Reise durch Wirklichkeiten

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Immer weiter.....

Ich bin ein bisschen schockiert und ratlos: da preschen immer noch die dicken fetten SUVs mit ihren Dieselstinkmotoren an mir vorbei! Geben Gas und Lichthupe! Sind frech und arrogant….. Es scheint sich nichts geändert zu haben, seit viele Wissenschaftler vor Wochen noch einmal einen heftigen Appell an die Bevölkerung gerichtet haben. Diese Gesellschaft scheint relativ kurzfristig zu keiner Veränderung mehr bereit und fähig zu sein. Sie scheint es nicht zu können. Wir wissen ungefähr, was zu machen wäre, tun es aber nicht. Gemischte Interessengruppen tun ein Übriges. Womöglich wäre da eine Regierung gefordert, die gesetzliche Rahmen setzen könnte: wenn auch mit Zwang! Doch mehrere Regierungen scheinen damit beschäftigt zu sein, den Herstellern eben dieser dicken Dieselstinker in den Hintern zu kriechen… Die Meere versiffen angesichts des eingetragenen Plastiks, die Spiegel steigen und man tut hier in den Industrieländern: Nichts! Es läuft einfach alles weiter…..

Dienstag, 30. Oktober 2018

In der Frühe (Eduard Mörike, 1804-1875)

In der Frühe (Eduard Mörike)

Kein Schlaf noch kühlt das Auge in mir,
dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
und schaffet Nachtgespenster
Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! Schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden




-Zeugnis alter Zeit? Einstellungssache?  

Samstag, 27. Oktober 2018

Anziehender Schauder (Lyrik, Baudelaire)

Anziehender Schauer (Charles Baudelaire)

Schau dieses Himmels fahle Seltsamkeiten,
Wie dein Geschick zerrissen, wunderlich,
Was mag durch deine leere Seele gleiten,
Was fühlst du bei dem Anblick? Wüstling, sprich.
Ich fühle Gier nach wirren Dunkelheiten,
Nach Qual und Ungewissheit lechze ich,
Doch nicht voll Jammer starr ich in die Weiten,
Wie einst Ovid, da Rom für ihn erblich.
Ihr wild zerrissnen, grauen Himmelsräume,
Ihr seid, wie ich, von Trotz und Stolz erfüllt!
Und eure Wolken trauerflorumhüllt,
Es sind die Leichenwagen meiner Träume,
Von eurem Schein geht fremdes Leuchten ans,
Ein Glanz der Hölle, wo mein Herz zu Haus.

Freitag, 26. Oktober 2018

Postings, Warnung, Maßstäbe

Es geht bei vielen Postings in diesem Blog womöglich um Perspektiven, denen jeder unterliegen kann. Dabei spielt meine Person keine oder eine sehr geringe Rolle. Dies hier ist kein intimes Tagebuch! Das ist sehr wichtig. Ich fühle mich auch als Schreiberling eher als Beobachter und stelle ja von der Seitenauslinie auch viele Fragen, auf die ich selbst keine Antwort weiß. Auch sie könnten sich jedem stellen. Es hat mit meiner Person nichts zu tun, ohne dass ich die bequeme Position jener Politiker einnehme, die erklären, dass die Entscheidung zwischen richtig und falsch nicht von ihrer Person abhänge. 1.) werde ich nicht von der öffentlichen Hand bezahlt 2.) habe ich keine „wichtigen“ Entscheidungen zu treffen. Nein, ich fühle mich als Teil von etwas Anderem, - was auch mit meinem Studium der Soziologie zu tun haben könnte.
Ich zeichne ein Bild, das - und das ist die Pointe! - nicht zutreffend sein muss. Ich nehme einfach nur Informationen, Anstöße, Fragmente auf und gebe sie wieder. Es geht um ein Stochern im Nebel anhand gewisser Fakten, - so, wie es vielen anderen Personen geht. Es erhebt die Information in meinen Posts keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Sie ist vielmehr die Wahrnehmung einer Möglichkeit, einer Perspektive und Ansicht auf eine Gegebenheit, der wir ausgesetzt sind. Ich versuche aufzunehmen, dass es nicht mehr so einfach ist, zu entscheiden, was richtig und falsch sei. Einst und in der Aufklärung, - bis jetzt! Einst nahm diese Rolle die Wissenschaft wahr. Doch sie scheint inzwischen von vielen Seiten her korrumpierbar und interessengeleitet. Grund zur naiven Wissenschaftsgläubigkeit bietet sie in letzter Zeit jedenfalls relativ wenig. Politische Entscheidungsträger sollten sich auf die Wissenschaft stützen, heißt es oft. Doch unter diesen Bedingungen könnte dies ein schwieriger Job sein, zumal auch die Politik selbst (z.b. EU) Einflussnahmen unter bestimmten Interessen ausgesetzt ist. Dass sich diese als wissenschaftlich kaschiert hat, ist inzwischen bekannt. Untersuchungen werden nahezu beliebig gekauft, wissenschaftliche Titel haben (nur) ihren Preis. Der Publikationszwang unter Wissenschaftlern und die Praxis wissenschaftlicher Fake-Verlage andererseits, scheinen hier zudem ungünstige Einflüsse auszuüben oder versuchen offenbar mit einigem Erfolg, sich dies zunutze zu machen.
Andere meiner Postings in diesem Blog sind hingegen sehr subjektiv, zeichnen ein Bild aus meinen Augen, sind von mir gefärbt und getränkt. Sie kommen sehr erkennbar aus dem Subjektiven, könnten genau darin jedoch etwas Allgemeingültiges haben, etwas, was sich verlängern ließe ins Gesellschaftliche. Ich wechsle also die Perspektiven, fühle mich tatsächlich auf einer „Reise durch die Wirklichkeit“.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Kotdurft (Text)


