Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 30. Januar 2025
Menschen, Seelen
Wie die Leute miteinander umgehen: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Das Vermögen des reichten Prozents der Bevölkerung in den G20-Ländern sei in den vergangenen beiden Jahrzehnten um fast 150 Prozent auf 68,7 Billionen US-Dollar gestiegen. Das reichste Prozent in den G 20-Ländern besitzt demnach 31 Prozent des gesamten Vermögens. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung hingegen lediglich fünf Prozent. Diese Zahlen verbreitet die Organisation Oxfam. Wenn die Zahlen auch nur annähernd stimmen, so scheint mir das ein nicht angemessener Tatbestand für eine moderne entwickelte Gesellschaft zu sein. Dass solche Verhältnisse Demokratie zerstören, ist ganz direkt an den aktuellen politischen Entwicklungen abzulesen. Es werden auch Thinktanks beschäftigt, die neoliberale Glaubenssätze duplizieren, die das Existierende konservativ befestigen und höchste wissenschaftliche Weihen dafür kassieren. Dass die Vermögenden sich gegenseitig auf tausend Arten gegenseitig bestätigen und die Macht des Faktischen auf ihrer Seite haben, ist ja offensichtlich. Dass aber „arme“ Menschen auch Seelen haben, die nicht nur ausgebeutet werden müssen, dass es schlicht Menschen sind, die da in ausbeuterischer Weise bearbeitet werden, scheint nicht mehr Common Sense unter ihnen zu sein. Politiker, als öffentliche Figuren des Machtmanagments, scheinen in dieser Hinsicht voraus zu gehen. Man muss womöglich umfassend überlegen, welche Formen des Widerstands dagegen angemessen sein könnten.
Sonntag, 17. März 2024
Soziale Verwerfungen
Derzeit in Berlin: Bürgergeld, Sozialausgaben, unbedingt kürzen, alles erledigt? Verliererthema? Falsch drauf? Parlament diskutiert mit gelangweilten Mienen. Es gehe allen viel zu gut, so wird gerne behauptet. Deutschland ist nicht nur im gewaltigen Abschwung, sondern am Absaufen (so wird behauptet). Die Wachstumsraten sind verheerend niedrig, die Arbeitslosenzahlen steigen wieder. Die Stimmung in den Unternehmen ist am Nullpunkt, die Exportwirtschaft geht unter, die Konsumausgaben gehen zurück.
Wenn bloß das nicht wäre (das jetzt auch noch!!!!): in Deutschland sind wohl an die 16 Millionen Menschen (Schätzung) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das bedeutet: jeder Fünfte in Deutschland könnte von Armut bedroht sein. Wow! Die durchschnittliche wirtschaftliche Lage sagt womöglich nicht viel darüber aus, wie es einzelnen Menschen geht. Wenn einer 100 verdient und der andere 1, wäre das Mittel 50. Ob das etwas aussagt? Avarage? Über die Situation der Alleinerziehenden, der Kinder? Ob es etwas über die Wohnsituation in den Städten und dem Land aussagt? Steuern und Abgaben sollen mal wieder entlastet werden, (am besten so, dass es den Armen nutzt), die Wirtschaftslobbyisten keifen und fordern. Sie können von dem Erwirtschafteten nur schwer leben. Viele Arbeitnehmer gehen in Deutschland offenbar noch einem Mini-Job nach. Das bedeutet, dass mehr staatlich abgeprüfte Armut nicht zwingend weniger Armut bedeutet.
Freitag, 24. November 2023
Alltagssozialstaat
Da ist das Elend hinter den Kulissen, das niemanden interessiert, weil es alltäglich langweilig ist und in der Mehrheit meist als eine Art „Kolateralschaden“ gedeutet wird. Das Menschen demütigt und zu einer Zahl, zu einem „Fall“ degradiert. Dass sie dem vermeintlichen Sozialstaat entgegenhecheln lässt und sie bis zum Tode in Armut zurück stößt und enttäuscht. Das ständig Faulheit auch dort unterstellt, wo exakt das Gegenteil geboten ist. (Einige Politiker versuchen dies gezielt zu instrumentalisieren…) Wo Klischees dem Individuum übergestülpt werden. Wo aus Einzelpersonen eine „Kaste“, eine Klasse, ein Schlag, eine Art von Menschen gemacht werden, auf den Verhaltensmodelle projeziert werden (das haben diese SachbearbeiterInnen aus der Statistik und Soziologie gelernt, wo freilich „Wahrscheinlichkeiten“ prognostiziert werden und keine Gewissheiten) Wieso es bestimmten Menschen in unseren Gesellschaften extrem schlecht und anderen extrem gut geht? Es gibt wohl eine Reihe von Gründen. Doch entfällt wohl die Vorstellung, dass es dem einen gut gehe, weil er fleißig sei und dem anderen schlecht, weil er faul gewesen sei. Dieses Nachkriegsargument, das jedem eine Aufstiegschance versprach, gilt inzwischen sehr offensichtlich nicht mehr. Die Lage erscheint unübersichtlich, kaum einer kann noch Gründe nennen. Die einen sonnen vom Staat unterstützt in der Sonne Dubais, die anderen darben hoch verschuldet in den modernen Kerkern dieser Gesellschaft, die einmal angetreten war, das Sozialstaatsversprechen zu erfüllen.
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There is the misery behind the scenes that no one cares about because it is boring every day and is usually interpreted by the majority as a kind of “collateral damage”. That humiliates people and degrades them to a number, a “case”. That it makes them pant against the supposed welfare state and pushes them back into poverty and disappointment until they die. That constantly assumes laziness even where exactly the opposite is required. (Some politicians try to exploit this specifically...) Where clichés are imposed on the individual. Where individuals are made into a “caste”, a class, a group, a type of people onto which behavior models are projected (these clerks learned this from statistics and sociology, where of course “probabilities” are predicted and not certainties) Why certain people in our societies are doing extremely poorly and others are doing extremely well? There are probably a number of reasons. However, the idea that one person is doing well because he is hardworking and the other is doing badly because he is lazy is probably gone. This post-war argument, which promised everyone a chance for advancement, is now clearly no longer valid. The situation seems confusing and hardly anyone can give any reasons. Some are basking in the sun of Dubai, supported by the state, others are heavily indebted in the modern dungeons of this society that once set out to fulfill the promise of the welfare state.
