Reise durch Wirklichkeiten

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Montag, 9. Juni 2025

Abgrenzen

Was heißt im urbanen "Woke"-Jargon „sich abgrenzen“? Ich forsche nach: Wiki: Eine Bedeutung richtet sich nach innen, da geht es darum, gut du bei dir bleiben. Es bedeutet, dass du keine Gefühle von anderen übernimmst und dir deiner eigenen Gefühle bewusst bist…. Emotionale Abgrenzung ist die Fähigkeit, sich selbst emotional von den Gefühlen, Erwartungen und Problemen anderer zu distanzieren.Hochsensible Personen stehen oft unter Stress, da sie von äußeren Reizen und den Gefühlen anderer übermannt werden. Gleichzeitig fällt es ihnen jedoch sehr schwer, Grenzen zu setzen und auch mal ein klares „Nein“ zu äußern. Sie haben sehr feine Antennen für die Gefühle der anderen Personen, weshalb sie diese auf keinen Fall verärgern wollen. Lieber stellen sie die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, damit es den anderen gutgeht. Man übernimmt aus Gutmütigkeit nahezu jede „Pflicht“.

Montag, 9. Dezember 2024

Romantik reloaded

Romantik, eine Sache der auf 1790 folgenden Jahre? Es scheint Unklarheit darüber zu herrschen, über was man sich auseinandersetzen wolle und über was nicht. Ich bin der Überzeugung, dass Romantik ein Phänomen ist, das bis heute aktuell ist und keineswegs im 19. Jahrhundert sein Ende fand. Auch heute wird versucht, mit den Mitteln der Werbung und der PR die Romantik auf vielerlei Arten auszunutzen. Zuspitzung auf charismatische Persönlichkeiten, Verklärung und Mystifizierung sind dabei probate Mittel, um manche Leute zu etwas zu bringen, ihnen einen bestimmten Impuls in einer bestimmten Richtung zu geben. Ja, auch dazu eignet sich die Romantik heute noch. Zudem scheint es ja so zu sein, dass in der Romantik dem Individuum ein hoher Wert zu gesprochen wird. Dass dies entgegen „offizieller Beteuerungen“ zunehmend bedroht ist, wird ja wohl kaum jemand bestreiten. Insbesondere die Mittel der Technik scheinen oft darauf gerichtet, Menschen zu einem Faktor und einer Ziffer zu reduzieren, mit der dann (oft in Algorithmen) gerechnet und umgegangen werden kann. Dies immer wieder zu erkennen und kritisch aufzuspießen, scheint mir eine Richtung zu sein, die manche derjenigen, die die Romantik lieben, einzuschlagen bereit sind. Dass diejenigen sich nicht in künstlichen Internetblasen und Echokammern verschanzen, sich nicht durchweg in Bewunderung und Erbauung scheinbar „romantischer“ Phänomene ergehen, sondern Fragen stellen, zuspitzen, sich und ihre Meinung einem kritischen Diskurs ausliefern, erscheint mir selbstverständlich und jeder echten Erkenntnis voraus zu gehen. Und: Wer allgemeine Dinge wie etwa Erwartungen kritisiert, der sollte nicht unbedingt mit solchen Erwartungen (die er selbst ablehnt) identifiziert werden.

