Reise durch Wirklichkeiten

Dienstag, 31. März 2015

Posing and Shooting

Stillschweigend unbeachtet ist in Mode gekommen, was unter dem Begriff „Fotoshooting“ firmiert. Nach eigener Einschätzung und nach Abgleich mit den veröffentlichten Vorbildern gut aussehende und finanziell blendend ausgestattete Personen lassen sich von aus dem Internet kommenden Fotografen in allerlei derjenigen Posen ablichten, die nicht nur in bekannten Modemagazinen das Auge erfreuen sollten, sondern die auch die "zeitgemäßen" Sichtweisen geprägt haben. Fehler sind verpönt, es gilt das Bild, die äußerliche Sichtweise, die Erscheinung, die Verpackung. Ob Posen „natürlich“ oder eher gestellt ausfallen sollen, hängt von den Wünschen dieser Personen ab, die sich selbst unbedingt stilisieren wollen und dafür bereit sind, eine Menge Geld zu bezahlen. Die Menge an günstig verfügbaren (vor allem unbezahlten, lizenzfreien) Fotos ist ja ungeheuerlich gestiegen, die sogenannte „Visualisierung“ diktiert unerbittlich die Bedingungen, unter denen sich der Text mittlerweile noch als Beiwerk präsentieren darf. Diese Welt erscheint getrieben von Emotion, so wie es das englischsprachig globalisierte Motto eines TV-Senders verspricht. Diskurs ist außer Mode gekommen. Auf diesen Trend springen vor allem Fotografen auf, die sich heutzutage das handwerkliche Werkzeug für ein paar Euro mehr besorgen können und mit einem Bildbearbeitungsprogramm nach Herzenslust, färben, verschwinden lassen, verengen und verjüngen, retouchieren, schärfen und nach allen Richtungen manipulieren, so, wie das die „Profis“ schon vor zehn Jahren vorgemacht haben. Eher selten kommen solche "Fotografen" aus dem per Diplom und abgelegter traditioneller Prüfung legitimierten Milieu. Die originelle Sichtweise ist weitgehend verpönt, es gilt die vorgeformte und vorgegebene Schablone, das längst und medienwirksam vorgegebene "Bild", das es handwerklich möglichst versiert zu reproduzieren gilt.
Interessant ist ja die Gesinnung, die dahinter steht. Es gilt, auf das Parkett jener von den Medien so hervorgelobten Kunstwelt zu kommen, auf dem sich Filme, die Mode- und die Modelwelt samt ihrer „Stars“ und „Super-Megastars“ so gerne bewegen. Fotos, Clips, Film und vieles Visuelle: ein Wust,der da auf die Wahrnehmung des "Konsumenten" einprasselt. Es gilt, was als chic gilt. Jeder will konkurrenzfähig werden, dabei sein bei dieser Inszenierung, die ein Ego oder eine oft kitschig romantisierte Zweierkonstellation meist nach äußerlichen Kriterien in den Vordergrund stellt. Dabei kann bei avancierteren Geistern das „Eigene“ eine gewisse Rolle spielen, solange es „richtig“ inszeniert erscheint und mit einer vermeintlichen "Aura" ausgestattet ist. Man will mit den „Stars“ mithalten können, sich auf derselben Ebene bewegen, sich narzisstisch inszenieren. Das Ego, das Spezielle und Charakteristische soll unter Verwendung aller Klischees herausgearbeitet werden, es soll hervortreten und herauspräpariert werden mit allen technischen Hilfsmitteln, die heute zur Verfügung stehen. Dazu werden nicht nur spezielle Posen, sondern auch spezielle „Locations“ in Anspruch genommen, die gelegentlich auch eine Ära des Geheimnisvollen umfangen. Die Qualität eines Fotografen soll demnach bestimmen, inwiefern er in der Lage ist, eine solche Kunstwelt zu inszenieren und die bezahlenden Personen darin zu positionieren. Was gilt, ist die mögliche Gleichstellung mit der Medienwelt, mit ihren nach allen Regeln des Kunsthandwerks manipulierten Bildern. Was gilt, ist die möglichst „glaubhafte“ fiktive Teilhabe an der Mode- und Werbewelt. 

Montag, 30. März 2015

Falsche Gesinnung

Oh weh! Immer mehr spricht sich herum und wird verbreitet, dass der Freiburger Philosophengott Martin Heidegger womöglich ein schlimmer Nazi war. Ein brillanter Denker, aber halt mit der Gesinnung, da war's offenbar nicht so: Antisemitismus und die ganze Palette der aufgeblasen widerlichen Idiologien. Rassismus und so...Die großen Vordenker der Gegenwart winden sich, finden allerlei skurrile Verteidigungen, allein, es nutzt nix: der Mann mit dem Oberlippen-Bärtchen scheint ein Nazi gewesen zu sein. Und jetzt soll auch noch sein ehemaliger Lehrstuhl an der Freiburger Universität von Kleingeistern in eine Juniorprofessur umgewandelt werden. Ja gilt denn „Sein und Zeit“ gar nichts mehr? Alles zu seiner Zeit! Phänomenologisch war er ja wohl ein Genie. Dass er auch ein Kleinbürger war, dass seine Thesen falsch interpretiert, dass er schlichtweg schuld war und am Ende noch sein eigenes Werk umgeschrieben hat? Politische Täuschung? Fälschung, - oder darf jemand lernen dürfen? Möglicherweise gab es das öfters in der Geistesgeschichte, dass einzelne Dichter und Denker brillant waren, aber leider nicht die richtige Gesinnung vertraten. Ezra Pound, Ernst Jünger...usw. Was mit denen anfangen? Exkommunizieren? Degradieren? Sie waren und sie sind in ihrem Werk da.

Sonntag, 29. März 2015

Erweiterter Selbstmord

Oder ist das schon wieder vorbei? Jetzt sind die Medien, einschließlich der sozialen und unsozialen, voll von Wörtern und Bildern dazu. Sie haben ihren Aufreger. Ihre Sensation. Unsere Sensation. Wut und Schaum vor dem Mund. Wer? Wir. Ihr. Sie. Angela Merkel trifft per Helicopter Francois Hollande und den bärbeisigen Mariano Rajoy, um ihr Beileid auszusprechen. Gauck indessen gibt sich tief betroffen und kehrt sofort von einem Staatsbesuch in Peru zurück. Kondolenzbücher und Hotlines. Sogenannte „Experten“ schreiben und reden sich über den sogenannten „erweiterten Suizid“ fast zu Tode..., - wo sie überall so plötzlich herkommen?.... Es fallen natürlich auch Begriffe wie „fassungslos“ usw. …. solche Unglücke sind jedoch für die Psychoexperten zu vermeidende Betriebsunfälle und meist sind ihrer Meinung nach endogene Depressionen schuld (all dieses irrationale Zeugs...). Destruktive Impulse. “Rein – rauf – runter“ hieß einmal die Werbebotschaft einer Automobilmarke. Nach diesem Motto wollen sie offenbar den Willen zum Tod reparieren. Zusätzliche Tests und Kontrollen einführen.In Zukunft unterbinden. Rechtzeitig behandeln und alles in Ordnung (seine Funktion) bringen – fertig! Dass diesmal 149 andere unschuldige Personen mit in den Tod gehen mussten, dass die Technik dies überhaupt ermöglicht hat, scheint ihnen allzu oft ein lästiger Betriebsunfall zu sein. Folge der modernen Lebensverhältnisse. Hätte aber nicht sein müssen. Ist unüblich. Kommt normalerweise nicht vor. Hat etwas nicht funktioniert. Dabei sagt der ganze Vorgang vielleicht auch etwas über das gesellschaftliche Klima aus, über die allgemeine Achtung vor dem Tod und der Existenz anderer. Über den Willen, aus der Masse heraus zu treten und ein "Star" zu werden. Über den Zwang zur „Optimierung“ aller Lebensbereiche. Über das Lebensziel, unter allen Umständen Karriere zu machen. Wir treten in Demut und Respekt einen Schritt zurück und beteiligen uns nicht an der allgemein grassierenden hastigen Sensationshascherei. Wir versuchen es. Da ist viel Tragik. Schweigen. Trauer.

