Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 24. April 2023

Labyrinth

Wohin des Wegs? Wohin soll das noch führen? Das geht ja im Kreis. Labyrinthe faszinieren immer noch. In jeder Form. Wie sind sie gestrickt? Was bewirkt ihre Wirkung auf uns? Was sagt beispielsweise die Antike zum Symbol des Labyrinths? Unter anderem bedeutet es Initiation, Einführung in die Welt. Es ist ein Ort des vertraut Werdens mit der Tradition des Stammes und der Selbsterfahrung. Der Weg ins Zentrum ist mühsam und verlangt eine gewisse Reife. Im Zentrum ist der Mensch vollkommen mit sich alleine. Die Umkehr und das Heraustreten bedeuten einen geläuterten Neubeginn. Der Weg!? Wo ist er? Es ist der symbolische Pfad des Lebens: Anfang und Ende, verschlungener Weg und klares Ziel sind in der Form des Labyrinths inbegriffen. Das Leben schafft das Bewusstsein eines Kreislaufs: In alten Kulturen existierte ein Glaube an den ewigen Kreislauf von Leben. Jahreszeiten. Geburt und Tod. Der Weg führt in den Tod und daraufhin in die Wiedergeburt (Umwendung im Zentrum und Ausgang aus dem Labyrinth). Vielleicht. Heraklit sagt: „Der Weg hinab und der Weg hinauf ist derselbe“. Das Labyrinth ist aber auch eine magische Figur, die einen unangreifbar machen soll. Der Feind wird auf den langen und verschlungenen Wegen entmutigt und erschöpft.

Sonntag, 9. August 2020

Valerie (13)


In seiner Lage hatte man entweder aus welchen Gründen auch immer entweder überhaupt kein Verständnis für die alltägliche Technik oder man lebte in einem fast magischen Zustand mit ihr, schrieb ihr Qualitäten zu, die sie sicher nicht besitzt, „beseelte“ sie, um einigermaßen mit ihr auszukommen. Dass man ihr ausgeliefert war, war eine alltägliche Erfahrung. Neben der Autobahn, in zirka 50 m Entfernung, lief ein Kanal (oder war es ein begradigter Fluss?) entlang. Aus dem Auto war ein Teil des Flusses zu sehen, das andere Teil war verdeckt von schnurgerade betonierten Begrenzungen. Die Pflanzen links und rechts hatten nichts davon, was an die Nähe von Wasser erinnern könnte, mit dem Rand des Betroans war das Flussgebiet schroff zu Ende, es gab nicht diese fließenden Übergänge von Wasser und Land, diesen Zaun von nasser Erde, von angeschwemmten Steinen, keine Einbuchtungen, Verspieltheiten, - die Sache war klar und übersichtlich. Das Wasser floss geradeaus, anonym, Plänen und Überlegungen entlang, die an irgendeinem Schreibtisch entstanden waren, aufgrund von Analysen und Berechnungen. Er hatte auf einmal Lust, anzuhalten und hinein zu springen, vom Sprungbrett unerfüllter Wünsche und Träume. Aber, so stellte er sich vor, das Wasser war voller Chemikalien, zudem war es wohl kalt und dreckig. Sicher war es ohnehin verboten, darin zu baden. Er merkte, dass er schlecht roch und bald duschen sollte. Er kam sich entlarvt vor. Es war natürlich völlig absurd. Wie konnte er überhaupt auf diesen Gedanken kommen? Ein Hinweisschild zeigte jetzt in 3 km Entfernung eine Tankstelle an und er fühlte sich erleichtert. Er gab Gas, mit dem sicheren Gefühl, diese kleine Angst ausgestanden zu haben, auf offener Strecke stehen zu bleiben.

