Reise durch Wirklichkeiten

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Freitag, 13. Dezember 2024

Schopi und die Hunde

Schopenhauer gab seinen Hunden oft den Namen Atma. Gerade dies weist auf den Kern der Philosophie Schopenhauers und der von ihm hoch geschätzten altindischen Upanishaden hin. Atma, genauer Atman, bedeutet darin so etwas wie Einzelseele. Dazu fassen die Upanishaden ihre tiefste Erkenntnis in die Worte: Tat twam asi – Das bist Du – Die Einzelseele ( Atman ) ist identisch mit der Weltseele ( Brahman )! Das gilt für den Menschen, für den Hund, ja für jedes Lebewesen. Vielleicht ist das, was Schopenhauer als „unzerstörbares Prinzip“, als „Archäus“ (Urkraft), aus den Augen eines Hundes leuchten sah, nicht verschieden von dem, was die Upanishaden als Brahman, Weltseele, bezeichnen. "Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?" (Arthur Schopenhauer)

Mittwoch, 13. Mai 2015

Wahrnehmungsweisen

Wir stellen uns die Welt durch die Augen von Tieren vor und verwechseln das leider mit unserer eigenen Sicht. Wir projezieren mehr, als dass wir uns in Tiere hineinversetzen (was ja dann auch ein gängiges "Gegenargument" gegen jede Form der Liebe zum Tier abgibt). Raum und Zeit können ja durchaus verschieden erlebt werden, allein schon das Sehen von Farben bleibt bei manchen Tieren unter unseren Möglichkeiten oder geht teilweise weit darüber hinaus. Es gibt keine einheitliche Welt, die auch alle Lebewesen umfasst. Dies ist ja wohl eine Vermenschlichung und menschliche Anmaßung. Insekten leben durchaus in einer ganz anderen Welt als wir und – es ist doch dieselbe. Wir machen uns zudem unsere Umwelt zunutze, wir legen sie unseren Bedürfnissen zurecht. Ein Wald mag da für ein Insekt etwas ganz anderes als für den Förster sein. Es ist eine andere Lebenswelt für dieses Wesen, das es mit anderen Sinnesorganen aufnimmt als wir. Da sind Augen, Düfte, Geräusche gegebene Welten, die so etwas wie einen „Kanal der Wahrnehmung“ bilden, durch den sich ein und dieselbe Welt jeweils anders abbildet. Kompliziert? Wie funktionieren Filter? Genau so. Filter können wir uns vorstellen. Sie engen das Blickfeld ein oder blenden bestimmte Aspekte auf. Und was sind in der Folge die Möglichkeiten, um auf die empfangenen Eindrücke zu reagieren. Das hängt wohl auch von unseren Gegebenheiten ab, von unseren Voraussetzungen, Umwelt für unsere Bedürfnisse zu „verarbeiten“. Kopulieren, fressen und gefressen werden, - die Evolution stellt uns vor diese Aufgabe, die wir aber je nach Spezies durchaus verschieden zu bewältigen versuchen. Unterschied: wir haben unseren Verstand, unseren Grad der Bewusstheit (wer sagt denn, dass es außerhalb unserer jetzigen Wahrnehmung einen viel höheren Grad der Wahrnehmung gibt?), unsere „Verantwortung“ für das, was wir tun. Oder nicht? Die Wissenschaftler und diejenigen, die es von Beruf aus wissen müssten, sind sich da nicht immer so sicher. Manche behaupten, dass wir eine Funktion unserer Gene, unserer Hirnwindungen oder unser Umwelt und ihrer Determinationen seinen. Um ihre Thesen griffiger zu machen, bleiben diese „Wissenschaftler“ meist ganz einseitig bei ihrer Betrachtungsweise. 
Wie in manch anderen Filmen, so wird übrigens auch im Streifen "Katzenmenschen" aus dem Jahr 1982 mit Nastassja Kinski und Malcolm McDowell mit diesem Effekt gespielt. Zur Filmmusik von David Bowie und Giorgio Moroder wird unter der Regie von Paul Schrader hier mit einer subjektiven Kamera mit der Wahrnehmungsweise von Katzen gespielt, d.h. die Kamera versetzt sich spielerisch einige mal hinein in eine "katzenhafte" Welt und deren Wahrnehmung. Auf nahezu spirituelle und mystische  Weise, die in diesem Falle natürlich auch ihre kommerzielle Absicht verfolgt, teilt sich dem Zuschauer für eine begrenzte Zeit eine andere Welt mit, zumindest streift er sie gelegentlich und wird dadurch von einer Art wonnigem Horror-Schauder ergriffen.  