Samstag, 28. März 2015

Big Brother is watching you

Ich bin mit dem Auto an einer Überwachungskamera vorbeigefahren, da ging es mir unwillkürlich durch den Kopf: Habe ich die richtigen Klamotten an? Falle ich auf?.... Ich bin dann geistig einen Schritt zurückgetreten und habe mir gesagt "Es beginnt schon.... Du hast dich zu viel damit beschäftigt. Jetzt ist es sogar vorzeitig in dich eingesickert": Jede Abweichung von der Norm wird in Zukunft als Verdachtsfall gewertet, die internalisierte soziale Kontrolle wird die äußere flankierend ergänzen. Daten werden aggregiert, kumuliert, abgeglichen - Journalisten werden wie selbstverständlich zur Legitimation dieses Gesamtablaufs, also des Systems, in den Medien beitragen. Profivermittler. 

Das Gesamte wird uns leicht im Ungewissen darüber lassen, was „erlaubt ist“. So bleibt eine fortwährende Ungewissheit, die zur dauernden Verunsicherung und einer sozialen Kontrolle  beiträgt.  „Big Data“ schleicht heran: Vergünstigungen der Versicherungen werden diejenigen bezahlen müssen, die dem vorgegebenen Ziel nicht entsprechen.  „Ego – Spiel des Lebens“ hieß und heißt die Veröffentlichung des Journalisten Frank  Schirrmacher zu „Big Data“. Der Mann saß damals in vielen Talkshows herum. Wer hat schon gedacht, dass er bald sterben würde? Den hat das Thema sehr gekümmert und bekümmert… ein Vorherseher und moderner Prophet ohne Weihen. Jede Abweichung wird einen Konformitätsdruck erzeugen, jedes Anderssein wird verdächtig sein und eines Tages bestraft werden, - es wird mit Sanktionen belegt, die auch finanzieller Natur sein können. Da jeglicher Geldverdienst außerhalb selbstdefinierter „Eliten“ knapp sein wird und das ganze möglichst rational rationell funktionieren wird, mag dies ein mächtiges Instrument sein. Noch mächtiger als heute.

So ging’s mir durch den Kopf und ich hätte darüber beinahe die Ampel verpasst. 

Freitag, 27. März 2015

Ein paar Paradoxa

Alles ist relativ“, ob dieser Satz einen Widerspruch in sich selbst birgt? Immerhin ist ja der Begriff „Alles“ absolut und die gesamte Aussage auch. Oder die Behauptung, dass sich Paralellen angeblich im Unendlichen schneiden sollen. Undenkbar, aber die Voraussetzung der Geometrie (ein „Axiom“). Auch nicht schlecht ist das sogenannte Lügner-Paradox des Eubulides: „Dieser Satz ist falsch“. (Eine solche Aussage ist wahr, wenn sie falsch ist und falsch, wenn sie wahr ist.) Beliebt ist immer noch (und nicht nur unter Pysikern, Astrophysikern und ähnlichen Schlaumeiern) die Frage nach der Endlichkeit beziehungsweise der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Ein unendliches Universum scheint dem gesunden Menschenverstand ebenso zu widersprechen wie beispielsweise ein endliches - „Alles muss doch zu irgendeinem Zeitpunkt angefangen haben.“ - „Aber was war dann davor?“. Noch hat die Wissenschaft nicht mal ansatzweise eine Antwort gefunden. Eine halbwegs gültige. Eine, die sich bewährt. Aber weiter. Das „Lügner-Paradoxon: „Ich lüge gerade“. Ob's falsch oder wahr ist? Was? Die Behauptung! Viel zitiert wird das „Henne-Ei-Problem“: „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“. Hm. Auf vielen Wissengebieten scheint das eine nicht auflösbare Frage zu sein. Ein klassisches Beispiel des Allmachtsparadoxons ist: „Kann ein allmächtiges Wesen einen so schweren Stein erschaffen, dass es ihn selbst nicht hochheben kann?“. In dieselbe Kategorie fällt  „Was geschieht, wenn eine unaufhaltsame Kraft auf ein unbewegliches Objekt trifft?“. Ob Paradoxien unvermeidbar sind? Ob sie eine eigene Schönheit ausstrahlen und uns Demut lehren? Ob sie uns zu denken geben und am Ende gar zu Grenzen des Denkens deuten? Ob dsie das Vertrauen in das Denken dann doch etwas erschüttern? Ob sie etwas mit der romantischen „Unio mystica“, also dem Zusammenfall der Gegensätze in der Romantik zu tun hat? Ob dies etwas mit Hegel'scher Dialektik zu tun hat? Wir dürfen das alles in uns „hineinträufeln“ lassen.

Dienstag, 24. März 2015

Autofahren

Es pflügen links und rechts die fetten deutschen Limousinen vorbei, die teuren Exportweltmeister in der Luxusversion und es geht ziemlich agressiv von ihnen eine einzige Mentalität aus: Hoppla, jetzt komm‘ ich! Alles beiseite, ich bin Premium und habe auch ein Premium-Anliegen“. Alle anderen sind Mist. Beiseite! Wieso glauben die Raser, die Straße für sich gepachtet zu haben? Wieso geht auf diesem Forum, auf dieser Plattform das „Sich-Durchsetzen“ als Competition, Kräftemessen und Verdrängen weiter? Ob die das alles verinnerlicht haben? Den Wettbewerb, den Markt, das Recht des Stärkeren? „Die „Langsamen“ machen diese Leute wahnsinnig. Die Raser haben die dauernde Beschleunigung (aller Lebensverhältnisse) ungesund internalisiert und so in sich übernommen, als wär's ein Teil von ihnen…. das Wegscheuchen die eigene Geschwindigkeit ist der Maßstab für alle andern, hat es gefälligst zu sein... Mein Ego steht unter Leistungsdruck. Ich muss um x Uhr da sein, einen Auftrag abschließen, ich habe den auf das Ziel gerichteten Tunnelblick....usw. Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das sich Messen, die Marktwirtschaft in den Köpfen....., da ist nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen…..wer kann am meisten zahlen? Wer ist am "schwersten"? Top Dogs rasen vorbei, sie streben alle ein Scheinziel an, das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… um zurück ins Getriebe zu streben. Sie treiben ihre Allrads vorbei, mit denen sie zeigen, dass sie mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können und sich zu den Besseren zählen, aufgemotzt, aber dezent: Überlegenheit dauernd und irgendwie anzuzeigen ist ein schwieriges Geschäft, das Stress macht…. 

Montag, 23. März 2015

Marylin

Dies hier habe ich wieder mal auf einem alten Zettel gefunden, der mein früheres Sein markiert hat (ich habe sie aufgehoben). Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe.

Wer oder was war Marylin Monroe? Die Summe aus Mythos und ihrem kleinen Ich. Wenn sie in einem bestimmten Hotelzimmer saß, einsam und getröstet von einem Gigolo, musste sie den Verlust aushalten, nur noch ein Ich zu sein. Die Subtraktion des Mythos tat weh, er war einfach nicht herein zu nehmen in ihre Alltäglichkeit. Er trat immer nur in der Öffentlichkeit hinzu. Darin war sie das Sex-Symbol, die Verkörperung des Traums von Millionen von Männern, sie war der Körper, der die Rolle diktierte, die sie uns zu spielen hatte, - in der Welt und im Film. Sie suchte die Rehabilitierung ihres Geistes, ihres Kopfes an der Seite von Intellektuellen. Sie reagierte normal, d.h. wie ein empfindsamer Mensch und schluckte Tabletten... 