Montag, 30. Oktober 2023
In West-Texas
Es mag schon etliche Jahre her sein, als ich durch West-Texas kam. Die karge, aber abenteuerliche Atmosphäre dieses Landstrichs nahe Mexico gefiel mir, auch wenn ein breites Sortiment an giftigen Schlangen dieses Vergnügen mindern sollte. Da waren Freaks in der Einöde, die ihre schrullige Seltsamkeit niemals zur Schau stellten, auch weil sie arm waren und um ihre Existenz kämpfen mussten. Selten habe ich es erlebt, dass eine Musik so gut zu einer Gegend gepasst hat. Lyle Lovett, ein äußerlich hässlicher Mann, dem breiten Volk vor ein paar Jahren durch seine Ehe mit Julia Roberts bekannt geworden, hat mit dem Doppelalbum „Step inside this House“ eine an persönliche Bekanntschaften geknüpfte Hommage an jene in West-Texas wohnende Clique der Sänger/Songschreiber aufgenommen, deren Namen man zu einer genau definierten Zeit überall kannte: Townes van Zandt, der Melancholiker und Songpoet, Stephen Fromholz, Guy Clark, Robert Earl Keen und andere… Unspektakulär erzählend in Genrebildern nüchtern schwelgend (geht das? Ja, bei LL...) hier auch die Musik von Lyle Lovett. "Texas Trilogy", "Texas River Song" "Sleepwalking". Er kommt hier wohltuend schmucklos daher, wie wenn er das Übertriebene, dieses "Sich Anbiedern" nicht nötig hätte, - und doch scheint er ganz genau zu phrasieren, die Details des Ausdrucks abtastend, wie wenn er die Essenz des jeweiligen Songs in sich eingesogen hätte. Das alles ist bei ihm dramatisch untertrieben, das Understatement und die Lakonie feiernd, er lässt die Romantik des Einfachen hochleben, er lässt ein bisschen Ironie mitlaufen, ein bisschen Sarkasmus auch, er knurrt da kein bisschen gefallsüchtig oder in irgendeinem Sinne übertrieben, stellt den jeweiligen Song in den Vordergrund, ist gleichzeitig bodenständig und um Kunst bemüht, er lässt einzelne Vokale aufblitzen und schluckt sie zurück. Stark, dass er sich damit, wie auf Tonträger dokumentiert, auch in großen, bis zu 24köpfigen Big Bands durchsetzen konnte, ja, dass er ganz offensichtlich in seinen Songs die präzisen musikalischen Schattierungen genauso wie jene in seinem Gesang liebte und in Bezug zueinander brachte.
Freitag, 13. Oktober 2023
Arm und reich
Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ja wie nun? Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste eine Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 („gefühlt“ aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind?
Mittwoch, 27. September 2023
Geistis, Sinn und Marktwirtschaft
Was mich ärgert: Der Erwerb von Bildungsqualifikation wird allüberall als Voraussetzung für gesellschaftlichen Aufstieg und großes Einkommen gepriesen. Mir scheint das radikal falsch zu sein, weil es nur wirtschaftsgängige, kaufmännische und technokratisch orientierte Studiengänge zu gelten scheint. Beliebt sind unter sozialen Aufsteigern auch juristisch orientierte Disziplinen. Ich jedenfalls habe erlebt, dass sich geisteswissenschaftlich orientierte Studiengänge gröbste Diskriminierungen bis hin zum extremen sozialen Abstieg anhaltend gefallen lassen müssen. Dies trifft natürlich Studierende unterschiedlicher Herkunft in unterschiedlicher Weise. Wer "reiche" Eltern hat, sitzt so etwas mühelos aus und drängt zu seiner eigenen "Selbstoptimierung". Und, was logisch erscheint: Gerade unter Geisteswissenschaftlern scheint extremer Wettbewerb dergestalt zu herrschen, dass vor allem „Networking“ (Aufbau und Erhalt von Seilschaften) und Glück gilt, um auf diesem Feld groß heraus zu kommen. Wer „nur“ seinem inneren Kompass folgt, scheint im Abseits zu landen. Insofern scheint mir hier eine extreme Teilung vorzuliegen: Wer sich im gesellschaftlichen Sinne als „durchsetzungsstark“ (oft nicht das Gros der Geisteswissenschaftler) erweist, scheint eindeutig im Vorteil zu sein. Insgesamt scheint mir so etwas nicht dazu zu führen, dass sich ein Teil der akademisch Gebildeten als ein „nützliches Mitglied“ der Gesellschaft bewähren und damit sein Bestes geben kann. Außerdem wird von dergestalt „Erfolgreichen“ gerne vergessen, was sie der Gesellschaft schulden, die die Voraussetzungen für ihren Aufstieg geschaffen hat. Wohin Orientierungslosigkeit und mangelnde Bereitschaft, sich zu hinterfragen, führen kann, wird am aktuellen Zustand dieser Gesellschaft und ihren Entwicklungen überaus deutlich. „Sinn“ erscheint als Kategorie kaum noch akzeptiert. „Die Märkte“ regieren und suchen sich dafür ihr Personal. Die „Reichen“ scheinen fest davon überzeugt, dass sie ihren Erfolg sich selbst verdanken und ihn deswegen auch verdienen. Die Erfolgreichen zelebrieren nach wie vor ihre „Verdienste“ mit großer Überheblichkeit und medialer Ausstrahlung. Es scheint „noch“ (!) ein allgemeiner Glaube daran zu herrschen, dass sich der Wert einer Person an ihrem Wohlstand, ihres beruflichen Standes und ihres Bildungsabschlusses bemisst. Die, die „man“ nicht sieht, verdrücken sich auf der anderen Seite des sozialen Grabens in Armut und bedauern, dass sie sich nicht rechtzeitig an gewisse politische Parteienstrukturen und den damit zusammen hängenden Mechanismen des sozialen Aufstiegs angepasst haben. In gewisser Weise sind sie die Verlierer der Globalisierung und sind bei denen gelandet, die sich mit geringem Einkommen und einer permanenten Entwürdigung auseinander zu setzen haben.
