Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Montag, 11. Mai 2026
Veränderung
Ein würdevolles Leben führen. Als Ziel. Für alle. Jetzt und in Zukunft. Als eine Art riskanter Sprung in die Zukunft. Eingeführt in eine Normalität, in eine Selbstverständlichkeit, die alle Menschen umgeben soll. Alle. Technologische Möglichkeiten dazu könnten bereits vorhanden sein. Bleibt nur noch die soziale Polarisierung: den einen Menschen soll es möglich sein, den andern nicht. Oder? Wir sind da hinein geworfen. Müssen uns damit auseinander setzen.
Wir aber haben unter Umständen damit zu tun, von einem Tag in den nächsten zu kommen. Müssen Demütigungen und Diskriminierungen trotzen, so gut es geht. Müssen Pech verkraften. Wie konnte das möglich sein, dass noch vor kurzer Zeit Frauen nicht wählen durften?, so fragt man sich schon heute. Man kann es sich nicht mehr vorstellen. Die Entwicklung scheint in kürzester Zeit fortgeschritten. So könnte es auch mit einer Energiewende sein. Es könnten sich zunächst diejenigen zusammenfinden, die die Vision haben und dafür etwas verändern wollen. Es scheint zunächst, als passiere nichts. Doch dann wird ein Problem gesehen. Es wandert das Angestrebte, das Ziel, unaufhaltsam in die Normalität ein. Bedenken und Argumente dagegen sind natürlich präsent. Aber es steht im gesellschaftlichen Raum die moralische Aufforderung: eigentlich müsste man, sollte man...., aber... Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. ... Es bilden sich zudem Gruppen, die alles verdrängen wollen, die Probleme leugnen und damit zunächst viel Zulauf finden. Doch dann vollzieht sich der Sprung. Eine Umorientierung setzt sich fest. Wahrscheinlichkeiten bröckeln. Etwas wird da sein. Ein Thema wird immer wichtiger. Gewisse Menschen werden das ziehen. Rückblickend wird es kaum zu begreifen sein, dass man nicht schon viel eher in die richtige Richtung abgebogen war. „Normal“ ist etwas anderes geworden.
Mittwoch, 25. März 2026
Erfolg für Karrieristen
Ich lese und sehe immer wieder Interviews mit Personen, die uns als „erfolgreich“ im Markt vorgestellt werden. Dabei handelt es sich meist um Unternehmerinnen und Unternehmer, die eine Marke stark nach vorne gebracht haben sollen und schon in jungen Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben sollen. Was mir auffällt: diese Personen wurden meist durch ihr Elternhaus „programmiert“, waren entsprechend sozialisiert, waren früh an ein Dasein als Unternehmer oder „Führungsperson“ gewöhnt, indem sie dies Selbstbild als „normal“ annahmen. Man gibt an, schreibt vor, bestimmt, lenkt und - entlässt meist (die Begründungen hat man ja schon früh gelernt: Einsparungen, Kostensenkungen etc. --- betriebswirtschaftliche Kategorien, die man als universell gültig "verkauft"). D.h., diese Personen waren schon früh optimal an die Verhältnisse dieser Gesellschaft angepasst. Sie hingen keinen unnötigen Idealen nach, sondern waren eindeutig auf die Größe „Profit“ fixiert. Eigeninitiative dabei zu entwickeln und Netzwerke für sich und ihr „Anliegen“ rücksichtslos konsequent zu nutzen, sogen sie quasi mit der Muttermilch auf. Kritisch mit sich zu sein (als eine ständige Validierung) gehört da selbstverständlich dazu, das hat man meist auch im Studium der Betriebswirtschaft gelernt, das einem vom Elternhaus ermöglicht wurde. Der Gegenentwurf scheint mir die Selfmademillionärin oder der Selfmademillionär zu sein. Sich durchschlagen um jeden Preis“ scheint hier die Devise zu sein. „Sich durchsetzen“ mit allen Mitteln. (Nach der Logik der Kapitalgesellschaften) Geld einsammeln von anderen Personen und dabei Sicherheit vorspielen, auch wenn man total unsicher ist.