Sonntag, 21. Januar 2024

Trägheit

Es war auch die Trägheit, die immer gebremst hat. Natürlich die Trägheit. Das im Sein sein. Das jämmerliche Vegetieren. Von einem zum andern. Dieses „man wird sehen“. Die Sphäre unter den Fingernägeln des Alltags, die hat dich nicht nur interessiert, sie drängte sich dir geradezu auf. Die Basics, die du erkanntest: Das „sich inszenieren“, egal als was. Wenn nötig als Intellektueller. Als Bohemian. Als Gutmensch. Durchsetzungsfähig. Als Winner. Als Wichtig. Alles ist eine Frage der Menschenführung. Die Basics sind: es gibt Alpha- und Omegas. Du musst der Boxer sein. Die anderen vor dir her treiben. Bestimmen. Ich habe mit der Muttermilch eingesogen, dass es auch darum ginge, solche oft von der Natur gesetzten Bedingungen zu überwinden. Dabei sind sie das einzig wichtige. Dieses im Halbschlaf Dämmern. Wenn du nur bei dir bist. Wenn der Fernseher nicht läuft und du auch kein Buch zur Hand hast. Keine Ablenkung. Du hast es mit dir aushalten müssen, du musst das ein Leben lang. Hast zu hohe Erwartungen an dich gehabt, implizit. Die Typen entwickeln sich in ihre Richtungen, Möglichkeiten. Taugenichts, Lehrer, Musiker, Programmierer. Familienmensch. New York. Auswanderer, Pionier im Westen. - jetzt sind wir viel weiter und können lachen über alles und über uns: wie naiv wir doch damals waren. Woher kommen solche „Resets“? Es ist genau das, was ich zu überwinden suche, diese unharmonische, von außen bestimmte zerissene Persönlichkeit. Ich wollte und will eine vorläufige Einheit. Ich will über mich selbst lachen in der Gegenwart. Nicht über meine Vergangenheit. X x How do we want to live? Where do we want to live? What does this mean to us? There is a panting that usually follows the winners. Or do we want to compensate for this on the road with as many electric kilowatts as possible? When we find ourselves, model ourselves or are we after what “self-optimization” is currently the propaganda of the zeitgeist? Do we want to strive for contentment, a view of ourselves that is embedded in whatever environment? Or do we want to indulge in the uninhibited egoism that has neoliberalism as its ideology and seeks the pursuit of profit, especially at the expense of the general public? What is, what could generality actually be? What socialists and communists carry in front of them like a monstrance? The State? Doesn't the state also have totalitarian traits that it imposes on us? Isn't the super-corporation legitimized by election - or is it the sovereign? Feeling good, wellness - in this world of climate change and the mass slaughter of animals? What role could serious ethics and morals play, which do not depend on the beliefs of the churches and perceive tradition as one value among others? Is it about moderation, about the “right measure” or “keeping things in moderation”. What role does “care for oneself” (Foucault) or moral behavior play? What could be the reason for this? Discipline and obedience... in a neoliberal environment? In an imaginary environment? Where are we? Who are we? Wanting to talk about such things in a lively exchange, exchanging views and stimulating each other could be a discipline that has a future. It was also inertia that always held us back. Of course the inertia. That being in being. The miserable vegetating. From one to the other. This “we will see”. The sphere under your fingernails of everyday life not only interested you, it almost forced itself on you. The basics that you recognized: “presenting yourself”, no matter what. If necessary as an intellectual. As a bohemian. As a do-gooder. Assertive. As a winner. As important. Everything is a question of leadership. The basics are: there are alphas and omegas. You have to be the boxer. Driving the others ahead of you. Determine. I absorbed with my mother's milk that it was also about overcoming such conditions that are often set by nature. They are the only important thing. This half-asleep dawn. When you're just with yourself. When the TV isn't on and you don't have a book to hand. No distraction. You had to put up with it, you had to endure it for the rest of your life. You had too high expectations of yourself, implicitly. The guys develop in their own directions and possibilities. Good-for-nothings, teachers, musicians, programmers. Family Guy. New York. Emigrant, pioneer in the West. - now we are much further along and can laugh about everything and about ourselves: how naive we were back then. Where do such “resets” come from? It's exactly what I'm trying to overcome, this inharmonious, externally determined, torn personality. I wanted and want a temporary unity. I want to laugh at myself in the present. Not about my past.

