Ein Durchgang durch Realitäten aus meiner Sicht - Blog von Ulrich Bauer (Ergänzt ubpage.de)
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Sonntag, 23. November 2025
Bestimmtheiten?
Der freie Wille? Eine alte Streitfrage, gerade in der Philosophie. Haha. Ich sehe schon, wie die Auskenner die Augenbraue hoch ziehen.... Die einen behaupten, dass alles determiniert, also festgelegt sei: durch Gene, Umwelt, Gehirnstrukturen, Chemie, Normen.... Die anderen halten am freien Willen fest, weil der dem mündigen Bürger immanent sei, das heißt, ein wesentlicher Bestandteil seines Seins. Nun scheinen noch die digitalen Herrschaftsformen hinzuzukommen, die mehr oder weniger indirekt den Menschen zu entmündigen scheinen. Algorithmen scheinen unser Dasein in Zukunft zu bestimmen: und diese Zukunft hat schon angefangen. Wahrscheinlichkeiten, mit denen ein bestimmtes Ereignis eintritt, welche Nachrichten wir lesen und welche Konsumartikel wir kaufen, wie wir von Behörden belangt werden und welche Partei wir wählen: alles automatisiert und nach Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Wo da ein Bedürfnis nach Über- und Durchblick bleibt? Nach „Grundwerten“? Demokratie? Wie wohl die Juristerei damit umgeht? Ob das alles auch eine Machtfrage ist? Wem bedeutet dies etwas Konkretes? Wer einen praktischen Versuch mit Algorithmen unternehmen will, startet seine Suchmaschine. Selbst ihre Ergebnisse erscheinen verdeckt und ihre Kriterien erschließen sich möglicherweise nicht so schnell. Tatsache ist, dass Algorithmen vieles sogar besser zu wissen scheinen, als wir selbst. Der Mensch wird bei ihnen eine vorhersagbare Masse, die es zu steuern gilt. Doch nach welchen Kriterien? Ob "der Staat" diese vorgibt, wie jetzt bereits in einigen Ländern? Oder Firmen? Oder "Experten"?
Mittwoch, 25. Oktober 2017
Schopi über den Tod (7)
Artur Schopenhauer schreibt in seinem Werk „Parerga
und Parapomena“: „....daß die große Anhänglichkeit an das
Leben, oder vielmehr die Furcht vor dem Tode, keineswegs aus der
Erkenntniß entspringt, in welchem Falle sie das Resultat des
erkannten Werthes des Lebenssein würde; sondern daß jene
Todesfurcht ihre Wurzel unmittelbar im Willen hat, aus dessen
ursprünglichem Wesen, in welchem er ohne alle Erkenntniß, und daher
blinder Wille zum Leben ist, sie hervorgeht. Wie wir in das Leben
hineingelockt werden durch den ganz illusorischen Trieb zur Wollust;
so werden wir darin festgehalten durch die gewiß ebenso illusorische
Furcht vor dem Tode. Beides entspringt unmittelbar aus dem Willen,
der an sich erkenntnislos ist. Wäre, umgekehrt, der Mensch ein bloß
erkennendes Wesen; so müßte der Tod ihm nicht nur gleichgültig,
sondern sogar willkommen seyn. Jetzt lehrt die Betrachtung, zu der
wir hier gelangt sind, daß was vom Tode getroffen wird, bloß das
erkennende Bewusstseyn ist, hingegen der Wille, sofern er das Ding an
sich ist, welches jeder individuellen Erscheinung zum Grunde liegt,
vor allem auf Zeitbestimmenden Beruhendes frei, also auch
unvergänglich ist“. Schopi überdenken, solange noch Gelegenheit
dazu ist!
Montag, 11. September 2017
Schopi über den Tod (6)
„Auf den Menschen, als Erscheinung der Zeit, ist
der Begriff des Aufhörens allerdings anwendbar und die empirische
Erkenntniß legt unverholen den Tod als das Ende unseres zeitlichen
Daseins nahe. Das Ende der Person ist ebenso real, wie es ihr Anfang
war, und in eben dem Sinne, wie wir vor der Geburt nicht waren,
werden wir nach dem Tode nicht mehr seyn. Jedoch kann durch den Tod
nicht mehr aufgehoben werden, als durch die Geburt gesetzt war; also
nicht das, wodurch die Geburt allererst möglich geworden. In diesem
Sinne ist natus et denatus (geboren und gestorben) ein schöner
Ausdruck. Nun aber liefert die gesammte empirische Erkenntnis bloße Erscheinungen: nur diese daher werden von den zeitlichen Hergängen
des Entstehens und Vergehens getroffen, nicht aber das Erscheinende,
das Wesen an sich. Für dieses existirt der durch das Gehirn bedingte
Gegensatz von Entstehen und Vergehen gar nicht, sondern hat hier Sinn
und Bedeutung verloren. Dasselbe bleibt also unangefochten vom
zeitlichen Ende einer zeitlichen Erscheinung und behält stets
dasjenige Daseyn, auf welches die Begriffe von Anfang, Ende und
Fortdauer nicht anwendbar sind. Dasselbe aber ist, so weit wir es
verfolgen können, in jedem erscheinende Wesen der Wille desselben:
so auch im Menschen. Das Bewußtseyn hingegen besteht im Erkennen:
dieses aber gehört, wie genugsam nachgewiesen, als Thätigkeit des
Gehirns, mithin als Funktion des Organismus, der bloßen Erscheinung
an, endigt daher mit dieser: der Wille allein, dessen Werk oder
vielmehr Abbild der Leib war, ist das Unzerstörbare.“
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