Auf ein Ziel fixiert zu sein und kurzfristige Trieberfüllung dafür verschieben zu können, das ist es, - immer gewesen. Die bessere Idee haben, hart arbeiten, permanenter Wettbewerb, Rücksichtslosigkeit. Die harte Haltung der Umwelt gegenüber internalisiert haben, sie zur eigenen Persönlichkeit werden lassen und damit spielend auf andere Personen so zugehen, dass ich diese eigenen Wesenszüge gewinnbringend einsetze, dass ich möglichst smart und soft erscheine. Einen gewissen Lebensstil als Selbstverständlichkeit pflegen, weil einem dieser nach eigener Einschätzung „zusteht“. Die Fähigkeit, rechtzeitig umsteigen zu können - also eine Firma (mit all ihren Beschäftigen, die ja etwas zu dem „Erfolg“ beigetragen haben könnten) - zu verkaufen - scheint auch etwas zu sein, was solche Menschen auszeichnet. Mitmenschen scheinen für solche Unternehmerfiguren nur eine austauschbare Größe zu sein, die einem selbst nützen. Den Weg dazu eben oft auch neue Technologien, deren Eignung als Kapitalvervielfältigungsmaschine diese Leute früher als andere Personen erkennen und für sich zu nutzen versuchen. Die nötigen Phrasen, um dies als große Egostory zu „verkaufen“ haben ihnen meist einschlägige Think Tanks (Gedankenfabriken) oder ihre Verbände (als „notwendiges Übel“) nahe gelegt. Sie sind meist gestanzt und klingen etwas phrasenhaft. Tiefer darüber nachzudenken bleibt meist keine Zeit oder bringt keinen Profit. Delegieren an fähige(ere) Personen ist auch etwas, was man als solche Figur gelernt hat (auch wenn es noch genug Unternehmerfiguren "alter Prägung" gibt, die vorgeben, alles besser zu wissen).
Sonntag, 28. Januar 2024
Last Exit - ganz normal
Da ist jene „Normalität“, die dich dereinst auch umhüllen wird, wenn dein letztes Stündlein geschlagen hat. Da werden dann dieselben miese Witze und Grimassen-Gesichter gemacht, da wird gelacht, betrogen und gelogen, da wird geliebt, gelebt und erlebt. Es geht rund um einen herum weiter, so, als sei nichts geschehen, was einem nur deshalb seltsam verkommt, weil man sich selbst in der Spanne seines Lebens für den Mittelpunkt der Welt (für was auch sonst, man hat ja so hart daran gearbeitet…und außerdem, das Wichtigste: man hat nur sich selbst) gehalten hat. Schon nach wenigen Jahren wird sich niemand mehr konkret an einen erinnern, allen Beteuerungen am Grab zum Trotz.
In den Geschichtsbüchern werden ein paar Namen stehen. Ihre Bedeutung freilich muss erlernt werden, jemand muss sie sich erschließen, Vieldeutigkeiten fallen dabei unter den Tisch, alleine schon die Zeit/Aufmerksamkeit steht dafür nicht zur Verfügung. Neulich meinte eine Person zu mir: „Der meint wohl, er sei etwas Besonderes“. Das hat mir bis jetzt schwer zu denken gegeben. Denn dies „Besondere“ ohne Dünkel ist es ja wohl, das über bestimmte Menschen heraus zu finden wäre. Es macht sie regelrecht aus, es kennzeichnet ihre Existenz. Was bleibt davon? Meist nur eine vage schattenhafte Erinnerung, oft nicht mal das.
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There is that “normality” that will one day surround you when your last hour has come. The same bad jokes and grimaces are made, there is laughter, cheating and lies, there is love, life and experience. It goes on around you as if nothing had happened, which only seems strange to you because in the span of your life you have thought of yourself as the center of the world (for whatever else, you have worked so hard at it... and also, the most important thing: you only held yourself). After just a few years, no one will remember you specifically, despite all the assurances at the grave.