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What annoys me: The acquisition of educational qualifications is praised everywhere as a prerequisite for social advancement and a large income. That seems radically wrong to me, because it only seems to apply to business, commercial and technocratically oriented courses. Legally oriented disciplines are also popular among social climbers. In any case, I have experienced that humanities-oriented courses have to put up with the most gross discrimination, including extreme social decline. Of course, this affects students from different backgrounds in different ways. Anyone who has "rich" parents sits it out effortlessly and pushes for their own "self-optimization". And what seems logical: Especially among humanities scholars, there seems to be extreme competition in such a way that “networking” (establishing and maintaining cliques) and luck are what count most in order to make it big in this field. Those who "only" follow their inner compass seem to end up on the sidelines. In this respect, it seems to me that there is an extreme division here: those who prove to be “assertive” in the social sense (often not the majority of humanities scholars) seem to have a clear advantage. All in all, it seems to me that something like this does not lead to a part of the academically educated being able to prove themselves as a “useful member” of society and thus do their best. In addition, such "successful ones" tend to forget what they owe to the society that created the conditions for their advancement. Where a lack of orientation and a lack of willingness to question oneself can lead becomes extremely clear in the current state of this society and its developments. “Sense” hardly seems to be accepted as a category anymore. "The markets" rule and look for their staff. The "rich" seem firmly convinced that they owe their success to themselves and therefore deserve it. The successful still celebrate their "merits" with great arrogance and media charisma. There seems to be "still" (!) a general belief that the value of a person is measured by their wealth, their professional status and their educational qualifications. On the other side of the social divide, those who cannot be seen squander themselves in poverty and regret that they did not adapt in good time to certain political party structures and the associated mechanisms of social advancement. In a way, they are the losers of globalization and have ended up with those dealing with low incomes and permanent degradation.
Dienstag, 8. August 2023
Wissenschaft als Religion
Es gebe keine Veränderung des Abstands zwischen Arm und Reich, behaupten interessierte Kreise und führen dazu regelmäßig scheinbar objektiv belastbare Statistiken ins Feld. Ja wie nun? Ob uns da nicht eine Skepsis angesichts dieser Wissenschaftshörigkeit befällt? Ist Wissenschaft etwas beliebiges? Ist sie Interessen ausgesetzt, ja gelegentlich davon sogar beeinflusst? Kann das sein? Darf das sein? Ob gewisse „wissenschaftliche“ Aussagen nicht regelmäßig gekauft sind, ob „die Wissenschaft“ nicht auch korrupte Seiten hat? Theorie und Empirie, ein schwieriges Verhältnis?
Ob ein statistischer Durchschnittswert auch gelebt wird? Das primitive und sehr anschauliche Beispiel dazu lautet: jemand hat ein Einkommen von 1000 Euro. Ein anderer hat 1 Euro. Über 5 Jahre hinweg hat die erste Person einen Einkommenszuwachs von 10 Euro, verdient nun also 1010 Euro. Das Einkommen der ersten Person stagniert in diesem Zeitraum und bleibt gleich. Rein statistisch ist es diesen beiden Personen dann besser gegangen, ihr Einkommen hat sich erhöht. Blöd nur, dass dies ausschließlich für eine der beiden Personen zutrifft, für die andere nicht. Ob sich's ähnlich mit der Einkommensverteilung in Europa, insbesondere in Deutschland verhält? Neulich musste eine Tafel ihren Dienst wegen Überlastung einstellen. Im öffentlichen Fernsehen kam ein kurzes Interview dazu, in dem eine verantwortliche Person die Entwicklung zu kennzeichnen versuchte. Man habe, so diese Person, mit ein paar hundert (die genaue Zahl wurde genannt) zu betreuenden Personen begonnen. Mittlerweile sei man bei 18 000 („gefühlt“ aus der Erinnerung genannt) und würde diesen Zuwachs einfach nicht mehr bewältigen. Ob so etwas einen Seitenblick wert ist? Ob dies einen Aussagewert über die reine Stichprobe hinaus hat? Ob es ein Auseinanderdriften bedeutet? Ob wir wirklich eine immer extremer werdende Kluft zwischen Arm und Reich haben? Ob auch dies jenen Populismus produziert, der jetzt parlamentarische Demokratien auf der ganzen Welt bedroht? Wenn sich auf der einen Seite irre Reichtümer häufen und andere von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag kämpfen müssen, um mit ihren Einkommen auch nur die wesentlichsten Ausgaben bestreiten zu können. Sparen bei Strom und Ernährung: ob angesichts dessen das Label „Bio“ ein bisschen allzu leicht zu propagieren ist? Tatsache ist, das man sich selbst dieses fragwürdige Logo „Bio“ leisten können muss. Es bedeutet ja meist eine Mehrausgabe, die selbst beim sparsamsten Kurs nicht von den anderen Ausgaben abgezwackt werden kann. Da ist es womöglich leicht, locker vom Verschieben von Prioritäten zu schwadronieren. Urlaub, ein Luxusgut? Für die einen Bestandteil des Alltags, für die anderen unerreichbarer Luxus. Ob das Zeichen sind, Signaturen, oder ob es rein zufällig wahrgenommene Dinge sind, die keineswegs zu verallgemeinern und ins noble Reich der Wissenschaft zu heben sind?
Dienstag, 27. Juni 2023
Armut bei uns
Mich wundert die prominente Erwähnung einer einfachen und längst tausendfach in Studien dargelegten These, dass Armut die Demokratie gefährde, was längst zu entsprechenden Aktionen der Mächtigen hätte führen müssen. Ein Zusammenhang scheint mir dabei immer wieder klar zu sein: Wenn die Armut zunimmt (so, wie bei uns) nimmt auch die Unzufriedenheit und die Verzweiflung zu. Mit der Verzweiflung wächst die Gewalt und mit der Gewalt die Angst. All das führe, so die „Wissenden“, zu einer Entfernung von Demokratie. Wirtschaftliche Belastungen, wie etwa Inflation, müssten besser verteilt werden, starke Schultern müssten mehr tragen als schwache (politische Veränderungen in den „Neuen Bundesländern, Inflation). Es müsste bei entsprechendem politischen Willen gelingen, wirtschaftliche Entlastungen einigermaßen gezielt herbei zu führen. „Moral, Moral!“ so hören wir schon die Marktwirtschaftler spotten, die ja alles Gute vom „Markt“ erwarten. Werte wie „Gerechtigkeit“ sind bei ihnen keine Größen, die wirklich eine Rolle spielen. Wer solle denn Gerechtigkeit herstellen, so immer wieder ihre rechtfertigende Gegenfrage. Armut ist jedenfalls kein unabänderliches Schicksal der Unfähigen, sondern gehört beseitigt, wenn die Demokratie eine Chance haben soll. Die Diktatur der Starken über die Schwachen bedeutet jedenfalls keine Demokratie.
