Ich würde gerne die
Sichtweisen aus einem anderen Kulturkreis heraus annehmen, mit ihnen
umgehen, etwa nach einer Reise, und darüber auch hier schreiben. Ich
merke, wie ich neugierig bin und weiß, dass die Welt viel zu bieten
hätte. Viel anderes. An verschiedener Alltagserfahrung. Aber ich
neige aus guten Gründen dazu, nur meine eigenen Erfahrungen, meine
persönlichen Lesefrüchte und Aufschriebe zu berücksichtigen. Sie
sollen eine Art Tagebuch meines Bewusstseins der Gegenwart sein. In
die anderen Menschen versuche ich mich einzufühlen. Ich erfahre
etwas über sie, der Möglichkeiten sind viele, viel mehr als in der
Vergangenheit. Fremde Berichte will ich nicht noch einmal
wiedergeben, wiederkäuen als meine eigenen Bewusstseinsreisen.
Anders sehe ich „historische Reisen“, den Blick in andere
historische Welten und ihre Umgangsformen. Hierbei sind wir alle
Gegenwartsmenschen auf derselben Höhe. Uns unterscheidet nur der
Umgang mit Quellen, zu denen wir im Zeitalter des Internets und
fortgeschrittener Informationstechnologie. Wir alle spekulieren
rückwärts. So komme ich immer wieder bei den Zeugnissen der Mayas,
Azteken und Inkas vorbei, versuche, mir ihr damaliges Weltbild
vorzustellen, ihren von den Gegebenheiten geprägten Blick auf die
Realität. Auch die Römer, die Ägypter und viele andere haben es
mir angetan. Ihre Welt ist in uns aufgehoben. Sie offenbart eine
Möglichkeit, die stark von unseren heutigen Gegebenheiten (die ja so
viele Leute als „gottgegeben“ oder "unveränderlich" einschätzen) abweicht. Die
damaligen Menschen glaubten das auch von ihrer Realität, die
freilich noch viel weniger gestaltbar war, als die heutige. Gerade
darin könnte eine Art Fortschritt liegen. Oder ob es so ist, dass
wir heutzutage solche Veränderbarkeit mehr wahrnehmen? Ob die
ständig sich beschleunigende Beschleunigung auch eine Rolle spielt?
Und schon sind wir wieder auf einer der Ebenen, der ich hier im Blog
nachgehen will, die mich beschäftigt.
Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Donnerstag, 13. Juli 2017
Samstag, 11. Februar 2017
Selbstverwirklichung als Großkünstlerin
Sich überlegen, ob das, was man da tut, das Richtige
für einen ist? Das muss man erst mal können. Dazu muss man sich in
der Lage sehen, da viele Menschen eigentlich nur arbeiten, um zu
überleben. Arbeiten, um gottgefällig zu sein, ist von vorgestern,
aber noch nicht ganz überholt. Sie lassen sich jetzt Zeit, um sich
die Energie und die Verdichtung ihrer Persönlichkeit abkaufen zu
lassen. Sie lassen sich verbiegen, deformieren, scharf machen.... Ob
man das wollte im Leben? Irgendwann erhebt sich für einen die Frage.
Was für ein Luxus, darüber nachdenken zu dürfen! Das können
vielleicht amerikanische Milliardäre oder ähnliche menschliche
Erfolgsmaschinen. Ist vielleicht die entspannte Pose, mit der nerdige
Waghälse steile Thesen aus dem Silicon Valley vortragen. Investoren?
„Denkt darüber nach, wer ihr sein wollt“ wird die
US-amerikanische Popsängerin Patti Smith zitiert, eine inzwischen
voll und ganz im Establishment angekommene Großkünstlerin, die
einem mit einem weiteren Vorschlag Mut macht: Man müsse auch mal
einen (Platten-)Vertrag über 100 000 Dollar ausschlagen können.