Samstag, 21. März 2015

Zimmerreise

Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts unternahm der Franzose Xavier de Maistre eine Reise um sein Schlafzimmer, die er „Reise um mein Zimmer“ nannte. Danach machte er noch eine zweite Reise, die nachts bis zur Fensterluke führte. Er nannte sie „Nächtliche Expedition um mein Zimmer“ und brachte sie als Buch heraus. De Maistre war empfindsam und romantisch und begeisterte sich für die Luftfahrt. Ein normaler Mann, - damals. Es war wohl kaum seine Absicht, sich abfällig über Magellan, Sir Francis Drake oder Captain Cook zu äußern. Es war halt so, dass er eine Art des Reisens gefunden hatte, die viel praktischer war für alle, die nicht so wohlhabend waren wie jene berühmten Reisenden. Es sollte weder Mühe noch Geld kosten. Und gleich geht es ab, er erzählt von den Wonnen der Betrachtung seines Bettes, er sinniert darüber und legt so eine Spur, die uns zu der Erkenntnis führen könnte, dass das Reisen mehr von einer bestimmten Geisteshaltung abhängen könnte, als vom Reiseziel selbst.
Doch was macht eine solche Geisteshaltung aus? Es mag so etwas  wie Empfänglichkeit sein. Sich Orten mit Demut nähern. Keine festgefügten Vorstellungen davon haben, was interessant oder anziehend sein könnte. Die Kunst des Reisens, so de Maistre, besteht nicht darin, immer exotischere und weiter entlegene Ziele zu erstürmen, sondern in der Entdeckung des Alltäglichen, der eigenen Umgebung, der Erforschung des Selbstverständlichen. Sich selbst und seine Gedanken dabei zu erforschen, könnte ja auch ein lohnendes Ziel sein.
Lasst uns also mutig aufbrechen. - Folgt mir alle, die eine gekränkte Liebe,  eine vernachlässigte Freundschaft in eurer Wohnung zurückhält,  fern von der Kleinlichkeit und der Falschheit der Menschen. Alle Unglücklichen,  Kranken und Gelangweilten des Universums mögen mir folgen!“. So steht's bei ihm geschrieben. 

Freitag, 20. März 2015

Allein im Kosmos

Wow, der Kosmos soll etwa 14 Milliarden Jahre alt sein? Nur? Wer weiß das schon. Annahmen. Wahrscheinlichkeiten. Eine Million hin oder her macht da gar nichts aus, ist allenfalls ein Wimpernschlag im Alter derer, die im Durchschnitt um die 70 Jahre alt werden und dann "das Zeitliche segnen", d.h. aus dem Zeitlichen herausgleiten in Richtung auf eine andere und wohl weitgehend unpersönliche Realität. Was ist da Zeit? Der Kosmos soll durch tausend und abertausend Metamorphosen gegangen sein und die Erde soll sich in ihm beständig mit der Evolution weiterentwickelt haben? Wie holen wir das alltäglich in unsere Existenz herein? Gar nicht? Braucht man nicht? Aber sind wir etwa nicht ein Teil dieses Ganzen, das wir Erde nennen? Oder gar des Kosmos? Sollten wir uns nicht auch im Zusammenhang dessen begreifen, was unsere kleine Wirklichkeit umformt und was Voraussetzung allen Seins ist? Wäre es nicht wenigstens ein bisschen zu versuchen? Den kosmischen Zusammenhang kapieren wir ja sowieso nicht. Solche Zeit- und Raumdimensionen werden uns abstrakt mitgeteilt. Das lernen wir. Irgendwie mit dem Verstand. So, als würde es uns nicht wirklich angehen. Aber richtig begreifen, was wir in diesen Dimensionen sind, das könnte etwas anderes sein. Dinosaurier durchpfügten die Landschaft vor etwa 65 Millionen Jahren (wie sie das etwa schon 100 Millionen Jahre getan hatten), bis dann ein größerer Meteorit (etwa 1 Billion Tonnen schwer, 15 Kilometer groß) auf der Erde einschlug und sie ausrotteten. Die Dinos und andere Lebewesen. Hm, das muss ein riesiger Knall gewesen sein. In 24 Stunden war alles vorbei. An einem wichtigen Tag. Überall auf der ganzen Erde spürbar. Das Ding muss irgendwo auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan eingeschlagen sein und selbst auf der anderen Seite der Erdkugel eine durchschlagende Wirkung erzeugt haben. Apocalypse Now.
Eiffel? Maria Laach? Muss auch einiges los gewesen sein. Erst vor knapp 11000 Jahren war der letzte Ausbruch. Direkt neben uns hier im sicheren und scheinbar harmlosen Deutschland. Jedenfalls gab es damals erhebliche vulkanische Aktivitäten. Ein Blubbern am See weist heute noch darauf hin. Vor etwas mehr als 30 Millionen Jahren stießen die Kontinentalplatten von Europa und Afrika aufeinander, was eine Aufwölbung ergab, die heute Alpen genannt wird. Der Prozess ist immer noch nicht ganz abgeschlossen, da ruiniert schon unser Klimawandel die Abläufe nachhaltig. Doch das alles sind Kinkerlitzchen im Kosmos, wo Sterne Sterne und Schwarze Löcher ganze Sternensysteme verschlingen, wo Galaxien auf Galaxien zurasen, zusammenstoßen und beiläufig ganze Sonnensysteme entstehen lassen. Und wir? Nach dem Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren verläuft die Geschichte bei uns seit etwa 4 Milliarden Jahren alles relativ geordnet: Die Entfernung zwischen der Sonne und der Erde verändert sich im Laufe eines Jahres wenig. relative Stabilität ist angesagt, - im kosmischen Maßstab. Maßstab? Ist alles. Bezug. Sonnenfinsternis? Ein kleiner Hinweis für uns. Der auf die Grenzen des Verstands zeigt.       

