Reise durch Wirklichkeiten

Posts mit dem Label Karriere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Karriere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 5. September 2025

Vorwärts

Es tat weh: Die Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen und großen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Das kannst du dir nicht leisten. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Von deinen „Kollegen“ dorthin beordert. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hinein dressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Derjenige, der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Ob der Begriff instrumentalisiert wird? Schon oft instrumentalisiert wurde? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter und in bestimmter Autorschaft berühmt gewordener Spruch unter Politikern, an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade jetzt, im Rahmen einer rigide steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode? Man spricht jetzt viel über „Lieferketten“)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr „der Betrieb“. Bist ein unfähiger Einzelner. „Der Betrieb“ ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. „Der Betrieb“, dass sind doch die Kaufleute, die Manager, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und wird Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein “Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können treibt viele aus dem „Wir“. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Wurdest locker abgeschoben. Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Dienstag, 2. September 2025

Immergrün?

Die ehemalige deutsche Außenministerin Baerbock steht offenbar symbolisch für die Grünen und deren Nähe zur Macht, zu Prestige und Status. Das Machtspiel gestalten, für sich zu nutzen versuchen, vorwärts kommen, Parolen und Slogans wie „feministische“ oder „wertegeleitete“ Außenpolitik entwickeln, etwas darstellen, - war das das Ding der Grünen? Man reibt sich die Augen, denn sie betreiben nicht nur Politik, sondern sie spielen genau jene Spiele, gegen die sie einst anzutreten vorgaben. Was ich unlängst gehört habe: „Der Marsch durch die Institutionen war erfolgreich! Sie hat nicht mal einen fehlerfreien Lebenslauf zustande gebracht“. Wie bei der SPD scheint kein Mensch mehr zu wissen, für was die Grünen/Bündniss 90 jetzt in der Opposition überhaupt stehen. Okay, irgendwas mit Klimawandel. Was genau? Das wissen wir nicht… Die scheidende Außenministerin hatte sich Anfang Juni überraschend den prestigeträchtigen Posten als Präsidentin der UN-Generalversammlung in New York gesichert – ein Amt, das ursprünglich für die erfahrene Top-Diplomatin Helga Schmid vorgesehen war….. eine international geschätzte Außenpolitik-Expertin mit jahrzehntelanger Erfahrung im Auswärtigen Amt. Ihre geplante Nominierung wurde offenbar kurzfristig von Baerbocks Kandidatur überrollt.

Donnerstag, 14. August 2025

Vorwärts kommen

Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du als Selbständiger nicht krank werden. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Für ein späteres Funktionieren? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch ein- und abgeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hineindressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat? Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Ein beliebter Spruch unter Politikern an „die Leute“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält, gerade im Rahmen an einer steigenden Wachstumsorientierung. (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...bzw. Nicht mehr so in Mode)? Dann bist du als Selbständiger plötzlich nicht mehr der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Die ganze Vertriebsgebiete kaufen und verkaufen. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist, so scheint es in deren Logik. Sie müsssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, über die sie dann gemeinsam geradezu zwanghaft lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein „Kollege“ hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeit zelebriert. Auch wenn offiziell ein !“Arbeitnehmermarkt“ herrscht. Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo warst du hingekommen? Hattest dich längst verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musstest dankbar dafür sein. Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament, eine andere Tatkraft. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Mittwoch, 23. Juli 2025