Montag, 21. Mai 2018

Reisefeeling

Ob dazu die Musik von Brian Eno passt? Das Unbestimmte versucht, Gestalt anzunehmen. Oder ob alles „nur“ Projektion ist? Ob man sich hinweg tragen lassen könnte? Weiter, und immer weiter? Ich lese gerade im „Taugenichts“: Den meisten Leuten mag der Gestus von Joseph von Eichendorff seltsam vorkommen. Seltsam. Ob man auch von unserer Zeit loslassen kann und es als Zeugnis einer bestimmten Zeit und ihrer Sehnsüchte lesen kann? Ja klar, lesen ist sowieso out. Aber damals war das die gängige Ausdrucksweise, man war noch weit entfernt von Internet und App. Jedenfalls kann es auf deinen Einfluss ausüben, einen einlullen in eine Stimmung, die immer mehr aus einem selbst zu kommen scheint, je länger man sich ihr aussetzt.
In Joseph von Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist die Hauptfigur unterwegs und sinniert im siebenten Kapitel kurz vor Rom über ihren gegenwärtigen Zustand nach. Das „Unterwegs-sein“ ist wohl auch dem „modernen“ Ich nicht ganz ungeläufig. Schon mal eine Parallele. Etwas Gemeinsames. Vielleicht können wir ja profitieren von diesem Feeling. Das Leben als eine Reise. Roadmovie. Fantasy: 
„Ich war Tag und Nacht eilig fortgegangen, denn es sauste mir lange in den Ohren, als kämen die vom Berge mit ihrem Rufen, mit Fackeln und langen Messern noch immer hinter mir drein. Unterwegs erfuhr ich, daß ich nur noch ein paar Meilen von Rom wäre. Da erschrak ich ordentlich vor Freude. Denn von dem prächtigen Rom hatte ich schon zu Hause als Kind viel wunderbare Geschichten gehört, und wenn ich dann an Sonntagnachmittagen vor der Mühle im Grase lag und alles ringsum so stille war, da dachte ich mir Rom wie die ziehenden Wolken über mir, mit wundersamen Bergen und Abgründen am blauen Meer und goldenen Toren und hohen glänzenden Türmen, von denen Engel in goldenen Gewändern sangen. - Die Nacht war schon wieder lange hereingebrochen, und der Mond schien prächtig, als ich endlich auf einem Hügel aus dem Walde heraustrat und auf einmal die Stadt in der Ferne vor mir sah. - Das Meer leuchtete von weitem, der Himmel blitzte und funkelte unübersehbar mit unzähligen Sternen, darunter lag die heilige Stadt, von der man nur einen langen Nebelstreif erkennen konnte wie ein eingeschlafener Löwe auf der stillen Erde, und Berge standen daneben wie dunkle Riesen, die ihn bewachten.
Ich kam nun zuerst auf eine große, einsame Heide, auf der es so grau und still war wie im Grabe. Nur hin und her stand ein altes, verfallenes Gemäuer oder ein trockener, wunderbar gewundener Strauch; manchmal schwirrten Nachtvögel durch die Luft, und mein eigener Schatten strich immerfort lang und dunkel in der Einsamkeit neben mir her. Sie sagen, daß hier eine uralte Stadt und die Frau Venus begraben liegt und die alten Heiden zuweilen noch aus ihren Gräbern heraufsteigen und bei stiller Nacht über die Heide gehen und die Wanderer verwirren. Aber ich ging immer gerade fort und ließ mich nichts anfechten. Denn die Stadt stieg immer deutlicher und prächtiger vor mir herauf, und die hohen Burgen und Tore und goldenen Kuppeln glänzten so herrlich im hellen Mondschein, als ständen wirklich die Engel in goldenen Gewändern auf den Zinnen und sängen durch die stille Nacht herüber.“

Mag auch dieses Blog kaum gelesen werden, so hoffe ich doch, dass der "Taugenichts" ab und zu gelesen wird. 

Sonntag, 29. April 2018

Was geht (Songtext)

Was geht
Du gehst nach draußen
und spürst den Boden unter Dir,
Du merkst wie Du gehst
Was geht da?
Was geht?
Wer ist das?
Du gehst weiter....
stellst Dir lauter Fragen
die sich langsam verwischen in Dir
die einsickern in Deine Gedanken
Dein Empfinden
Du bist jetzt hemmungslos bei Dir selbst
und legst doch auf Selbsterfahrung keinen Wert
kannst das alles nicht mehr leiden
bist müde dieser elenden Finten
du willst dich nur kurz begreifen
an diesem Tag
in diesem Moment
du willst die Zeit nicht vergessen
die du heute anderen wieder verkauft hast
gerade so als sei's eine Notwendigkeit
als Rechtfertigung deiner Existenz
Du spürst ein Auge in Dir
wie es dich anschaut
Dich, - wer bist du
tausende gehen jeden Tag
du bleibst
hast dich an das Bleiben gewöhnt
so ist das
eines Tages wirst auch du gehen
ganz alleine
und alles um dich herum wird alles dasselbe sein

es geht weiter mit Dir.....

