Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Mittwoch, 5. Juni 2024
Luther, Geh Voran
Was wir von Martin Luther lernen können? Das Beharren auf uns selbst als Instanz, das konzentrierte Festhalten von Werten und Zielen, die man für sich und andere als wichtig erkannt hat. Das auch gegenüber vermeintlichen Autoritäten durchzusetzen, dafür zu stehen, durch Druck hindurch zu gehen, das zeichnet Juncker Jörgs Weg aus.Dass er darüber hinaus ein Kind seiner Zeit war, dass er auch Unsinn produzierte, wie etwa seinen Antisemitismus, ist unsäglich und jämmerlich, macht aber diesen Weg nicht aus. Das trotzige Beharren auf der von ihm erkannten Instanz, auf der Bibel, auf dem „Wort“, das freilich macht eine Strahlkraft dieser Figur aus. Aufs Heute übersetzen? Wir sind nicht nur dem ständigen Trommelfeuer von Manipulation und Werbung ausgesetzt. Wir sind Objekte geworden, Zahlen in einem Spiel um Rendite und Profit. Sich besinnen auf eigene Werte, nicht gegen und nicht für etwas, sondern in sich selbst geeicht, das könnte etwas Verlockendes sein. Dem Menschen sein Selbstbewusstsein zurück geben, das war auch das Vorhaben der fast zeitgleich stattfindenden Renaissance: Leonardo Da Vinci mag hier als herausragendes Subjekt genannt werden. Der Mann war nicht akademisch gebildet und hat doch der Menschheit Impulse gegeben, die ganz klar bis heute reichen.
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What can we learn from Martin Luther? The insistence on ourselves as an authority, the concentrated adherence to values and goals that we have recognized as important for ourselves and others. To enforce this even against supposed authorities, to stand up for it, to go through pressure, that is what distinguishes Juncker Jörg's path. The fact that he was also a child of his time, that he also produced nonsense, such as his anti-Semitism, is unspeakable and pathetic, but that doesn't make this path possible. The defiant insistence on the authority he recognized, on the Bible, on the “Word”, is of course what makes this figure so radiant. Translate to today? Not only are we subjected to the constant barrage of manipulation and advertising. We have become objects, numbers in a game of return and profit. Reflecting on your own values, not against or for something, but calibrated within yourself, that could be something tempting. Giving people back their self-confidence was also the aim of the Renaissance, which took place almost at the same time: Leonardo Da Vinci may be mentioned as an outstanding subject here. The man was not academically educated and yet he gave humanity impulses that clearly continue to this day.
Donnerstag, 18. Februar 2021
Juristerei (2)
Angefangen hat das alles mit so etwas wie „political correctness“, die ich, wie zugebe, anfangs nicht gebührend ernst genommen habe (weil ich ihre Vertreter in der Sache sehr ernst genommen habe...) und die in vielerelei Form Eingang in die Rechtssprechung gefunden hat. Recht und Gerechtigkeit: in welchem Verhältniss könnten sie zueinander stehen? Ob es ein „gesetztes Recht“ gibt, dass auch im Widerspruch zu dem von mir als richtig erkannten Recht steht? Ob sich daran sogar die Verpflichtung zum gezielten Rechtsbruch knüpft? Jeder Jurist würde sofort zugeben, dass er eine Verantwortung gegenüber der Moral und der Gerechtigkeit hat, die ihn sogar bzwingen könnte, das Recht zu brechen. Gleichzeitig wäre man als Jurist auf das geltende Recht verpflichtet. Ob das ein Widerspruch ist, den es als gilt, auszuhalten? Die Juristen, die ich kennen gelernt habe, scheinen kein Problem mit so etwas zu haben. Anwälte wickeln im Auftrag, die ihnen übertragenen „Fälle“ ab. Richter sprechen Recht „nach besten Wissen und Gewissen“ und „im Auftrag des Bürgers“. Es scheint ein Ritual geworden zu sein, eine inhaltsleere Phrase, die von Talaren und in dicke Bücher gegossene Weisheiten von Großjuristen geadelt sind. Die Frage, was recht und was richtig sei, scheint in der praktischen Welt keine Rolle mehr zu spielen. Auf der Ebene des Abstrakten klingt sie staubig und vorgestrig unserer Welt nicht angepasst. Allein zu sein mit seiner Verantwortung, scheint unter Juristen keine Mode mehr zu sein.
Donnerstag, 24. September 2020
Wissen und Tun (2)
Man
kann von etwas überzeugt sein und bereit, zur Lösung eines Problems
beizutragen. Wir meinen das dann sehr ernst und sind ergriffen, betroffen. Zwei Stunden später
geht das Leben im Alltag aber weiter und wir steigen ins Auto, um
irgendwohin zu kommen, Konferenzen rufen uns, - was soll man auf die
Schnelle da noch essen? Nun gut, da liegt doch dieses
Fast-Food-Restaurant so günstig am Weg! Dieses eine Mal esse ich
etwas, was ich eigentlich nicht essen sollte! Nur dieses Mal! Da sind
Lebensumstände, in die wir uns hinein gezwungen fühlen. Doch das
wird angesichts des Klimawandels und des Zustands unserer Natur nicht
mehr gehen. Die Politik ist nun dringend aufgerufen, andere
Bedingungen zu schaffen - im Namen der Vernunft zu überleben (nicht
im Drang, sich alles bequemer, leichter, angenehmer oder schneller zu
machen). Angesichts der neu aufgekommenen Despoten und autokratischen
Herrscher in dieser Welt mag uns da so mancher Zweifel am
Überlebenswillen der Menschheit kommen.
