025
Absolutismus
Streit um den rechten Weg! Oberste Bestimmer des Glaubens! Ich stehe relativ fassungslos den religiösen Konflikten unserer Zeit gegenüber. Dieser Absolutheitsanspruch ist schon seltsam! Man muss nicht unbedingt an die Aufklärung und Lessings „Nathan der Weise“ denken, um es relativ vernünftig zu finden, dass jeder Mensch sich nach seinen Vorstellungen ausrichten können muss und dann sein gedeihliches Auskommen mit Andersgläubigen finden könnte. Das Wichtige wäre nur, eine gemeinsame spirituelle Basis empfinden zu können und vielleicht sogar darüber kommunizieren zu können. Diese Basis könnte besagen: 1.) Es gibt etwas Größeres als den Menschen. 2.) Es gibt etwas, was jenseits der ökonomischen „Verwertbarkeit“ liegt und dem Menschen (jedem! Auch dem „Ungläubigen“!!) eine Würde gibt. Es könnte auch gut sein, dass die Gesellschaft, in die ich mehr oder weniger per Zufall hineingeboren werde, mich auch religiös weitgehend bestimmt hat. An dieser Stelle könnte es sehr förderlich sein, sich über die eigene Religion hinaus über andere Weltansichten zu informieren, sie auch ein Stück weit an mich heran zu lassen, um so feststellen zu können, dass sie aus ihrer Warte ihre „Antworten“ auf allgemeine menschliche Fragen versuchen. Kirche jedoch, als Institution der kollektiven Religionsausübung, neigt zu hierarchischen Strukturen und einer Dogmatik, die derartig in Stein gemeißelt gar nicht ist. Sie macht ein Angebot (jeweils beruhend auf „Offenbarungen“, die aber jeweils überliefert sind...), das keinesfalls absolut gilt, auch wenn sie abseits aller Menschenrechte ihre Strukturen und die (Macht-)strukturen um sie herum dies immer wieder zu suggerieren scheinen. Wir alle sind Suchende und tragen eine Ahnung in uns. Das ist das Verbindende. Das eint uns.
Dienstag, 7. Januar 2025
Wohin, ihr Alten?
Es wird über „Die Alten“ geredet. Last but not least wegen der Erhöhung der Steuern im Hinblick darauf. Es kommen dabei dabei auch einige unverblümt sozialdarwinistische Positionen zur Sprache. Mich wundert darüber hinaus, wie etwa manche junge Leute so gar keine Vorstellung „vom Alter“ haben. Als würde es sie nie und nicht betreffen. Sie fühlen sich von Vornhinein im Recht (für alles!), weil sie im ökonomischen Sinne produktiv sind und „die Gesellschaft“ es ihnen suggeriert. Sie würden „Die Alten“ am liebsten radikal wegsperren. Oder sie kontrolliert umbringen. Leider hat eine solche Denkweise schon sehr lange Zeit Auswirkungen auf unsere Politik. Das allgemeine Verhältnis zum Tod, das sich an vielen Dingen und Mechanismen illustrieren ließe, zeigt dies überdeutlich. Auch die Gesundheitspolitik, die teilweise von älteren Männern gemacht wurde, scheint mir dies zu veranschaulichen, trotz aller Pflegeversicherungen und der allzu oft gehörten und total abgegriffenen Floskeln „Wer soll das bezahlen?….wir müssen auch an die….und den…..“ denken. Die Einsparpolitik vergangener Tage scheint mir der Wegsperrpolitik unserer Tage zu entsprechen. Scheinbarer „Effizienz“ scheint mir jegliche Empathie und jegliches Bewusstsein vom Menschsein geopfert zu werden. Der durch verfehlte Gesundheitspolitik bedingte und auch jetzt immer noch herrschende Mangel an Personal und Material macht mich wütend. Ob die jetzige Lohnerhöhungen daran was ändern würden? „In den Ofen stecken“ scheint die Politik zukünftiger Tage im Umgang mit „unproduktiven“ alten Menschen. Radikale Umsetzung des Ökonomischen. Jaja, klar müssen wir an die Wirtschaft denken. Gerade jetzt. Wieder. Der Niedergang hat ja gravierende Auswirkungen: Nur, wer arbeitet, hat eine Daseinsberechtigung, so das unausgesprochene Credo. Wobei der Begriff „Arbeit“ auch neu überdacht werden müsste. Und der Begriff „Wachstum“, von dem jetzt eine ganze Gesellschaft lebt. Ob es zumindest verschiedene Begriffe von „Wachstum“ gibt? Und ob der von der Politik oft gebrauchte Begriff des „nachhaltigen Wachstums“ etwas von einer Beruhigungspille hat?