Sonntag, 2. Oktober 2022

Sich kennen lernen

Was hat es mit uns gemacht? Wie ging das alles zu? Wie wurden wir der, der wir jetzt sind? Wir werden unserer menschlichen Identität nur sicherer, wenn wir auch unsere Vergangenheit studieren und aufnehmen können. Eine Art dafür finden, die eigene Art. Welchen Weg wir schon gegangen sind, um zum jetzigen Zustand zu gelangen. Was habe ich daraus gelernt (nicht mehr die Frage eines Bildungsbürgers...)? Ging es mir viel zu wenig ums Lernen? Wo bin ich voran gekommen? Welche Inspirationen gab es? Was hat sich in mir festgehakt? Was hat mich befördert und was behindert? Hat es mich überhaupt beeinflusst? Wie? Was? Welche Wege bin ich in meinem Leben gegangen, wird da aus heutiger Sicht eine Richtung erkennbar? Wie kann es sein, dass ich derselbe bin - und doch nicht derselbe? Irgendwie geworden. Ein Anderer? Oder derselbe? Wie habe ich die Dinge um mich herum zu verstehen versucht? Und bin dadurch aus mir heraus gekommen? Kann ich das am Heutigen spiegeln? Was sind die Wege, welche Umgebungen sind in mir mit was verbunden? Gebe ich mir das zu - oder gehe ich diesem „Lebe ganz in der Gegenwart“, diesem Gebot der hedonistischen Gegenwartssucher nach? Ist die Gegenwart, unser Existieren für mich nicht vielmehr ein Wunder? In das man hinein geworfen wurde, ohne es wirklich zu verstehen? Ich bin nicht bereit, scheinbare Selbstverständlichkeiten als solche in mich aufzunehmen. Das scheint eine Essenz zu sein, ein roter Faden. Überhaupt, ich würde gerne mehr rote Fäden erkennen an mir. Ich weiß aber auch, dass ich mich gespiegelt habe an Orten, an Verhältnissen, die damit verbunden waren und die mich beeinflusst haben, mit denen ich irgendwie zurecht kommen musste. Ich hatte versucht, zu funktionieren, hatte dies aber nicht so recht fertig gebracht. Erwartungen verfehlt. Ich war rechts und links ausgebrochen, es war wohl in mir angelegt. Dem zu folgen, mag ein Fehler gewesen sein. Ich kann das von heute aus besser erkennen. Ich habe registriert, wie mich Leute rechts und links überholt haben, wie viel sie schneller waren - aber nicht unbedingt besser.

Freitag, 28. Mai 2021

Warten auf....

In meinem Leben habe ich mir viel zu oft die Beine in den Körper gestanden. Lebenszeit vertan. Gewartet auf etwas Außergewöhnliches und auf etwas Gewöhnliches. Habe versucht, diese Zeit aufzuschreiben, sie zu reflektieren. Etwas daraus zu machen. Meine Reaktionen einzuordnen, sie zu analysieren. Sie in Verhältnis zum Mainstream „der Leute“ zu setzen. Mich überhaupt in andere Leute hinein versetzen. Auch abgewartet und dann versucht, zu reagieren, mich selbst dabei beobachtet. Bestimmte Leute behaupten beharrlich, dafür keine Zeit zu haben. Gewisse Vorgesetzte jedoch haben währenddessen Damen flach gelegt und zahlreiche Familien gegründet, gefressen, gefickt, gehätschelt, betreut, geliebt, gehasst, getrennt, gegründet, gemacht und getan, sie haben am „aktiven Leben“ teilgenommen, - so wie das vorgegeben erscheint. Trotzdem: der morgendliche Druck zu Denken, etwas aus mir heraus zu quetschen, das Machen und Tun, in dem ich mich auch vorwärts zu bewegen versuchte, das gemeinsame Schaffen an etwas Größerem, all das, habe ich vielleicht dann doch vermisst. Ich habe um mich geblickt und versucht, dabei das zu empfinden, was ich möglichst wortreich phantasievoll aufschreiben konnte. Ausgerechnet ich bewegte mich in einer Bahn, einer Art, die jedermann gefallen wollte und davon sogar ökonomisch abhängig war.

Dienstag, 6. April 2021

In der Arena (Text)