Mittwoch, 14. August 2019
Urlaub (2)
Ich höre jetzt per Mail aus
dem „Urlaub“, dass es mit den Kinderlein eine Not sei. Aber dass
es ja Helferlein gäbe, die einem die Not abnehmen könnten.
Kommerzielle Anbieter, die aus der Not ein Geschäft machen und so
sogar etwas Gutes tun. Die Entwicklung der Kinder fördern, so dass
sie eines Tages im Wettbewerb bestehen können...“ Gutes Gewissen
also. Familienhotel. Bespassen. Optimieren. Auf diese schöne Weise könne man ungestörte
Touren unternehmen, so wird einem mitgeteilt, in „unbekannte“
Regionen, jedenfalls dorthin, wo nicht die Massen der Touristen herum
rennen. Ein bisschen Abstand gewinnen. Vielleicht mal einen
Städtetrip einstreuen. Aber das ist ja wegen der „Flugscham“
auch nicht mehr so leicht. Jedenfalls: Keine Bälger mitschleppen, die alles
langweilig finden und einem die Laune verderben.
Mittwoch, 23. August 2017
Intellektuellendiskurs
Jaja, Intellektuelle weisen einen Blick auf das
Allgemeine und das Ganze weit von sich! Das habe ich erst kürzlich
wieder einem Interview entnommen. Welcher Unterschied zu den
sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, in denen das
Pendel leider etwas zu sehr in die andere Richtung ausschlug!
Intellektuelle, wer auch immer das sei, fühlen sich nun nicht mehr als
öffentliche Personen, obwohl sie von der Öffentlichkeit teilweise
fürstlich für ihre Dienste bezahlt werden. Heutigen disziplinär
geordneten Bereichen scheint eine solche Verantwortlichkeit zu
widersprechen. Sie erklären, dass sie sich unfähig dazu fühlten,
dass sie nicht über die Sprache und über das qualifizierte
Einsichtsvermögen dafür verfügten. Der öffentliche und
akademische Raum müsse streng getrennt werden, so heißt es da oft in wohlhonorierter Bescheidenheit. Als Bürger dürfe
und könne man etwas sagen, seine Meinung kund tun. Als Professor
aber keinesfalls. Dieser beanspruche aus seinen analytischen
Kompetenzen heraus keinesfalls die Deutungshoheit in
Krisensituationen. Er fühle sich damit überfordert, - auch darin,
so etwas wie „Allgemeinbildung“ aufrecht zu erhalten. So etwas
sei längst überwunden. Das sind Intellektuelle heute.
Sonntag, 16. April 2017
Martin und die Stuhlräuber
Was wohl Martin Luther zum
Zustand unserer heutigen Gesellschaft gesagt hätte? Klar, der Mann
hat im sechzehnten Jahrhundert gelebt. Trotzdem durchweht seine
Ansichten ein Geist von Nächstenliebe (ja, auch trotz seines zeitgebundenen Antisemitismus), der so gar nicht zum heute
herrschenden Klima der gegenseitigen Ausbeutung passt. Die Maxime,
dass Unternehmen und Verbraucher ihren Gewinn und Nutzen maximieren
sollen, hätte ihm wohl nicht so recht gefallen, ja, er hätte das
wohl angegriffen. Auch das System von Zins und Zinseszins hätte er
wohl kaum als gottgegeben akzeptiert, wie es heutige Ökonomen zu tun
scheinen. Immer wieder wandte er sich entschieden gegen alle Arten,
die Mitmenschen zu übervorteilen, gegen Habsucht, Profitgier und
Wucher. Mit der Kapitalwirtschaft hat er damals nichts anfangen
können (die Fugger standen geifernd am Horizont). Was er wohl von der heutigen Bankenlandschaft und ihren
Handelnden halten würde? Oder von den beispielslosen Betrugsversuchen
einer Firma wie Volkswagen mit ihrem globalen Abgasskandal? Firmen,
die sich ihren „Erfolg“ durch schönrednende und lügende (Fake
Facts) Werbeagenturen flankieren lassen? Wie er wohl die Doktrin
gefunden hätte, dass diejenigen Produkte die besten sein sollen, die dem
rücksichtslosesten Konzern am meisten Gewinn versprechen? Welche
Rolle wohl bei ihm der sogenannte „Kundennutzen“ gespielt hätte?
Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.
Sicher ist wohl, das all diese Annahmen und Thesen überhaupt nicht zu ihm und der von ihm vertretenen individuellen Moral gepasst hätten. Wucherern verweigerte er die Sakramente. Er nannte sie „Stuhlräuber“. Ob es solche „Stuhlräuber“ auch heute noch viel zu viele gibt? Es soll sich jeder nach seinem eigenen Gewissen entscheiden, und nicht nach einem von Institutionen vorgegebenen Rahmen: Das unter anderem ist es ja wohl, was die Essenz von Luthers Weltbild ausmacht. Den Nächsten als reinen Verbraucher, als Faktor des Profits zu sehen, zur Zahl degeneriert, wäre ihm wohl vollkommen fremd. Harmlos und peinlich wirken dagegen die Versuche der heutigen Ökonomen mit ihrem Versuch, den Philosophen Adam Smith und dessen Sicht auf einen sich selbst regulierenden „Freien Markt“ für sich in Stellung zu bringen. Problem ist, dass wir hier schon lange keinen „Freien Markt“ mehr haben.
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