Freitag, 13. März 2015

Ausschnitte beschränkter Perspektiven

Dies hier habe ich auf einem alten Zettel gefunden, der mein früheres Sein markiert hat. Ich habe öfters Anwandlungen, mich selbst als Ganzes zu suchen, auch in der Vergangenheit, in der Person, aus der heraus ich mich entwickelt habe.

Ausschnitte: Wir haben immer nur Ausschnitte vom Leben, oder was man dafür hält. Jeweils, je nach Perspektive. Hattest du nie Lust, Alles kennenzulernen, das Ganze? Ich weiß, das ist hemmungslos anspruchsvoll, unrealtisch und so weiter.....Aber zieht nicht die Aussicht, dein eigenes kleines beschränktes Ich zu verlassen und zum Vielen zu werden, zu allem? Aus den Augen aller zu blicken? Etwas oder jemanden wirklich kennen zu lernen? Ja, ich höre das Lachen von vielen Seiten und ihr habt ja recht mit euren Einwänden. Ich kenne sie. Aber trotzdem, stell's Dir vor! Nicht als Profi-Philosoph, sondern einfach nur als Mensch, - wenn du das noch sein kannst. Lache nicht! Wer kann das schon mit Sicherheit von sich behaupten? Sei anspruchsvoll und unersättlich. Lass dich ziehen von der Aussicht, deine eigene kleine beschränkte Aussicht zu erweitern, hinein in andere Perspektiven. Lerne, damit zu spielen, ein Ich zu sein und ebenso kein Ich zu sein! 

Mittwoch, 18. Februar 2015

In Augen

Da ist eine Bereitschaft zur nonverbalen Kommunikation. Ein Aufgehobensein in der unschuldigen Natur, im Kontakt mit der Welt, unabgegrenzt das Ich, - also in einem magischen Zustand. Die Sentimentalität, aber auch die Sensibilität darf ich mir ganz bewusst erlauben. Ich kann in Augen eines Hundes schauen und im Rätsel sein. Darin gefangen sein. Was ist das? Es heißt, die alltäglichen Erklärungen dafür nicht zu akzeptieren. Das Rätsel, das es fortwährend bedeutet, mit diesen Wesen in Verbindung zu treten.
Diese wunderbare Zuneigung, wo kommt sie her? Utilitarität? Was nutzt mir das? So fragen sich viele Menschen. Der Nutzen ist der Maßstab, an dem sie alles messen. Möglichst jener Nutzen, der sich in geldwerten Vorteil auszahlt. Ein Hund hat etwas vom Menschen, er profitiert von ihm, keine Frage. Aber ist es das, was aus diesen Augen spricht? Eine Berechnung? Ganz gewiss nicht dieses einzelnen Hundes. Also eine Berechnung der Rasse? Überleben? Was ist dagegen die Berechnung des Menschen? Überleben, oder alle anderen untertan zu machen?
Du bist dir anderen Mensche gegenüber immer irgendwann einmal fremd vorgekommen, du hast begriffen, dass du letztendendes doch allein bist. Diese Distanz ist aufgehoben, in diesen Hundeaugen, diesen Katzenaugen. In diesem Wesen, das ich so leicht nicht einordnen kann, mit dem ich kommunizieren kann und das mir „nachgeordnet“ (christliche Idiologie) sein soll. Gottfried Benn: "Der Mensch, das Schwein, die Krone der Schöpfung". Hast Du mal in Kuhaugen geblickt? Fressen und gefressen werden? Man muss das verdrängen und es gelingt einem viel zu leicht. Die anderern liefern einem die Floskeln. Man macht sich unempfindlich. Man lernt, was man alles ausblendet: den Tod, das Leben. Das Abschlachten, das Blut. Fleisch ist in der Theke ein Produkt, sauber abgepackt. Nichts erinnert mehr an die blutige Wahrheit.