Donnerstag, 30. März 2023
Scherenweisheiten
Ungleiche Verhältnisse zerstören die soziale Kohäsion, also die Bindung zwischen den Menschen in einer Gesellschaft. Das lehrt nicht nur die Soziologie, sondern auch die Philosophie. Wohlhabende Menschen und solche mit einem bescheidenen Einkommen führen ein völlig unterschiedliches Leben. Sie wohnen und arbeiten an verschiedenen Orten, kaufen nicht in denselben Geschäften dieselben Dinge, die Kinder besuchen nicht dieselben Schulen und spielen auch nicht zusammen. Das tut der Demokratie nicht gut. Gefordert ist keine Gleichheit, sondern ein „Sich-gegenseitig-begegnen“ von Menschen mit unterschiedlichen sozialen oder wirtschaftlichen Hintergründen. So stellt man sich Fragen über das Gemeinwohl, so lernt man zu verhandeln, zu diskutieren und Lösungen zu finden. Die Ungleichheit zerstört das Gefühl, dass wir alle im selben Boot sitzen. Ein großes gesellschaftliches Problem ist die Armut. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Art, die das Problem vielleicht lösen könnte. Das Geld muss neu verteilt werden, auch im Horizont einer völligen Neubewertung dessen, was Arbeit im digitalen Zeitalter sein könnte. Es gilt nicht unbedingt, die Ungleichheit zu reduzieren. Wenn sich letztlich aber jeder würdig behandelt fühlt, wenn jeder fühlt, dass er das Notwendige zum Leben hat und die Möglichkeit, sich in die Gesellschaft zu integrieren, an ihr teilzunehmen, um sich für oder gegen etwas entscheiden zu können, könnte auch das Gefühl der Ungleichheit abnehmen. Wenn jemand sein Leben selbstbestimmt führen kann, wird er sich nicht ständig mit anderen vergleichen, es geht nnicht immer um das mehr oder weniger haben.
Samstag, 18. April 2020
USA und Europa
Gerade jetzt, in der Krise,
werden große Unterschiede zwischen dem europäischen und dem
amerikanischen Gesellschaftssystem deutlich. Die Zahlen sprechen hier
deutlich für sich. Doch noch bis vor kurzem lobten
Wirtschaftsprofessoren das amerikanische System in den Himmel und
stellten es uns als leuchtendes Vorbild hin. Das europäische System
sei viel zu sehr auf Umverteilung und Unterstützung vom Staat
ausgelegt, hieß es. Nun scheint es auch darum zu gehen, diejenigen,
die nicht so viel Geld haben, gebührend zu unterstützen. Da sind
z.b. „die Jungen“ oder die Rentner. Die USA sind da viel
kapitalistischer, es wird viel mehr privat gemacht. Wer sich etwas
nicht leisten kann, bleibt dabei außen vor. Dies wird auch dadurch
unterstützt, dass die Steuern in den USA niedriger als
beispielsweise in Deutschland sind. Es gibt Aussagen, die dahin
deuten, dass, wer sich in den USA einen Steuerberater leistet, nahezu keine
Steuern zahlt. Doch hierzulande bekommt man für seine Steuern ein
wesentlich besseres Sozialsystem und – last but not least –
Gesundheitssystem. Dies kommt auch den weniger gut betuchten Menschen
zugute. Die Armutsrate gebe da zusätzlichen Aufschluss, quaken
Wirtschaftler. Die sei nämlich vor dem Staatseingriff nahezu gleich.
Nach etlichen Umverteilungsmaßnahmen freilich reduziere sich der
Anteil der Armen im europäischen System deutlich, im amerikanischen
jedoch deutlich weniger. Im Ergebnis ist der Anteil der Armen in den
USA etwa doppelt so hoch. In den USA sei die Gesellschaft offener und
durchlässiger zwischen Arm und Reich. Es sei einfacher, Vermögen
aufzubauen. Einfacher sei es jedoch auch, Vermögen zu verlieren.
Vermögen aufzubauen sei dadurch ein Ansporn zur eigenen Leistung und
weniger als Merkmal eines Klassenunterschieds, lassen die
Wirtschaftskenner dazu verlauten. Dadurch seien die Leute
motivierter. Vom Tellerwäscher zum Millionär, so lautet der
„amerikanische Traum“. Ob er wohl im Laufe der Zeit etwas
gebrochen ist, ob es eine Lotterie und Glücksache geworden ist, in
einem solchen System Erfolg zu haben? Ob die heutigen, in den Medien
oft vorgeführten Zahlen, da einen Hinweis geben? Ob, wie es das
„amerikanische System“ ja propagiert, da ein Preis zu zahlen ist?
Klar war das amerikanische System in der Vergangenheit dynamischer
und leistungsfähiger. Doch ob dies in den letzten beiden Dekaden mit
seinen Entwicklungen der wirtschaftlichen Konzentration weitgehend
verspielt wurde? Ob dieser Preis und der Umstand, von wem er zu
bezahlen ist, jetzt in der Krise nicht ganz klar offensichtlich wird?
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Lebensmittel
Ich
nehme von der Seite aus die Botschaft wahr: „Jede dritte Lebensmittelkontrolle
fällt aus!“. Wo da der "politische Wille" bleibt? Behörden scheinen in ganz Deutschland jedenfalls in großem Stil versagt zu haben, sie sind von der Personalausstattung her noch nicht mal in der Lage, ihre geringsten Pflichten zu erfüllen. Das wundert mich nicht, wurde und wird vom Staat noch
immer ein unerbittlicher Sparkurs gefahren, bei dem man sich fragen
könnte, wem dieser nützt (Insbesondere, da die Steuereinnahmen noch nie so hoch wie jetzt waren....). Ob dieser Sparkurs auch von einer
bestimmten Partei vertreten wird, die gerne vorgibt, genau einen solchen
Sparkurs jetzt aufgeben zu wollen? Ob so etwas links ist, ob die
Linke so etwas überhaupt beachtet und registriert? Jawohl, das sind
die Alltäglichkeiten, die jemanden beeinflussen können, der nicht von
vornherein der gesellschaftlichen Mittelklasse angehört. Er nämlich
würde schon gerne auf Bio-Basis gesünder leben, hat aber einen
Preisdruck, der ihm das nicht erlaubt. Direkt: Es ist ihm zu teuer.
Er muss froh sein, wenn er überhaupt etwas an Land ziehen kann und
nicht in Abfalleimern nach Brauchbarem suchen muss. Der fortwährend anschwellende Bedarf bei Den Tafeln spricht diesbezüglich Bände.
