Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Dienstag, 5. November 2024
Schön oder was?
Dies hier gleicht eher einer Stoffsammlung zu einer Frage, die mich nicht unmittelbar zu betreffen scheint, die es dann aber auf verschiedene Arten doch tut. Ich kombiniere damit Aussagen in TV-Sendungen mit Gedanken und Notizen, die ich mir gemacht habe. Ich kann sie nicht in ein eindeutiges Raster bringen, eine Haltung oder Meinung. Ausgangspunkt ist das, was man immer hört: Menschen, die als schön gelten, haben es im Leben durchweg einfacher, haben Vorteile. Sie verdienen mehr, haben bessere Noten, ernten geringere Strafen, kommen in den Genuss einer besseren Gesundheitsversorgung – nur so als Beispiel. Es scheint eine Art Ungleichbehandlung aufgrund des Aussehens zu geben. Gleich wird fehlende Disziplin für „ungehöriges“ und nicht den gängigen Idealen entsprechendes Dicksein verantwortlich gemacht. Dies scheint sich eine ganze Industrie zunutze zu machen. Es scheint „Normkörper“ zu geben. Das, an dem sich scheinbar alles misst. Daraus folgt ein fortwährendes „Du musst, musst, musst…“. Es gilt, sich diesem (sozialen) Druck strategisch anzupassen. Es geht darum, „etwas an sich machen zu lassen“, Korrekturen im Gesicht und an anderen Stellen des Körpers. Freilich wird so etwas immer intensiver im Laufe der Alterung. Es gilt, ein Erscheinungsbild zu designen. Es wird einem damit versprochen, dass man sich auf diese Weise jünger fühle. Angepasster einem Schönheitsdruck. Dass man weniger auffalle. Körper sind also eine Art Rohstoff der Selbstoptimierung. Wo fängt das an und wo hört es auf? Lackierte Fingernägel, geschminktes Äußeres - was gilt dafür? Inwiefern ist das selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Diversity, wie ernst sind solche Parolen, wenn sogar Barbie-Puppen dies aufnehmen und sich bezahlen lassen? Neue Normalität schafft neuen Druck. Ob es sich in einen Gegentrend einreiht, der Inklusion, „Body Positivity“ und Diversität verspricht? Ob man sich solche „Verstöße“ leisten können muss? Welche Rolle spielt überhaupt die Frage, ob man sich Schönheitsoperationen leisten kann? Ob Menschen in Armut zu leben gezwungen sind? Es dadurch gar nicht bezahlen können, den Körper zurichten zu lassen. Ein Markt muss bedient, ein Produkt gekauft werden. Es geht ja auch darum, dass grundlegende menschliche Prozesse (wie das Altern) gegen entsprechendes Entgelt geleugnet werden können. Wo steht in diesem Zusammenhang der Ekel vor allem, was aus dem Körper kommt (wie zb. Haare, Flüssigkeiten). Geht es in einer Ebene darunter darum, wie weit man sich vom Tier entfernt? Es ist ja so, dass dies alles lange Zeit Frauen zugeschrieben wurde. Doch nun kommt immer mehr Druck Männern gegenüber auf. Eine mächtige Konsumgruppe will da erobert werden. Sehr viel wird in diesem Zusammenhang mit der Gesundheit verhandelt. Ob da nicht Fragen der Identität dahinter stehen? Man ist, der man ist? Zunächst einmal ist jeder ein Körper und hat einen Körper. Die Zuschreibung der individuellen Selbstverantwortung scheint der Doktrin des Neoliberalismus zu entsprechen. Das Äußere (die Verpackung) scheint oft genug den Wert eines Menschen zu bestimmen.
