Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 11. Mai 2026

Veränderung

Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Oder? Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen. Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Ein Thema wird immer wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.

Mittwoch, 25. März 2026

Erfolg für Karrieristen

Ich lese und sehe immer wieder Interviews mit Personen, die uns als „erfolgreich“ im Markt vorgestellt werden. Dabei handelt es sich meist um Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Marke stark nach vorne gebracht haben sollen und schon in jungen Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben sollen. Was mir auffällt: diese Personen wurden meist durch ihr Elternhaus „programmiert“, waren entsprechend sozialisiert, waren früh an ein Dasein als Unternehmer oder „Führungsperson“ gewöhnt, indem sie dies Selbstbild als „normal“ annahmen. Man gibt an, schreibt vor, bestimmt, lenkt und - entlässt meist (die Begründungen hat man ja schon früh gelernt: Einsparungen, Kostensenkungen etc. --- betriebswirtschaftliche Kategorien, die man als universell gültig "verkauft"). D.h., diese Personen waren schon früh optimal an die Verhältnisse dieser Gesellschaft angepasst. Sie hingen keinen unnötigen Idealen nach, sondern waren eindeutig auf die Größe „Profit“ fixiert. Eigeninitiative dabei zu entwickeln und Netzwerke für sich und ihr „Anliegen“ rücksichtslos konsequent zu nutzen, sogen sie quasi mit der Muttermilch auf. Kritisch mit sich zu sein (als eine ständige Validierung) gehört da selbstverständlich dazu, das hat man meist auch im Studium der Betriebswirtschaft gelernt, das einem vom Elternhaus ermöglicht wurde. Der Gegenentwurf scheint mir die Selfmademillionärin oder der Selfmademillionär zu sein. Sich durchschlagen um jeden Preis“ scheint hier die Devise zu sein. „Sich durchsetzen“ mit allen Mitteln. (Nach der Logik der Kapitalgesellschaften) Geld einsammeln von anderen Personen und dabei Sicherheit vorspielen, auch wenn man total unsicher ist. Auf ein Ziel fixiert zu sein und kurzfristige Trieberfüllung dafür verschieben zu können, das ist es, - immer gewesen. Die bessere Idee haben, hart arbeiten, permanenter Wettbewerb, Rücksichtslosigkeit. Die harte Haltung der Umwelt gegenüber internalisiert haben, sie zur eigenen Persönlichkeit werden lassen und damit spielend auf andere Personen so zugehen, dass ich diese eigenen Wesenszüge gewinnbringend einsetze, dass ich möglichst smart und soft erscheine. Einen gewissen Lebensstil als Selbstverständlichkeit pflegen, weil einem dieser nach eigener Einschätzung „zusteht“. Die Fähigkeit, rechtzeitig umsteigen zu können - also eine Firma (mit all ihren Beschäftigen, die ja etwas zu dem „Erfolg“ beigetragen haben könnten) - zu verkaufen - scheint auch etwas zu sein, was solche Menschen auszeichnet. Mitmenschen scheinen für solche Unternehmerfiguren nur eine austauschbare Größe zu sein, die einem selbst nützen. Den Weg dazu eben oft auch neue Technologien, deren Eignung als Kapitalvervielfältigungsmaschine diese Leute früher als andere Personen erkennen und für sich zu nutzen versuchen. Die nötigen Phrasen, um dies als große Egostory zu „verkaufen“ haben ihnen meist einschlägige Think Tanks (Gedankenfabriken) oder ihre Verbände (als „notwendiges Übel“) nahe gelegt. Sie sind meist gestanzt und klingen etwas phrasenhaft. Tiefer darüber nachzudenken bleibt meist keine Zeit oder bringt keinen Profit. Delegieren an fähige(ere) Personen ist auch etwas, was man als solche Figur gelernt hat (auch wenn es noch genug Unternehmerfiguren "alter Prägung" gibt, die vorgeben, alles besser zu wissen).