Donnerstag, 19. März 2015

Kathedrale des Kapitalismus

Das neue Gebäude der EZB in Frankfurt, wahrlich eine imposante Kathedrale des Kapitals, ist von den allzeit grinsenden Tonangebern in ihren grauen Anzügen eingeweiht werden. Dominatoren, inmitten empörter Demonstrationen, aber in einer „sicheren“ Festung. Abgeschirmt von allen Bedrängnissen der Realität. Die Superbank hat sich ein weithin wirksames Zeichen aus Beton schaffen lassen. Erstellt für milliardenschwere Kohle natürlich. Jetzt sollte der Protz eröffnet werden. Anstoßen. „Wohl bekomm's!“. Feierstunde. Reden und Rituale. Ausgetrickst: die wirklich Wichtigen sind diesmal mit dem Schiff gekommen und nicht mit ihren fetten schwarzen Limousinen, die von den billigen Chauffeuren vom Fahrdienst gelenkt werden! Ob es die Zeit ist, sich auf diese Weise gegen ein System zu wenden, das dabei ist, sich selbst zu zerstören und dabei als erstes seine Schwächsten in den Abgrund zu ziehen?
Jetzt fallen sie alle über Blockupy her, die die „Organisatoren“ waren. Die „Schuldigen“. Dabei sind die ein weithin zersplittertes Bündniss und haben auch ein so richtiges wie legitimes Anliegen. Ein idealistisches. Oh, igitt? Zu verpönt in dem pragmatischen Merkel-Deutschland?
Soziale Umverteilung von unten nach oben ist halt nicht nur ein Problem des Links/Rechts-Denkens oder der Kapitalismuskritik alter Schule. Linke Parteien nutzen ein solches „Event“ an dieser Stelle für sich aus, geben Interviews mit Stargesichtern und deren oft gehörten Floskeln. Diese versuchen das sowieso nur mit ihren üblichen Phrasen mitzunehmen, wissen alles und können es mit ihren ausgeleierten Wahrnehmungs- und Deutungsmustern jederzeit erklären. Alte SED-Schule. Pah! Auch dies scheint also ein Problem der deformierten Wahrnehmung zu sein. Ihr linken Leute, wir finden im 21. Jahrhundert statt!
Merkel und ihre Vasallen reden im Bundestag über neue Repressionsmethoden der Polizei und eine bessere Ausstattung, - tun dann aber nichts, gar nichts, was billiger ist und später sowieso im Strom medialer Wahrnehmung versickert. Das ist blanker Populismus. Aktionismus. Heiße Luft. Der Polizeigewerkschaftsfunktionär schlägt glatzköpfig beredt und vertraulich grinsend allerlei neue Vorgehendweisen vor. Die dann aber auch nie zum Einsatz kommen. Das wird nichts. Insgesamt sind das alles Luftnummern mit ein paar gewalttätig beschädigten Menschen, von denen bald nicht mehr die Rede sein wird. Lebensgefährlich verletzt. Das darf nicht sein. Gar nicht. Auch brennende Autos und Sachen aller Art. Das ist nicht der Weg! Die Medien geben freilich allzu willfährigen Geleitschutz, obwohl Zeitungsjournalisten zunächst von der Feierstunde ausgesperrt wurden. Was war denn das? Solidarität unter Qualitätsjournalisten? Aber es wird wacker weiter live übertragen und „blinder Hass“ beklagt. Dabei könnte doch alles besser sein, als es diese armseligen Erfolgszahlen der Arbeitslosigkeitsstatistik versprechen, die jeden Monat kaschieren sollen, dass gerade hier im Erfolgsland die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. 

Unterhaltungsware

Bestimmte Gesichter sind im Fernsehen omnipräsent: Schöneberger, Jauch, Kerner, Pilawa, Beckmann, Delling, Rakers usw. begegnen einem fortwährend in anderen Funktionen und Konstellationen. Und dann tauchen sie alle in der Werbung auf, um sich und ihre „Glaubwürdigkeit“ zu verkaufen. Sie waren ja alle beschäftigt, dir den Spiegel zu geben und das zu lieben, was du da siehst. Bei Schauspielern ist's dasselbe: SBerger, CNeubauer, von Thun und ihre nepotistischen kleinen Verwandten spielen in tausend Sendungen und Serien die mittlerweile in die Jahre gekommenen Angehörigen einer dekadenten Besitzbürgerschicht, die vom Prekariat angehimmelt wird, weil „die“ (!) es geschafft haben. 
Es wird zwar gemeckert, aber in Wirklichkeit wollen die meisten Prekären nur auch die andern ausbeuten zu ihrer eigenen Bequemlichkeit.... es geht darum, die Zeit auf Erden möglichst angenehm zu verbringen und sich weiter nach vorne zu drängeln, erlaubt oder nicht. "Nicht erwischen lassen!" heißt die Devise. „Be Positive“ und Schönreden muss man sich leisten können! Wohlfeile Meinungen über die Welt wie eine Monstranz vor sich her tragend. Worte produzieren als Wohlfühlkokon, als Unterhaltungs- und Betäubungsware. 

Dienstag, 17. März 2015

Götter des Showgeschäfts

Ich muss grinsen bei der Affäre um Zlatan Ibrahimovic. Er hat sich offenbar vor laufenden Kameras sehr abfällig über Frankreich geäußert. „Scheisland“. Schlimmer Schlingel, der! Er verdient sein Geld in Paris, glaubte aber schon längst zuvor, zu den Göttern aufgestiegen zu sein und inszeniert sich auch so. Ist doch egal, wo er spielt. Er ist dort, wo am meisten Geld bezahlt wird. Klar, die allzeit bewundernden und hemmungslos kreischenden Fans schienen ihm seine Göttlichkeit über eine lange Zeit hinweg nahegelegt zu haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das zumindest schleichend übernimmt, was ihm von außen angetragen wird. Kein Zweifel, der alte Schwede spielt wunderbar Fußball, ist das, was man „durchsetzungsfähig“ genannt hat. Der schlägt sich überall durch und schreckt vor nichts zurück. Ein äußerst talentierter Köter fürwahr, der beist und kratzt, der immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle steht. Ein Ideal halt. Der eine ganze Mannschaft mitreißen kann. So einen bräuchte jede Firma. Später hat er auf seiner Facebookseite auch alles artig zurückgenommen und sich entschuldigt. Ist ihm so entfahren, war nicht so gemeint, aus dem Zusammenhang gerissen..... usw., die ganze Leier. Bei all den in den Medien oft gezeigten Egomanen ist diese Tour derzeit ja so beliebt. Auch Fälschungen als Ausrede werden da gerne bemüht. Ob ihm, dem Kicker, aber verziehen ward? Ihm, "the only one"? Ach, dies bescheidene Wort und Prädikat nimmt ja ein gut bezahlter Trainer-Star für sich in Anspruch! Aber dem tollen Fußballer böse sein? Unmöglich, bei dieser Ausstrahlung! Bei dieser Erscheinung! Bei diesem Erfolg! Absolution ist erteilt. Alles längst vergessen!
Ich sehe im Fernsehen auch gerne Fußball. Aber es ist halt nur Fußball, egal, wie viel er wem bedeutet. Es ist ein eng umgrenztes Feld (wie bei den meisten Menschen in dieser Gesellschaft!), auf dem er so gut ist. Ein Spezialistentum. Klar, dieses Feld ist emotional hochgradig besetzt. Die Fans identifizieren sich bis zur absoluten Selbstaufgabe mit ihren Vereinen und deren (gekauften) Stars. Solche "Stars" des kickenden Gewerbes machen jedoch etwas daraus, sind als "Profis" längst Teil des Showbusiness geworden: mit Imagepflege unter Beratung, clever vermittelten Werbespots und klugen Sprüchen zu allem und jedem sind diese "Stars" des Showbusiness zu neuen Heiligtümern einer Gesellschaft aufgestiegen, die den Mammon und die ihn verkörpernden Personen als einzige Gottheit akzeptiert.     