Dienstag, 29. Oktober 2024
Klamottenwechsel
Was soll der viele Klamottenwechsel? Macht das einen schöner? Es werden Millionen Tonnen Textilfaser produziert, vor allem für KlamottenKleidung. Das schadet dem Klima heftig, fürwahr. Aber gewisse TV-Sendungen spornen und feuern das noch an. „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ Neue Fasern müssen her, nicht mehr die in jeder Hinsicht aufwendige Baumwolle. Recyclingfähig muss es sein. Regionale Lieferketten dürften es sein. Kreislaufwirtschaft. Qualitatives Wachstum, nicht nur Wachstum roh, egal, wie mies die wirtschaftliche lage ist. Kaufen, einmal tragen und dann wegwerfen, das geht nicht mehr. Die Leute, die so etwas tun, sollten sich fragen: wieso? Wer sich informiert, kann es wissen: Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind oft sehr schlecht, die Umweltauswirkungen verheerend. Wer es noch nicht wusste: Ein einziges Baumwoll-T-Shirt braucht in der Herstellung 2700 Liter Wasser. Ein Mensch trinkt genau so viel in zweieinhalb Jahren. Muss das sein? Fassungslos kann es einen machen, wenn man erfährt, dass 20 bis 30 Prozent der neuen Kleidung gar nicht getragen werden. Die Trennung verschiedener Fasern dürfte auch eine Aufgabe sein, die bis jetzt noch nicht gelöst ist. Durch den Wechsel immer uptodate sein? Auf dem neuesten Stand der Mode? Ultraschnell? Wer zahlt dafür? Smarte Schönheit durch Rücksichtslosigkeit? Der immer schnellere Wechsel provoziert Umweltsünden. Toxische Chemie und anderes. Soziale Bedingungen. Menschen müssen für Hungerlöhne dafür schuften.
Mittwoch, 9. August 2023
Schönheit oder Beauty?
Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Haha, Binse. Könnte jeder sagen. In der Bibel hingegen steht: „Du bist wunderbar gemacht“. Das kommt schon eher, auch wenn es gegen den jetzt herrschenden Zeitgeist verstößt. InfluencerInnen geben role Models aus. Man sollte als junge Frau mindestens einen Arsch wie Kim Kardashian haben. Großer Busen, aufgespritzte Lippen und Puppennase sind Pflicht, so denken diese junge Frauen, die statistisch gesehen immer noch jünger werden und manchmal erst 9 sind. Soziale Medien mit ihren „Likes“ machen es ihnen vor, üben ein, geben ein Vorbild aus, führen ein, fordern heraus. Ach, du bist pretty, ein Model! Selbstbewusstsein ahoi! Ach, weil du genauso aussiehst, wie es die Industrie dir vormacht? Schönheits- und Modeindustrie verdienen sehr viel Geld damit, jungen Frauen ein schlechtes Gewissen zu machen. Alles vorgestanzt, getäuscht, gestaltet, gemacht, der Schein regiert ohne Identität. Klamotten müssen gekauft, vorgegebene Haltungen müssen eingenommen werden. Nase, Brüste, Lippen, Fettabsaugung kosten etwas. Kann sich nicht jeder leisten. Repräsentieren deswegen auch sozialen Status. Und Superstars demonstrieren mit ihren designten Nippeln, mit filigran gestylten Frisuren unbedingte Glückseligkeit, sorgfältig gefilterte Schönheit in einer überwältigenden Überflutung von Reizen. Als SchrittmacherInnen. Sie greifen sich in diesen Schritt, spielen mit Sex, zeigen ihre Unterwäsche her, spielen mit ihren Reizen, wackeln gekonnt sexy mit dem Arsch - lassen aber nix an sich ran, - was die tobende Kundschaft noch mehr reizt. So funktioniert offensive Werbung! Wer nimmt sowas ernst? Frauen, die Erfolg haben wollen. Die so wie der Superstar sein wollen. Ob sowas mit ekligen After-Show-Parties zu tun hat, ob es gar darauf hinführt? Die Person als sich selbst auslieferndes Subjekt? Entfremdet und menschlichen Kontakt kaputt spielend? Ins Perverse hinaus treibend. Auf Macht basierend. Balzverhalten. Hedonismus rocks, - wirklich? Sex & Drugs & Rock’n Roll – oder die Karikatur davon? Nun ja, Fußballspielern wird ja auch jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Aber wehe, sie bringen keine Leistung! Der Leistungsfetisch rules!