Mittwoch, 4. Dezember 2024
Wille und Vorstellung
„Die Einstellung der animalischen Funktionen ist der Schlaf, die der organischen der Tod“. Jeder Tag ist ein kleines Leben, - jedes Erwachen und Aufstehn eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend und jedes zu Bette gehen und Einschlafen ein kleiner Tod. So ist denn endlich auch das Einschlafen ein täglicher Tod und jedes Erwachen eine neue Geburt. Ja, um es ganz durchzuführen, könnte man die Unbequemlichkeit und Schwierigkeit des Aufstehens als die Geburtsschmerzen betrachten. Der Schlaf ist ein Stück Tod, welches wir vorwegnehmend borgen und dafür das durch einen Tag erschöpfte Leben wiedererahlten und erneuern“ (aufgelesen und notiert bei Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Sonntag, 3. November 2024
Schlaf
„Die Einstellung der animalischen Funktionen ist der Schlaf, die der organischen der Tod“. Jeder Tag ist ein kleines Leben, - jedes Erwachen und Aufstehn eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend und jedes zu Bette gehen und Einschlafen ein kleiner Tod. So ist denn endlich auch das Einschlafen ein täglicher Tod und jedes Erwachen eine neue Geburt. Ja, um es ganz durchzuführen, könnte man die Unbequemlichkeit und Schwierigkeit des Aufstehens als die Geburtsschmerzen betrachten. Der Schlaf ist ein Stück Tod, welches wir vorwegnehmend borgen und dafür das durch einen Tag erschöpfte Leben wiedererhahlten und erneuern“ (aufgelesen und notiert bei Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)
Samstag, 7. September 2024
Richtung Abgrund
Wir schlittern unserm Ende entgegen. Früher war es leichter, das zu verdrängen. Wir spielten am Abgrund und gelegentlich riskierte man einen Blick in den Schlund, der einen eines Tages verschlucken, vernichten würde. Man konnte sich noch einreden, das sei weit entfernt, womit man irgendwann zur Tagesordnung überging. Fließend. Gleitend. Die Ablenkungen, die täglichen Erfordernisse, das irgendwie „Dabei sein“: Man sollte (und wollte) alles geben. Es fraß einen auf. Es spülte einem andere Dinge ins Hirn, ins Bewusstsein. Jetzt ist man plötzlich an einem Punkt, der vorhersehbar war und einen jetzt trotzdem überrascht und überwältigt. Alles um einen herum wird stärker als man selbst. Man versinkt in der Zeit... Sich selbst zu suchen war für manch andere Menschen einfacher. Es ging vieles über einen drüber. Man suchte andere Menschen und fand sie nicht, weil man selbst dazu womöglich unfähig war. Klar war, dass man in eine Rolle gedrängt wurde: früher, jetzt. Man ging sogar so weit, das, diese Mechanismen studieren zu wollen. Ein bisschen kam man damit dem Erkennen näher. Ein bisschen. Wo befindet man sich damit? Bei sich, dem beschissen kleinen Subjekt, ersaufend in Selbstreflektion. Entwicklungen gehen über einen. Dick oder dünn? Klein oder Groß? Aussehen, Auftreten, Anmutung. Zu spät wurde einem klar, wie wichtig das sein kann. Sich verkaufen. Sich „rüber bringen“, das war mir zu lange fremd geblieben. Ich bin auch nicht gut damit gefahren, andere Menschen zu akzeptieren, tolerant und diskret zu sein. (Zu) Oft wurde mir das als Gleichgültigkeit ausgelegt, wie ich heute besser weiß. Man traute sich vielleicht zu viel Souveränität zu. Man glaubte, es sich leisten zu können. Trotz allem: Angst drang in einen ein, man gab ihr zu viel Raum. Sich selbst erlösen? Ist das abgehobenes Geschwätz? Ballast aus der Romantik?