Schumpeter rocks

Was habe ich im Internetlexikon zu Joseph Schumpeter (1883-1950) gefunden, mit dem ich mich einst im Studium stark beschäftigt hatte und der mich schon seit längerem immer wieder beschäftigt? Der Name ist ja nicht nur vergessen, sondern war nie wirklich populär. Ich habe ein paar Kürzungen und Ergänzungen vorgenommen, den angebotenen Text aber weitgehend übernommen. Klar, denn viele Politikerinnen und Politiker verhalten sich heutzutage oft so: gewissenlos, nur auf billigste Zustimmung aus, demagogisch populistisch. Wer die meisten Stimmen auf sich vereint, hat gewonnen, egal mit welcher Weltanschauung. Die scheint im Grunde austauschbar. Es geht nur um die Macht. Dadurch werden in Schumpeters Demokratieansatz BürgerInnen keine Möglichkeiten der Teilnahme am politischen System eingeräumt. Er begründet seinen minimalistischen Demokratieansatz mit einem pessimistischen Bild des/der Wählers/in, den/die er als selbstsüchtig, wankelmütig, irrational, infantil beschreibt. WählerInnen und Regierung streben primär ihren eigenen Interessen, Machterwerb und -erhalt nach. In seiner Argumentation grenzt sich Schumpeter somit deutlich von der normativen, von ihm so genannten „klassischen Lehre der Demokratie“ ab, die sich auf Vorstellungen von Gemeinwohl und Gemeinwillen (volonté générale: Jean Jacques Rousseau) stützt. Diese Vorstellungen entsprechen nach Schumpeter aber nicht der Realität einer zunehmenden Individualisierung in der Gesellschaft (Neoliberalismus). In Schumpeters Demokratielehre sind WählerInnen mit KonsumentInnen gleichzusetzen, Schumpeter belegt seine Lehre vom „unmündigen Bürger“ mit  Theorien wie der Massenpsychologie oder Lehre der fehlenden KonsumentInnensouveränität.
 BürgerInnen sind aber nicht nur Affekt gesteuert und manipulationsanfällig, sie sind in der Politik hoch beeinflussbar. Schumpeters WählerInnen werden folglich nicht als urteilsfähige Subjekte verstanden, sondern als markt- und werbungsabhängige KonsumentInnen. Somit ist nach Schumpeter der Gemeinwille, „Erzeugnis und nicht die Triebkraft des politischen Prozesses“. Der Wille des Volkes bzw. der Mehrheit ist somit keine feststehende und unabhängige Größe, sondern entwickelt sich erst innerhalb des politischen Prozesses.  Indem er die Prämisse des „mündigen Bürgers“ im politischen Bereich ablehnt, wird den BürgerInnen nur noch die Funktion der Wahl und Abwahl der politischen Elite zugestanden. Es spielen also keine idealistischen Überzeugungen eine Rolle, sondern die wirtschaftlich begründete Möglichkeit, viele Wählerstimmen auf sich zu vereinen. Vielleicht ist der heutzutage offensichtlich sehr verbreitete Pragmatismus der politischen Führungselite, verbunden mit ein paar volkpädagogischen Floskeln, im Schumpeter'schen Sinne einer Demokratiedeutung. Vielleicht ist das eine Überlegung auch für den wert, der diese Einschätzungen nicht teilt.   

Sonntag, 15. März 2015

Galsan Tschinag

Als einen tollen Glücksfall können wir auffassen, dass es einen gewissen Galsan Tschinag gibt. Der Mann wurde 1944 als Sohn einer tuwinischen Familie in der Mongolei geboren. Seine Tante war Schamanin. Mit einem Diplom studierte er Germanistik im Leipzig und kehrte anschließend in die Mongolei zurück, um zu unterrichten. 1976 wurde ihm noch in der damaligen Sowjetunion die Lehrerlaubnis wegen politischer Unzuverlässigkeit entzogen, woraufhin er zahlreiche Arbeiten für eine Gewerkschaftszeitung übernahm. Er übersetzte aus dem Deutschen auch Autoren wie Kurt Tucholsky, Heinrich Mann oder Erwin Strittmatter. 1980 wurde bei ihm ein schweres Herzleiden festgestellt, das er nur mit viel Sport und schamanischen Übungen einigermaßen überwinden konnte. In einer Karawane führte er 1995 sein Volk von Sibirien aus in die Mongolei, was ihm wohl endgültig einen herausragenden Status in seinem Volk verschafft hat: er wurde Häuptling. Heute lebt er, wie in Wikipedia steht, „den größten Teil des Jahres in der Landeshauptstadt Ulan Bator gemeinsam mit seiner knapp 20-köpfigen Familie und verbringt viel Zeit auf Lesereisen im deutschsprachigen Ausland. Je ein Drittel des Jahres verbringt er in seiner Residenz in Ulan Bator, in Europa und in der westmongolischen Steppe bei seinem tuwinischen Stamm. Er schreibt seine Romane, Erzählungen und Gedichte meist auf Deutsch, weshalb er als deutschsprachiger Migrantenschriftsteller gesehen wird. Seine Erzählungen wurden auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt“.
In seinem 1994 erschienenen ersten Roman „Der blaue Himmel“, der mir immer zur Hand ist, erzählt er sehr feinfühlig vom nomadischen Leben der Tuwa. Wir werden mit hinaus genommen in das Leben in der Steppe und erfahren alltäglicheZusammenhänge, aber wir stoßen auch in eine große spirituelle Dimension vor. Mittlerweile hat Galsan Tschinag eine lange Reihe von Veröffentlichungen (Wikipedia nennt allein 32 Romane, Erzählungs- und Gedichtbände). Sein literarisches Thema ist die kulturelle Überlieferung und das gegenwärtige alltägliche Leben seines Volkes. Er ist Träger zahlreicher literarischer Preise, darunter der Adelbert-von Chamisso-Preis. Als Wanderer zwischen den Welten schreibt er 6 Monate im Jahr in seiner Wohnung in Ulan Bator. Drei Monate verbringt er auf Lesereisen im Westen. Die restlichen drei Monate lebt er in den Jurten seiner Sippe in der mongolischen Steppe. Wer ihn schon einmal im Fernsehen gesehen hat, wird wohl neben seiner überragenden Erzählkunst auch über seinen Humor gestaunt haben, was auch Spuren in seiner Literatur hinterlassen hat. Amazon führt als seinen bisher letzten Titel „Das andere Dasein“ auf, das eine Art Liebesgeschichte ist und uns einen wertvollen Einblick in andere Lebensformen gewährt. Dies nachzuvollziehen, mag zunächst eine kleine Schwierigkeit bedeuten. Doch das Buch entlohnt einen (wie nahezu alle anderen Bücher von Tschinag) für die Überwindung dieser scheinbaren Hürde reichlich. Galsan Tschinag ist Häuptling, Schriftsteller, Gelehrter und Schamane, ein Könner der deutschen Sprache und ein Kenner der deutschen Kultur. Gleichzeitig ist sein Spezialgebiet naturgemäß die Kultur der Tuwa aus der Mongolei. Sich selbst sieht er als „einen deutschen Schriftsteller mit mongolischem Gesicht“. Goethe ist aus seiner Sicht der größte „deutsche Schamane“.  

Freitag, 13. März 2015

Ausschnitte beschränkter Perspektiven

Dies hier habe ich auf einem alten Zettel gefunden, der mein früheres Sein markiert hat. Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe.

Ausschnitte: Wir haben immer nur Ausschnitte vom Leben, oder was man dafür hält. Jeweils, je nach Perspektive. Hattest du nie Lust, Alles kennenzulernen, das Ganze? Ich weiß, das ist hemmungslos anspruchsvoll, unrealtisch und so weiter.....Aber zieht nicht die Aussicht, dein eigenes kleines beschränktes Ich zu verlassen und zum Vielen zu werden, zu allem? Aus den Augen aller zu blicken? Etwas oder jemanden wirklich kennen zu lernen? Ja, ich höre das Lachen von vielen Seiten und ihr habt ja recht mit euren Einwänden. Ich kenne sie. Aber trotzdem, stell's Dir vor! Nicht als Profi-Philosoph, sondern einfach nur als Mensch, - wenn du das noch sein kannst. Lache nicht! Wer kann das schon mit Sicherheit von sich behaupten? Sei anspruchsvoll und unersättlich. Lass dich ziehen von der Aussicht, deine eigene kleine beschränkte Aussicht zu erweitern, hinein in andere Perspektiven. Lerne, damit zu spielen, ein Ich zu sein und ebenso kein Ich zu sein! 