Die Ärmsten der Armen haben keine Lobby, nicht mal bei den Linken.
Sie sind nicht repräsentiert. In einer repräsentativen Demokratie
ist das katastrophal.
Mittwoch, 11. September 2019
Lebenswelten
Andere Lebenswelten. Die
Personen, die sich jetzt vergnügen: im See, am Strand, beim Cocktail
usw. Die das zur Schau tragen und um den „Neidfaktor“ wissen.
Überhaupt „Neid“. Der Begriff scheint nahezu jedem entgegen
geschleudert zu werden, der irgendetwas nicht in Ordnung findet, was
die finanziellen Verhältnisse in dieser Gesellschaft betrifft. Natürlich ist das moralisch verwerflich. „Aber
anderswo ist es ja noch viel schlechter!“, so höre ich den
reagierenden Verweis schon im Voraus. Ja klar, weiß ich. Aber an
anderer Stelle will man doch hier besser als andere sein,
nachhaltiger, entspannter, der Lage entsprechender und vorbildlicher.
Alles, wie es gerade passt….so geht es mir durch den Kopf.
Zumindest mir geht dabei durch den Kopf, dass es zumindest
erstaunlich ist, dass da scheinbar alle mitmachen. Stillschweigend.
Samstag, 24. August 2019
Arm und Reich - und Hartz 4
Was mich immer wieder
wundert, ist das Bild des wirtschaftlichen Erfolges trotz eines drohendem Abschwungs, das offiziell
abgegeben und verbreitet wird. Wie gewisse Lebenswelten sich in dieser Gesellschaft
radikal unterscheiden und die Unterschiede als gottgegeben akzeptiert
werden. Tatsache ist ja wohl: Es gibt einen wachsenden Andrang bei
Tafeln. Ohne solche Hilfsangebote würde das System auch
funktionieren, so ein CDU-Politiker. Gewisse Politiker sagen offenbar auch,
dass man mit Hartz4 gut auskomme. Offiziell herrscht ja immer noch Vollbeschäftigung. Alles gut! Es gibt aber auch eine andere Sprache: die der
Spaltung in Arm und Reich.
Der Andrang bei den Tafeln nimmt eindeutig zu, könnte im wissenschaftlichen Sinne einen Indikator abgeben (unter anderen!). Berücksichtigt ist dabei noch nicht, dass sich viele Leute schämen, zur Tafel zu gehen. Hinzu kommen wohl gewisse behördliche „Eigenarten“: Unterhaltsberechnungen könnten fragwürdig sein. Erziehungsgeld, Kindergeld anrechnen, abrechnen, ausrechnen.... und vieles andere. Den "Klienten" damit unter Druck setzen. Natürlich gibt es auch "Klienten", die das System auszunutzen versuchen. Aber wieso wird das nicht wirksam unterbunden. Wieso werden solche Leute zur Rechtfertigung für "Sparmaßnahmen" heran gezogen? Offiziell wird ein Verdacht gestreut: Faulpelze? Es gilt, „Hartz 4-Leistungen des Staates zu kürzen, Leistung zu fördern“. Ob gewisse Leute, die für die Einführung dieses Systems verantwortlich waren, sich bewusst sind, wie sehr sie in die gesellschaftliche Realität eingegriffen haben? Es heißt dann immer, dass die Hartz4-Reformen immens wichtig für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands gewesen seien.
Der Andrang bei den Tafeln nimmt eindeutig zu, könnte im wissenschaftlichen Sinne einen Indikator abgeben (unter anderen!). Berücksichtigt ist dabei noch nicht, dass sich viele Leute schämen, zur Tafel zu gehen. Hinzu kommen wohl gewisse behördliche „Eigenarten“: Unterhaltsberechnungen könnten fragwürdig sein. Erziehungsgeld, Kindergeld anrechnen, abrechnen, ausrechnen.... und vieles andere. Den "Klienten" damit unter Druck setzen. Natürlich gibt es auch "Klienten", die das System auszunutzen versuchen. Aber wieso wird das nicht wirksam unterbunden. Wieso werden solche Leute zur Rechtfertigung für "Sparmaßnahmen" heran gezogen? Offiziell wird ein Verdacht gestreut: Faulpelze? Es gilt, „Hartz 4-Leistungen des Staates zu kürzen, Leistung zu fördern“. Ob gewisse Leute, die für die Einführung dieses Systems verantwortlich waren, sich bewusst sind, wie sehr sie in die gesellschaftliche Realität eingegriffen haben? Es heißt dann immer, dass die Hartz4-Reformen immens wichtig für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands gewesen seien.
Viele wissenschaftliche
Studien zeigen aber, dass die Hartz4-Reformen so nicht verantwortlich
waren für die Abnahme der Arbeitslosigkeit und den wirtschaftlichen
Aufstieg in der jüngeren deutschen Vergangenheit. Ob man die Bevölkerung in beliebiger Weise zu Knechten eines Wirtschaftssystems machen kann? Ob's viel eher die starke Exportnachfrage war, die mit der wirtschaftlichen Prosperität zusammen hing? Solche Fragen werden in der Wissenschaft gestellt.
Export als Stärke: ein eigenes Thema. Die „Flexibilität im
Arbeitsmarkt“ hat geholfen, war aber wohl nicht entscheidend. Auf
der anderen Seite haben die Hartz-Reformen wohl eher die
Arbeitgeberseite gestärkt. Die Löhne sind auf der Arbeitgeberseite teils krass gestiegen, auf der Arbeitnehmerseite steigen sie erst in allerletzter Zeit, davor waren sie gleich geblieben oder gesunken. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen
pendeln inzwischen freundlich um 5%. Zwar gibt es mehr Beschäftigung
und weniger Arbeitslosigkeit. Doch nicht zu vergessen ist, dass
Deutschland einen weit überproportional großen Niedriglohnbereich
hat. Jeder 5. Arbeitnehmer arbeitet zu geringen Löhnen oder von
vornherein in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das passt
nicht zum Erfolgsbild, das uns fortwährend weis gemacht werden soll.
Freitag, 9. November 2018
Wer ist "Wir"?
Nach wie vor scheinen mir in
Deutschland ernst zu nehmende Personen bei jeder passenden und
unpassenden Gelegenheit zu posaunen, wie gut es Deutschland gehe. Die von ihnen manipulierten Statistiken mögen eine solche Sprache sprechen. Ich
frage mich aber, wer oder was in den Augen dieser Leute Deutschland ist?