Jawohl, man muss nicht der Knecht des Geldes sein, so möchte man ihr zurufen. Aber was ist, wenn man darauf angewiesen ist? Wenn man jeden Cent nachzählen muss, weil er einem bis zum nächsten Monatsende weiter helfen könnte? Patti Smith kennt eine solche Welt wahrscheinlich schon lange nicht mehr, obwohl sie liebevoll ihr alternatives Image im Künsterdasein pflegt. Im Gespräch wird auch erkannt, dass es wichtig sein könne, zu wissen, wer man wirklich ist. Ihr Rat in der Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“: „“Setzt euch jeden Morgen im Bett auf und denkt kurz für euch selbst darüber nach, wer ihr sein wollt. Trinkt vielleicht ein Glas Tee oder Wasser und fragt euch: „Was soll euch dieser Tag bringen. Warum macht ihr euren Job. Tut ihr es für Geld? Ruhm? Oder weil es das ist, wovon ihr immer geträumt habt“.
Ich finde das gut. Ich werde versuchen, es zu beherzigen. Freilich bin ich etwas skeptisch. Job machen und so.... Vertrag ausschlagen.... Ich habe ja gar keinen richtigen Job..... Aber Frau Schmidt hatte ja auch keinen richtigen.......
Jawohl, man muss nicht der Knecht des Geldes sein, so möchte man ihr zurufen. Aber was ist, wenn man darauf angewiesen ist? Wenn man jeden Cent nachzählen muss, weil er einem bis zum nächsten Monatsende weiter helfen könnte? Patti Smith kennt eine solche Welt wahrscheinlich schon lange nicht mehr, obwohl sie liebevoll ihr alternatives Image im Künsterdasein pflegt. Im Gespräch wird auch erkannt, dass es wichtig sein könne, zu wissen, wer man wirklich ist. Ihr Rat in der Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“: „“Setzt euch jeden Morgen im Bett auf und denkt kurz für euch selbst darüber nach, wer ihr sein wollt. Trinkt vielleicht ein Glas Tee oder Wasser und fragt euch: „Was soll euch dieser Tag bringen. Warum macht ihr euren Job. Tut ihr es für Geld? Ruhm? Oder weil es das ist, wovon ihr immer geträumt habt“.
Ich finde das gut. Ich werde versuchen, es zu beherzigen. Freilich bin ich etwas skeptisch. Job machen und so.... Vertrag ausschlagen.... Ich habe ja gar keinen richtigen Job..... Aber Frau Schmidt hatte ja auch keinen richtigen.......
Freitag, 21. Oktober 2016
Open minded
Offenheit. Open minded sein. Das könnte die
Fähigkeit des Menschen bedeuten, sich in all seinen
Entwicklungsphasen gegenüber neuen Anforderungen und
Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen, und das auch in
Grenzsituationen des eigenen Lebens. Bis hinein ins hohe Lebensalter
kann der Mensch sehr anpassungsfähig auf Situationen reagieren,
wobei sich im Laufe des Lebens Daseinsthemen herausbilden, die
ihrerseits auch eine relativ hohe Kontinuität geben. Dazu kann es
auch gehören, mit unserem eigenen
Inneren in Kontakt zu sein. Möglicherweise geht es weniger darum,
sich ständig zu optimieren und dabei nicht zu merken, wie fremd man
sich dabei wird und welche Defizite
im Entziffern oder
Entwerfen des eigenen Inneren bis hin zur völligen Unfähigkeit zur
Selbstwahrnehmung drohen. Die Folge davon sind erhebliche
Schwierigkeiten in der Kommunikation, die weitere Frustrationen und
Konflikte nach sich ziehen.
Im Zusammenhang dessen gewinnt der Begriff der Offenheit erst seine auffordernd allumfassende Bedeutung und kann durch eine ganze Existenz leiten. Güte, Gelassenheit oder Abgeklärtheit sind nicht Haltungen, die der Mensch diesen oder jenen genetischen Anlagen, diesen oder jenen Umweltbedingungen zufolge erhält. Sie sind vielmehr auch ein Zeichen für das Ausmaß, in dem ein Mensch offen blieb: Für ein Zeichen, das nicht als Zeichen für Erfolg und Misserfolg stand, sondern so plastisch und beeindruckbar blieb, dass es selbst in der Düsternis der Existenz den Anreiz zu neuer Entwicklung gab.