Donnerstag, 24. November 2022
Egostyling
Ob man an der Außenlinie steht, im Diogenes-Fass liegt oder schlicht „den Beobachter“ gibt: Man will ja nicht fortwährend als Nörgler, Negativist oder Kulturpessimist beschimpft werden, was zudem auch noch „typisch deutsch“ sei. Aber als Analyst der Wirklichkeit kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich die Leute in den Industriegesellschaften immer mehr stylen, designen, dass sie auch durch ihr Äußeres einen bestimmten Eindruck hinterlassen wollen. Gerade durch ihr Äußeres. Botox ist gesellschaftsfähig geworden und Behandlungen damit sind minimal-invasiv, scheinbar harmlos und im Preis längst so gesunken, so dass sie sich nahezu jeder leisten können müsste. Leute wie Berlusconi gaben da jüngst einen Anstoß. Gab es früher noch die vielen abschreckenden Beispiele von alternden Schauspielerinnen mit zu viel Geld („Maskenbotox“), so wird die Anwendung von einschlägigen Dermatologen heute viel raffinierter ausgeführt. Man will ja nicht so aussehen, als sei man mit Botox behandelt. Man will vortäuschen, jung geblieben zu sein, sich gut gehalten zu haben. Botox, was ist das eigentlich? Ein ziemlich hartes Nervengift, - so könnte man zur Auskunft geben. Ein Gift, das im Krieg als Biowaffe eingesetzt werden soll. Biogift. Tierversuche waren und sind anscheinend immer noch nötig (damit auch bisher unbekannte Hersteller auf den Markt drängen können...), damit die Schönen ihre Haut auch schön glatt haben. Der Clou bei Botox ist, dass es zwar nicht süchtig macht, aber immer wieder erneuert werden muss, weil der Körper es ja abbaut (was so falsch nicht ist...). Insofern ist es ein Gewinnbringer erster Güte und eine nie versiegende Geldquelle für einschlägige Ärzte. Alarmierend dabei ist, dass die Empathie mit zunehmendem Botoxgebrauch abzunehmen scheint, da lebendige Gesichtszüge auch emotionale Botschaften übermitteln. Ob man das noch braucht? Botox könnte insofern dazu beitragen, dass das gesellschaftliche Klima kälter wird. Gleichbleibender. Gleichgültiger. Es gilt offenbar immer mehr, einen bestimmten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen. Devise: Möglichst positiv und jung und dynamisch sein, mit einoperiertem Lächeln, gar nicht negativ, nörglerisch, melancholisch oder gar alt. Außerdem hat sich der soziale Druck zunehmend etabliert, sich mit Botox und anderen Schönheitstechniken behandeln zu lassen. Wer etwas auf sich hält, macht das. Es gilt: „Etwas aus sich machen“. Der Druck auf diejenigen, die natürlich altern wollen, wird noch weiter wachsen. Jeder soll selbst verantwortlich sein für sein diesbezügliches Erscheinungsbild. Egostyling. Machen. Manipulieren.
Samstag, 15. Mai 2021
Wahrheit, das Ganze, Versuch (Leonardo)
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein großer Bewunderer von Leonardo Da Vinci bin. Für ihn war die Malerei die wichtigste aller Wissenschaften. Sie allein war befähigt, die Schönheit und das Geheimnis der Welt darzustellen. Eine sowohl konkret leibliche als auch eine geistige Triebkraft, die Leben hervor bringt: eine einzige große Wahrheit des Universums. Er dachte, dass alle Gesetzmäßigkeiten, alle Abläufe, Ursprünge und Ziele des Universums miteinander verbunden seien und alles in Beziehung zueinander stünde. Das wollte er möglichst in seinen Bildern zum Ausdruck bringen. Bei den wenigsten seiner wenigen Bilder kam er damit zu einem Ende, fast alle blieben Fragmente der höchsten Anstrengung. Unzählige male änderte und verbesserte er: er war nie fertig. Leo war ein großer Theoretiker. Gleichwohl schrieb er, dass es etwas gibt, was noch über der Theorie steht: Die Ausführung, „die Hand“ in der Malerei. Es galt das ganze Leben, geistige Konzepte und den Rhythmus der Welt darzustellen: Der höchste aller hohen Ansprüche. Dafür arbeitete er gegen Ende seines Lebens auch ohne Auftrag, aus freien Stücken, nur aus sich selbst. Unglaublich.