Geschlechterrollen

Ich registriere, wie immer mehr „hübsche“ und „gutaussehende“ Frauen den öffentlichen Raum bevölkern. „Hübsch“ heißt hier: den männlichen Erwartungen und Bedürfnissen entsprechend. Ein Schelm, wer da Böses dabei denkt! Wer diese Frauen wohl ausgewählt hat? Gerade unter den im TV dauernd auftretenden Journalistinnen scheinen sich dermaßen viele Figuren desselben Typs zu bewegen, wobei man sich fragt: gibt es wirklich so viele davon? Sind das Fakes? Avatare? Ob sie gerade in ihren Merkmalen austauschbar sind? Für wen? Es scheint eine Art sozialer Stanze zu geben, in der sich die Einigkeit darüber verkörpert, was denn offensive Schönheit sei. Gewisse Firmen nutzen solches, last but not least in der Werbung. Es nähert sich scheinbar eine selektive Auswahl immer mehr der, des dem andern Geschlecht wohlgefälligen Frauchens an, das im rechten Augenblick auch schon mal – darf man das sagen? - die Beine breit macht. Dabei gleichen sich die Auswahlkriterien gerade solcher Frauen der jeweiligen sozialen Klasse entsprechend: Im avancierten Milieu ist die Frau mit der eigenen Meinung gefragt, die über „Durchsetzungskraft“ und „Führungsqualitäten“ verfügt. Gleichwohl registriert mann auch auf dieser Ebene immer mehr das angepasste „Püppchen“, das sich nach oben geschlafen hat. Seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten scheinen austauschbar und in dieser Weise unter anderem auch optimal an die digitale Welt der AI (KI) angepasst. Es sind dies oft auch Frauen, die sich und ihre Fertigkeiten „gegen gutes Geld“ verkaufen können, wogegen in einer Marktwirtschaft sowieso nichts gesagt werden darf.

Freitag, 17. Januar 2025

Ärztliche Fluchtpflicht

Es steht durchaus schon lange im Raum, dass sich Schulmedizin und ganzheitliche Medizin begegnen könnten, um gegenseitig voneinander zu profitieren. Man ist dann regelrecht erschreckt, wie wenig dies tatsächlich der Fall ist und wie sehr die jeweiligen Seiten eine Art grundsätzlich-idiologischer Frage daraus machen. Wie sehr Ignoranz und Arroganz das Feld beherrschen!!! Ob das am Studium oder Ausbildung liegt? Um den Patienten scheint es nur insofern zu gehen, als dass jede Seite Recht behalten will. Peinlich, sowas! Nur möglich, weil Ärzte immer noch einen Status als „Halbgötter in Weiß“ haben und ein Großteil von ihnen aus Deutschland in die Schweiz oder nach Österreich abgewandert ist, weil dort die Bedingungen sehr viel besser scheinen (ob dies „die Politik“ samt ihren Krankenkassen-Adlati ändern sollte?) Wie ist das möglich? Sind Ärzte Raffkes, die nur das Geld interessiert? Sie seien zum wirtschaftlichen Handeln aufgefordert, so heißt es. Ob sie dies tun, wenn sie in die Schweiz oder nach Österreich übersiedeln?

Freitag, 21. Juni 2024

Up up and Away

Man wacht morgens auf und es wird einem sofort die Ausweglosigkeit der Situation bewusst. Man geht Zeitungen und Schriften/Bücher durch, man lässt sich kreisen, Musik hellt einen auf und beschäftigt einen. Du entdeckst, dass du nicht mehr displayfähig bist, weil du dir ein solches Auto nicht leisten kannst. Du bist falsch abgebogen, du bist auf ein Nebengleis gefahren. Molvaers schwermütige Schlieren begleiten dich dabei. Du kommst aus bestem Hause und hast nichts draus gemacht. Alle Voraussetzungen gehabt. Jeder Tag führt jetzt hinein in ein „Sich-hinein-trülen“, in ein Nichtstun, in eine Passivität und etwas wie eine Klage darüber…..In ein teures Nachdenken über sich selbst…