Flexibilität. Das heißt praktisch, nicht nur die Schatten der Existenz wahr zu nehmen, sondern auch jene Aspekte meiner Biografie zu erkennen, in denen ich gewachsen bin, in denen ich schließlich etwas aus mir heraus gebracht habe, mich „entäußert“ habe. Offen für die Frage sein: Wo befinden sich neue Entwicklungsmöglichkeiten und Pfade? Die Ich-Integrität bedeutet nicht nur, dass ich meine Biografie annehme, sondern dass ich auch ständig neue Aspekte meiner Person wahrnehme, sie spüre und sie verwirkliche. Im hohen Lebensalter erlebe ich einerseits vielleicht die körperliche Verletzlichkeit, aber andererseits birgt dies gestiegene Lebensalter auch die Fähigkeit des Menschen zu einer eher kosmischen Orientierung, d.h. seine Existenz in einen viel umfassenderern Zusammenhang einzubetten, dass sich das Selbst immer weiter ausdifferenziert, und soziale Beziehungen anders gestaltet werden. Kognitiv und emotional wachsen, das heißt auch das Selbstgestaltungspotential wahrzunehmen. Hannah Arendt sagt in ihrem Werk „Vita activa“ oder vom tätigen Leben“: „Im Austausch mit anderen Menschen zeige ich mich mit der Einzigartigkeit meines Seins, trete gleichsam auf die Bühne der Welt, gebe mich aus der Hand“. Es geht um den Austausch mit anderen Menschen in Tat und Wort.
Im Zusammenhang dessen gewinnt der Begriff der Offenheit erst seine auffordernd allumfassende Bedeutung und kann durch eine ganze Existenz leiten. Güte, Gelassenheit oder Abgeklärtheit sind nicht Haltungen, die der Mensch diesen oder jenen genetischen Anlagen, diesen oder jenen Umweltbedingungen zufolge erhält. Sie sind vielmehr auch ein Zeichen für das Ausmaß, in dem ein Mensch offen blieb: Für ein Zeichen, das nicht als Zeichen für Erfolg und Misserfolg stand, sondern so plastisch und beeindruckbar blieb, dass es selbst in der Düsternis der Existenz den Anreiz zu neuer Entwicklung gab.
Flexibilität. Das heißt praktisch, nicht nur die Schatten der Existenz wahr zu nehmen, sondern auch jene Aspekte meiner Biografie zu erkennen, in denen ich gewachsen bin, in denen ich schließlich etwas aus mir heraus gebracht habe, mich „entäußert“ habe. Offen für die Frage sein: Wo befinden sich neue Entwicklungsmöglichkeiten und Pfade? Die Ich-Integrität bedeutet nicht nur, dass ich meine Biografie annehme, sondern dass ich auch ständig neue Aspekte meiner Person wahrnehme, sie spüre und sie verwirkliche. Im hohen Lebensalter erlebe ich einerseits vielleicht die körperliche Verletzlichkeit, aber andererseits birgt dies gestiegene Lebensalter auch die Fähigkeit des Menschen zu einer eher kosmischen Orientierung, d.h. seine Existenz in einen viel umfassenderern Zusammenhang einzubetten, dass sich das Selbst immer weiter ausdifferenziert, und soziale Beziehungen anders gestaltet werden. Kognitiv und emotional wachsen, das heißt auch das Selbstgestaltungspotential wahrzunehmen. Hannah Arendt sagt in ihrem Werk „Vita activa“ oder vom tätigen Leben“: „Im Austausch mit anderen Menschen zeige ich mich mit der Einzigartigkeit meines Seins, trete gleichsam auf die Bühne der Welt, gebe mich aus der Hand“. Es geht um den Austausch mit anderen Menschen in Tat und Wort.