Man erwartete Tausende an diesem Tag im August. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und blickte mich um. Die Ränge waren leer. Niemand im weiten Rund. Das war schon vorgekommen, kam eigentlich jeden Tag vor, das wusste ich. Das Interesse der Zuschauer hatte allgemein nachgelassen in letzter Zeit. Einige vermuteten, es hätte eigentlich nie richtig Bestand gehabt. Dies war jedoch die Meinung einiger unverbesserlicher Pessimisten und einen solchen Luxus wollte ich mir, für meine Person, noch nicht leisten. Außerdem waren die Spitzenkämpfe ja nach wie vor bestens besucht. Ich selbst war ja noch in einem Alter, das zu "gewissen Hoffnungen" Anlass gab. Jawohl, genauso hieß es in den offiziellen Verlautbarungen des Verbandes "über die allgemeine Situation des herangewachsenen Nachwuchses". Man hatte ja auch in mich investiert und nach gewissen statistischen Berechnungen war die Möglichkeit meines Erfolges größer als die meines Scheiterns. So investierte man also, ohne es eigentlich zu wollen. Natürlich hatte ich ein Recht darauf, man hatte ja lange darum gekämpft. So ging alles seinen vorgezeichneten Weg. Mancher hatte Pech und wurde gleich in die unterste Kaste eingestuft. Viele drängten sich direkt auf oder kämpften sich den Weg auf andere Art frei. Dass man dabei vor nichts zurückschrecken dürfe, war die einzige Regel, die galt. Wieder Andere hatten die sogenannten Stammplätze. Und dann gab es die, welche überhaupt keine Plätze belegt hatten. Es war nun niemand klar, wie diese Individuen einzustufen seien, zumal sie sich einer solchen Einschätzung immer wieder entzogen und die Qualifikationsrunden einfach keinen Aufschluss darüber gaben. Es wurden nun Schaukämpfe inszeniert, durch welche sich diese gemäß dem Beifall des Publikums qualifizieren konnten. Dieser wurde an der Anzahl der Münzen, die in die Mitte der Arena geworfen wurde, zuverlässig abgelesen. So konnte man über die Hoffnungsrunde direkt zu den Endkämpfen aufsteigen. Es war dies durchaus nicht das Übliche, trotzdem fand niemand etwas dabei. Außerdem war von den Ausrichtern verbreitet worden, jeder könne per Los an dieser Hoffnungsrunde teilnehmen, wenn er nur wolle. In Wirklichkeit war es doch so, dass nur sehr wenige die Chance hatten. Man munkelte, dass selbst die Veranstalter diese Teilnahmebedingungen nicht mehr genau kannten, was Leuten wie mir zu Möglichkeiten verhalf. Ich hatte lange zu denen gehört, die mit denen sympathisierten, die dies alles neu organisieren wollten dergestalt, dass jeder die gleiche Chance hätte, - oder doch zumindest die Teilnahmebedingungen einigermaßen klar wären. Man sah jedoch diejenigen, die am lautesten dafür eintraten, selbst langsam zu den Verbandsfunktionären aufrücken, oder sich in ihre eigenen Märchen einspinnen, auf deren Gültigkeit sie dann bei jeder Gelegenheit bestanden. Sie gaben sich dadurch auf eine gewisse Art dem Publikum preis, das dies seinerseits nicht honorierte. Die Einzeldisziplinen hatte ich immer den Mannschaftsdisziplinen vorgezogen, was meine Trainer schließlich akzeptierten, nachdem diesbezügliche Versuche immer gescheitert waren. Und so stand ich nun bei halb aufgeblendetem Flutlicht alleine in der Arena. Wann der Kampf begonnen hatte, das hatte ich längst vergessen. Ich wollte nur noch irgendwie über die Runden kommen, überleben. Das Rückgrat schmerzte inzwischen, es hatte schon viel aushalten müssen. Die Wunden brannten allmählich immer mehr, trotz des Sprays, dem meine Trainer extrem schmerzstillende Wirkung zumaßen, wenn sie mich in den Pausen damit einsprühten. Ich fürchtete den Zeitpunkt, zu dem ich den Schmerzen nachgeben würde. Ich wollte nicht mehr nur siegen, aber ich wollte auch nicht verlieren. Nur durchkommen, auch wenn die Gefahr bestand, dass man sich selbst am Ende nicht mehr wiedererkannte. Ich war getrieben, aus Angst, aus Verzweiflung, aus Begeisterung, und sollte immer mehr an die Grenze, den Abgrund gehen. Mein Gegner tauchte auf, verschwand wieder, manchmal in Begleitung, manchmal alleine war er doch auf eine Weise, die mich verunsicherte, präsent. Er schien der Siegertyp, zeigte doch ab und zu zeigte er kleine Schwächen, Stellen, an denen man ihn treffen konnte, was ich sofort als meine