Donnerstag, 12. März 2015

World of Consultants

Consultants hießen früher einmal „Unternehmensberater“. Heute „consulten“ sie allüberall und helfen, Leute zu entlassen und Steuern zu vermeiden. Firmen mit wohlklingenden Namen versammeln ganze Armeen solcher „Consultants“ und werden je nach Anspruch für ihre „innovativen“ Konzepte der Steuer- und Personaleinsparung gerne gebucht. Es gibt dort tüchtige, streng gedrillte und gut angezogene Mitarbeiter, die ihre meist gleichgesinnte Umgebung gerne entertainen und Menschen meist ganz cool als "Einsparungspotential" sehen. Als Masse. Das tun sie oft sogar global, ihrer zu bearbeitenden Wirtschaftsform und dem Warenzeichen ihrer „Company“ entsprechend. Erschießungen, Folterungen und Armut, brutale Repression oder offene Korruption: alles egal, eher ein globales Mittel zum Zweck des Profits. 
Dafür haben sie dann meist so etwas wie eine eigene (meist englisch gefärbt, weil das die globale Ausrichtung signalisieren soll) Sprache, deren Beherrschung die Zugehörigkeit zu ihrer Clique und/oder entsprechende Machtausstattung bedeuten soll. Dabei deuten solche Ausdrücke wie „Human Resources“ auf das sogenannte Humankapital, also auf Mitarbeiter, die für ein Unternehmen primär Kostenfaktor sind. 
„Consultants“ bringen viel von ihrer Restkreativität dafür auf, Konzepte zu entwickeln, wie solche Mitarbeiter einzusparen wären. Doch Beratung könnte sich auch so verstehen, mit neuen Ideen dazu anzuregen, gewisse Produktionsabläufe zu optimieren. Doch solcher Gedankenreichtum gilt unter „Consultants“ meist als Verschwendung: den schnelleren Erfolg (meist über Quartale oder noch früher) versprechen Entlassungen. Die Folge: riesige Überheblichkeit bei den „Consultants“. Sie können solche (Massen-)entlassungen bewirken und in Gang setzen. Das hinter einer Entlassung stehende einzelne Schicksal ist ihnen dabei völlig egal, - “Human Resources“, das sind nur Zahlen in einer Power-Point-Präsentation. Gutmenschentum wird auf andere und nach außen gut sichtbare Weise gepflegt. Ökologisch engagierte Consultans mit besonders gutem Gewissen sind da keine Seltenheit, - naja, was man halt so als „Öko“ oder „Bio“ bezeichnet. Sie machen gerne Selbsterfahrungskurse zusammen mit Marketingspezialisten, möglichst am Wochenende als Crash-Course, - man hat ja keine Zeit. Instant reicht da völlig aus. Halt soooo. 

Mittwoch, 11. März 2015

Weg zum Ziel... in den USA

Zwischen New Mexico und Texas

Motivationen

Wellen geschlagen hat in den Medien heute eine Untersuchung eines rennomierten sozialwissenschaftlichen Instituts, nach der in Deutschland etwa 15 % der Arbeitenden hochmotiviert sind, 70 % aber sei das Wohl ihrer Firma völlig egal. 15 % gar hätten innerlich längst gekündigt und seien viel zu oft krank deswegen. Ein ideales Feld für sogenannte Motivationstrainer, möchte man meinen. Sie profitieren von solchen Erhebungen und versprechen, für mehr Produktivität auf der Galeere der Unternehmen zu sorgen. Mal zum Vorgesetzten gehen und dem die Meinung stoßen, was schief läuft, so manche Empfehlung. Lob und Anerkennung in vermehrter Form könnten die Folge sein. Weiterkommen und Spass haben, so das Motto. Ob das realitätsnah ist? Teilweise scheinen solch simple Formeln zu klappen, es gibt durchaus Unternehmen, in denen derartige „Anregungen“ einen Produktivitätsschub bewirkt haben. Was das über jene Unternehmen aussagt?
Ob aber die Arbeitswelt selbst mit ihrem wachsenden Druck und ihrem zynischen „Verbrauch“ an menschlichen „Ressourcen“ etwas zu solchen Ergebnissen beiträgt? Ob streng hierarchische Systeme, wie sie in der Wirtschaft herrschen und wie sie in totalitären Gesellschaftssystemen zur Perfektion getrieben wurden, noch in eine postmaterielle Gesellschaft mit all ihren Informationsmöglichkeiten passen? Vor allem die Amerikaner bieten jetzt das System der „Sharing economy“ und der Selbstmotivation in betrieblichen Zusammenhängen offensiv an. Beispiele sind schon unterwegs und werden begierig in Europa übernommen. Auch scheint die Selbstmotivation und die Identifikation mit den Zielen einer Firma ein probates Mittel. Immer und überall erreichbar und leistungsbereit sein für die Firma, so die psychologische Richtungsangabe. Ob das aber nicht zu einer zusätzlichen Ausbeutung führt, indem nämlich auch noch die frühere „Freizeit“ in den Dienst der Firma genommen wird? Schöne neue Welt. Ausbeutung ist ja ein Begriff aus dem neunzehnten Jahrhundert, - oder? Wir stehen an der Seitenauslinie und staunen über die Reaktionen auf die eigentlich kaum erstaunlichen Zahlen, wir verstehen die Profiteure dessen und wir trauen ihnen eine weitere tricky Mobilisierung von Produktivität zu, die die gesamte Gesellschaft einem kollektiven Burn-Out zügig entgegen führt.   

Dienstag, 10. März 2015

Dichter werden dichter

Die Dichter versichern sich gegenseitig ihrer verlorenen Wichtigkeit, indem sie sich gegenseitig Preise verleihen. Ansonsten spielen sie Murmeln, die auch schon mal schöner waren. Sie siechen, denn sie haben ihre Funktion längst verloren, Buchdruck ist ohnehin veraltet. Gewiss, Reflexionen müssen sich einen Weg ins Bewusstsein bahnen, der manchmal lang, windig und mühevoll ist. Nur, wer will das schon in einer Welt der schnellen Kicks und Kitzel? Zwischen Stop und go, Standup und Comedy. Ausgefranst in den Medien, zerstäubt im Internet….die ruhige Überlegung fällt auf sich selbst zurück. Jetzt treibt das Wachstum die Beschleunigung um jeden Preis und das Echo verhallt im Nichts. Identität, Kultur. Zerrieben und pulverisiert zu Erbhöfen und Besitzständen. Wanken, Umfallen, Stürzen? Alles egal, solange es gemanagt wird. Umsatzrückgänge sind ein vorüber gehendes Wetterleuchten, Bailout rettet die Großen. Der Staat in Gestalt seiner Elite-Kretins schaufelt Milliarden in dieses Grab und schüttet es mit Steuermoneten zu. 
Die Städte sind überwuchert von Bedeutungslosigkeiten. Die Hohlheit füllt uns aus. Sie wird eingefüllt und die meisten merken es  gar nicht. Schnell, schnell, Inhalt egal. Legal, den vorgeschrieben Wegen entlang abgeschöpft. Gemolken. Von Bürokratien, von Sesselfurzern und Aasgeiern in fetten Sechs- und Achtzylinder-Limousinen. Unterwegs im Offroader auf der Autobahn. Hauptsache wir sind sicher! Die anderen werden wir dann im Falle des Falles schon zermalmen! Alle müssen sparen und haben das verinnerlicht. Sämtliche Gürtel enger geschnallt. Verdichtung allenthalben, aber keine Intensität, sondern fortwährende Lüge. Es bröckelt laut weiter.... 