Samstag, 2. Juli 2016
Samstagseinkauf
Ein
fleckiges Schild, eine beschriebene Fläche, wiest darauf hin:
„Dieses Objekt wird videoüberwacht“. Es ist ein Aufzug, der
gelegentlich funktioniert, gelegentlich auch nicht. Vollmetall. Er
lässt sich herab. Es riecht darin nach Urin
und Schweiß. Man wechselt auf einen Steg-Überweg,
der aus vom Dreck umschlossenen Betonplatten besteht. Überall liegen
Zigarrettenstummel, ein Ohrstäbchen dazwischen, ein zerknautschter Kaugummi. Die Kassiererin des
gegenüber liegenden Discountmarkts sagt nach meinem Einkauf (die
billigsten Würstchen, Cola der billigen Sorte) nachdem sie die Bezahlkarte in den Automaten gesteckt hat: „Sie dürfen.....“,
und „Schönes Wochenende“. Ich bin beglückt. Es kann jetzt alles
kommen, auch das Wochenende.
Ich habe Hunger und geh dem Bedürfnis natürlich sofort nach, obwohl ich die akademische Pflicht zur Aufschiebung einstudiert habe. Doch das ganze akademische Gedöns ist ja sowieso nichts wert, ist eine der Täuschungen, hinter denen ganz anderes steht.... Am Imbissstand (nicht McDonald's) darf ungeniert die „Curry-Wurst Spezial“ geschmatzt werden. Vorbei schlappende Personen können gemustert werden, ein Smartphone klingelt zu aufdringlich und ein Autofahrer ballt mit hochrotem Kopf die Faust. Ich beeile mich. Zuhause verstopfen farbige Prospekte den Briefkasten. Es gilt „Billiger“ in allen Variationen: Man studiert, wann es sich einzukaufen lohnt. Eigentlich würde mich "günstiger" mehr als "billiger" interessieren. Würstchen jagt Würstchen, daheim wird noch einmal am ranzigen Salat gefressen, dessen Kühlkette mehrfach unterbrochen ist. Ich bin wohl im falschen Film.....
Ich habe Hunger und geh dem Bedürfnis natürlich sofort nach, obwohl ich die akademische Pflicht zur Aufschiebung einstudiert habe. Doch das ganze akademische Gedöns ist ja sowieso nichts wert, ist eine der Täuschungen, hinter denen ganz anderes steht.... Am Imbissstand (nicht McDonald's) darf ungeniert die „Curry-Wurst Spezial“ geschmatzt werden. Vorbei schlappende Personen können gemustert werden, ein Smartphone klingelt zu aufdringlich und ein Autofahrer ballt mit hochrotem Kopf die Faust. Ich beeile mich. Zuhause verstopfen farbige Prospekte den Briefkasten. Es gilt „Billiger“ in allen Variationen: Man studiert, wann es sich einzukaufen lohnt. Eigentlich würde mich "günstiger" mehr als "billiger" interessieren. Würstchen jagt Würstchen, daheim wird noch einmal am ranzigen Salat gefressen, dessen Kühlkette mehrfach unterbrochen ist. Ich bin wohl im falschen Film.....
Montag, 6. Juni 2016
Traum von Unsterblichkeit
Es klingt wie Science-Fiction, aber es ist ein Traum,
der derzeit besonders im Silicon Valley intensiv geträumt wird. Zahlreiche
Startup-Firmen und Forschungslabore sind dahinter her. Natürlich
wird dies auch erst mal zur Polarisierung der Gesellschaft beitragen.
Diejenigen, die sich so etwas leisten können, werden das tun. Die
anderen werden ausgeschlossen sein. Angefangen hat es mit dem
Klonieren. Warum Kindermachen, wenn man Kopien seiner selbst machen
kann? Klone. Das Schaf Dolly war Vorreiter, an bestimmten Pferden
wird es heute praktiziert. Natürlich müssen sie die besten,
schnellsten, teuersten sein. Klonieren bedeutet, mehrere identische
Kopien eines Objekts zu haben. Derzeit ist das noch schwierig, aber
machbar. Das Klonen befasst sich deshalb gerne mit Pferden, weil die
enormen Kosten des Vorgangs durch den Erlös der Klonpferde oft
gedeckt wird. Viele Forscher gehen davon aus, dass viele
Eigenschaften eines Individuums zu 30 % genetisch bedingt sind und zu
70 % andere Ursachen haben. Im sozialen Verband verhalten sich solche
Objekte wie alle anderen. Niemand kann erkennen, was geklont ist und
was nicht. Es ist dies die Ausgangsposition vieler Fantasy-Filme. Ob
das alles beim Menschen möglich ist? Es gibt noch Schwierigkeiten.