Montag, 18. September 2017

Reisen, andere Welten

Im Tagebuch gestöbert und Folgendes gefunden (minimal ergänzt): Die Reiseprospekte durchklicken: wohin gehen wir? Nach Australien, oder besser nach Atlantis, nach Arkadien....? Farbige Bildchen als Versprechen einer besseren schöneren saubereren Welt? Die Welt ist groß und klein, es gibt so viele verschiedene Welten und doch ist sie immer wieder die gleiche..., die Ferne und die Nähe liegen so eng beieinander, du trägst Bilder nachhause und bleibst der gleiche, was hast du gesehen? Das, was du sehen wolltest? Ist da ein Filter in dir? Das dich vor allzu Fremdem schützen soll? Das sicher stellen soll, dass alles möglichst angenehm bliebt? Wohin zieht es dich noch, suchst du etwas? Was? Den Weg, nicht das Ziel...., stimmt das? Verändert dich das in irgendeiner Weise?, Horizont: schaust du hinter diesen Horizont? Wo warst du wirklich? Was hast du gesehen? Es gilt, das Fremde zu akzeptieren, das Fremde auch in dir selbst, eine Reise, die dich in dein Selbst und das führt, was du sein könntest, wenn.....ja wenn dich nicht der Zufall/das Glück/das Schicksal hierher gestellt hätte, Unterwegs sein, auf welcher Reise? Es gilt, „das Andere“ zu verstehen. Die andere Möglichkeit.
Der Dreck, das Elend, die Armut, was denkst du dir dabei? An dich selbst und dein Klischee, - „Erwartungen enttäuscht“? Unterhaltung? Genießen. Sight Seeing? Die Blödheit, die Stumpfheit der Menschen: interessiert dich das Warum? Das Fremde reizt dich. Man spricht deine Sprache. Klar, sie ist global. Sie gilt. Sie ist diktiert und gültig. Es ist die Sprache des Geldes. Auf der Stelle treten in dieser Welt. Heimweh. Wohin gehen wir? Immer nach Hause? Hast du „die Welt“ gesehen? Es scheint eine Frage der Perspektive zu sein..... 

Montag, 3. Juli 2017

Baltisches Bad

„Jeder Mensch kommt gerne irgendwo an“, so könnte man die Motivation beschreiben, welche "die Gartenbesucher dazu bewegt, das Hohenheimer Lavendel-Labyrinth zu begehen“: So steht es jedenfalls eingangs im PR-Text zum betreffenden Labyrinth im Stuttgarter Süden. Vom Typ her ist es ein sogenanntes „Baltisches Bad“. Es besitzt zwei Öffnungen, einen Eingang und einen Ausgang. Der Weg zur Mitte kann sehr lang werden, in diesem Falle 530 Meter. Der Weg von der Mitte hingegen, der zum Ausgang führt, ist sehr kurz, - nämlich 15 Meter. Das Tolle: es kann ein sinnliches Erlebnis bedeuten.
Es gilt unter anderem, die Wärme der Erde unter nackten Fußsohlen zu spüren, Achtsamkeit zu üben. Die Insekten summen hören und den Zauber des Ortes riechen, ihn aufnehmen, sich von ihm betören lassen. Die Beete sind mit verschiedenen Lavendelsorten bepflanzt, der Boden um die Pflanzen ist mit Juraschotter bedeckt, auf den Wegen liegt Rindenschrot. Nach keltischem Glauben (auf den solche Labyrinthe zurück gehen..) liegt im Westen, wo die Sonne untergeht, die Anderwelt, das Jenseits, von wo aus man das Labyrinth nach Osten zum Sonnenaufgang hin betritt, um nach der Begegnung in der Mitte mit dem allumfassenden Göttlichen, wieder zurück zu kehren. Dazu kommt man in „Baltischen Rädern“, wie etwa hier, mit dem langen Weg rechtsdrehend im Uhrzeigersinn. Denn rechtsdrehend verheißt Glück, linksdrehend eher Unglück. Auch ist für die Wahl des Orts eines Baltischen Rads die Harmonie mit der Umgebung sehr wichtig sowie mit den unsichtbaren Energie- und Strahlenfeldern. Auf was das alles hinaus läuft: auf einen „heiligen Ort“. Und, was wichtig ist: Ein Labyrinth ist kein Irrgarten!