Donnerstag, 6. August 2020
Erscheinung
Die
glänzenden Augen! Das Dauerlächeln! Die künstlich weiß gemachten
Zähne! Die ins Gesicht eingebrannte Lüge! Der so vorsätzlich doof
verströmte Optimismus aus dem vermeintlichen Schöngesicht! Jemand
wie ich empfindet das abwechselnd als anmaßend und peinlich. Doch es
scheint bei der Masse der Leute, die auf diese Weise ja von
vornherein so etwas wie „Kunden“ werden, gut anzukommen. Die
Leute wollen belogen werden und auf diese Weise an etwas „Schönes“
glauben. Sie wollen die glatte Oberfläche und nirgendwo dahinter
blicken. Sie erfreuen sich an solch einer Erscheinung.
Dienstag, 4. Juni 2019
Gut kommt besser (besser als voran) (Text)
GUT KOMMT BESSER (besser
als voran) (ca.1981)
Graue
Thermostaten verperren uns die Sicht
der
Senator trifft ins Schwarze
sieht
im Wald die Bäume nicht
vom
Hahn tropft kalter Schweiß
die
Mücken spieln' Versteck
die
Jacke gleicht der Hose
einen
Fahrstuhl gibt es nicht
Sahnemischmaschinen
drehen uns im Kreis
die
Lieder werden schneller man sinkt jetzt wieder mit
REFR.
Die Masken auf ‑ Masquerade los, knöpf den Regenmantel zu
Gut kommt besser, besser als voran Gut kommt besser, ‑ als
voran
Alle
Sternengötter treffen sich im Klo
man
spiegelt sich im Scheine
Astrophie
macht Konjunktur
die
Katzen bleiben cool
das
Radio dirigiert Mancini
und
abends ins Theater:
Mignon
fährt jetzt Rolls‑Royce
Schicksalsproduzenten
zaubern Riesenräder
sie
stellen wieder Fallen und schaukeln auf und ab!
REFR.
Der
schöne Fred trägt sein Gesicht spazieren
schwarz
ist groß in Mode
er
sagt sich: Gute Nacht!
man
hört ihn manchmal lachen
und
keiner weiß wieso
sein
Gesicht spielt immer heiter
dahinter
steht das Nichts
Champagnerfrösche
quaken süchtig weiter
es
kriegen sich die Sterne - der Mond bleibt heute leer
Wenn
alle Schenkel gierig zittern
tritt
Zampano auf's Podest
wünscht:
Schluckauf!
am
Sterz blüht ein Furunkel
man
klagt jetzt weh und ach
Engel
im Affenzimmer
treiben
schnöd Frevelwitz
die
alten Bärte sprießen wieder
neu
unter rost'gem Helm hervor es läutet leis zur letzten Rund!
REFR.