KOTDURFT (Im stillen Ozean)


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
doch er kann toben
er kann dich umbringen, dieser Ozean
sie beobachten dich dabei
und manchmal grinsen sie
du versuchst, dich über Wasser zu halten
du taumelst, du schwankst, du hast nicht
das Gleichgewicht, die Balance ihrer
ach so coolen Gleichgültigkeit


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
scheinbar ausgeglichen so moderat
du fängst an zu frieren, zu schaudern
zu frösteln, war'n früher bessere Tage
du fällst und torkelst, kommst in Bewegung
dem Abgrund entgegen, der vor dir starrt
dunkel, kalt, feindlich abweisend
scharf verletzend, widerlich stinkend
ein Tor zur Hölle, hinaus ins Nichts


In die Stille eines Ozeans eingelaufen
scheinbar beiläufig alltäglich abgeklärt
sie können dich überraschen, diese Idioten
beim granteln, beim überlegenen Denken
du frierst, du kotzt, du fühlst dich abgegraben
von ein paar dyamischen Edelspezialisten,
agressiv, smart, nett, lächelnd in die Enge getrieben,
zum Niederknien und „Hilfe“ schrein
zum Wiederkäu'n und Gebete brüllen



Montag, 22. Oktober 2018

Demokratiegebaren

Ich bin schockiert, - immer noch. Es haut mich um. Und das in einem Moment, in dem die parlamentarische Demokratie ganz besonders auf einem Prüfstand steht und um ihre Legitimation hart kämpfen müsste!!!! Da scheint es, so meine Information, wieder einmal eine ganze Riege ehemaliger Minister zu geben, die inzwischen neben ihrer Tätigkeit als Abgeordneter des Deutschen Bundestags in Lohn und Brot bei Großkonzernen stehen werden oder bereits stehen. Dass die Spezialdemokraten diesbezüglich schon seit vielen Jahren besonders tüchtig zu sein scheinen, dürfte ihrer Glaubwürdigkeit kaum förderlich sein. Die einschlägigen Wahlergebnisse scheinen da Bände zu sprechen, doch die Betroffenen werden ihre Schäflein längst im Trockenen haben, wenn etwas zu solchen Tätigkeiten zu bekannt würde. Und die „öffentlichen“ Diskussionsrunden verhandeln zum Thema „Glaubwürdigkeit“ ohnehin ganz andere Themen.... Ob da eine gewisse Einigkeit dieser „Eliten“ dahinter steht?
Eben aus dem Kabinett ausgeschieden, lassen sich jetzt ehemalige Minister offenbar von denjenigen honorieren, die sie eben noch kontrollieren sollten. Dass sich dabei die Fraktionen von FDP und CDU hervorzutun scheinen: nun gut, von denen erwartet man nichts anderes. Haha, von denen der AfD sowieso…… Aber als Spezialdemokrat hatte man soeben noch genau diese Großkonzerne heftig gerügt und sich zum Großkritiker eines gewissen Geschäftsgebarens aufgeschwungen. Doch jetzt scheint alles anders, Geld scheint halt Wunderdinge zu bewirken.…. Am Wechsel in die „freie Wirtschaft“ sei nichts Verwerfliches, so hörte ich die Apologeten solchen Verhaltens oft und überall sagen. Tüchtige Leute verdienen gutes Geld. Das führt offenbar dazu, dass gewisse „ausgeschiedene“ Politiker sich besonders gerne einem Interessenverband als Cheflobbyist zur Verfügung stellen. Interessenkonflike? Pah! Ist ein Abgeordnetenmandat eine Nebentätigkeit, die dermaßen viel Zeit übrig lässt? Es stellen sich einem Fragen.