Eine Zweidrittelsgesellschaft, die von ungefähr einem Drittel der
Deutschen glaubt, sie nicht beachten oder zu Wort kommen zu lassen.
Droht nun Altersarmut nach 2015, haben die Tafeln immer noch
steigenden Zulauf, sammeln alte Menschen Pfandflaschen, sind
alleinstehende Mütter benachteiligt, ist es nahezu unmöglich, in
den Städten und ihren jeweiligen „Speckgürteln“ eine Wohnung zu
bekommen, ist der Pflegenotstand nicht längst Realität, mit der man
mit Versprechen und wohlmeinenden Phrasen nicht mehr beikommen kann
….? Werden immer noch miserable Löhne denen bezahlt, die nach Einschätzung der "Eliten" unqualifiziert" sind? Welche von wem herbei geführten Verhältnisse mögen dazu beigetragen haben, dass sie von einer arroganten Schicht als "unqualifizert" eingestuft werden? Werden zum Zusammenbau unserer Smartphones nicht Menschen in
Afrika ausgebeutet? Leben wir alleine auf der Welt? Wer ist „wir“?
Sonntag, 19. August 2018
Armer Tropf in digitaler Welt
Werbung
für Smart Home-Technologien kommen immer mehr auf. Sie sollen einem
ganz neue Bequemlichkeiten erlauben, Selbstregulationen per
Künstlicher Intelligenz, gesteuert per Smartphone: Licht aus- oder
anmachen, Fensterläden klappen, Milch bestellen, Auto anlassen und
wärmen, ehe ich einsteige.....usw. Doch wer hat ein großes Heim,
kann sich die neuesten digitalen Technologien dafür leisten? Wer
kann mit der per Digitalisierung so versprochenen frei gewordenen
Kreativität und mit dem Freiraum etwas anfangen? Wir könnten das
einüben. Wir könnten lernen, unsere Kreativität für uns selbst
nutzen – und nicht nur dafür, den CEO für 20 Firmen gleichzeitig
abzugeben, - wie das gewisse Denker des Silicon Valley versprechen.
Wir erfahren von neuen Erkenntnissen, die Beeinflussung des
amerikanischen Wahlkampfes betreffend. Doch wie steht es dabei um die
Quellen solcher Informationen? Welche Rolle wohl Social Bots
spielen....?
Ist
da eine relativ unabhängige menschliche Quelle oder ein Bot, der
unsere Meinung bestätigt?. Fest steht: Amazon/Big Data hört immer
mit und entwirft.....beispielsweise Einkaufspläne. Was aber, wenn
ich mir diese Einkäufe gar nicht leisten kann oder will? Wenn ich
darunter weg klappe? Wenn ich mir kein selbstfahrendes Auto leisten
kann? Kein großes Smart Home mit tausend Funktionen?
Ich
stelle in meiner Umgebung zunehmend so etwas wie einen
Datenfatalismus fest. Quintessenz dessen: „Ich habe eh keinen
Einfluss darauf, wer meine Daten nutzt. Ob das ein Geheimdienst oder
ein Onlineshop ist..... so what?" Dabei ist alles noch viel
raffinierter: Je mehr Daten über einen verfügbar sind, desto besser
kann jemand überredet werden. Wenn die Instanz weiß, welche Sites
man besucht, wo man politisch steht, was einen in sozialen Medien zum
Mitmachen reizt, dann kann Werbung gezielt auf jemand zuschneiden.
Was aber, wenn jemand auf eine solche Art der Werbung nicht antworten
kann, indem er nämlich nicht die ökonomische Kraft dafür besitzt?
Anders gesprochen „indem er nicht die nötige Kohle dafür hat“?
Fällt dann jemand heraus, bekommt er ein ausgeklügeltes
Kreditangebot - oder wird er Aufsichtsbehörden gemeldet?
Sonntag, 4. Februar 2018
Armut (1)
Die letzte Zeit hagelt es
Aussagen, Deutschland gehe es wirtschaftlich so gut wie nie zuvor und
alles sei wirtschaftlich zum Besten bestellt. Dies scheint Konsens zu
sein und allgemein akzeptiert. Das Irritierende daran: es stimmt und
es stimmt auch wieder nicht, denn es stellt sich in dieser sich immer
weiter auseinander entwickelten Gesellschaft (auch das wird von
Wissenschaftlern in Frage gestellt...) immer die Frage, für wen es
im sozialen Gefüge da so gut läuft. Außerdem irritiert, dass
Leute, die ich selbst ernst nehme, solche Aussagen kolportieren, als
seien sie die beglaubigte Wahrheit unter den Wahrheiten. Dabei
scheint Fakten zu geben, die solche allgemein ausgegebenen
Wohlfühlparolen zumindest etwas relativieren könnten: Die
Armutsquote in Deutschland soll bei nahezu 16 % liegen. Dabei wird
ständig der Begriff „Armut“ in Frage gestellt: was ist Armut?
Wie definiere ich sie? „Arm“ oder „armutsgefährdet? ….Und
schon ist der Sachverhalt wieder aufgetröselt, diskutabel, in Frage
gestellt.....Den Betroffenen werden währenddessen Peinlichkeiten und
Arbeitsverhältnisse zugemutet, die gerne so gerechtfertigt werden:
„Vor einiger Zeit hatten wir die Wahl, ob „Minderqualifizierte“
in Arbeitslosigkeit leben sollten oder ob sie in Arbeit kommen
sollten, indem der Staat zu ihrem Lohn noch etwas drauf gibt und
„aufstockt“. Wir haben uns für die zweite Möglichkeit
entschieden. Dabei stellt sich die Frage, wer in diesem Fall „wir“
ist und wer sich für was entschieden hat. Diese Frage führt im
Falle Deutschlands unweigerlich auf die Agenda 2010 und solche
Alphamenschen wie Gerhard Schröder zu. Übrigens: Schröder. Der
inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender der russischen Firma Rosnjeft
ist, ist gleichzeitig Mitglied der SPD.
Freitag, 1. Dezember 2017
Armut revisited
Martin Schulz und sein erster „Gerechtigkeitswahlkampf“ für die SPD: alles erledigt?
Verliererthema? Falsch drauf? Es gehe allen gut, so wird gerne behauptet. Deutschland ist nicht nur im Aufschwung, sondern sogar
im Boom. Die Wachstumsraten sind hoch, die Arbeitslosenzahlen
(scheinbar) reduziert. Die Stimmung in den Unternehmen ist gut, der
Exportwirtschaft floriert, die Konsumausgaben steigen.