Donnerstag, 6. Oktober 2016
Schönheit des Verfalls
Eine Frau verlässt einen Mann, ein Mann verlässt
eine Frau: jeweils wegen jüngerem Material. Egoistische kleine
Existenzen, die sich selbst kaum jemals nahe gekommen zu sein
scheinen, außer in der körperlichen Bedürfnisbefriedigung. Die nie
wussten, was sie eigentlich wollten. Die vielleicht nie wirklich empfanden, was
ein anderes Individuum sein kann. Wieso nur wird das alles dauernd
als „normal“ akzeptiert? Aus Einsicht? Sich auseinander leben, „unüberbrückbare
Differenzen“ und all das Geschwätz, die Phrasen, - sind der bereit
stehende Trash. Wir stemmen uns gegen das Alter, gegen das Altern,
das schmerzvoll ist. Furchtbar, wie wir das Verschwinden unserer
Jugend immer schlechter akzeptieren können. Ist die verstreichende
Zeit nicht fürchterlich? Scott F. Fitzgerald hat es in „The Great
Gatsby“ auf den Punkt gebracht: „So regen wir die Ruder, stemmen
uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem
Vergangenen zu...“. Wie viel von dem, was wir sind und was wir
empfinden, wird vom Zustand unseres Körpers bestimmt? Wie gehen wir
mit Jugendwahn und älter werden um? Und wie mit der Schönheit, die
auch immer da ist, so vergänglich sie auch sein möge? Gibt es eine
Schönheit des Verfalls? Eine Schönheit des Scheiterns?
Donnerstag, 29. September 2016
Ein bisschen mithalten, ein bisschen Botox darf's schon sein fürs Egodesign
Man
will ja nicht fortwährend als Nörgler, Kulturpessimist beschimpft
werden, der zudem auch noch typisch deutsch sei. Aber als Analyst der
Wirklichkeit kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sich die
Leute in den westlichen Industriegesellschaften immer mehr stylen,
designen, dass sie auch durch ihr Äußeres einen bestimmten Eindruck
hinterlassen wollen. Gerade durch ihr Äußeres. Botox ist
gesellschaftsfähig geworden und Behandlungen damit sind
minimal-invasiv, scheinbar harmlos und im Preis längst so gesunken,
so dass sie sich nahezu jeder leisten können müsste. Gab es früher
noch die vielen abschreckenden Beispiele von alternden
Schauspielerinnen mit zu viel Geld („Maskenbotox“), so wird die
Anwendung von einschlägigen Dermatologen heute viel raffinierter
ausgeführt. Man will ja nicht so aussehen, als sei man mit Botox
behandelt. Botox, was ist das eigentlich? Ein ziemlich hartes
Nervengift, - so könnte man zur Auskunft geben. Ein Gift, das im
Krieg als Biowaffe eingesetzt werden soll. Biogift. Tierversuche
waren und sind anscheinend immer noch nötig (damit auch bisher
unbekannte Hersteller auf den Markt drängen können...), damit die
Schönen ihre Haut auch schön glatt haben. Der Clou bei Botox ist,
dass es zwar nicht süchtig macht, aber immer wieder erneuert werden
muss, weil der Körper es ja abbaut (was so falsch nicht ist...).
Insofern ist es ein Gewinnbringer erster Güte und eine nie
versiegende Geldquelle für einschlägige Ärzte. Alarmierend dabei
ist, dass die Empathie mit zunehmendem Botoxgebrauch abzunehmen
scheint, da lebendige Gesichtszüge auch emotionale Botschaften
übermitteln. Botox könnte insofern dazu beitragen, dass das
gesellschaftliche Klima kälter wird. Es gilt offenbar immer mehr,
einen bestimmten Eindruck beim Gegenüber zu hinterlassen. Devise:
Möglichst positiv und jung und dynamisch sein, gar nicht negativ,
nörglerisch, melancholisch oder gar alt. Außerdem hat sich der
soziale Druck zunehmend etabliert, sich mit Botox behandeln zu
lassen. Wer etwas auf sich hält, macht das: „Etwas aus sich
machen“. Der Druck auf diejenigen, die natürlich altern wollen,
wird weiter wachsen. Jeder soll selbst verantwortlich sein für sein
diesbezügliches Erscheinungsbild. Egostyling. Machen. Manipulieren.