Chance identifizierte. Diese kostete Überwindung, und ich musste mich manchmal selbst vergessen, um mich in der Konzentration auf die Schwächen meines Gegners wiederzufinden. Am Horizont begannen die Vorbereitungen zu einer Siegesfeier. Ich wusste, wenn es wieder einmal keinen Sieger geben würde, einigte man sich auf einen provisorischen Übergangssieger, denn die Siegesfeier war eigentlich wichtiger als der Sieger selbst. Man interessierte sich nur für die Bilder, die eiligst von ihm angefertigt wurden, die der Held dann auch in aller Regel schnell unterschrieb und als Autogramme in der Menge verteilte. Aber bis dahin war noch ein weiter Weg für jemanden, der zuviel zweifelte, zuviel zögerte, wie meine Trainer sagten. Und so musste ich mich immer wieder auf unterer Ebene qualifizieren, kam voran und blieb doch stehen. Er verhielt sich äußerst flexibel und griff mal von dieser, mal von jener Seite an. Dabei versuchte er mich dort zu treffen, wo ich bereits verwundet war, setzte geschickt seine Finten und ließ mich von Zeit zu Zeit recht schlecht aussehen. Ich hatte mir jedoch Routinen angeeignet, die mich immer wieder vor entscheidenden Treffern schützten. Außerdem hatte ich die Qualität meines Panzers immer noch zu steigern vermocht, was sich natürlich in gewissen Situationen auszahlte. So konnte ich in den letzten Runden immer wieder aufholen, immer wieder herankommen, indem ich die Defensive in meinen Vorteil verwandelte und den Gegner in Fallen gehen ließ. Ich wusste, es würde empfehlenswert sein, beim Kampfgericht, das von den Veranstaltern vor langer Zeit eingesetzt worden war, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Zu diesem Zweck hatte man sich angewöhnt, es zu Beginn und am Ende untertänigst zu grüßen sowie seine Autorität mit Worten und Gesten zu feiern, wann immer sich die Gelegenheit bot. Ohne eigentliche Überzeugung, fast mechanisch, hatte ich anfangs diese Rituale mitvollzogen, sie mir dann aber abgewöhnt. Gegenwärtig neigte ich dazu, sie immer dann einzusetzen, wenn ich in Rückstand war und wieder aufschließen musste. Man wusste, dass vom Gericht Zusatzpunkte verteilt würden, die in der Endabrechnung entscheidend sein konnten. Es kannte jedoch niemand die genauen Kriterien, nach denen diese Punkte vergeben wurden. Und so versuchte man quasi aufgrund von Vermutungen eine gute Figur zu machen. Diese Vermutungen stützten sich hauptsächlich auf Verlautbarungen, die man den Veranstaltern zuschrieb und die nicht leicht zu verstehen und nach allen Seiten hin auslegbar waren. Im Innenraum der Arena waren auf allen Seiten Spiegel aufgestellt, die eine Orientierung erschwerten. Die Geschehnisse im Innenraum wurden durch sie scheinbar verdoppelt, ins Mehrfache gesteigert. Vorstellung und Wirklichkeit verschwammen sich multiplizierend ineinander. Dies trieb einen mitunter zur Verzweiflung, erlaubte jedoch gleichzeitig Flucht und Rückwege, auf die ja speziell meine Taktik abgestimmt war, deretwegen ich mir jedoch schon mehrere Verwarnungen wegen Passivität eingehandelt hatte. "Achtung, Achtung", so tönte der Lautsprecher: "Herr Affenmüller möge bitte zum Stadionausgang kommen, es erwartet ihn eine Überraschung!", und: "den Anweisungen des Ordnungspersonals ist unbedingt Folge zu leisten, andernfalls werden Verhaftungen vorgenommen!" Auf den leeren Rängen regte sich immer noch nichts. Vereinzelt waren Schreie, Lachen zu hören. Doch war nicht klar, von woher dies kam. Ich war auch zu sehr auf mich und diesen Kampf konzentriert, so dass ich mich nicht in der Weise darum kümmern konnte, wie ich es eigentlich wollte. Die Beunruhigung allerdings nahm zu. Man hatte in den letzten Tagen über Bestrafungsaktionen gelesen, doch wusste niemand, wieso und warum. Es hoffte nur jeder, dass es ihn nicht treffen solle, man versuchte diese Vorkommnisse so gut es ging zu ignorieren. Gong zur nächsten Runde, und ich stürzte, die Zitrone noch zwischen den Lippen, aus meiner Ecke. Mein Gegner war wieder verschwunden, was zu seiner Strategie gehörte, ich hatte mich daran gewöhnt. Vielleicht wollte er aufgeben, wahrscheinlicher war es, dass er die Absicht hatte, mich zu verunsichern. In den Spiegeln sah ich mich grinsen und wartete, wartete ............