Samstag, 7. Oktober 2023

Karriere und Erfolg

Wenn ich zurück blicke, dann war das Wohlstands- und Erfolgsversprechen dieser Gesellschaft schon früh gebrochen. Es lautete ja immer: wenn du genügend in die Bildung investierst, dann wirst du voran kommen und dann wird es dir gut gehen. Hinzu kam ein typisch amerikanisches Versprechen, das da lautet: wenn du etwas nur stark willst, dann kannst du es auch erreichen. Doch plötzlich war das Modell eines öffentlich vorgeführten Vorankommens das eines Erfolgs, der aber nicht nachvollziehbar ist und nichts mit Leistung zu tun hat. Diese Zwangsläufigkeit, dieser Zusammenhang war eines Tages nicht mehr garantiert. Gleichzeitig war das Leistungsversprechen sozial gesehen noch sehr sehr wirkmächtig. „Wenn du nur genügend tust, dann schaffst du es auch“ war und ist ja das überall vorgetragene Mantra, das gerade in amerikanisch geprägten Gesellschaften ständig vorgetragen wird. In unserer Gesellschaft heißt das real: Leistung und Erfolg sind nicht mehr aneinander gebunden, aber das prägende Mantra ist noch intakt. Viele Menschen haben davon einen biografischen Bruch davon getragen. Sie haben gerade in diesem Aufstiegs- und Erfolgsversprechen eine schwere Kränkung erfahren, indem sie gemerkt haben: Dies Versprechen gilt vielleicht für manche, aber für mich hat es nicht gegolten. Ich bin davon enttäuscht worden. Dies trifft besonders auch auf Menschen zu, die auf normative Grundvorstellungen geeicht sind, wie Hedonismus, Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung. Das können Leute aus der gehobenen sozialen Schicht sein, aber auch unteren sozialen Schichten. Was sie einte, war die Grundorientierung an einem selbst gestalteten Leben, an dem daran hängenden Wert. Biografisch kann das inzwischen in Frage gestellt sein, zb. durch Arbeitsplatzverlust, Invalidität, was oft genug eine ökonomische Prekarität zur Folge hat. Das alles stellt das Selbstbild massiv in Frage. x When I look back, this society's promise of prosperity and success was broken early on. It was always: if you invest enough in education, then you will make progress and then you will be fine. There was also a typically American promise that said: if you really want something, you can achieve it. But suddenly the model of a publicly demonstrated progress was that of a success that is incomprehensible and has nothing to do with performance. One day this inevitability, this connection was no longer guaranteed. At the same time, the value proposition was still very powerful from a social point of view. "If you only do enough, then you can do it too" was and is the mantra that is constantly being recited, especially in American-style societies. In our society, this means that performance and success are no longer linked, but the formative mantra is still intact. Many people suffered a biographical break from it. They suffered a serious insult in this promise of advancement and success when they realized: This promise may apply to some, but it didn't apply to me. I've been disappointed in that. This applies in particular to people who are calibrated to basic normative ideas such as hedonism, self-determination, self-realization. These can be people from the upper social class, but also from lower social classes. What they had in common was the basic orientation towards a self-designed life, towards the value attached to it. Biographically, this can now be questioned, e.g. through job loss, invalidity, which often results in economic precariousness. All of this puts the self-image in question.

Sonntag, 14. August 2022

Spezialisten

Wem gelingt es, das Muster, den Algorithmus dahinter zu erkennen?: Seit vielen Jahren scheint diese Gesellschaft zunehmend das Spezialwissen zu befördern, ein Spezialistentum der Idioten, die sich willfährig als Rädchen einreihen in das Räderwerk der Wirtschaft und keine Vorstellung vom "Ganzen" haben. Die lenkbar sind, weil sie von alledem außerhalb ihres Jobs nichts verstehen. Die unfähig sind, den Blick zu heben in Richtung auf das, was außerhalb ihres eigenen Blickwinkels sein könnte. Demgegenüber stehen diejenigen, die nach einem Überblick suchen, die das Ganze im Sinne haben und darüber nachdenkend Erkenntnisse absondern. Es werden aber ganz gegenüber beispielsweise Wissenschaftlern diejenigen prominent und angebetet, die schnell fahren, laufen, unterwegs sind, die sich schnell einstellen können auf wechselnde Bedingungen und sich immer wieder selbst optimieren….. die etwas unternehmend neue „innovative“ Wege zu beschreiten versuchen oder die eingefahrenen Gleise in ihrem Sinne nutzen ("nicht zu viel, nicht zu wenig"). Sie machen Karriere, verdienen viel Geld und werden „prominent“. Stehen auf der Bühne des Lebens ganz vorne. Es gilt für sie, schneller und besser zu sein als die andern. Ein Sieger. „Selbstoptimiertes Ego“. "Wettbewerb“ heißt das Zauberwort. Populäres im populären Sinne nutzen. Verkäufe. Es können und beherrschen, egal was. Dabei gewinnend lächeln und einladend zum Konsum verführen. Performance. Authentizität ausstrahlen. Verkaufe….. Und was ist mit der Suche nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen?