Samstag, 6. August 2016
Schönheitsoperationen heute, Korrekturen nur, ein bisschen lügen halt, so tun als ob
In den meisten Fällen können Lügen wohl auch
vernünftige Gründe haben.Wie sieht es beispielsweise mit einer
Schönheitsoperation aus? Ob's in diese aufgezogene Schublade fällt? Steht da jemand nicht zu seiner Identität,
zur Wahrheit? Was ist in diesem Falle die Wahrheit? Heute, wo alles
manipulierbar erscheint, in einem bestimmten Sinne beeinflussbar,
relativ? Den Chancen möglichst optimal nachkommen, auch vor
sich selbst, kann das ein Fehler sein? Welche Maßstäbe habe ich aus
welchem Grund übernommen, von etwas Kollektivem um mich herum, von
der Gesellschaft, die mir durch diese Aktion vielleicht andere
Chancen eröffnet? Muss man sich ein Beharren leisten können? Sich
und sein Ding durchsetzen können? Ist das in Wirklichkeit ein
Privileg? Die bittere Wahrheit in Botox ersäufen, eine Alternative?
In einer Korrektur des Physischen, mit der ich mich vielleicht besser
fühle, weil ich die Ansprüche der Gesellschaft vielleicht gar nicht
mehr empfinde, weil ich sie verinnerlicht habe? Ob das alles auch
fürs Psychische gilt? Fürs Seelische? Für eine innere Identität?
Woher diese wohl kommt? Ob wir sie uns erarbeiten müssen? Aber
aufgrund welcher Maßstäbe? Ob sie mir angeboren ist? Oder ob ich
sie mir im Lauf der Zeit erwerbe? Auch gegen die Ansprüche der
Gesellschaft auf dem Eigenen beharren. Das will gelernt und
angestrebt sein. Im Wertesystem unserer Gesellschaft kommt dieser
„Eigensinn“ wohl gar nicht mehr vor. Das Ich hat zugunsten eines
„wir“ verloren. Das „Wir“ kontrollieren Konzerne, lang-,
mittel- und kurzfristige kommerzielle Interessen. Wie sieht's da mit
der „Schönheitsindustrie“ aus? Manches scheint nicht so zu
funktionieren, wie versprochen. Macht nichts, Hauptsache man benutzt
es. Schließlich ist es ein Instrument der Darstellung des Status.
Genau wie das Manipulieren des scheinbar Äußeren, das doch mit dem
Inneren viel zu tun haben kann. Vernunft ist halt ein zwiespältig
Ding, - das haben schon die Vertreter der Kritischen Theorie gezeigt.
Donnerstag, 28. April 2016
Vision
Hinausgehen auf eine Lichtung, die noch jenen Tau des Morgens trägt, der überall zu spüren und einzuatmen ist. Alles neu, alles ein Anfang. Alles Licht. Alles eine einzige Empfindung, ein Eindruck, der sich in dir ordnet..... Nichts, was du aus der Vergangenheit oder deiner Umwelt mitnehmen musst. Nichts belastet. Nichts, was bremst. Nur du. Es genügt. Eine Entdeckung. Eine Erfahrung. Offen sein. Ohne Angst. Offen sein dürfen. Kein Hunger. Von allem genügend da. Nicht zu viel. Nur so viel, um es alles zu vergessen. Sich fallen lassen in diesen Moment. Eins mit ihm werden. In Zeitlosigkeit. Unendliche Leichtigkeit. Zuspruch, Zärtlichkeit, Liebe. Schönheit. Bewusstsein.
Samstag, 9. Januar 2016
Samstag, 29. August 2015
Dieter oder Diter? (2)
Dieter
Roth
war offenbar ein maßloser Mensch. Alles, wirklich alles geriet ihm
zur Kunst, die Sprache, das Zeichnen, das Leben. Er war ein wohl äußerst begnadeter Verballhorner, Performance- und Aktionskünstler,
Spassvogel, ein Kunstchamäleon, Sprachzerleger und Kunstverbieger,
der seinen Spass am Zerstören und lustvollen Dekonstruieren hatte, um daraus etwas anderes zu schaffen.