Samstag, 20. Oktober 2018

Wachstum

Ich habe auf einem Zettel folgende Notiz gefunden, die möglicherweise in diesem Blog schon erschienen ist. Ich habe sie aber aus heutiger Sicht versucht zu bearbeiten. Was dabei heraus gekommen ist, ist hier zu lesen: Die Lotterie des Lebens bedeutet: wir leben hier noch in einer Gesellschaft der bürgerlichen Grundrechte, in der zwar dem Wirtschaftswachstum auch vieles geopfert wird, aber nicht die Bürgerrechte, den Rechtsstaat, die Demokratie. Gleichwohl ist um diese Werte ein Kampf entbrannt. Wie gut dieser Wert mit dem Wert Wachstum zu vereinbaren sind, mag erstmal dahingestellt bleiben.
In anderen Staaten (besonders denjenigen mit gewissen autoritären Zügen, die mit „bürgerlichen Grundwerten offenbar nicht allzu viel anfangen können...) scheint dagegen das Wachstum über alles zu gehen, sogar über das menschliche Leben. Führer schwingen sich auf, erobern oder behaupten die Spitze, bis auch sie unter Umständen sogar niedergemetzelt werden. Das Leben in seiner vitalistischen Funktion erlebt auch heute noch fröhliche Urständ': Fressen, Saufen, Ficken. Oder wie T.S. Elliott es ausdrückte: „Birth, Death, Copulation, that's all....“. Fortschritt könnte bedeuten, einen kleinen zivilisatorischen Schritt darüber hinaus zu wagen, - weil wir Menschen sind.
Dass dieser Gedanke weltweit auf dem Rückzug erscheint, gehört zur großen Tragik des menschlichen Geschlechts, genau so, wie die selbstverursachte Klimakatastrophe, die damit verbundene Umweltzerstörung und das Artensterben. Der Mensch will sich wohl als „Alleinherrscher“ die Erde untertan machen. Dabei könnte alleine schon der Ausbruch eines Supervulkans seine Existenz in kurzer Zeit vernichten. Von Bedrohungen aus dem Weltraum wie etwa niederstürzenden Meteoriten oder Asteroiden ganz zu schweigen. Woher nimmt der Mensch seine Arroganz, seinesgleichen gegenüber, aber auch der Erde und ihren Geschöpfen? Es ist leicht, solche Überlegungen als „moralisch“ abzuqualifizieren, sie als untauglichen Versuch darzustellen, über das unvermeidlich Faktische kritisch nachzudenken. Dabei wäre dies scheinbar „unvermeidliche“ keineswegs so. Es sind dies Denk- und Verhaltensformen, die sich schwache Menschen zu eigen gemacht haben, die glauben, vom gegenwärtigen Zustand profitieren zu können.

Freitag, 19. Oktober 2018

Öko

Da wird ein alter Baum gefällt, direkt vor meinem Fenster. Er tut mir leid. Einfach nur das. Ich weiß auch, dass Vernunftsgründe dafür gesprochen haben mögen. Zu riskant, er könnte umfallen. Er hat die Kanalisation bedrängt und hätte früher oder später doch gefällt werden müssen… Und doch tut er mir leid. Der Mensch will sich schützen vor der Natur. Er will sie beherrschen. Er legt sie um. Einfach, weil er glaubt, ihr überlegen zu sein. Doch es zeichnen sich Bewegungen ab, die der Mensch noch nicht beherrscht. Ob er sich nicht einfach zu früh sicher wähnt? Was ist mit Vulkanen oder Meteoriten- und Asteroideneinschlägen? Wo sind die Insekten geblieben? Ob wir einen natürlichen Zusammenhang, denn wir gerne als „Ökologie“ bezeichnen, verstehen?

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Selbstoptimierung, Selbstwerdung, Neoliberalismus