Was uns das alles bringt? Mal ganz praktisch? Hier eine Möglichkeit, - es gibt noch viele andere: Man kann etwa mit einem Problem, einer Frage, das Labyrinth betreten, auf dem gewundenen Weg zum Zentrum alle Aspekte überlegen, die Dinge in sich drehen und wenden, um dann im Zentrum eine neue Richtung einzuschlagen und mit der Lösung ins Freie zu treten. Oder man lässt das unlösbare Problem, unseren Fehlschlag, den Klotz am Bein im Zentrum zurück, schüttelt sich und geht unbeschwert und mit neuer Energie und frischen Plänen zum Ausgang. 

Sonntag, 4. Juni 2017

Kreuzfahrten

Kreuzfahrten sind beliebt. Mal hier, mal dort herein schauen und sich dann wieder in die behagliche Höhle zurück ziehen, um sodann mit Gleichgesinnten dem gemeinsamen Vergnügen nachzugehen, das ist das kommende Konzept. Sich nicht mit den Realitäten der jeweiligen Länder auseinandersetzen, sondern im Rahmen einer Stippvisite mal kurz die einen umgebende Tapete austauschen, „Ach so“ sagen, um dann wieder seines Weges zu gehen, der ja im Falle von Deutschland so erfolgreich exportorientiert zu sein scheint. Dies ist auf dieser Welt scheinbar das Recht des Erfolgreichen.
Wir sind allen anderen überlegen, wir müssen uns um sie mit Geld kümmern, das ist das neue Credo Deutschlands. Noch nicht lange vorbei ist die Zeit, da die anderen diese größer gewordene deutsche Republik in eine europäische Identität einzubetten versuchten. Der Euro war als Währungsidee solchen Absichten entsprungen. Noch kürzer ist die Zeit , als Deutschland als „der Fußkranke“ innerhalb Europas galt. Doch nun sind sie wieder groß und wollen unter anderem ihre biologische Einmaligkeit wieder herstellen, sie wollen zurück zu anderen Zeiten, als man hier scheinbar unter sich war. Germanen, Germans, Deutsche. Mit diesem Bewusstsein geht es als Kreuzfahrer hinaus in die weite Welt. Ein Blick auf den Freizeitpark links oder rechts genügt: wir wissen von den anderen, wir werden sie mit unseren Waren überschwemmen.

Allzu gerne wird dabei vergessen, dass derzeit noch die weitaus meisten der „Luxusliner“ mit Schweröl angetrieben werden, einem Abfallprodukt der Mineralölindustrie, das billig zu haben ist. Dies ist schwer umweltschädlich und bürdet der Umwelt Lasten auf, die alle Menschen (und nicht nur Deutschland) zu tragen haben: Gift in allen Formen, dicker schwarzer Rauch, Schwefel- und Stickoxide, krebserregende Feinstaubpartikel und Schwermetalle. Ob dies nicht eine ungünstige Parallele zu der Autoindustrie bedeutet, von der ein wichtiger Vertreter/Unternehmen für die Verbreitung von Drecksschleudern jüngst sanktioniert worden ist und gegen ein anderes "ermittelt" wird? Ob hier auch die weltweite Allgemeinheit die Folgen solchen Tuns zu tragen hat und ob dies „Exporterfolg“ bedeutet?