Dienstag, 26. Juli 2022

Vorne dran

Manche waren stets vorne. Gaben die Leithammel, die anderen sagten, was Sache ist. Die wussten, worum es ging. Die nicht warteten, sondern etwas taten. Ein blödes Gefühl überkam uns da. Wir sahen sogar auf sie herab. Die Überangepassten waren uns suspekt. Diejenigen, die in der Schule und „im Leben“ überall Einser hatten. Die weit vorne waren. Die Musterschüler. Die Stipendienerhalter. Als „Primus“ bewährt. Die „Durchsetzungsfähigen“. Die „Karrierebewussten“. Die überall vorne dran waren. Die unbedingt Medizin studieren wollten. Die als „große Begabungen“ galten. Die „Schlauen“. Dahinter vermuteten wir die falschen Gründe. Wohl auch zu recht. Die schienen dem System allzu willfährig zu sein. Zu anpassungsfähig. Aus unserer Perspektive. Wir wollten da nicht mithalten. Denn wir glaubten uns im Recht. Pointe: Später schnitten sie uns eine lange Nase, die Karrieristen. Sie hatten alles richtig gemacht. Wir nicht. Sie hatten ihre Karriere gemacht. Wir hatten unseren Niedergang zelebrieren müssen. Sie waren beispielsweise auf dem Ticket einer Partei voran gekommen und, waren in die entscheidenden Gremien eingerückt. Wir hingegen hatten uns mit nichts identifizieren wollen und können. Wir beobachteten, versuchten, zu analysieren und hielten uns im Übrigen Optionen offen. Dass das ein Luxus war, erkannten wir zu spät. Der Ehrgeiz fehlte uns. Der Wille, voran zu kommen und "etwas aus sich zu machen". Den Preis hatten wir später zu bezahlen. Das „Gestalten wollen“ (was eine andere Formulierung für „Macht ausüben“ ist) übte auf uns keine Anziehungskraft aus. Wir machten uns keine Illusionen. Also sackten wir ab. Schnell, intelligent und offen zu sein lehnten wir als Vorzeigeeigenschaften ab. Das war man auf eine eher selbstverständliche Art. Understatement: Nicht aufdringlich sein. Die Gesellschaft hat sich freilich so weiter entwickelt, dass sie das nicht honoriert, sondern negativ sanktioniert, dass sie das abstraft. Es scheint nämlich darauf anzukommen, etwas zu zeigen, vorzutäuschen, was nicht unbedingt da sein muss. Es gilt die Verkaufe, nie der Inhalt. Blender werden belohnt. Phrasen abspulen können, das wäre es. Überzeugungen zu haben, ist dagegen nicht sehr beliebt. Es gilt vielmehr, „die richtigen“ Überzeugungen zu haben.