Donnerstag, 1. August 2024
Paraden
Als grausigen Horror empfinde ich Militärparaden mit ihrer Gleichgerichtetheit und nach außen gerichteter Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen, für die man sich auf billigste Weise abschlachten lassen würde. Diese Dressur für den Marsch in den Tod!!! Wie mich das anekelt! Gespielter und eingebimster Optimismus. Welches menschenverachtende Weltbild da wohl dahinter stehen mag! Kollektive Hingabe an das „Vaterland“ und dann Aufgabe des Lebens! Grausame Hinrichtungen! Erschießungen. Für grinsende Machthaber. Darüber am Himmel Farben ausstoßende Flugzeuge. Machtspiele. Stolze Präsentation von Waffen. Vernichtungswaffen. Glauben Menschen, dass das eine Art Videospiel sein könnte? Der Tod ist kein Videospiel. Man sieht in den Medien geschlachtete Körper. Flugzeugbomber. Einer steht hierarchisch oben und gibt Befehle. Alle machen und tun, ohne Rücksicht auf sich selbst. Gehen auf in einer hörigen Masse! Ordnen sich ein. Geben sich Vorgaben hin.
X
x
I find military parades with their uniformity and outward subservience to the powerful, for whom one would be slaughtered in the cheapest possible way, to be a horrifying horror. This dressage for the march to death!!! How that disgusts me! Feigned and ingrained optimism. What inhumane worldview might lie behind it! Collective devotion to the “Fatherland” and then surrender! Cruel executions! Shootings. For grinning rulers. Above, planes emitting colors in the sky. Power games. Proud display of weapons. weapons of destruction. Do people think this could be some kind of video game? Death is not a video game. You see slaughtered bodies in the media. Airplane bomber. One person is at the top of the hierarchy and gives orders. Everyone does and does without regard for themselves. Join a submissive crowd! Get in line. Give yourself guidelines.
Samstag, 20. Juli 2024
Blick zurück
Was war das für eine Auszeit? Lockdown. Ein Spuk, der in Mitteleuropa und besonders in "schland" vorbei huschte. Der akademische Mittelstand fühlte sich darin ganz wohl: er war es ohnehin gewohnt, daheim am Computer zu arbeiten. Das Geld floss für ihn auch. Er ist ja meist vom Staat und seinen Akademien angestellt, jedenfalls soweit er öffentlich in Erscheinung tritt. Für alle andern war das nicht so einfach: erst Kurzarbeitergeld und Bouzuka, dann drohende Arbeitslosigkeit und Schock im großen Stil, die Depression dessen, was man als Wirtschaft bezeichnet. Man selbst nahm das als Austritt aus dem wahr, was als „Normalität“ definiert ist. Eine Zeitlang war dann auch viel von der „Neuen Normalität“ die Rede, in die der Weg uns führen würde. Jetzt scheinen sich die Ausbruchszahlen genauso beruhigt zu haben und verschwunden zu sein wie die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts. Die veröffentlichen nur noch geschwärzte Protokolle. Die Wissenschaftler schienen sich im Anschluss daran immer mehr gegenseitig zu zerfleischen, es gab Hygiene-Demos und als neue Aufmerksamkeitsattraktion durchzieht das Wort „Rassismus“ unsere Gesellschaft: der zeitweise Konsens ist dahin, ist weg, der alltägliche Streit, die nicht immer demokratisch ausgetragene Kontroverse prägt unsere Realität.
Jetzt, plötzlich, alles vergessen. Der Staat war eine Zeit lang stark, jetzt soll aber die private Wirtschaft mit ihren Wachstumsidealen das Ganze vom vermeintlichen Abgrund weg und wieder weiter vorwärts ziehen. Klima- und andere Luxusdiskussionen sind vorbei, jetzt geht‘s wieder ums Wesentliche: Die Wirtschaft, Arbeitsplätze, Facharbeitermangel, machen und tun… dem blühenden Fortschritt mit überkommen kleingeistigen Wachstumsschritten entgegen. Ob aber diese ökologischen Fragen nicht doch drängen? Ob sie einen noch ganz anderen Lockdown verursachen könnten? Ob wir auch angesichts eines Krieges zurück fallen könnten in alte Verhaltensmuster, der Barbarei, des gegenseitigen Killens, des Tribalismus….? Ob wir uns ein bisschen inspirieren lassen könnten von den alten Griechen und deren Ideal der Gelassenheit? Oder ob diese Ökofexe nicht doch etwas beitragen könnten zu einer neuen Zukunft, zu der wir noch die Kurve kriegen könnten?