Wenn bloß das nicht wäre:
in Deutschland sind 16 Millionen Menschen von Armut oder sozialer
Ausgrenzung bedroht. Das bedeutet: jeder Fünfte in Deutschland ist
von Armut bedroht. Wow! Die durchschnittliche wirtschaftliche Lage
sagt womöglich nicht viel darüber aus, wie es einzelnen Menschen
geht. Wenn einer 100 verdient und der andere 1, wäre das Mittel 50.
Ob das etwas aussagt? Über die Situation der Alleinerziehenden, der
Kinder? Ob es etwas über die Wohnsituation in den Städten und die
dramatische Landflucht? Steuern und Abgaben sollen mal wieder
entlastet werden, am besten so, dass es den Armen nutzt. Die
Begründung des Solidaritätszuschlags ist entfallen. Also sollte er
abgeschafft werden. Aber vielleicht nicht so, dass das nur den
Reichen nützt..... wie? Sich eine passende Regelung zu überlegen,
wäre Aufgabe der Politik. Dass viele Erwerbstätige in Deutschland
inzwischen arm sind, liegt daran, dass sie vielleicht einen oder
mehrere Jobs haben, die aber in Teilzeit oder im Niedriglohnsektor
verankert sind. Sie können davon nur schwer leben. Fast 2,7
Millionen Arbeitnehmer gehen in Deutchland offenbar noch einem
Mini-Job nach. Das bedeutet, dass mehr Armut nicht zwingend weniger
Armut bedeutet. Jamaika ist vorbei. Doch die Fakten bleiben.
Montag, 13. November 2017
Steuerparadiese, Wutbürger
Ein beliebtes Spiel der
Rechtfertigung von gewissen Steuermissständen ist es, das Gebaren
von Reichen und Armen gegenseitig aufzurechnen. Es gäbe ja so viele
Arme, die den Staat auch gerne mal betrügen würden, etwa bei der
Anmeldung von Reinigungskräften, die als Geschäftsessen deklarierte
Geburtstagsparty oder falsche Angaben bei der Pendlerpauschale. Das
soll also genauso oder sogar (wegen der Gesamtsumme) noch
verwerflicher sein, als das Gebaren von Steuersündern, die
Steuervermeidungsstrategien mittels geschickter Anwälte und findiger
Steuerberater durch die Flucht in „Steueroasen“ auszunutzen
versuchen. Dahinter steht wohl auch die neoliberale Ansicht, dass in
einem Staat alles erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten sei.
Gerne wird sich in diesem Zusammenhang auf den Rechtsstaat berufen,
der in diesem Zusammenhang und „im Namen des Volkes“ ohnehin
gerne herbei zitiert wird. Alles legal. Leute, dass die Politik diese
Gesetze gemacht hat und all dies erlaubt, gehört zum Skandal! Das
Argument, dass gewisse Dinge auch „legitim“ sein können, wird
mit dem Hinweis auf die in den achtziger Jahren so beliebten
„Sachbeschädigungen“ abgeschmettert. Es wird vor einer
„abschüssigen“ bahn gewarnt, wenn das „Legitime“ eine
größere Rolle spielen sollte. Auch soll die sogenannte
„Hausbesetzerszene“, die unter anderem bei dem G 20-Gipfel in
Hamburg so unangenehm sichtbar wurde, dadurch nicht nachträglich
gerechtfertigt werden, dass die Legitimität ihrer Aktionen behauptet
werde, so das hinterhergeschobene Argument. Dass ganze Staaten von
ihren geringen Steuersätzen leben, dass es geradezu ihr
Geschäftsmodell innerhalb der EU ist, wird in diesem Zusammenhang
als Ärgerlichkeit wahrgeommen. Letztlich soll es aber an der EU und
dem dahinter stehenden politischen Willen liegen, dass solcher
Steuerwettbewerb nicht unterbunden wird. Dass Deutschland dabei
offenbar großartige Erklärungen gegen Steuersünder abgibt, in
Brüssel aber alle gesetztlichen Vorschriften blockiert, macht die
Sachlage auch nicht besser. Moral nutze da weniger, es müssten
Vorschriften oder Gesetze her. Dass Minister dagegen sofort
protestieren und dabei ins Felde führen, dass sich die EU bei einer
entsprechenden Gesetzgebung ja selbst anklagen würde, macht die
Sache nicht (Ob das einschlägige Lobbyisten und Kumpels zu vermeiden
wissen?) übersichtlicher. Jedenfalls scheinen solche Verhältnisse
in der EU möglich zu sein. „Black List“? Ja. Aber nicht mit
Ländern aus der EU. Und überhaupt, gegen moralisierende
Argumentationen verwahrt man sich sowieso. Moral? Igitt! Dass Reiche
von vornherein ganz andere Möglichkeiten der Steuervermeidung haben
als der sogenannte Kleine Mann und dadurch eine sozusagen
programmierte Ungerechtigkeit entsteht, bleibt da ganz außen vor.
Dass derjenigen Gemeinschaft, in der Gewinne erzielt werden, ein
gewisses Recht auf Steuereinnahmen zusteht, - nun ja, wer wollte das
bestreiten? Wer das Recht hat, diesem Gemeinwesen die ihm zustehende
Steuer (Streitpunkt, wieviel....aber nicht, dass....) einzutreiben?
Hm, zumindest einschlägige Anwälte und ihre Kumpels in der Politik.
Wo da der Wutbürger bleibt? Von ihm war nichts zu hören. 1000
Milliarden pro Jahr werden einstweilen vermisst.