Es gibt auch noch ethische Schwierigkeiten. Besonders Länder in
Europa haben diesbezüglich etliche Gesetze erlassen. Doch der
sogenannte „Fortschritt“ wird auch hier fortschreiten. In einigen
Ländern Asiens ist das jetzt schon ohne Probleme möglich. Derzeit
beliebt ist das Werben fürs Klonieren zu therapeutischen oder
medizinischen Zwecken. Ein Ersatzorgan nach dem eigenen Bauplan
gefällig? Es ist ja eine beliebte Methode, technischen Fortschritt
durch kleine „Apetitthäppchen“ schmackhaft zu machen und danach
im großen Stil ökonomsich gut produzierbar einzuführen, - egal,
was und zu welchen Opfern es führen möge.
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Freitag, 20. Mai 2016
Jugend und Alter (1)
Das Alter und seine Gesundheit schieben viele gerne
von sich, verdrängen es. Jemand, der schon mit einem ernsten
Gebrechen im Krankenhaus lag, kennt das aus seiner Sicht. Viele
Besucher machen dann die Tür hinter sich zu und sind froh, dass es
sie selbst nicht getroffen hat. Genauso sagt der junge Mensch: Das
Alter ist noch weit weg! Es betrifft mich nicht. Pointe: Es wird
soooo schnell kommen und ist schon so nah! Zeit verdödeln und
verdaddeln glaubt sich jemand in einer bestimmten Lebensphase leisten
zu können. Später nicht mehr. Diese „Jungen“ sind in einer
Ersten Welt aufgewachsen, die sich zum Zwecke des Profits und der
optimalen Ausbeutung an den Rest des Globus hängt. Wer etwas am
„Wohlstand“ teilhaben will und dorthin flüchtet, wird
schlichtweg als unerwünscht erklärt und abgeschoben.
„Wirtschaftsflüchtling“ nennt man hierzulande so etwas
abschätzig. Dabei ist diese Welt samt ihren eigenen Bezügen
inzwischen wenige Flugstunden von Frankfurt entfernt, die Gegensätze
haben sich bei einer solchen Nähe erheblich verschärft. Wer kann damit etwas anfangen, was nicht zynisch wäre? Was ist das
für eine Welt? „What a wonderful world“? Der Jugendwahn greift
in allen Lebensgebieten um sich, die Verklärung und Idolisierung
dieser Jugend dominiert. Wieso? Weil sie zahlenmäßig immer
weniger wird. Weil der Mensch anfangs so aussieht, wie er aussieht. Weil er vermeintlich leistungsfähiger ist (ohne den Faktor "Erfahrung"). Weil junge Menschen form- und programmierbar sind, weil sie schneller lernen. Ökonomie, Sozialversicherungssystem, Familienpolitik, - alles
versucht, darauf mit einer zusätzlichen Vergötterung der Jugend zu
reagieren. Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Hinzu kommt dass der Mensch ein „Relativrezeptor“ ist,
wie manche Kreise in der Ernährungswissenschaft behaupten: d.h. Er
ist auch geschmacksmäßig sozialisiert und geprägt auf das, was er
in der Jugend erfährt: Das künstliche Aroma eines Joghurts zum
Beispiel, das er nie anders hat kennen lernen können (Besonders, wenn
ihm das finanziell nie nie möglich war). Naturjoghurts kommen ihm im
Vergleich dazu roh und zu kräftig vor.