Wann hast du dich zuletzt selbst wahrgenommen? Diese Frage scheint viele Menschen unausgesetzt umzutreiben. Die dauernde Selbstbespiegelung, die damit verbundene Selbstoptimierung, das Selbst als Statussymbol, der dauernde Griff zum Smartphone, das unser Lebensäußerungen immer perfekter registriert, und die Algithmen immer perfekter programmiert, die ausufernde, uns ständig überfordernde und digital überwachte Körperkultur: das alles gehört zusammen und hat nichts mehr mit Hermann Hesses Streben nach dem Ego entgegen gesellschaftlicher Erwartungen zu tun. Stets noch besser, effizienter und autenthischer zu werden, ist inzwischen ausgerufen als Ideal und widerstrebt diesem Old-School-artigen „Werde, der du bist“ vollkommen. Das Ego scheint heilig. Ob es da nicht weit zum Egoismus ist? Überforderung, Burn-Out, Depression, Erschöpfung, Anorexie, Bulimie, kaputte Partnerschaften, Unfähigkeit zur Beziehung....das alles könnte ein Anzeichen für die auf Perfektion getrimmte Körperkultur und den Zwang zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit sein (die ganz im Sinne einer Durchökonomisierung des Menschen zu sein scheint). Der Philosoph Jürgen Habermas hat das einmal „Kolonialisierung der Lebenswelt“ genannt. Es geht um ein Leistungsdenken im Privaten. Neoliberalisierung aller Lebensbereiche. Vereinzelung scheint die Folge. Der Einzelne als Wirtschaftsobjekt. Menschen benutzen andere Menschen als Werkzeug, um an ein Ziel zu kommen. Die Diktatur des ökonomischen Denkens, seine immer weiter zunehmende Ausdehnung auf alle Lebensbereiche scheint eine Konsequenz, die Leute wie Hesse so nicht anstrebten. Aber sie erkämpften sich den Platz in einer gesellschaftlichen Elite. Hesse selbst war Literaturnobelpreisträger im Jahr 1946.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wo sind wir? (Text)

Wo wir sind

Wir fliegen und träumen - in das Nichts –
immer bunter, immer munter, immer gut drauf


Wir fühlen und tanzen - in das Licht
die Motte zieht es an, bis sie sich im Feuer bricht


Wir gleiten und schweben – in das Blau
wie uns versprochen und längst gebrochen, in schales Grau


Wir rasen und toben – in den Kreis
hinein in (all die) schöne Sprüche, hinein in (tausend) herbe Brüche



Jeder baut sich seine Scheinwelt aus eigenen Trümmern zusammen
die weisen Welterklärer sind endgültig passe
um uns zu berauschen dinen uns Brüche
sie schäumen
an das Meer


(Brüche von 2010, verarbeitet 2018)

Sonntag, 14. Oktober 2018

Quiekende Schreie


Mir stinkt sehr und das Bild verlässt mich nicht, dass hierzulande Ferkel ohne Betäubung kastriert werden dürfen! Ich höre Schreie….. Und diese Bundesregierung scheint diesen grausamen Zustand jetzt auch noch verlängert zu haben! Einfach so….! Ich finde das gar nicht gut. Alleine schon der Gedanke daran tut mir weh…...Grinsende Politikergesichter „vertreten“ so etwas…. „Hauptsache, wir haben unseren Spass….!“ Ja klar, es muss ernährt werden… Wettbewerb…. Und all das…. wir essen, fressen Schweine… auch das kann nicht so weiter gehen….vielleicht müsste spätestens jetzt, nach dem letzten Klimabericht, ein neues Verhalten eingeübt werden, aber es geht einfach alles weiter…..hinein, hinunter in den Abgrund…..sehenden Auges……..in den Tod.....

Samstag, 13. Oktober 2018

Wo ist die Wahrheit, welche, wie viele?

"Lügenpresse", "Fake News", "alternative Fakten": Kaum ein Verlust kann uns in einer wissenschaftsgläubigen Welt derart in Bedrängnis bringen wie der unserer Glaubwürdigkeit. Und trotzdem wird gelogen, bis sich die Balken biegen, schlagendes Beispiel: der Abgasskandal. Warum ist die Lüge nicht aus der Welt zu denken und wann hat eine Lüge Erfolg? Mal bei einem großen Geist fragen, wieso das so ist. Eine zum Beispiel für Michel Foucault grundlegende Idee ist es, dass nicht nur unser Wissen, sondern auch unser Denken durch und durch historisch sei, also nie auf sicherem Grund stehe. Das ist wichtig! Die Form des Wissens wandelt sich, daher können wir zu gewissen Zeiten nur auf gewisse Weise denken. Im philosophischen Slang ausgedrückt: Verstand die Renaissance die Welt in Analogien, so ordnete die Klassik sie in Taxonomien und Tableaus, während die Moderne gar nicht anders kann, als alles mit dem Menschen, dem Subjekt der Erkenntnis zu erklären. Bald werde das vorbei sein, prophezeite Foucault, der Mensch werde verschwinden "wie ein Gesicht im Sand". Moderne Machthaber glauben derzeit, sie seien so mächtig, dass sie Fakten schaffen könnten. Sie alle kennzeichnet ein ausgewählter Gebrauch der handelsüblichen Vernunft plus eine Dosis von dem, was umgangssprachlich als Wahnsinn bezeichnet wird. Was dabei Allgemeingut zu sein scheint: Spielarten des Wahnsinns schicken sich an, Vernunft und Disziplin als missliebige Abweichungen auszugrenzen. Die Übertretung aber avanciert zur neuen Norm.