Sonntag, 28. Januar 2024

Last Exit - ganz normal

Da ist jene „Normalität“, die dich dereinst auch umhüllen wird, wenn dein letztes Stündlein geschlagen hat. Da werden dann dieselben miese Witze und Grimassen-Gesichter gemacht, da wird gelacht, betrogen und gelogen, da wird geliebt, gelebt und erlebt. Es geht rund um einen herum weiter, so, als sei nichts geschehen, was einem nur deshalb seltsam verkommt, weil man sich selbst in der Spanne seines Lebens für den Mittelpunkt der Welt (für was auch sonst, man hat ja so hart daran gearbeitet…und außerdem, das Wichtigste: man hat nur sich selbst) gehalten hat. Schon nach wenigen Jahren wird sich niemand mehr konkret an einen erinnern, allen Beteuerungen am Grab zum Trotz. In den Geschichtsbüchern werden ein paar Namen stehen. Ihre Bedeutung freilich muss erlernt werden, jemand muss sie sich erschließen, Vieldeutigkeiten fallen dabei unter den Tisch, alleine schon die Zeit/Aufmerksamkeit steht dafür nicht zur Verfügung. Neulich meinte eine Person zu mir: „Der meint wohl, er sei etwas Besonderes“. Das hat mir bis jetzt schwer zu denken gegeben. Denn dies „Besondere“ ohne Dünkel ist es ja wohl, das über bestimmte Menschen heraus zu finden wäre. Es macht sie regelrecht aus, es kennzeichnet ihre Existenz. Was bleibt davon? Meist nur eine vage schattenhafte Erinnerung, oft nicht mal das. x x There is that “normality” that will one day surround you when your last hour has come. The same bad jokes and grimaces are made, there is laughter, cheating and lies, there is love, life and experience. It goes on around you as if nothing had happened, which only seems strange to you because in the span of your life you have thought of yourself as the center of the world (for whatever else, you have worked so hard at it... and also, the most important thing: you only held yourself). After just a few years, no one will remember you specifically, despite all the assurances at the grave. There will be a few names in the history books. Its meaning, of course, has to be learned, someone has to understand it, ambiguity is overlooked, and the time/attention alone is not available for it. A person recently said to me: “He probably thinks he’s something special.” This has given me a lot to think about up until now. Because it is this “special” thing without conceit that could be found out about certain people. It really defines them, it characterizes their existence. What remains of it? Mostly just a vague, shadowy memory, often not even that.

Mittwoch, 26. Mai 2021

Was "normal" sei.....

Aus gegebenem Anlass habe ich mir mal wieder Gedanken darüber gemacht, was „normal“ sei, ein Begriff, der hier in diesem Blog immer wieder auftaucht, auch weil er mir soziologisch interessant zu sein scheint. Er scheint mir nämlich eng mit dem jeweiligen Wertesystem zusammenzuhängen, unter dem eine bestimmte Person aufwächst. Dieses Wertesystem ist oft von kulturellen, religiösen oder ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Von klein auf wächst eine Person in ein solches Wertesystem hinein, hält es für real. Soziologen und Psychologen würden dazu sagen: eine Person ist unter diesem Wertesystem sozialisiert. Nur wenige Personen erhalten im Rahmen ihrer Erziehung (Sozialisation) Gelegenheit zu erfahren, dasss solche Wertesysteme austauschbar sind, dass Leben in einer langen Suche nach der richtigen Bewertung und Einodrnung von Verhalten bestehen könnte. Meist gibt es absolute Vorgaben: eine Instanz bestimmt, was gut oder schlecht, was anstrebenswert oder zu vermeiden, was Schwarz oder Weiß sei. Das Individuum hat sich an solche Vorgaben zu halten, ansonsten würde es sanktioniert (was bis zum Tode gehen kann). Auf was so etwas hinaus läuft: Feste und vorgegebene Maßstäbe. Ein dazu gehöriges autoritäres Element. Dazu gehören auch die in unseren Breiten vorgegebenen Maßstäbe von Erfolg, der sich meist am Geld oder untergebenen Personen bemisst. Der wichtige Dreh ist: das, was „normal“ erscheint, ist relativ, also eine Frage des Ausgangspunktes oder des Punktes, von dem aus ich etwas beurteile.