There will be a few names in the history books. Its meaning, of course, has to be learned, someone has to understand it, ambiguity is overlooked, and the time/attention alone is not available for it. A person recently said to me: “He probably thinks he’s something special.” This has given me a lot to think about up until now. Because it is this “special” thing without conceit that could be found out about certain people. It really defines them, it characterizes their existence. What remains of it? Mostly just a vague, shadowy memory, often not even that.
Mittwoch, 26. Mai 2021
Was "normal" sei.....
Aus gegebenem Anlass habe ich mir mal wieder Gedanken darüber gemacht, was „normal“ sei, ein Begriff, der hier in diesem Blog immer wieder auftaucht, auch weil er mir soziologisch interessant zu sein scheint. Er scheint mir nämlich eng mit dem jeweiligen Wertesystem zusammenzuhängen, unter dem eine bestimmte Person aufwächst. Dieses Wertesystem ist oft von kulturellen, religiösen oder ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt. Von klein auf wächst eine Person in ein solches Wertesystem hinein, hält es für real. Soziologen und Psychologen würden dazu sagen: eine Person ist unter diesem Wertesystem sozialisiert. Nur wenige Personen erhalten im Rahmen ihrer Erziehung (Sozialisation) Gelegenheit zu erfahren, dasss solche Wertesysteme austauschbar sind, dass Leben in einer langen Suche nach der richtigen Bewertung und Einodrnung von Verhalten bestehen könnte. Meist gibt es absolute Vorgaben: eine Instanz bestimmt, was gut oder schlecht, was anstrebenswert oder zu vermeiden, was Schwarz oder Weiß sei. Das Individuum hat sich an solche Vorgaben zu halten, ansonsten würde es sanktioniert (was bis zum Tode gehen kann). Auf was so etwas hinaus läuft: Feste und vorgegebene Maßstäbe. Ein dazu gehöriges autoritäres Element. Dazu gehören auch die in unseren Breiten vorgegebenen Maßstäbe von Erfolg, der sich meist am Geld oder untergebenen Personen bemisst. Der wichtige Dreh ist: das, was „normal“ erscheint, ist relativ, also eine Frage des Ausgangspunktes oder des Punktes, von dem aus ich etwas beurteile.
Mittwoch, 25. November 2020
Reichtum
Ob man der Gesellschaft,
der man alles verdankt, auch etwas zurück geben sollte? Über die
gesetzlich vorgeschriebenen Steuern hinaus? Reichtum verpflichtet.
Während in den USA grundsätzlich mehr zu verdienen ist und der
Staat sich weit hinter das Individuum (in diesem Fall: der
Unternehmer) zurück gezogen hat, wodurch natürlich auch ein höherer
Bedarf an „Charity“ entsteht, kann ein Reicher hierzulande
behaupten: „Ich mache schon so viel für den Staat, entrichte
Steuern, genüge gesetzlichenVorschriften aller Art, dass ich durchaus
weniger Interesse daran habe, noch etwas zu spenden.“ Der Einzelne
verteilt quasi „von oben herab“ nach Gutdünken sein Geld und
finanziert „nebenher“ auch noch das Parteienwesen und ein
bisschen Korruption, bzw. Bevorzugung von „Freunden“, während
der Reiche hierzulande mehr Steuern entrichtet, mit denen nach Gesetz
und Verordnung soziale Leistungen gewährt werden. D.h. Der Bürger
hat einen Anspruch auf bestimmte Leistungen. Das z.b. zeichnet einen
Sozialstaat aus. Außerdem soll dadurch ein gewisser sozialer
Ausgleich herbei geführt werden. Die „soziale Schere“ ist bis
jetzt noch nicht so weit auf gegangen, wie das in den USA
„Normalzustand zu sein scheint. Hinzu kommt, dass sich der
„Normalverdienende“ oft nicht das Ausmaß des Reichtums
vorstellen kann. Er schätzt, dass ein Reicher so ungefähr das 6 bis
10fache dessen hat, was er selbst zur Verfügung hat. In Wirklichkeit
ist es nach Erhebungen etwa das 380fache. Dieser Reiche redet denn
auch sehr viel und freimütig über sein Geld. Das Prahlen mit dem
Jahreseinkommen ist dabei „normal“. Er sieht und deutet sich
gerne auch, im Rückgriff auf gewisse religiöse Strömungen, als
„auserwählt“. Er ist „abgesichert“, d.h. Gewisse soziale
Grundleistungen, wie sie hierzulande nach dem Solidaritätsprinzip
des Gesundheitswesen erbringt, sind in den USA durch die Verdienste
des Einzelnen garantiert. Durch den „Erfolg“. Wer an sich glaubt,
kann es schaffen, so etwa lautet der „amerikanische Traum“.