Montag, 23. August 2021

Die "Tüchtigen" revisited

Wir fragten uns, wieso die und nicht ich? Natürlich war da immer schon ein bisschen Neid dabei. Die kassierten die Einser, waren in allem die Besten und oberfleißig. Wir dagegen hatten Mühe, die Mindestanforderungen zu schaffen und kriegten meist erst im letzten Moment die Kurve. Eigentlich verachteten wir diese Leute, der Zeitgeist schien damals auch etwas Anderes vom Menschen zu verlangen. Individualisierung war angesagt, suchen, sich vergeuden an allerlei Aktivitäten, sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der Vieles für Viele möglich sein würde. Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber da waren diese unbedingt leistungsbereiten Geister: die mussten anscheinend unbedingt sein, waren uns selbst aber mindestens unangenehm. Wir nahmen sie nicht so richtig ernst. Sie strebten, wir ließen uns treiben. Aus heutiger Sicht jedoch scheint sich vieles geändert zu haben. Talent vorzeigen, besser sein als andere, das Besondere an sich schon früh umsetzen in Richtung auf vorzeigbaren Erfolg, sich "optimieren". Eine große Zeitung schrieb über eine für jeden sichtbare Erfolgsdame: Heute sei schnell klar, dass sie damals „schnell, intelligent, verblüffend offen und unverschämt widersprüchlich“ sei. Sie sei aber schon als Baby „sozialbegabt und süß“ gewesen, mit „pumuckelhaft großen Ohren“ und großer Nase. Später dann: „Einserschülerin, immer und überall Klassenbeste, Studienstiftung des deutschen Volkes, University in England, drei Kinder und Doktor der Chemie in Göttingen, magna cum laude, CDU-Anhängerin. Gründung eines Unternehmens auf der Basis eines Patents usw. Wir erblassen...... Elite würde man so etwas heute nennen, Schwaben sagen dazu „a Käpsele“. Ich hatte nie eine positive Einstellung zu solchen Leuten, weil ich immer auch eine voll entwickelte Rücksichtslosigkeit und optimale Anpassung an die vorgegebenen Verhältnisse im fast Darwin'schen Sinne hinter ihrem Erfolg vermutete, was mir stets zuwider war und noch ist. Jedenfalls würde heute so jemand, mit dem ich damals im Wettbewerb stand, möglicherweise gut honoriert in zahlreichen Aufsichtsräten sitzen. Man hätte sich ein bisschen profiliert und nach vorne gebracht, aber nicht so, dass es die Karriere vor lauter zur Schau getragenenem Ehrgeiz verdorben hätte. Man hätte seine Schlagfertigkeit gegen Konkurrenten genutzt und wäre „wichtig“ geworden. Man hätte sich als „Marke“ eingeprägt. Man hätte ein Netz von Beziehungen geknüpft ("Networking"), die einem später, nach diversen Eskapaden zur Schärfung des eigenen Profils, sehr zustatten gekommen wären. Man hätte zuvor ja ohnehin ein rennomiertes Privatgymnasium besucht und wäre Anwalt geworden. Man wäre das geworden, was die Talkshows gerne als „Persönlichkeit“ vorzeigen und Erfolgsmodell propagieren. Suspekt waren mir diese oberangepassten und ach so tüchtigen Personen jedoch allzumal, auch heute noch kotze ich ihre oberschlauen Kommentare ab......

Montag, 9. August 2021

Aus dem Elfenbeinturm

Die großprofessorale Geste, die rhetorikgeschulte Arroganz, die elegant geführte Finte, die sofort zum Gegenangriff übergeht und dadurch Überlegenheit ausstrahlt: das alles gefiel uns an manchen dieser Universitätsprofessoren auch nicht. Man kann diese Haltung beinahe täglich im Fernsehen bestaunen, wo Leute mit Professorentitel ihre Weisheiten verkünden oder bei Talkshows Rede und Antwort stehen. Die klare und deutliche Pointe, dies oft recht abgehoben wirkende und aus dem Elfenbeinturm der Besserwisser tönende „auf den Punkt kommen“, das ist es, was die Medien unbedingt wollen. Im universitären Alltag des Elfenbeinturms führen sich solche akademisch geadelten Figuren auch noch gerne als offiziell eingesetzte Entscheider über Leben und Tod auf, indem sie Noten verteilen, Zeugnisse ablassen und ein geldwertes Wohlwollen verteilen. Geradezu peinlich fanden wir auch, wenn sich solch professorale Expertise auch noch in eine vom Steuerzahler ordentlich vergoldete und von wissenschaftlich geerdeten Politikern lässig herbei geführte Beratertätigkeit überführen ließ. Andererseits lehrt gerade das akademische Leben die Auseinandersetzung mit solchen Positionen, die einem selbst als fremdartig vorkommen mögen. Ständiger Disput. Permanente Diskussion. Nur der Widerspruch zu der eigenen Position führt zur Weiterentwicklung und Schärfung der eigenen Meinung, in die man sich möglichst nicht allzu sich persönlich damit identifizierend verkriechen sollte. „Nicht persönlich nehmen“, das lernt man an der Uni. Dass dies vor allem Theorie ist, die in der Praxis allzu oft jovial übergangen wird, mag beklagt werden. Trotzdem ist die direkte Auseinandersetzung und der Austausch von Argumenten eine sehr fruchtbare Methode des Erkenntnisgewinns. Dass dieser Austausch nicht immer in Freiheit stattfindet, sondern in Abhängigkeiten verstrickt ist, erzeugt Wut und persönlichen Widerspruch.