Freitag, 12. Oktober 2018

Fortschritt und menschliche Kreativität

Wie naiv war das denn? Damals, im zeitgeistigen Flow, glaubte die Politik und ihre demokratisch legitimierten Klassen, in naivem Fortschrittsglauben und ungebremstem Optimismus so etwas wie Atomkraftwerke bauen zu können, ohne dass die Endlagerfrage geklärt war. Erst mal wurden Milliarden ausgegeben. Die Endlagerfrage würde dann halt schon noch....irgendwie.... der Mensch hat bisher alles.... Man träumte den Traum von friedlichen Nutzung der Kernenergie, das Atomium in Brüssel wurde zu seinem Symbol. Das gezähmte Atom schien die Lösung vieler Fragen. Energie ohne Begrenzung? Atom ist die Lösung! 1956 wurde hierzulande ein „Atomministerium“ gegründet, wofür gleich mal Franz-Josef Strauß berufen wurde. Die Rede war davon, für Deutschland den Platz unter den Industrienationen zu sichern. Das Land sollte den Anschluss nicht verpassen. Um Ängste zu zerstreuen, beteuerte das Atomministerium: „alles ist sicher“. Ob uns das an gewisse Dinge heutzutage erinnert? Der Wunderstoff Uran wurde öffentlich als harmlos gepriesen. Ein bisschen Kontrolle: ja. Aber im Prinzip konnte jeder in ein solches Atomkraftwerk herein schlappen und nachsehen, ob denn alles wirklich sicher sei. Man sah und befand: ist ja völlig harmlos. Uran sieht wie Eisen aus. Und überhaupt: alles wird gut überwacht. Später gab es zwar Störfälle, teilweise sogar ernster Natur. Aber diese wurden vertuscht, wurden nie wirklich sichtbar.
Ab Ende der siebziger Jahre gab es dann massiven Widerstand gegen solche Methoden, dem mit staatlicher Gewalt zu begegnen versucht wurde. Es gab Schlachten, das Polizeiaufgebot wurde gigantisch. Castortransporte wurden durchgesetzt.
Mittlerweile ist die Sache mit dem Endlager immer noch weit entfernt von einer Lösung. Es liegt aber eine ganze Mende Atommüll herum. Weggekippt in unsicheren Fässern, die jetzt schon rosten. Was wohl mit all den Fässern ist, die im Meer „verklappt“ wurden. Weg damit! Der Ozean ist groß und wird das schon schlucken.... Heute gilt immer noch das neoliberale Credo: Die Sachen, mit denen man kein Geld verdienen kann, übernimmt die Öffentlichkeit, der Staat. Das andere soll sich „die Privatwirtschaft“ sichern. Tatsache ist, dass die Entsorgung und der Abbau der AKWs richtig teuer wird und dass der Staat dies bezahlen soll.
Es gab Tschernobyl und Fukushima mit all den Täuschungsversuchen, der Glaube an die Atomkraft ist zumindest hierzulande völlig zerschossen. Die Sache mit dem Fortschritt insgesamt hat sich auch etwas relativiert. Wir haben starke Probleme mit dem ungebremsten Bevölkerungswachstum (manche meinen ja, es sei alles nur ein Verteilungsproblem: Das mag es auch sein, so glaube ich, - aber halt nicht nur. Das Wachstum der Menschen dürfte für diese Erde seine Grenze haben, so befürchte ich. Die Nahrungsfrage ist ungelöst, der Klimawandel plagt, Seine Folgen wurden bisher noch verdrängt. Man konnte sich das hier leisten. In anderen Gegenden der Erde sieht das schon anders aus. Es gibt derzeit zahlreiche Kriege und allerlei Konflikte auch sozialer Natur. Am nicht allzu weit entfernten Horizont stehen zu Ende gehende Rohstoffreserven. Wir erfahren von Megatonnen an Plastik im Meer, von schmilzenden Eisberge an den Polkappen, und anderen Katastrophen, zu denen dann kostspielige Konferenzen einberufen werden, die nichts bewirken. Es fangen jetzt schon globale Verteilungskämpfe an....usw. Wo ist all der ungebremste Optimismus geblieben? Es scheint dies eine ziemlich hohle Formel geworden zu sein. Gewisse Parteien setzen hierzulande „menschliche Kreativität“ dagegen. Langsam aber sicher würde es Zeit dafür.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Pflegezeichen