Wodurch gewisse Überlegenheiten und Vorteile entstehen können, war
und ist nicht zuletzt in Pandemiezeiten zu erleben.
Samstag, 30. Dezember 2017
Wahrnehmungsroutinen
Ja klar ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Er nimmt
sich Vorsätze vor, aber ganz sicher und bestimmt...und handelt dann
wieder ganz anders...aus Gewohnheiten heraus. Aber vielleicht können
wir uns einen Moment heraus reißen aus gewohnten Betrachtungsweisen,
können wahrnehmen, dass es ein Glück ist, die Verhältnisse um
einen herum einigermaßen wach wahrzunehmen. Frei von größeren
akuten Schmerzen sein, das deutet auf ein gewisses Maß an Gesundheit
hin. Auch das erscheint einem über einen gewissen Zeitraum
selbstverständlich, - solange man nichts anderes wahrgenommen hat, mit nichts anderem konfrontiert war. Wer aber jemals Schmerzen
hatte, sich einem Verdacht auf eine gravierende Krankheit ausgesetzt
sah und dadurch sich separiert sah, von der „Normalität“ und den
mit ihr verbundenen Selbstverständlichkeiten. Wer das an engen
Angehörigen und Freunden miterlebt, mitgemacht hat, wird Dankbarkeit
empfinden, egal, welcher Schuh einen aktuell drückt. Die Wahrnehmung
ist es, die Ablenkung durch Gegebenheiten, die die meisten hindert.
Unser Glück mit anderen teilen, sein Echo in uns selbst zu
empfinden, mag die Wirkung verstärken. Daraus Kraft zu beziehen,
auch gegenüber Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, dazu sollten wir
uns durchringen, sofern das geht.....
Donnerstag, 9. Juni 2016
Realitäten und ihre "Vermittlung"
Was wichtig wäre: es geht darum, sich in andere
Realitäten hineinzuversetzen, Empathie einzuüben. Sich mit anderen
Realitäten auseinandersetzen, seien sie sozial oder geographisch
vermittelt. Es geht um Lebenswelten und die damit vermittelten
„Maßstäbe“. Werte, Normen. Also das, was jemand für „normal“
oder gegeben hält. Was jemand für legitim hält und was als legal
gilt. Sich Spannungsverhältnisse bewusst machen. Sich gewahr werden,
was als normal gilt, aber trotzdem veränderbar erscheint. Über
Konstanten nachdenken. Egal, wie sie vermittelt wären. Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit. Alle drei Größen scheinen dauernd
überprüft und befragt werden zu müssen. Denn bei den Mächtigen
und Reichen scheinen sich solche Maßstäbe gerne mal zu
verselbständigen. Solches zumindest zu erkennen, - was nicht heißt,
es ändern zu können, - könnte ein Ziel sein. Zu wissen, was „los“
sei, was mit einem und anderen geschehe in dieser Welt. Wer man
sei.... In welchem Zusammenhang gewisse Dinge stehen könnten. Auch dies könnte ein Beitrag dazu sein, sich ein bisschen freier zu fühlen, ein bisschen souveräner, als das, was eingeübt als Signal nach außen sein könnte.