Dienstag, 22. März 2016
Abziehbilder
Putzig, wie jetzt ein sogenanntes „Enfant Terrible“ der
Fußballbundesliga das andere in Schutz nimmt! Aus der Rolle gefallen
und dabei besonders in zeitlicher Hinsicht nicht richtig dosiert. Auf dem Rücksitz
eines Taxis 75 000 Euro aus Versehen liegen gelassen. Einer
Journalistin das Handy abgenommen und alle unliebsamen Fotos darauf
gelöscht. In scheinbar lockeren Posen sich videografieren lassen.
Hm, solche Leute haben ihren Narzissmus auf die Spitze getrieben und
verkaufen das als besonderes Beharrungsvermögen und Charakterstärke.
Gerne ist auch von „Privatsphäre“ und „Mut zum Fehler machen“
die Rede.
Dass sie aus der Rolle gefallen sind, lenkt doch nur ein Licht darauf, wie dekadent diese ganze Branche inzwischen ist. Wer die Inszenierung nicht durchhält und sie nicht kapiert, wird suspendiert. Es geht offenbar um die "Vorbildfunktion". Stimmt. So geht’s ja offenbar auch bei den Topmanagern der Industrieunternehmen zu, wie gestern wieder bei der ARD im TV zu verfolgen war. Da gibt es hochbezahlten Druck für eine Funktion, die sich lächelnd und arrogant auf die Seite der Besserwisser, Durchpeitscher und knallharten Bestimmer schlagen muss. Klar, wird ja auch erwartet! Wer hier aus der Rolle fällt, passt nicht in das Gesamtgefüge, das Macht, Können und gnadenlose, dem Profit untergeordnete Menschenführung suggerieren soll. Die Fußballer geben doch nur das grobe und sehr pointierte Abziehbild davon.
Dass sie aus der Rolle gefallen sind, lenkt doch nur ein Licht darauf, wie dekadent diese ganze Branche inzwischen ist. Wer die Inszenierung nicht durchhält und sie nicht kapiert, wird suspendiert. Es geht offenbar um die "Vorbildfunktion". Stimmt. So geht’s ja offenbar auch bei den Topmanagern der Industrieunternehmen zu, wie gestern wieder bei der ARD im TV zu verfolgen war. Da gibt es hochbezahlten Druck für eine Funktion, die sich lächelnd und arrogant auf die Seite der Besserwisser, Durchpeitscher und knallharten Bestimmer schlagen muss. Klar, wird ja auch erwartet! Wer hier aus der Rolle fällt, passt nicht in das Gesamtgefüge, das Macht, Können und gnadenlose, dem Profit untergeordnete Menschenführung suggerieren soll. Die Fußballer geben doch nur das grobe und sehr pointierte Abziehbild davon.
Sonntag, 28. Februar 2016
Spassgesellschaft
Moderne Harlekins verkaufen sich um die Wette. Machen
Scherze, spielen mit der realen Umgebung, führen etwas vor. Sie
haben die lustige Zipfelmütze auf und verkaufen genau das, diese
Pose, - wie einst ihre Vorfahren. Niemand nimmt sie ernst, denn sie
sind ja die Harlekine. Sie halten Leuten den Spiegel vor und die, die
sich darin sehen, nennen das „Freiheitliche Grundordnung“. Jeder
kann lachen, so lange er will. In der „Privatheit“. Es ist
dadurch noch mehr entwertet als früher. Es ist völlig bedeutungslos
geworden, eine Belustigung, Teil eines herrschenden Hedonismus. „Ich
will Spass“, damit sang sich schon ein Sänger vor vielen Jahren prophetisch in
die Hitparaden und gab damit ein Motto aus. Es ist dies ein Teil der real existierenden und umwerfenden Gewalt. Selbst schuld, wer damit Probleme hat. Soll er ein Geschäft daraus machen
und seine Verzerrungen als Narretei verkaufen. In dieser neoliberalen
Gesellschaft ist alles zu kaufen und zu verkaufen, das scheint
„alternativlos“. Experten gerieren sich als Spezialisten dazu.
Werbespots führen eine geschönte Realität vor und erzielen ihre
Wirkung. Man fragt sich, ob man träumt. Das kann doch nicht wahr
sein, - ist es aber. Das gilt, nichts anderes. „Pursuit of
Happiness“ möglich machen, selbst das ist ein Traum der
Vergangenheit, ausgeträumt in den USA als Folge einer Flucht aus den
alten Verhältnissen. Aus dem alten, beengten Europa. Was aber heute
tun? Dämmernd resignierend in sich verschwinden?