Zwei Büsten nannte er „P.O.A.A.VFB“ - Portrait of an Artist as
Vogelfutterbüste“. Eine hat er aus Vogelfutter, die andere aus
Schokolade geformt. Für das „Karnickelköttelkarnickel“ hat er
einen Hasen aus Hasenknötteln geknetet. Für Stuttgart hat er
Arbeiten wie „Fernsehturm Stuttgart“ (1967) oder „Gartenzwerg“
aus Schokolade gestaltet. Bekannt sind auch seine Gummibandbilder,
bei denen Gummibänder über Nagelbretter gespannt sind.
In Berlin im Museum Hamburger Bahnhof ist seine große "Gartenskulptur" zu sehen, eine teilweise skurrile und sich über eine gewaltige Raum erstreckende Zusammenstellung von Utensilien, Geräten, Aufbauten an die sich unter anderem auch Holz, Draht, Seil, Metall, Baumaterialien, Pflanzen, Videogerät, Monitore, Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung heften. Wichtig für Dieter Roth ist, dass seine Werke von einem großen Publikum bis heute als Zumutung erlebt werden. Es scheint etwas zu sein, das ohne Rücksicht auf Genregrenzen, oder gar Verluste an Tradition und Konvention entstand. Alles wurde von ihm mit Allem spielerisch und provozierend vermixt. So etwa die legendäre „Langstreckensonate“ von 1978, die Roth-Fans schon mal 36 Stunden ihrer Lebenszeit kostet (aber das ist Teil seines musikalischen Bemühens, auf das wir später genauer eingehen). Und: Für seine Frauen war er oft wie ein Diktator, dessen Entwürfe von der Welt sie unbedingt teilen mussten und dessen textilen Entwürfe sie tragen mussten.
In Berlin im Museum Hamburger Bahnhof ist seine große "Gartenskulptur" zu sehen, eine teilweise skurrile und sich über eine gewaltige Raum erstreckende Zusammenstellung von Utensilien, Geräten, Aufbauten an die sich unter anderem auch Holz, Draht, Seil, Metall, Baumaterialien, Pflanzen, Videogerät, Monitore, Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung heften. Wichtig für Dieter Roth ist, dass seine Werke von einem großen Publikum bis heute als Zumutung erlebt werden. Es scheint etwas zu sein, das ohne Rücksicht auf Genregrenzen, oder gar Verluste an Tradition und Konvention entstand. Alles wurde von ihm mit Allem spielerisch und provozierend vermixt. So etwa die legendäre „Langstreckensonate“ von 1978, die Roth-Fans schon mal 36 Stunden ihrer Lebenszeit kostet (aber das ist Teil seines musikalischen Bemühens, auf das wir später genauer eingehen). Und: Für seine Frauen war er oft wie ein Diktator, dessen Entwürfe von der Welt sie unbedingt teilen mussten und dessen textilen Entwürfe sie tragen mussten.
Freitag, 28. August 2015
Dieter oder Diter? (1)
Ein paar Sätze über den Künstler Dieter
Roth, dessen Werke gerade hier in Deutschland
immer wieder zu sehen sind, obwohl er ein international anerkannter
Künstler ist. Er wurde im Jahr 1930 geboren, der Vater war
Schweizer, die Mutter Deutsche. Nach einer Grafiklehre in Bern
veröffentlichte er 1953 zusammen mit Eugen Gomringer und Marcel Wyss
die erste Ausgabe der Zeitschrift „Spirale“, die sich konkreter
Kunst widmet. Es zieht ihn in der Folge nach Dänemark, Island und
die USA. Mannigfache Verbindungen führen nach Stuttgart, wo er sich
mit dem Sammler Hanns Sohm und dem Verleger Hansjörg Mayer
anfreundet. 1969 und 1977 ist er bei der „Documenta“ in Kassel
dabei, Ausstellungen gibt es weltweit. 1998 stirbt Dieter Roth in
Basel. So viel zu seinem Lebenslauf, der natürlich verschweigt, dass
er ein veritabler Trinker gewesen sein muss. Berühmt ist er für
seine „Literaturwurst“ die die „Blechtrommel“ von Günter
Grass mit Gewürzen und Fetten im Naturdarm verkocht und dann in eine
Wurst gefüllt hat. Ein Film dokumentiert dies auf amüsante Weise.