Ich kriege gestern in den Nachrichten mit, dass der Gesundheitsminister Spahn den Pflegesteuersatz um 0,5 % erhöhen will. Wenn ich das höre, befürchte ich, dass dies niemand etwas hilft. Weil sich nämlich die großen Pflegekonzerne damit die Taschen noch mehr füllen könnten und damit auf der Ebene der „Patienten“ nichts ankäme. Es würde also die Menge des Geldes noch größer und die Qualität der Pflege möglicherweise noch schlechter. Es wird wohl darauf ankommen, das zusätzliche Geld in die richtigen Kanäle zu leiten und nicht den Pflegefirmen einen Zusatzprofit zu bescheren. Dass ich dabei sehr skeptisch bin, mag man mir nicht verdenken, haben doch meine Schwester und ich nach Wochen bis zum heutigen Tag keine Dauerpflege für unseren 92-jährigen Vater gefunden. Die so hoch geschätzte und öffentlich dauernd ausgerufene ambulante Pflege gibt uns den Bescheid: kein Platz, keine Kapazität, nichts. Dass beim ganzen Procedere der Staat einem keinerlei Beratung angedeihen lässt, dass die Kommune sich komplett aus der Pflege zurück gezogen zu haben scheint, und dass man sich in einem Gewirr von Formularvordrucken und verweigerten Zuständigkeiten findet, macht die Sache nicht leichter. Der Pflegenotstand kann sehr schnell konkret werden, auch für diejenigen, die jetzt noch alles erfolgreich zu verdrängen scheinen. Wir hier jedenfalls scheinen mit unserem Vater in ein Loch gefallen zu sein, für das „die Politiker“ mit großzügigen Diäten, Altersvorsorgemodalitäten, fetten Zusatzverdiensten und Zuschüssen aller Art vorgesorgt zu haben scheinen.

Montag, 8. Oktober 2018

Der lange Tanz (Text)


DER LANGE TANZ

Du träumst dich, du siehst dich
bist das wirklich noch du?die Jahre vergehen im Trott
und du hast ein paar Narben mehr
blickst zurück und blickst nach vorn
und das Einerlei stört dich nicht mehr

Refr.
Zwei Schritte rechts, zwei Schritte links
wo geht’s eigentlich lang?
Drei Schritte vor und zwei zurück,
wie heißt dieser lange Tanz?

Mal im Schatten, mal im Licht
meist dazwischen irgendwo du
ALLES kommt erst morgen
und heut ist erst mal Pause
Charlie Chaplin jagt Billy the Kid
wer wird wohl der Verlierer sein?

Refr.
Zwei Schritte rechts, zwei.......

Züge fahren weiter, keiner weiß wohin
du stehst am Bahnsteig und frierst
man trägt jetzt wichtige Gesichter
und du zwingst dich, nicht mehr zu lachen
Kontrollen werden schärfer
nur Wenige wissen um das Warum

Refr.
Zwei Schritte rechts, zwei Schritte......

(Aus den achtziger Jahren, Entwurf für einen Song)

Sonntag, 7. Oktober 2018

Alte Menschen

Eine ein Jahr alte Notiz aus einem Tagebuch, die freilich gerade jetzt über meinen Vater ins Allgemeine hinaus weist:

Gott befohlen!, die alten Leutchen müssen halt mal sterben. Das lohnt sowieso nicht mehr“, diese Haltung scheint mir hinter unzähligen Verhaltensweisen in diesem Bereich aufzuscheinen. Besonders von relativ jungen Menschen wird sie gerne und etwas achtlos geäußert. Mutter hat blaue Flecken im Gesicht, hat starken Schnupfen, doch niemand unternimmt etwas.....Wir warten auf den Arzt, doch der kommt nicht, am Donnerstagabend (nach 1 Woche Pflegeheimaufenthalt) erfahre ich, das man sich „selbst darum kümmern muss“, mein Problem: ich habe keinerlei Ansprechpartner (auch und gerade in dem relativ teuren Heim), Aufklärung oder Hilfe auf irgendeiner Ebene (die stolze Broschüre des Pflegestärkungsgesetzes verspricht „feste Ansprechpartner, doch bei Anruf bekomme ich zur Auskunft, ich solle später anrufen, die seien alle überfordert und es gäbe zu viele Personen, die Auskünfte wollten...) Überhaupt scheint sich auch die Kommune einen Dreck um meine Notlage zu kümmern. 
Ich fühle mich total überfordert und unterinformiert, werde von Personen als "hysterisch“ wahrgenommen, kein Arzt (nach nachdrücklichem Protest bemühte sich im Krankenhaus ein Arzt her und gab schmallippige Auskünfte (ich entnahm dem am Donnerstag, dass meine Mutter mit Lungenentzündung Freitag entlassen werden solle, gleichzeitig eröffnet man mir, dass sie Lungenentzündung habe - eigentlich ein Widerspruch in sich), hinter dem Bett meiner Mutter hing ein großes Plakat in roten Lettern, dass man Nahrung, Trinken oder Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Pflegepersonal verabreichen solle....was relativ schwierig ist, wenn kein Pflegepersonal in dieser Knappheitssituation verfügbar ist)...usw.