Sonntag, 8. März 2015

Zwischenruf am Ende des Regenbogens

Komm mit mir in das Nichts am Ende eines Regenbogens
wenn Du lange genug gesucht hast
wenn Du zwischen allen Schenkeln gegraben hast
und lange genug Diener deiner Lüste/ Gier/Begierden warst
wirst Du das weiße Rauschen
hinter den Wolken hören
und es wird deine Suche nicht mehr stören
wenn Du all die Kopien vergessen hast, die du immer versucht hast
um dabei zu sein, egal bei was, nur dabei sein
du hast jetzt keine Angst mehr vor dem Außerhalb, 
um von dort hinein zu blicken
in das Räderwerk der Begründungen
der gierigen Begattungen und Beschaffungen, der fremden Herrschsüchte, der Verkaufsaktionen
des Imponiergehabes von werdenden Skeletten
der Lächerlichkeiten, der falschen Meldungen über eine Wirklichkeit
von der niemand eine Ahnung hat,
bleib gesund und munter, - wofür?
Für den coolen Fall in die Grube?
Sie werden dich verbrennen, sie werden Platz schaffen für andere
deine Schwäche wird nicht deine Stärke sein, nein
und die Welt ist auch nicht ein Lächeln
oder das Tier in Dir, das automatisch und unschuldig "ausschachtet"
du entdeckst, dass du für dich verantwortlich warst und geworden bist
Eine Rose ist eine Rose – auch dies ist keine Lösung

du schaffst es ins Endspiel und du verlierst es...

Samstag, 7. März 2015

The Show must go on

Wie habe ich mich über diesen Andreas Kümmert in diesem Moment gefreut! Habe diese Ausscheidungsinszenierung ESC im Fernsehen zwar nicht gesehen, konnte mich aber danach eingehend über die Geschehnisse informieren. Da hat doch tatsächlich der Sieger den Sieg bei der nationalen Ausscheidung des „European Song Contest“ nicht angenommen und ihn einfach so an die Zweitplatzierte weiter gereicht, weil er sich „im Moment nicht in der Lage“ sehe, das Ding durchzustehen. Ungeheuerlich. Frechheit. Solch eine Ausscheidung! Wir kennen alle diese Lage, in der wir uns in eine Situation begeben, aus der wir plötzlich im harten Griff der Realität wieder aufwachen. Es ist dann wohl die letzte Gelegenheit für Kümmert gewesen, der ansonsten den Wettbewerb klar dominiert hat, aus dieser Geschichte herauszukommen. Wir könnten es nachvollziehen. Die Showmaschine stottert, er schlägt sogar die Zweitplatzierte als neue Siegerin vor (darf er das überhaupt?) und muss sich jetzt dafür fertig machen lassen. Ein Sensibler, einer, der es ernst meint mit sich und seiner Kunst, passt im Moment des Sieges nicht in das unbarmherzige Räderwerk dieses Gewerbes? Ist alles so, wie es scheint? Die Moderatorin macht Glupschaugen: Wie das? Einer, der sich nicht stromlinienförmig an die sogenannten „Zwänge“ dieses Geschäfts angepasst hat, stolpert öffentlichkeitswirksam und wird dadurch zum „Fall“? Ein „Fall“, wie ihn die einst kultige Showikone Madonna als PR für ihr neues Album bei den „Brit Awards“ auf ganz andere Weise vorgeführt hat. Eiskalt ist die nach ihrem ausführlichen Sturz von der Bühne aufgestanden und hat einfach weiter gemacht als jene Kunstfigur, die sie uns nun schon seit Jahrzehnten vorführt. Ein Moment ist sie aus der Rolle gefallen. Es ist wie beim Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Klar, war ja eine gute Werbeaktion für sie! Die versteht die Medien und kann mit ihnen umgehen. Das war schon immer so und ist es auch jetzt so. Beifall. Eine zur Millionärin verkörperte Postmoderne! 
Es wird ja ansonsten viel über „Würde“ im Alter gequasselt. Alte Säcke passen ihren Stil ihrem Alter an. Versuchen nicht, als Springinsfeld iuvenil wie einst herumzuhüpfen, sondern verkaufen sich geläutert bedächtig. Ob Madonna  nun ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist? Ob für sie ein paar Züge abgefahren sind? 
Kultfigur und Megastar zu sein, ist für sie wohl Vergangenheit. Jetzt muss man schon froh sein, wenn man nicht von der Bühne fällt. Es ist ein glatt polierter Scherz, immer schon gewesen. In jeder Hinsicht. Und jetzt kommt einer, tritt auf deutsche Bühnen, führt seine Stimme und nichts als seine Stimme vor, um anschließend zu erklären, dass er den klaren Sieg nicht annimmt? Ein Wurzelsepp, einer, der nicht in die Abläufe und Erwartungen des Showgeschäfts passt, einer, dem man zuschreibt, krankhaft sensibel zu sein? Einer, der im letzten Moment aus dieser Kunstwelt aussteigen will? Einer, den der NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber vom veranstaltenden Fernsehen, wie er in einer Pressekonferenz bekannt hat, zuvor gar nicht gekannt hat? Ein Nobody und No name, der „nur“ eine großartige Stimme hat? Ein Sieger in einem Wettbewerb, der den Egoismus auf seinem Feld durchdekliniert, um zuletzt doch zu passen? Oder ist's alles ganz anders gewesen? War's ein ganz besonderer Gag von ihm, oder war's sein tatsächliches Erschrecken? Wir werden's erleben. 

Donnerstag, 5. März 2015

Kindheiten im Kindergarten

Erinnerung an Kindheit – ich bin eben an einem Kindergarten (es stand so auf einem Schild dort, es stand nicht "Kindergrippe" dort) vorbei gegangen und erinnerte mich an jenes Gefühl des Aufgehobenseins in der Einheit der Sorge anderer. Regentropfen schufen damals ein zusätzliches Alibi. Auszeit. Abwarten. Die Natur war nichts feindliches, im Gegenteil, man lernte sie jeden Tag als Freund kennen, die auf wechselnde Weise für den Unterhalt des Daseins sorgte. Das Dasein hatte seine eigene Geschwindigkeit, mit der man lernte, mitzukommen. Man näherte sich ihr an. Die Zukunft der Kinder heute? Klimakatastrophe, soziale Katastrophe, die Pragmatiker haben alles noch irgendwie hingekriegt. Doch könnte ihnen die Technologie ein Schnäppchen schlagen. Hoffentlich entgleitet es ihnen nicht, das Ganze. Das jederzeit Machbare hört derzeit noch an der Natur auf. Die Illusion, alles zu beherrschen, beherrscht den Menschen. Aber sie gilt nicht, diese Illusion, im universalen Spiel.  

Mittwoch, 4. März 2015

Autos und absurde Genderdiskussionen

Im Genfer Autosalon donnern wieder die Sportwagen, die „ordentlich was unter der Haube haben“ müssen (Motto). Spritsparen und Elektroautos sind nicht mehr angesagt, seitdem der Preis fürs Öl gesunken ist. Protz und Status der Besserverdienenden beten alle „Autofans“ an. Die selbstfahrenden Autos?: „phhhhh!“. Die Konkurrenz sei angenommen, Zusammenarbeiten auf mannigfachen Gebieten angesagt und Konkurrenz, dort wie sie sich ergäbe, angenommen. (Sagt ein deutscher Autoboss). Sie werden sich schon irgendwie zusammentun. Ein paar „gutaussehende“ Puppen umschwirren lächelnd die Fahrzeuge und liefern damit den solargebräunten Herren in ihren Vorstandsanzügen noch ein bisschen zusätzliches Macho-Gehabe, das ja Kubicki und Thomalla in der Fernsehschaudiskussion Anfang der Woche vorgeführt haben: Gender? Noch nie gehört. Was soll das sein? „Studierendenwerk“ statt „Studentenwerk“? Gekicher. Als hätten wir sonst keine Sorgen. Könnten natürlich absurde Auswüchse sein, die leicht anzugreifen sind. Oder die Ampelmännchen, die zu Ampelfrauchen werden sollen. Oder die Unisex-Klos. Klaro doof. Dass aber sprachliche Strukturen Auswirkungen auf das Bewusstsein haben, dürfte nicht gar so neu und avantgardistisch gewagt sein, als dass man eine solche Erkenntnis gleich verlachen müsste. Auch Trophäensportwagen, die so richtig laut röhren und rasen können, dürften auf diesem Markt der Bewusstseinswaren deutlich mehr mitmischen, als von der Mehrheit angenommen.  