Samstag, 8. April 2017

Fahren im Flow

Ich fahre vor mich hin. Es ist entspannend. Wie außergewöhnlich! Normalerweise bedeutet Straßenverkehr doch Stress! Aber auf den richtigen Strecken (die hierzulande freilich selten geworden sind) kann es auch entspannend auflockernd sein, motorisiert in eine Richtung zu streben. Klar, das schlechte Gewissen! Umwelt und so!.... Aber es kann schon besonders sein, sich treiben zu lassen, die Kilometer in Bewegung in sich hinein zu fressen, sie unter sich hinweg gleiten zu lassen, immer weiter...... Voraussetzung dafür ist aber, auf keinen Termin, am besten auch kein in einer bestimmten Zeit vorgegebenes Ziel hin zu steuern. Sich gehen lassen, nur, im Fluss mit der Zeit, im Fluss mit einem Verkehr, der scheinbar alles Aggressive verloren hat und einen flexibel umspült. In den USA hatte ich dieses Gefühl einst sehr intensiv kennen gelernt. Im Westen. Wenig Verkehr. Fast ohne Aggression. Hinein in gewaltige Landschaften, die sich in der Ferne immer wieder erneuern. Horizonte zogen einen an und entließen einen wieder wie selbstverständlich. Ein realer Fantasy-Film. Heute wohl in Virtual-Reality-Brillen gezwungen. Doch das Gute war: alles real. Sehr real. Man konnte anhalten und die Hitze spüren. Ein paar Schritte gehen. Schlangen begegnen (Igitt? Selbst ich Angsthase wähnte mich in einer Art Gleichklang mit ihnen.... hatte keine Furcht). Nachlesen, sich informieren, in sich aufnehmen. Dann wieder ins Auto, das Silberband entlang. Ich konnte auf diese Weise Hunderte von Meilen fahren, ohne das mich das anstrengte. Es hatte etwas Meditatives. Es erzeugte eine gelassene Stimmung in mir. Ohne jede Müdigkeit. Dass es möglich ist, hat mich tief beeindruckt. 

Dienstag, 24. März 2015

Autofahren

Es pflügen links und rechts die fetten deutschen Limousinen vorbei, die teuren Exportweltmeister in der Luxusversion und es geht ziemlich agressiv von ihnen eine einzige Mentalität aus: „Hoppla, jetzt komm‘ ich! Alles beiseite, ich bin Premium und habe auch ein Premium-Anliegen“. Alle anderen sind Mist. Beiseite! Wieso glauben die Raser, die Straße für sich gepachtet zu haben? Wieso geht auf diesem Forum, auf dieser Plattform das „Sich-Durchsetzen“ als Competition, Kräftemessen und Verdrängen weiter? Ob die das alles verinnerlicht haben? Den Wettbewerb, den Markt, das Recht des Stärkeren? „Die „Langsamen“ machen diese Leute wahnsinnig. Die Raser haben die dauernde Beschleunigung (aller Lebensverhältnisse) ungesund internalisiert und so in sich übernommen, als wär's ein Teil von ihnen…. das Wegscheuchen die eigene Geschwindigkeit ist der Maßstab für alle andern, hat es gefälligst zu sein... Mein Ego steht unter Leistungsdruck. Ich muss um x Uhr da sein, einen Auftrag abschließen, ich habe den auf das Ziel gerichteten Tunnelblick....usw. Den Größeren, schnelleren, breiteren zu haben, das sich Messen, die Marktwirtschaft in den Köpfen....., da ist nicht der Fluss, das gemeinsame Fließen, sondern das Vorwärtskommen auf Kosten der anderen…..wer kann am meisten zahlen? Wer ist am "schwersten"? Top Dogs rasen vorbei, sie streben alle ein Scheinziel an, das sie nach einer genau bemessenen Zeit wieder verlassen… um zurück ins Getriebe zu streben. Sie treiben ihre Allrads vorbei, mit denen sie zeigen, dass sie mehrmals im Jahr in den Skiurlaub fahren können und sich zu den Besseren zählen, aufgemotzt, aber dezent: Überlegenheit dauernd und irgendwie anzuzeigen ist ein schwieriges Geschäft, das Stress macht…. 