Samstag, 6. Oktober 2018

Schwermut (Baudelaire)


Schwermut (Charles Baudelaire)

Der Himmel, schwer wie eines Deckels Last,
Sinkt auf die Seele voll verhaltenem Weinen,
Bleiern und dumpf hält er das All umfasst,
Trüber als Nacht will uns der Tag erscheinen

Es wandelt sich die Welt zum finstern Haus,
Zum feuchten Kerker voller Angst und Schauer,
Und flatternd, scheu wie eine Fledermaus
Rennt Hoffnung sinnlos gegen Wand und
Mauer.

Der Müde Regen, der die Welt umfängt,
Spannt um das Haus die engen Gitterstäbe
Verwünschtes Ungeziefer kommt und hängt
In unser Hirn die grauen Spinngewebe.

Und plötzlich heulen Glocken dumpf empor,
Zum Himmel heben sie ihr furchtbar Tönen
Wie irrer, heimatloser Geister Chor,
Ein eigensinnig, heimatloser Geister Chor,
Ein eigensinnig unaufhörlich Stöhnen.

Und lautlos zieht ein langer Leichenzug
durch meine Seele seine schwarzen Bahnen,
Die Hoffnung weint. Das Grauen, das sie schlug
Das Grauen pflanzt in meinem Hirn die Fahnen.

Freitag, 5. Oktober 2018

Anpassung Mitmachen Dabeisein


Anpassungsmechanismen der anderen (immer die anderen!!), das alltägliche Buckeln, bloß keine Empfindlichkeiten zeigen: das sanktionieren die Kollegen sofort mit Liebes- , das heißt letztenendes Geldentzug. Mit Mobbing auch. Mit den kleinen Zeichen. Mit bereit gestellten Fallstricken. Du musst funktionieren. Zum Beispiel darfst du nicht krank werden. Sofort rückt jemand anderes an deine Stelle. Du bist austauschbar, auch wenn du dich selbst für einmalig hälst. Malus. Wieso haben die anderen so wenig Abstand zu dem, was sie tun? Wieso können die sich so identifizieren mit ihrem Job, mag er noch so entfremdet sein? Sie haben doch alle studiert, haben sich im Blick geübt, der im Alltäglichen das Unalltägliche aufsucht, der die Distanz zu den Dingen und zu sich selbst sucht. Oder etwa nicht? Waren sie nur ausgebildet worden? Haben sie sich die Analysemethoden angeeignet, um zu erkennen, dass in solch eingeschlossenen Verhältnissen, in solchen betrieblichen Strukturen die Macht wohnt und die Machtausübung anderer implizit eingeschlossen ist? Ob solche Ansichten auf Möglichkeiten etwas zu idealistisch gedacht sind? Sich in den Elfenbeinturm des akademischen Betriebs flüchten? Funktionierte auch schon besser. Wie kann man das so akzeptieren, sich zu eigen machen? Die Rolle, in die man hineindressiert wurde? Ob das etwas mit unserem Bildungssystem zu tun hat? Schon die dauernd praktizierte Formulierung „Wir“. Wer ist wir? Die Gesellschaft? Der Betrieb? Der stark ist? Der sich ein Monopol erobert hat?
Wir sind stark. „Wir schaffen das“. Wer ist wir? Der, der dich entlässt und dir Lohnzugeständnisse abringt, wenn er es für nötig hält (jawohl, immer noch meist ein „er“ und keine „Sie“). Der dafür das Geschwätz vom „Strukturwandel“ allzeit parat hält (Das Getue um die sogenannte „Globalisierung“ ist ja ein bisschen ins negative Gerede gekommen...)? Dann bist du plötzlich nicht mehr der Betrieb. Bist ein unfähiger Einzelner. Der Betrieb ist der, dessen „Chefs“ riesige Karossen fahren, die sie als Statussymbol direkt vor dem Eingang parken. Der Betrieb, dass sind doch die Kaufleute, die alles Wichtige diktieren. Alles Wichtige hat auf dieser Erde mit Geld zu tun, nicht mit Geist. Sie müsssen immer wieder den Stallgeruch pflegen, auf jeder Konferenz. Sie müssen miteinander anstoßen, sich übers Fußballspiel unterhalten, sich Witze erzählen, übder die sie dann gemeinsam lachen sollen. Das auch an jedem Geburtstag, den irgendein Kollege hat. Dann werden kleine Tischen aufgestellt und Gemeinsamkeit zelebriert.
Du selbst wirst dir dann ein Fremder. Verlierst den Kontakt zu dir, während sie ihn zu kultivieren und pointieren scheinen - wofür sie dann Crash-Kurse besuchen. Die Sehnsucht danach, sich irgendwo wiederfinden zu können. Du, der du dir selbst einmal so sicher warst, ohne selbstsicher sein zu können. Wo bist du heute? Hast dich verloren in der Mechanik. Der Funktionalität. Der Normalität. Und musst dankbar dafür sein.
Die Ermüdung, die Trägheit, deine Feinde. Andere Menschen haben ein anderes Temperament. Eine andere Vitalität und ein anderes Vertrauen darin. Sie begegnet dir. Du solltest mehr Empathie aufbringen. Was ist das? Sich in jemanden hinein denken? Notwendig, Zeichen der Kultur. Letztenendes sind wir aber allein. Da besteht eine Spannung.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Im Blau sein