Montag, 2. März 2015

Erlauchte Durchlauchten

Schon putzig, wie phantasiereich benannte nationale Ausgaben der großen Preisverleihungen den „Oscars“ und „Grammies“ nacheifern: bei den British Awards, die gut sichtbar von einer global agierenden Kreditkartenfirma gesponsert sind, fällt Madonna letzte Woche von der Bühne, und bei der „Goldenen Kamera“ von der seit tausend Jahren führenden Programmzeitschrift strahlen die aufgespritzten Damen aus dem Solarstudio samt den fitness- und privatmassageverwöhnten Herren in ihren Armani-Anzügen gut gelaunt um die Wette. Ach, der Hape Kerkeling ist dabei! Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Dass Arnie Schwarzenegger merkwürdige Kommentare wie „Hasta la Vista, Baby!“ dazu spricht, wäre mir da schon eher eingefallen. Uschi Glas: Naja. Susan Sarandon wird extra begrüßt, etwas in die Jahre gekommen, aber agil. Alterssportlich. Anna Loos, Rea Garvey und Sascha tirilieren im Trio - und dann kommt der Einmarsch des Goldenen Kameramannes Thomas Gottschalk als Moderator. Etwas grau geworden, vielleicht. Leicht gefärbt, aber nicht zu viel. Olaf Scholz und Frank Elstner klatschen um die Wette, der Anders-Thomas und wie hieß nochmal der andere Anders?, der Intendant trägt eine schwarze Fliege und der Verlagsgeschäftsführer auch, während der Chefredakteur eine silberne „Eins“ auf dem Revers hat. Was das wohl im Zweiten soll? 
Nun gut, das Gestühl bebt, man spendet sich selbst gar heftigen Beifall. Man ist froh und dankbar, dass man so beliebt ist. Quotenmäßig belegt beliebt. Der Papst und der Ustinov waren besondere Preisträger, die letzten 50 Jahre, ach wie schnell sind sie vergangen. Und das sogar größtenteils in Farbe! Ferres und Curtis schluchzten medienwirksam um die Wette, Jaenicke gab sich leicht beschämt, Shirley McLaine und Antony Quinn kommen gerührt rüber, Kirk Douglas, Alfred Biolek und Franz Beckenbauer sind noch nicht ganz eine einige Generation, aber sehr vorzeigbar, Inge Meysel und Tina Turner - und – ach! - es geht nun immer so weiter, durch die Zeiten und alle Kategorien. Gerührtes Lächeln allüberall. Christian Ulmen verleiht die erste Kamera, Gedek, Sittler und nette, leicht ironische Leistungshuldigungen, „Katja Riemann sei so körnig und kultig“, Gottschalk behauptet, dass „wir es immer wieder schätzen, mit den Hollywood-Stars auf einer Ebene zu begegnen“, Iris Berben hat das auch erlebt, - „gucken Sie mal!“ (ein Rotgesicht saugt fotogen fotografiert an ihrem Busen) - Annette Frier trägt etwas zu fette Klunker im Ohr, die Tatort-Clique und die Kamera-Camarilla, alle da. Die Promis halt. Die Zeit rennt, flugs sind da ein paar matte Überzugszinsen. Verschämt gibt's im Fernsehen zwischendrin auch schon mal einen Mercedes als Preis. Irgendwie heikel. "Product Placement" und öffentliche Sender? Macht nichts, der Intendant ist ja da, der begleicht's alles mit GEZ. Jetzt nicht alles durcheinander bringen!: alles legal, das sowieso. Da ist Jan Josef Liefers, strahlend, und der Fußballweltmeister Toni Kroos marschiert ein. Ob gleich eine Hymne gespielt wird? Alles Real. Ach ja. Soso. Auch Deutschland hat ja Realien zu bieten. „The Show must schließlich go on“. Ist ja nicht so, als wäre.... die feine Gesellschaft da unter sich, die prominenten Kreativen und ihre „Beziehungen“, Networking, die besseren haben dafür ihre Berater und Manager. After-Show-Parties ohne ein paar prominente Nasen, all die Einlagen „off records“ bleiben „off records“. Modern Talking. Da gibt es kein knitzes Hörzu. Diskretion ist einfach nur Ehrensache in diesem erlauchten Kreis. Da dringt nichts nach außen. 

Sonntag, 1. März 2015

Demokratie im ständigen Kommen

Wir sollten trotz aller öffentlichen Beteuerungen und Ungenauigkeiten nicht vergessen: Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie – mitunter auch (nicht komplett gleichzusetzen) repräsentative Demokratie genannt (eine große historische Errungenschaft!!!). Was heißt das? Im Unterschied zu einer Basisdemokratie sind die Gewählten bzw. Abgeordneten in dieser Staatsform nur indirekt ihrem „Wahlvolk“ verantwortlich, eigentlich wären sie nur ihrem Gewissen verantwortlich. Sie können während des Wahlzeitraums (derzeit 4 Jahre) nicht abgewählt werden, sondern repräsentieren in dieser Zeit das Volk. Repräsentieren! Wie sie das machen, bleibt ihnen überlassen. Wenn sie's nicht gut machen, können sie erst in 4 Jahren wieder abgewählt werden (auch nicht sicher, weil über die sogenannten "Listen" sich die Parteien ein gesichertes Zugangsrecht gesichert haben). Während dieser 4 Jahre aber sind sie so etwas wie kleine Herrscher, die mehr oder weniger tun können, was sie wollen. Sie repräsentieren ja den Wählerwillen. Da sie wiedergewählt werden wollen (hierzulande direkt und indirekt über Parteienliste) entsprechen sie einigermaßen und nach ihrem Gutdünken dem Wählerwillen. In welcher Weise sie ihrer Partei ergeben sind, bleibt meistens verborgen, in der Regel herrscht Fraktionszwang: sie müssen abstimmen wie ihnen die Fraktion befiehlt. Die viel genannten und kaum praktizierten Volksabstimmungen sind ja nur ein Versuch, das Volk etwas mehr einzubeziehen. Fakt ist: Die Parteien haben diese Demokratie unter ihre Kontrolle gebracht. Der Fraktionszwang gleicht in vielem dem viel geschmähten „imperativen Mandat“, also der direkten Verantwortung vor dem Wähler. Da aber die hemmungslose Durchsetzung von Politikinteressen im Internetzeitalter nicht mehr wie früher streng nach Hierarchie funktioniert (sondern auch nach Informationstand..... z.b.. “Stuttgart 21“) und viele Entscheidungen nicht mehr so einfach per ordre de Mufti ("Bastapolitik") umzusetzen sind, trägt das wohl neben vielem anderem auch seinen Teil zur sogenannten Politikverdrossenheit bei. Es finden im Parlament keine Diskussionen, sondern nur Abstimmung statt, die den Staat jene Milliarden kosten, die diese „Abgeordneten" mit ihren sich selbst gewährten Diäten natürlich nicht bezahlt haben. Nichts ist einfacher, als auf einem Steuersäckel zu sitzen, dessen Geld man nach Gutdünken ausgeben kann. Die, die heute mit wichtigen Gesichtern dort sitzen, sind kalte Machtmanager und Funktionsträger, die mit der Nachkriegsgeneration der idealistischen Köpfe und Charaktere nichts mehr gemein haben.