Mittwoch, 8. November 2017
Staat, Steuer, Arm und Reich
Wir staunen und sind nicht einmal überrascht. Die
„Paradise Papers“ offenbaren, dass sich die Reichen, Superreichen
und superreichen Konzerne schadlos halten, dass sie schalten und
walten, dass sie jede juristische Spitzfindigkeit nutzen, um am Ende
keine Steuern zu zahlen. „Steuervermeidungsstrategie“ nennt sich
so etwas dann und sie scheinen bei ihren Aktionen allzu willfährige
Helferlein überall zu haben. Natürlich sind wieder prominente Namen
unter den Aufgedeckten, die natürlich dementieren (lassen) und
selbstverständlich von nichts gewusst haben wollen. Haben alles ihre
Steuer- und Vermögensberater gemacht, sie selbst haben damit nichts
zu tun. Klaro. Welches Licht solche Verhaltensweisen auf die Stellung von
Steuervermeidern gegenüber dem Gemeinwesen haben, ist damit einmal
wieder leider sehr klar demonstriert. Ein zynisches Lachen, ein überlegenes
Lächeln, ein wissendes Nicken.... nun ja, die allzu eingeschliffenen
emotionalen Reaktionen dazu waren ja auch in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zu besichtigen. Niemand weiß von nichts, man ist neu hier..... „Mal hier einen Wohnsitz, mal dort einen
Wohnsitz...“ und mindestens 183 Tage im Jahr auf See, - das
einschlägige Gebaren von Steuervermeidern ist ja längst bekannt. Dass sich auch staatseigene Großfirmen eines ähnlichen Verhaltens befleißigen sollen: naja. Was da wohl läuft? Kein Mensch weiß anschließend noch, wo der derart fleißig Reisende (Konzern) seine Steuern entrichtet oder nicht entrichtet. Aber alles ist legal. Das ist wichtig. Ein
bisschen Tricksen halt. Briefkastenfirmen, Verschleierungstaktiken, kreative Vermögens- und Steuerberatung, Cayman-und Virgin-Inseln, Isle of Man, vielleicht auch ein bisschen Niederlande ... gewusst, wie. So mancher fragt sich, was die vielen Fahnder
in den hiesigen Finanzämtern eigentlich so machen. Aber die sind ja in ihrer
ohnehin viel zu geringen Zahl so etwas von überlastet mit dem
Kontrollieren von Kleinunternehmern, Start-Ups, ganz "normalen" Steuerpflichtigen und anderen kleinen
Fischen.......
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Am nächsten Tag ist in der Presse, dass ein Staatsanwalt einen Strafbefehl gegen einen Sparkassenlenker in einem wichtigen Bundesland verhängen will. Ein richtiger Präsident. Der Mann soll seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 verspätet abgegeben haben und somit Steuerhinterziehung begangen haben, so der Staatsanwalt. Der mutmaßliche Hinterzieher war von 2002 bis 2007 Bundestagsabgeordneter und von 2008 bis 2011 Finanzminister eines sich für herausragend haltenden Bundeslandes. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. In drei Tagen wird’s ohnehin wieder vergessen sein.
Dienstag, 29. August 2017
Rente und Altersarmut
Alles scheint ruhig. Das deutsche Wahlvolk wählt
unter Umständen sogar – drastisch ausgedrückt - seine Schlachter
(anders als in England oder Frankreich, wo Wut öffentlich zum Ausdruck gebracht wird). Doch es ist dies auch die Folge
einer lange anhaltenden Erziehung, die auf Individualisierung und
Vereinzelung zielt - und dabei den Neoliberalismus im Sinn hat,
dessen Vertreter dazu neigen, alle Macht dem Markt übergeben zu
wollen und von ihm das Heil der Welt zu erwarten. Am Markt sollen immer Individuen teilnehmen. Unsinn!, so höre ich schon "Experten" murmeln.
Zum Beispiel Arbeitslosigkeit: heute ist das eine Art persönlicher Makel und nicht die Folge der Politik von Konzernen. Die herrschende Politik versucht, die Armen gegen diejenigen, die noch weniger haben, auszuspielen. Die Altersarmut droht aber überall (die Anzeichen sind eindeutig und sind eine Folge von gewissen Beschäftigungsverhältnissen!), ja sie ist oft sogar schon da (fragt sich nur, ab welcher statistischen Grenze das als solches wahrgenommen wird), - und alle bleiben ruhig. Denn es soll sich lohnen und es soll Spass machen, hier zu leben, wie eine Herrschende vollmundig verkündet. Ist es wirklich so toll, auf etwas wie Altersarmut zuzugehen? Folgendes Zahlenspiel: Ein Standardrentner ist jemand, der 45 Jahre lang ohne Unterbrechung mit dem durchschnittlichen Arbeitseinkommen gearbeitet hat (das liegt z. Zeit bei 3022 Euro pro Monat/Brutto). Dies würde eine Rente von 1300 Euro brutto mit sich bringen, nach Abzügen netto etwa 1100 Euro). Womöglich gibt es auch jetzt schon viele Menschen, die mit ihrer Rente darunter liegen. Ob wir dadurch auf eine große Altersarmut zulaufen? Ob das dem sogenannten „Leistungsgedanken“ förderlich ist? Ob die Schere zwischen Arm und Reich (wohlbestallte Renten oder im Falle von Beamten sind das fette Pensionen) auseinander geht? Ob die daran abzulesende zunehmende Ungleichheit noch zu leugnen ist? Ob sie bei den Wahlen Konsequenzen haben wird?
Zum Beispiel Arbeitslosigkeit: heute ist das eine Art persönlicher Makel und nicht die Folge der Politik von Konzernen. Die herrschende Politik versucht, die Armen gegen diejenigen, die noch weniger haben, auszuspielen. Die Altersarmut droht aber überall (die Anzeichen sind eindeutig und sind eine Folge von gewissen Beschäftigungsverhältnissen!), ja sie ist oft sogar schon da (fragt sich nur, ab welcher statistischen Grenze das als solches wahrgenommen wird), - und alle bleiben ruhig. Denn es soll sich lohnen und es soll Spass machen, hier zu leben, wie eine Herrschende vollmundig verkündet. Ist es wirklich so toll, auf etwas wie Altersarmut zuzugehen? Folgendes Zahlenspiel: Ein Standardrentner ist jemand, der 45 Jahre lang ohne Unterbrechung mit dem durchschnittlichen Arbeitseinkommen gearbeitet hat (das liegt z. Zeit bei 3022 Euro pro Monat/Brutto). Dies würde eine Rente von 1300 Euro brutto mit sich bringen, nach Abzügen netto etwa 1100 Euro). Womöglich gibt es auch jetzt schon viele Menschen, die mit ihrer Rente darunter liegen. Ob wir dadurch auf eine große Altersarmut zulaufen? Ob das dem sogenannten „Leistungsgedanken“ förderlich ist? Ob die Schere zwischen Arm und Reich (wohlbestallte Renten oder im Falle von Beamten sind das fette Pensionen) auseinander geht? Ob die daran abzulesende zunehmende Ungleichheit noch zu leugnen ist? Ob sie bei den Wahlen Konsequenzen haben wird?
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