Dienstag, 16. Juli 2024
Bei sich
Wir schlittern unserm Ende entgegen. Früher war es leichter, das zu verdrängen. Wir spielten am Abgrund und gelegentlich riskierte man einen Blick in den Schlund, der einen eines Tages verschlucken, vernichten würde. Man konnte sich noch einreden, das sei weit entfernt, womit man irgendwann zur Tagesordnung überging. Fließend. Gleitend. Die Ablenkungen, die täglichen Erfordernisse, das irgendwie „Dabei sein“: Man sollte (und wollte) alles geben. Es fraß einen auf. Es spülte einem andere Dinge ins Hirn, ins Bewusstsein. Jetzt ist man plötzlich an einem Punkt, der vorhersehbar war und einen jetzt trotzdem überrascht und überwältigt. Alles um einen herum wird stärker als man selbst. Man versinkt in der Zeit... Sich selbst zu suchen war für manch andere Menschen einfacher. Es ging vieles über einen drüber. Man suchte andere Menschen und fand sie nicht, weil man selbst dazu womöglich unfähig war. Klar war, dass man in eine Rolle gedrängt wurde: früher, jetzt. Man ging sogar so weit, das, diesen Mechanismen studieren zu wollen. Ein bisschen kam man damit dem Erkennen näher. Ein bisschen. Wo befindet man sich damit? Bei sich, dem beschissen kleinen Subjekt, ersaufend in Selbstreflektion. Entwicklungen gehen über einen. Dick oder dünn? Klein oder Groß? Aussehen, Auftreten, Anmutung. Zu spät wurde einem klar, wie wichtig das sein kann. Sich verkaufen. Sich „rüber bringen“, das war mir zu lange fremd geblieben. Ich bin auch nicht gut damit gefahren, andere Menschen zu akzeptieren, tolerant und diskret zu sein. (Zu) Oft wurde mir das als Gleichgültigkeit ausgelegt, wie ich heute besser weiß. Man traute sich vielleicht zu viel Souveränität zu. Man glaubte, es sich leisten zu können. Trotz allem: Angst drang in einen ein, man gab ihr zu viel Raum. Sich selbst erlösen? Ist das abgehobenes Geschwätz? Ballast aus der Romantik?
Samstag, 11. Mai 2024
Todesparade
Als grausigen Horror empfinde ich Militärparaden mit ihrer Gleichgerichtetheit und nach außen gerichteter Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen, für die man sich auf billigste Weise abschlachten lassen würde. Diese Dressur für den Marsch in den Tod!!! Wie mich das anekelt! Gespielter und eingebimster Optimismus. Welches menschenverachtende Weltbild da wohl dahinter stehen mag! Kollektive Hingabe an das „Vaterland“ und dann Aufgabe des Lebens! Grausame Hinrichtungen! Erschießungen. Für grinsende Machthaber. Darüber am Himmel Farben ausstoßende Flugzeuge. Machtspiele. Stolze Präsentation von Waffen. Vernichtungswaffen. Glauben Menschen, dass das eine Art Videospiel sein könnte? Der Tod ist kein Videospiel. Man sieht in den Medien geschlachtete Körper. Flugzeugbomber. Einer steht hierarchisch oben und gibt Befehle. Alle machen und tun, ohne Rücksicht auf sich selbst. Gehen auf in einer hörigen Masse! Ordnen sich ein. Geben sich Vorgaben hin.
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I find military parades with their uniformity and outward subservience to the powerful, for whom one would be slaughtered in the cheapest possible way, to be a horrifying horror. This dressage for the march to death!!! How that disgusts me! Feigned and ingrained optimism. What inhumane worldview might lie behind it! Collective devotion to the “Fatherland” and then surrender! Cruel executions! Shootings. For grinning rulers. Above, planes emitting colors in the sky. Power games. Proud display of weapons. weapons of destruction. Do people think this could be some kind of video game? Death is not a video game. You see slaughtered bodies in the media. Airplane bomber. One person is at the top of the hierarchy and gives orders. Everyone does and does without regard for themselves. Join a submissive crowd! Get in line. Give yourself guidelines.
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