Dienstag, 17. Februar 2015

Bootsflüchtlinge und Freihandelsabkommen

Fast täglich kommen die Nachrichten zu den im Mittelmeer abgesoffenen „Flüchtlingen“. Oft genug starten sie von Lybien aus und haben nichts bei sich außer ihrer Verzweiflung als Gepäck. Haben die hohen Herren Entscheidungsträger in der EU in ihren abgewichsten Anzügen überhaupt eine Ahnung davon, was das heißen könnte? Nein, man braucht auf keine Tränendrüsen zu drücken, Völkerwanderungen waren in der Geschichte der Menschheit stets ein probates Mittel, um auch wirtschaftliche Unzulänglichkeiten auszugleichen. Wenn es nichts mehr zu fressen gab, musste man halt woanders hinziehen. Aber jetzt, die EU mit all ihren Ausschüssen und Entscheidungsträgern: in ihrer ignoranten „Entwicklungspolitik“ sind sie total gescheitert und betonen bei jeder Diskussion, dass man Abhilfe nur vor Ort schaffen könne. Dass eine neue Entwicklungspolitik für Afrika her müsse. Doch was geschieht? Nichts. Nichts für den EU-Bürger Erkennbares. Stattdessen verhandeln die Wirtschaftsherren mit den USA um ein Freihandelsabkommen, das sich letztenendes auch gegen Afrika richten könnte. Denn wenn der Handel mit den USA reibungsloser liefe und den ohnehin meist von den USA beherrschten Konzernen noch mehr Profit bringen würde, dann wären zwangsläufig andere ausgeschlossen. Das ist ja wohl der Sinn solcher Abkommen, die in diesem Falle auch noch (welcher Wahnsinn!!!) geheim und hinter verschlossenen Türen stattfinden. 
Ein neuer Anfang, eine Initiative für Afrika. Ein solidarisches Gebaren jenes Gebildes, das sich Europäische Union nennt? Nichts. Stattdessen ein letztlich ungewisses Versprechen von Hilfe und Arbeitsplätzen, - vage, wacklig, hermetisch geheimnisverschlossen, dumm im Sinne einer allumfassenden Menschlichkeit. Die Stärkeren sollen sich halt versprechen, noch enger zusammenzuhalten und dadurch noch mehr Profit zu machen? Wer eigentlich soll den Profit machen? Die Wirtschaft? zu gunsten von Arbeitsplätzen? Profite können auch zur Rationalisierung benutzt werden. Es gibt Prognosen, die behaupten, dass der Arbeitsplatzeffekt sehr marginal sei. Ach, und dem sogenannten „Export- und Fußballweltmeister“ geht es so schlecht, dass er mit solch miesen Taschenspielertricks Konkurrenz ausschalten muss. Wo bleibt denn da die Marktwirtschaft? Richtet sie nicht alles und jeden global zum Besten? Sollen wir das jetzt "personalisieren", sollen wir auf die Namen hinweisen, die dieses voranbringen und befördern? Sollen wir dadurch jemand einen Gefallen tun, auf Verlogenheiten hinweisen, auf grundsätzlichen Verrat? Wir täten diesen miesen Funktionären von Interessen, diesen wichtigtuerischen Handlungsträgern viel zu viel Ehre an. 

Donnerstag, 29. Januar 2015

Reisen, eine Flucht?

Das Reisen könnte auch eine Form der Flucht vor der Wirklichkeit sein, das Abgleiten in ein fern erträumtes Glück. Es könnte zu einem Ort führen, wo vermeintlich alles besser oder zumindest doch schöner und wesentlicher ist, als der Alltag hier. Es könnte die Flucht bedeuten, in eine Paralellwelt, in der man noch so sein kann, wie man ist. In der Lebensgenuss, das Unterwegssein und die Intensität noch etwas gelten. Besonders die Begüterten konnten sich früher so etwas leisten. Mittlerweile erlaubt der Massentourismus jedem eine Form davon. Wer sich das persönlich dosieren und die Ressourcen für sich nützen kann, mag da im Vorteil sein. Es könnte aber auch eine Illusion sein, einen Vorteil daraus ziehen zu wollen, schlicht nur „woanders“ gewesen zu sein, stolz darauf zu verweisen oder ganz besondere Glaubwürdigkeit daraus abzuleiten. Ohne falsche Scham vor Kerosinverbrauch flugs durch die Welt zu jetten, mag auch in ökologischer Hinsicht nicht unbedingt sinnvoll sein. Das Fischen im Unbekannten, das sich sehenen nach Zauberwäldern ist etwas, was früher eine gewisse Berechtigung hatte. Im Zeitalter der Globalisierung ist nahezu jeder Winkel der Welt auf irgendeine Art schnell zu erreichen. Was soll da eine Schifffahrt um das „Kap der guten Hoffnung“? Eine Wüstensafari zu den armen Beduinen, die wohl zu recht darauf bedacht sind, Touristen möglichst für ihre Zwecke auszunehmen? Ist Gastfreundschaft eine Projektion? Wo gibt es sie? Wird sie zunehmend überlagert vom global als letztes Ideal ausgegebenen Profitstreben? Möglicherweise brauchen wir viel Zeit und eine Intensität, die auch mal von uns selbst kommen muss, um so etwas heraus zu finden. 