Sonntag, 22. Mai 2016
Krankheit, Mensch, Normalität
Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische
Kommunikationssituation: Der sogenannte Patient ist unter Umständen
ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner
alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger
hingegen erleben eine solche Situation jeden Tag, für sie ist der
Patient einer unter vielen, er symbolisiert den „ganz normalen“
Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Im Bewusstsein. Im
Empfinden. Das Gesicht des Patienten wechselt zwar, aber er scheint
doch immer der gleiche zu sein. Von diesem Patienten aus gesehen ist
alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das.
Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine
Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen
kann, - die gröbste und elementarste Einmaligkeit, die einem
passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten im Krankenhaus ihm gegenüber aber als
Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie
sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst
und „den anderen“ (den sogenannten Gesunden) auftut. Und
tatsächlich, sie, die Schwestern und Pfleger schalten nach
Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus
dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere
Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Sie sind ja sowieso
überlastet und sollten sehen, wie sie alles aushalten. Jawohl, der
Patient ist in vielem sehr abhängig von seinen Schwestern und
Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht möglicherweise
dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere
Situation eintritt. Es ist ein sehr seltsames Gefühl. Mit Entlassung
aus dem Krankenhaus ist man dann ein anderer, es sind diejenigen, die
einen gepflegt haben, andere.... als würde ein Schalter umgelegt. Ob
man das als Schwester und Pfleger empfindet? Diese Situation? Gibt es
eine Art Mitgefühl? Gibt es Mitleid? Oder gibt es - viel besser -
eine Art „Mitleiden“. Sich in jemand hinein versetzen. Im
Englischen gibt es das Wort „Compassion“, das auch in anderen
Kulturkreisen eine wichtige Rolle spielt und ein sich in jemanden
anderes hineinversetzendes Mitleiden meint. Ich habe schon einmal
mit einer Schwester darüber gesprochen. Sie meinte, man könne sich
so etwas nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erlauben. Sonst ginge
man kaputt. Die Distanz zum Schicksal des Patienten sei eine Art
Selbstschutz. Das Abschalten. Das Sich Distanzieren. Das ist völlig
nachvollziehbar. Vom Verstand her. Aber es sehen einen doch Augen
an!! Kann man sich emotional auch in dieser Situation distanzieren?
Freitag, 20. Mai 2016
Jugend und Alter (1)
Das Alter und seine Gesundheit schieben viele gerne
von sich, verdrängen es. Jemand, der schon mit einem ernsten
Gebrechen im Krankenhaus lag, kennt das aus seiner Sicht. Viele
Besucher machen dann die Tür hinter sich zu und sind froh, dass es
sie selbst nicht getroffen hat. Genauso sagt der junge Mensch: Das
Alter ist noch weit weg! Es betrifft mich nicht. Pointe: Es wird
soooo schnell kommen und ist schon so nah! Zeit verdödeln und
verdaddeln glaubt sich jemand in einer bestimmten Lebensphase leisten
zu können. Später nicht mehr. Diese „Jungen“ sind in einer
Ersten Welt aufgewachsen, die sich zum Zwecke des Profits und der
optimalen Ausbeutung an den Rest des Globus hängt. Wer etwas am
„Wohlstand“ teilhaben will und dorthin flüchtet, wird
schlichtweg als unerwünscht erklärt und abgeschoben.