Dienstag, 12. Januar 2021

Hamsterrad und Wachstum

Hamsterrad? Es muss sich wohl immer schneller drehen, um bestehen zu bleiben. Die gut und sicher dotierten Geister nennen das, was dabei heraus kommen soll, - Wachstum. Wir sollen möglichst zügig wieder einsteigen, sobald wie möglich. Einstweilen wird es halt noch ein paar Tote geben. Dabei haben wir unter Umständen Zeit gehabt, genau darüber nachzudenken. Natürlich sind wir Menschen begegnet, die sich da raus ziehen wollten oder die raus gezogen wurden. Doch es war stets schwierig für sie, ins Hamsterrad zurück zu kehren, um die für den Lebensunterhalt notwendige Kohle zu verdienen. Den „Platz in dieser Gesellschaft“ zu verlieren ist wohl das Mindeste, was dabei droht. Die Entscheidungsgewalt bei der Beschaffung bezahlter Arbeit zu behalten, ist schwierig. Es entsteht wohl eine Art Erwartungsdruck, etwas zu leisten. Ein Fetisch, um den sich viel dreht in dieser Gesellschaft. Wie eigentlich ist das heute, im Zeitalter der Massenentlassungen und der Überhonorierung von sogenannten Führungskräften, genau definiert? Leistung? Leistet eine klassische Hausfrau nichts, bloß weil sie nicht bezahlt wird? Wo ist da die Grenze? Können wir weiterhin, auch angesichts ökologischer Grenzen, auf Wachstum setzen? Da scheint immer noch etwas zu gehen, die Verdichtung der Arbeit etwa scheint keine Grenzen zu kennen, der Phantasie sind an dieser Stelle kaum Grenzen gesetzt, es werden immer wieder "Lösungen" gefunden. Spätestens im Rahmen unseres Nachdenkens hat sich die Frage erhoben, was denn eigentlich gut für uns sei und wie wir leben wollen. Ob uns dieses Hamsterrad die Freiheit von ökonomischen Zwängen und die Selbstbestimmung gebracht hat.

Dienstag, 7. Januar 2020

Gemeinschaften, Zugehörigkeiten

Ob manche Leute von einer Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft träumen, nachdem die Globalisierung und der Neoliberalismus alles zerhackstückt und vereinzelt haben? Ob sie sich da gewissen Illusionen hingeben? Gemeinschaft könnte ja auch bedeuten, dass man gewisse Werte teilt…… So etwas kann womöglich schnell über den Status einer Verpflichtung hinweg zu einer Art Zwang werden, den diese Gemeinschaft auf den Einzelnen ausübt. Im Sinne einer Freiheit und „Befreiung“ könnte es insofern unumgänglich sein, sich von diesen Konventionen zu befreien, auf Konflikt- und – im Extremfall! - Kollisionskurs damit zu gehen. Familie und Staat? Was ist der Staat überhaupt? Etwas demokratisch legimiertes? Diesem Irrtum sitzen meiner Meinung nach allzu viele derer auf, die sich als „Linke“ einordnen würden. Dass der Staat selbst sehr schnell gewalttätig werden kann, ist eine Erfahrung des zwanzigsten Jahrhunderts. Was ist „die Familie“? Die Klein- und Kernfamilie – oder die Großfamilie? Ob wir nach einigen sehr negativen Erfahrungen alle Gewalt dem Staat überschrieben haben? Ob der immer verantwortungsvoll damit umging? Was wäre die Alternative?

Samstag, 6. August 2016

Schönheitsoperationen heute, Korrekturen nur, ein bisschen lügen halt, so tun als ob

In den meisten Fällen können Lügen wohl auch vernünftige Gründe haben.Wie sieht es beispielsweise mit einer Schönheitsoperation aus? Ob's in diese aufgezogene Schublade fällt? Steht da jemand nicht zu seiner Identität, zur Wahrheit? Was ist in diesem Falle die Wahrheit? Heute, wo alles manipulierbar erscheint, in einem bestimmten Sinne beeinflussbar, relativ? Den Chancen möglichst optimal nachkommen, auch vor  sich selbst, kann das ein Fehler sein? Welche Maßstäbe habe ich aus welchem Grund übernommen, von etwas Kollektivem um mich herum, von der Gesellschaft, die mir durch diese Aktion vielleicht andere Chancen eröffnet? Muss man sich ein Beharren leisten können? Sich und sein Ding durchsetzen können? Ist das in Wirklichkeit ein Privileg? Die bittere Wahrheit in Botox ersäufen, eine Alternative? In einer Korrektur des Physischen, mit der ich mich vielleicht besser fühle, weil ich die Ansprüche der Gesellschaft vielleicht gar nicht mehr empfinde, weil ich sie verinnerlicht habe? Ob das alles auch fürs Psychische gilt? Fürs Seelische? Für eine innere Identität? Woher diese wohl kommt? Ob wir sie uns erarbeiten müssen? Aber aufgrund welcher Maßstäbe? Ob sie mir angeboren ist? Oder ob ich sie mir im Lauf der Zeit erwerbe? Auch gegen die Ansprüche der Gesellschaft auf dem Eigenen beharren. Das will gelernt und angestrebt sein. Im Wertesystem unserer Gesellschaft kommt dieser „Eigensinn“ wohl gar nicht mehr vor. Das Ich hat zugunsten eines „wir“ verloren. Das „Wir“ kontrollieren Konzerne, lang-, mittel- und kurzfristige kommerzielle Interessen. Wie sieht's da mit der „Schönheitsindustrie“ aus? Manches scheint nicht so zu funktionieren, wie versprochen. Macht nichts, Hauptsache man benutzt es. Schließlich ist es ein Instrument der Darstellung des Status. Genau wie das Manipulieren des scheinbar Äußeren, das doch mit dem Inneren viel zu tun haben kann. Vernunft ist halt ein zwiespältig Ding, - das haben schon die Vertreter der Kritischen Theorie gezeigt.  