Donnerstag, 15. Januar 2015

Autobahn

Welche Verachtung liegt denn da dahinter? Ich war nahezu jeden Tag auf der Autobahn unterwegs und allzu oft ballten sie hinter und neben mir die Faust, überholten mich demonstrativ rechts, fletschten die Zähne und machten wild fuchtelnd Fotos mit dem Handy, wobei manche Verkehrsteilnehmer über solchen Übungen die Kontrolle über ihr Fahrzeug komplett zu verlieren drohten. Dabei glaube ich, ein vergleichsweise empathischer und gelassener Fahrer zu sein, der den Flow nicht gerade verzögert. Jaja, die schlauen Psychologen erklären einem, dass sich die Leute im Straßenverkehr eine Art Tarnkappe der Anonymität überziehen und unter deren Schutz glauben, „mal richtig die Sau rauslassen“ zu können. Mir kam es aber oft so vor, als würden die Leute ganz bewusst in ihrem Streitwagen sitzen, und ihren Pferdestärken die Sporen geben, nach dem Motto „Höher, schneller, weiter“ und "ich bin im Wettbewerb". Der andere ist da nur noch Gegner und die Gesamtveranstaltung könnte „Krieg mit anderen Mitteln“ heißen. Nicht nur die „political correctness“, sondern allerlei moralisch-ethische Maßstäbe schieben einem solchen Verhalten zumindest in Europa den Riegel vor. Aber die zivilisatorische Decke scheint recht dünn zu sein. Es geht darum, den anderen fertig zu machen, ihn zu übertrumpfen, ihn zu „versägen“, ihn zu erledigen: Als ein Ventil des Alltags, zu dem man den von Jahr zu Jahr immer neu mit Pferdestärken und Kilowattstunden aufgerüsteten Streitwagen an den Start bringt. Man hat den sogenannten Wettbewerb verinnerlicht, man scheint ganz unwillkürlich und scheinbar selbstverständlich zu glauben, dass das ganze Spiel des Gewinners und Verlierers einen legitimiere, den anderen vernichten zu dürfen. Empathie und Rücksichtnahme sind da nur Schwächen. Jawohl, der Wettbewerb erlaubt alles. Es gilt der allüberall so verherrlichte „Wettbewerb“. Da wird bis kurz vor der Messstelle, mit der der Staat als Raubritter an der Veranstaltung auch gerne teilnimmt, munter Gas gegeben. Unmittelbar davor kommt die große Bremsaktion und der Wagen wird brutal bis zur geforderten Geschwindigkeit herabgebremst, kurz danach wieder herb beschleunigt. Auch sehr ökologisch, das! Die Checker, die Bescheidwisser und cleveren Überholer sind halt unterwegs. Sie bringen unter anderem auch diese Art der staatlichen Abkassiererei hervor. Es könnte ja auch darum gehen, Feinstaub oder Lärm zu vermeiden. Es könnte darum gehen, Gefahren zu vermeiden, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Könnte ja eine Überlegung wert sein und könnte ja auch mal Sinn haben.
Es gilt das Recht des scheinbar Stärkeren. Es ist dies auch das Gängige, was jeder weiß. Wirklich? Wieso verhält er sich dann aber auf der Autobahn wie eine Sau? Wider besseres Wissen? Ist vielleicht das Wissen und der Verstand gar nicht das Entscheidende? Werden wir von rudimentären Trieben zu unserem Verhalten gebracht? Von losgelösten Emotionen? Mehr als wir denken?