Das Meer: Hawaii und das große Blau. Die verführende Gleichgültigkeit. Die Träume von Tsunami. Die Albträume. Die zum Himmel hoch sich aufbäumende Flut, die von einer optischen Täuschung übergeht in die Realität. Here comes the flood”, so hieß einmal ein Titel. Psychologisch mag es darin auch um so etwas wie Urvertrauen gegangen sein. Man möchte sich hineinstürzen in dieses Blau und hat doch nur Angst davor. Ein Psychologe würde wohl seine Schlüsse daraus ziehen. Alles ist freidlich. Und birgt doch bedrohliche Möglichkeiten der Wildheit in sich. Des Ausfransens. Jener Traum, ob er eine Rolle spielt? Wenn die Welle näher kommt, erst von ferne, dann, unglaublich, immer näher an dich heran, du glaubst es nicht, sie kommt noch näher, sie wird höher und höher, sie wird haushoch und noch höher, sie überspült dich und sie dringt nun ein in mich. Ich spüre jetzt das Wasser, wie es mich einhüllt, umhüllt und mein Bewusstsein auslöscht. Ich vergesse das Atmen und werde panisch. Ich bin allein im Element. Im Kosmos. Es wird meine letztes Minute sein. Ich gehe unter. Die Luft, mir fehlt die Luft. Es drückt auf der Lunge.
Ich wache auf im schönsten, strahlendsten Blau.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Arrive in another world (text)


Arrive in another World




The world is arranging around me, like I were in fog
I was searching, maybe for God, who are you?
Who am I? Do I dream?
Wave, one after another,
every Wave could be an Ego
human kind or animal
I was, I am, I will be
I am among mirrors
Death is on it's way
we only do not know, when it will arrive,
one could pass away
one can
one will be able
to arrive in another world

Dienstag, 2. Oktober 2018

Opfer


Ich habe nachts eine Fernsehsendung gesehen, über Lazarett- oder Sanitätszüge im Ersten Weltkrieg und davor. Die Leute wurden teilweise in die Wagons geworfen, so dass sie danach kaum noch kratteln konnten. Zu Werbezwecken wurden wunderbar ausgestattete Züge gezeigt, in reinem Weiß und ausgestattet mit allem, was das Leben angenehm machen konnte. In Wahrheit waren die Züge überbelegt, dreckig und stanken. Ihre Priorität gegenüber den militärischen Belangen war sehr nachgeordnet. Manchmal brauchten sie vier Tage, wo militärische Züge, die etwa Nachschub transportierten, gerade mal einen brauchten. Die Leute kamen auch mit schweren Traumata nachhause. Wer wieder hergestellt wurde, musste unter Umständen ein zweites Mal an die Front. Aus heutiger Sicht scheint uns das unvorstellbar. 
Die Leute brachten sich damals selbst als Opfer. Für was? Fürs Vaterland. Geradezu religiös war das damals begründet. Heute gibt es vielleicht „Restposten“ des Opfers. Sie alle sollten aber möglichst nicht unser eigenes Leben betreffen. In der Bundeswehr heute wird Sicherheit „hergestellt“. Sie ist also ein ökonomisches Gut geworden. Ganz und gar. Die Vorstellung, dass jemand sein Leben geben solle, für welche Idee auch immer, ist eine, die uns zutiefst fremd ist und die nicht wirklich im Ernst als Zumutung an einen Einzelnen gedacht werden kann. Unter diesen Umständen erheben sich natürlich Gedanken darüber, wie eine solche Gesellschaft nicht zum hilflosen und wehrlosen Objekt werden kann. Außerdem könnte sie eine Strategie dazu entwickeln, wie dem Zerfall der überkommenen Ordnungen entgegen getreten werden könnte. Stabilisieren scheint an dieser Stelle das große Stichwort zu sein. Kaufen. Abkaufen. Den Willen zur militärischen Auseinandersetzung.