„Wirtschaftsflüchtling“ nennt man hierzulande so etwas
abschätzig. Dabei ist diese Welt samt ihren eigenen Bezügen
inzwischen wenige Flugstunden von Frankfurt entfernt, die Gegensätze
haben sich bei einer solchen Nähe erheblich verschärft. Wer kann damit etwas anfangen, was nicht zynisch wäre? Was ist das
für eine Welt? „What a wonderful world“? Der Jugendwahn greift
in allen Lebensgebieten um sich, die Verklärung und Idolisierung
dieser Jugend dominiert. Wieso? Weil sie zahlenmäßig immer
weniger wird. Weil der Mensch anfangs so aussieht, wie er aussieht. Weil er vermeintlich leistungsfähiger ist (ohne den Faktor "Erfahrung"). Weil junge Menschen form- und programmierbar sind, weil sie schneller lernen. Ökonomie, Sozialversicherungssystem, Familienpolitik, - alles
versucht, darauf mit einer zusätzlichen Vergötterung der Jugend zu
reagieren. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Hinzu kommt dass der Mensch ein „Relativrezeptor“ ist,
wie manche Kreise in der Ernährungswissenschaft behaupten: d.h. Er
ist auch geschmacksmäßig sozialisiert und geprägt auf das, was er
in der Jugend erfährt: Das künstliche Aroma eines Joghurts zum
Beispiel, das er nie anders hat kennen lernen können (Besonders, wenn
ihm das finanziell nie nie möglich war). Naturjoghurts kommen ihm im
Vergleich dazu roh und zu kräftig vor.
Freitag, 11. März 2016
Reisebilder
Ich versuche mich hier in die Vertreter anderer
Strukturen hineinzuversetzen und ein- ums andere Mal auch eine
vertikale Reise durch gesellschaftliche Wirklichkeiten zu
unternehmen. Durch andere Augen blicken, an die Strukturen heran
gehen, die sie prägen, sie bezeichnen, benennen, sie ansatzweise
analysieren und entlarven, das könnte eine Folge einer solchen
„Reise“ sein. Strukturen erkennen, durch die wir geprägt werden,
durch die andere geprägt und gestanzt werden, das könnte ein Ziel
sein. Normalitäten und Selbstverständlichkeiten, die damit einher
gehen, auch mal in Frage stellen. Gelegentlich auch auf eher
grundsätzliche Weise, - auch das könnte eine Richtung angeben.
Solches auch bei sich selbst anreißen, es stimulieren, ein Gefühl
dafür schaffen, das viele Dinge im Fluss sind, dass sie veränderbar
wären, ohne dies riesige Legitimationspaket, was uns tagtäglich
geschnürt wird. Stimmen wir eigentlich im Zeitalter des Internets
und des technokratisch möglichen Wissensflows noch damit überein? Wo wird das wacklig? Wo
erfordert es Antworten auf Fragen? Wer kann sie wie geben?
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Krank und gesund
Eine Erfahrung, die ich im Krankenhaus gemacht
habe:
Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.
Es ist doch eine vollkommen unsymmetrische Kommunikationssituation im Krankenhaus: Der sogenannte Patient ist unter Umständen ganz plötzlich aus allen Selbstverständlichkeiten und seiner alltäglichen Normalität heraus gerissen. Die Schwestern und Pfleger hingegen erleben das jeden Tag, für sie ist der Patient einer unter vielen, er symbolisiert den Alltag. Sozusagen eine Durchlaufposition. Sein Gesicht wechselt zwar, aber er scheint doch immer der gleiche zu sein. Vom Patienten aus gesehen ist alles hingegen einmalig. Auch die Gesichter seiner Pfleger sind das. Er ist vielleicht in eine absolute Ausweglosigkeit gestoßen, in eine Einmaligkeit, die sogar, wenn's schlecht läuft, in den Tod führen kann, die gröbste Einmaligkeit, die einem passieren kann.... Schwestern und Pfleger treten ihm gegenüber aber als Vertreter der „Normalität“, des „Lebens draußen“ auf. Sie sind jenseits der Mauer, die sich plötzlich zwischen einem selbst und „den anderen“ (den scheinbar „Gesunden“) auftut. Und tatsächlich, sie, die Pfleger und Schwestern schalten nach Dienstschluss sehr schnell ab und sind wieder ganz draußen aus dieser abgeschlossenen Welt des Krankenhauses, in dem ganz andere Bezüglichkeiten und auch Abhängigkeiten gelten. Jawohl, der Patient ist in vielem auch abhängig von seinen Schwestern und Pflegern. Er ist ihnen ausgeliefert. Es entsteht dadurch eine Vertrautheit, die aber keine ist, sobald eine andere Situation eintritt. Ein seltsames Gefühl.
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