Er hat auch Bücher produziert, die aus bedruckten, mit Koteletts,
Sauerkraut und Würstchen gefüllten Stanniolbeuteln bestehen.
Legendär sind auch andere seiner Werke, wie etwa die elfbändige
Gedichtreihe „Scheise“, denen er Texte unter dem Titel "Mehr
Scheise“ und „Noch mehr Scheise“ folgen ließ. Berühmt ist er
vor allem wegen seiner Kunstobjekte
aus organischem Material, die einem Prozess der allmählichen
Veränderung und des Zerfalls unterlagen und unter anderem luftdicht
abgeschlossene Gewürz- und Schimmelobjekte und Schokoladeobjekte
umfassten, die von Schokoladenmotten zerfressen wurden.
Als Künstler signierte er oft als Diter Roth oder als Dieter Rot, -
er hatte da noch viele verschmitzte Variationen drauf. Er operierte
mit einem stark erweiterten Kunstbegriff, der in den sechziger und
siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufkam, als traditionelle
Ausdrucksformen wie Malerei oder Skulptur das waren, was
überschritten sein wollte. Das Wahre, Schöne, Gute waren kein
Maßstab mehr, alles wurde verworfen, besonders der Ewigkeitsanspruch
der Kunst. Später mehr.
Montag, 29. Juni 2015
Schönheit (1)
Schönheit? Ha. Ob das in „Germanys
Next Top Model“ ausgestellt wird? Oder ob es in Zeitschriften
abgebildet ist? Oder in Filmen? Ob wir damit verarscht werden wollen,
dass da lauter bulimische und magersüchtige Damen abgebildet sind?
Fast scheint es so. Wer legt sowas eigentlich fest? Diejenigen, die
die Zeitschriften kaufen? Diejenigen, die schön sein wollen? Oder
Photoshop, das Computerprogramm, das unsere Sehgewohnheiten
programmiert? Die Verfügbarkeit von den attraktiven Menschen in den
Medien signalisieren doch jederzeit: ich habe auch noch andere
Möglichkeiten! Überhaupt: Möglichkeiten! Intelligent, eine
interessante Persönlichkeit und gesund soll er schon sein. Aber wenn
noch ein bisschen Schönheit dazu kommt, dann wär's einem auch
recht, - muss sich ja nicht widersprechen. Irgendwann reicht das ja
nicht mehr. Schöne Menschen können auch interessant sein. Also:
umsehen! Stress mit dem eigenen Aussehen? Das ist längst nicht mehr
Frauensache. Als ob Äußerlichkeit das Privileg eines Geschlechts
wäre, durchtrainierte Typen mit dem Vorzeigebizeps kommen von
überall auf uns zu... Es gab Versuche, in den Magazinen alltägliche
Models abzubilden. Bloß die sind jämmerlich abgestunken. Es scheint
so, als wollten wir einen Traum, eine Illusion, nach der man sich
richten kann. Aber das macht sehr viel mit uns, wenn man Auto fährt
und die ganze Zeit halbnackte H&M-Models an einem vorüber
rauschen. Man denkt dann: so könnte man auch aussehen, oder
die/derjenige, mit dem/der man zusammen ist. Schön ist ja auch gut.
Schöne Menschen bekommen die besseren Jobs. Kommen für die gleichen
Verbrechen mit den günstigeren Strafen davon. Wir wollen die
perfekte Echtheit und vergessen immer mehr, dass eie Werbewelt sehr
sehr künstlich ist.
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