Samstag, 30. Juli 2016

Schönheitsoperation

Zwei beispielhafte Aussagen: Frau, 31: „Ich hatte kaum Brust, Körbchengröße A. Po habe ich auch nicht, habe einen flachen Arsch gehabt. War halt schon ziemlich unzufrieden. Habe mir dann die Brust machen lassen und zuletzt habe ich mir den Po aufpumpen lassen. Ich habe halt so meine Wunschvorstellungen von der Frau. Ich war einfach nicht zufrieden mit mir, wobei das weniger von den Männern abhing. Es hat mir selbst viel ausgemacht. Danach ist man schon auch mehr in sich selbst verliebt. Du veränderst dich, auch beim Sex. Du wirst viel lockerer und präsentierst dich mehr, weil du stolz bist auf diese Brust. Es ist so, dass du mehr Stellungen machst, bei denen du deinen Hintern präsentierst und noch mehr rausstreckst, als gewöhnlich. Ob man damit Erwartungen bedient? Ohne ist okay, aber so richtig gut erst mit Brüsten und Hintern? Ich ghe ja nicht mit meinen Brüsten und meinem Hintern auf die Gasse und präsentiere mich dort. Man muss auch nicht dauernd supereng angezogen sein. Ich merke aber schon, dass wenn ich einen Ausschnitt anhabe, mir die Männer nicht nur in die Augen schauen. Ich genieße das ja auch. Ich stehe dazu, dass ich eine OP gemacht habe und dass ich unzufrieden war. Wenn ich etwas nicht mag und nicht schön finde, dann tue ich es nicht, ich bin selbstbewusst und ändere es.
Frau, 55: Als was wollen diese operierten Frauen gelten? Als sexy? Es reduziert die Frau automatisch auf den Sex. Busen, Po, Po-Lifting? Für wen machen sie denn das? Nur für die Männer! Sie lassen sich freiwillig reduzieren. Wenn sich Frauen unters Messer legen, um sich „schön machen“ zu lassen, hat es wohl auch mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun. Mit fehlendem Selbstbewusstsein. Wenn ich alles verändere an mir, dann bin ich nicht mehr ich. Als ich jung war, habe ich Experimente ohne Ende gemacht, mir die Augenbrauen gezupft, schön mit Kayal nachgezogen. Frisur kann man verändern, den Lidstrich weglassen, angeklebte Wimpern kann man weg lassen, bloß, ich lasse doch nicht an mir herumschnippeln, weil jemand anderes das auch hat.


Sonntag, 21. Februar 2016

Maybe Marylin

Wer oder was war Marylin Monroe? Die Summe aus Mythos und ihrem kleinen Ich? Wenn sie in einem bestimmten Hotelzimmer saß, einsam und getröstet von einem Gigolo, musste sie den Verlust aushalten, nur noch ein Ich zu sein. Die Subtraktion des Mythos tat weh, er war einfach nicht herein zu nehmen in ihre Alltäglichkeit. Er trat immer nur in der Öffentlichkeit hinzu. Darin war sie das Sex-Symbol, die Verkörperung des Traums von Millionen von Männern, sie war der Körper, der die Rolle diktierte, die sie uns zu spielen hatte, - in der Welt und im Film. Sie suchte die Rehabilitierung ihres Geistes, ihres Kopfes an der Seite von Intellektuellen. Sie reagierte normal, d.h. wie ein sensibler Mensch und - schluckte Tabletten.