Mittwoch, 25. November 2020

Reichtum

Ob man der Gesellschaft, der man alles verdankt, auch etwas zurück geben sollte? Über die gesetzlich vorgeschriebenen Steuern hinaus? Reichtum verpflichtet. Während in den USA grundsätzlich mehr zu verdienen ist und der Staat sich weit hinter das Individuum (in diesem Fall: der Unternehmer) zurück gezogen hat, wodurch natürlich auch ein höherer Bedarf an „Charity“ entsteht, kann ein Reicher hierzulande behaupten: „Ich mache schon so viel für den Staat, entrichte Steuern, genüge gesetzlichenVorschriften aller Art, dass ich durchaus weniger Interesse daran habe, noch etwas zu spenden.“ Der Einzelne verteilt quasi „von oben herab“ nach Gutdünken sein Geld und finanziert „nebenher“ auch noch das Parteienwesen und ein bisschen Korruption, bzw. Bevorzugung von „Freunden“, während der Reiche hierzulande mehr Steuern entrichtet, mit denen nach Gesetz und Verordnung soziale Leistungen gewährt werden. D.h. Der Bürger hat einen Anspruch auf bestimmte Leistungen. Das z.b. zeichnet einen Sozialstaat aus. Außerdem soll dadurch ein gewisser sozialer Ausgleich herbei geführt werden. Die „soziale Schere“ ist bis jetzt noch nicht so weit auf gegangen, wie das in den USA „Normalzustand zu sein scheint. Hinzu kommt, dass sich der „Normalverdienende“ oft nicht das Ausmaß des Reichtums vorstellen kann. Er schätzt, dass ein Reicher so ungefähr das 6 bis 10fache dessen hat, was er selbst zur Verfügung hat. In Wirklichkeit ist es nach Erhebungen etwa das 380fache. Dieser Reiche redet denn auch sehr viel und freimütig über sein Geld. Das Prahlen mit dem Jahreseinkommen ist dabei „normal“. Er sieht und deutet sich gerne auch, im Rückgriff auf gewisse religiöse Strömungen, als „auserwählt“. Er ist „abgesichert“, d.h. Gewisse soziale Grundleistungen, wie sie hierzulande nach dem Solidaritätsprinzip des Gesundheitswesen erbringt, sind in den USA durch die Verdienste des Einzelnen garantiert. Durch den „Erfolg“. Wer an sich glaubt, kann es schaffen, so etwa lautet der „amerikanische Traum“. Wodurch gewisse Überlegenheiten und Vorteile entstehen können, war und ist nicht zuletzt in Pandemiezeiten zu erleben.

Samstag, 30. Dezember 2017

Wahrnehmungsroutinen

Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt...und handelt dann wieder ganz anders...aus Gewohnheiten heraus. Aber vielleicht können wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen, können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um einen herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Frei von größeren akuten Schmerzen sein, das deutet auf ein gewisses Maß an Gesundheit hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt sah und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten. Wer das an engen Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert. Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo in uns selbst zu empfinden, mag die Wirkung verstärken. Daraus Kraft zu beziehen, auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir uns durchringen, sofern das geht..... 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Realitäten und ihre "Vermittlung"

Was wichtig wäre: es geht darum, sich in andere Realitäten hineinzuversetzen, Empathie einzuüben. Sich mit anderen Realitäten auseinandersetzen, seien sie sozial oder geographisch vermittelt. Es geht um Lebenswelten und die damit vermittelten „Maßstäbe“. Werte, Normen. Also das, was jemand für „normal“ oder gegeben hält. Was jemand für legitim hält und was als legal gilt. Sich Spannungsverhältnisse bewusst machen. Sich gewahr werden, was als normal gilt, aber trotzdem veränderbar erscheint. Über Konstanten nachdenken. Egal, wie sie vermittelt wären. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Alle drei Größen scheinen dauernd überprüft und befragt werden zu müssen. Denn bei den Mächtigen und Reichen scheinen sich solche Maßstäbe gerne mal zu verselbständigen. Solches zumindest zu erkennen, - was nicht heißt, es ändern zu können, - könnte ein Ziel sein. Zu wissen, was „los“ sei, was mit einem und anderen geschehe in dieser Welt. Wer man sei.... In welchem Zusammenhang gewisse Dinge stehen könnten. Auch dies könnte ein Beitrag dazu sein, sich ein bisschen freier zu fühlen, ein bisschen souveräner, als das, was eingeübt als Signal nach außen sein könnte. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Krankheit, Mensch, Normalität

Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben eine solche Situation jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den „ganz normalen“ Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Im Bewusstsein. Im Empfinden. Das Gesicht des Patienten wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Von diesem Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, - die gröbste und elementarste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten im Krankenhaus ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den sogenannten Gesunden) auftut. Und tatsächlich, sie, die Schwestern und Pfleger schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Sie sind ja sowieso überlastet und sollten sehen, wie sie alles aushalten. Jawohl, der Patient ist in vielem sehr abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht möglicherweise dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Es ist ein sehr seltsames Gefühl. Mit Entlassung aus dem Krankenhaus ist man dann ein anderer, es sind diejenigen, die einen gepflegt haben, andere.... als würde ein Schalter umgelegt. Ob man das als Schwester und Pfleger empfindet? Diese Situation? Gibt es eine Art Mitgefühl? Gibt es Mitleid? Oder gibt es - viel besser - eine Art „Mitleiden“. Sich in jemand hinein versetzen. Im Englischen gibt es das Wort „Compassion“, das auch in anderen Kulturkreisen eine wichtige Rolle spielt und ein sich in jemanden anderes hineinversetzendes Mitleiden meint. Ich habe schon einmal mit einer Schwester darüber gesprochen. Sie meinte, man könne sich so etwas nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erlauben. Sonst ginge man kaputt. Die Distanz zum Schicksal des Patienten sei eine Art Selbstschutz. Das Abschalten. Das Sich Distanzieren. Das ist völlig nachvollziehbar. Vom Verstand her. Aber es sehen einen doch Augen an!! Kann man sich emotional auch in dieser Situation distanzieren? 