Samstag, 27. Februar 2016
Komödie Comedy Life
Ich verschwinde in der Bedeutungsebene einer
Comedy-Sendung, ich sehe offenbar alles mit einem humoristischen
Abstand. Ich muss lachen, ich nehme wenig oder gar nichts mehr ernst.
Ich löse mich von der Realität um mich herum und täusche mich mit
anderen. Ich lasse mich animieren. Es erfasst mich eine Leichtigkeit.
Doch die Sendung ist plötzlich aus und die raue Wirklichkeit fasst
einen an. Ich habe noch Probleme, verschiedene Dinge um mich herum
ernst zu nehmen. Schon den aprupt folgenden Programmhinweis, den
„Trailer“, finde ich urkomisch. Ist aber gar nicht so gemeint.
Ich bin in die einzige Situation hinein gerutscht, die mir als solche
eine Zeit lang Probleme macht. Ich erkenne sie nicht richtig, diese
Situation. Ich finde ihre Figuren lächerlich. Ich bin nicht
rechtzeitig zurück gekehrt in die „wahre“ Bedeutung. Ich bin
wohl kein Realist. Die humoristische Deutung hat mich gekriegt, sie
hat mich offenbar ganz erobert, - für eine gewisse Zeit. Ich bleibe
am Fernseher und sehe Nachrichten. Wie grotesk, das alles! Und diese
Figuren! Die meinen es ernst! Letztenendes reden sie immer vom Geld,
nur ich scheine diesen „Ernst des Lebens“ zu verkennen. Was ist
das? Kneif mich! Ausgerechnet ich abgehoben? Von einem
„Programmplatz“ angeregt? Das geht gar nicht. Absurd. Bizarr. Was
ist das?
Sonntag, 7. Februar 2016
Dada (2)
Unter anderem Hugo Ball, Emmy Hennings, Richard
Huelsenbeck, Tristan Tzara und Hans Arp sollen dazu gehört haben, zu
den ersten „Dadaisten“, jenem Kreis von Künstlern, die sich 1916 im
„Cabaret Voltaire“ in der Spiegelgasse in Zürich getroffen
haben. Nicht schlecht. Kenner kennen diese Namen. Die Bühne und der Zuschauerraum wurden dann zu einer
Experimentalzone, in der seltsam subversive Aktionen stattgefunden
haben. An den Wänden hingen Plakate mit seltsam ausgelassenen
Buchstaben und dazwischen hingen Bilder von Hans Arp herum.
Dazwischen wurden seltsam verquere Gedichte aufgesagt. Es wurde alles
zu so etwas wie einem Gesamtkunstwerk. Allgemein war Improvisation
angesagt, das Publikum begeisterte sich bis hin zum Krawall. Schön,
dass man das so eingrenzen und ablegen kann. Das also ist Dadaismus.
Aha. Verwegene Geister, das. Damals. Das Aufbegehren, der Protest, das
Explosive daran wird heute gerne ausgeblendet oder in ein
Konsumprodukt, eine Show oder derartiges einbezogen. In Hippiezeiten
kam so etwas noch einmal hoch. Gelegentlich. Hugo Ball wurde im
Zusammenhang mit Hermann Hesse prominent. Performance, Fluxus,
Surrealismus und all das Zeugs? Kam später. So versuchen wir, uns
die Dinge zurecht zu klauben, auch wenn das eigentlich gar nicht
geht. Denn im Menschen scheint das Spontane, das Authentische, das
Unmittelbare oder Intuitive immer noch auf. So ganz ist er bis jetzt
noch nicht in seiner Ruhigstellungsblase untergegangen. Einstweilen
sind da noch ein paar Probleme zu bewältigen. Aber Google und andere
Big Datas arbeiten hart daran. Wir werden glücklich in unserer
Berechenbarkeit, in unseren Algorithmen sein.
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