Freitag, 20. Mai 2016

Jugend und Alter (1)

Das Alter und seine Gesundheit schieben viele gerne von sich, verdrängen es. Jemand, der schon mit einem ernsten Gebrechen im Krankenhaus lag, kennt das aus seiner Sicht. Viele Besucher machen dann die Tür hinter sich zu und sind froh, dass es sie selbst nicht getroffen hat. Genauso sagt der junge Mensch: Das Alter ist noch weit weg! Es betrifft mich nicht. Pointe: Es wird soooo schnell kommen und ist schon so nah! Zeit verdödeln und verdaddeln glaubt sich jemand in einer bestimmten Lebensphase leisten zu können. Später nicht mehr. Diese „Jungen“ sind in einer Ersten Welt aufgewachsen, die sich zum Zwecke des Profits und der optimalen Ausbeutung an den Rest des Globus hängt. Wer etwas am „Wohlstand“ teilhaben will und dorthin flüchtet, wird schlichtweg als unerwünscht erklärt und abgeschoben. „Wirtschaftsflüchtling“ nennt man hierzulande so etwas abschätzig. Dabei ist diese Welt samt ihren eigenen Bezügen inzwischen wenige Flugstunden von Frankfurt entfernt, die Gegensätze haben sich bei einer solchen Nähe erheblich verschärft. Wer kann damit etwas anfangen, was nicht zynisch wäre? Was ist das für eine Welt? „What a wonderful world“? Der Jugendwahn greift in allen Lebensgebieten um sich, die Verklärung und Idolisierung dieser Jugend dominiert. Wieso? Weil sie zahlenmäßig immer weniger wird. Weil der Mensch anfangs so aussieht, wie er aussieht. Weil er vermeintlich leistungsfähiger ist (ohne den Faktor "Erfahrung"). Weil junge Menschen form- und programmierbar sind, weil sie schneller lernen. Ökonomie, Sozialversicherungssystem, Familienpolitik, - alles versucht, darauf mit einer zusätzlichen Vergötterung der Jugend zu reagieren. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Hinzu kommt dass der Mensch ein „Relativrezeptor“ ist, wie manche Kreise in der Ernährungswissenschaft behaupten: d.h. Er ist auch geschmacksmäßig sozialisiert und geprägt auf das, was er in der Jugend erfährt: Das künstliche Aroma eines Joghurts zum Beispiel, das er nie anders hat kennen lernen können (Besonders, wenn ihm das finanziell nie nie möglich war). Naturjoghurts kommen ihm im Vergleich dazu roh und zu kräftig vor.

Freitag, 11. März 2016

Reisebilder

Ich versuche mich hier in die Vertreter anderer Strukturen hineinzuversetzen und ein- ums andere Mal auch eine vertikale Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten zu unternehmen. Durch andere Augen blicken, an die Strukturen heran gehen, die sie prägen, sie bezeichnen, benennen, sie ansatzweise analysieren und entlarven, das könnte eine Folge einer solchen „Reise“ sein. Strukturen erkennen, durch die wir geprägt werden, durch die andere geprägt und gestanzt werden, das könnte ein Ziel sein. Normalitäten und Selbstverständlichkeiten, die damit einher gehen, auch mal in Frage stellen. Gelegentlich auch auf eher grundsätzliche Weise, - auch das könnte eine Richtung angeben. Solches auch bei sich selbst anreißen, es stimulieren, ein Gefühl dafür schaffen, das viele Dinge im Fluss sind, dass sie veränderbar wären, ohne dies riesige Legitimationspaket, was uns tagtäglich geschnürt wird. Stimmen wir eigentlich im Zeitalter des Internets und des technokratisch möglichen Wissensflows noch damit überein? Wo wird das wacklig? Wo erfordert es Antworten auf Fragen? Wer kann sie wie geben?

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Krank und gesund

Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht habe:

Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern  schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.